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Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung IV 3. Leichen-Commissariat

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Central-Polizei-Blatt. 
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Die Ermittelung von Namen,. Stand und letztem Wohnort beider Elter» des 
Verstorbenen, zumal wenn letzterer hier fremd und schon in vorgerückten Jahren war, 
erfordert oft einen schwierige» und sehr umständlichen Schriftivechsel mit de» Heimaths- 
Behörden, Nachschlagen in den Kirchenbüchern und in den gerichtlichen Geburts- 
Registern und fuhrt dennoch oftmals nicht zu dem gewünschten Ziele. 
Einen fast ebenso umfangreichen Schriftivechsel hat das Leichen-Commijsariat 
wegen Einziehung der Kosten für Leichcn-Transportc und Beerdigungen von den 
Angehörigen des Verstorbenen mit den Heimaths-Behörden derselben zu führen, während 
in früheren Jahren die betreffenden Liquidationen einfach zu den Gerichtsactcn ein 
gereicht wurden. 
4. Uedartion des Central Polizei Statte». 
Im Jahre 1819 wurde eine Einrichtung geschaffen, welche „das polizeiliche und 
criminelle Verfahren gegen flüchtig gewordene Verbrecher und gegen alle Klassen ge 
meinschädlicher Uinzügler ivirksain unterstützen und die Ermittelung der Thäter 
schtverer Verbrechen erleichtern sollte." 
Zu diesem Zwecke wurde Berlin zum Mttelpunkt ausersehen, woselbst unter Auf 
sicht des Polizei-Präsidiums alle hierauf bezüglichen Notizen in- und ausländischer 
Sicherheits-Behörden gesammelt, übersichtlich geordnet zusammengestellt und durch den 
Druck verbreitet werden sollten. 
Das diesem Zweck dienende Blatt nahm den Titel „Mittheilungen zur Be 
förderung der Sicherhcitspflege" an und hat seine Aufgabe mit so gutem Er 
folge erfüllt, daß es sogar durch Beschluß der Deutschen Bundes-Versainmlung vom 
5. Mai 1841 eines ehrenvollen Anerkenntnisses gewürdigt wurde. 
Die Nothtvendigkeit der Erhaltung des Blattes tvurdc dann auch später durch 
Erlaß des Herrn Ministers des Innern vom 12. Februar 1855 anerkannt, der Titel 
in „Königliches Central-Polizei-Blatt" uingeändert und die Kosten desselben 
auf die Staats-Kasse übernommen. 
1 107 Städte und Gemeinde - Verbände im Preußischen Staate wurden zum 
Halten des Blattes verpflichtet, während 487 Königliche Behörden daffelbc unentgelt 
lich erhielten. 
Nicht nur im Jnlande, sondern auch im Auslande, in Holland, Dänemark, 
Schweden, in den schweizerischen Cantonen rc. lvird die Nützlichkeit des Blattes an 
erkannt und durch die täglich zunehmende Zusendung von Nachrichten über dergleichen 
Verbrechen unterstützt. 
Es würde noch erfolgreicher wirken, lvenn alle Gemeinden das Blatt hielten, 
bezw. zur Haltung des Blattes angewiesen oder doch auf dasselbe von Amtswcgeu 
öfter aufinerksam gemacht würden, da die Erfahrung lehrt, daß der flüchtige Ver 
brecher sicher diejenigen Städte, wo das Blatt verbreitet ist, meidet und lieber die 
Orte allfsucht, in die nur in äußerst seltenen Fällen eine Beschreibung seiner Person 
hingelangt. 
Da das Blatt jährlich nur 6 Mark kostet und bei jeder Postanstalt bestellt und 
bezogen werden kann, so würde jede, auch selbst die kleinste Gemeinde wohl in der 
Lage sein, das Blatt zu halten und umsoinehr dazu veranlaßt werden können, als 
dieselben früher zur Führung einer Steckbriefscontrvlc verpflichtet und meist nur unter 
Hinweis auf die Anschaffung des Central-Polizei-Blattes von der Weiterftthrung 
derselben entbunden worden waren. 
Es ist bisher Gebrauch gewesen, das Blatt nur an Behörden zu verabfolgen, 
die Redaction ist jedoch der Ansicht, daß, ebenso wie die Amtsblätter, auch das 
Central-Polizei-Blatt ohne Bedenken deni Publikum zugängig gemacht werden könnte. 
Das Blatt erscheint wöchentlich zweiinal in der Stärke von einem bis anderthalb 
Bogen und enthält die innerhalb des Staates von den Gerichten bezw. Staatsanwälten
	        
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