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Volume I. Allgemeiner Theil

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Allgemeiner Theil. 
Es sind dies allerdings nach dem Wortlaute des Gesetzes auch Raubanfälle, sie 
sind für das erwachsene Publikum jedoch ziemlich ungefährlich und immer sind es 
doch nur 34 Fälle unter einer Bevölkerung, die der des Großherzogthums Baden 
ziemlich nahe kommt. 
In der That sind in Berlin während des Jahres 1880 nur 3 Personen wegen 
Raub und Erpressung vor die Schwurgerichte gestellt worden. Die meisten an 
geblichen Ueberfälle entpuppen sich als Schlägereien roher Gesellen, wie sie in jedem 
Dorfe allwöchentlich vorkommen, ohne daß man davon viel Aufhebens macht. 
Daß auch in London, trotz der Vortrefflichkeit der Polizei, die Sicherheit der 
Personen auf den Straßen nicht immer gewährleistet ist, hat die Erfahrung hinrei 
chend gelehrt. Im Jahre 1878 sind dort nicht weniger als 10 766 Personen wegen 
solcher Anfälle (Assaults) auf Personen verhaftet worden und darunter nicht weniger 
als 3 011 wegen Angriffe aus die Polizeibeamten selbst, obgleich den Constablcrn 
dort wiederholt eingeschärft lvird, wörtliche Beleidigungen und Schimpfworte zu 
überhören und leichte Angriffe zu übersehen, sie nicht zum Gegenstände von Anzeigen 
und Strafanträgen zu machen. 
Was gerade die Sicherheit der Person anbetrifft, wer gedächte nicht da der 
Zeit, vor einigen Jahrzehnten, wo die Garotters in London ihr unheimliches Wesen 
trieben und fast allabendlich Personen auf offener Straße überfallen, durch Ueber- 
werfen einer Schlinge oder eines eisernen Ringes an: Halse geivürgt und beraubt, 
viele auch dabei erdrosselt und zu Tode gewürgt wurdm. Wie bekannt, hat damals 
auch nicht die Polizei allein mit ihren Hilfsmitteln und Kräften diesem Unwesen ein 
Ende bereitet und die Sicherheit auf den Straßen ivicder hergestellt, sondern eine ad 
hoc gegebene Parlamentsakte, die auf diese Unthaten besonders schivere und schimpf 
liche Strafen setzte unb auf diese Weise das Uebel bekämpfte. 
Daß die Klagen über die angebliche Unsicherheit Bcrliits nicht berechtigt sind, 
ivird sich aus den nachstehenden vergleichenden Tabellen leicht ergeben, die der vom 
Königlichen Justiz-Ministerium herausgegebenen Statistik der Preußischen Schwur 
gerichte und der von denselben erkannten Strafen für das Jahr 1880 entnommen sind. 
I. Reihenfolge der Oberlandesgerichtsbezirke nach der 
Einwohnerzahl. 
M 
N a m e n 
der 
Oberlandesgerichte 
Einivohnerzahl 
Im Allgemeinen umfassend 
den 
Bereich der Provinzen 
1 
Breslau 
4 003 223 
Schlesien 
2 
Cöln 
3 466 287 
Rheinprovinz 
3 
Berlin 
3 383 560 
Brandenburg 
4 
Hamm 
2 455 558 
Westfalen 
5 
Naumburg a. S. 
2 269 587 
Sachsen 
6 
Celle 
2 142 495 
Hannover 
7 
Königsberg 
1 930 498 
Ostpreußen 
8 
Posen 
1 767 988 
Posen 
9 
Stettin 
1 538 454 
Pommern 
10 
Marienwerder 
1 336 453 
Westpreußen 
11 
Kiel 
1 124 862 
Schlesivig-Holstein 
12 
Frankfurt a. Bi. 
972 349 
Nassau 
13 
Cassel 
772 642 
Hessen 
14 
Jena 
87 111 
Die Thüringischen Kreise 
und Enclaven
	        
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