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Volume II. Geschäftsberichte Abtheilung I 13. Sanitäts- und Medicinalpolizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

Butter. 
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Der Wassergehalt des Brodes ist schwer durch Grenzzahlen sicher anzugeben. 
Roth und Lex nehmen für frisches Roggenbrot» 44—46 pCt. Wasser als zulässig an, 
doch nimmt der Wassergehalt mit dem Aclterivcrdcn (anfangs um 1 pEt. täglich) ab. 
Das untersuchte Brod zeigte sich sehr trocken, also keineswegs durch zu großen 
Wafferzusatz verfälscht. 
Der Aschengehalt ging nur bei Weizenbrod einige Male über 3 pEt. etlvas 
hinaus, während er bei Roggenbrod nie diese Höhe erreichte. 
Der Gang der Untersuchung dabei ist folgender: 
Ein Stück Brod wurde auf einem Uhrglas gewogen, daun im Luftbade bei 
110 ° C. ein bis zivei Stunden geglüht, nach dem Erkalten wieder gewogen und so 
die Feuchtigkeit bestimmt. Dann wurde das Brod in einem Achat-Mörser ptilverisirl, 
in einen gewogenen Porzellan-Tiegel eingetragen, sodann durch Glühen wie beim 
Mehl eingeäschert und die Asche, nach dem Erkalten in einem Exsiccator, wieder gewogen. 
Schließlich wurde die Asche in verdünnter Salpetersäure aufgenommen und die Lösung 
auf Gehalt von Metallen geprüft. 
Die Untersuchungen im Jahre 1880 ergaben bei Schwarzbrod und Weißbrod 
in keinem Falle Fälschuitgen. 
5. Kutter. 
Nach den bisherigen Erfahrungen beschränkt sich die Verfälschung der Butter bei 
der hier in Verkehr gelangenden Waare auf Zumischung billigerer Fettarten zur reinen 
Butter. Eine strafbare Handlung ist hierin nur zu sehen, wenn solche Butter als 
reine Butter verkauft tvird. Vielfach wird sic von den Händlern als Margarin- 
Butter dem Käufer bezeichnet. Dasselbe gilt von der Kunstbutter. 
Die in der gewöhnlichen Weise erfolgende Entnahme von Proben führt übrigens 
in der Regel nicht dazu, zu ermitteln, ob Kunst- oder Margarin-Buttcr auch wirklich 
als solche verkauft worden, da dem Beamten gegenüber die Händler natürlich vor 
sichtig sind. 
Ant meisten in Verkehr kamen diese Buttcrartcn im Monat März, wo der Preis 
der Butter derart gestiegen war, daß reine Butter für l,io—1,20 Mark überhaupt 
nicht zu bekommen war, während im Mai schon für denselben Preis eine recht gute 
Butter abgegeben wurde und minder gute, aber reine Butter für 0,8o Mark zu haben 
war. 
Nicht selten wird schon ältere (etwas ranzige) Butler mit Waffcr und etwas 
Soda durchgeknetet und mit frischer Butter vermischt. Hierzu wird namentlich die 
reine, aber meist etwas ranzige, galizische und amerikanische Butter benutzt, tvelche 
nur 60—70 Pfg. kostet. Für derart bereitete Butter wird so ein Preis gefordert 
und gezahlt, der ihr nicht zukommt, doch kann das Verfahren kaum als Verfälschung 
bezeichnet und die Butter nicht als verdorben erachtet werden. 
Die mitunter als „Bäckcrbutter" feilgehaltene Butter ist eine reine, durch Aus- 
schinelzen der Reste aus den Butterfässern gewonnene, stets mehr oder weniger ranzige 
Schmelzbutter. Ihrer Verwendung zum Backen steht, wenn sie nicht zu stark ranzig 
ist, nichts entgegen. 
Die Untersuchung der Butter hat, namentlich was den wesentlichsten Punkt der 
selben, den Nachweis fremder Fette, betrifft, nicht geringe Schwierigkeiten. 
Es wurde hierzu die allgemeine Hchner-Angell'schc Methode benutzt, nach welcher 
die Menge der nicht flüchtigen Fettsäuren bestimmt wird. Nach Hehucr, nach deffcn 
Angaben auch von den Materialien zur technischen Begründung des Gesetz-Entwurfs 
gegen Verfälschung der Nahrungs- und Genußmittel rc. (Gesetz betreffend den Ver 
mehr mit Nahrungsmitteln rc. von Dr. F. Meyer und Dr. C. Finkelnburg, Berlin 
1880) aufgenommen sind, soll reine Butter zwischen 85,6— 87,5 nicht flüchtige Fett 
säuren enthalten, während alle anderen thierischen Fette 95—95,6 pCt. davon haben. 
Die zahlreichen Beobachtungen des polizeilichen Chemikers Dr. Bischofs, die 
namentlich auch an Buttcrproben aus den besten Quellen und von sonst vorzüglicher 
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