Path:
Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 13. Sanitäts- und Medicinalpolizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

272 
Typhus. 
c) Typhus. 
Sofort nachdem die ersten Flecktyphus-Fälle anfangs März 1873 im städtischen 
Arbeitshause bei einem Paar bis dahin obdachlosen Personen festgestellt worden waren, 
ivurden die Aerzte durch öffentliche Bekanntmachung auf die im Regulativ vom 
8. August 1835 vorgeschriebene Anzeigepflicht aufmerksam gemacht. Außerdem wurde 
aus die Nothwendigkeit hingewiesen, bei ungünstigen Wohnungsverhältnissen für mög 
lichst schnelle Unterbringung der Erkrankten in das Baracken-Lazareth, und für schleu 
nigste Fortschaffung der Leichen nach den Leichenhäusern, sowie für gründliche Dcs- 
infection der betreffenden Wohnungen nach Entfernung der Kranken bezw. Todten hin 
zuwirken, auch möglichst die Art der Ansteckung festzustellen. 
Im Anschluß an diese Bekanntmachung wurden die Executiv-Beamten angewiesen, 
die eingehenden Erkrankungsanzeigen sofort dem Polizei-Präsidium einzureichen, die 
nöthigen Desinfectionen anzuordnen, und, falls diesen Anordnungen nicht entsprochen 
werde, die Desinfectionen, nachdem die Androhung der executivischcn Ausführung 
derselben 24 Stunden vorangegangen, durch geprüfte Heilgehülfen vorschriftsmäßig 
ausführen zu lassen, was in Armuthsfällen ebenfalls auf Kosten des Sanitätsfonds 
zu geschehen habe. 
Die Pennen und Herbergen, welche hauptsächlich als die Heerde von Fleck 
typhus-Erkrankungen beargwohnt waren, wurden einer verschärften Controle in Bezug 
auf die Anzahl ihrer Schlafgäste und auf Reinlichkeit unterworfen. 
In Folge der Anzeigen wurden in jedem einzelnen Erkrankungs-Falle umfaffende 
Ermittelungen zur möglichsten Feststellung der Art und des Ortes der Ansteckung 
vorgenommen. 
In derselben Weise wurde im Jahre 1874, in dem nur einige (meist einge 
schleppte) Flecktyphus-Fälle vorkamen, Verfahren, und ebenso 1876, wo dieselben etwas 
häufiger wurden, ohne daß cs jedoch zu einer Epidemie kam. 
Im Jahre 1874 wurde, da sowohl im Polizei-Gewahrsam, wie im Filial-Ge- 
fängniß in der Perlebergcrstraßc Flecktyphus-Erkrankungen vorgekomincn waren, die 
Stadtvoigtei-Direction angewiesen, bei vorkommenden Flecktyphus- oder Rückfallficber- 
Erkrankungen, oder auch bei nur dringendem Verdachte derselben die betreffenden Per 
sonen sofort in das Baracken-Lazareth überzuführen, die übrigen etwa in derselben 
Zelle befindlich gewesenen Mitgefangenen gemeinschaftlich in einer anderen Zelle, ab 
geschlossen von allem Verkehr mit anderen, unterzubringen, die leer gewordene Zelle 
aber zu desinficircn, die Wände derselben mit Chlvrkalkmilch zu übertünchen, und auch 
die darin befindlichen Geräthe, Lagerstätten rc. einer gründlichen Desinfection zu 
unterwerfen. 
Ferner wurden die Polizei-Reviere angeiviescn, alle Fälle von Flecktyphus, ivelche 
ihnen gemeldet würden oder sonst (als innerhalb des Reviers vorgekommen) zu ihrer 
Kenntniß gelangten, täglich dem Büreau der Sanitäts-Commission auf dem für die 
Cholerameldungen benutzten Formulare zu melden. In gleicher Weise sollten auch 
diejenigen Flecktyphuskranken gemeldet werde», welche sich alsbald nach der Erkran 
kung in das Krankenhaus begeben hätten und ebenso auch die vorkommenden Todes 
fälle in Folge von Flecktyphus. Kranke, welche sich in ein Krankenhaus begeben wollten, 
ivurden nach dem Baracken-Lazareth in Moabit gewiesen und fanden dort Ausnahme. 
Der Transport dieser Kranken mußte mittelst Lück'sche» Krankenwagens (nicht in 
Droschken) bewirkt werden. 
Sobald auch in den nächsten Jahren einzelne Fälle von Typhus-Erkrankungen 
vorkamen, ivurden die gleichen Maßregelit aitgeordnet. So geschah es aiich, als im 
Jahre 1878 einzelne Fälle von Flecktyphus gemeldet wurden. 
Namentlich ivurden auch für die verschiedenen Gefängnisse die früheren Anord 
nungen ivegcn der Absperrung der Kranken, deren Verbringung nach den Kranken 
häusern und wegen der Desinficirung der Zellen von Neuein eingeschärft, unterin 
3. Februar 1879 auch des Weiteren noch angeordnet, daß diejenigen Häftlinge, welche
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.