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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Cholera. 
C. Besondere Krankheiten. 
Bor dem Eingehen auf die Infektionskrankheiten mag hier ein kurzer Überblick 
über die allgemeinen Gesundheitsvcrhältnisse in dem Jahrzehnt des Berichts ge 
geben werden. 
Das Material zu dieser Berichterstattung ist ein sehr knappes, da die BezirkS- 
Physiker über das allgemeine Gesundheitswesen in der Stadt Berlin erst seit 1886 
Berichte erstattet haben, nach Lage der hiesigen Verhältnisse aber nicht im Stande 
waren, besonders übersichtliche Angaben zu machen, weil die Bevölkerung der 
Stadt für 10 Physiker zu groß ist, als daß der einzelne Beamte einen genauen 
Einblick in den jederzcitigen Stand derjenigen Krankheiten haben konnte, welche 
nicht der Anzcigepflicht unterstehen. 
Entsprechend der Lage Berlins in der norddeutschen Ebene kamen im Durch 
schnitt während der Frühjahrs- und Wintermonate die Krankheiten der Athmungs- 
organc und des Herzens, sowie Rheumatismen, letztere in geringer Zahl, vorwiegend 
zur Beobachtung; insbesondere machten sich stets 311 der Zeit, wenn die Temperatur 
schilell wechselte und größere Mengen von Feuchtigkeit in der Luft vorhanden 
waren, Erkältungskrankheiten, wie Katarrhe der Athmungsorgane, Krankheiten der 
Rachenorgane und dergleichen bemerkbar. 
Im Sommer dagegen waren die Krankheiten der Verdaulingsorgone über 
wiegend und fanden einen hervorragendeil Ausdruck in den Magen- und Darni- 
Katarrhen (Brechdurchfall) der Kiilder. 
Inwieweit die einzelnen Infektionskrankheiten, insbesondere diejenigen, welche 
das kindliche Alter vorwiegend befalleil, in den einzelnen Jahren in Betracht 
kommen, läßt sich alls den in der 'ziffermäßigen Übersicht gemachten Angaben 
leicht ersehen. 
1. Cholera. 
Auch während des abgelaufenen Jahrzehnts ist die Cholera in Berlin ilicht 
aufgetreten; wohl aber bedrohte diese Krankheit die Grenzen des Reiches wiederholt. 
Es wnrdeil daher schon im Jahre 1883, als die Cholera in Egypten auftrat, 
seitens der vorgesetzten Behörden Maßregeln angeordnet, um den Einbruch derselben 
zri verhüten, und im Übrigen alle diejenigen Borkehrlingen getroffen, welche an 
erkanntermaßen geeignet sind, die Verbreitling der Krankheit einzuschränken, nämlich: 
Reinhaltung der Höfe und der Senkgruben, noch strengere Beaufsichtigung der 
Lebensmittel als sonst, inld Beseitigung aller solcher Stoffe, welche leicht Fäulniß 
erregen und in Fäulniß übergehen. Zn diesein Zwecke insbesondere wnrdeil 1884 
auch die Revier-Sanitäts-Kommissionen, welche bereits seit 1866 zur Bekämpfung 
der Cholera ins Leben gerufen waren, wiederlim zu neuer Thätigkeit ailgeregt. 
An den Magistrat richtete das Polizei-Präsidium das Ersuchen, die schon be- 
schloffeue Einrichtung von Desinfektionsanstalten mit Verwendung strömender Wasier- 
dämpsc angesichts der drohenden Gefahr des Einbruchs der Cholera zu beschleunigen; 
es wurden auch Vorkehrungen in Aussicht genommen, um bei Ausbruch der Cholera 
die Kranken leichter in Krankenhäuser überführen zu können. Für die Aufnahme 
von Cholerakrankcn stellte der Magistrat zunächst 200 Betten im Krankenhause 
Moabit zur Verfügung; nöthigenfalls sollten dort die gesammten 720 Lagerstcllen 
diesem Zwecke dienen und eine schleunige Entleerung des Lazareths von anderen 
Kranken herbeigeführt werden. 
Um die Anzeige etwaiger Erkrankungen durch die Polizeireviere möglichst zu 
beschleunigen, wurde für die in jedem Sommer vorkommenden Fälle von europäischer 
Cholera (Cholera, nostras) eine Art von Übungsdienst eingerichtet, welcher die 
schleunigste Mittheilung derartiger Fälle mit tödtlichem Ausgang durch die Reviere 
an den zuständigen Bezirks-Physikus, an das hygienische Institut und an das
	        
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