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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Gesundheitsschädliche Einflüsse. 
Hier mögen noch einige durch die begleitenden Nebenumständc bemerkenswertste 
Unglückssälle hervorgehoben werden. 
In einer chemischen Fabrik kam in einem Raume, in welchem unter anderen 
Chemikalien auch Natrium aufbewahrt wurde, Feuer aus. Auf das Vorhandensein 
dieser Substanz war nicht aufmerksam gemacht worden. Als nun Wasser zum 
Löschen gegeben wurde, entstand eine starke Explosion, durch welche der Portier 
der Fabrik und 3 Mannschaften der Feucrwebr verletzt wurden. 
In einer Theerprodukten-Fabrik sollte ein eisernes Faß, in welchen! Benzol 
transportirt worden war und welches einen Riß bekommen hatte, reparirt werbe». 
Gegen die Instruktion, welche verlangt, daß die in dem Faste, trotz mehrmonatlicher 
Lagerung im Freien, etwa noch verstandenen explosiven Gasgemische durch Ein 
führung koinprimirter Luft vor Beginn der Arbeit aus dem Faste entfernt werden 
müssen, begann der Arbeiter diese sofort mit Löthkolben und Gasflamme, in Folge 
dessen die Gase explodirten. Der eiserne Deckel wurde durch die Explosion ab 
gesprengt und auf den Arbeiter geschleudert, so daß dieser in Folge der dadurch 
erlittenen Verletzung schon nach kurzer Zeit verstarb. 
Gesundheitsschädliche Einflüsse. 
Im Interesse der Gesundheit der Arbeiter sind in dem abgelaufenen Jahr 
zehnt für eine Reihe von gewerblichen Anlagen, in denen die Art des Betriebes 
zu Erkraukungen Veranlassung gab, besondere Vorschriften erlassen worden, theils 
in den Ausführungsbestimmungen zur Gewerbe-Ordnung durch Bekanntmachungen 
des Herrn Reichskanzlers, theils durch Polizei-Verordnungen (nur für Berlins, 
theils endlich für einzelne Berliner Anlagen auf Grund des § 120 Absatz 3 der 
Gewerbe-Ordnung durch Einführung verbesserter Einrichtungen, Ventilation, Fabrik 
ordnungen und dergleichen. 
Hervorzuheben sind namentlich: 
die Bekanntmachungen des Herrn Reichskanzlers 
vom 11. Juli 1884, betreffend Anlagen, welche zur Anfertigung von 
Zündhölzern unter Verwendung von weißem Phosphor dienen, 
vom 3. Februar 1886, betreffend Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter 
in Drahtziehereien (mit Wasserbetrieb), 
vom 12. April 1886, betreffend Bleifarben- und Bleizuckerfabriken und 
vom 9. Mai 1888, betreffend die zur Anfertigung von Cigarren bestimmten 
Anlagen. 
Polizei-Verordnungen wurden erlassen: 
unterm 20. Januar 1888 bezüglich der Töpfereien, 
unterm 9. April 1888 bezüglich der Mineralwasserfabriken, 
unterm 12. Juni 1888 bezüglich der Tampffässer und 
unterm 21. November 1890 bezüglich des Messingbrennens. 
Zu sonstigen Maßregeln zum Schutz der Arbeiter gegen Gefahr für Leben und 
Gesundheit gaben unter Andern: Veranlassung die Ouecksilbervergiftungen in einer 
Spiegelbeleganstalt und in Glühlampenfabriken, ferner wiederholte Fälle von Blei 
vergiftung in Schriftgießereien und Akkumulatoren - Fabriken. In allen diesen 
Betrieben scheinen die angeordneten Verbesserungen von wohlthätigstem Einfluß auf 
das Befinden der dort beschäftigten Arbeiter gewesen zu sein, >venigftens sind seitdem 
keine Meldungen von neuerdings vorgekommenen Erkrankungen zur diesseitigen 
Kenntniß gelangt. 
Genehmigungspflichtige Anlagen. 
Seit Abschluß des ersteu Berichts vom Jahre 1882 sind zu den dort Seite 402 
ausgeführten 39 Anlagen, welche nach § 16 der Gewerbe-Ordnung einer besonderen 
Genehmigung bedürfen, noch die folgenden hinzugetreten:
	        
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