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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

Sitten - Polizei. 
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als wünschenswcrth bezeichnet werden. Wer der Polizei einen Vorwurf daraus 
macht, daß sie diese Markte der Unzucht duldet, der vergißt, daß die Behörde er 
reichbare Ziele verfolgen und unter zwei Übeln das kleinere wählen inuß. Vertilgen 
läßt sich nun einmal die Prostitution in großen Städten nicht, man muß sich damit 
begnügen, sie in möglichst ungefährliche Bahnen zu leiten. 
Schanksachen wurden von der Sitten-Polizei bearbeitet im Jahre: 
1881 . 
. . 2 928 
1886 . . 
1 924 
1882 . 
. . 2 577 
1887 . . 
1 968 
1883 . 
. . 1 982 
1888 . . 
2 853 
1884 . 
. . I 948 
1889 . . 
7 089 
1885 . 
. . 1 920 
1890 . . 
7 668 
Die 924Schanklokale mit weiblichcrBediennng zerfallen in zwei, hinsichtlich 
des Geschäftsbetriebes und des Verhaltens der 2 022 darin beschäftigten Kellnerinnen 
wesentlich verschiedene Klassen. Diejenigen, in denen ausschließlich Bier und über 
wiegend hier gebrautes billiges Bier verschänkt wird, erregen in sittlicher Beziehung 
keinen Anstoß, die anderen aber, welche einschließlich der Tingeltangel, außer an 
geblich ächten Bieren, auch Weine verabreichen, sind lediglich auf die Ausbeutung 
des Leichtsinns und der Sinnlichkeit berechnet und wirken sehr verderblich. Auf 
geputzte Kellnerinnen, deren Zahl in gar keinem Verhältniß zu den wenigen erst in 
später Abendstunde sich hierher verirrenden Gästen steht, reizen durch zudringliche 
Liebkosungen und Verheißungen zum Eintritt in das für Weingäste reservirtc 
Hintere Zimmer, wo zu außergewöhnlich hoben Preisen die schlechtesten Weine auf- 
gcnöthigt, später auch ohne Bestellung gebracht und zumeist von den sich schnell um das 
Opfer ansammelnden Kellnerinnen, Sängerinnen, Wirthslcuten, dem Klavierspieler u.s.w. 
ausgetrunken oder verschüttet werden. Diese Orgien, deren Theilnehmcr sich in 
schamlosen Reden und Handlungen zu überbieten suchen, verschlingen oft den Ver 
dienst einer ganzen Woche und manchem ehrlichen Namen wurde hier das Grab 
bereitet. Die Polizei hat sich diesem Auswuchs gegenüber bisher ziemlich machtlos 
gezeigt. Zwar sind die Inhaber dieser schlecht beleumundeten Restaurationen gehalten, 
um 11 Uhr das Lokal zu schließen und thun dies auch, da sie aber geschäftlich nur 
mit den Einnahmen der nächtlichen Völlereien bestehen können, werden auf gegebene, 
oft vereinbarte Zeichen Gäste während der ganzen Nacht eingelaffen. Bei der von 
dem Wirth und seinem Personal angewendeten Vorsicht und Wachsamkeit gelingen 
Überrumpelungen auch durch nicht uniformirte Beamte sehr selten und wenn das 
ausnahmsweise mit viel Aufwand an Zeit und Mühe geschieht, so sind die geringen 
Geldstrafen, welche wegen Übertretung des § 365 des Str.-G.-B. zuerkannt und 
von dem Wirth den Geschäftsunkosten zugerechnet werden, im Verhältniß zu den 
Einnahmen so bedeutungslos, daß von einer abschreckenden Wirkung nicht die 
Rede sein kann. Diesem argen Mißbrauch der Konzession könnte nur gesteuert 
werden, wenn in Gemäßheit des Artikel 3 der Novelle zur Reichsgcwerbeordnung 
vom 23. Juli 1879 und der ministeriellen Bekanntmachung vom 14. September 1879 
die Erlaubniß zum Ausschank von Wein und Bier durch Ortsstatut von dem Nachweise 
eines vorhandenen Bedürsniffes abhängig gemacht würde. 
Beschlagnahmen unzüchtiger 
im Jahre 
1881 in 41 Fällen, 
1882 - 47 
1883 - 29 
1884 - 24 
1885 - 13 
-chriften, Bilder, Gummiartikel, haben 
in 7 Fällen, 
1886 
1887 
1888 
1889 
1890 
7 
15 
36 
13 
22 
stattgefunden. Bei einer der letzten (1890) allein wurden 16 000 Exemplare in 
Beschlag genommen. Die durch die Wegnahme empfindlich geschädigten Händler sind
	        
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