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Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 13. Sanitäts- und Medicinalpolizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Selters-Wasser. Himbeersaft. 
mußten. Das Pvlizei-Präsidium hat sich demgemäß darauf beschränkt, den hiesigen 
Händlern durch Schreiben Kenntniß davon zu geben, daß sich der betreffende Thee 
als verfälscht erwiesen habe und daß sie bei fernerem Verkauf deffelben sich strafbar 
machen würden. 
Außerdem wurde auch der Ortspvlizei-Behörde von Hamburg und Lübeck Mt- 
theilung davon gemacht, daß die von gelviffen (benannten) Firmen hierher gelieferten 
Thees sich als verfälscht erivieseu hätten. 
Nach den „Materialien zum Nahrungsmittel-Gesetz" wird der Thee und Kaffee 
in England an den Zollstationen einer cheinischen Untersuchung unterworfen und wird 
nur unverfälschte Waare ins Land gelassen. Auf andere Art ivird auch wohl 
Deutschland vor der Einführung verfälschter Thees nicht zu schützen sein. 
Einigen Einfluß auf die Art des Großhandels dürften aber auch die Mtthei- 
lnngeu an die hiesigen Kaufleute und au die Behörden von Hainburg und Lübeck 
haben rmd namentlich die Großhändler veranlassen, beim Bezug und beim Empfang 
der Waare Vorsichtsmaßregeln zu treffen. 
Der bei den Untersuchungen festgestellte Gehalt au Asche war in hohem Grade 
verschieden, er betrug im Minimum 3,08, im Maximum 16,03 pCt., der Extract- 
Gehalt bezw. 3,88 lind 37,88 PCt. Von 114 Proben hatten 65, mehr als die 
Hälfte, mehr als die im Maximum naturgemäß zulässigen 6 pCt. Asche und unter 
diesen befanden sich 9 Proben mit mehr als 8 pCt. Asche. 
Von 73 Proben hatten 25 weniger als 25 pCt. Extract-Gehalt und darunter 
befanden sich 4 sogar mit weniger als 20 pCt. Extract. 
9. Selters-Wasser. 
Das künstliche Sclters-Waffer wurde in Bezug auf Gehalt an Kupfer, Blei und 
Arsenik untersucht, welche Metalle theils durch die Apparate, theils durch die bei der 
Herstellung benutzten Säuren möglicherweise in dasselbe gelangen können. 
Es ivurde häufig Kupfer im Sclters-Waffer nachgewiesen,' meistens aber in ge 
ringen Spuren, welchen irgend eine Bedeutung nicht zuzuschreiben war. In einigen 
Fällen waren die nachweisbaren Mengen etivas größer und ließen mit Wahrschein 
lichkeit darauf schließen, daß die Verzinnung der Cylinder, in denen die Fabrikanten 
das Wasser an die Verkaufsstellen liefern, schadhaft sei. Es wurde dies auch in 
einigen Fällen festgestellt und die Fabrikanten wurden zu den erforderlichen Aus- 
befferuugcu angehalten. 
In Aussicht genommen ivurde die Untersuchung des Selters-Waffers noch nach 
einer anderen Richtung, nämlich zur Feststellung, ob nicht verunreinigte Brunnen- 
ivüffer zur Fabrikation benutzt würden. 
10. Himbeersaft. 
Mt dem Selters-Waffer wird in großen Mengen Himbeersaft verkauft, der vielfach 
namentlich durch seine Färbung den Verdacht der Verfälschung erregt; es wurde 
deshalb demselben vom Monat Mai 1880 ab die erforderliche Rücksicht zu Theil. 
Es ivnrdcn bis zum Schluß des Jahres 367 Proben untersucht und die Ergebnisse 
der Untersuchung gaben zu 21 Strafanträgen Veranlassung. Dieselben wurden aus 
diejenigen Fälle beschränkt, in denen die Verfälschung besonders in die Augen fallend 
tvar, wogegen eine künstliche Färbung mit geringen Mengen Fuchsin nicht weiter 
verfolgt wurde, obwohl auch hierbei die Absicht, der Waare den „Anschein einer besse 
ren Beschaffenheit" zu verleihen, zweifellos vorlag. 
Künstliche Färbungen mit Fuchsin, Eosin und Carmin kamen häufig vor. Die 
Giftigkeit des reinen Fuchsins ist, wenn sie überhaupt anzuerkennen ist, eine sehr 
geringe, arsenikhaltiges Fuchsin wurde nie gefunden. Das Eosin ist in seinen 
Wirkungen »och wenig bekannt, gehört aber einer verdächtigen Gruppe von Körpern 
an; reines Carmin ist unschädlich. 
Mitunter ivurde Fuchsin in ganz außerordentlichen Mengen darin gefundeii, so
	        
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