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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

Organisation der Kriminalpolizei. 
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sowie auf den Stadtkreis von Charlottcnburg und zwar u. A. bezüglich der Fest 
stellung von strafbaren Handlungeil mit Ausschluß der Übertretungen und der 
Stellung unter Polizeiaufsicht. Für den Sicherheitsdienst in den Amtsbezirken hat 
die Berliner Kriminal-Polizei den Amtsvorstehern sieben erfahrene Krimiual-Schutz- 
männer abgetreten. Dieselben haben ihren Wohnsitz in Berlin behalten, um dem 
gewerbsmäßigen Verbrecherthum nicht entfremdet zu werden, nehmen an den Kon 
ferenzen der Kriminalbeamten Theil und empfangen sowohl von dem Amtsvorsteher, 
welchcin sie überwiesen sind, als von der Kriminal-Inspektion B dienstliche Aufträge. 
Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz vom 12. Juni 1889 sind zwischen den 
betheiligten Behörden vereinbart worden. Die Amtsvorsteher bleiben hiernach ver 
pflichtet, Strafanzeigen aufzunehmen und den Thatbestand so weit festzustellen, als 
dies durch Vernehmung der in dem Amtsbezirk wohnenden Auskunstspersonen ge 
schehen kann, sic senden ihre Ermittlungsverhandlungen aber nicht mehr direkt an 
die Staatsanwaltschaft, sondern an die Abtheilung IV des Polizei-Präsidiums. Die 
in den Amtsbezirken wegen Verbrechen oder Vergehen festgenommenen Personen 
werden unter Beifügung der polizeilichen Verhandlungen der Abtheilung IV zuge 
führt und von hier, sofern nicht ihre Entlastung verfügt wird, durch den 
diensthabenden Kriminal-Kommissarins, erforderlichenfalls nach Ergänzung und Ver 
vollständigung des Beweismatcrials, der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht II 
vorgeführt. Bezüglich des Amtsbezirks Rixdorf war ein abweichendes Verfahren 
geboten, weil in Nixdorf ein Amtsgericht seinen Sitz hat, welchem die im Bezirke 
destclben ergriffenen Verbrecher nach gesetzlicher Vorschrift vorgeführt werden müssen. 
Zu diesem Zweck muß die Kriminalpolizei die in Rixdorf festgenommenen Personen 
dorthin zurücktransportiren lassen. Dies ist aber auch die einzige Unzuträglichkeit, 
welche bei der Ausführung dieses Gesetzes zu Tage getreten ist. Im Übrigen haben 
sich die wohlthätigen Wirkungen desselben trotz der kurzen Zeit seiner Geltung 
schon sehr bemerkbar gemacht. 
Über die Vereintgung der Kriminal- und Sitten-Pvlizei wird in dem 
Abschnitt „Sittenpolizei" tveitcr unten berichtet. 
Von der über die Neu-Organisation der Kriminal-Polizei berathenden Kommission 
wurde auch die Frage erörtert, durch welche Maßregeln die für Ermittelung und 
Überführung unbekannter Diebe überaus wichtige Auffindung des gestohlenen 
Gutes erleichtert werden könne. In dieser Beziehung ist ein positives Ergebniß 
nur bezüglich des Verkehrs mit den Königlichen Leihämtern erzielt worden. 
Dem kriminalpolizeilichen Interesse wurde durch eine von dem Herrn Finanz- 
Minister getroffene Anordnung Rechnung getragen, welche bestimmt: 
Die Kriminalpolizcibeamten sind auf Grund schriftlichen Ersuchens eines 
Kriminal-Kommiffarius oder Revier-Vorstandes berechtigt, die Versatzbücher 
des Leihamtes einzusehen; den in Begleitung des Damnisikaten in den 
Geschäftsräumen des Leihamts sich einfindendcn Kriminalbeamten ist auf 
Verlangen ein bestimmt bezeichnetes Pfandstück vorzulegen; zur schleunigen 
Sicherstellung eines Pfandslücks genügt das mündliche Ersuchen _ eines 
Kriminalbeamten, doch muß innerhalb der nächsten ztvci Tage ein schrift 
liches Beschlagnahme-Ersuchen an das Lcihamt gerichtet werden; die Heraus 
gabe des Psandstücks an das Polizei-Präsidium erfolgt aus schriftlichen 
Antrag desselben bei der Leihamts-Direktion. 
Hinsichtlich der Privat-Psandleihanstalten ist durch die Bekanntmachung 
des Herrn Ministers des Innern vom 16. Juli 1881 (M.-Bl. S. 169) den Orts 
polizeibehörden die Befugniß ertheilt worden, jederzeit eine Revision des gesammten 
Geschäftsbetriebes vorzunehmen. Bei der großen Zahl dieser Gewerbetreibenden ist 
es indeß nur ausnahmsweise möglich, in ihren Geschäftsräumen durch Kriminal- 
Schutzmänner nach gestohlenem Gut suchen zu lassen, in den weitaus meisten Fällen 
wird eine schleunige Benachrichtigung derjenigen Gewerbetreibenden, bei denen nach 
der Beschaffenheit der gestohlenen Sachen der Absatz bewirkt zu werden pflegt — 
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