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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

Wohnungen. 
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2. Pennen. 
Die Beaufsichtigung der nach der Polizei-Verordnung vom 31. Januar 1880 
unter Kontrole gestellten Nachthcrbergen fand in der bisherigen Weise statt. 
Wesentliche Ausstellungen waren nicht zu machen. 
Übertretungen der bestehenden Bestimmungen zeigten sich besonders in Überfüllung 
der Räume und in unzureichenden Lagerstätten. 
Am Ende des Jahres 1890 bestanden nur noch vier derartige nächtliche Herbergen. 
3. Schlafstellenwesen. 
Das Schlafstellenwesen wird durch die Polizei-Verordnung vom 17. Dezember 
1880 geregelt. 
Nach Mittheilung des städtischen statistischen Amtes wurden in Berlin am 
1. Dezember 1885: 84 687 Personen gezählt, welche nur Schlafstellen inne hatten 
und welche sich in folgender Weise auf die Wohnungen mit je 1 Raum, bezw. mit 
2, 3 und 4 Räumen vertheilten: in Wohnungen mit 
1 Raum 2 Räumen 3 Räumen 4 und mehr Räumen 
2 765 Schlafleute, 30 016 Schlafleutc, 42 516 Schlafleute, 9 390 Schlafleute. 
Eine Aufmachung der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 hat noch nicht 
stattgefunden, doch ist anzunehmen, daß die Zahlen von 1885 seither noch erheblich 
zugenommen haben, die Verhätnissc also noch ungünstiger geworden sind. 
Seit dem Jahre 1887 ist das Polizei-Präsidium dem Gedanken näher getreten, 
eine strengere Beaufsichtigung des Schlafstcllenwcscns zu ermöglichen, als bisher 
durch die Revier-Polizei thunlich tvar. Im Mai 1890 hat bereits eine Berathung 
über diesen Gegenstand in der, wie später angegeben werden wird, erweiterten 
Sanitäts-Kommission zu diesem Zwecke stattgefunden und wird die Angelegenheit 
durch eine aus fünf Mitgliedern bestehende Sub-Kommission weiter berathen. 
Auch die Herren Minister des Innern und für Handel und Gewerbe haben 
durch Erlaß vom 13. November 1890 dieser wichtigen Frage ihre Aufmerksamkeit 
zugewendet. 
4. Asyle. 
a) Das städtische Obdach. 
Die, Seite 201 des ersten Berichts geschilderte alte dürftige Einrichtung des 
städtischen Obdachs wurde ersetzt durch einen sehr zweckmäßigen Neubau in der 
Frvbelstraße nahe der Danzigerstraße auf dem Plateau des Barnim gegen Weißen 
see, welcher am 24. Oktober 1887 der allgemeinen Benutzung übergeben wurde. 
Das 3 stockige, in gediegenem rothem Backstcinbau einfachen Stuls, durchweg 
massiv aufgeführte Gebäude besteht aus einem Vordergebäude und zwei Seiten 
flügeln. Im Erdgeschoß des Vvrdergcbäudcs befinden sich die Wohn- und Wirth 
schaftsräume, im I., II. und III. Stock sind die Schlafsäle für die weiblichen 
Mitglieder der obdachlosen Familien eingerichtet, im rechten Seitenflügel liegen die 
Schlaf- und Aufenthaltssäle der männlichen Mitglieder der Familien, mit Ausnahme 
der Knaben bis zu 6 Jahre», welche bei den Müttern untergebracht werden; außer 
dem befinde» sich daselbst das Büreau des Hausvaters, das Arztzimmer, der Warte 
raum für die zur ärztlichen Untersuchung vorzuführenden Personen; im linken 
Seitenflügel der Aufcnthaltssaal und der Speisesaal der weiblichen Mitglieder der 
obdachlosen Familien, ferner das Schulzimmer, der Speisesaal für die Kinder, die 
Koch- und Waschküche, sowie die Zimmer für die Aufseherinnen. Die Mahlzeiten 
bestehen Morgens und Abends aus Suppe mit Brod, Mittags aus Hülsenfrüchten, 
Cerealien und dergleichen, die wöchentlich 4 Mal mit Fleisch, an den übrigen Tagen 
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