Path:

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

360 
Leichen - Kommissariat. 
IV. Da» Erichen Ksnimrisariat. 
Vom Jahre 1867 bis Ende Februar 1886 befand sich der polizeiliche Leichen 
keller (Morgue) im Königlichen Anatomie-Gebäude. Am 1. März 1886 wurde das 
neue fiskalische Leichenfchauhaus an der Kommunikation am Neuen Thor "Nr. 19, 
jetzt Hannoversche Straße, eröffnet. 
Der westliche Flügel deffelben enthält die Dienstwohnungen für den Leichen- 
Kommiffar, zwei Leichendiener und einen Maschinisten, ein Wartezimmer für das 
Trauergefolgc, ein Büreau, ein Telegraphen-Zimmer und ein Zimmer zur Aufbe 
wahrung der bei Leichen vorgefundenen Sachen. 
Der Mittelbau enthält im Erdgeschoß den Ausstellungsraum mit 7 Zellen 
zur Aufnahme von 14 Leichen. Hier werden linbekannte Leichen zum Zwecke der 
Rckognition mit der Kleidung öffentlich ausgestellt. Unter diesen Zellen befindet 
sich im Kellergeschoß der Leichen-Ausbewahrungsraum init 13 Zellen zur Aufnabme 
voll 39 Leichen. Ferner befinden sich hier ein Raum mit 2 Dampfkesseln, 
1 Maschinenrauin, in welchem während der wärmeren Jahreszeit eine Kälte 
erzeugungs-Maschine (System Linde) in Thätigkeit ist; eine Ventilations-Maschine, 
ein Raum zum Leichenwaschcn, ein Raum zum Einsargen, ein Sarg-Magazin zur 
Aufnahme der sogen. Armen-Särge und eine für Leichen-Feierlichkeiten hergerichtete 
.Kapelle, mit einem Altar, einem dazu gehörigen Kruzifix, zwei Lellchtern und einem 
Sarg-Podium. 
Der östliche Flügel enthält im Erdgeschoß einen Obduktionssaal, ein Zeugen 
zimmer, ein Arbeitszimmer für den bei den gerichtlichen Leichenöffnungen amtirenden 
Richter, zwei Arbeitszimmer für die Gerichtsärzte und ein chemisches Laboratorium. 
Im ersten Stock befinden sich ein Obduktionssaal, ein Hörsaal und die Arbeits 
zimmer für den Direktor und den Assistenten des Instituts für Staatsarzneikundc. 
Das Büreau des Leichen-Kommissars ist an das allgemeine Fernsprechnetz 
angeschloffen. 
Die Thätigkeit des Leichen-Kommiffars erstreckt sich aus die Sicherstellung der 
Leichen solcher Personen, deren Tod nicht im natürlichen Verlauf der Dinge erfolgt 
ist, besonders solcher, die durch Unglücksfälle, Selbstmord oder durch frenide Schuld 
das Leben verloren haben. Er führt ferner die Aufsicht über das Leichenschauhaus, 
über die ihm unterstellten zwei Schutzmänner (ein Schreiber und ein Telegraphist), drei 
Leichcndicner, einen Maschinisten und bei größeren Beerdigungs-Feierlichkeiten über 
das Trauergefolge (Handwerker-, Krieger-Vereine rc.). Er ertheilt, sobald die 
Staatsanwaltschaft die Beerdigung der Leichen freigegeben hat, die polizeiliche Bc- 
erdigungs-Erlaubniß und hat für Vervollständigung, bezw. Ergänzung der gericht 
lichen Beerdigungsscheinc nach 8 59 des Reichsgesetzes vom 6. Februar 1875 
Sorge zu tragen. Die Beschaffung der Personalien der Todten erfordert einen 
recht' umfangreichen Schriftwechsel mit denjenigen Ortsbehörden, in deren Bezirk 
der Verstorbene geboren ist. Nach Eingang der gewünschten Auskunft iverden 
die Standesäniter um Berichtigung bezw. Vervollständigung der Sterberegistcr 
ersucht. 
Der Leichen-Kommiffarius hat auch die Liquidationen über entstandene Trans 
port- und Beerdigungskosten anzufertigen und nachdem dieselben rechnerisch geprüft 
worden sind, mit Hülfe der Polizei-Reviere, des Nachlaß-Gerichts bezw. der aus 
wärtigen Polizei-Behörden, die Einziehung der Kosten zn betreiben und die verein 
nahmten Beträge an die Polizei-Hauptkaffe abzuführen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.