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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Allgemeine Sicherheitspolizei. 
lokalen Theile der Zeitungen berichtet iverdc». Die Redaktionen zeigen sich im All 
gemeinen bereit, die ihnen zugebenden amtlichen Mittheilungen über kriminalistische Er 
eignisse in ihren Blättern abzudrucken, machen indeß verschiedenen Gebrauch von dem 
Material, das ihnen zur Beröffentlichung übersendet wird; die einen drucken alle 
Notizen vollständig ab, die anderen nur solche, von denen sie annehmen, daß der 
Gegenstand ihren Leserkreis interessirt. Früher bediente sich die Kriminalpolizei in 
dem Verkehr mit der Presse einer Mittelsperson; der Herr Minister des Innern hat 
das aber gemißbilligt und durch Verfügung vom 9. Mai 1885 angeordnet, daß 
die zur Veröffentlichung bestimmten Mittheilungen den Zcitungsredaktionen direkt 
auf amtlichem Wege zugehen sollen. Seitdem erhalten die Zeitungen, ohne Rücksicht 
auf ihre politische Haltung, so oft das Bedürfniß vorhanden ist, die Aufmerksamkeit 
des Publikums auf bestimmte, für das Ergebniß der Nachforschungen lvichtige 
Punkte zu lenken, hektographischc Notizen, deren Auswahl und Redaktion der 
Abtheilungs-Dirigent sich unterziehen muß. Diese Aufgabe ist deshalb schwierig, * 
weil die Veröffentlichungen den Ermittelungszweck auch gefährden können, indem sic 
den Thäter warnen; cs muß daher in jedem Falle eine sorgfältige Abwägung des 
erhofften Nutzens und möglicher Nachtheile vorgenommen werden. Da die Kriminal- 
Polizei sich aus diesem Grunde große Zurückhaltung bezüglich der Veröffentlichungen 
auferlegen muß, begnügen sich die Redaktionen solcher Zeitungen, welche auf Lokal 
berichte einen besonderen Werth legen und bestrebt sind, interessante Straffälle 
früher als andere Zeitungen ihren Lesern mitzutheilen, nicht mit dem kriminalistischen 
Material, welches ihnen auf amtlichem Wege zugeht, sondern suchen durch eigene 
„Rechercheure" oder durch Ausforschung indiskreter Beamten sich Kenntniß von dem zu 
verschaffen, was die Behörde zu veröffentlichen Bedenken trägt. Auch benutzen 
sie die gewöhnlich auf Sensation berechneten, mitunter ganz erfundenen und meist 
stark aufgebauschten Berichte der „Nachrichtenbüreaus". Vorsichtige Redaktionen 
pflegen, che sie diese verdächtigen Reporterbcrichte in ihre Spalten aufnehmen, durch 
eine an den Dirigenten der Kriminal-Polizei persönlich zu richtende Anfrage über 
den wahren Sachverhalt sich Gewißheit zu verschaffen. Soweit das dienstliche 
Interesse es gestattet, erhalten sie den erbetenen Bescheid, da der Irreleitung lind 
Beunruhigung des lesenden Publikums durch aufregende Schilderung von Phantasie- 
Verbrechen entgegen getreten werden muß. 
II. Allgemeine Sicherheitspolizei. 
Der Geschäftskreis der Allgemeinen Sicherheitspolizei hat sich insofern ver 
ringert, als das Decernat in Betreff der „Observaten" auf die Kriminal-Inspektion A. 
übergegangen ist. Dagegen sind die Angelegenheiten Geisteskranker, welche bisher zum 
Theil von der Abtheilung II bearbeitet wurden, im Februar 1891 der Allgemeinen 
Sicherheitspolizei ausschließlich zugewiesen worden. 
Es wurden bei der Allgeiminen Sicherheitspolizei bearbeitet im Jahre: 
1881 — 189 431 Sachen 
1882 — 195 819 
1883 — 180 622 
1884 — 167 212 
1885 — 172 867 
1866 — 183 249 Sacken 
1867 — 181 683 
1886 — 179 496 
1889 — 179 454 
1890 — 202 831 
Über das Verfahren bei Festsetzung der Korrektions-Nachhaft ist am 
22. Oktober 1885 eine ministerielle Anweisung ergangen. Es ist darin insbesondere 
bestimmt, daß gegen die der Landcspolizei überwiesenen Personen, wenn die Vor 
aussetzungen des 362 des Str.-G.-B. vorliegen, eine korrektionellc Nachhaft reget-
	        
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