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Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 18. Die Aufsicht über die Verwaltung der Strafanstalten und Gefängnisse

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Die Stadtvoigtei und ihre Filialen. 
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der Stadtvoigtei auch jetzt noch nicht ausreichten, so sah das Polizei-Präsidium sich 
genöthigt, die Ueberführung von 100 Untersuchungs - Gefangenen nach der Filiale 
Pcrlebergerstraße 10 zu verfügen, welche ain 12. Februar 1882 bewirkt wurde. 
Das Vorhergesagte ergiebt, wie zur Beschaffling der erforderlichen Räume, sowie 
durch die veränderte Gesetzgebung während der letzten 10 Jahre ein fortwährender 
Wechsel in den Gefängnissen und in der Art der Haft der Eingelieferten und dem 
entsprechend auch ein vielfaches Abgeben und Zumiethen von Räumen und ein fort 
währendes Hin- und Herziehen der Stationen nöthig war, um dem jeweiligen Be 
dürfniß zu genügen und Abhülfe für die immer wieder neu hervortretenden Noth 
stände zu schaffeit. 
Zugleich aber inag man auch daraus entnehmen, wie schivierig die Verlvaltung dieser 
verschiedenen, örtlich und nach Art der untergebrachten Gefangenen häufig wechselnden 
Anstalten war und noch ist, da es eben nicht möglich gewesen ist, der ursprünglichen 
Absicht gemäß, die Untersuchungs- und die Strafgefangenen ganz von einander zu 
trennen und auch in örtlich getrennten Räuinen unterzubringen. 
Als Grund für die bedeutende Zunahme der Untersuchungs-Gefangenen im letzten 
Halbjahr, ungeachtet des ungewöhnlich milden Winters, dürfte zum Theil der Umstand 
anzusehen seilt, daß die wegen Uebcrtrctung zur Haft gebrachten Personen in vielen 
Fällen sich bei der festgesetzten Strafe nicht beruhigen und die Entscheidung des Schöffen 
gerichts anrufen, lediglich zu dein Zwecke, um eine möglichst lange Zeit in der Unter 
suchungshaft zu bleiben, welche in Bezug auf die Beköstigung bedeutende Vorzüge vor 
der Strafhaft hat. Aus diesem Grunde pflegt von ihnen auch die Rekursfrist möglichst 
vollständig ausgenutzt zu werden. Es ist zwar zu hoffen, daß durch eilt von Seiten 
des Gerichts in Aussicht gestelltes beschleunigteres Verfahren die Dauer der Unter 
suchungshaft und danrit die Gesammtzahl der Untersuchungs-Gefangenen gemindert 
lverden tvird; es sollten deshalb auch die Schöffcngerichtstage erheblich vermehrt 
werden, eilt wesentlicher Erfolg ist hiervon jedoch bisher nicht zu bemerken gewesen. 
Bei Eröffitung des neuen Untersuchungs-Gefängnisses in Moabit sind von den 
bisherigen Beamten der Stadtvvigtei zu demselben übergetreten: 
1 Oberauffeher, 
23 Aufseher, 
23 Hülss-Aufseher, 
3 Aufseherinnen und 
4 Hülfs-Aufseherinnen. 
Der Director, 
2 Jnspcctorelt, 
4 Secrctaire, 
1 Hausvater, 
1 Werkmeister, 
Nach Austritt dieser Beamten blieben die Stellen von 3 Secretairen (darunter 
2 Kassenbeamte) mit Rücksicht auf die als bevorstehend angenommene Gcschäftsver- 
mindcrung unbesetzt, indessen ist an deren Stelle in Folge dringenden Bedürsniffes 
bereits im Noveinber 1881 und inr Februar 1882 von dem Herrn Minister des In 
nern je ein Hülfsbcamter belvilligt worden; die Ergänzung des ausscheidenden Auf 
seher-Personals mußte, soweit erforderlich, durch neu anzunehmende Beamte erfolgen. 
Die anliegende Tabelle enthält eine statistische Uebersicht über den Gcschäftsum- 
sang der Verlvaltung der Stadtvoigtei und ihrer Filialen in den Jahren 1870, 1875 
und 1879/80. 
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