Path:

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Jagdscheine. — Sanitäts- und Veterinair - Polizei. 
445 
B. Jagdscheine. 
Die Jagdscheine werden nach Maßgabe des Gesetzes vom 7. Mai 1850 ertheilt. 
Die Zahl derselben hat sich von Jahr zu Jahr vermehrt und ist im Laufe der 
letzten 10 Jahre bis über das Doppelte gestiegen; denn während 1871 770 Stück 
ausgegeben worden sind, wurden im vergangenen Jahre 1 856 Stück ausgefertigt. 
Das Verfahren, einen bereits ertheilten Jagdschein wieder zu entziehen oder 
einem Antragsteller einen solchen zu versagen, ist insofern ein anderes geworden, als 
vor dem Inkrafttreten des Competenzgesetzes vom 26. Juli 1876 die einschlägige 
Verfügung von der Abtheilung II. des Polizei-Präsidiums erlaßen wurde und gegen 
dieselbe nur die Beschwerde beim zuständigen Mnisterium zulässig war, gegenwärtig 
jedoch auf die diesseitige Entziehung bezw. Versagung die Berufung beim Bczirks- 
Verwaltungsgericht erfolgen muß, vor welchem die Sache dann im Strcitvcrfahrcn 
verhandelt tvird. 
C. Santtats- und Ueterinairpottzei. 
1. Wohnungen. 
Eine für Berlin amtlich sehr wichtige und von Privatleuten sehr häufig in 
Anspruch genommene Thätigkeit des Polizei-Präsidiums betrifft die Untersuchung ge 
sundheitsschädlicher Wohnräume, bezw. Prüfung der darauf gerichteten Anträge. 
Es ist nicht selten, daß Klagen über ungesunde Wohnungen von Miethern nur 
angebracht werden, um sich gegen den Willen des Vermiethcrs von einem lästigen 
Vertrage zu befreien. Andererseits lehrt jedoch leider die Erfahrung, daß in Folge 
der zeitweise bestandenen außergewöhnlichen Miethstheucrung und Wohnungsnoth, 
bezw. aus Eigennutz, Gewohnheit und herrschenden: Gebrauch in Berlin in der That 
oft Räumlichkeiten zu Wohnungen vermiethct, bezw. benutzt werden, die für den 
Aufenthalt von Menschen überhaupt nicht oder wenigstens zur Zeit noch nicht ge 
eignet sind, und Krankheiten und bleibende Leiden sind oft genug die Folge des Zu- 
sammenwohncns in solchen engen, ungesunden und feuchten Räumen. Diejenigen 
Personen, welche gegen verhältnißniäßig sehr billige Miethe neue, unfertige, noch nicht 
ganz trockene Wohnungen zuerst und gewöhnlich nur auf kurze Zeit beziehen, werden 
int Volke mit dem besonderen Namen „Trockenwohner" bezeichnet. Das Polizei- 
Präsidium hält sich daher für verpflichtet, dafür zu sorgen, daß Räume, welche zuin 
dauernden Aufenthalt von Menschen ungeeignet sind oder für ungesund befunden 
werden, als Wohnungen und Schlafstellen nicht vermuthet, bezw. ferner nicht mehr 
als solche benutzt werden. 
Diese Anträge sind bis zum Jahre 1879 mit den übrigen gesundheitspolizeilichcn 
Sachen der II. Abtheilung zusammen in ein Journal eingetragen und mit denselben er 
ledigt worden. Es läßt sich demnach jetzt der Unifang dieser Arbeiten aus früheren 
Jahren nicht mehr genau nachweisen. Das Anwachsen und die Nothwendigkeit der 
gleichmäßigen Behandlung derselben bedingte jedoch eine Trennung, ein Ausscheiden 
derselben und so wurden sie seit 1879 besonders eingetragen und, getrennt von den 
übrigen, auch von einem und demselben Beamten bearbeitet. 
Die Zahl der Nummern des betreffenden Journals, deren jede einen Einzclfall 
von Anfang bis Ende umfaßt, betrug 
im Jahre 1879 825 
- - 1880 768. 
Bei der Behandlung dieser Sachen sind von jeher zwei Gesichtspunkte in Betracht 
gekommen, insofern entweder bauliche oder gesundheitspolizeiliche Rücksichten, 
oder beide die Räumung der Wohnnngen erheischten.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.