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Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 13. Sanitäts- und Medicinalpolizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Sanitäts-Commissionen. 
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Laboratoriums für Untersuchung von Nahrungsmitteln und Ausführung anderweiter 
im fanitätspolizcilichen Jntcrcffe nothwendiger oder doch wünschenswerther Einrich 
tungen, sowie uin einige andere Punkte ähnlicher Art. 
Der K 6 Nr. 1 und 2 des Regulativs vom 8. August 1835 gestattete cs in 
seiner allgemeinen Fassung wohl, derartige Gegenstände zur Verhandlung in der Sa 
nitäts-Commission zu bringen, und das Polizei-Präsidium hoffte auf diesem Wege die 
städtischen Behörden zur Ausführung der geplanten Einrichtungen bereittvilliger zu finden. 
Außerdem war in jener Zeit der allgemeine Wunsch darauf gerichtet, daß „Orts- 
Gesundheits-Räthe" errichtet würden, welche namentlich auch in größeren Städten bei 
der Ausübung der Sanitätspvlizei niitzuwirken berufen sein sollten; vornehmlich in 
ärztlichen Fachkreisen trat inan auf das Lebhafteste für eine solche Einrichtung ein, 
die ja auch in einigen anderen deutschen Staateit in der Folge in einer oder der 
anderen Form getroffen wurde. 
Das Polizei-Präsidium war der Ansicht, daß dieselbe dem sanitätspolizeilichen 
Interesse wohl förderlich sein könnte, daß es aber nicht besonderer neuer Organisationen 
bedürfe, um sie ins Leben zu rufen, daß vielmehr die Bestimmungen des Regu 
lativs vom 8. August 1835 gestatteten, den Sanitäts-Commissionen eine Thätigkeit 
zu verleihen, welche man von den „Orts-Gesnndheits-Räthcn" erwartete. 
Die Einberufung der Sanitäts-Commission im Jahre 1877 und die ihr gemachten 
Vorlagen sollten, ohne daß dieser Zweck ausgesprochen worden, ein Versuch sein, 
auf diesem Wege vorzugehen und es würde dann nichts entgegengestanden haben, im 
Falle eines erwünschten Erfolges in Zukunft alljährlich sanitäre Anordnungen und 
Einrichtungen allgemeiner Natur in ähnlicher Weise zur Verhandlung in der Sanitäts 
Commission zu bringen. 
Die Sache scheiterte daran, daß diejenigen Mitglieder der Sanitäts-Commission, 
welche zugleich Mitglieder der städtischen Behörden (des Magistrats oder der Stadt 
verordnetenversammlung) waren, sich entschieden ungeneigt zeigten, auf die Verhand 
lung der Gegenstände, welche vorlagen, einzugehen, weil ihrer Auffassung nach die 
Betheiligung an derartigen Beschlüssen in der Sanitäts - Commission sich nicht wohl 
vereinbaren ließe mit ihrer Thätigkeit in den entsprechenden Fach - Commissionen der 
städtischen Behörden, bei denen zum Theil ähnliche oder gleiche Gegenstände demnächst 
zur Verhandlung kommen würden. 
Hiernach wurde die Sanitäts - Commission bis jetzt nur noch einmal zu einer 
Sitzung am 12. Juni 1880, in Veranlassung einiger Flecktyphus - Fälle unter den 
Arbeitern am neuen städtischen Viehhof in Friedrichsberg (siehe das Nähere bei Fleck 
typhus), zusammenberufen, nachdem der Herr Minister das Polizei-Präsidiuin ange 
wiesen hatte, „unter vorschriftsmäßiger Betheiligung der Sanitäts-Commission sofort 
die geeigneten Maßregeln zu treffen, um eine Ausbreitung des Typhus zu verhüten." 
Eine Veranlassung zur Einberufung der Sanitäts-Commission bietet sich in neuerer 
Zeit deshalb weniger als früher, weil bei dem außerordentlichen Anwachsen der Stadt 
jetzt Fälle von epidemischen Krankheiten, wie Unterleibs-Typhus, Flecktyphus, Rückfall- 
ficber, Scharlach ec. fortdauernd vorkommen, bald spärlicher, bald häufiger, zeitweise 
auch in einer solchen Anzahl in einzelnen Stadtgegenden oder in der Stadt getrennt 
auftretend, daß man an die beginneitde Entwickelung einer Epidemie denken muß. 
Der Zeitpunkt der Invasion einer epidemischen Krankheit, die sonst die Zusammen- 
berufung der Sanitäts-Commission veranlaßte, tritt deshalb weniger bestimmt hervor. 
Außerdem fällt einer der Hauptgründe, welche sonst die Bethätigung der Sanitäts 
Commission erforderlich machte — die Beschaffung von Lazareth-Lokalitätcn — mehr 
in den Hintergrund, weil in dieser Beziehung seitens der städtischen Behörden durch 
die Errichtung des Baracken - Lazarcths ein für alle Mal bereitwilligst Vorsorge gc- 
troffcir ist. 
Neben der eigentlichen Sanitäts - Commission für Berliit besteht, dem § 4 des 
Regulativs vom 8. August 1835 gemäß, in jedem Polizei-Revier noch eine besondere 
Revier-Sanitäts-Commission.
	        
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