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Volume I. Allgemeiner Theil

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Allgemeiner Theil. 
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Die Tabelle Y. giebt eine Zusammenstellung, wieviel Verbrechen hauptsächlich 
gegen die Person und solche, welche die persönliche Sicherheit bedingen, in den ein 
zelnen Bezirken vorgekonnnen sind, wieviel Personen wegen derselben angeklagt, 
wieviel vom Schwurgerichte wegen dieser Verbrechen schuldig und wieviel von den 
Angeklagten dabei etwa ivegen eines anderen dabei vorgekommenen geringeren 
Verbrechens oder Vergehens schuldig befunden worden sind. 
Nach diesen Tabellen nimmt der Bezirk Berlin ein 
1. beim Mord die 6. Stelle, 
2. - Todtschlag - 3. - 
3. - Kindesmord - 4. - 
4. bei Körperverletzung - 7. - 
5. - Raub und Erpressung.... - 3. - 
6. - Vergiftung - 3. - 
7. beim Landfriedensbruch = 9. - 
8. bei Verbrechen gegen die Sittlichkeit - 8. - 
9. - Brandstiftung - 6. - während 
10. Verbrechen ivider die persönliche Freiheit und 
11. der Gefährdung von Eisenbahnen in Berlin 
gar nicht vorgekommen sind. — Diese Ziffern zusammengezählt, giebt 49. — 
Berlin nimmt also bei diesen 11 Verbrechen im Durchschnitt etwa die 4. bis 
5. Stelle ein und bei keinem dieser, die Sicherheit der Person bedrohenden und ge 
fährdenden Verbrechen steht es schlechter, als ihm nach der Bevölkcrungszahl zukommt. 
Die Tabelle VI. 1 und 2 weist nach, wieviel Verbrecher vor den Schwur 
gerichten angeklagt und wieviel von ihnen verurtheilt worden sind. Bei diesen 
nimmt der Bezirk Berlin in Betreff der Zahl der Angeklagten die dritte, und in 
Betreff der Zahl der Verurtheilten erst die vierte Stelle ein, und steht demnach 
auch in dieser Beziehung günstiger, da gerade die letztere Zahl, die Zahl der Ver- 
urtheilten und nicht die der Angeklagten, die ausschlaggebende sein dürfte. 
Die Tabelle YII. endlich und das ist die wichtigste von Allen, giebt das Ver 
hältniß der Verurthcilten zur Gesammtbevölkerung des Staates nach Prozenten 
au und weist nach, um wieviel höher oder niedriger der Prozentsatz der Verurtheilten 
gegen den der Bevölkerung im Allgemeinen ist. In dieser Zusammenstellung nimmt 
der Bezirk von Berlin sogar erst die 13. Stelle ein und steht demnach in Betreff 
der Verbrcchcrstatistik der sämmtlichen Provinzen, mit Ausnahme der Rheinprovinz, 
am niedrigsten und günstigsten da. 
Daß dieses günstige Verhältniß nicht nur dem Kammergcrichts- Bezirk zukommt, 
sondern auch der Stadt Berlin an sich, crgiebt sich aus der Tabelle VIII., welche 
das Verhältniß der Zahl der Verurt heilten zu der Seelenzahl in Betracht zieht 
und den Bezirk des Landgerichts I., also die Stadt Berlin an sich allein der 
Gesammtseelenzahl des Staates gegenüberstellt. 
Bei fast allen hier aufgeführten Verbrechen (zu l und 3—l l) stellt sich das Ver 
hältniß außerordentlich lind im hohen Grade günstig für Berlin, und cs ist nur bei 
dein Verbrechen des Mordes (zu 2) ein ungünstigeres. Aber auch hier ist das 
Verhältniß nur scheinbar ungünstiger, da 1880 zufällig bei mehreren der in Berlin 
selbst zur schwurgerichtlichen Verhandlung gekommenen Morde immer mehrere Com 
plicen zugleich betheiligt waren, wie z. B. bei der Tödtung des Kindes der unverehe 
lichten Heß, bei dem Mord der Wittwe Sommer und dem der Wittwe Patzkow, wo 
je 3 Conlplicen bcthciligt waren. Es sind denn auch in den sämmtlichen Schwur- 
gcrichtsvcrhandlungen Berlin I wegen Mordes zwar 10 Angeklagte schuldig befunden, 
von diesen jedoch nur 4 wegen des Mordes selbst, dagegen 6 wegen anderer dabei 
vorgekommener geringerer Verbrechen oder Vergehen verurtheilt worden. 
Das Verhältniß stellt sich demnach überall zu Gunsten nicht nur des ganzen 
Kammcrgcrichts-Bczirks, sondern auch zu Gunsten der Stadt Berlin für sich, und kann
	        
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