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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Gesinde - Dienstbücher. 
Bezüglich der Ausfertigung der Gesinde-Dienstbücher sind wesentliche Ver 
änderungen nicht zu verzeichnen, sie erfolgt auch jetzt noch theils durch das 
Ge finde amt, theils durch die Vorsteher der Polizei-Reviere. Das Nähere ergiebt 
sich aus der nachstehenden Zusammenstellung. 
Es wurden: 
Dienstbücher ausgefertigt 
Dienstbücher 
es sind 
Jahre 
vom 
Gcsindeamt 
von 
den Revier- 
Vorständen 
zusammen 
als | als 
verloren gefunden 
angemeldet 
unermittelt 
geblieben 
1881 
5 521 
3 720 
9 241 
nicht 
nachweisbar 
160 
1882 
5 201 
3 839 
9 040 
desgl. 
174 
— 
1883 
4 949 
3 746 
8 695 
desgl. 
179 
— 
1884 
5 197 
3 731 
8 928 
1 009 
188 
821 
1885 
5 317 
4 269 
9 586 
925 
189 
736 
1886 
5 444 
3 889 
9 333 
1 007 
196 
811 
1887 
5 793 
4 331 
10 124 
974 
239 
735 
1888 
5 878 
4 537 
10 415 
1 325 
206 
1 119 
1889 
5 411 
5 068 
10 479 
1 268 
244 
1 024 
1890 
5 004 
6 018 
11 022 
1 337 
263 
1 074 
In dieser Zusammenstcllnng ist auch die Zahl der als verloren und der als 
gefunden angemeldeten Dienstbücher vermerkt. Eine Vergleichung beider Zahlen 
läßt erkennen, wie viele der verlorenen Dienstbücher unermittclt geblieben sind. 
Es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß der größte Theil derselben von 
den Inhabern nicht verloren, sondern wegen darin enthaltener schlechter Dienst 
abschiedszeugnisse vernichtet worden ist. Die im Vorbcricht erwähnte Anordnung 
des Polizei-Präsidiums, die verlorenen Dienstbücher auf Kosten der Verlierer durch das 
Jntelligenzblatt öffentlich aufzubieten, hat den beabsichtigten Zweck und die erhoffte 
Wirkung, dadurch jenem Unwesen zu steuern, leider nicht gehabt. Der Betrag der 
Ausgebotskosten (1 Mark für das Dienstbuch) schreckte die Dienstboten durchaus 
nicht ab, die Dienstbücher (sobald ein schlechtes Zeugniß darin enthalten ist) zu 
vernichten und dann als verloren anzuzeigen. 
Es ist nach Lage der Sache auch nicht anzunehmen, daß eine Erhöhung der 
Aufgebotskosten hieran etwas ändern würde und die Abtheilung V kann daher ihr 
Augenmerk nur daraus richten, die Herrschaften nach Möglichkeit vor der beabsich 
tigten Täuschung zu schützen, indem sie die letzten Dienslabschiedszeugnisse, welche 
wohl die Veranlassung zur Vernichtung des Dienstbuchs gegeben haben, in das 
an desien Stelle ausgefertigte neue Buch wieder eintragen läßt. 
Die Klagen über die übertriebenen Ansprüche der Dienstboten und über deren 
sonstiges Verhalten den Herrschaften gegenüber mehren sich von Jahr zu Jahr. 
Dies zeigen auch die zur amtlichen Kenntniß und Behandlung gelangenden Gesinde 
streitigkeiten. Nicht allein, daß die Zahl dieser Streitsachen ganz bedeutend 
zugenommen hat, bei der Erörterung derselben wird auch in der Regel der Dienst 
bote als der schuldige Theil erkannt. Besonders häufig liegt Kontraktbruch der 
Dienstboten vor. Dieselben verlaßen aus den geringfügigsten Ursachen, zuweilen 
sogar in der ausgesprochenen Absicht, die Herrschaft zu kränken und zu ärgern, außer 
der Zeit heimlich den Dienst und sind durch gütliches Einwirken nicht zu bewegen, 
den ihrerseits übernommenen kontraktlichen Verpflichtungen wenigstens bis zu der 
ortsüblichen Abzugszeit nachzukommen.
	        
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