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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Typhus. 
im Jahre 
Es st a r b e n 
es kommen also 
Typhusstcrbefälle auf 
je Tausend der 
Gcsammtstcrblichkeit 
im Ganzen 
am Typhus 
ausschl. der Passanten 
1881 
31 055 
337 
10,8 
1882 
30 465 
347 
11,4 
1883 
35 047 
239 
6,82 
1884 
32 923 
245 
7,44 
1885 
31 483 
219 
6,95 
1886 
34 280 
212 
6,18 
1887 
30 306 
191 
6,30 
1888 
29 283 
207 
7,07 
1889 
34 458 
281 
8,15 
1890 
33 393 
133 
' 
3,98 
Die Typhussterblichkeit betrug auf je 10 000 Bewohner im abgelaufenen 
Jahrzehnt 1,8. 
Aus der vorstehenden Übersicht ergiebt sich, daß seit 1880 ein dauernder 
Rückgang des Typhus stattgefunden hat. Während 1880 431 Personen an Darm- 
typhus starben, ist die Zahl der Todesfälle 1881 bereits auf 337 zurückgegangen 
und füllt ungeachtet der schnellen Zunahme der Bevölkerung von 1882 mit 347 
Todesfällen dauernd bis zum Jahre 1887. Es tritt 1888 eine geringe Zunahme, 
1889 eine erheblichere, um 281 Stcrbefälle, ein, 1890 geht die Sterblichkeit an 
Typhus jedoch wieder auf 133 Fälle — 0,84 auf je 10 000 der Bevölkerung zurück. 
Wie demnächst nachgewiesen werden wird, verdankt Berlin diesen Rückgang 
hauptsächlich wohl dem Umstande, daß die Kanalisation von Jahr zu Jahr weiter 
durchgeführt und dadurch der Wohngrund immer mehr gereinigt worden ist, während 
gleichzeitig alle Abfälle des menschlichen Haushalts, wie der Bewohner selbst, durch 
die Kanäle möglichst schnell aus der Nähe der Wohnungen auf die Rieselfelder 
abgeführt werden. 
Weder der in früheren Jahren immer wieder hervorgehobene Wechsel des 
Grundwasser-Standes, noch die Schwankungen in der Bodenwärme bis zu 3 Meter 
Tiefe, noch der Wechsel in der Witterung, noch auch die etwa weniger günstige Lage 
der vom Typhus befallenen Häuser können nach den bisherigen Erfahrungen einzeln 
oder insgesammt mit Sicherheit als die fördernden Ursachen für die Entstehung und 
Verbreitung des Typhus angesehen werden. 
Daß die insbesondere bei dem Ansteigen des Typhus in den Monaten Dezember 
1888 bis zum Höhepunkt im März 1889, beschuldigte Beschaffenheit des Trink 
wassers der von den Stralauer Werken versorgten Stadttheile thatsächlich als Ursache 
jener Vermehrung der Typhuscrkrankungen anzusehen sei, ist als erwiesen bisher 
nicht zu erachten. 
Auch die Beobachtungen über die Lage der Wohnungen in der Nähe von Kirch 
höfen, von Abladestellen für Kehricht, thierische und pflanzliche Abfälle und an 
alten Wasserläusen, haben nichts ergeben, was zu der Annahme berechtigte, daß 
jene Stellen vom Typhus mehr befallen würden, also zur Entstehung desselben bei 
getragen hätten. 
Was die Zeit des Auftretens der Krankheit anbelangt, so zeigt sich mit einer 
gewissen Regelmäßigkeit ein Ansteigen derselben während der Sommermonate, 
namentlich im Juli, August und September; darauf folgt eine Verminderung der 
Erkrankungen, während die Erkrankungsziffer sich in mehreren Jahren während der 
Monate Dezember, Januar und 1889 im Februar und März wieder hebt.
	        
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