Path:
Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 13. Sanitäts- und Medicinalpolizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Kranken-Transportwesen. 
255 
Bettstellen und Zubehör, den nothwendigen Geräthschaftcn für Blutstillung und erste 
Hülfeleistung, wie sie als Vorbereitung für den Transport nach einem Krankenhause 
nothwendig ist, mit einigen (bei Wiederbelebungsversuchen nothtvcndigen) Arzneimitteln, 
sowie mit einer geeigneten Bahre (Tragbahre oder Rädcrbahre) auszurüsten. Ein 
Arzt und ein Heilgehülfe müßten im Wachtlocal stets bereit sein, würden jedoch das 
selbe zu Hülfeleistungen in Privatwohnungen in der Regel nicht verlassen dürfen. 
Die Mannschaften der Wache ivürde», iveiiu nöthig, bei Herbeischaffuug auf der Straße 
Verunglückter mittelst der Bahre selbst behülflich sein können, der Telegraph der Be 
zirkswache könnte den Krankenwagen zum Transport des Verunglückten nach seiner 
Wohnnng oder nach einem Krankenhause sofort herbeirufen. 
Selbstverständlich ivürdcn auch die Adressen solcher Aerzte, ivelche sich verpflichten. 
Nachts ans Erfordern jederzeit Hülse zu leisten, in der Wache zu erfahren sein, und 
jedem Bedürfniß wäre entsprochen, wenn die städtischen Behörden sich bereit erklärten, 
die Aerzte zu bezahlen, welche unbemittelten Personen in dieser Weise Hülfe leisten. 
Die Verhandlungen mit den städtischen Behörden blieben ohne Erfolg, >veil man 
annahm, daß die Armcn-Aerzte genügten, um armen Kranken jederzeit Hülfe zu 
schaffen, die Bemittelten dagegen in Berlin bei gutem Willen sich stets und überall 
ärztliche Hülfe schaffen könnten und daß bei plötzlichen Unglücksfällen auf offener 
Straße die Verunglückten sofort mittelst der telegraphisch herbeigerufenen Kraukenivagen 
»ach einem der zahlreichen und in der ganze» Stadt zerstreuten Krankenhäuser ge 
schafft werden könnten. Der Magistrat setzte sich in Folge der gepflogenen Ver 
handlungen mit den Vorständen verschiedener Krankenhäuser in Verbindung und er 
wirkte von denselben die Zusage, bei Tage wie zur Nacht solche Verunglückte oder 
Kranke, die ihnen von der Polizei zugewiesen würden, ohne Weiterungen aufzu 
nehmen und ihnen die zunächst erforderliche ärztliche Hülfe zu Theil werden zn lassen. 
Außer der Charitö und den beiden städtischen Krankenhäusern nehmen nunmehr 
Verunglückte und Kranke in dieser Weise auch das Lazarus-, das St. Hcdtvigs- und 
das Elisabeth-Krankenhaus, sonne das Central-Diakonisscn-Haus Bethanien aus. 
Für das Nothwendigste ist somit in dieser Beziehung gesorgt; immerhin inuß 
es aber für ivünschenslverth erachtet werden, außerdem noch Einrichtungen zu treffen, 
»in die Verunglückten bis zum Transport nach einem der Krankenhäuser vorläufig 
unterzubringen und für den Transport vorzubereiten. 
5. Kranken - Transportwesen. 
Der Transport von Kranken nach den öffentlichen Kranken-Anstalten, sofern die 
Ueberführnng der Kranken polizeilich angeordnet ist oder die Hülfe der Polizei be 
hufs derselben in Anspruch genommen wird, erfolgt durch besonders hierzu bestimmte 
Krankenwagen. Die Wage» ruhen auf Federn, sind ganz geschloffen, durch ein am 
vorderen Giebelende befindliches Fenster erleuchtet und haben im Innern an den 
beiden Langseiten je eine Bank, welche jedoch heruntergeklappt werden kan», so daß 
dann der ganze innere Raum frei ist und in denselben eine zweckmäßig eingerichtete 
mit Polstern zu einem bequemen Lager hergestellte Tragbahre durch die am hinteren 
Giebelcnde des Wagens befindliche Thür hineingeschoben werden kann. Wird der 
Wagen in letzterer Weise benutzt, so ist neben dem Lager der Kranken genügender Raum 
für etwaige Begleiter vorhanden. 
Die erforderliche Anzahl solcher Wagen mit guter Bespannung hält ein hiesiger 
Fuhrherr (Lück) bereit, mit welchem das Polizei - Präsidium einen Contract hierüber 
abgeschlossen hat. Er ist verpflichtet, auf jede, meistens Seitens der Reviere telegraphisch 
bewirkte Meldung einen Wagen an die bezeichnete Stelle zu schicken. Es ist ihm 
unbenoinmen, mit demselben Wagen auch auf private Anmeldungen Krankentransporte 
vorzunehmen. 
(Vergleiche auch den Bericht über das polizeiliche Gefangen- und Krankcn- 
Transportwescn bei Abtheilung I. 15).
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.