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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Theater. 
Zweck, Asyle zu errichte», in denen Kinder (von sechs Wochen bis drei Jahren) außer 
dem Hause beschäftigter würdiger und bedürftiger Eltern verwahrt und gepflegt werden. 
Dem Polizei-Präsidium steht ferner die Aufsicht zu über die Angelegenheiten der 
Berliner jüdischen Gemeinde, die den Königlichen Regierungen und für Berlin 
dem Polizei - Präsidium durch das Gesetz über die Verhältnisse der Juden vom 
23. Juli 1847 überwiesen tvordcn ist. Diese Aufsicht wird dadurch geübt, daß die 
Wahlen der Repräsentanten unter Zuziehung eines Staats-Commissarins stattfinde», 
daß die Besteuerung der Gemeinde -Mitglieder in der Beschwerde-Instanz der Ent 
scheidung des Polizei-Präsidiums unterworfen ist, daß die Heberollen der Festsetzung 
und die Beitreibungen der Steuern säumiger Schuldner der Hülfe desselben und ferner 
die Einführung neuer Auflagen, Aufnahme von Anleihen, Ankauf von Grundstücke», 
Veräußerung von Grundstücken und Realberechtigungen der Genehmigung der Auf 
sichtsbehörde bedürfen. Die Einnahmen und Ausgaben des Jahres 1880 haben sich 
auf 526 277,50 Mark belaufen; die Einnahmen, zumeist aus den Stellern der Mil- 
glicder, auf 47 0 4 36,25 Mark. An hervorzuhebenden Ausgaben sind besonders ge 
leistet worden: an Zinsen für unkündbare Schulden, auf Schuldverschreibungen der 
Gemeinde, auf ein Anlehen für einen Friedhof und auf Hypotheken-Schulden 
87 140,5» Mark, für Gehälter und Remunerationen 98 600 Mark, für Gottesdienste 
54 616 Mark, für Schulen 84 112 Mark, für Arme 107 700 Mark, für die Alters 
versorgung 9 650 Mark, in Beerdigungs-Angelegenheiten 31 700 Mark. 
4. 
Theater. 
Bezüglich des Thcatcrwescns in Berlin ist das Polizei-Präsidinm soivohl Landcs- 
polizei-Behörde als Ortspolizei-Behörde. 
Als Landespolizei-Behörde steht dem Polizei-Präsidium die Ertheilung der 
Evnccssionen für Schauspiel-Unternehmer zu. Bis zum Jahre 1869 galten in dieser 
Beziehung die Vorschriften der Allgemeinen Gewerbe-Ordnung vom 17. Januar 1845, 
welche die Ertheilung derartiger Concessionen mehr oder minder in das freie Errneffen 
der Behörden unter Benicksichtigung der persönlichen und sonstigen Verhältnisse des 
Antragstellers stellten. Mit der Reichs-Gewerbe-Ordnung vom Jahre 1869 war hierin 
eine vollständige Aenderung eingetreten; die Concession als Schauspiel-Unternehmer 
konnte nach diesem Reichsgesetz nur dann versagt werden, wenn Thatsache» vorlagen, 
welche die Unzuverlässigkeit des Antragstellers rücksichtlich des beabsichtigten Gewerbe 
betriebes darthun. Derartige Thatsachen lassen sich aber nur in den seltensten Fällen 
feststellen, so daß die Ertheilung der Concession nur in verschwindend kleiner Zahl 
versagt tverden konnte. 
In den Jahren 1870 bis 1880 sind Seitens des Polizei-Präsidiums an 146 Per 
sonen, — darunter 8 weibliche — Concessionen als Schauspiel-Unternehmer ertheilt 
worden. Der ehemalige Stand dieser Personen dürfte am Besten beweisen, daß die 
Mehrzahl dieser Conccssiviisinhaber mit der Kunst tveiiig oder nichts zu schaffen hatten. 
Von de» 146 Personen waren nämlich: 
Schauspieler 54, Musiker 6, Theater-Agenten 4, Schankwirthe, Restaura 
teure 45, Kaufleute 13, Maler 3, Cigarrcnfabrikanten, Rentiers, ehemalige 
Beamte, Schriftsteller je 2, Zimmcrmcistcr, Handschuhmacher, Webermeister, 
Feldmesser, Buchbinder, Landivirth, Maschinenmeister, Tischler, Doctor Juris, 
Lehrer und Maurer je 1; zivci Schauspiel-Unternehmer hatten früher über 
haupt keinen bestimmten Beruf. 
Mit dem Reichsgesetz vom 15. Juli 1880 ist auch hierin insofern eine Aenderung 
eingetreten, als der Antragsteller vor Ertheilung der Concession seine Befähigung in 
moralischer, artistischer und finanzieller Beziehung nachzuweisen hat.
	        
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