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Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 15. Die Schutzmannschaft

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Nachtwachtwesen. 
1. Das Nachtwachtwesen. 
Die in Berlin im öffentlichen Dienst angestellten Nachtivachtmeistcr und Nacht 
wächter sind dem Polizei-Präsidium untergeordnet, die Kosten des Nachtwachtwesens 
trägt die Stadtgemeinde. 
Behufs des Nachtwachtdienstes ist die Stadt Berlin in Nachtwachtrcviere einge 
theilt. Die Bezeichnung der Nachtwachtrcviere, deren Numerirung durch alle Polizei- 
Hauptmannschaften läuft, erfolgt der Kürze ivegcn in der Art, daß die Nummer der 
betreffenden Hauptmannschaft durch römische, die Nummer des Nachtwachtreviers da 
gegen durch arabische Ziffern bezeichnet und beide Ziffern durch einen Bruchstrich 
getrennt werden z. B. I./1. d. h. 1. Nachtwachtrevier der L Polizei-Hauptmannschaft. 
Jedes Revier ist je einein Nachtwächter zur besonderen Beaufsichtigung überwiesen. 
Mehrere Nachtwachtreviers bilden einen Nachtwachtbezirk, innerhalb dessen ein Nacht 
wachtmeister die Wächter zu beaufsichtigen hat. 
Das Nachtwachtpersonal steht unter dem Befehl des Commandos der Schutz 
mannschaft, bczw. der betreffenden Polizei-Hauptleute und Reviervorsteher. 
Die Nachtwächter sind jedem Nachtwachtmeister, gleichviel, ob sie zu seinem Nacht 
wachtbezirk gehören oder nicht, ebenso den Polizei-Wachtmeistern der Schutzmannschaft 
in dienstlichen Angelegenheiten unbedingten Gehorsam schuldig. Jngleichen haben die 
Nachtwachtmeister sowohl, als die Nachtwächter, den dienstlichen Befehlen und An- 
tveisungen der höheren Beamten der Executiv-Polizei, einschließlich der Criminal-Com- 
miffarien, sowie der Offiziere der Feuerivehr unbedingt Folge zu leisten. 
Die Anstellung der NachNvachtmeister und Nachtivächtcr erfolgt auf vierwöchcnt- 
liche Kündigung, doch können die Einen, wie die Anderen wegen erheblicher Dienst 
vergehen sofort und ohne Aufkündigung entlaffen werden, namentlich wegen Un 
gehorsams, Trunkenheit oder Schlafens im Dienste, ungerechtfertigten Verlassens des 
Postens rc. 
Die Nachtivachtmeistcr und Nachtwächter haben auf die Erhaltung der Ordnung 
auf den Straßen und auf die Sicherheit der Personen und des Eigenthums zu sehen 
und sich gegenseitig bereitwillig und schnell Hülfe zu leisten. Dasselbe gilt auch für 
das Verhältniß zwischen den Nachtwachtbeamten und der Schutzmannschaft und 
Feuerivehr. Es müssen also die Nachtwachtmeister und Nachtwächter auch auf das 
von einem Schutzmann gegebene Nothsignal herbeieilen. 
Die Nachtwachtbeamten müssen iin Dienste ihre vollständige, vom Polizei- 
Präsidium vorgeschriebene Dienstbekleidung tragen; dieselbe besteht zur Zeit aus: 
Paletot von dunklem grauen Dich, Rock von blauem Dich mit 2 Reihen blanker 
Knöpfe besetzt, dunkelgrauein Beinkleid, Dienstmütze von blauem Dich mit Schild und 
Kokarde, und Seitengcivehr, das sie an schwarzein Koppel über dem Rock tragen. 
Außerdeni führt jeder Wächter eine Pfeife, um im Nothfalle Hülfe niid Nnter- 
stühling Seitens anderer Beamten hcrbeizurilfen. 
Die Nachtivachtmeistcr haben zum Unterschiede von den Wächtern eine silberne 
Achselschnur, Sammetkragen am Rock, Sammetstreifen an der Mütze, blauen Paletot 
mit einer silbernen Litze am Krage,: und als Waffe einen Füsilier - Offiziersäbcl mit 
iveißcm Beschläge, dei, sie an einem Koppel mit Schleppricmen unter den, Rocke tragen. 
Während der Dicnststunden haben die Wächter die sämmtlichen Straßen nnb 
Plätze ihres Reviers unausgesetzt zu begehen. Den ihi,en anvertrautei, Posten dürfen 
sie unter keinem Bortvande verlassen, es sei denn, daß sie durch den Dienst selbst dazu 
genöthigt werden, worüber sie sich auf Erfordern jedesmal auszuweisen haben. 
Rach Beendigung des nächtlichen Diciistes haben sich die Wächter auf der Polizei- 
Revierwache, zu der ihr Nachtrevier gehört, zu melden und anzuzeigen, ob und was 
sich Neues ivährcnd der vergangenen Nacht in ihrem Revier ereignet hat.
	        
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