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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Verbrecher Album. 
erregen, auch bei geschickter Maskirung, bald das Mißtrauen derselben. Die Polizei 
muß sich daher unter den Verbrechern selbst Zuträger suchen. Das ist eine schwierige 
Aufgabe für die Kriminal-Kommissare nnd nicht alle verstehen oder lernen es, „mit 
Vigilanten zu arbeiten". Die Subjekte, welche aus Gewinnsucht Verrath an ihren 
Verbrcchensgcnvssen üben, flößen schon an nnd für sich kein Vertrauen ein lind er 
weisen sich allch oft unzuverlässig; es kommt vor, daß sie geflissentlich die Kriminal- 
Kommissare auf eine falsche Spur führen, oder daß sie zur Verübung von Dieb 
stählen anreizen. Auch lassen sie sich dilrch ihre Beziehungen zur Kriminal-Polizei 
durchaus nicht abhalten, eine sich ihnen darbietende günstige Gelegenheit zur Be 
theiligung an Verbrechen zu benutzen. Aber diese Bedenken gegen das „Spitzclthum", 
so schwerwiegend sic sein mögen, müssen zurücktreten bei Würdigung der werth- 
vollen Dienste, welche dasselbe der Sicherheitsbehörde und damit auch dem Publikum 
bei Ermittelung der gefährlichsten Verbrecher leistet. Es stünde schlimm um die, 
hauptsächlich dlirch Einbrecher bedrohte öffentliche Sicherheit in Berlin, wenn die 
Kriminal-Polizei auf die Unterstützung der Vigilanten verzichten müßte. Gerade 
bei den großen, sorgfältig „ausbaldowerten" und dann mit unglaublicher Frechheit 
ausgeführten Einbrüchen werden die Thäter fast stets vom Glück begünstigt; äußerst 
selten werden sie bei der That betroffen oder auch nur gesehen. Auf die Aus 
findling des gestohlenen Gutes ist nicht zu rechnen, denn die routinirten Einbrecher 
stehlen nur baares Geld, Wcrthpapiere rmd leicht unkenntlich zu machende oder zu 
versendende Werthsachen. Aber die Winke aus Verbrecherkreisen sind häufig die 
Grlindlagc darauf gebauter glücklicher Kombinationen, nur müssen sic mit Vorsicht 
aufgenommen und benutzt werden. Die Vigilanten werden nach Abschätzung des 
Nutzens, »velchcn im Soildcrfalle ihre Mittheilungen gehabt haben, bezahlt, doch 
lassen sich theilweise Vorauszahlungen z. B. zur Einkleidung entlassener Sträflinge, 
nicht immer umgehen. Als Zeugen sind dieselben nicht zu verwerthen, sondern nur 
als Wegweiser, ihre Namen sollen daber in den polizeilichen Berichten nicht ge 
nannt werden. 
Das Verbrecher-Album wurde im Jahre 1876 angelegt. Zu den zehn 
Albumbänden, in welchen die Photographien der gelverbsmäßigen Verbrecher, nach 
Kategorien geordnet, aufbewahrt werden, sind später noch drei — für internationale 
Verbrecher, Landstreicher und auswärtige Professionsverbrecher — hinzugetreten. 
Von jeder hier zur photographischen Aufnahme gelangenden Person lverden vier 
Bilder angefertigt, von denen das eine in den betreffenden Band des Albums ein 
geklebt, das zweite dem angelegten Registerblatt beigefügt und das dritte zu den 
Personalakten genommen wird. Das vierte Exemplar, auf dessen Rückseite das 
Nationale und die Personenbeschreibling des photographirten Verbrechers vermerkt 
wird, ist zum Gebrauch bei Lokal-Recherchen lind zur Versendung bestimmt. In den 
Bänden 1—X, welche dem Publikum zur Einsicht vorgelegt werden, sind die Bilder 
durch Zahlen bezeichnet, auf Grund deren in dem Inder der entsprechende Name 
und die Personalien zu finden sind. 
Zur Ergänzung des VerlHechcr-Albüins dienen: 
eine Handschriften- Sammlung, 
ein Spitznamen-Verzeichniß, 
ein Journal „Merkmale", welches unter den Rubriken „Augen, Ohren, 
Hände, Füße, Wunden, Tätowirungen" diejenigen Verbrecher aufführt, 
welche durch besondere Merkmale kenntlich sind, 
ein Journal „Diebstahlsspezies", welches unter den Rubriken „nächt 
liche Einbrüche in Wohnungen, in Läden, in Komptoirs, Dieb 
stähle zur Mittagszeit, Boden- und Schlafstellen-Diebstähle" n. s. w. die 
jenigen Verbrecher aufführt, welche Diebstähle der bezeichneten Art zu 
ihrer Spezialität erkoren haben, 
und ein Zuhälter-Verzeichniß.
	        
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