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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1871/1880 (Public Domain)

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Markthallen. 
Verkäufer der in Rede stehenden Neuerung gegenüber sich zunächst ablehnend zu ver 
halten geneigt seien, wodurch eine einzelne Anlage der fraglichen Art leicht in Mißkredit 
gebracht werden könne. Da indessen die Schwierigkeiten einer solchen gleichzeitigen Aus 
führung sehr erhebliche seien und andrerseits die den Marthallen etwa entgegenstehenden 
Borurtheile des Publikums, wenn die städtischen Behörden nur mit Festigkeit auf deu 
einmal betretenen Wegen fortschreiten, sicher bald überwunden sein würden, so wolle das 
Polizei-Präsidium, wie es dem Magistrat auch in der Erwiderung aussprach, gegen 
die allmählige Ausführung des Planes keinen Einwand erheben. 
Es konnte sich damit begnügen, dieses Bedenken dem Riagiftrat zur Erwägung 
mitgetheilt zu haben. 
Zum Bau einer Markthalle auf dem Magdeburger Platze erklärte das Polizei- 
Präsidium indessen seine Zustimmung nicht geben zu können. „Es sei als eine im 
allgemeinen Gesundheits - Interesse unabweisliche Nothwendigkeit zu erachten, daß die 
öffentlichen Plätze der Stadt, sobald dieselben von dem zur Zeit hindernden Blarkt- 
verkehr befreit sein würden,, mit Bäumen bepflanzt und so namentlich für die Kinder 
der EiiUvvhncrschaft zu öffentlichen Spiel- und Erholungs - Plätzen umgeschaffen 
würden. Auch in ästhetischer Beziehung sei eine Markthalle, als ein einfach zu ge 
staltender Bedürfnißbau mit den aus dem Markt-Verkehr unvermeidlich sich ergebenden 
Verunreinigungen, keine geeigriete Zierde für die öffentlichen Plätze einer Stadt von 
der Bedeutung Berlins, für welche, als die Hauptstadt des Deutschen Reichs, auf 
Schönheit in der Bebauung ein ganz besonderes Gewicht gelegt werden müsse." 
„Hiernach werde man vor Ausführung des Markthallen-Unternehmens sich darüber 
klar werden muffen, daß grundsätzlich, soweit nicht zwingende Gründe eine Ausnahme 
rechtfertigen, die Markthallen nicht auf die vorhandenen öffentlichen Plätze, sondern 
thunlichst auf das Hinterland großer Häuserviertcl zu setzen seien. Von diesem 
Standpunkte aus könne es nicht zweifelhaft sein, daß die Erbauung einer Markthalle 
auf dem Magdeburger Platz nicht dem öffentlichen Jntereffe entspreche." 
Dies war ja auch vom Blagistrat selbst in seinem Schreiben vom 10. No 
vember 1868 bereits entschieden betont und anerkannt worden. 
Für eine cndgiltigc Entschlußfaffung in der Markthallcn-Angelegcuheit hielt das 
Polizei-Präsidium außerdem, wie es am Schluffe des Schreibens dem Magistrat er 
öffnete, eine vorherige Erörterung über die Höhe des Standgeldes für Benutzung 
der Biarkthallc und deren Erledigung mindestens in den Grundzügen für erforderlich, 
da ohne eine solche eine Aufhebung offener Wochcnmärkte nicht ausgesprochen 
werde» könne. 
Hiermit fand diese Angelegenheit ihre vorläufige Endschaft. Das Jahr verging, 
ohne daß der Blagistrat sich über anderweitige Pläne äußerte. 
Seit dein Februar 1881 ist der Magistrat mit der Frage beschäftigt, ob und 
in welcher Weise etwa das Stadteisenbahn - Unternehmen für die Lebensmittel - Ver 
sorgung der Stadt nutzbar zu machen sei. Die bezüglichen Verhandlungen haben 
dazu geführt, daß die Stadtverordneten-Versammlung den Alagistrat in der Sitzung 
vom 28. Juni 1881 ermächtigt hat, mehrere Viaductbögcn der Königlichen 
Stadteiscnbahn an der Haltestelle: „Alexanderplatz" zu miethen, den Erwerb damit in 
Verbindung stehender Grundstücke behufs Errichtung einer Markthalle zu sichern und 
einen allgemeinen Plan behufs Errichtung von Markthallen für die ganze Stadt 
aufzustellen und der Versammlung zugehen zu lassen.
	        
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