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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Fremden-Abtheilung. 
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Abtheilung V. 
(Fremden-AVtheilung.) 
Die V. Abtheilung hat neben der Ausstellung der Pässe, Paßkarten, Heiiiiathscheine, 
Reichsangehörigkeits-Atteste, Dienstbücher, der Bescheinigungen zur steuerfreien Einfuhr 
von Mobiliar der hier vom Auslande anziehenden Personen, der Führungs-Atteste 
und ähnlicher zum Ausweis über die Person dienender Bescheinigungen, hauptsächlich 
die Prüfung der Legitimation der neu anziehenden Personen zu bewirken und deren 
persönliche Verhältnisse festzustellen. 
Von jeder in Berlin anziehenden Person mußte früher seitens des Reviers eine 
Aufenthalts-Anzeige erstattet werden, auf Grund deren die persönlichen Verhält 
nisse derselben geprüft und nach Umständen durch Einforderung der bezüglichen Legiti 
mationen, bezw. durch Rückfragen bei den Behörden des früheren Aufenthaltsortes 
festgestellt werden. 
Diese Einrichtung bestand bis zum Jahre 1873. Die täglich wachsende Menge 
dieser Anzeigen und die mit der Bearbeitung derselben zunehmende Arbeitslast machte 
es wüuschcnswerth, durch Vereinfachung der einschlagenden Arbeiten Bcamtcnkräftc 
zu sparen. 
Es wurde deshalb durch die Präsidial-Verfügung vom 1. Juli 1873 die Er 
stattung der bis dahin üblichen Aufenthalts-Anzeigen auf eine geringe Anzahl von 
Anziehenden, hauptsächlich auf die Ausländer, beschränkt und in Betreff aller anderen 
neu anziehenden Personen von den Revieren behufs Prüfung der Verhältnisse nur 
Registerblätter angefertigt, wie sic für die Register des Einwohner-Meldeamts angelegt 
und verwendet werden, und die nur die Personalnotizen und das Nationale 
enthielten und nach Einsichtnahme seitens der V. Abtheilung sodann gleich zum Ein 
wohner-Meldeamt gingen, um dort in den Registern weiter geführt zu werden. 
Die Ausbreitung der socialdemokratischen Lehren unter den Arbeitern, in Ver- 
biudung mit den schmachvollen Attentaten auf Seine Majestät den Kaiser im Jahre 
1878 machten jedoch wieder eine strengere Handhabung der Aufsicht über die 
Fremden nothwendig und es wurde deshalb unterm 13. Juni 1878 von Neuem die 
Erstattung von Aufenthalts-Anzeigen über alle Neuanziehende angeordnet, zumal durch 
die Verfügung vom 26. Juni 1878 für die nach Berlin kommenden Personen der 
Paßzwang eingeführt worden war. 
Der vielfach hervortretende Mangel an genügenden Legitimatioirspapieren und 
Ausweiscir über die bisherige Führung der Ncuanziehcndcn veranlassen der Y. Ab 
theilung einen höchst lebhaften, init dem gesteigerten Verkehr und erhöhtem Zuzuge 
stätig zunehmenden Schriftwechsel mit den betreffenden Heimathsbehörden. Durch 
diese Anfragen und Erkundigungen wurde es jedoch ermöglicht, die durch die örtlichen 
Verhältnisse der Residenz besonders angezogenen, unlauteren Elemente, insbesondere 
bestrafte Personen, schärfer zu beaufsichtigen und sie in geeigneten Fällen von Landes 
polizei wegen aus Berlin auszuweisen. 
Hierdurch haben sich natürlich die Geschäfte der Abtheilung wieder bedeutend 
gesteigert, so daß die Registratur seit 1877 um 3 Journale hat vermehrt werden
	        
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