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Volume I. Allgemeiner Theil

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Allgemeiner Theil. 
haben könnte. In der Nacht wacht er darüber, daß die Thüren und Fenster der 
Häuser geschlossen und verivahrt sind; er laßt sic schließen, wenn er sie offen findet, 
oder schließt sie selbst, ivcnn er im Besitze der Schlüssel des Hauses ist und diesen 
Auftrag vom Hausbesitzer erhalten hat. Auf der Straße sorgt er für die Regelung 
und Freihaltung des Verkehrs; er läßt die Wagen halten, um das Publikum, das 
sich an den Kreuzungen angesammelt hat, ungefährdet den Straßendamm überschreiten 
zu lassen, er geleitet auch ängstliche Frauen und schwache Greise hinüber, trägt wohl 
auch kleine Kinder über den Damm und versieht andere kleine Ritterdienste, die zu 
den angenehmeren Seiten seines Berufs gehören. Er thut sie auch gern und immer 
mit freundlicher Miene, denn er ist gut besoldet, im Dienst nicht überbürdet und folgt 
dainit eben nur seinem Berufe und der Anweisung seines Dienstes. 
Um etwas Weiteres haben sich die Constabler dort nicht zu kümmern; sie haben 
Nichts mit deni Meldewesen, nichts mit Steuer-, Militair-, Fcuer-Vcrsicherungs-An- 
gelegenheiten, nichts rnit Gesundheits-, Veterinair-, Feuer- und Bau-Polizei, nichts 
mit Diebstahlsnntersuchungen und sonstigen Dingen zu thun, mit denen sich unsere 
Schutzmänner beschäftigen müssen. 
Wenn nun das Verlangen gestellt worden ist, die hiesige Polizei solle sich um 
alle diese Dinge, die nichts mit der Sicherheit des Publikums zu thun haben, nicht 
kümmern, das Meldewesen müsse abgeschafft oder doch vereinfacht und den Schutz 
männern abgenommen werden, so würde damit in der That wenig gewonnen sein: 
man müßte unser nützliches, geordnetes Meldewesen entweder ganz aufheben oder die 
Arbeit durch andere Beamte thun lassen, und die Polizei wäre genöthigt, das für 
ihre Zwecke Erforderliche von dieser neugeschaffenen Melde-Behörde zu erbitten, oder 
die ihr nothwendigen Auskiinfte und Ermittelungen auf weiteren Umwegen und 
mit großen Geldopfern und Zeitverlust sich auf andere Weise selbst zu be 
schaffen, wie man dies auch jetzt in London thun muß. London besteht allerdings 
ohne ein Melde-Amt, dafür ist aber auch dort Niemand ohne Weiteres zu ermitteln, 
der nicht in dem Adreffen-Nachweis der Post steht, der, wie hier der Wohnungs- 
Anzeiger von Privatpersonen, dort von der Postbchördc herausgegeben wird, aber 
eben nur diejenigen Personen enthält, die ihre Adressen zu diesem Zwecke der Post 
aufgegeben haben. Hunderttausende, die das nicht thun oder nicht thun wollen, 
stehen in dein Post-Adreß-Buch eben nicht, sind demnach auch der Polizei nicht un 
mittelbar bekannt, und ohne besondere Nachforschungen überhaupt nirgend zu erfragen 
und zu ermitteln. Dort kann man nicht nach einem Bllreau, wie hier nach dem 
Einwohner-Melde-Amt, gehen, wenn man Familienangehörige, einen verzogenen Ge 
schäftsfreund, einen Schuldner oder irgend Jcniand sucht, dessen Wohnung man nicht 
weiß oder dessen zeitige Wohnung, auch wenn sein Name im Adreßbuch steht, daraus 
nicht zu ersehen ist, weil er seit der letzten Allsgabe des Buches vielleicht verzogen 
ist; dort hat man kein Melde-Amt, das jederzeit bereit ist, auf einfache Anfrage die 
Wohnung des Gesuchten gegen den Betrag von 25 Pfennigen nachzuweisen. Wer in 
London in solchen Füllen Jemand suchen will, muß sich an einen Privat-Agenten oder 
au eine» Dctectiv wenden, die durch Nachfragen, Combinationen und persönliche Nach 
forschungen wohl auch die gesuchte Person ermitteln, jedoch nur gegen gute Bezah 
lung. Dabei darf inan auch nicht vergessen, daß in London solche Mühewaltungen 
sehr theuer sind, daß dort immer nach Pfunden, d. i. nach Doppelkronen, gerechnet 
und bezahlt lvird. Der Arme, der Unbemittelte kann in solchen Fällen dort über 
haupt nichts erreichen, er kailn z. B. sein Recht gegen einen Schuldner nicht verfolgen, 
lvenn er dessen Aufenthalt nicht kennt und nicht so viel Geld hat, um einen Detectiv 
oder Agenten zu bezahlen, der ihm denselben ermittelt. 
Dies ist gewiß kein Vorzug Londons, sondern eher ein Mangel, der hier schwer 
empfunden werden würde. 
Auch um die Verfolgung von Verbrechern kümmert sich der Londoner Constabler 
nicht oder doch mir beiläufig, wenn ihm ein Verbrecher bei Verübung des Verbrechens 
oder bei Unterbringung des Raubes oder gestohlenen Gutes in die Hände fällt. Wer
	        
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