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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

Strafanstalt Moabit. 
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Zugang und Durchschnittsbestand der Anstalt sind mit denen in sämmtlichen 
preußischen Strafanstalten nicht in Vergleich zu setzen. Die letzteren werden durch 
die allgemeine Kriminalität geregelt und bewegen sich derselben entsprechend seit 
dem Jahre 1881/82 in absteigender Linie, das Jahr 1888/89 ausgenommen, 
welches eine Abnahme im Durchschnittsbestände, aber eine Zunahme im Zugänge 
aufweist. In der Strafanstalt Moabit regelt sich Zugang und Durchschnittsbestand 
lediglich nach den Einlieferungsbedingungen. In Folge der Erweiterung der Ein- 
lieferuilgsbezirke ist der Durchschnittsbestand im Jahre 1889/90 auf 501 Köpfe 
und im Jahre 1890/91 auf 534 Köpfe gestiegen. Damit ist nunmehr eine volle 
Ausnutzung der Anstalt für den Strafvollzug in Einzelhaft erreicht. 
In Betreff der Vorbestraften unter den Zugängen stimmt die Anstalt mit der 
Gesammtheit der Strafanstalten insofern überein, als die Prozentsätze bei beiden 
seit 1881/82 mit einzelnen Schwankungen sich in absteigender Linie bewegen, wobei 
ins Gewicht fällt, daß seit dem Jahre 1884/85 auch die Strafe der geschärften 
Hast als Vorstrafe gezählt wird. Dagegen hat die Anstalt Moabit mit alleiniger 
Ausnahme der Jahre 1886/87 und 1889/90 eineil höheren Prozentsatz an Vor 
bestraften als die Gesammtbeit der Strafanstalten. 
Der Erfolg des Strafvollzuges in der Anstalt läßt sich ziffernmäßig über 
haupt nicht darstellen/ Selbst wenn es gelänge, alle diejenigen, welche nach der Ent 
lastung aus der Anstalt wieder niit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen sind, auf 
zuzählen, würde doch auch das nur ein unrichtiges Bild geben, da nicht jede 
Gesetzesvcrletzuug gleich schwer wiegt. Es läßt sich indeß behaupten, daß die Zahl 
derjenigen, welche nach verbüßter Strafe zu einem geordneten Leben zurückkehren, 
nicht gering ist, ja daß selbst solche, welche als Gewohnheitsverbrecher völlig auf 
gegeben waren, sich wieder gebessert haben, und daß ein großer Theil solcher 
Verbrecher es dem Direktor der Anstalt mündlich und schriftlich mit dankbarem 
Herzen ausgesprochen hat, wie gerade die strenge Zucht der Einzelhaft in derselben 
sie zur Einkehr und Umkehr gebracht hat. 
I. Oberbramtc. 
Als Oberbeamte fungirten während der Berichtszeit: 
1 Direktor, 1 Rendant, 1 Polizei- und Ökonomie-Inspektor, 1 Arbeits- 
Inspektor, 1 Sekretär, 2 Geistliche, 2 Lehrer und 1 Arzt. 
Eine Änderung hierin gegen die Berichtszeit 1870/80 ist nur dahin 
eingetreten, daß die Geschäfte des Ökonomie-Inspektors dem Rendanten abgenommen 
und dem Polizei-Inspektor übertragen sind, und daß von dem Anstaltsarzte mit 
Rücksicht auf die neu eingerichtete Irren-Abtheilung psychiatrische Ausbildung 
verlangt wird. 
II. Ilntrrbramtr. 
Durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 5. Juli 1856 war die Brüderschaft des 
„Rauhen Hauses" zu Hamburg zur Gesangenenpflcge in der Strafanstalt Moabit 
berufen und den Brüdern die Anstcllungsberechtigung für Gcfangenwärterstellen 
verliehen. Demzufolge waren am Anfange des abgelaufenen Jahrzehnts fast sämmt 
liche Aufseherstellen mit Angehörigen des Rauhen Hauses besetzt. 
Mit jedem Jahre wurde es jedoch dem Vorsteher des Rauhen Hauses schwieriger, 
geeigneten Ersatz für den Abgang zu liefern, so daß auf die Anstellung von Militär 
anwärtern zurückgegriffen werden mußte. Als sodann an das Rauhe Haus durch 
Errichtung der Arbeitcrkolonien, durch Ausdehnung der Zwangserziehung auf 
Kinder unter 12 Jahren, in Folge des Gesetzes vom 13. März 1878, betreffend die 
Unterbringung verwahrloster Kinder, immer größere Anforderungen auf Gestellung
	        
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