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Volume II. Geschäftsberichte Fachhauptmannschaften oder Commissariate

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Pferdebahnen. 
schlossmen Vertrages vom 31. December 1875 auch aus die Stadtgeineinde überge 
gangen, da letztere durch diesen Vertrag Eigenthümerin der sämmtlichen innerhab der 
städtischen Wcichbildgrenze belegmen, dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Brücken, 
Straßen, Plätze und Wege geworden ist. 
Seitens des Polizei-Präsidiums wird nunmehr in eine Prüfung der Anträge auf 
Erlheilung der polizeilichen Concession erst dann eingegangen, wenn die Erlaubniß 
zur Benutzung der betreffenden Straßen von der Eigenthümerin derselben ertheilt worden 
ist und wenn die seitens der örtlichen Straßenpolizci aufzustellenden straßcnbaupolizei- 
lichen Bedingungen vorliegen. Die den polizeilichen Concessionen zu Grunde gelegten 
Bedingungen zerfallen in allgemeine und besondere. 
Die ersteren enthalten insbesondere: 
1. die Banfrist; 
2. die Anordnung, ob die Bahn eingeleisig oder zweigeleisig anzulegen ist und 
welche Weichen herzustellen sind; 
3. die Spurweite der Geleise, die Entfernung derselben von einander bei zwei- 
gclcisigcn Bahnen, die Breite und Höhe der Pfcrdcbahnschienen; 
4. die Begrenzung des Bahnkörpers durch Streckschichten und die Verpflichtung, 
dieselben nach Anordnung der städtischen Behörden zu befestigen, die Höhen 
lage der Bahn den Längen- und Qucrprvfilen der Straßen anzupassen; 
5. die Kosten der etwa nöthigen Verbreiterung des Fahrdammes und der Verände 
rung der Lage von Telegraphen-, Gas- und Wasserleitungen; 
6. die Regelung der Benutzung der Geleise anderer Bahnen oder der Benutzung 
der eigenen Geleise durch andere Bahnen; 
7. die Regelung des Betriebes u. s. >v. 
Die besonderm Bedingungen richten sich wesentlich nach den örtlichen durch die 
beabsichtigte Anlage bedingten Verhältnissen und nach der Richtling der Pferdebahn- 
linien. 
Endlich erfolgt die Festsetzung der Fahrpläne und der Tarife für die Pferde 
bahnen durch die I. Abtheilung des Polizei-Präsidiums und zwar nach vorgängigcm 
Einvernehmen mit dem hiesigen Magistrat. Alle halbe Jahre zum 1. April und 
1. Octobcr ivcrden Fahrpläne und Tarife von Neuem geprüft und festgesetzt. 
Die erste Pferdebahnlinie Berlin (Kupfergraben)—Charlottenburg, 7 800 Meter 
lang, damals noch eingeleisig, wurde von der Berliner Pferdeeisenbahn-Gesell 
schaft erbaut und am 22. Juni 1865 eröffnet. Erst nach 6 Jahren folgte ihr am 
1. November 1871 die Linie Charlvttenburg—Westcnd. 
Mit dem Jahre 1873 beginnt die Entwickelung des Netzes der Großen 
Berliner Pferdebahn, durch welches die Verkehrsverhältniffe Berlins eine völlige 
Umgestaltung erfuhren. Ihre erste Linie war: Rosenthaler Thor—Stettiner Bahn, 
eröffnet am 8. Juli 1873. Vollendet wurde sie bis zum Depot Gesundbrunnen am 
22. Februar 1874. 
Die IVj Meilen lange Ringbahn, welche alle Vorstädte Berlins unter einander 
verbindet und wohl in keiner anderen Stadt ihres Gleichen hat, ist aus der Ver 
bindung und dem Ineinandergreifen verschiedener einzelner Strecken hervorgegangen. 
Diese einzelnen Strecken wurden nach und nach gebaut und zwar die Strecke 
1. 
Rosenthaler Thor—Oranienburger Thor 
2. Potsdamer Thor— Hallesches Thor 
3. Rosenthaler Thor—Schönhauser Thor 
4. Brandenburger Thor—Potsdamer Thor 
5. Prenzlauer Thor—Schönhauser Thor 
6. Hallesches Thor—Prinzen- und Gitschincrstr.-Eckc 
7. Prinzen- und Gitschinerstr.-Ecke—Moritzplatz 
8. Carl- und Friedrichstr.-Ecke—Oranienburger Thor 
9. Moritzplatz—Cöpnicker- und Neanderstr.-Ecke 
eröffnet am 13. 
18. 
2. 
11. 
9. 
9. 
20. 
25. 
21. 
9. 1873, 
11. 1873, 
4. 1874, 
5. 1874, 
11. 1874, 
1874, 
1875, 
1875, 
11. 
6. 
6. 
7. 1875,
	        
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