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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Milch. 
s. Milch. 
Die seit 1884 (vergl. Medizinal-Bericht 4 S. 260) tu Vorbereitung begriffene 
Polizei-Verordnung über den Verkehr mit Milch führte bis zu ihrem endlichen Zu 
standekommen bezüglich des Inhalts, wie der Form zu einem lebhaften Meinungs- 
austausch zwischen dem Polizei-Präsidium und dem Magistrat. Insbesondere waren 
die Bestimmungen über die Höhe des Fettgehaltes der einzelnen Milchsorten, die 
Zahlen für das spezifische Gewicht und die im Verkehr zuzulassenden Milchsorten, 
sowie diejenigen Bestimmungen, welche für den Kleinhandel mit Milch die Abschlie 
ßung des Vcrkaufslvkals gegen die Wohnräume forderten, Gegenstand der Erörte 
rung. Nach länger als dreijährigen Vorarbeiten und Berathungen, bei welchen auch 
die in Breslau, Leipzig, Köln, Mainz, Hamburg, Bremen und anderen größeren 
Städten mit derartigen Verordnungen gemachten Erfahrungen in Betracht gezogen 
wurden, einigten sich die betheiligtcn Behörden über Inhalt und Form der später 
erlassenen Polizei-Verordicung vom 6. Juli 1887, blieben sich dabei aber wohl be- 
wußt, daß die getroffenen Bestimmungen nur dem zeitigen Stande der gemachten 
Erfahrungen und der Wissenschaft entsprachen, daher auch seiner Zeit Änderungen 
erfahren würden. Wenn von den verschiedensten Seiten, sogar von namhaften 
Sachverständigen, scharf und absprechend über die erlassenen Bestimmungen in der 
Milchverkehrs-Preffe geurtheilt wurde, so erregte ein solches Verfahren bei den bc- 
theiligten Behörden ebensowenig Verwunderung, wie der Sturm, welchen besonders 
die Milchproduzenten, aber auch die Milchverkäufer, gegen die erlassene Verordnung 
anzufachen versuchten. Auf die bezüglichen Artikel in der Presse kann hier nicht 
weiter eingegangen werden; dagegen dürfen die von den Interessenten erhobenen 
Einwände nicht unerwähnt bleiben und wird die diesseitige Abweisung jener Ein 
wände zugleich die Begründung der in der Polizei-Verordnung enthaltenen Bestim 
mungen geben. 
Die Angriffe richteten sich besonders gegen die angeblich zu hoch angenommenen 
Grenzen des Fettgehalts, gegen die Aufnahme und Zulassung der Halbmilch, die 
Bezeichnung der Gefäße und deren Abschluß durch Deckel. 
Was zunächst die niedrigste Grenze des Fettgehaltes für die in Berlin feil 
zuhaltende Vollmilch anbelangt (8 1 der Polizei-Verordnung), so haben für die 
Festsetzung von 2,7 Prozent folgende Gründe den Ausschlag gegeben. 
Der diesseitige Chemiker erklärte, daß er bei sehr zahlreichen Milchanalhsen 
seit 1877 (seit der Einführung einer sorgsameren polizeilichen Überwachung des 
Milchverkehrs in Berlin) niemals unter 2,9 Prozent Fett auf chemischem Wege 
(Extraktion mittelst Aether re.) gefunden habe. 
Der Besitzer der größten Berliner Molkerei-Anstalt C. Bolle hat mit seinen 
sämmtlichen, zum Theil recht entfernt von hier wohnenden, Milchlieferanten Ver 
träge über einen Fettgehalt der gelieferten Milch von mindestens 3 Prozent 
abgeschlossen; im Jahre 1884 ist in der genannten Meierei die von 47 Gütern 
hierher gelieferte, also transportirte Morgen- und Abendmilch, in je etwa 600 Proben 
von den dort angestellten Chemikern untersucht und dabei festgestellt worden, daß 
die Morgenmilch in mehr als 500 Fällen über 2,7 Prozent und mindestens 
2,51, höchstens 3,62 Prozent Fett nachweisen ließ; bei den 600 Proben der Abend- 
milch wurde nur einmal ein Fettgehalt zwischen 2,6 bis 2,8 Prozent und 570 Mal 
etwas über 3 Prozent gesunden. 
Diese Ergebnisse sind durch die Untersuchungen des Or. Bischoff in seinem 
Laboratorium bestätigt worden. 
Die Überwachung des Milchvcrkehrs in geordnetere Wege zu leiten, gelang, 
wie erwähnt, erst nach längeren, 1884 begonnenen Vorarbeiten unter Zugrunde 
legung der im Kaiserlichen Gesundheitsamte aufgestellten, technischen Anhaltspunkte 
für die Handhabung der Milchkontrolc (Arbeiten des Kaiserlichen Gesundheitsamtes 
Band 1 Seite 24 ff.) und nach mehrfachen Berathungen mit dem Gemeinde-
	        
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