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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Bau-Abtheilung. 
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Die während der sogenannten Gründerjahre so bedeutend gesteigerte Bauthütig- 
keit führte selbstverständlich für das Polizei-Präsidium eine so bedeutende Vermehrung 
der Arbeitslast mit sich, daß zur Bewältigung derselben eine entsprechende Ver 
stärkung der fachktnidigen Kräfte derselben unabweiSliches Bedürfniß irnirde. 
Bereis Anfangs des Jahres 1872 genehmigte daher der Herr Minister für 
Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ans diesseitigen Vortrag, daß jedem der 
bis dahin beim Polizei-Präsidium angestellten 4 Ban-Jnspectvren, außer dem bereits 
überwiesenen einen Bauführer noch ein zweiter Bauführer als Hülfsarbcitcr bci- 
gegeben werde. 
Als in Folge der Thätigkeit der Ballgesellschaften an einzelnen Punkten ganze 
Stadttheile neu entstanden und Hunderte von Häusern zugleich gebaut wurden, "stellte 
sich sehr bald das dringende Bedürfniß heraus, die Bau-Jnspcctivnsbczirke zu theilen 
und die technischen Beamten entsprechend zu vermehren. In Folge dessen wurde im 
Jahre 1873 die Stadt, anstatt der bisherigen 4 Baubezirke, in 8 getheilt, die Zahl 
der allgestellten Bau-Jnspectoreir um 4 vermehrt und jedem derselben 1 Bauführer 
als fachkundige Beihülfe beigegeben. Diese Einthcilung bestand bis zum Jahre 1879. 
Schon gegen Ende des Jahres 1877 ivurde in Erlvägluig gezogen, ob mib in 
wie weit in Folge des im Jahre 1876 eingetretenen Ueberganges der Straßenbau- 
polizei ail die Stadtgemcindc, sowie der durch die Gesetze über die Landcsvcrivaltnilg 
vom 3. Juli 1875 und 26. Juli 1876 eingetretenen Veränderungen etwa eine Vcr- 
lninderling der Zahl der Bau-Jnspeetionen für zulässig zu erachten sei, oder ob nicht 
lvenigstcns die denselben bisher gewährte fachklindigc zweite Arbeitshülfe ganz oder 
theilweise entbehrt werden könne. Es war bei dieser Erwägung zwar in Betracht 
zu ziehen, daß in Folge des Ueberganges der Straßenbaupolizei auf die Stadt die 
Geschäftsthätigkeit der Ban-Jnspcctorcn sich in so fern um ein Geriilges vermindert 
hatte, als die früher bei der Bearbeitung der Baugesuche zugleich mit stattfindende 
Prüfung, ob die Baufluchtliiüe richtig eingehalten sei, sowie die Revision der auf 
Grund der Verordnung vom 17. Januar 1873 zur Ausführung gelangenden Bürgcrsteig- 
Regulirungeii seitdem in Wegfall gekommeil war, andrerseits jedoch in Anrech- 
nlnlg zu bringen, daß die daraus sich ergebende geringe Geschäftsentlastuilg dadurch 
reichlich ausgeglichen und ausgewogen wurde, daß die Anwendung von Eisen- 
constructionen bei Ausführung hiesiger Bauten voll Jahr zu Jahr häufiger lvurdc 
und damit die Zahl der der Prüfung der Ban-Jnspcctorcn unterliegenden schwierige» 
und zeitraubenden statischeil Berechnungen sich fortgesetzt steigerte. 
Obwohl das Polizei-Präsidium unter Darlegung dieser Erlvägungcn die Bei 
behaltung der bisherigen 8 Bau-Jnspeetionen dringend befürwortete, hielt es der 
Herr Mnister doch für gerechtfertigt unb zulässig, die Bau-Inspektionen zunächst um 
eine auf 7 zll vermindern. 
Diese Veriniildernng trat im Jahre 1879 ein. Wenn schon hieraus den übrigen 
Bau-Jnspeetionen eine recht fühlbare Vermehrung ihrer Dicnstgcschäfte erwuchs, so 
lvurden dieselben neuerdings und zwar nach dem Inkrafttreten der Polizei-Verordnung 
voin 30. Januar 1880, betreffend die Anforderungen an die Schank- und Gast- 
lvirthschaften, auch noch insofern sehr erheblich mehr in Anspruch genommeil, als ihnen 
die Anträge auf Erthcilung der Concession zum Schankbetriebe von der Abtheilung 11. 
in der Regel zur fachkundigeil Prüfung der Frage zugcfertigt werden, ob uild inwie 
weit das betreffende Local den in obiger Verordnung gegebenen besonderen baulichen 
Vvrschristeil entspricht. Bei der Vielseitigkeit und Vcrschiedenartigkcit der letzteren ist 
die den Bau-Jnspectorcn obliegeilde Feststellung um so umstäildlicher und zeitrau- 
bender, als eine unbedingt genaue und zuverlässige Ermittelung der thatsächlichen 
Verhältnisse in jeden, einzelnen Falle durchaus nothwendig ist, weil bei einer ctlvaigen 
ablehnenden Bescheidung des Conccssionssuchers die auf dieses Gutachten begründeten 
Entscheidungen des Polizei-Präsidiums inöglicher Weise im Verwaltnngs-Streitver- 
fahren vertreten und gerechtfertigt werden müssen.
	        
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