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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

Sitten-Polizei. 
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Da das Erekutivpersonal der Sitten-Polizei sich den an dasselbe gestellten An 
forderungen gegenüber als unzureichend erwies, mußte dasselbe entsprechend ver 
mehrt werden. Er besteht gegenwärtig aus 
1 Kriminal-Polizei-Jnspektor, 
1 Kriminal-Kommissar, als Vertreter desselben, 
10 Polizei-Wachtmeistern lind 
131 Kriminal-Schutzmännern. 
Es hat daher seit dem Jahre 1881 eine Vermehrung um 2 Wachtmeister und 40 
Schutzmänner stattgefunden. 
Die sittenpolizcilichen Vorschriften sind einer Revision unterzogen und 
zlifolgc Verfügung vom 1. März 1887 ani 1. Juli desselben Jahres in Kraft ge 
treten. Sie sind im Allgemeinen mit den früheren, unterm 10. Oktober 1876 er 
lassenen Kontrolvorschriften übereinstimmend. 
Die wesentlichste Veränderung besteht darin, daß das Wohnen und Gehen in 
den vornehmsten und verkchrreichsten Straßen, woselbst die Prostituirten, weil sie 
dort die beste Gelegenheit zur Anlockung von Männern fanden, sich vorzugsweise 
bewegten, insbesondere in der Friedrichstraße, Leipziger-, Potsdamer-, Königstraße u. a. 
den unter Kontrole gestellten Frauenspersonen untersagt ist. Die Dirnen haben sich 
diesem Verbote gefügt; die genannten Straßen, die früher ein Tummelplatz der 
Prostitution waren, sind gesäubert und ein großes Ärgerniß ist damit beseitigt. 
Im Übrigen sind theils Verschärfungen, theils Milderungen der früheren Be- 
stimmlmgen eingetreten. Hinzugetreten ist das Verbot, im Kellergeschoß an der 
Straßenfront zu wohnen, in offenen Wagen auf den Straßen oder im Thiergarten 
hin und herzufahren, minderjährige Dienstboten anzunehmen und auf den Stadt 
bahnhöfen sich aufzuhalten. Dagegen ist die Verpflichtung, bei jedem Wohnungs 
wechsel persönliche Anzeige in dem Revicrbüreau zu erstatten, in die neuen Vorschriften 
nicht mit aufgenommen worden, weil erfahrungsgemäß Eingeschriebene die polizeiliche 
Anmeldrmg häufig deshalb unterließen und der Kontrole sich entzogen, weil sie ver- 
ineiden wollten, den Beamten des Reviers als Prostituirte vorgestellt zu werden. 
Den Geschästsumfang anlangend sind im Jahre 1890 in sechs Journalen, 
drei Registratur-Journalen und drei Spezial-Journalen für Schanksachcn, un 
sittliche Darstellungen und für Kellnerinnen - Kontrole, 34 252 Sachen bearbeitet 
worden. Sistirt wurden 16 605 Dirnen, von denen 9 165 wegen Sittcnpolizei- 
kontraventionen dem Richter vorgeführt und 128 der Landespolizei durch richterliches 
Erkenntniß überwiesen wurden. 
Der Geschäftsumfang der früheren Jahre betrug: 
im Zahre 
Eingänge 
Sistirungcn 
Vorführungen 
Überweisungen 
1881 
24 641 
10 878 
4 849 
603 
1882 
23 519 
12 220 
7 261 
172 
1883 
26 758 
11 269 
6 937 
340 
1884 
26 917 
11 157 
8 034 
389 
1885 
27 836 
12 450 
8 025 
432 
1886 
29 317 
14 438 
8 258 
123 
1887 
26 664 
13 358 
7 410 
171 
1888 
29 769 
16 288 
9 688 
132 
1889 
34 195 
16 883 
10 301 
102 
1890 
34 252 
16 605 
9 165 
128 
45*
	        
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