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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

Werkstätten. Brunnen. 
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Werkstätten, welche nicht der Aufsicht des Gewcrberaths unterstellt sind. 
Die Wahrnehmung, daß die, nicht dem eigentlichen Fabrikbetriebe dienenden 
Werkstätten den im Interesse der Arbeiter an sie zu stellenden Anforderungen nicht 
immer entsprechen, hat seit dein Jahre 1 886 dem Polizei - Präsidium Veranlagung 
gegeben, diese Räume wiederholt einer Besichtigung in bau-, feuersicherheits- und 
gesundheitspolizeilicher Beziehung unterwerfen zu lagen. Die Prüfung erstreckte 
sich nicht allein auf die Werkstätten als Arbeitsräume, sondern auch als Schlaf 
stellen, als welche sic erfahrungsgemäß vielfach benutzt werden. Es wurde hierbei 
das Verfahren beobachtet, daß bei wahrgenommenen Mängeln das bezügliche 
Polizei-Revier dieselben durch unmittelbare Einwirkling auf den Arbeitgeber zu 
beseitigen suchte, was iu zahlreichen Fällen auch gelungen ist. In dcil übrigen 
Fällen war zu prüfen, ob gegenüber der ablehnenden Haltung des Arbeitgebers 
einerseits das Gesetz, andererseits die Gefahr für Leben lind Gesundheit der Be- 
theiligten ausreichende Handhabe zu einem polizeilichen Einschreiten bot. Aus 
diesen Gesichtspunkten ließen sich bau- und sicherheilspolizeiliche Mängel leichter 
beseitigen, tvährcnd die Berücksichtigung sanitärer Bedenken größeren Schwierigkeiten 
begegnete, weil es zur Zeit noch an Vorschriften für durchgreifende Verbesserungen 
fehlt. Ganz besondere Aufmerksamkeit wird den Werkstätten zur Herstellung von 
Nahrungs- und Genußmitteln gewidmet, wenn sie zugleich als Schlafräume benutzt 
werden; denil eine derartige Verwendung ist nicht nur ekelerregend, sondern auch 
um deswillen in gesundheitlicher Hinsicht bedenklich, weil dadurch ansteckende Krank- 
beiten verbreitet werden können, indem die Jnfektionskeime leicht an solchen Speisen 
haften, ivelchc bei der Zubereitung nicht hinreichender Hitze zur Tödtung der 
Mikroben ausgesetzt werden. Eine geringe Zahl Gewerbetreibender hat zwar diesem 
Mißstande durch Unterbringung des Hülfspcrsonals in anderweitigen Schlafräumcn 
Abhülfe gewährt; da jedoch der weitaus größte Theil gewöhnlich behauptet, hierzu 
außer Stande zu sein, so wird dem unleugbar großen Übelstande nur im Wege 
einer Polizei-Verordnung begegnet werden können. 
Das ziffermäßige Ergebniß der ün Jahre 1890 vorgenommenen beiden 
Revisionen ist folgendes: 
im I. Halbjahr II. Halbjahr 
Es wurden revidirt Werkstätten 14 284 14022 
Sanitäre Übelstände wurden festgestellt bei . . . 205 142 
lind zwar als Schlafräume benutzte Werkstätten 108 127 
als den baupolizeilichen Vorschriften nicht ent 
sprechende Räume 97 15 
Abhülfe wurde geschaffen durch die Reviere bei . 1>»0 63 
Der Baupolizei überwiesen 32 15 
Abhülfe war bisher nicht zu erreicheil bei ... 73 64 
und zwar in Schlächtereien 9 8 
- Bäckereien 5 10 
- Gasthoss- und Restaurationsküchen 59 46 
(Vergleiche auch was im Bericht Abtheilung I Nr. 13 über sanitäre An 
ordnungen gesagt ist.) 
2. Brunneu, Hauswasserlcitungcn, allgemeine Wasserleitung, 
(siehe Bericht Abth. I Nr. 13). 
Hierher gehört auch die Sorge für die alljährliche Räumung der Pankc. Den 
Norden bezlv. Nordwesten Berlins durchfließt ein kleines Flüßchen, die bei Bernau 
entspringende Pankc, welche sich an der Dalldorfer Straße^in zwei Arme theilt, 
deren einer — der östliche, nahe der Friedrichstraße in die Spree, der andere — 
westliche —, Schönhauser Graben genannt, in den Nordhafen mündet.
	        
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