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Volume I. Allgemeines

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Allgemeines. 
Die Bereinigung der Bureaus des Polizei-Präsidiums, soweit sie zur Eentral- 
stelle gehören, in einem, wie rückhaltslos anerkannt werden muß, sotvohl in der 
äußeren als inneren Ausstattung der Bedeutung der Königlichen Polizei-Verwaltung 
iil der Hauptstadt entsprechenden Gebäude, die Unterbringung der Beamten in 
geräumigen, bellen, gut ventilirten Räumen ist als eine große Erleichterung des Verkehrs 
der Dienststellen unter einander, wie mit dem Publikum, und als eine wesentliche 
Verbesserung der Lage des zahlreichen Beamten-Personals in gesundheitlicher 
Beziehung mit Frcliden zu begrüßen. 
Das stattliche Gebäude enthält 652 Wohnungs- und Dienstrünme mit über 
2 400 Fenstcril. In den sämmtlichen 4 Stockwerken durch hohe, gewölbte rmd helle, 
2,66 — 2,79 Meter breite, mit Chamottc - Fliesen in geschmackvollen Mustern 
abgedeckte Korridore lind durch massive granitene Treppen verbunden, gewährt auch 
das Innere des Gebäudes einen sehr freundlichen Anblick; Zimmer, Korridore und 
Treppen werden täglich durch 60 dazu angestellte Frauen gesäubert und rein erhalten. 
Durch die durch alle Etagen gehenden und in Verbindung stehenden Eorridore 
von etwa 3 300 Meter Länge, und die durch alle Etagen gehenden 13 massiven 
Treppen, sowie durch die 9 im Innern des Gebäudes liegenden Höfe wird die 
Verbindung der gesummten Dicnstränme sehr abgekürzt und auch der Transport 
der Akten durch angebrachte Aufzüge erleichtert. 
So lange die Polizeigefüngniffe und besonders der Gewahrsam und die Ab 
theilung für Sittenpolizei sich im alten Polizei-Präsidium am Molkenmarkt 1 be 
fanden, verursachte die Vorführung der sistirten lind wegeil Polizei-Übertretungen 
vorläufig festgenommenen Persvilen keine Umstände lind Schwierigkeiteil, da sich im 
Nebenhause, Molkenmarkt 2, eine Abtheilung des Amtsgerichts! befand, von der die Vor 
geführten sofort abgelirtheilt wurden und sodann nach dem Nebenhause zurückgebracht 
werden konnten, ohne eine größere Strecke der öffentlichen Straße passiren zli müsse». 
Zugleich mit der Verlegung der Polizeigefängnisse und der Sitteilpolizci nach 
dem neuen Polizei-Dienstgebäude mußten demnach sofort auch andere Vorkehrlingen 
getroffen werden, um den weiten Transport, namentlich der weiblichen Sistirten, 
über verkehrsreiche Straßcil vom Alexanderplatz nach der Stadtvogtei ain Molken 
markt zu vermeiden, da diese Transporte nicht nur ein unliebsames Aufsehen erregen, 
sondern den Transportaten auch leicht Gelegenheit geboten haben würden, sich der 
Haft zu entziehen. Gleichzeitig mit dem Polizei-Präsidium, unmittelbar neben dem 
selben ist deshalb an der Seite der Stadtbahn ein Gerichtsgebüude zur Auf 
nahme einer Abtheilung des Amtsgerichts I errichtet, mit ersterein in zweckentsprechende 
Verbindung gebracht uild int Frühjahr 1890 in Benutzung genommen worden. 
In ähnlicher Weise wie früher der Ruf Berlins in Betreff der persönlichen 
allgemeinen Sicherheit durch die theils erfundenen, theils sensationell aufgebauschten 
Nachrichten über angeblich vorgekominene Verbrechen, Mord- und Raubansälle k. 
zu seinem Schaden getrübt worden war, wird auch jetzt noch in der Presse zu 
weilen über die angebliche Unsicherheit der Stadt im öffentlichen Straßen-Verkehr 
geklagt und der Polizei fort und fort der Vorwurf gemacht, daß sie es an der 
nöthigen Aufsicht fehlen lasse oder unzweckmäßige Anordnungen treffe. 
Auch in dieser Beziehung wird stets auf die Verhältniffe anderer größerer 
Städte, namentlich Londons hingewiesen, wo die Ordnung des Straßen-Verkehrs 
mustergiltig sei lind diejenige in Berlin weit überrage. 
Es soll nicht bestritten werden, daß in London der Straßen-Verkehr außer 
ordentlich gut geordnet und beaufsichtigt ist. Es stehen aber auch dort der Be 
hörde außerordentliche Kräfte zu diesem Zwecke 511 Gebote. 
Die Metropolitanpolizei Londons umfaßte im Jahre 1888 30 Superintendents, 
837 Inspektoren, 1 369 Sergeanten und 12 025 Konstabler, zusammen 14 261 Per 
sonen. Von diesen thun gewöhnlichen Dienst, der hauptsächlich im Anfsichts- und
	        
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