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Volume II. Geschäftsberichte Fachhauptmannschaften oder Commissariate

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Straßenpflaster. 
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Sehr unangenehme Verhältnisse treten für den Pfcrdcbahnbetrieb bei starkem 
Schneefall ein. Die Pferde sind dann kaum im Stande, den laufenden Wagen fort 
zubewegen, iroch welliger aber ihn in Bcivcgung zu setzen. Sie werden bei der halt 
losen Glätte ängstlich und zaghaft, können nur Schntt gehen imb werden durch die 
hastenden Bewegungen und die erfolglosen Anstrengungen so ermüdet, daß sie zeit 
weise ausruhen müssen. Natürlich häufeil sich dadurch sogleich eine Anzahl Pferde 
bahnwagen und haben diese schon Reihen gebildet, die weite Straßenstrecken hin, tvie 
z. B. vom Spittelmarkt bis an die Cominandantcnslraßc reichten. Erst wenn die 
Pferde auf Granitpflaster kommen, sönnen sie ihre gewohnte Gangart tvieder auf- 
nehmen. Auch in diesen außergewöhnlichen Fällen sorgt die Straßenreinigung zwar für 
schleunige Abhülfe, doch vergeben immerhin einige Stunden, che sie durchgeführt ist. 
Diese Uebelstände möchten, weil vorübergehend, immer noch erträglich sein, es 
sind jedoch noch erheblichere vorhanden. Für Reiter ist und bleibt das Asphalt- 
pflaster unleugbar gefährlich. Denn ün Jahre 1880 stürzten auf den kurzen Streckeil 
des Asphaltpflastcrs zu einer Zeit, als schon alles Mögliche für die Sicherheit des 
Verkehrs und zlir Beseitigung der Glätte auf demselben geschah, 9 berittene Schutz- 
mäniler, welche sämmtlich verletzt wurdcil, also 1 auf je V» Meile Asphalt, während 
auf dem übrigen durch die ganze Stadt verbreiteten Granitpflaster nur 25 stürzte», 
von denen 21 Verletzungen davon trugen. 
Mail darf die Gcsammtlängc der Straßen mit Granitpflaster wohl auf 55 bis 
60 Meilen schätzen. Jedenfalls sind sie zusammen etwa 50 mal länger, als die 
Asphaltstraßen zusammen genommen; cs kommt demnach beim Granitpflaster 1 Unfall 
auf je 2 bis 3 Meilen lind sind also auf Asphaltpflaster vcrhältnißmäßig 20 mal 
mehr Schutzmänner, alles tüchtige Reiter auf guten, geübten Pferden, gestürzt, 
als auf Granitpflaster; die Gefahr des Stürzens ist demnach auf jenem eine 20 mal 
größere als auf diesem. Mag man nun auch annehmen, daß diese Beamten sich vcr 
hältnißmäßig mehr auf dem Asphalt-, tvie auf dein Granitpflaster zu betvcgcit hatten, so 
stellt sich doch immer das Verhältniß in dieser Richtung für den Asphalt sehr ungünstig. 
Auch ist, was schon aus den vorstehenden Zahlcnangaben hervorgeht, der Sturz 
cine§ Reiters auf Asphaltpflaster gefährlicher, tvie auf Granitpflaster, weil die Heftig 
keit des Falles durch keinen Halt und Widerstand des Pflasters geinildcrt wird. 
Ebenso sind die Beschädigungen, die die Pferde beim Sturz auf Asphalt erleiden, 
verhältnißinäßig weit größer, tvie auf Granitpflaster, weil sich dieselben nicht sowohl 
bei dem Fall selbst, als vielinehr bei den nachherigelt vergeblichen Versuchcit, sich 
tvieder aufzurichten, Verletzungeit zuziehen, indem die Beine dabei meist nach beiden 
Seiten ausgleiten und dadurch oft Knochenbrüche und innere Verletzungen, Zerreißtingcn 
der Eingeweide, herbeigeführt werden. 
Jedenfalls kontmen auf dem kurzeit Asphaltpflaster ebensoviel, jetzt vielleicht noch 
mehr Pferde zu tödtlichen Verletzungen, tvie auf dem 50 mal längeren Granitpflaster. 
Ein tvcitercr Nachtheil des Asphaltpflastcrs liegt darin, daß es den Pferden 
schwer, ja oft uitnröglich ist, kurz zu parireit oder schnell auszubiegen. Manche Gefahr 
wäre dllrch schnelles Parircn oder Atlswcichcn zu verhüten, aber der Kutscher, wenn 
er es auch könnte, unterläßt es, tveil er sonst leicht seine eigenen Pferde zu Falle und 
sich selbst in Schaden bringt. Ein schtveres, Trab fahrendes Fuhrwerk, z. B. ein 
Omnibus, braucht, uin in Stillstand zu kommen, auf Asphaltpflaster die doppelte 
Läitge als auf Granitpflaster. Daraus müssen nothwendig Beschädidungen an anderen 
Fuhrwerken, Pferden oder Vorübergehenden entstcheit. Sie komiiten auch neuerdings, 
z. B. in der Leipzigerstraße, entschieden häufiger vor tvie früher. 
Trotzdem hat das Polizei -Präsidium geglaubt, der Legung von Asphaltpflaster 
gegenüber den vielen bedeutenden Vorzügen desselben, insbesondere wegen der Ver 
meidung des Gerütlsches, der geringeren Abnutzting der Wageit uitd Pferde re. nicht 
cntgegentreteir zu sollen, zumal zu hoffen ist, daß bei aufmerksamer, sachgemäßer 
Führung der Gespanne sich die Unfälle in Zukunft vermindern tverden. 
Das Holzpflaster bleibt gleichfalls hinsichtlich der Sicherheit des Ganges der
	        
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