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Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 13. Sanitäts- und Medicinalpolizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Butter. 
Beschaffenheit angestellt sind, haben denselben jedoch zu der Ueberzeugung gelangen 
laffen, daß die Hehncr'sche Grenzzahl zu niedrig gegriffen ist und vollkommen reine 
Butter bis zu 90 pCt. nicht flüchtiger Fettsäuren enthalten kann. Zit ähnlichen Er 
gebnissen sind auch andere Untersuchungen und namentlich das Laboratorium des 
landwirthschaftlichen Instituts 31t Poppelsdorf (Bonn) gelangt. 
Hierdurch ivird der Werth der Hehncr'schen Methode einigermaßen verringert, 
denn ein mäßiger, unter Umständen nicht geringer Zusatz fremder Fette wird hiernach 
erfolgen können, ohne daß die Butter mehr als 90 pCt. nichtflüchtiger Fettsäuren auf- 
iveist und deshalb beanstandet werden dürfte. 
Aus die bloße Thatsache hin, daß reine Butter inehr als 87,5 PCt. (Hehncr'sche 
Grenzzahl) solcher Fettsäuren enthält, wird sie vor Gericht nicht als verfälscht hinge 
stellt werden können, sondern mit Sicherheit nur, wenn 90 pCt. überschritten werden, 
wenn auch Butter mit einem dieser Grenzzahl nahe kommenden Fettsäure-Gehalt als 
höchst wahrscheinlich gefälscht angesehen werden darf. Derartige Butterproben kamen 
mehrfach zur Untersuchung, doch mußte von einer strafrechtlichen Verfolgung der 
Händler aus den angegebenen Gründen Abstand genommen tverden. Die Verfälschung 
wurde überdies vom Dr. Bischofs als festgestellt angenommen, wenn drei Analysen der 
selben Probe übereinstimmend den Fettsäure-Gehalt als über 90 pCt. hinausgehend 
ergaben. Uebcrschritten wurde diese Grenze im Jahre 1879 dreimal, im Jahre 1880 
achtmal, doch konnten, der Sachlage nach, von den letzteren Fällen nur 6 der Staats 
anwaltschaft übergeben werden. 
Ein erfreuliches Zeichen der Wirksamkeit der Nahrungsmittel - Controle ist darin 
zn finden, daß seit Ende Mai bis zum Schluß des Jahres keine einzige der untersuchten 
Butterproben (308 an der Zahl) zu einer Beanstandung Veranlassung gegeben hat. 
Dies schließt nicht aus, daß dem Publikum Margarin- und Kunstbutter als 
reine Waare verkauft sein mag. Von Erlaß einer Polizei-Verordnung, durch welche 
angeordnet würde, daß diese Butterarten nur in Gefäßen mit entsprechender Bezeich 
nung an den Verkaufsstellen aufgestellt werden dürften (wie in Paris), wurde Abstand 
genommen, weil hiervon wirklicher Nutzen nicht zu erwarten war und trotzdem der — 
meistens schwierige — Beweis in jedem Falle zu führen geblieben wäre, daß der 
Händler Kenntniß davon gehabt habe, daß die Butter keine reine sei. 
Im Anschluß an die Hehncr'sche Probe wurde außerdem beachtet, ob die Butter 
probe nach dem Abschmelzen im Trockenschrank einen auffälligen Bodensatz zeigte. 
Dieser ivurde unter Umständen mikroskopisch aus Stärke, Kartoffeln re. untersucht und 
die Menge der neben dein Butterfett vorhandenen Unreinigkeiten annähernd festgestellt. 
Hierzu wurde eine gewogene Buttermenge in Petroleumäther gelöst und in einem mit 
Gradeintheilung versehenen Röhrchen zum Absetzen aufgestellt, so daß man nach Cubik- 
Centimetern die Menge des Wassers und der Unreinigkeiten abmessen konnte. 
Im Ganzen ivurden 7 Proben beanstandet. 
6. Kaffee. 
Anfangs ivurde nur gebrannter und gemahlener Kaffee untersucht, dann im Mai, 
Juni und Juli vorwiegend roher Kaffee und in der zweiten Hälfte des Jahres nur 
Cichorien und Kaffee-Surrogate. 
Der rohe Kaffee wurde mit kaltem destillirtem Wasser ausgezogen, ein etwa sich 
sammelnder gefärbter Niederschlag abfiltrirt, eingeäschert und auf Metalle untersucht. 
Zeigte sich die mit destillirtem Wasser gewonnene Lösung (grünlich) gefärbt, so wurde 
sie auf Kupfer und Blei geprüft. In 51 untersuchten Proben roher Kaffees konnte 
eine künstliche Färbung nicht nachgewiesen iverden. 
Bei dem gebrannten und gemahlenen Kaffee ivurde der Aschengehalt bestimmt, 
sodann eine genaue mikroskopische und wo es angezeigt erschien, eine spectroskopische 
Untersuchung des Kaltwasser-Auszugs vorgenommen. 
Beanstandet und der Königlichen Staatsanivaltschaft überwiesen wurden nur 
2 Proben. Die eine ivar stark mit geröstetem Roggen und anderen Sainen geinischt.
	        
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