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Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 13. Sanitäts- und Medicinalpolizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Saiiitäts-Commissionen. 
2. Die Berliner Sanitäts-Konimission und die Wevier-Sanitäts- 
Kommissionen. 
In Berlin besteht nach den Bestimmungen des Regulativs vom 8. August 1835 
(§ 1—8) dauernd eine Sanitäts - Commission, welche nach § 3 desselben Regulativs 
zusammengesetzt ist. Sie tritt im Plenum nur zusammen, wenn der Polizei-Präsident 
beini Auftreten von Epidemien in der Stadt sie zusammenberust, jedoch besteht das 
Büreau derselben fortdauernd. Letzteres hatte früher zu Zeiten, wenn Epidemien nicht 
herrschten und es mit Vorbereitung und Ausführung der Beschlüsse der Sanitäts- 
Commission nicht beschäftigt war, nur unerhebliche Obliegenheiten, die sich fast aus 
schließlich auf die Ausführung der Pocken - Impfungen in Berlin bezogen, so daß die 
schriftlichen Arbeiten durch einen vom Magistrat bestellten Bürealt - Beamten mit 
Bequemlichkeit erledigt werden konnten; jedoch änderte sich der Umfang seiner Thätig 
keit im Laufe der Zeit in erheblichster Weise und der Vorsitzende der Sanitäts- 
Commission (der Polizei-Präsident oder in seiner Stellvertretung der Ober-Regierungs 
Rath) hat nunmehr eine größere Anzahl geftindheitspolizeilicher Geschäfte zu besorgen, 
welche voil dem Regierungs - Medicinal - Rath als Dezernenten bearbeitet werden, 
lvährend der dem Büreau der Sanitäts - Commission ungehörige Stadtrath erforder 
lichen Falles die Verftiguilgcn als Cassen - Cilrator mitzeichnet. Außer einem Ma- 
gistrats-Secretair sind jetzt im Büreau 4—6 Hülfsarbeiter beschäftigt. 
Diese Aenderung vollzog sich seit dem Jahre 1874, wo zuerst die Durchführung 
des Rcichs-Jmpfgesetzes dein Büreau der Sanitäts-Commission eine sehr umfangreiche 
ulld daliemde Arbeit auferlegte, sodann müssen, nach Uebergabe der gesamniten 
Medicinal - Statistik an das städtische statistische Büreau im Frühling 1875, fortan 
die sämmtlichen eingehenden Todtenscheine, vor der an jedem Donnerstag erfolgenden 
Ueberweisung an das statistische Büreau, durchmustert und wenigstens die wesent 
lichsten Auszüge betreffs der iin Laufe der Woche erfolgten Todesfälle in Folge von 
ansteckenden und Jnfections-Krankheiten gemacht und dein Regierungs-Medicinal-Rath 
zur Kenntnißnahme vorgelegt werden; schließlich aber erwuchs eine neue dauernde 
Arbeit dem Büreau dadurch, daß das Polizei-Präsidium im Jahre 1877 durch 
öffentliche Bekanntmachung unter Hülwcis ans den § 9 und 36 des Regulativs 
vom 8. August 1835 die regelmäßige Anmeldung aller Typhus-Erkrankungen 
anordnete. Die von dem Büreau entgegenzunehmenden Anmeldungen geben Veran- 
laffung zu inancherlei Untersuchungen lind Verfügungeil in den einzelnen Fällen uild 
das gesammte Material muß statistisch bearbeitet werden. 
Jede weitere Ausdehnung der Anmeldepflicht wird auch ferner den Umfang der 
dauernden Arbeiten des Büreaus der Sanitäts-Commisston vergrößern. 
Solveit cs sich um ansteckende und Jnfections-Krankheiten handelt, haben der 
artige Anordnungen nicht nlir einen statistischen, sondern auch — und zwar zum 
Theil in hervorragender Weise — einen unmittelbar sanitätspolizeilichen Zweck, in 
dem die eingehenden Erkrankungs-Anmeldungen die Aufmerksamkeit der Behörde bei 
Zeiten auf sich etwa in der Entwickelung befindende Epidemien lenken lind häufig 
Mißstände aufzudecken Gelegenheit geben, deren schlelmige Beseitigung nothwendig ist. 
Seit den Cholera- und Pocken-Epidemien in dcil Jahren 1871 bis 1873 waren 
die gesammten Mitglieder der Sanitäts-Commisston mehrere Jahre hindurch nicht zu- 
samnien berlifcn worden, lveil lvichtigerc Epidemien, ivelche besondere Maßnahmen 
erfordert hätten, Berlin verschonten; das Polizei-Präsidium sah sich jedoch 1877 ver 
anlaßt, dies zu thun, auch ohne daß eine Epidemie auftrat oder drohte, um einige 
allgemeine Einrichtungen zur Besprechung und bezw. zur Ausführung durch die 
städtischen Behörden gelangen zu lassen, welche ihm im sanitären Interesse äußerst 
lvttilschenswerth erschienen. 
Es handelte sich dabei namentlich um eine Verbesserung des Zustandes der Wasser 
werke, Einft'ihrung einer Controlc des durch dieselben geliefcrteil Wassers durch regel 
mäßige chcinische Untersuchungen desselben; um Einrichtung eines städtischen chemischen
	        
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