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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Theater. 
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Die übermäßige Vermehrung solcher Liebhaber-Theater ist demnach gar nicht 
unbedenklich, da sie nicht nur zn unnöthigen Ausgaben verleiten, sondern die jungen 
Leute auch von ihrem Geschäft, ihrem Handtvcrk und ihrer Berufsthätigkeit abziehen 
und zerstreuen, ihr Streben in falsche Bahnen lenken und sie mit Ideen und Plänen 
erfüllen, deren Verfolgung sie aus dem Kreise ihrer gewohnten rind natürlichen 
Thätigkeit hinauszieht und sie in den falschen Glauben »wiegt, zu etwas Anderem, 
Höherem geboren und bestimmt zn sein. Schließlich sind sie genöthigt, an kleinen 
heruniziehenden Bühnen ihre vermeintlichen Talente zu verwerthen und gewöhnen sich 
so an ein ungebundenes, ungeregeltes, umherschweifendes Leben, das selten die Erfüllung 
ihrer Wünsche und Hoffnungen bringt, wohl aber ihnen häufig schwere Entbehrungen 
auferlegt und sie oft geistig und körperlich vor der Zeit zu Grunde richtet. 
Was nun die Ausübung der Sicherheitspolizei i» den Theatern Berlins 
betrifft, so sind die Verhältnisse bezüglich der öffentlichen Theater bereits im Jahre 185t 
durch die schon oben erwähnte umfassende, noch jetzt in allen Theilen gültige Polizei- 
Verordnung vom 10. Juli 1851 geregelt worden. 
Inhaltlich derselben sind für diejenigen Räume, in welchen öffentliche Theater- 
Vorstellungen veranstaltet werden sollen, dem Polizei-Präsidium genaue Zeichnungen 
einzureichen. Auf Grund derselben und in Gemäßheit des t; 29 der Bau-Polizei- 
Ordnung für Berlin vom 21. April 1853 wird eine eingehende Prüfung der pro- 
jcctirtcn Räumlichkeiten in allgemein sicherheits-, insbesondere auch in feuerpolizeilicher 
Hinsicht vorgenommen und die Genehmigung, das Gebäude zu dem beabsichtigten 
Zweck in Benutzung zu nehmen, erst dann ertheilt, ivenn alle polizeilich für erforderlich 
erachteten Einrichtungen getroffen und die sonst vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt sind. 
Wiederholt und insbesondere in den Jahren 1879 und 1880 sind mehrfach 
Projccte für Einrichtung öffentlicher Theater und Circnsgebüude zurückgewiesen worden, 
weil die betreffenden Grundstücke nicht eine ausreichende Zahl von Zugängen und Zu 
fahrten hatten, die projcetirten Gebäude nicht in genügender Entfernung von vor 
handenen Baulichkeiten errichtet werden konnten und eben in fcucr- und sicherheits- 
pvlizeilicher Hinsicht den Anforderungen der Behörde nicht entsprachen. 
Selbstverständlich steht dem Polizei-Präsidium die Bcfugniß zu, auch für bereits 
bestehende öffentliche Theater nachträglich diejenigen Anordnungen zu erlassen, welche 
im sichcrheitspolizeilichen Interesse für erforderlich erachtet werden. Bon dieser Bc 
fugniß ist vielfach und in ausgedehntem Umfange Gebrauch gemacht tvorden. 
In der gedachte» Polizei-Verordnung ivar ferner die Gestellung einer Feuerwache 
auf Kosten des Schauspiel - Unternehmers vorgesehen, ivelchc ihre Instruction vom 
Polizei-Präsidium erhält, also in amtlicher Eigenschaft auftritt und während der ganzen 
Vorstellung an den gefährlichen Stellen im Theater selbst Aufstellung zu nehmen und 
die zur Sicherheit des Publikums getroffenen Anordnungen zu überwachen hat. Ihren 
Anordnungen ist unweigerlich Folge zu geben. 
Derartige Feuerwachen sind indessen bis zum Jahre 1881 ständig nur für die 
beiden hiesigen Königlichen Theater und für einzelne Privatthcatcr gestellt tvorden. 
Gegenwärtig tvird indessen für alle öffentlichen Theater ohne Ausnahme Seitens der 
Abtheilung für Feuerwehr zu jeder Vorstellung eine besondere Feuerwache, bestehend 
aus einem Obcrfcuerwehrmann und aus zwei, drei oder vier Feuerwehrleuten abgeordnet, 
welche sich eine Stunde vor Beginn der Vorstellung in dem Theater einzusenden hat 
und dasselbe erst eine Stunde nach Schluß der Vorstellung verlassen darf. Für jede 
dieser Theater-Feuerwachen ist eine besondere Instruction aufgestellt, deren Beachtung 
einer genauen Controle unterliegt. 
Ferner wird auf Grund eben derselben Polizei-Verordnung zu jeder Vorstellung 
eine bestimmte Zahl von Executivbcainten abgeordnet, denen, neben Erhaltung der 
öffentlichen Ordnung und Sicherheit, insbesondere auch die Ueberwachung der Erfüllung 
der für die Benutzung der Räume zur Veranstaltung von öffentlichen Vorstellungen 
polizeilich vorgeschriebenen Bedingungen obliegt. 
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