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Auslobung

Full text: Auslobung

Parklandschaft Tempelhof

Berlin

Bezirke Tempelhof-Schöneberg / Neukölln

Offener landschaftsplanerischer Wettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren

Auslobung

Offener landschaftsplanerischer Wettbewerb Parklandschaft Tempelhof Auslobung

Wettbewerbsdurchführung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin-Mitte

Titelbild Eckhard Lange

Inhaltsverzeichnis
Teil 1 	 Verfahren
1.1	 1.2 	 1.3 	 1.4 	 1.5	 1.6	 1.7	 1.8	 1.9	 1.10	 1.11	 1.12	 1.13	 1.14	 1.15	 1.16	 1.17	 1.18 	 1.19	 1.20	 Auslober Art des Verfahrens Wettbewerbsbedingungen Teilnahmeberechtigung Preisgericht und Vorprüfung Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen Abgabe der Wettbewerbsarbeiten Rückfragenkolloquium und Rückfragen Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen Geforderte Leistungen Beurteilungsverfahren und Vorprüfung Preise Weitere Bearbeitung nach dem Wettbewerb Eigentum und Urheberrecht Verfassererklärung Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten Haftung und Rückgabe Vergabekammer Zusammenfassung der Wettbewerbstermine Anschließendes Verhandlungsverfahren

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Teil 2	 Wettbewerbsaufgabe
2.1	
2.1.1 	 2.1.2 	 2.1.3 	

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Die Herausforderungen - Übergeordnete Zielsetzung
Einpassen in den Kontext Das Tempelhofer Feld als Marke neu besetzen Eine urbane Parklandschaft für das 21. Jahrhundert

2.2 	
2.2.1	 2.2.2	 2.2.3 	 2.2.4 	

Leitthemen für die Entwicklung des Tempelhofer Feldes
Leitthema	1:	Klima-	und	Ressourceneffiziente	Stadt	 Leitthema 2: Zukunftsorientierte Ökonomie der Stadt – die Unternehmerische Stadt Leitthema 3: Integration – Partnerschaftliche Stadt IBA und IGA als Motoren der Entwicklung

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2.3	
2.3.1 	 2.3.2 	 2.3.3 	

Räumliche Anforderungen - Wettbewerbsgebiet
Prozessuale Stadtentwicklung - Räumliches Grundgerüst als Grundlage für eine 
 prozessuale Freiraumentwicklung Gestuftes Verfahren Bearbeitungsgebiet

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2.4	
2.4.1	 2.4.2 	 2.4.3	

Die IBA-Leitthemen in der Parklandschaft - Drei Konzeptbausteine
Konzeptbaustein 1: Parklandschaft als gemeinschaftlicher Ort zum Wohlfühlen Konzeptbaustein 2: Parklandschaft als gelebter Stadtraum Konzeptbaustein	3:	Klimagerechte	und	ressourceneffiziente	Parklandschaft	

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2.5	
2.5.1	 2.5.2	 2.5.3	 2.5.4 	 2.5.5	 2.5.6		 2.5.7 	

Weitere Anforderungen
Durchführung IGA 2017 Bürgerbefragung Erhalt historischer Spuren Übergeordnete Sichtbeziehungen Integriertes Gesamtkonzept für die räumlichen und sektoralen Flächenansprüche Pflege	und	Unterhaltung	-	Nachhaltigkeit	 Kostenrahmen Parklandschaft

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2.6	

Bewertungskriterien

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Teil 3
3.1
3.1.1 3.1.2

Situation und Planungsvorgaben
Stadträumliche Einordnung
Lage und Größe Stadträumliche Situation

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3.2 3.3 3.4
3.4.1 3.4.2

Landschaftsräumliche Einordnung Historische Entwicklung Wettbewerbsgebiet / übergeordnete Aspekte
Eigentumsverhältnisse Verkehr / Erschließung / Lärm

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 60
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72
 72


3.5
3.5.1 3.5.2 3.5.3 3.5.4

Städtebauliche Planungsgrundlagen
Flächennutzungsplanung Planwerk Südostraum Räumliche Bereichsentwicklungsplanung Denkmale

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3.6
3.6.1 3.6.2 3.6.3 3.6.4 3.6.5 3.6.6 3.6.7 3.6.8 3.6.9 3.6.10

Landschaftsplanerische Planungsgrundlagen
Landschaftsprogramm Kleingärten Friedhöfe Topographie, Boden, Altlasten Grundwasser Klima Biotop- und Artenschutz Befestigte Flächen und Gebäude Technische Infrastruktur Energie

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3.7
3.7.1 3.7.2 3.7.3 3.7.4 3.7.5

Planungsgeschichte und Planungsvorlauf
Informelle Planungen und Fachkonferenzen Wettbewerb Columbiaquartier Überarbeitung Masterplan 2009 / 2010 Internationale Bauausstellung (IBA) / Internationale Gartenbauausstellung (IGA) Ideenwerkstatt Tempelhof

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3.8

Ansprüche von Nutzergruppen

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Anhang (Teilnehmerbereich competitionline) Quellen, weiterführende Literatur und Web-Links Abbildungsverzeichnis

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Anlass und Ziel
Mit der Einstellung des Flugbetriebes auf dem Flughafen Tempelhof am 31. Oktober 2008 gewinnt Berlin ein großes innerstädtisches Areal zurück, das der Stadtentwicklung über Jahrzehnte entzogen war und nunmehr schrittweise entwickelt und. wieder in den Stadtorganismus eingegliedert werden kann. Damit sind große Chancen verbunden. Der landschaftsplanerische Wettbewerb für die Nachnutzung des ehemaligen	Tempelhofer	Flugfeldes	befasst	sich	mit	allen	Freiflächen	des	Are-als	 und den Anschlüssen an die Umgebung. Die Bürgerinnen und Bürger werden sowohl vor der Auslobung wie auch nach dem Planungswettbewerb beteiligt. Im anschließenden Verhandlungsverfahren erfolgt eine Konzentration auf den inneren Teil der Parklandschaft. Der Wettbewerb dient auch der Überprüfung von bisher entwickelten Planungskonzepten, vor allem aber ihrer Fortentwicklung. Die Wettbewerbsaufgabe ist zu bearbeiten im Rahmen des für die Entwicklung des Tempelhofer Feldes maßgeblichen Leitbildes einer ressourceneffizienten,	partnerschaftlich-sozialen	und	unternehmerisch-wirtschaftlichen Stadtentwicklung, die auch auf Eigeninitiative der Bürgerschaft setzt. Der Realisierungsprozess wird sich über viele Jahre hinziehen. In diesem Zeitraum werden sich voraussichtlich Planungsparameter ändern; auch sind zur Zeit viele Rahmenbedingungen noch unpräzise. Deswegen wird eine ausgeprägte prozessorientierte Herangehensweise erforderlich sein. Berlin hat mit einem Schwerpunkt im nördlichen Bereich der Parklandschaft Tempelhof den Zuschlag für die Ausrichtung der Internationalen Gartenbauausstellung 2017 (IGA) erhalten. Außerdem wird die Durchführung einer IBA 2010 – 2020 für das gesamte Tempelhofer Feld und die angrenzenden innerstädtischen Quartiere, insbesondere Neukölln, geprüft. Je nach Ausgang der Prüfung wird für beide Ausstellungen oder ausschließlich die IGA die Entwicklung und Gestaltung der Parklandschaft Tempelhof ein wesentlicher Bestandteil sein. Die Chance, innerhalb einer dichten innerstädtischen Bebauung eine Parklandschaft dieser Größenordnung entwickeln zu können, ist mindestens europaweit einmalig. Die Transformation des Geländes und die Integration in die bestehende Stadt wird eine anspruchsvolle Aufgabe sein. Die Integration bezieht sich sowohl auf die räumliche Verknüpfung mit dem Grundriss der angrenzenden Stadt- und Freiräume als auch auf die Verknüpfung mit den unterschiedlichen sozialen Milieus von Nord-Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg sowie den geplanten neuen Stadtquartieren mit ihren Adressen für die Kreativwirtschaft, für Zukunftstechnologien und für innovatives, städtisches Wohnen. Die neue Parklandschaft als gemeinschaftlicher öffentlicher Raum soll hier eine besondere Vermittlungsfunktion in räumlicher, sozialer und ästhetischer wie auch in ökologischer und wirtschaftlicher Sicht übernehmen. Für die Transformation des Tempelhofer Feldes wurden als Zukunftsaufgabe drei Leitthemen entwickelt, die im Rahmen der Gesamtentwicklung des Tempelhofer Feldes projektbezogen weiter verfolgt und konkretisiert werden. Diese Leitthemen für die Gesamtentwicklung des Tempelhofer Feldes sind: 1. Klima-	und	Ressourceneffiziente	Stadt 2. 3. Zukunftsorientierte Ökonomie der Stadt - die unternehmerische Stadt Integration - die partnerschaftliche Stadt

Parklandschaft Tempelhof / Teil 1

Verfahren

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Die neue Parklandschaft als eine der ersten großen Maßnahmen auf dem Tempelhofer Feld soll ein Referenzprojekt für diese Leitthemen werden. Ein neuer Typus einer städtischen Parklandschaft soll entstehen, welcher dem Bedürfnis nach Natur in der Stadt, dem Anspruch nach Raum für Bewegung und Begegnung aber auch neuen Ansprüchen an öffentlichen Raum gerecht werden. Er ist Ort der Integration einer multikulturellen, sozial durchmischten und älter werdenden Stadtgesellschaft. Dabei können sich Teilgruppen Bereiche aneignen, dennoch muss der Park öffentlich und für alle benutzbar bleiben. Öffentliche Mittel für den Unterhalt werden immer weiter reduziert. Neue Konzepte der Bewirtschaftung sind erforderlich. Diese Ansprüche werden ganz neue Bilder einer urbanen Parklandschaft generieren. Deswegen werden auch an die einzureichenden Entwürfe hohe Erwartungen gerichtet, sowohl in gestalterischer wie inhaltlich/funktionaler Hinsicht. Die neue Parklandschaft Tempelhof soll ein attraktiver Ort nicht nur für die angrenzenden Quartiere sondern auch für ganz Berlin und seine Besucher/innen sein und auch zur „Markenbildung“ für die Gesamtentwicklung beitragen. Darüber hinaus wird ein Beitrag zur Entwicklung eines neuen Typus von städtischer Parklandschaft erwartet, sowohl was die Ästhetik wie die Angebote betrifft. Weiterhin soll die Parklandschaft einen Beitrag	 zur	 Ressourceneffizienz	 leisten	 wie	 auch	 durch	 Nutzungen	 zum	 eigenen Unterhalt beitragen. Der Charakter des Ortes, der zur Zeit durch seine Weite fasziniert, soll erhalten bleiben. Gleichzeitig ist die Aufenthaltsqualität zu verbessern, insbesondere durch schattenspendende Vegetation. In diesem Spannungsfeld ist im Entwurf Position zu beziehen, unter Beachtung vielfältiger Aspekte. Die Landebahnen sollen erhalten bleiben; auch andere historische Spuren sind einzubeziehen. Die neue Parklandschaft ist als Raum mehrfach codiert: sie ist grüner Raum zur aktiven Erholung und des Rückzugs, zugleich naturnah und künstlich gebauter Ausdruck des zeitgenössischen Naturverständnisses, Ort der Repräsentation und Bühne der interkulturellen Stadtgesellschaft sowie veränderbarer Interaktions- und Kreativraum. Darüber hinaus ist er auch	 Naturraum	 mit	 wertvollen	 Vorkommen	 seltener	 Pflanzen-	 und	 Tierarten der Offenlandschaft sowie ein Ort mit einer bedeutenden Historie. Die sich heute immer stärker ausdifferenzierende Stadtgesellschaft benötigt eine Parklandschaft, die ihrer Diversität Ausdruck und Raum gibt und gleichzeitig für diese Offenheit einen gemeinsamen Rahmen schafft. Diese Ansprüche in einem Entwurfskonzept räumlich und funktional zu arrangieren und ihnen eine Form zu geben, die ästhetisch überzeugt, unter Berücksichtigung der Geschichte, des Charakters und der im Wandel befindlichen	Identität	des	Ortes,	dem	ein	zeitgemäßer	Ausdruck	zu	verleihen	 ist, stellt hohe Anforderungen an die Wettbewerbsteilnehmer und –teilnehmerinnen.

Parklandschaft Tempelhof / Teil 1

Verfahren

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Teil 1 Verfahren
1.1 Auslober

Auslober
Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin und der GrünBerlin Park und Garten GmbH

Bauherr
GrünBerlin Park und Garten GmbH

Wettbewerbsdurchführung
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin-Mitte Almut Jirku, II D 21 Tel.: +49 (0)30 / 9025-2018 Fax: +49 (0)30 / 9025-2533 e-mail: almut.jirku@senstadt.berlin.de

Mit der Erstellung der Auslobung beauftragt:
Teil 3, Anhang, Abwicklung: ag.u Lange Landschaftsarchitektur / Umweltplanung Eckhard Lange Köpenicker Straße 154a 10997 Berlin Teil 2: bgmr becker giseke mohren richard Landschaftsarchitekten Dr. Carlo Becker Prager Platz 6 10779 Berlin mit sinai. Faust. Schroll. Schwarz. Freiraumplanung + Projektsteuerung GmbH Bernhard Schwarz Lehrter Straße 57 10557 Berlin Mit der informationstechnischen Umsetzung des Wettbewerbs beauftragt: Competitionline GmbH Charlottenstraße 95 10969 Berlin info@competitionline.de www.competitionline.de

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Verfahren

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Zuständige Architektenkammer Architektenkammer Berlin Karl-Marx- Allee 78 12243 Berlin www.ak-berlin.de

1.2

Art des Verfahrens

Die Ausschreibung erfolgt als offener landschaftsplanerischer Wettbewerb gemäß den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2008). Ziel des Verfahrens ist die Auswahl von ca. 6 Planungskonzepten Die ausgelobte Preissumme wird auf die Verfasser der prämierten Arbeiten zu gleichen Teilen verteilt. Das Wettbewerbsverfahren ist bis zum Abschluss der Preisgerichtssitzung anonym. Nach dem Wettbewerb wird eine Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung	 stattfinden.	 Die	 ausgewählten	 Arbeiten	 werden	 mit Nennung der Verfasser in einer Ausstellung präsentiert und in einer öffentlichen Veranstaltung vom Preisgericht und der Vorprüfung vorgestellt. An einem Wochenende werden die Entwürfe mit den Bürgern und Bürgerinnen, den Preisträgern und Preisträgerinnen des Wettbewerbes und dem Preisgericht diskutiert und Empfehlungen für die Bearbeitung im nachfolgenden Verhandlungsverfahren zusammengestellt. Diese werden vom Auslober abschließend ausgewertet. Für die Präsentation werden ausschließlich die Verfasser der prämierten Arbeiten des Wettbewerbes eingeladen.

Anmeldung
Auf der website www.competitionline.de wird ein Teilnehmerbereich für den Wettbewerb eingerichtet. Die Teilnehmer können sich mit Ihrem competitionline-Login (E-Mail Adresse und Passwort) in den Teilnehmerbereich einloggen. Die Registrierung kann jederzeit mittels eines Online-Formulars vorgenommen werden. Die Registrierung ist kostenlos. Alle Informationen, die während des Verfahrens versendet werden, werden an diese E-MailAdresse verschickt.

Zugang zum Teilnehmerbereich
Der	 Wettbewerb	 befindet	 sich	 im	 rechten	 unteren	 Bereich	 auf	 der	 competitionline-Startseite oder kann aufgerufen werden durch Eingabe dieser URL: http://www.competitionline.de/3035662. Der Link zum „Teilnehmerbereich”	befindet	sich	rechts	oben	auf	der	Internet-Seite	des	Wettbewerbs.

Kommunikation
Die Wettbewerbssprache ist Deutsch. Die Kommunikation mit den Teilnehmern wird über den Teilnehmerbereich des Wettbewerbs auf www.competitionline.de geführt. Die Teilnehmer sind aufgefordert, sich über den aktuellen Stand des Verfahrens eigenständig zu informieren. Im Teilnehmerbereich werden die Informationen zur Auslobung fortlaufend bereitgestellt und aktualisiert.

1.3

Wettbewerbsbedingungen

Dem Wettbewerb wird nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2008) sowie dem Rundschreiben SenStadt VI A Nr. 06 / 2009 (Einführung der RPW 2008) durchgeführt. Die Architektenkammer Berlin wirkt entsprechend den Regelungen der RPW vor, während und nach dem Wettbewerb beratend mit. Der Wettbewerb wird bei der Architektenkammer Berlin unter der Registrier-Nr. B-2010-04 geführt. Die Vorschriften der

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Verfahren	

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Verdingungsordnung	für	freiberufliche	Leistungen	(VOF)	sind	gemäß	den	 besonderen Bestimmungen anzuwenden Hinweis: Die RPW 2008 und das Rundschreiben auf www.ak-berlin.de

Einverständnis
Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer und Gast erklärt sich durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren mit den vorliegenden Teilnahmebedingungen und der Anwendung der RPW 2008 einverstanden. Verlautbarungen jeder Art über Inhalt und Ablauf vor und während der Laufzeit des Wettbewerbsverfahrens, einschließlich der Veröffentlichung der Wettbewerbsergebnisse, dürfen nur über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, - II D -, abgegeben werden.

Datenschutz
Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer, Gast und Auftragnehmer willigt durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren ein, dass seine personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit o.g. Wettbewerb bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Form einer automatisierten Datei geführt werden. Diese Einwilligung ist auf der Verfasser- bzw. auf der Zustimmungserklärung zu bestätigen. Eingetragen werden Name, Anschrift, Telefon, Bankverbindung, Beauftragung im Wettbewerb, Kammermitgliedschaft, Berufsbezeichnung. Nach Abschluss des Verfahrens können auf Wunsch diese Daten gelöscht werden (durch Vermerk auf der Verfassererklärung). Gemäß § 6 des novellierten Datenschutzgesetzes ist die Einwilligung der Betroffenen notwendig, da eine spezielle Rechtsgrundlage für die Führung dieser Datei fehlt.

1.4

Teilnahmeberechtigung

Berechtigt zur Teilnahme am Wettbewerb gemäß der Anzeige im Supplement des Amtsblatts der europäischen Gemeinschaft vom 02.03.2010 sind Landschaftsarchitekten als Leitung eines interdisziplinären Teams, bestehend aus Architekten und/oder Stadtplanern mit städtebaulicher Ausrichtung	 sowie	 Fachleuten	 auf	 dem	 Gebiet	 der	 Ressourceneffizienz,	 der	 Verkehrsplanung und der Wasserwirtschaft sowie weiteren Experten. Das Team kann in dem nachfolgenden Verhandlungsverfahren durch Sonderfachleute und/oder Berater verstärkt werden. Die Federführung liegt bei dem/den Landschaftsarchitekten/innen. In der Arbeitsgemeinschaft müssen mindestens folgenden Fachrichtungen vertreten sein: •	 Landschaftsarchitektur •	 Architektur oder Stadtplanung Teilnahmeberechtigt sind: •	 natürliche Personen, die gemäß Rechtsvorschriften ihres Heimatstaates zur Führung der o. g. Berufsbezeichnung berechtigt sind und gemäß der EG-Richtlinien in der Bundesrepublik Deutschland tätig werden können und •	 Juristische Personen, sofern deren satzungsmäßiger Geschäftszweck auf Planungsleistungen ausgerichtet ist und der Wettbewerbsaufgabe entspricht und einer der Gesellschafter oder einer der bevollmächtigten Vertreter und der Verfasser der Wettbewerbsarbeit die an natürliche Personen gestellten Anforderungen erfüllt. Teilnahmehindernisse sind nach RPW 2008 § 4 Absatz 2 geregelt. Eine Beteiligung auch einzelner Mitglieder von Arbeitsgemeinschaften an mehr als einer Arbeitsgemeinschaft ist unzulässig und führt zum Ausschluss aller davon betroffenen Arbeitsgemeinschaften. Fachberater unterliegen nicht den genannten Teilnahmebedingungen.

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Verfahren	

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1.5

Preisgericht und Vorprüfung
Christophe Girot
 Landschaftsarchitekt Zürich, Paris
 Undine Giseke Landschaftsarchitektin, Berlin Dr. Andreas Kipar Landschaftsarchitekt, Mailand, Duisburg Stephan Lenzen Landschaftsarchitekt, Bonn Christa Reicher Architektin, Aachen, Dortmund

Fachpreisrichter 	

Stellvertretende Fachpreisrichter

Andrea Gerischer Landschaftsplanerin, Berlin Dr. Ingo Kowarik Landschaftsplaner, Berlin Dr. Martin Prominski Landschaftsarchitekt, Hannover Antje Stokman Landschaftsarchitektin, Hannover Jens Metz
 Architekt, Berlin


Sachpreisrichter	

Regula Lüscher
 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 
 Senatsbaudirektorin
 Reiner Nagel Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilungsleiter Stadt- und Freiraumplanung Oliver Schworck Stadtrat für Bürgerdienste, Ordnungsaufgaben, Natur und Umwelt, Bezirksamt Tempelhof - Schöneberg Thomas Blesing Bezirksstadtrat für Bauwesen Bezirksamt Neukölln

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Verfahren

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Stellvertretende Sachpreisrichter

Manfred Kühne Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilungsleiter Städtebau und Projekte Beate Profé Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referatsleiterin Freiraumplanung und Stadtgrün Christoph Schmidt GrünBerlin Park und Garten GmbH, Geschäftsführer Ute Heinrich, Bezirksamt Tempelhof – Schöneberg, Amtsleiterin Natur und Umwelt, Wolfgang Borowski Bezirksamt Neukölln, Amtsleiter Planen, Bauordnung und Vermessung Jutta Kalepky. Bezirksstadträtin Friedrichshain-Kreuzberg, Abteilung Bauen, Wohnen und Immobilienservice

Sachverständige

Dr. Dagmar Tille Werkstatt -Baukultur Kommunikation Oberste Denkmalschutzbehörde Joachim Sichter Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referat städtebauliche Projekte und Investitionsvorhaben, Projektleitung Tempelhof Peter Ostendorff, Patrick Weiss, Almut Jirku Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referat Wettbewerbe, Auswahlverfahren Ursula Renker Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Freiraumplanung und Stadtgrün Dr. Michael Gödde / Annette MangoldZatti Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Naturschutz- und Landschaftsplanung Rolf Bieser, Frank Sadina Grün Berlin Park und Garten GmbH Christina Czymay Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Landesdenkmalamt

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Verfahren

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Matthias Rehfeld-Klein Bereich Wasserwirtschaft, Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Wolfram Müller Bereich Erneuerbare Energien, Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Andreas Baldow, Manfred Sperling Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Fachbereich Planen Gabriela Kausch, Michael Sydow Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Amt für Umwelt und Natur Elisabeth Simmon Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain, Amt	für	Natur	und	Grünflächen Andreas Wiesner / Andreas Pohl Bezirksamt Neukölln, Fachbereich Stadtplanung Gerd Kittelmann Bezirksamt Neukölln, Naturschutz- und Grünflächenamt Bernd Holm / Leo Lewandowski
 Senatsverwaltung für Inneres und Sport,
 Referat für Sportentwicklung und Stand-
 ortmarketing
 Gerhard Steindorf, Walter Leibl, Christine 
 Kuhn
 Tempelhof Projekt, zukünftiger Entwick-
 lungsträger
 Dr. Carlo W. Becker
 becker giseke mohren richard Land-
 schaftsarchitekten
 Bernhard Schwarz,
 Büro sinai, IGA-Machbarkeitsstudie
 n.n.,
 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung,
 Frauenbeirat 
 Peter Trute
 geonet, Klima


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Verfahren	

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Jochen Sandner Deutsche Bundesgartenschau - Gesellschaft mbH Gäste	 Peter Kever
 Architektenkammer Berlin, Referent 
 Wettbewerb
 Johannes Stumpf
 AKB, Wettbewerbsausschuss
 Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg, Neukölln, Friedrichshain – Kreuzberg je ein Vertreter der Fraktionen Vorprüfer/in	 NN
 Landschaftsarchitekt
 Die Vorprüfung wird nach Bedarf verstärkt. Für den zweiten Verfahrensschritt können bei Bedarf weitere Sachverständige hinzugezogen werden. Die Fachpreisrichter müssen während der gesamten Preisgerichtssitzung anwesend sein, bei Abwesenheit werden sie durch einen Stellvertreter bis zum Abschluss der Sitzung ersetzt.

1.6

Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen

Im Teilnehmerbereich werden sämtliche Wettbewerbsunterlagen zum Download zur Verfügung gestellt. Wettbewerbsunterlagen können nur auf diesem Weg abgerufen werden. Eine Zusendung per Post erfolgt nicht. Die Unterlagen können ab dem Tag der Auslobung heruntergeladen werden. Zur Anmeldung zum Wettbewerb siehe Punkt 1.2 der Auslobung.

1.7

Abgabe der Wettbewerbsarbeiten

Die Arbeiten des Wettbewerbs sind am 14.5.2010 von 14.00 bis 17.00 Uhr bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung - II D -, Brückenstraße 6, Raum 4.026 in 10179 Berlin abzugeben oder am selben Tag oder davor liegend per Post- oder Kurierdienst einzureichen. Bei der Einreichung durch Post- oder Kurierdienst ist eine Kopie des Aufgabebelegs, in gleicher anonymisierter Weise wie die Arbeit selbst, mit der Kennziffer versehen an den Auslober nachzusenden. Die Teilnehmer können überprüfen, ob ihre Wettbewerbsarbeiten beim Auslober eingegangen sind. Auf der Seite „Eingegangene Arbeiten“ werden die Kennzahlen der beim Auslober eingetroffenen Arbeiten veröffentlicht. Die Wettbewerbsarbeiten sind zur Wahrung der Anonymität in verschlossenem Zustand ohne Absender oder sonstigen Hinweis auf den Verfasser, aber mit der Kennzahl und dem Vermerk „Wettbewerb Parklandschaft Tempelhof“ einzureichen. Bei Zustellung durch Post- oder Kurierdienst ist der Empfänger als Absender anzugeben. Bei Einlieferung durch Post- oder Kurierdienst (porto- und zustellungsfrei für den Empfänger) gilt die Einlieferungsfrist als erfüllt, wenn der Aufgabestempel das Datum des 14.5.2010 oder eines davor liegenden Tages trägt. Der Verfasser selbst ist für die Lesbarkeit des Aufgabestempels auf der Sendung verantwortlich. Verspätet eingegangene Arbeiten, deren Auf-

Parklandschaft Tempelhof / Teil 1

Verfahren

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gabestempel/Aufgabebeleg fehlt, unleserlich oder unvollständig ist oder dessen Richtigkeit angezweifelt wird, werden vorbehaltlich des späteren Nachweises zeitgerechter Einlieferung, den der Teilnehmer zu erbringen hat, mitbeurteilt. Arbeiten, die nach dem 31. Mai 2010 eintreffen, werden zur Beurteilung zunächst nicht zugelassen. Die endgültige Entscheidung trifft das Preisgericht. Bei Einreichung durch Post- oder Kurierdienst ist eine Kopie des Aufgabebeleges in gleicher anonymisierter Weise wie die Arbeit selbst, mit der Kennziffer versehen, an den Auslober nachzusenden.

Kennzeichnung der Arbeiten
Die Wettbewerbsarbeiten sind in allen Stücken nur durch eine gleichlautende Kennzahl zu bezeichnen. Sie ist aus sechs arabischen Ziffern zu bilden und in einer Größe von 1 cm Höhe und 4 cm Breite auf jedem Blatt und Schriftstück in der rechten oberen Ecke anzubringen. Der Wettbewerbsverfasser hat die Verfassererklärung (siehe 1.15) mit seiner Anschrift in einem verschlossenen und undurchsichtigen Umschlag mit der gleichen Kennzahl abzugeben, mit der er seine Wettbewerbsarbeit gekennzeichnet hat. Dieser Umschlag ist gleichzeitig mit der Wettbewerbsarbeit abzugeben.

1.8

Rückfragenkolloquium und Rückfragen

Rückfragenkolloquium
Am 26.3.10 wird ein Rückfragenkolloquium mit Begehung des Wettbewerbsgebiets für die Wettbewerbsteilnehmer durchgeführt. Das anschließende Kolloquium dient der intensiven Diskussion der Aufgabenstellung, nicht der abschließenden Beantwortung von Rückfragen zur Auslobung. Diese werden verbindlich im Rückfrageforum (Internet) gestellt und bis zum 1.4. 2010 beantwortet.

Rückfragen
Rückfragen zur Auslobung können bis zum 26.3.2010 nur im Rückfrageforum des Wettbewerbs im Internet gestellt werden. Alle gestellten Fragen werden dort direkt und anonym angezeigt. Dadurch ist es möglich, dass alle Teilnehmer bereits gestellte Fragen nachlesen können. Jeder Teilnehmer	 ist	 verpflichtet	 selbst	 zu	 überprüfen,	 ob	 seine	 gestellten	 Fragen	 im	 Rückfrageforum angezeigt werden. 
 Bei den Rückfragen ist auf die entsprechenden Teilziffern der Ausschrei-
 bung, auf die sie sich beziehen, Bezug zu nehmen. Die Rückfragen wer-
 den ggf. mit dem Preisgericht erörtert. 
 Das Rückfrage-Protokoll ist Bestandteil der Ausschreibung.


1.9

Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen

Unterlagen des Wettbewerbs sind:
 die vorliegende Ausschreibung und die im Folgenden aufgeführten Pla-
 nunterlagen als Download im Internet:


Informationspläne
Lageplan als pdf-Datei Luftbild als jpg-Datei

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Verfahren	

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Arbeitspläne
Umgebungsplan als jpg Datei in zwei Ausschnitten (SW + Farbe) nach freier Wahl als Grundlage für die stadt- und landschaftsräumliche Einbindung (siehe 1.10) Lageplan als dwg-Datei als Grundlage für das landschaftsplanerische Konzept (siehe 1.10)

Anhang
siehe Kap. 4

Hinweis
Jeder	Teilnehmer	des	Wettbewerbes	verpflichtet	sich,	die	vorliegenden	digitalisierten Daten und Pläne nur für die Beteiligung am Wettbewerb zu nutzen. Daten, die im Rahmen der Bearbeitung als Zwischenprodukte anfallen und nicht an den Auslober abgegeben werden, sind nach Abschluss des Wettbewerbes zu löschen.

1.10

Geforderte Leistungen

Von den Teilnehmern werden folgende Leistungen erwartet: 1.	 Landschaftsräumliche und städtebauliche Einbindung (M: 1:10.000) 2.	 Landschaftsplanerisches Konzept M 1:2.500 mit Darstellung der Gesamtsituation, räumlichen Strukturen und übergeordnetem Wegesystem 3.	 Nutzungskonzept unter Berücksichtigung der prozessualen Entwurfskomponenten (Grundgerüst/Kernelemente, Räumliche Strukturen,	Zonierung	von	Nutzungen,	Szenarien/flexible	Elemente,	 experimentelle Nutzungen) 4.	 Frei zu wählender Ausschnitt eines Schwerpunktbereichs, aus dem die gestalterische Handschrift zu erkennen ist 5.	 Freie Darstellungen zur Verdeutlichung des Konzepts (z.B. Schnitte, Perspektiven, Piktogramme im freien Maßstab) 6.	 Prüfpläne (gefaltet) der Präsentationspläne 7.	 Erläuterungsbericht mit Begründung des vorgeschlagenen Entwurfskonzepts 8.	 Verzeichnis der eingereichten Unterlagen 9.	 Hängeplan 10. Verfassererklärung (Formblatt siehe Anhang 4.01b) Zusätzlich geforderte Leistungen in digitaler Form auf CD-Rom •	 Präsentationspläne als Windows-kompatible .tif-Dateien in einer Auflösung	von	max.	300dpi	(ggf.	LZW-komprimiert),	max.	Dateigröße	 10 MB. •	 Präsentationspläne als pdf-Dateien mit eingebundenen Pixeldarstellungen	in	einer	Auflösung	von	max.	300dpi	(ggf	LZW-komprimiert), max. Dateigröße 10 MB. •	 Erläuterungsbericht als pdf-Datei.

Hinweise zu den geforderten digitalen Leistungen
„Offene“ Dateien aus Layout-Programmen (z.B. InDesign, Quark-Express, Illustrator) können nicht berücksichtigt werden. Bildmaterial, das nicht im genannten Windows-kompatiblen Format eingereicht wird, kann nicht berücksichtigt werden.

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Verfahren	

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Die Dokumenteneigenschaften dürfen keinen Hinweis auf den Verfasser enthalten. Die CD-Rom trägt als Titel nur die sechsstellige Kennzahl mit der auch die Pläne gekennzeichnet sind (z.B. 123456). Die Dateien einzelnen Dateien auf der CD-Rom müssen wie folgt benannt werden: Der erste Teil des Dateinamens ist die sechsstellige Kennzahl, danach folgt ein Unterstrich und anschließend der eigentliche Dateititel, gefolgt von den Formatangaben, z.B. „tif“. Beispiele: Lageplan 123456_lageplan.tif Prüfplan 123456_pruefplan.tif In den Dateinamen dürfen keine Leer- und Sonderzeichen vorkommen. Auf die Verwendung von Umlauten im Dateinamen soll verzichtet werden. Die CD-Rom ist auf Windows-kompatiblen PC zu erstellen. MacintoshFormate können grundsätzlich nicht berücksichtigt werden. Für die Präsentation der Wettbewerbsarbeiten stehen zwei 2 m hohe Rolltafeln	mit	einer	Hängefläche	von	1,96	m	(Breite)	x	1,46	m	(Höhe)	zur	Verfügung. Die vom Auslober zur Verfügung gestellten Arbeitspläne sind ein Angebot, den Wettbewerbsbeitrag darzustellen; sie müssen von den Verfassern nicht verwendet werden. Jeder Teilnehmer darf nur eine Arbeit ohne Variante einreichen. Gem. RPW 2008 § 5 Absatz 2 werden Darstellungen, die über die in der Auslobung geforderten Leistungen hinausgehen oder gegen bindende Vorgaben des Auslobers verstoßen, von der Vorprüfung ausgesondert. Farbige Darstellungen sowie erläuternde Skizzen sind zugelassen.

Bindende Vorgaben
Wettbewerbsarbeiten mit Verstößen gegen bindende Vorgaben werden nicht zur Beurteilung zugelassen. Die für die Wettbewerbsaufgabe verbindlichen Vorgaben werden im Sinne der Innovation und des Wettbewerbgedankens auf folgende grundsätzliche Anforderungen begrenzt: - keine verbindlichen Vorgaben Wettbewerbsbeiträge, die während der Laufzeit des Wettbewerbes veröffentlicht werden, verstoßen gegen die in § 1 Absatz 4 und § 6 Absatz 2 RPW 2008 geforderte Anonymität und sind von der Beurteilung auszuschließen.

1.11

Beurteilungsverfahren und Vorprüfung

Das Beurteilungsverfahren ist unter § 6 Absatz 2 der RPW 2008 dargestellt. Das Preisgericht bewertet die Wettbewerbsarbeiten nach den nachstehend genannten Kriterien Die eingereichten Arbeiten werden anhand der Kriterien vorgeprüft. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe können die Sachverständigen zur Unterstützung der Vorprüfer hinzugezogen werden. Dem Preisgericht werden die Ergebnisse der Vorprüfung als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt, die Beurteilung der Arbeiten bleibt dem Preisgericht vorbehalten. Bewertungskriterien •	 Leitidee- Räumliche und Gestalterische Qualität •	 Städtebauliche und freiraumplanerische Einbindung •	 Innovation als Beitrag für eine urbane Stadtlandschaft •	 Tauglichkeit des Strukturplanes als Grundgerüst und Basiselement für prozessuale Entwicklung

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Verfahren	

19

•	 Raumbildung- und Verknüpfung •	 Erschließung und innere Ordnung •	 Nutzbarkeit, Auseinandersetzung mit Bürgerwünschen •	 Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit •	 Berücksichtigung der Naturschutzanforderung •	 Eignung des Entwurfs als Referenzprojekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) •	 Eignung des Entwurfs als Referenzprojekt der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) •	 Einhaltung Kostenrahmen, Wirtschaftlichkeit in Herstellung und Unterhaltung

1.12

Preise

Die Wettbewerbssumme (RPW 2008, § 7 Absatz 2) wurde gemäß HOAI ermittelt. Insgesamt stehen 100.000 EURO netto zur Verfügung. Die Summe wird zu gleichen Teilen auf die etwa 6 prämierten Arbeiten verteilt. Die Preise werden nach Entscheidung des Preisgerichts unter Ausschluss des Rechtsweges zugeteilt. Die Mehrwertsteuer von derzeit 19 % ist in den genannten Beträgen nicht enthalten und wird den inländischen Teilnehmern zusätzlich ausgezahlt.

1.13

Weitere Bearbeitung nach dem Wettbewerb

Der Wettbewerb endet mit der Entscheidung des Preisgerichtes. Das Preisgericht gibt eine schriftliche Empfehlung für die weitere Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe. Der Auslober wird unter Würdigung der Empfehlungen des Preisgerichts die Verfasser der Preisgruppe zu einem anschließenden Verhandlungsverfahren	 nach	 der	 Verdingungsordnung	 für	 freiberufliche	 Leistungen	 (VOF) einladen und mit Planungsleistungen beauftragen. Vor dem Verhandlungsverfahren wird die Teilnahmeberechtigung der prämierten Wettbewerbsergebnisse geprüft. Soweit Preisträger wegen Verstoßes gegen Wettbewerbsregeln nicht berücksichtigt werden können, rücken sonstige Teilnehmer in der Rangfolge der Bewertung des Preisgerichtes nach, sofern dies vom Preisgericht so beschlossen wird. Neben der öffentlichen Ausstellung werden die Beiträge der Preisträger in Bürgerveranstaltungen präsentiert (vgl.1.2 und 1.20). Teilbereiche des gesamten Wettbewerbsgebiets können in nachfolgenden Realisierungswettbewerben vertieft werden, insbesondere Gebiete, die zum Kerngebiet der IGA- gehören werden, sowie andere Flächen außerhalb des Rings. Diese Wettbewerbe sind gesonderte Verfahren und werden entsprechend bekannt gemacht.

1.14

Eigentum und Urheberrecht

Die eingereichten Unterlagen der mit Preisen ausgezeichneten Wettbewerbsarbeiten werden Eigentum des Auslobers. Das Urheberrecht und das Recht der Veröffentlichung der Entwürfe bleiben dem Verfasser erhalten. Der Auslober ist berechtigt, die zu Beurteilung zugelassenen Arbeiten nach Abschluss des Wettbewerbs ohne weitere Vergütung zu dokumentieren, auszustellen und (auch über Dritte) zu veröffentlichen. Die Namen der Verfasser werden dabei genannt.

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Verfahren	

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1.15	 Verfassererklärung
Durch ihre Unterschrift in der Verfassererklärung (siehe Anhang 4.01b) versichern die Wettbewerbsteilnehmer, dass sie die geistigen Urheber der Wettbewerbsarbeiten, gemäß den Wettbewerbsbedingungen teilnahmeberechtigt, mit einer Beauftragung zur weiteren Bearbeitung einverstanden und zur fach- und termingerechten Durchführung in der Lage sind.

1.16	 Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten
Das Ergebnis des Wettbewerbs wird (unter Vorbehalt der Prüfung der Teilnahmeberechtigung) den Teilnehmern, deren Arbeit mit einem Preis ausgezeichnet wird, unmittelbar nach der Entscheidung des Preisgerichts mitgeteilt, allen anderen durch Übersendung des Preisgerichtsprotokolls und der Öffentlichkeit über die Presse bekannt gegeben. Sobald das Ergebnisprotokoll vorliegt, wird es im Internet zum Herunterladen unter www. competitionline.de sowie unter www.berlin.stadtentwicklung.de/aktuell/ wettbewerbe veröffentlicht. Die zur Beurteilung zugelassenen Wettbewerbsarbeiten werden mit den Namen der Verfasser, der Mitarbeiter und Sonderfachleute, den Preisen, der Aufnahme in die engere Wahl und dem Preisgerichtsprotokoll spätestens vier Wochen nach der Preisgerichtsentscheidung öffentlich ausgestellt.. Eröffnung, Ort und Dauer der Ausstellung werden den Wettbewerbsteilnehmern und der Presse bekannt gegeben (RPW 2008 § 8 Absatz 1).

1.17	 Haftung und Rückgabe
Für die Beschädigung oder den Verlust der eingereichten Arbeiten haftet der Auslober nur im Fall nachweisbar schuldhaften Verhaltens. Die nicht prämierten Arbeiten von in Berlin ansässigen Teilnehmern können zu einem Zeitpunkt, der ihnen rechtzeitig mitgeteilt wird, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung - II D - abgeholt werden. Sind diese Arbeiten, trotz einer Erinnerung 10 Wochen nach dem genannten Termin, nicht abgeholt worden, so geht der Auslober davon aus, dass die betreffenden Teilnehmer das Eigentum an ihren Arbeiten aufgegeben haben und wird dann mit diesen Arbeiten nach seinem Belieben verfahren. Im Übrigen erfolgt die Rücksendung der nicht prämierten Arbeiten von Teilnehmern nur dann, wenn die Arbeiten in transportgerechter und wieder verwendbarer Verpackung eingereicht wurden.

1.18 Vergabekammer
Öffentliche Aufträge, die gemäß den Vergabevorschriften der EU vergeben werden müssen, unterliegen einem Rechtsschutzverfahren. Für die öffentlichen Auftraggeber des Landes Berlin wird dieses Verfahren vor der Vergabekammer des Landes Berlin geführt. Vergabekammer des Landes Berlin Martin-Luther-Str. 105 10825 Berlin Tel. +49 (0)30 / 9013 8316 Fax. +49 (0)30 / 9013 7613

Parklandschaft Tempelhof / Teil 1

Verfahren	

21

1.19

Zusammenfassung der Wettbewerbstermine

Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen ....................................2. März 2010
 Rückfragen über Internet bis ................................................26. März 2010
 Rückfragenbeantwortung über Internet bis .............................1. April 2010
 Abgabe der Arbeiten............................................................... 14. Mai 2010
 Preisgericht.......................................................................11./12. Juni 2010
 Präsentation der Ergebnisse des Wettbewerbs im Rahmen 
 öffentlicher Veranstaltungen ............... Anfang Juli oder Ende August 2010
 Ausstellung .................................................................... Ende August 2010


1.20

Anschließendes Verhandlungsverfahren

Das anschließende Verhandlungsverfahren ist nicht Gegenstand der Abstimmung mit der Architektenkammer zum Wettbewerb, da diese ausschließlich bei dem Wettbewerbsverfahren beratend tätig geworden ist. Die Registriernummer bezieht sich ausschließlich auf das Wettbewerbsverfahren. Das Preisgericht wird als beratendes Gremium des Auslobers im Verhandlungsverfahren mitwirken. Im Verhandlungsverfahren erfolgt eine Konzentration auf den inneren Teil der Parklandschaft. Die Teilnahme an der Wochenendveranstaltung zur Bürgerbeteiligung ist für	die	ausgewählten	Büros	verpflichtend. Leistungen im Verhandlungsverfahren: 1.	 Landschaftsräumliche Einbindung (freier Maßstab) 2.	 Landschaftsplanerisches Konzept M 1:2500 mit Darstellung der Gesamtsituation,	Freiflächen,	Erschließung	und	der	prozessualen	 Entwicklung 3.	 Landschaftsplanerisches Konzept M 1: 500 für ausgewählte Bereiche der Realisierungsbereiche 4.	 Nutzungskonzept unter Berücksichtigung der prozessualen Entwurfskomponenten (Grundgerüst / Kernelemente, Szenarien / flexible	Elemente,	Zwischennutzung,	Pioniernutzung,	experimentelle	 Nutzung) 5.	 Details, Ansichten, Schnitte Perspektiven nach freier Wahl mit Aussagen zur prozessualen Entwicklung (freier Maßstab) 6.	 Prüfpläne (gefaltet) der Präsentationspläne 7.	 Kostenschätzung nach vorgegebenem Formblatt für die Realisierungsbereiche 8.	 Erläuterungsbericht mit Begründung des vorgeschlagenen Entwurfskonzepts und Erläuterung zum Thema „Ressourceneffizienz“	(gesondert) 9.	 Verzeichnis der eingereichten Unterlagen
 10. Hängeplan
 11. Verfassererklärung (Formblatt siehe Anhang 4)
 Die oben genannten Leistungen sind in Papierform zu erbringen. Der 
 Auslober behält sich vor, die Leistungen des Verhandlungsverfahrens auf 
 Grundlage der Ergebnisse des Wettbewerbs anzupassen. 
 Für die Präsentation der Arbeiten im Verhandlungsverfahren stehen drei 
 2	m	hohe	Rolltafeln	mit	einer	Hängefläche	von	1,96	m	(Breite)	x	1,46	m	 (Höhe) zur Verfügung. 
 Jeder Teilnehmer des Verhandlungsverfahrens erhält nach § 15 Abs. 2 
 VOF eine Vergütung in Höhe von 66.400 Euro für seine Planungsleistun-


Parklandschaft Tempelhof / Teil 1

Verfahren

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gen. Die Mehrwertsteuer von derzeit 19 % ist darin nicht enthalten und wird den inländischen Teilnehmern zusätzlich ausgezahlt. Kriterien für die Entscheidung im Verhandlungsverfahren sind im Wesentlichen die unter 2.6 genannten Bewertungskriterien sowie die Empfehlungen des als beratendes Gremium mitwirkenden Preisgerichts. Bei der anschließenden Umsetzung des Projekts wird der Bauherr unter Würdigung der Empfehlungen des als beratendes Gremium mitwirkenden Preisgerichts einem Verfasser der Preisgruppe die weitere Bearbeitung der Aufgabe mindestens mit den Leistungen 2, 3, 5 (und 4 soweit erforderlich) nach § 38 HOAI übertragen, sofern kein wichtiger Grund einer Beauftragung entgegensteht, insbesondere soweit und sobald die dem Verfahren zugrundeliegende Aufgabe realisiert werden soll. Voraussetzung ist, dass die Ausführung der ausgewählten Arbeit im Kostenrahmen möglich ist. Der ausgewählte Verfasser soll mindestens mit der Realisierung relevanter Teile des Grundgerüsts und der Basiselemente beauftragt werden. Dazu kommen die Flächen im Bereich der inneren Parklandschaft, die nicht im Bereich der zukünftigen IGA liegen und die im Rahmen des Wettbewerbs	zu	definieren	sind.	Der	Auslober	behält	sich	vor,	den	ausgewählten Verfasser mit darüber hinaus gehenden Leistungen zu beauftragen, unter Berücksichtigung der Empfehlungen des als beratendes Gremium mitwirkenden Preisgerichts. Weiterhin behält sich der Auslober vor, unter Berücksichtigung der Empfehlungen des als beratendes Gremium mitwirkenden Preisgerichts weitere Verfasser für ausgewählte thematische Schwerpunkte zu beauftragen. Weiterhin wird der ausgewählte Verfasser als Hüter des grünen „Masterplans“ eingesetzt, der den Auslober bei der weiteren Planung und Realisierung begleitet. Im Falle einer weiteren Bearbeitung werden die in dem Verfahren bereits erbrachten Leistungen des Teilnehmers bis zur Höhe des zuerkannten Preises und des Gutachterhonorars nicht erneut vergütet, wenn der Entwurf in seinen wesentlichen Teilen unverändert der weiteren Bearbeitung zugrunde gelegt wird. Termine Verhandlungsverfahren Ausgabe der Aufgabenstellung.............................Anfang September 2010
 Rückfragen über Internet.......... 38./39. Kalenderwoche (September) 2010
 1. Zwischenkolloquium ............. 38./39. Kalenderwoche (September) 2010
 2. Zwischenkolloquium ..................42./43. Kalenderwoche (Oktober) 2010
 Abgabe der Arbeiten..............................................Anfang November 2010
 Auswahlentscheidung............................................Anfang Dezember 2010
 Ausstellung ......................................................... etwa zwei Wochen später
 Die genauen Termine des Verhandlungsverfahrens werden nach Abschluss des Wettbewerbs festgelegt. Landschaftsarchitekten, die nicht Mitglieder der Berliner Architektenkammer sind, werden gemäß § 6 Bau- und Architektenkammergesetz verpflichtet,	sich	bei	Auftragserteilung	im	Verzeichnis	auswärtiger	Architekten	 der Architektenkammer Berlin eintragen zu lassen. Bei Bedarf wird die Hinzuziehung eines Kontaktbüros empfohlen.

Parklandschaft Tempelhof / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe	

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Teil 2 Wettbewerbsaufgabe
Eine urbane Parklandschaft für das 21. Jahrhundert

2.1	

Die Herausforderungen Übergeordnete Zielsetzung

Mit der Einstellung des Flugbetriebes auf dem Tempelhofer Feld im Oktober 2008 steht das 384 ha große Gelände für eine Transformation von einer verkehrlichen Nutzung in eine städtische Entwicklung zur Verfügung. Das Flugfeld, das zwei Jahrhunderte militärisch genutzt wurde und fast ein Jahrhundert durch den Flugverkehr dem städtischen Gefüge entzogen war, kann zu einem neuen Teil der Inneren Stadt innerhalb des Berliner S-Bahnringes werden - eine große Chance und zugleich anspruchsvolle Herausforderung für die Stadtentwicklung Berlins. Der Flughafen Tempelhof spielt im kollektiven Gedächtnis Westberlins eine sehr besondere Rolle. Er steht für den Überlebenskampf und den Freiheitswillen der eingeschlossenen Stadthälfte in der Nachkriegsära. Daher ist der Ort emotional stark besetzt. Deswegen ist an die Neugestaltung auch der Anspruch zu richten, die Berliner und Berlinerinnen in den neuen Abschnitt der Stadtgeschichte mitzunehmen. Der ehemalige Flughafen Tempelhof ist ein Bau- und Flächendenkmal von europäischem Rang. Die Entwicklung des Tempelhofer Feldes zu einer Parklandschaft soll den funktionalen Zusammenhang des weiten Flugfeldes zum Flughafengebäude weiterhin sichtbar belassen. Die Entwicklung des Gesamtareals wird sich über einen langen Zeitraum erstrecken. Daher müssen alle Konzeptionen offen für Veränderungen sein, die sich aus heute nicht absehbaren Entwicklungen ergeben. Deswegen steht der Gedanke des prozessorientierten, strategischen Entwerfens im Mittelpunkt aller planerischen Anstrengungen. Grundlage für die Entwicklung ist der prozessuale Masterplan Tempelhofer Feld, der Anfang 2008 fortgeschrieben wurde. Die Möglichkeit, innerhalb der bebauten Innenstadt eine so große Parklandschaft anzulegen, ist eine einmalige Chance. Darin liegt auch eine Möglichkeit zur Fortentwicklung der europäischen Metropole. Aus dem Wechsel von kompakten Stadtquartieren und großen offenen Räumen kann gerade Berlin eine besondere Identität und Lebensqualität gewinnen. Dies anschaulich zu machen, ist eine wesentliche Anforderung an die Entwurfsaufgabe.

2.1.1 	 Einpassen in den Kontext
Die Transformation des Geländes und die Integration in die bestehende Stadt wird eine anspruchsvolle Aufgabe sein. Die Integration bezieht sich sowohl auf die räumliche Verknüpfung mit dem Grundriss der angrenzenden Stadt- und Freiräume als auch auf die Verknüpfung mit den unterschiedlichen sozialen Milieus von Nord-Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg sowie den geplanten neuen Stadtquartieren mit ihren Adressen für die Kreativwirtschaft, für Zukunftstechnologien und für innovatives, städtisches Wohnen (vgl. 3.1). Die neue Parklandschaft als gemeinschaftlicher öffentlicher Raum soll hier eine besondere Vermittlungsfunktion in räumlicher, sozialer und ästhetischer wie auch in ökologischer und wirtschaftlicher Sicht übernehmen. Durch die jahrzehntelange Unzugänglichkeit des Flugfeldes hat sich an den Rändern eine Art innere Peripherie herausgebildet. Zielpunkte und Bewegungsrichtungen führen vom Feld weg. Diese Struktur soll umgekehrt und eine Hinwendung zum Tempelhofer Feld erreicht werden. Wege-

Parklandschaft Tempelhof / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

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verbindungen wieder aufzunehmen oder neu zu schaffen ist eine wichtige Maßnahme, die mit unterschiedlichen Zeithorizonten realisiert werden soll. Der neue Stadt- und Landschaftsraum des Tempelhofer Feldes soll nach Jahrzehnten der Ausgrenzung nun zum integralen Bestandteil der umliegenden Stadtquartiere werden.

2.1.2

Das Tempelhofer Feld als Marke neu besetzen

Das Tempelhofer Feld und das Zentralgebäude mit dem Luftbrückendenkmal ist ein symbolisch wichtiger Ort und eine Marke für Berlin. Unterstrichen wird dies durch die imposante Wirkung des großen Zentralgebäudes, des betonierten Vorfeldes sowie der Weite des eigentlichen Flugfeldes mit seinen beiden über 2 km langen Start- und Landebahnen. Mit der Gestaltung einer urbanen Parklandschaft für das 21. Jahrhundert soll ein Beitrag geleistet werden, um die Marke Tempelhof mit neuen, zukunftsträchtigen Inhalten anzureichern und für die gesamte Stadtgesellschaft emotional positiv zu besetzen. Der Raum muss daher neu bestimmt werden. Die Parklandschaft soll so zum Adressbildner für die bestehenden und neuen Stadtquartiere werden. Die neue Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld wird ein Ort von gesamtstädtischer Bedeutung, dies soll nicht nur durch die Größe, sondern vor allem durch die Gesamtidee, die Nutzungsangebote und Gestaltungsqualitäten erreicht werden. Zeichen setzen – Adressen bilden Berlin hat mit der Einstellung des Flugbetriebes auf dem Flugfeld die einmalige Chance, ein vielschichtiges und bedeutendes Erbe zu bewahren und in zentraler städtischer Lage ein neues Stück Berlin des 21. Jahrhunderts zu entwickeln und dies mit der bestehenden Stadt zu verweben. Mit dem Wettbewerb für die Parklandschaft möchte der Auslober einen Impuls für die Standortentwicklung geben. Dafür sollen eine deutliche Ausdrucksform gefunden und spürbare Zeichen gesetzt werden. Die Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld wird ein Raum mit eigenem Charakter werden, der	sich	von	den	bestehenden	und	in	der	Entwicklung	befindlichen	Parkanlagen Berlins abhebt. Die historische Marke Tempelhof mit dem maßstabssetzenden Zentralgebäude wird so durch die Parklandschaft neu codiert und zur Adresse für die Stadt. Mit dem Wettbewerb soll hierzu ein zukunftsweisender Beitrag geleistet werden, um die neue Adressenbildung für Tempelhof weiter zu prägen.

2.1.3

Eine urbane Parklandschaft für das 21. Jahrhundert

Die Parklandschaft soll als öffentlicher Raum der Stadt, als Ausdrucksort von gelebter Stadtkultur verstanden und entwickelt werden. Im Mittelpunkt stehen die Stadtbürger und -bürgerinnen, die diesen Raum genießen, nutzen und auch verändern wollen. Daher werden hohe Ansprüche an den Entwurf gestellt, damit eine attraktive, zeitgemäße und zum Wohlfühlen einladende Parklandschaft mit vielfältigen Angeboten mitten in der Metropole entsteht. Naturraum – mehrfach codiert Die neue Parklandschaft ist als Raum mehrfach codiert: Sie ist grüner Raum zur aktiven Erholung und des Rückzugs, zugleich naturnah und künstlich gebauter Ausdruck des zeitgenössischen Naturverständnisses, Ort der Repräsentation und Bühne der interkulturellen Stadtgesellschaft sowie veränderbarer Interaktions- und Kreativraum. Darüber hinaus	ist	er	auch	Naturraum	mit	wertvollen	Vorkommen	seltener	Pflanzen-	 und Tierarten der Offenlandschaft (siehe 3.6.6 und Anhang 4.08g-j) sowie

Parklandschaft Tempelhof / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe	

25

ein Ort mit einer bedeutenden Historie. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist die Parklandschaft auch Teil der technisch-grünen Infrastruktur der Stadt und soll ein Zeichen für einen innovativen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und der Energie in der Stadt setzen. Die Parklandschaft zu gestalten und an die Stadt anzubinden, ist damit Chance und Herausforderung zugleich. Diese Ansprüche in einem Entwurfskonzept räumlich und funktional zu arrangieren und ihnen eine Form zu geben, die ästhetisch überzeugt, unter Berücksichtigung der Geschichte, des Charakters und der im Wandel befindlichen	Identität	des	Ortes,	dem	ein	zeitgemäßer	Ausdruck	zu	verleihen	 ist, stellt hohe Anforderungen an die Wettbewerbsteilnehmer und – teilnehmerinnen. Öffentlicher Raum für die Diversität der Stadtgesellschaft Die sich heute immer stärker ausdifferenzierende Stadtgesellschaft benötigt eine Parklandschaft, die ihrer Diversität Ausdruck und Raum gibt und gleichzeitig für diese Offenheit einen gemeinsamen Rahmen schafft. Als Folge von knappen Kassen, demografischem Wandel sowie einer heterogenen, internationaleren und individualisierten Gesellschaft verändern sich die gewohnten Parkbilder. Das Parkkonzept setzt auf das verstärkte Aneignen des Raumes durch sich selbstorganisierende Gruppen und damit auf die Eigeninitiative der Stadtgesellschaft, die sich in die Parkgestaltung einbringt. Insofern werden und sollen auch neue ästhetische Bilder entstehen. Die Bandbreite solcher Aneignungsformen ist weit und kann sich von der Parkgastronomie, Freizeitsport und Gesundheitsangeboten, urbaner Gartennutzung bis zu Kultur- und Bildungsangeboten erstrecken. Solche Nutzungen tragen dazu bei, eine Parklandschaft mit sich selbst tragenden Bereichen zu entwickeln. Damit entstehen Neue Teilöffentlichkeiten in der Parklandschaft, die die Nutzungs- und Angebotsvielfalt über das übliche öffentliche Spektrum hinaus anreichern sollen. Park bei knappen öffentlichen Kassen Die Parklandschaft des 21. Jahrhunderts wird ein mehrschichtiger und lebendiger	Raum,	in	dem	die	unterschiedlichen	gesellschaftlichen	Einflussfaktoren und Lebensstile spürbar werden. Eine Herausforderung wird dabei auch sein, das vorgegebene Budget geschickt einzusetzen, um in der Weite des Raumes eine Grundstruktur mit hoher Wirkung zu erreichen, die Spielräume für Verdichtungen und Veränderungen im weiteren Entwicklungsprozess	 ermöglicht.	 Der	 dauerhafte	 Pflege-	 und	 Unterhaltungsaufwand	muss	bereits	in	der	Planung	Berücksichtigung	finden. Mit der Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld soll ein zukunftsorientierter Beitrag geleistet werden, wie die Anforderungen an eine Parklandschaft des 21. Jahrhunderts in ein räumliches, gestalterisches und strategisches Konzept umgesetzt werden können.

2.2 	

Leitthemen für die Entwicklung des Tempelhofer Feldes

Für die Transformation des Tempelhofer Feldes wurden als Zukunftsaufgabe drei Leitthemen entwickelt, die im Rahmen der Gesamtentwicklung des Tempelhofer Feldes projektbezogen weiter verfolgt und konkretisiert werden. Aktuell wird angestrebt, diese Leitthemen im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung vertiefend zu behandeln. Die Leitthemen für die Gesamtentwicklung des Tempelhofer Feldes sind:

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Wettbewerbsaufgabe	

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1.	 Klima- und Ressourceneffiziente Stadt 2.	 Zukunftsorientierte Ökonomie der Stadt - die unternehmerische Stadt 3.	 Integration - die partnerschaftliche Stadt Die neue Parklandschaft als eine der ersten großen Maßnahmen auf dem Tempelhofer Feld soll ein Referenzprojekt für diese Leitthemen werden.

2.2.1	 Leitthema 1: Klima- und Ressourceneffiziente Stadt
Bei der Entwicklung von neuen Stadtquartieren in Metropolen ist die Kernfrage, wie die städtische Entwicklung und das wirtschaftliche Wachstum von negativen Umweltfolgen abgekoppelt werden können. Das Ziel der Entkoppelungsstrategie als neue strategische Ausrichtung nachhaltiger und	 ressourceneffizienter	 Stadtentwicklung	 ist	 es,	 trotz	 Wachstum	 den	 ökologischen Fußabdruck1 als Zielmarke für Nachhaltigkeit auf ein Minimum, im besten Fall auf den ‚Zero footprint’, zu reduzieren. Mit dem Tempelhofer Feld soll gezeigt werden, welchen Beitrag eine Parklandschaft als korrespondierende Infrastruktur der Stadt zum Klima- und Ressourcenschutz, zu dem auch ein innovativer urbaner Naturschutz gehört, leisten kann. Die vorhandene Natur wird als Qualitätsmerkmal und integraler Bestandteil der Entwicklung der Parklandschaft verstanden. Als modellhafter Beitrag von Metropolregionen zur Bewahrung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt soll hier gezeigt werden, wie die Besonderheiten des Tempelhofer Feldes bewahrt und zugleich für neuartige soziale Interaktionsangebote genutzt werden können. Vor dem Hintergrund des Klimawandels werden aktuell die beiden Strategieansätze CO2-Minderungsstrategien und Adaptation (also die Anpassung der Stadtstrukturen an die Klimaveränderung, insbesondere in Bezug auf das Urban Heat-Island Phänomen sowie Veränderung des Wasserhaushalts) verfolgt. Dabei wird in der fachlichen Debatte deutlich darauf abgehoben, dass Klimaschutz und Klimaanpassungsstrategien in Hinblick auf alle Ressourcen betrachtet werden müssen. Dies reicht vom Wassermanagement, Energiekonzept, Luftaustausch, Bodenverbrauch, Biodiversität bis zur Nutzung der Rohstoffe einer Stadt. Für die Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld stellt sich die besondere Herausforderung, wie die gestalterischen und baukulturellen Ansprüche, die Erholungsfunktionen und der Freizeitwert sowie die Charakteristik des Ortes	 mit	 den	Anforderungen	 an	 eine	 ressourceneffiziente	 Stadtentwicklung verknüpft werden können. Verschärft wird diese Herausforderung dadurch,	dass	vor	dem	Hintergrund	beschränkter	finanzieller	Ressourcen	 diese	 Strategien	 mit	 einem	 geringen	 finanziellen	Aufwand	 in	 Herstellung	 und Unterhalt umzusetzen sind.

2.2.2	 Leitthema 2: Zukunftsorientierte Ökonomie der Stadt – die Unternehmerische Stadt
Öffentliche Parkanlagen werden klassischerweise durch die öffentliche Hand gebaut und dann als selbstverständliche Serviceleistung von der Stadt	 gepflegt	 und	 unterhalten.	 Dabei	 stößt	 die	 ökonomische	 Kraft	 der	 Kommunen und Städte zunehmend an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Daher besteht die Notwendigkeit, neue Strategien zu entwickeln, wie	die	vorhandenen	knappen	Mittel	effizient	eingesetzt	und	mit	welchen	 zukunftsweisenden ökonomischen Konzepten vermehrt selbsttragende Strukturen in großen Parklandschaften wie dem Tempelhofer Feld entwickelt werden können.
1	 Der	ökologische	Fußabdruck	bilanziert	die	Naturfläche,	die	nötig	ist	um	den	Ressourcen	 – und Energieverbrauch eines Menschen bereitzustellen (siehe Anhang 4.08c)

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Wettbewerbsaufgabe

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Eine Herausforderung wird sein, unternehmerische Konzepte in einem öffentlichen Raum zu integrieren, ohne dass der öffentliche Raum damit grundlegend eingeschränkt wird. Im Gegenteil: der öffentliche Raum soll als Bühne der Stadtgesellschaft durch vielfältige Eigeninitiative bespielt und so qualitativ angereichert und attraktiver werden. Die Parklandschaft könnte ein Raum mit Platz für Initiativen, Vereine, Raumpioniere, Zwischennutzer und grüne Investoren werden, die mit ihren vielfältigen Aktivitäten Abbild der sich diversifizierenden Stadtgesellschaft sind. Damit entstehen neue Teilöffentlichkeiten, die in die Struktur der Parklandschaft zu integrieren sind und ihn gleichzeitig anreichern. Wenn es so gelingt, neue Allianzen für den öffentlichen Raum zwischen der öffentlichen Hand und der Stadtgesellschaft herzustellen und im gewissen Umfang Einnahmen zu generieren, so können lokale Ökonomien gestärkt und der Park hinsichtlich seiner Nutzungsangebote angereichert werden. Gleichzeitig kann ein Beitrag geleistet werden, um sich selbsttragende Strukturen in der Parklandschaft zu stärken und zu verorten. Der	 Wettbewerb	 soll	 herausfordern	 und	 gleichzeitig	 den	 Rahmen	 definieren, um in der Parklandschaft neue Wertschöpfungsketten einer zukunftsorientierten Parkökonomie anzustoßen. Die Zwischennutzer und Raumpioniere haben gezeigt, welche Potenziale Freiräume für die aktive Inkulturnahme besitzen und wie die Räume angereichert werden. Gerade kleine Unternehmen, die die lokale Ökonomie fördern, sollen hier angesprochen	 werden.	 Daher	 kommen	 großflächige,	 eingezäunte	 kommerzielle Vergnügungsparks als integrales Element des öffentlichen Raumes nicht in Frage. Im Rahmen des Wettbewerbs soll eine räumliche Struktur entwickelt werden, die robust und offen ist, um solche neuen Unternehmungen zu animieren, und so den öffentlichen Raum anzureichern. Hierbei sollen Möglichkeitsräume für neue Unternehmungen geöffnet, aber gleichzeitig auch die	 Regeln	 und	 Grenzen	 des	 Miteinanders	 definiert	 werden.	 Außerdem	 muss das gestalterische Konzept Lösungen vorschlagen, wie diese disparaten Elemente in ein Gestaltungskonzept eingebunden werden können.

2.2.3

Leitthema 3: Integration – Partnerschaftliche Stadt

So wie sich die Stadtgesellschaft immer weiter ausdifferenziert, heterogener und ethnisch gemischter wird, so wird sich dies auch im öffentlichen Raum abbilden können, wenn entsprechende Räume und Angebote entwickelt werden. Der Park als öffentlicher Raum soll angeeignet werden, er ist damit nicht nur Grünraum, sondern wird zu einem Möglichkeitsraum für die unterschiedlichen Interessenslagen der Stadtbewohner. Die Parklandschaft des Tempelhofer Feldes als Bühne der Stadtgesellschaft soll mit kulturellen, sportlichen und künstlerischen Anknüpfungspunkten und Aktionsräumen Raum für neue Allianzen und Kooperationen von Generationen	und	Kulturen	mit	ihren	spezifischen	Lebensentwürfen	und	gelebten	 Praktiken geben. Der öffentliche Raum soll so zu einem zeitgemäßen Integrationsort für eine diversifizierte Stadtgesellschaft werden. Für das Tempelhofer Feld stellt sich als besondere Herausforderung, die neuen Stadtquartiere für innovative Wohnformen, für neue Technologien und für die Kreativwirtschaft mit den bestehenden Quartieren von Neukölln, Kreuzberg sowie Tempelhof-Schöneberg nicht nur räumlich, sondern auch sozial aufeinander zu beziehen. Die Parklandschaft könnte dabei zu einem Anker werden. Im Rahmen des Wettbewerbs sollen Möglichkeitsräume und Angebote entwickelt werden, um die Parklandschaft als Teil einer interkulturellen und partnerschaftlichen Stadt zu stärken.

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Wettbewerbsaufgabe

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Vor dem Hintergrund dieser drei Leitthemen der beabsichtigten IBA, die auch für die Gesamtentwicklung des Tempelhofer Feldes stehen, soll ein zukunftorientiertes, sozial und räumlich integratives Konzept für eine urbane Parklandschaft für das 21. Jahrhundert entwickelt werden. Optimal ist dabei, wenn sich diese Konzeptbausteine miteinander verschränken, so z.B. wenn durch zusätzliche private Sport- und Freizeitangebote, kulturelle Veranstaltungen oder durch den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen die Attraktivität des Raumes erhöht und gleichzeitig die lokale Ökonomie entwickelt wird. Oder wenn durch die dezentrale Rückhaltung des Regenwassers das Niederschlagswasserentgelt entfällt und für	die	Parkpflege	genutzt	werden	kann,	ein	Beitrag	zur	Klimafolgeanpassung erreicht wird und gleichzeitig ein gestalterisch interessanter, vielleicht für unsere Sehgewohnheiten und ästhetischen Vorstellungen auch ungewöhnlicher Ort entsteht. Eine weitere Möglichkeit stellt die Verbindung integrativer Aspekte wie interkulturelle Gärten oder Community Gardens mit der	Bereicherung	der	Pflanzenvielfalt	und	der	Pflege	von	Teilflächen	durch	 Bürgerinnen und Bürger dar.

2.2.4

IBA und IGA als Motoren der Entwicklung

Um die Entwicklung des Tempelhofer Feldes einschließlich der Parklandschaft auf hohem Niveau zügig voranzubringen, wird zurzeit geprüft, ob und wie eine Internationale Bauausstellung (IBA) hierbei als Instrument förderlich eingesetzt werden kann. Mit dieser Zielsetzung hat sich das Land Berlin zudem um die Ausrichtung der Internationalen Gartenbauausstellung 2017 (IGA) beworben und hierfür den Zuschlag erhalten. Die Parklandschaft	auf	dem	Tempelhofer	Feld	wird	Ausstellungsfläche	der	IGA	 2017 sein. Grundlage für die Gesamtentwicklung des Tempelhofer Feldes ist der Prozessuale Masterplan. Als Instrumente sollen die IBA und die IGA genutzt werden, um die Entwicklung der Parklandschaft hinsichtlich des Innovationsanspruches zuzuspitzen und zu beschleunigen. Die Parklandschaft als Referenzprojekt der IBA 2010-2020 Die Leitthemen der IBA sollen auf die Parklandschaft übertragen, beispielhaft vertieft und anschaulich werden. Eine Kernanforderung ist dabei, dass sich die Leitthemen der IBA miteinander verschränken, synergetisch ergänzen und gleichzeitig ein hoher Erholungs- und Freizeitwert der Parklandschaft entwickelt wird. Damit wird die Parklandschaft zu einem herausragenden Referenzprojekt der IBA und zum Imagefaktor für die Gesamtentwicklung. Die Themen und Orte der IBA werden sich jedoch nicht nur auf das Tempelhofer Feld beschränken, sondern auch in den angrenzenden Stadtquartieren liegen und über einen Zeitraum von 10 Jahren entwickelt werden (zur IBA-Konzeption siehe 3.7.4 und Anhang 4.04a). Der besondere Impuls der „IGA 2017“ Mit der Entscheidung zur Ausrichtung der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) im Jahr 2017 auf dem Tempelhofer Feld ist es Teil der Wettbewerbsaufgabe, den Rahmen für die Durchführung der IGA 2017 vorzubereiten. Die IGA 2017 ist ein konkretes Projekt innerhalb des Gesamtprozesses, das als publikumswirksame Veranstaltung das Tempelhofer Feld in seiner Transformation sichtbar macht. Neben der Konkretisierung der Leitthemen und damit auch der IBA-Themen soll die IGA als Teilbeschleuniger für die gesamte Entwicklung der Parklandschaft dienen. Sie wird sich aus dem Strukturplan für die Parklandschaft entwickeln. Ebenso wird es aus den Konzepten zur IGA heraus auch Ableitungen für die Parkentwicklung ge-

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ben.	So	sollen	die	als	Ausstellungsfläche	besonders	attraktiven	Bereiche	 der Parklandschaft im Ausstellungsjahr 2017 zum Kerngelände der IGA werden. Das IGA-Schaugelände liegt daher bevorzugt im Norden des Tempelhofer Feldes und weist eine Größe von ca. 107 Hektar auf. 80 ha entfallen dabei auf die dauerhaften Anlagen, 27 ha sind für die temporären Anlagen vorgesehen (siehe dazu auch Anhang 4.05a+b). Das IGA-Konzept basiert auf dem aktuellen Stand der Diskussion zu den zukünftigen Nutzungsoptionen auf dem Tempelhofer Feld, diese Flächennutzungen gilt es räumlich zu berücksichtigen. Wichtig ist dabei, dass sich die vielfältigen Nutzungen ansiedeln und entwickeln können, sich miteinander vernetzen und durchdringen können; ganz wesentlich ist dabei das Entstehen von verschiedensten Nachbarschaften und die Bildung von Synergien zwischen den unterschiedlichen Akteuren. Das Flächenkonzept soll so konzipiert werden, dass es auf den zukünftigen dynamischen Entwicklungsprozess flexibel reagieren kann. Im weiteren Planungs- und Gestaltungsprozess werden die Flächenzuordnungen immer weiter konkretisiert. Zur Flächenkulisse der IGA und zur Einbindung in die gesamte Parklandschaft sollen im Wettbewerb Vorschläge gemacht werden. Die Flächen der IGA werden von einer breiten nationalen und internationalen Öffentlichkeit besucht. Diesem Publikum soll modellhaft gezeigt werden, wie eine zukunftsweisende Stadt- und Freiraumplanung umgesetzt werden kann. Die Durchführung einer IGA im Jahr 2017 bietet gleichzeitig Terminbindungen, die nicht umgangen werden können. Damit muss der Teilbereich der IGA bis 2017 umsetzbar sein.

2.3	

Räumliche Anforderungen - Wettbewerbsgebiet

2.3.1 	 Prozessuale Stadtentwicklung Räumliches Grundgerüst als Grundlage für eine prozessuale Freiraumentwicklung
Aufgrund der Geschichte, der Größe und der Besonderheit des Ortes wird die Parklandschaft Tempelhof über die angrenzenden Quartiere hinaus eine Bedeutung für die gesamte Stadt Berlin haben. Mit dem Wettbewerb soll ein robustes Grundgerüst und die Basisstruktur entwickelt werden, die Orientierung für die zukünftige Entwicklung der Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld geben und somit eine Handlungsfähigkeit für die prozesshafte und schrittweise Realisierung von einzelnen Teilbereichen erzeugen. Gleichzeitig soll das Grundgerüst so offen sein, dass es Spielräume für eine sukzessive Verdichtung von Nutzungen und Gestaltungsintensitäten gibt und noch Raum für neue Ideen lässt. Aufgrund der Größe des Gebietes, beschränkter Mittel und auch einer längerfristigen Entwicklung der Stadtquartiere wird die Realisierung der Parklandschaft schrittweise in Etappen erfolgen; dies erfordert ein Denken in langen Zeiträumen. Es wird in den ersten Schritten erforderlich sein, ein Grundgerüst zu entwickeln, damit der Raum erlebbar und für bestimmte Ankerfunktionen nutzbar wird. Die Parklandschaft soll mit der Öffnung frühzeitig eine Attraktivität haben, die nicht an die Fertigstellung des größten Teils der Fläche gebunden ist. Daher wird es besonders wichtig sein, ein Grundgerüst und die Basiselemente herauszuarbeiten, die als erste Setzungen notwendig sind und den Rahmen vorgeben, der modular weiterentwickelt wird. Es stellt sich die Frage, was zum Grundgerüst und zu den notwendigen Basisstrukturen gehört, um den Raum besser erlebbar zu machen. Welche Räume und Strukturen können orientiert an Nachfra-

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Wettbewerbsaufgabe

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gen und Investitionsmitteln nach und nach ergänzt werden? Welche Räume bleiben für den noch nicht exakt prognostizierbaren Entwicklungsprozess bewusst offen und unbestimmt? Das Denken in langen Zeiträumen und mit vielen Zwischenzuständen wird die Herausforderung sein, zumal bereits mit dem ersten Mitteleinsatz die Erlebbarkeit und Nutzbarkeit positiv befördert werden muss. Damit sind die Teilnehmer aufgefordert, in prozessualen Entwicklungsschritten zu entwerfen, die nicht allein in einer zeitlichen Abfolge und Phasierung von Bauabschnitten besteht, sondern in notwendigen Setzungen für das Grundgerüst und die Basisstrukturen, für Atmosphären und Aktivitäten eines solchen Prozesses. Dabei ist davon auszugehen, dass ein räumliches Konzept auch immer mit einer Strategie der Entwicklung verbunden sein muss. Das Konzept stellt damit die notwendigen ‚Leitplanken	eines	Entwicklungskorridors’	dar,	das	offen	und	flexibel	ist,	um	so	auf	 sich verändernde Zukunftsbedingungen, neue Akteurskonstellationen und Trends reagieren zu können. Das Verhältnis von Setzungen für das Grundgerüst, die Basisstruktur und die Spielräume für die schrittweise Nutzungsanreicherung werden hierbei zu	 definieren	 sein.	 In	 diese	 Entwicklungsstrategie	 sind	 auch	 Zwischennutzungen und Raumpioniere als mögliche Akteure mit zu berücksichtigen. Als besonderes Ereignis und Impulsgeber in dieser Entwicklung ist die Internationale Gartenausstellung im Jahr 2017 zu sehen. Dieses Ereignis mit geplanten 3,5 Mio. Besuchern wird eine besondere Öffentlichkeitswirksamkeit erzeugen. Ein	 prozessualer,	 flexibler	 Planungsansatz	 ist	 auch	 notwendig,	 da	 die	 Struktur	der	Stadtquartiere	in	Bezug	auf	die	Freiräume	noch	nicht	definiert	 und die zeitliche Entwicklung nicht genau bestimmbar ist. Insofern müssen auch Zwischenzustände bedacht werden, in denen die Parklandschaft	 nicht	 von	 Stadtquartieren,	 sondern	 noch	 von	 Freiflächen	 umgeben ist. Das urbane städtebauliche Umfeld rückt erst später nach und wird eigene Anforderungen an den Freiraum mit sich bringen. Dafür muss Raum gelassen werden.

2.3.2

Gestuftes Verfahren

Das Verfahren unterteilt sich in zwei Verfahrensschritte und ist vergleichbar dem Verhältnis von städtebaulicher Strukturplanung (Wettbewerb) und landschaftsarchitektonischem Entwurf (Verhandlungsverfahren).

1. Wettbewerb
Strukturplan mit Grundgerüst und Basiselementen der Parklandschaft. Die Preisträger des Wettbewerbes sind die Teilnehmer des anschließenden Verhandlungsverfahrens.

2. Verhandlungsverfahren
Räumliche und landschaftsarchitektonische Konkretisierung des Grundgerüstes und der Basiselemente. In dem Wettbewerb soll ein prozessualer Strukturplan für die Parklandschaft entwickelt werden, der das Grundgerüst und die Basiselemente darstellt. Der Strukturplan muss hinreichend offen sein, um auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können und Spielräume für weitere Ideen und Ansprüche offen zu halten. Der Strukturplan für die Parklandschaft ist damit ein wesentlicher Baustein in der prozessualen Masterplanung, die für das gesamte Tempelhofer Feld fortlaufend bearbeitet wird. Mit dem Strukturplan für die Parklandschaft soll	das	Profil	der	 Parklandschaft bestimmt werden. Notwendige Leitlinien und Setzungen für das räumliche Grundgerüst und die Basisstruktur wie die Haupterschlie-

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ßungswege, Nutzungszonierungen, Vegetationsstruktur, Raumbildung und das strategische Entwicklungskonzept sollen aufgezeigt werden. Der Strukturplan muss dabei hinreichend konkret sein, um eine Handlungsorientierung für die folgenden Planungsschritte zu geben. Wesentlich ist dabei, dass das Parklandschaftskonzept in Bezug zu den geplanten Stadtquartieren und zur bestehenden Stadt gesetzt wird. Daher wird erwartet, dass für die Schnittstellen zwischen der Parklandschaft und den angrenzenden Nutzungen und Stadtstrukturen beispielhafte Lösungen erarbeitet werden. So werden besonders der Bezug zum Vorfeld und Zentralgebäude, die Übergänge zu den neuen Stadtquartieren, die Korrespondenzen mit den Sport-, Freizeit- und Grünräumen in der äußeren Parklandschaft und in den benachbarten Quartieren zu thematisieren sein. Räumlich weitergreifende Bezüge und Vernetzungen über das Tempelhofer Feld in die bestehende Stadt sind zu beachten und herzustellen. Weiterhin wird eine prinzipielle Auseinandersetzung mit dem Ring für erforderlich erachtet. Im Verhandlungsverfahren sollen die Vorschläge für das Grundgerüst und die Basisstruktur, insbesondere für den Bereich der inneren Parklandschaft weiter konkretisiert werden. Es wird davon ausgegangen, dass zum Beispiel weitergehenden Aussagen zum Hauptwegenetz, zur Vegetationsstruktur, zu besonderen Orten und Stationen oder zu Nutzungs- und Aktionsfeldern entwickelt und gestalterisch konkretisiert werden. Insgesamt soll dargestellt werden, wie die übergeordneten Leitthemen für die Entwicklung des Tempelhofer Feldes an Hand des Referenzbeispiels der neuen Parklandschaft inhaltlich gefüllt werden können. Damit soll gezeigt werden, wie die Parklandschaft des 21. Jahrhunderts konkretisierbar und umsetzbar wird. Die Botschaft des Entwurfs, die Adressenbildung und die Atmosphären	 sollen	 vermittelt	 werden.	 Es	 sollen	 Bereiche	 definiert	 werden, die unabhängig von der baulichen Entwicklung im Umfeld realisiert werden können und solche, die offen sind für spätere, heute noch nicht bekannte Ansprüche. Es können auf der Grundlage des Strukturplans für Teilbereiche des Gesamtwettbewerbsgebietes gesonderte Realisierungswettbewerbe durchgeführt werden, insbesondere für die IGA-Bereiche und Bereiche der äußeren Parklandschaft. Daher sind die Bereiche und Elemente	des	Grundgerüstes	und	der	Basisstruktur	zu	definieren,	die	zur	 Umsetzung des Entwurfskonzeptes wesentlich sind und solche, die durch weitere Wettbewerbe konkretisiert werden können. Mit dem Strukturplan für die Parklandschaft soll damit ein robustes Grundgerüst entwickelt werden, das mit dem vorgegebenen Mitteleinsatz eine hohe Wirkung erzielt. Die Anforderungen für die IGA 2017 sind als konkrete Vorgaben im Wettbewerb sowie in dem Verhandlungsverfahren zu berücksichtigen, die IGABereiche	sind	im	Entwurf	zu	definieren.

2.3.3

Bearbeitungsgebiet

Das Bearbeitungsgebiet leitet sich aus dem Umgriff des ehemaligen Flughafengeländes	 in	 der	 Gesamtheit	 ab.	 Die	 Verflechtungen	 in	 die	 angrenzenden Stadt- und Landschaftsräume sind dabei zu berücksichtigen. Die räumliche Grundstruktur für den prozessualen Masterplan für das Tempelhofer Feld leitet sich aus dem Entwurf von Kienast Vogt und Partner und Prof. Bernd Albers von 1999 ab (siehe 3.7.1), der 2008 von ASTOC und bgmr Landschaftsarchitekten überarbeitet wurde und den derzeit aktuellen Stand des Masterplanes darstellt. Zurzeit wird dieser Masterplan unter besonderer	Berücksichtigung	der	Verkehrsbelange	und	der	Gewerbeflächenplanung vom Büro urbane prozesse überarbeitet. Für den Bereich des Columbiaquartiers liegen vertiefende Wettbewerbsergebnisse vor, die jedoch vor allem von den angrenzenden Bezirken abgelehnt werden.

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Das Bearbeitungsgebiet gliedert sich in drei Teilbereiche: • die innere Parklandschaft (Kernbereich) • • der äußere städtebauliche Ring mit der äußeren Parklandschaft der Verflechtungsraum

Der	 Verflechtungsraum	 stellt	 im	 Wesentlichen	 die	 bestehende	 Stadt	 dar,	 für diesen Raum können Anregungen für eine stärkere Bezugnahme und Anpassungen gegeben werden. Insbesondere die Verbesserung der Anbindung an bestehende städtische und landschaftliche Räume soll besondere	Beachtung	finden	(vgl.	2.1:	Integration	in	die	Stadt).

weiße Pfeile: langfristig vorgesehene Anbindungen Abbildung 1: Stadträumliche Verflechtungen und Anbindungen,

Der	 äußere	 städtebauliche	 Ring	 wird	 durch	 die	 Masterplanung	 definiert	 und strukturiert. In diesem Ring liegt die äußere Parklandschaft in enger Verknüpfung mit den neuen Stadtquartieren. Auf die Grundstrukturen der Masterplanung soll aufgebaut werden, wobei die derzeitige Positionierung von Stadt und Freiraum, räumliche und gestalterische Bezüge, typologische	Übergänge	und	Verflechtungen	mit	den	angrenzenden	Stadtquartieren sowie Nutzungen in der äußeren Parklandschaft weiter entwickelt werden können. Mit der Fortschreibung des Masterplans und der Bearbeitung des Verkehrskonzeptes, können sich für das Gewerbegebiet im Süden noch größere Anpassungen ergeben. Nach derzeitigem Stand der Planung ist davon auszugehen, dass mit einer höheren Bebauungstiefe für die Baufelder in diesem Bereich zu rechnen ist, wodurch sich auch die Lage des Ringes weiter nach innen verschieben wird. Daher ist in diesem Bereich eine hohe Flexibilität in der Planung für den Ring und die angrenzenden Bereiche wesentlich (siehe auch Kapitel 2.5.4: Ring). Die innere Parklandschaft (innerhalb des umlaufenden Ringes, ca. 200 ha) stellt den Kernbereich dar, für den das Grundgerüst und die Basis-

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struktur mit den Bezügen in den äußeren städtebaulichen Ring und in den Verflechtungsraum	zu	entwickeln	sind.	 Der ‚Ring’ zeichnet auf weiten Abschnitten den ehemaligen Taxiweg nach und ist die Schnittstelle zwischen der inneren und äußeren Parklandschaft sowie den neuen Stadtquartieren. Der ‚Ring’ hat damit eine wichtige Gelenkfunktion und ist Teil des Grundgerüstes. Die Wettbewerbsteilnehmer sollen im Zuge des Wettbewerbs den Strukturplan für die Parklandschaft mit dem Grundgerüst und den Basisstrukturen	definieren	und	aufzeigen,	welche	ersten	Realisierungsbereiche	sinnvoll sind. Da in der inneren Parklandschaft die Rahmenbedingungen der Entwicklung weitgehend geklärt sind, bietet sich hier eine Schwerpunktsetzung an. Im anschließenden Verhandlungsverfahren sollen dann das entwickelte	 Grundgerüst	 und	 die	 Basisstruktur	 entwurflich	 konkretisiert	 werden. Hinsichtlich der Nutzungs- und Gestaltungsintensität wird in der inneren Parklandschaft im nördlichen und nordöstlichen Bereich um den ‚Alten Flughafen’ eine Schwerpunktsetzung gesehen, während die Bereiche weiter südlich eher einer extensiven Gestaltung und Nutzung unterliegen. Von Nordosten nach Süden wird demnach von einer graduellen Abnahme der Nutzungs- und Gestaltintensität ausgegangen. In Zuordnung zu den weiteren Stadtquartieren sollen ebenfalls, wenn auch kleinere, intensiver gestaltete Bereiche geplant werden. Diese vorgeschlagene Zonierung wird insgesamt	von	den	Teilnehmern	zu	überprüfen	und	weiter	zu	qualifizieren	 sein. Als längerfristige Option wird ein Standort für einen neuen S-Bahnhof im südlichen Bereich des Tempelhofer Feldes sowie eine Kfz-Überquerung der S-Bahn an der Oberlandstraße offen gehalten. Damit würde die verkehrliche Anbindung und Verknüpfung im Süden gestärkt (siehe 3.4.2).

2.4	

Die IBA-Leitthemen in der Parklandschaft Drei Konzeptbausteine

Als übergeordnete Ziele für die Parklandschaft wurden drei Konzeptbausteine erarbeitet, die sich aus den Leitthemen der IBA (vgl. 2.2.4) ableiten. Der Auslober erwartet eine kritische Überprüfung, konstruktive Weiterentwicklung sowie innovative Konkretisierung der Bausteine. Im Rahmen des Wettbewerbes sollen diese in ein räumliches und strategisches Gesamtkonzept zusammengeführt werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass es bei der Entwicklung der Parklandschaft um einen mehrdimensionalen Raum geht, in dem Nutzungsüberlagerungen und Synergieeffekte erwünscht sind.

2.4.1	 Konzeptbaustein 1: Parklandschaft als gemeinschaftlicher Ort zum Wohlfühlen
Wie kann auf dem Tempelhofer Feld eine neue Kategorie eines angenehmen Aufenthaltsortes entstehen, in dem die gesellschaftliche Pluralität sich abbildet, in dem Raum zum Handeln und der Interaktion von Individuen gegeben wird, in dem aber zugleich die verschwenderische Weite und Schönheit der Natur in der Stadt genossen werden kann, in dem Möglichkeiten für Freizeit und Erholung und für sinnliche Erfahrung in unterschiedlichen Formen gegeben sind? Es ist zu berücksichtigen, dass eine Parklandschaft heute in vielen Fällen eher das Bedürfnis nach Anregung und Abwechslung, auch Kontakt zu anderen Menschen, erfüllen soll als nach reiner Erholung. Der Wandel in den Arbeitsbedingungen, der höhere Anteil von Menschen, die nicht (mehr)

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arbeiten, erfordert andere Angebote als sie vor fünfzig Jahren nachgefragt wurden. Ein Freiraum in der Größe des Tempelhofer Feldes wird immer Raum für vielfältige Arten von Bewegung und Sport sein. Dabei sollen aktuelle	Trends,	wie	die	verstärkte	Individualisierung	und	Diversifizierung	des	 Sports	 in	 der	 Stadt,	 die	 demografischen	 Veränderungen	 oder	 die	 Suche	 nach neuen Effekten und Herausforderungen mit integriert werden. Allerdings ist urbaner Freiraum nicht nur Raum für Aktionen, sondern auch Raum des Rückzuges, der Besinnung, Kontemplation und des ästhetischen Genusses. Das Bedürfnis an Räumen für die ruhige Erholung in angenehmer, attraktiver Atmosphäre ist ausgeprägt und wächst. Die	 Topografie,	 die	 städtebauliche	 Kulisse,	 die	 Spuren der Geschichte und die Weite des Flugfeldes erzeugen bereits heute eine besondere Atmosphäre. Ein Park mit Atmosphäre, der Lust auf einen Besuch macht, soll hier entstehen. Auch bezüglich der Ästhetik der neuen Parklandschaft wird nach neuen Ausdrucksformen gesucht. Im Rahmen des Entwurfes können Möglichkeiten entwickelt werden, wie aktuelle Bewegungen in Kunst und Kultur aufgenommen und geschickt auf den Raum übertragen werden können. Die Stilrichtung der Neuen Romantik kann dazu Anregungen geben. Sie sucht nach neuen Atmosphären und Stimmungen und ruft dabei Sehnsüchte und Emotionen hervor. Dabei setzt sie sich auch auf eine neue Art und Weise mit Natur auseinander, die nicht nur einbezieht was man sieht, sondern auch was man weiß, d.h. sie ist medial vermittelt. Die Neue Romantik sucht eine Synthese aus Vergangenheit und Gegenwart, aus Emotionen und Diskursen. Ein Park in dieser Größenordnung könnte solche Strömungen aufnehmen und so einen Bogen vom aktiven Sport bis zur Inszenierung von Wunschwelten spannen. Die Atmosphäre der Weite, der Geschichte und der Kulisse soll als Besonderheit des Ortes weiterentwickelt werden, ohne dass der Raum im Alltagsgebrauch langweilig wird. Er muss auch auf der Ebene der Nutzer und Nutzerinnen aus den angrenzenden Stadtquartieren als ein Raum erlebbar sein, in dem man sich wohlfühlt. Das Erlebnis der Weite, der Sichtbarkeit des Himmels und des Horizonts dominiert derzeit das Feld und wird von vielen Betrachtern positiv hervorgehoben. Dies soll auch aus der Fußgängerperspektive in der Parklandschaft als Qualität erlebt werden. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung kam bereits der Wunsch nach überschaubaren Räumen zum Ausdruck, die in der Weite auch praktischen Schutz (Sonne, Wind) und Rückzug ermöglichen. Die Weite zu strukturieren ohne sie aufzuheben, stellt eine besondere Herausforderung für die Gestaltung der Parklandschaft dar. Dabei ist der Raum eingebunden in eine Stadtsilhouette, die Tag und Nacht unterschiedlich wirkt und viele Bezüge aufweist. Bei der Platzierung von räumlich wirksamen Großvegetationsstrukturen sind verschiedene Belange untereinander abzuwägen: Raumbildung, Ästhetik, Sichtbeziehungen, Aufenthaltsqualität (Schatten), Luftaustausch und Artenschutz. Es sollen besondere Angebote der Erholung, der Freizeit und des Sports entwickelt und in ein räumliches Grundgerüst gefügt werden. Es gilt dabei zu überprüfen, ob mit diesen Sport-, Freizeit- und Entspannungsangeboten	ein	besonderes	Profil	und	damit	ein	Alleinstellungsmerkmal	entstehen	 kann. Da Sport zunehmend die Stadt als Ganzes erobert und sich nicht allein auf die klassischen Sportplätze beschränkt, ist die Entwicklung von innovativen Ideen und Konzeptansätzen für eine Parklandschaft als Ort der Bewegung, Raum der Freizeit und Entspannung von der Ausloberin aus-

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drücklich gewünscht. Verknüpft mit einer Gestaltung des Raumes wird so aus der Fläche ein gemeinschaftlicher Ort zum Wohlfühlen für eine aktive Stadtgesellschaft. Aus diesem Konzeptbaustein heraus ergeben sich programmatische Anforderungen. Hierbei wird eine Abstufung in der Intensität der Nutzung und Gestaltung von Nord/ Nordost nach Süden gesehen. Park intensiv Der Bereich nördlich der nördlichen Landebahn in Zuordnung zu Kreuzberg und zu Neukölln, der den ’Alten Flughafen’ mit einschließt, wird unter Integration der natur- und artenschutzrechtlichen Belange als ein intensiv gestalteter Parkbereich gesehen – ein Ort mit besonderer Atmosphäre, der vor allem der Erholung der Anwohner der angrenzenden Wohngebiete und geplanten Stadtquartiere dient und auch das IGA-Gebiet einschließt. Von den Teilnehmern ist darüber hinaus zu überprüfen, ob weitere Intensivparkbereiche in Zuordnung zu den zukünftigen Stadtquartieren, insbesondere im Bereich Nord-Neukölln, anzulegen sind. Park extensiv Im Übergang von den intensiver nutzbaren Parkbereichen im Norden und Nordosten zur weniger genutzten Offenlandschaft im Süden können extensiv genutzte Parkbereiche gestaltet werden, die mit punktuellen Interventionen ästhetisch und durch Nutzungen angereichert werden. In diesem Bereich steht vor allem das Naturerleben im Vordergrund. Dieser Bereich kann durch ein großzügiges Wegenetz erschlossen werden und dient als Kulisse. Landschaft kann erlebt werden, muss aber nicht in der Gesamtheit angeeignet werden. Angebote für Aufenthalt, Naturbeobachtung und Erholung können auf bestimmte „Knoten“ konzentriert werden. Sport - Spiel - Bewegung Eine zentrale Bedeutung nimmt das Thema Sport, Spiel und Bewegung ein. Neben den klassischen Spielfeldern soll hier auch Raum für unterschiedliche neue Formen der sportlichen Betätigung und Bewegung entstehen, ein Nebeneinander von formellem und informellem Sport. Ein besonderes Augenmerk soll auf Sportmöglichkeiten gelegt werden, die sich auch außerhalb des Vereinssports entwickeln können und durch Einzelne oder Gruppen ausgeübt werden. Die Parklandschaft wird somit gleichzeitig eine vielfältig nutzbare Sportlandschaft, die jedoch keine dominierende Rolle in der Gestaltung übernimmt. Aufgrund der Größe und Weite des Tempelhofer Feldes kommt insbesondere den Ausdauersportarten wie Laufen, Skaten, Walken und Radfahren eine besondere Bedeutung zu. Das Tempelhofer Feld könnte zu einem Zentrum	 des	 Bewegungs-	 und	Ausdauersports	 profiliert	 werden.	 Ergänzende Angebote in bestehenden Gebäuden, wie Ausleihstationen, Umkleiden, Schließfächer, Schulungs- und Kursangebote können diese Formen des Sports in der Parklandschaft unterstützen. Aus den benachbarten Bezirken wird ein Bedarf an Großspielfeldern für Hockey und Fußball angemeldet. Da zum jetzigen Zeitpunkt eine Finanzierung dieser Großspielfelder nicht gesichert ist, sind Konzepte gefragt, die die Flächen für Großspielfelder als Optionen vorhalten, um sie gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt realisieren zu können. Daher soll eine Grundstruktur in der Parklandschaft geschaffen werden, die eine spätere Nachrüstung von bis zu sechs Großspielfeldern zulässt. Die zukünftigen Spielfelder sind vorzugsweise mit einer sportbezogenen Zwischennutzung zu belegen.

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Schwerpunkte bieten sich nördlich und südlich des zukünftigen Neuköllner Stadtquartiers im Nachbarbereich zum Jahnsportplatz und zum Werner Seelenbinder Sportpark an. Von Seiten des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg wäre die Errichtung von Anlagen für den Inline- und Rollsport (Inlineskating, Rollhockey u. dgl.) wünschenswert. Bei der Verortung der vorzuhaltenden Flächen sind insbesondere der Abstand zu geplanten und vorhandenen Wohngebäuden aus Gründen des Lärmschutzes und der Beeinträchtigung durch Flutlicht sowie die späteren Erschließungserfordernisse zu beachten. Synergien eines Sportkonzeptes mit informellen, vereinsungebundenen Angeboten können sich mit dem Konzept der Neuen Teilöffentlichkeiten ergeben. Private Investoren, Pionier- und Zwischennutzer treten als Anbieter und Betreiber von informellen Sportangeboten wie z.B. Beachvolleyball, Streetball, Kiten, Skaten in Kombination mit Gastronomie sowie Service-, Schul- und Ausleihstationen auf und können so integraler Bestandteil eines sportlichen Parks werden. Des Weiteren soll über die Verwendung der Landebahnen für raumgreifende sportliche Aktivitäten und Bewegung nachgedacht werden. Für das Rollen, Skaten, Gleiten oder Surfen sind die langen und breiten Flächen besonders geeignet. Zur Lage, Größe, Art und Verteilung der Angebote für Sport, Spiel und Bewegung sind von den Teilnehmern Vorschläge im Rahmen des Wettbewerbs zu entwickeln. Hierbei ist zu beachten, dass Sport zunehmend die unterschiedlichen städtischen Freiräume nutzt und sich die verschiedenen Aktivitäten nicht nur auf die klassischen Sportplätze beschränken lassen. Attraktion Einen besonderen Ort	stellt	die	Wiesenfläche	vor	dem	befestigten	Vorfeld	 und dem Zentralgebäude dar. Durch die ehemalige Abfertigungshalle des Hauptgebäudes und über das Vorfeld besteht ein besonders spektakulärer Zugang in die Parklandschaft. Das Vorfeld wird durch zahlreiche Veranstaltungen intensiv bespielt. Daher bietet sich angelagert an das Vorfeld eine besondere Attraktion in der Parklandschaft an. Im Rahmen des Wettbewerbs sollen die Teilnehmer überprüfen, welche Rolle und besondere Funktion dieser Bereich z.B. durch gestalterische Interventionen, Kunstprojekte oder den Einsatz von Wasser übernehmen kann (siehe auch Anhang 4.06c).

2.4.2 	 Konzeptbaustein 2: Parklandschaft als gelebter Stadtraum
Neue Teilöffentlichkeiten Neue Teilöffentlichkeiten sind Teil der öffentlichen Parklandschaft, in die sie sich integrieren. Sie bilden dabei Teilräume für besondere, privat organisierte Freiraumnutzungen für die Allgemeinheit aus, die das Angebot über das von der öffentlichen Hand Leistbare hinaus ergänzen. Dabei reicht das Spektrum von kommerziellen bis zu gemeinnützigen Anbietern und	Vereinen	sowie	individuellen	Non-Profit-Akteuren. Der Park ist einerseits ein Raum, der sowohl Angebote zu geselligem Zusammensein, spielerischer und sportlicher Bewegung wie auch zur Entspannung und Erholung macht. Solche Ansprüche sollen in der Grundstruktur des Parks mit Wegen, Aufenthaltsbereichen, Sportangeboten und Gestaltungsbereichen bedient werden. Anderseits werden zunehmend Trends festgestellt, die darauf abheben, sich nicht nur versorgen zu lassen, sondern Dinge selber machen. Bürgerschaftliches Engagement erzeugt eine Nachfrage nach Möglichkeiten, sel-

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ber zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Diese neuen Trends zum Do-it-yourself benötigen Möglichkeitsräume. Ein öffentlicher Park könnte hierzu eine Plattform darstellen, um die aktive In-Kulturnahme zu ermöglichen. Mit der aktiven In-Kulturnahme entstehen Neue Teilöffentlichkeiten in der Parklandschaft. Neue gruppenbezogene Aktivitäten, die soziale und kulturelle und auch ökonomische Praktiken ausüben, können sich verorten. Der Park wäre damit nicht nur von der öffentlichen Hand bereitgestellter Erholungsraum, sondern Raum für gelebte Stadtkultur (Beispiele siehe Anhang 4.06b). Neben den üblichen Nutzungsmöglichkeiten eines öffentlichen Parks wird damit die Angebotsvielfalt angereichert und somit die Attraktivität der Parklandschaft für eine diversifizierte Stadtgesellschaft mit ihren vielfältigen Lebensstilen gesteigert. Die Parklandschaft kann durch Kooperationen mit Bildungseinrichtungen wie Schulen, Kitas, Fortbildungsinstituten und Sozialträgern auch zu einer Bildungslandschaft entwickelt werden, indem entsprechende Angebote in die Parklandschaft integriert werden (siehe Anhang 4.06b). Weitere Nutzungen können vermehrt auf eine lokale Ökonomie im Park abzielen. Ziel ist dabei, die Angebotsvielfalt für unterschiedliche Interessengruppen	weiter	zu	qualifizieren.	 So kann mit gastronomischen Angeboten vom Parkrestaurant, Biergarten 
 bis zum Bistro oder durch Sport- und Freizeitanbieter (z.B. Beachsport, 
 Golf, Speedminton, BMX, Softball etc.) die Attraktivität der Parklandschaft 
 deutlich ausdifferenziert und erhöht werden. 
 Damit werden die Orte der Neuen Teilöffentlichkeiten von einem breiten 
 Spektrum	vom	bürgerschaftlichen	Engagement	im	Non-Profit-Bereich	bis	 zur Wertschöpfung privater Unternehmer im Park getragen. Im Rahmen des Ideenaufrufes der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurden bereits erste Projektideen entwickelt Als	mögliche	Profile	von	Neuen	Teilöffentlichkeiten	innerhalb	der	Parklandschaft wurden folgende Cluster wie Gastronomie, Urban Gardening, Energie – Urban Farming, Gesundheit – soziale und therapeutische Arbeit, Sport,	Kultur	und	Kunst	und	Bildung	identifiziert.	 Räumlich und gestalterisch übersetzt bedeutet es, dass Stationen oder Claims von Einzelpersonen, Vereinen, Initiativen oder Investoren in die Parklandschaft	integriert	werden	und	von	ihnen	in	einem	zu	definierenden	 Rahmen gestaltet und genutzt werden. Die vorhandenen Baulichkeiten, von der Tankstelle bis zur Wetterstation, können hierzu ein Ausgangspunkt sein. Ein räumlicher Schwerpunkt für soziale Projekte und Projekte der Bildung sowie Interkulturelle Gärten wird vom Auslober in Zuordnung zu den Stadtquartieren in Neukölln gesehen. Im Bereich Kreuzberg könnte es aufgrund der Vorprägung eher einen Bezug zum Sport geben. Weitere dezentrale Schwerpunktsetzungen können im Rahmen des Konzeptes vorgeschlagen werden. Für die Integration von diesen Neuen Teilöffentlichkeiten sind „Spielregeln“ zu erarbeiten, damit sie nicht den öffentlichen Raum dominieren, sondern diesen kulturell und sozial anreichern. Bei der Platzierung ist die Entfernung zu den Wohnquartieren zu bedenken, insbesondere für Einrichtungen, die alltäglich genutzt werden. Von den Wettbewerbsteilnehmern wird daher ein räumliches und strategisches Konzept zur Integration der Teilöffentlichkeiten erwartet. Hierbei werden folgende Punkte von besonderer Relevanz sein: •	 Öffentlichkeit und Zugänglichkeit •	 Lage, Erschließung, Clusterung

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•	 Anbindung an vorhandene und geplante Erschließungsstrukturen •	 Erkennbarkeit und Sichtbarmachung als Gestaltungselement der Parklandschaft •	 Vermeidung von Barrierewirkungen und Sicherstellung der Durchwegung der Parklandschaft •	 Integrationsfähigkeit in die Parklandschaft und Beitrag zur Attraktivitätserhöhung für die Parknutzer Der Park als Bühne der Stadtgesellschaft 
 Bereits jetzt wird das Tempelhofer Feld für Veranstaltungen und Events
 genutzt (z.B. Berlin-Festival, Pyromusicale, Bread&Butter). Diese Nutzung 
 soll auch in der Parklandschaft weiter möglich sein und so eine zusätzliche 
 Attraktivität erzeugen. Als Ort bieten sich hier das Vorfeld als befestigte 
 Fläche mit Nähe zu Infrastrukturen und auch die Start- und Landebahnen 
 an. 
 Von den Teilnehmern ist zu überprüfen, wie sich eine solche oder mehrere 
 Flächen dauerhaft in ein Nutzungskonzept integrieren lassen. Neben o.g. 
 Großveranstaltungen sind weitere künstlerische Aktionen, Ausstellungen 
 und Sportevents denkbar. 


2.4.3

Konzeptbaustein 3: Klimagerechte und ressourceneffiziente Parklandschaft

Mit der Parklandschaft soll ein innovativer Beitrag für eine klimagerechte und	ressourceneffiziente	Stadt	geleistet	werden.	Mögliche	und	gewünschte Bausteine sind: Großräumige Offenlandschaft und Parklandschaft als Artenreservoir Die Weite der offenen Landschaft vor einer grandiosen Stadtkulisse macht das Tempelhofer Feld unverwechselbar („der Himmel über Berlin“) und bildet auch den Rahmen für ein bedeutendes Artenreservoir mitten in Berlin (vgl. Bestandsaufnahmen 3.6.6 und Anhang 4.08g-j). Durch extensive Beweidung und Mahd sind ausgedehnte Wiesen und Trockenrasen entstanden, die in großen Teilen gesetzlich geschützte Biotope sind und Lebensraum für charakteristische Offenlandvögel bieten. In diesen Flächen sind Eingriffe möglichst zu vermeiden. Die Aufgabe und Herausforderung für die Wettbewerbsteilnehmer bestehen darin, mit der vorhandenen Naturausstattung zu arbeiten und sie als Standortqualität zu zeigen. Ein großzügiger Naturraum mitten in der Stadt stellt eine Chance dar, die zu einem Alleinstellungsmerkmal werden kann. Die bestehende Offenlandschaft soll mit innovativen gestalterischen Konzepten zurückhaltend erschlossen werden. Punktuelle Nutzungs- und Gestaltungsinterventionen, z.B. Beobachtungsstationen, sind sparsam einzusetzen. Die gesamte Fläche soll für Menschen durch ein großmaschiges Wegesystem erlebbar sein, aber zugleich sollen auch Bodenbrüter wie die Feldlerche hier überleben können. Hierzu können mehrere Bereiche von jeweils mindestens 20-30 ha bestimmt werden, die so einzurichten sind, dass die Vögel dort erfolgreich brüten können. Zur (Mehrfach-)Nutzung und	Pflege	dieser	Bereiche	sowie	der	gesamten	Offenlandschaft	sind	kreative,	ökologisch	fundierte	Konzepte	gefragt.	Zur	Pflege	sollen	möglichst	 kostengünstige, intelligente Systeme eingesetzt werden, wobei Beweidung und Mahd infrage kommen und auch räumlich kombinierbar sind. Denkbar ist, Beweidungskonzepte mit sozialen Interaktionsangeboten zu verbinden und das Mahdgut als Biomasse energetisch zu verwenden.

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Integriertes Wassermanagement Eine Vor-Ort-Versickerung von Regenwasser kommt der Grundwasseranreicherung	zugute	und	entlastet	die	Vorfluter	in	der	Stadt.	Wird	Regenwasser	auf	größere	Versickerungsflächen	geleitet,	hat	das	darüber	hinaus	 auch positive Effekte für das Stadtklima. Wird Regenwasser vor Ort versickert und nicht durch die Kanalisation abgeleitet, entfällt zudem die Regenwasserabgabe, wodurch neben den ökologischen Effekten auch ein ökonomischer Mehrwert	erzielt	werden	kann.	Mit	einem	ressourceneffizienten Wassermanagement können damit mehrfache Effekte erzielt werden, wenn dieses gleichzeitig als Gestaltungsaufgabe verstanden wird. Regenentwässerung der Stadtquartiere Das	Prinzip	der	ressourceneffizienten	Stadt	ist	eine	dezentrale	Verwertung	 und Versickerung des Regenwassers in den Stadtquartieren. Im Sinne einer ‚leitungsarmen Stadt’ werden daher dezentrale Regenwasserbewirtschaftungskonzepte präferiert. Wird aber Regenwasser als Gestaltungselement benötigt, so kann das Regenwasser aus den Stadtquartieren auch für die Gestaltung eingesetzt werden. Hierbei ist zu beachten: •	 Das Regenwasser fällt periodisch an •	 Die Wasserqualität entspricht nicht der Badequalität •	 Aufgrund der frostfreien Zuleitungen und Strecken sind Zuläufe in einer Höhe von 1 bis 2 m unter Gelände zu berücksichtigen. Die Prämisse von möglichst kurzen Leitungswegen ist dabei zu beachten. Verlagerung Regenrückhaltebecken
 Mit der städtebaulichen Anbindung des Columbiaquartiers an den Süd-
 stern oder der Stärkung des Sportstandortes dort wird eine Verlagerung 
 des Regenrückhaltebeckens in der Lilienthalstraße erforderlich. Für dieses 
 Regenrückhaltebecken, das zum überwiegenden Teil aus dem Regenwas-
 ser des Zentralgebäudes und des Vorfeldes gespeist wird, ist ein Ersatz-
 standort zu bestimmen, der auf kurzem Weg einen Anschluss an das be-
 stehende Leitungsnetz ermöglicht. 
 Bei der Anlage des Regenrückhaltebeckens müssen wasserwirtschaftlich 
 folgende Parameter (vgl. 3.6.8 und Anhang 4.08e) berücksichtigt werden: •	 Stauvolumen/ Mindestgröße •	 Zuflusshöhe Da die Verlagerung des Regenrückhaltebeckens in zeitlicher Abhängigkeit zur Entwicklung des Columbiaquartiers steht und eine Terminierung derzeit nicht möglich ist, wird eine Verlagerung erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, so dass Zwischenzustände zu berücksichtigen sind. Diese zeitliche Stufung ist bei den Lösungsvorschlägen zu berücksichtigen. Die Verlagerung und die Transformation in ein Versickerungsbecken soll auch als Referenzprojekt für die gestalterische Integration einer wasserwirtschaftlichen Anlage in die Parklandschaft (Doppelnutzung) und zur Minderung des ökologischen Fußabdrucks dienen. Bei der Gestaltung des Beckens ist zu berücksichtigen, dass das Wasser periodisch anfällt und aufgrund der eingeschränkten Wasserqualität eine Vorreinigung erforderlich wird, wenn es nicht direkt versickert und verstetigt abgeleitet wird. Durch eine Vorklärung und Versickerung vor Ort können	Belastungen	der	Vorfluter	(Landwehrkanal)	gemindert	und	klimatische	 Entlastungsfunktionen (z.B. Verdunstungskälte über Schilfbänder) gestärkt werden. Eine Nutzung des Regenwassers zur Anlage bzw. Speisung eines Badegewässers wird im entsprechenden Gutachten nicht empfohlen.

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Wettbewerbsaufgabe

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„Park als Erzeuger“ (produktive Parklandschaft) Energie Innerhalb der Parklandschaft wird Biomasse erzeugt, unterhalb der Oberfläche	 steht	 Geothermie zur Verfügung, die Dächer stellen ein solares Flächenpotenzial dar. Ein wichtiger Baustein zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks wird ein nachhaltiges Energiekonzept sein. Dass prinzipiell eine Energiestrategie verfolgt werden kann, die eine primärenergetische Neutralität des Tempelhofer Feldes erreicht, wurde im entsprechenden Energiegutachten untersucht und als sinnvoll und umsetzbar eingeschätzt (siehe Anhang 4.08c). Es gilt, für das gesamte Tempelhofer Feld einen ganzheitlichen Lösungsansatz zu verfolgen, zu dem auch die Parklandschaft einen Beitrag leisten kann. Es ist zu prüfen, inwieweit sich das Thema Energie sowohl gestalterisch wie auch in Bezug auf die Parknutzung verträglich integrieren lässt. Das Gutachten schlägt ein integriertes Konzept aus den Bausteinen Biomasseanbau und Biogasherstellung für die Verwendung in einem Blockheizkraftwerk vor, kombiniert mit Photovoltaik und Solarthermie sowie Aquiferenwärme und -kälte- Speicher. Ob und inwieweit sich der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen in den im Gutachten genannten Flächengrößen gestalterisch und nutzungsstrukturell verträglich in die Parklandschaft integrieren lässt, ist im Rahmen des Entwurfes durch die Teilnehmer zu überprüfen. Denkbar ist auch die temporäre Einbeziehung der Flächen auf den potenziellen Baufeldern. Später könnte der Biomasseertrag durch Bioabfälle der neuen Quartiere substituiert bzw. ergänzt werden. Sofern mit nachwachsenden Rohstoffen gearbeitet wird, soll das Thema als Gestaltungsaufgabe und als Gestaltungselement verstanden werden, die das Nützliche mit dem Schönen verbindet. Wenn damit gleichzeitig	der	ökologische	Fußabdruck	reduziert	wird	und	die	gärtnerischen	Pflegekosten gemindert werden, ergeben sich Synergien für die langfristige Entwicklung	 der	 Parklandschaft.	 Monokulturflächen	 für	 nachwachsende	 Rohstoffe sind unerwünscht. Erwünscht ist vielmehr ein beispielhafter gestalterischer Umgang mit dem Thema, der für eine weitere Auseinandersetzung mit der Aufgabe wirbt, durch gute, abwechslungsreiche Lösungen das Image verbessert und durch Lehrpfade o.ä. den Wissensstand hebt. Insgesamt	soll	demonstriert	werden,	wie	das	Thema	Energiepflanzen	als	 neue Qualität in einer Parklandschaft entwickelt werden kann. Eine Windenergienutzung mit Windrädern mit Nabenhöhen von 80 bis 120 m ist aus Gründen der Radarüberwachung nicht möglich und von der Ausloberin aus Gründen der Gestaltung und Erholungsnutzung nicht gewünscht. Urban Gardening und Farming Zukunftsforscher prognostizieren, dass ein Trend des Urban-Ländlichen zukünftig an Bedeutung gewinnen wird. Es geht dabei nicht darum, die Landflucht	 in	 die	 Stadt	 hineinzuziehen,	 sondern	 es	 geht	 um	 die	 Suche	 nach Qualitäten, die dem Ländlichen zugesprochen werden, z.B. gesunde Lebensmittel, Entspannung, Ruhe, Weite, Erdung, Gesundheit, Besinnung. Qualitäten des Ländlichen im urbanen Kontext verdichtet erlebbar und erfahrbar zu machen, stellt eine besondere Herausforderung dar. Urban Gardening, Community Gardens, Interkulturelle Gärten, gesunde Nahrungsmittel, ’essbare Landschaften’ liegen in diesem Trend. Gleichzeitig haben viele dieser Gartenformen integrative und soziale Effekte. Konzepte der urbanen Landwirtschaft mit Freizeit- und Serviceangeboten vom Reiten	 bis	 zum	 Blumen-Gemüse-Obst-Selber-Pflücken	 werden	 vermehrt	

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Wettbewerbsaufgabe

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entwickelt und als Qualitätsmerkmal in der Stadt nachgefragt. Im Rahmen des Wettbewerbs sollen die Teilnehmer überprüfen, inwieweit solche Elemente zu einer Anreicherung in einem innerstädtischen Kontext funktional und gestalterisch denkbar und sinnvoll sind. Hierbei ist zu überprüfen, inwieweit hiermit auch ein Beitrag zu einer sich in Bereichen selbsttragenden Parklandschaft entwickelt werden kann. Wenn	Tiere	zur	Pflege,	Bewirtschaftung	und	Belebung	der	Landschaft	eingesetzt	werden	sollen	(z.B.	Landschaftspflege,	urbane	Landwirtschaft),	so	 sind die erforderlichen Betriebsformen und wirtschaftlichen Effekte mit zu erläutern. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Park als Erzeuger“ ist keine zwingende Vorgabe für die Teilnehmer, es soll jedoch geprüft werden, ob damit Innovationsziele erreicht und aufgezeigt werden, wie diese entwurflich umgesetzt werden können. Klima Das Tempelhofer Feld ist derzeit eine klimatologisch bedeutsame, kaltluftproduzierende Fläche, dessen Funktion erhalten und soweit möglich verbessert werden soll. Dabei ist davon auszugehen, dass im Rahmen der angestrebten Mehrdimensionalität der Parklandschaft nicht allein die Klimafunktion im Vordergrund steht, aber immer als integraler Bestandteil des Entwurfskonzeptes mitgedacht werden soll. Hierbei sind die beiden Funktionen - Vergleichmäßigung der klimatischen Extreme im Tagesgang (z.B. durch hohen Anteil an Gehölzen) und die nächtlichen Kühlungseffekte für das städtische Umfeld (durch die Kaltluftproduktionauf	der	Grünfläche)	-	zu	beachten.	 In der stadtklimatischen Untersuchung zum Tempelhofer Feld (siehe 3.6.5 und Anhang 4.08a) wurde herausgearbeitet, dass die Kaltluftbahnen für die Entlastung der angrenzenden Stadträume von besonderer Bedeutung sind. Aus klimatischer Sicht sind Breiten von 100 bis 200 Meter erforderlich. Diese sollten möglicht rauigkeitsarm sein, also geringe Versiegelung, keine abriegelnden Gebäude und keine geschlossenen Vegetationsstrukturen aufweisen. Dichtere Vegetationsbestände sollten bevorzugt an den Rändern der Luftleitbahnen angeordnet werden und nicht als Hindernis zwischen der offenen inneren Parklandschaft und der Luftleitbahn liegen. Als	Hochstamm	ausgebildete	Bäume	sind	gegenüber	Strauchpflanzungen	 oder Hecken zu bevorzugen. Waldartige Baumstrukturen sollen 150 m weit entfernt von den Übergängen zwischen Feld und Kaltluftleitbahnen sein. Der Beitrag der Offenlandschaft zur Sicherung der klimatischen Wirkung ist besonders hoch. Ein Gehölzanteil von etwa 30 % der Fläche ist dabei in der Offenlandschaft verträglich. Eine Anordnung der Gehölze im inneren Bereich und die weitgehende Freihaltung der Ränder zur Bebauung an der inneren Parklandschaft von Gehölzen, in einer Tiefe von 50 bis 75 m, wird als besonders günstig angesehen, damit die randliche Durchströmung der Stadtquartiere uneingeschränkt erfolgen kann. Inwieweit diese Anforderungen mit Gestaltungs- und Nutzungsanforderungen für die Parklandschaft vereinbar sind, ist im Rahmen des Entwurfes zu überprüfen. Im Sinne des Wohlfühlens im Freiraum sind mikroklimatisch unterschiedliche Räume auf dem Tempelhofer Feld von besonderer Bedeutung, so sollten gleichzeitig schattige und schattenfreie sowie windexponierte und – geschützte Räume mit Aufenthaltsqualität angeboten werden. Weitere Ideen und konzeptionelle Ansätze, um die Parklandschaft als Beitrag für eine	klimagerechte	und	ressourceneffiziente	Stadtentwicklung	zu	stärken,	 werden begrüßt, soweit sie sich gestalterisch und hinsichtlich der Erholungsansprüche in diesen Raum integrieren lassen.

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Wettbewerbsaufgabe	

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2.5
2.5.1

Weitere Anforderungen
Durchführung IGA 2017

Neben der bedeutsamen Anschubwirkung, die der IGA 2017 für die Entwicklung der Tempelhofer Parklandschaft zukommt, gilt es, das Produkt IGA selbst höchst erfolgreich in Hinsicht auf seine Wirkung im Stadtmarketing sowie seine eigene Wirtschaftlichkeit zu gestalten. Als Erfolgskriterien hierfür gelten vor allem die positive mediale Resonanz nach innen und außen, eine hohe Besucherzufriedenheit und resultierend aus beiden genannten Kriterien, die Erreichung einer Zielzahl an Besuchern; für Berlin sind dies prognostiziert 3,5 Mio. Besucher; d.h. für die Dauer der Veranstaltung durchschnittlich täglich ca. 20.000 Besucher. Es ist daher eine räumliche und szenarisch - gestalterische Leitidee für die IGA 2017 innerhalb der Tempelhofer Parklandschaft zu entwickeln, die auf die folgenden Kriterien aufbaut: •	 Hochattraktives Ausstellungsgelände •	 Inszenierung eines besonderen Themas •	 Breites gärtnerisches Programm •	 Gute Erreichbarkeit und Erschließung Gärtnerisch	–	pflanzliche	Themen	sollen	im	ca.	107	ha	(80	ha	dauerhaft,	 27 ha temporär) großen IGA-Schaugelände auf ca. 20.000 m² dauerhaft hergestellt werden; für das Jahr 2017 sind darüber hinaus ca. 80.000 m² als	temporäre	Pflanzungen/	Ausstellungen	vorgesehen.	 Die IGA soll sich in den landschaftsarchitektonischen Strukturplan der Parklandschaft einfügen. Neben anderen Projekten wird die IGA ein wichtiger Baustein in der weiteren Entwicklung der Parklandschaft sein und kann als Teilbeschleuniger der Gesamtentwicklung dienen. Da der Entwurf der IGA Gegenstand eines folgenden konkretisierenden Wettbewerbs ist, wird von den Teilnehmern nicht der Entwurf für das Gartenschaugelände erwartet. Die IGA muss jedoch im jeweiligen Strukturplan „mitgedacht“ werden. Es können hierzu erste räumlich–thematische Schwerpunkte formuliert werden. Hierbei sind die Nähe zum Zentralgebäude mit den Hangars als Ausstellungshallen, die imposante städtebauliche Kulisse sowie die gute Erreichbarkeit für die bisher entwickelte Standortwahl im nördlichen Bereich unter Einbeziehung von temporären Flächen im Columbiaquartier wichtige Aspekte (vgl. auch 3.7.4).

2.5.2

Bürgerbefragung

Zur Vorbereitung des Wettbewerbs hat die Senatsverwaltung eine Bürgerbefragung in Auftrag gegeben, darüber hinaus konnten sich Bürger an zwei Wochenenden im Herbst 2009 vor Ort an der Diskussion zur Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld beteiligen. Folgende	Punkte	konnten	als	Hauptthesen	herausgefiltert	werden. •	 Aufgrund der dicht bebauten Wohnquartiere im unmittelbar angrenzenden Nahbereich ist das Tempelhofer Feld für die Naherholung eminent wichtig. Besondere Bedeutung kommt daher einer guten Erreichbarkeit zu. •	 Das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung steht im Vordergrund der Erwartungen an die Parklandschaft. •	 Gleichzeitig werden vielfach Flächen für den Freizeitsport und Spielflächen	für	alle	Altersgruppen	gefordert.	Auch	Gastronomie	im	 Park	wird	sehr	häufig	genannt.	 •	 Daneben stehen die unterschiedlichsten Ansprüche der Bewohner nach Aktivitäten. Sie sollten sich in einer facettenreichen

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Wettbewerbsaufgabe	

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Angebotsvielfalt in der Parklandschaft widerspiegeln. Dies reicht 
 von vielfältigen sportlichen Betätigungen über kulturelle Angebote, 
 Sportanlagen ohne Vereinsbindung, Kommunikationsbereiche zum 
 Picknicken und Grillen bis zu Flächen zum gemeinsamen Gärtnern. 
 •	 In der schriftlichen Befragung wurde das Parkbild mit den meisten Baumgruppen am positivsten bewertet, einher geht dies mit dem Wunsch nach kleinteiligen, aber überschaubaren Räumen. Gleichzeitig werden dennoch von einer großen Zahl der Befragten große	Rasen-	und	Wiesenflächen	gewünscht.	Bei	der	Befragung	 vor Ort, unter dem Eindruck des unmittelbaren Erlebens des 
 offenen Feldes, werden große Flächen mit der Möglichkeit, 
 das Stadtpanorama zu erleben, wesentlich positiver bewertet. 
 Auch Parkbilder mit weniger Bäumen schneiden bei dieser 
 Befragungsgruppe besser ab. 
 •	 Immer wieder gefordert wird auch, dass die Spuren der Flughafennutzung sichtbar bleiben. •	 Es besteht auch eine hohe Nachfrage nach naturnahen Flächen und Möglichkeiten zur Naturbeobachtung, bei der Vorortbefragung fällt dies noch höher aus. Auch die Bereitschaft, Schutzmaßnahmen zu unterstützen, ist hoch. (siehe auch 3.8 und Anhang 4.07a-c). Die Ergebnisse der Bürgerbefragung sind im Rahmen der Konzeptentwicklung zu berücksichtigen, gleichzeitig in Bezug auf das Gesamtkonzept zu überprüfen und soweit verträglich in das Entwicklungskonzept zu integrieren.

2.5.3

Erhalt historischer Spuren

Das Tempelhofer Feld hat eine lange Geschichte, die mit ihren Spuren dem Raum eine besondere Prägung gab und gibt. Der ehemalige Flughafen Tempelhof erlangte seine Bedeutung in drei gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklungszeiträumen. Elemente aus den zwanziger Jahren des 20.Jahrhunderts stellen den Ausgangspunkt der Flugplatzgeschichte von Tempelhof dar. Die zweite Zeitschicht bildet das monumentale Flughafengebäude mit dem erweiterten Flugfeld. In einer dritten Zeitschicht, nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden die Gebäude teilweise weitergebaut und zahlreiche flughafenbezogene Infrastrukturen errichtet. Der befestigte Vorplatz des Gebäudes gehört ebenso zu den wesentlichen Elementen wie die weiterführenden befestigten Start- und Landebahnen und Rollwege sowie der östliche Warmlaufplatz im südlichen Bereich (siehe 3.3). Die	Geschichte	des	Ortes	soll	als	Identifikationsmerkmal	weiter	ablesbar	 sein und in das Konzept mit integriert werden. Dazu sollen insbesondere die Spuren und Zeugnisse dieser drei Zeitschichten sichtbar und erlebbar gemacht werden. Vor der Flughafennutzung verlief über das Tempelhofer Feld eine Dörferverbindung zwischen Tempelhof und Rixdorf, der ’Grüne Weg’ (siehe Abbildungen 14 und 22). Es soll von den Teilnehmern geprüft werden, ob sich diese ‚verschüttete’ Verbindung wieder reaktivieren lässt und als übergeordnete Erschließung und Anbindung des Tempelhofer Feldes und damit der Parklandschaft genutzt werden kann. Zwischen	 nördlicher	 Landebahn	 und	 Ring	 befindet	 sich	 der	 sogenannte	 „Alte Flughafen“. Hier befand sich der erste Flughafen Tempelhof, der als	erster	Verkehrsflughafen	der	Welt	1923	eröffnet	wurde.	Von	den	Teilnehmern soll gezeigt werden, wie mit diesen historischen Spuren umgegangen werden kann.

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Wettbewerbsaufgabe	

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Die vorhandene Topographie des Tempelhofer Feldes ist Ergebnis der Einebnung des Geländes für den Flughafenbau. Aufgrund der Größe und dem	 Nichtvorhandensein	 von	 topografischen	 Erhebungen	 lässt	 sich	 auf	 dem Tempelhofer Feld die Weite in einmaliger Weise erleben. Diese räumliche Qualität ist prägend und soll Ausgangspunkt der Entwurfsbearbeitung sein. Eine besondere Bedeutung kommt dabei auch der Beziehung zwischen Flugfeld und Gebäude zu. Die freie Sicht auf das Gebäude soll auch weiterhin vom Feld aus möglich sein. Bei der Entwicklung der Parklandschaft sollen die Start- und Landebahnen als Relikte der Flughafennutzung erhalten werden. Von den Teilnehmern sind diese als übergeordnete Struktur mit einzubeziehen. Zudem soll gezeigt werden, welche Nutzungen hier künftig möglich sind (z.B. Rollsport). Der Taxiway als eine ablesbare Struktur der Flughafennutzung wird bereits durch den ‚Ring’ in weiten Abschnitten nachgezeichnet. Gebäude innerhalb der Parklandschaft Die vorhandenen Gebäude sind Teil der bestehenden Grundstruktur des Tempelhofer Feldes. Es ist zu überprüfen, ob diese nicht nur als ‚Spuren der Geschichte’ zu erhalten sind, sondern zum Anker für neue Nutzungsideen werden können. Es handelt sich dabei um unterschiedlichste Gebäude auf dem Gesamtgelände, die ursprünglichen Nutzungen reichen von Wachhäusern, Gebäuden der Flugsicherung, Trafostationen, Schuppen bis zur Quarantänestation etc. (siehe Anhang 4.06f - Gebäudeatlas). In einigen wenigen Gebäuden wird die Nutzung erhalten bleiben. Der überwiegende Bestand steht mit Aufgabe der Flughafennutzung jedoch leer. Hier können sich interessante Anknüpfungspunkte für das Konzept der Neuen Teilöffentlichkeiten mit Raumpionieren und Zwischennutzungen ergeben. Der bestehende Gebäudebestand kann so Ausgangspunkt für die Ansiedelung neuer temporärer und/ oder dauerhafter Nutzungen sein.

2.5.4 	 Übergeordnete Sichtbeziehungen
Auf dem Tempelhofer Feld lässt sich die Weite in einmaliger Weise inmitten der Stadt erleben. Auf dem Feld ist der freie Blick auf die Stadtsilhouette wie an keinem anderen Ort in Berlin möglich. Auch in der Parklandschaft soll dieses Erleben weiterhin möglich sein. Auf die Blickbeziehungen zum Zentralgebäude, auf die Stadtsilhouette von Tempelhof, Neukölln und Kreuzberg soll daher an geeigneten Stellen Bezug genommen werden. Aus	 Sicht	 der	 Denkmalpflege	 ist	 insbesondere	 der	 Blick	 vom	 östlichen	 Warmlaufplatz zum Hauptgebäude und weiter zum Kreuzbergdenkmal hervorzuheben. An ausgewählten Stellen soll die Dimension des Geländes in seiner gesamten Ausdehnung sichtbar bleiben.

2.5.5	 Integriertes Gesamtkonzept für die räumlichen und sektoralen Flächenansprüche
Im Rahmen der Erarbeitung der Auslobung wurden zahlreiche Anforderungen und Flächenansprüche an die Parklandschaft gerichtet. Würde man diese einzeln aufaddieren, würde eine Fläche benötigt, die weit über die Größe der Parklandschaft hinausgeht, Ziel muss daher sein, die unterschiedlichen Flächenansprüche in Form eines integrierten Gestaltungsansatzes in der Parklandschaft zu überlagern und Flächen doppelt und mehrfach	zu	nutzen.	Die	folgende	Grafik	verdeutlicht	schematisch	die	Notwendigkeit dieses integrierten, mehrfach codierten Entwurfsansatzes.

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Wettbewerbsaufgabe

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Abbildung 2: Schematische Darstellung der Nutzungsüberlagerung und Mehrfachcodierung eines integrierten Konzeptansatzes für die Parklandschaft, Quelle; bgmr

Übergeordnete Wegebeziehungen Zur Entwicklung der Parklandschaft sind einerseits für die übergeordneten Anbindungen als auch für die durch den Park laufenden Wegeverbindungen Vorschläge zu entwickeln. Jahrzehntelang war das Tempelhofer Feld ein umzäuntes Stück Berlin, das umfahren bzw. umgangen werden musste. Mit der Öffnung kann das Feld jedoch auch wieder ein verbindendes Element in der Stadtstruktur werden, das die angrenzenden Stadtteile miteinander vernetzt. Von den Teilnehmern sind daher auch die übergeordneten Wegeverbindungen zu betrachten und zu prüfen, wie sich die Parklandschaft mit der bestehenden Stadt, den angrenzenden Grünflächen	und	Freiräumen	vernetzt.	In	diesem	Zusammenhang	wird	von	den	 Teilnehmern eine Auseinandersetzung mit den Zugängen (siehe 3.2), insbesondere hinsichtlich der Lage und Gestaltung erwartet. Gestaltung Ring Der Ring soll als besondere städtebauliche Großform, als durchgängiges Element entwickelt werden. Durch ihn grenzt sich die innere, etwa 200 ha große, Parklandschaft von der äußeren Parklandschaft mit den Stadtquartieren ab. Gleichzeitig wird der Ring Erschließungsfunktionen der Parklandschaft sowie partiell der noch zu entwickelnden Stadtquartiere übernehmen. Die Gestaltung des Rings wird daher in einer Wechselbeziehung zwischen innerer Parklandschaft und dem äußeren städtebaulichen Ring als eigenständiges und prägnantes Element entwickelt werden. Daher sollen hier Lösungen vorgeschlagen werden, die dieser Gelenkfunktion gerecht werden (siehe Anhang 4.04a). Nach den Ergebnissen der Verkehrsuntersuchungen wird der Ring keine Haupterschließungsfunktion für den KFZ-Verkehr übernehmen. Anliegerstraßen sind in den Stadtquartieren möglich, aber nicht zwingend. Im Rahmen der Konkretisierung der Planungen für die Stadtquartiere werden hierzu allerdings erst genauere Kenntnisse vorliegen. Damit die Kontinuität und Erlebbarkeit des Ringes nicht nur von der zentralen Parklandschaft geprägt wird, sondern sich auch in sich selbst Kraft seiner Lage und Länge trägt, muss er bei aller Vielfalt eine ständig erfahrbare, eigene Identität aufbauen. So besteht die besondere Herausforderung für die Ausformulierung des Ringes in der Überwindung des Spagats aus stadtstruktureller Funktion und eigenständigen Identität.

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Der Ring ist in seiner planerischen Ausformulierung nicht frei von funktionalen Anforderungen. Aufgrund der räumlichen Dimension des Tempelhofer Feldes wird der Ring auch stadtstrukturelle Verbindungsfunktionen übernehmen, da sich an diesen Parkbereichen auch die geplanten Stadtquartiere anlagern. Durch die Nutzung des Rings als Erschließungselement für die Stadtquartiere kann er auch zur Adressbildung am Park beitragen. Er kann auch als Teil der verkehrlichen Erschließungsstruktur fungieren oder	auch	als	Teil	verschiedener	rad-	und	fußläufiger	Wegeverbindung	dienen. Gleichzeitig ist aufgrund der besonderen historischen Rahmenbedingungen auch ein hohes Maß an eigenständiger Identität gefordert. Diese kann sich in unterschiedlicher Art entfalten: Mit starken, durchgehenden Gestaltungselementen oder auch mit wiederkehrenden geometrischen Dimensionen im Querschnitt. Der Ring stellt auch Querverbindungen her und ist durchlässig. Er stellt ein Gelenk zwischen der inneren Parklandschaft und den angrenzenden Stadtquartieren sowie der äußeren Parklandschaft dar. Der Ring ist in seiner Grundstruktur und Lage gesetzt. Es ist aber davon auszugehen, dass im Rahmen der weiteren Feinplanung der Stadtquartiere Verschiebungen und Anpassungen erfolgen werden, insbesondere im südlichen Bereich. Insofern ist auch eine gewisse Flexibilität und Variabilität zu gewährleisten. Bei der Querschnittsgestaltung des Rings sind auch die gewünschten angrenzenden städtebaulichen Typologien beispielhaft mit aufzuzeigen, damit der Ring in seiner räumlichen Wirkung auch in Bezug auf die angrenzenden Stadtquartiere beurteilt werden kann. Zudem besteht die Überlegung, entlang des Rings etwa acht Kunstwerke bedeutender, in Berlin lebender Künstler aufzustellen. Etwa die Hälfte davon braucht einen gewissen Abstandsraum, um zu wirken, während die anderen Künstler die Nähe zu sozialen Bewegungen suchen. Weiterhin wird angestrebt, zweijährlich einen Nachwuchswettbewerb unter jungen Künstlern und Künstlerinnen durchzuführen, deren Resultate (etwa zwanzig) ebenfalls über einen gewissen Zeitraum am Ring platziert werden sollen. Geeignete Standortvorschläge werden erwartet. Die Grün- und Freiraumausstattung des Rings ist im Budget für die Parklandschaft enthalten. Wenn der Ring auch Erschließungsfunktionen übernimmt,	ist	dies	eine	gesondert	zu	finanzierende	Maßnahme.	 Kleingärten Mit der städtebaulichen Entwicklung des Tempelhofer Feldes werden einige Kleingärten verlagert und neu geordnet, für diese können Ersatzstandorte auf dem Tempelhofer Feld geschaffen werden. Innerhalb der Parklandschaft kann daher ein geeigneter Ort für einen Ersatz vorgeschlagen werden. Es besteht auch Interesse seitens des Kleingärtnerverbandes, etwa ein Dutzend Musterkleingärten anzulegen. Die Kleingärten können in	Verflechtungsbereichen	mit	bestehenden	Kleingärten	oder	an	anderen	 Stellen an den Rändern angeordnet werden. Denkbar ist auch, diese Gärten in Kombination mit anderen Formen anzubieten (Interkulturelle Gärten, Community-Gardens etc.) oder private mit öffentlichen Gärten zu verknüpfen	und	so	zu	neuen	Formen	des	städtischen	Gärtnerns	zu	finden.	Bei	der	 Standortwahl sind die Bodenqualitäten zu berücksichtigen (siehe 3.6.2). Spielangebote In	den	angrenzenden	Bezirken	sind	Defizite	in	der	Ausstattung	mit	Spielplätzen vorhanden. Daher sind besondere Angebote im Spiel- und Freizeitbereich für Kinder und Jugendliche mit in das Gesamtkonzept zu inte-

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Wettbewerbsaufgabe

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grieren. Klassische Spielplätze für die Versorgung der bestehenden und neuen Wohnquartiere werden in der Nähe des Wohnens im äußeren Ring angeordnet. Durch die besondere Lage und Größe der Parklandschaft wird die Ge-staltung von Spielmöglichkeiten erwartet, die über die üblichen Spielangebote in den Wohnquartieren hinausgehen und etwas „Besonderes“ darstellen. Für die innere Parklandschaft sollen Konzepte mit parkintegrierten Spielgelegenheiten, Stationen, Spielen an Wegen usw. entwickelt werden. Hierbei soll nicht nur die Altersklasse der Kinder, sondern auch die der Jugendlichen und der älteren Generation mit generationsübergreifenden Spielangeboten angesprochen werden. Im Rahmen der Bürgerbefragung wurden u.a. erlebnisorientierte Jugendspielplätze, aber auch Seniorenspielplätze und Mehrgenerationenangebote vorgeschlagen. Im Rahmen der Entwurfsaufgabe geht es nicht darum, den einzelnen Spielbereich, sondern den Standort in der Basisstruktur zu entwickeln. Naturerfahrungs- und Naturerlebnisräume Naturerfahrungs- und Naturerlebnisräume stellen ein besonderes Angebot des spielerischen Umgangs mit der Natur dar. Naturerfahrungs- und Erlebnisräume können von Kindern aufgesucht und angeeignet werden, bieten Möglichkeiten, mit Materialien der Natur aktiv umzugehen und diese auch zu gestalten. Während in den Naturerlebnisräumen die pädagogische Betreuung und das Heranführen an die Natur eine große Rolle spielen, steht in den Naturerfahrungsräumen die selbstständige Aneignung und Veränderung der Natur durch die Kinder und Jugendliche im Vordergrund. Weiterhin wird angestrebt, Naturbeobachtungsstationen und Führungen auf besonderen Pfaden anzubieten. Im Rahmen des Wettbewerbs sollen Vorschläge entwickelt werden, wie solche besonderen Erfahrungs- und Erlebnisräume in das Gesamtkonzept integriert werden können (zur Gestaltung siehe Anhang 4.06e). Friedhofsflächen Während	allgemein	ein	Überangebot	an	Friedhofsflächen	in	Berlin	zu	verzeichnen	ist,	gibt	es	zu	wenig	Bestattungsflächen	für	Muslime.	Eine	Umnutzung	 ehemals	 christlicher	 Friedhofsflächen	 in	 muslimische	 ist	 beiderseits aus religiösen Gründen nicht möglich. Es ist zu prüfen, ob rund 2 ha für einen muslimischen Friedhof, möglichst in Anbindung an das bestehende Friedhofsareal südlich des Columbiadamms, vorgesehen werden können (siehe 3.6.3). Bademöglichkeiten - Einbeziehung Columbia-Bad Bademöglichkeiten in Form eines Badesees mit einer Größe von 20 ha wurden überprüft und nach intensiver Diskussion verworfen (Finanzierung, Kosten	 Unterhaltung,	Nachhaltigkeit,	 Ressourceneffizienz).	 Dennoch	 besteht der Wunsch vieler Bürger nach Angeboten mit Wasser. Vorschläge, mit Wasser die Parklandschaft attraktiver zu gestalten, werden daher begrüßt,	 sie	 müssen	 aber	 aus	 der	 Bausumme	 finanzierbar	 sein	 und	 in	 der	 Unterhaltung möglichst wenig Kosten verursachen. Das Columbiabad im äußeren städtebaulichen Ring soll als bestehende Nutzung in das Gesamtkonzept einbezogen werden. Wegebeziehungen zur Hasenheide und Anbindungen des Bades an die Parklandschaft sollen hergestellt werden. Es ist derzeit aber nicht davon auszugehen, dass das Bad grundsätzlich umgestaltet wird. Die Option einer Erweiterung des Bades in die Parklandschaft oder die Verschränkung mit weiteren Nutzungen sollen offen gehalten werden.

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Wettbewerbsaufgabe

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Gastronomie In	nahezu	jeder	größeren	Parkanlage	finden	sich	gastronomische	Einrichtungen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung, wie z.B. Parkrestaurant, Biergarten, Café, Lounge oder Bistro. Gastronomische Einrichtungen sind daher mit in das Konzept zu integrieren. Dabei sind vor allem die Erschließungsnotwendigkeiten, Ver- und Entsorgung und die Wirkung innerhalb der Parklandschaft zu berücksichtigen. Mögliche Standorte sollen als Teil des Grundgerüstes mit seinen Basiselementen des prozessualen Strukturplans aufgezeigt werden. Dabei ist zu beachten, dass gastronomische Angebote von Privaten entwickelt werden. Zwischenzustände sind daher zu berücksichtigen. Hunde! Dog run Hunde in Parkanlagen und in wertvollen Naturräumen erzeugen regelmäßig	 erhebliche	 Konflikte.	 Daher	 ist	 ein	 innovatives	 Konzept	 wünschenswert, das einen anderen bzw. neuen Umgang mit dem Thema zulässt. Es werden Lösungsvorschläge erwartet, die über die bisher bekannten Hundeauslaufgebiete hinausgehen.

2.5.6

Pflege und Unterhaltung - Nachhaltigkeit

In	Berlin	kommt	dem	finanziellen	Aspekt	der	Pflege	und	Unterhaltung	des	 Grüns eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der Größe des Tempelhofer Feldes sind besonders an diesem Ort Konzepte gefragt, die in weiten Teilen	mit	nur	geringem	Mitteleinsatz	für	Pflege	und	Unterhaltung	auskommen. Insofern muss bereits bei der Entwicklung des Konzeptes die spätere Pflegekonzeption	 mitbedacht	 werden.	 Das	 bedeutet,	 dass	 bereits	 in	 der	 Planung	 der	 jeweilige	 Pflegeaufwand	 mit	zu	berücksichtigen	 ist.	 Bei	 den	 in Berlin üblichen Kostenansätzen sind die Spielräume eingeschränkt und es müssen innerhalb des Gesamtprojektes Schwerpunkte gesetzt werden. Daher	ist	eine	differenzierte	Abstufung	im	Einsatz	der	Pflegemittel	notwendig und durch ein differenziertes Gestaltungskonzept vorzubereiten. Wünschenswert	 sind	 auch	 Konzeptansätze,	 die	 dazu	 führen,	 dass	 Pflegekosten durch andere Akteure (Neue Teilöffentlichkeiten, Raumpioniere, Zwischennutzer, Gastronomie, Bildungs- und soziale Einrichtungen, private Sportanbieter/Verleih,	Landschaftspflege,	urbane	Landwirtschaft)	übernommen werden. Erfahrungen haben allerdings gezeigt, dass diese Akteure in der	Regel	nur	bestimmte	Teilflächen,	die	von	ihnen	direkt	genutzt	werden,	 übernehmen. Daher sollte dieser Ansatz nicht überstrapaziert werden.

2.5.7

Kostenrahmen Parklandschaft

Der Kostenrahmen für die Herstellung der Parklandschaft ist beschränkt. Durchschnittlich stehen 25,00 EUR/m² brutto inklusive Planungs- und Nebenkosten und 19 % Mehrwertsteuer für die Herstellung zur Verfügung. Hinsichtlich der Kostenverteilung bleibt es den Teilnehmern überlassen, räumliche Schwerpunkte zu setzen. Nach gegenwärtigen Vorüberlegungen wird eine Abstufung von Norden und Nordosten mit den intensiveren Parkbereichen in Richtung Süden mit der Offenlandschaft gesehen. Die Grün- und Freiraumausstattung des Rings ist im Budget für die Parklandschaft	 enthalten.	 Verkehrsflächen	 und	 -wege	 sind	 gesondert	 zu	 finanzierende Infrastrukturmaßnahmen. Es wird hier ein Vorschlag für eine kostengünstige Basisstruktur als durchgängiges Element erwartet, das in Abhängigkeit zu den städtischen Bezugsräumen modular erweiterbar ist. Die Verlagerung und der Neubau des zentralen Regenrückhaltebeckens mit den wasserwirtschaftlichen Funktionen ist nicht Teil des Kostenrahmens. Das Entwurfskonzept für die Parklandschaft soll den Umgang und die Grundgestaltung der neuen ‚Regenwasserlandschaft’ verdeutlichen. Besondere	 Maßnahmen	 im	 Bereich	 Ressourceneffizienz	 sind	 ebenfalls	 nicht Bestandteil des Kostenrahmens.

Parklandschaft Tempelhof / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe	

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2.6

Bewertungskriterien

•	 Leitidee - Räumliche und gestalterische Qualität •	 Städtebauliche und freiraumplanerische Einbindung •	 Innovation als Beitrag für eine urbane Parklandschaft des 21. Jahrhunderts	(Klima-	und	ressourceneffiziente,	partnerschaftlichsoziale und unternehmerisch-wirtschaftliche Stadt) •	 Tauglichkeit des Strukturplans als Grundgerüst und Basiselement für eine prozessuale Entwicklung •	 Raumbildung und –verknüpfung •	 Erschließung und innere Ordnung •	 Nutzbarkeit, Auseinandersetzung mit Bürgerwünschen •	 Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit •	 Berücksichtigung Naturschutzanforderungen •	 Eignung des Entwurfs als Referenzprojekt der IBA •	 Eignung des Entwurfs zur Durchführung einer IGA •	 Einhaltung	Kostenrahmen,	Wirtschaftlichkeit,	Pflege

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

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Teil 3 Situation und Planungsvorgaben
3.1
3.1.1

Stadträumliche Einordnung
Lage und Größe

Das	 Wettbewerbsgebiet	 befindet	 sich	 innerhalb	 des	 Berliner	 S-BahnRinges und ist Bestandteil der südlichen Berliner Innenstadt. Das ehemalige Flughafengelände Tempelhof ist ca. 386 ha groß. Es wird begrenzt durch den Tempelhofer Damm im Westen, den Columbiadamm im Norden, das Quartier „Schillerpromenade“ im Osten und den S-BahnRing im Süden. Das Flugfeld (ohne Flughafengebäude) hat eine Größe von rd. 330 ha. Gegenstand des Wettbewerbs sind die in der folgenden Abbildung grün und	 orange	 umrandeten	 Freiflächen	 der	 inneren	 und	 äußeren	 Parklandschaft	gemäß	überarbeitetem	Masterplan	(siehe	auch	3.7.3),	davon	befinden sich ca. 260 bis 270 ha innerhalb des derzeit eingezäunten Bereichs. Im Süden sind die derzeit diskutierten Gebietsgrenzen grün gestrichelt Bereichs (innere Parklandschaft 205 ha bis 209 ha). In den Betrachtungsraum	sind	zudem	das	Flughafengebäude,	die	Bau	 ächen	gemäß	überarfl beitetem Masterplan sowie weitere angrenzende Sport- und Freizeitnutzungen einbezogen.

Abbildung 3: Wettbewerbsgebiet

In der nachfolgenden Abbildung ist der über das Wettbewerbsgebiet hinausgehenden	Verflechtungsraum	dargestellt.

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

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Abbildung 4: Verflechtungsraum (Stand: Sommer 2009), Quelle: bgmr Sommer 2009

3.1.2

Stadträumliche Situation

Die stadtzentrale Lage des (ehemaligen) Tempelhofer Flugfeldes (im Folgenden „Tempelhofer Feld“) wird durch seine Nähe zu den Berliner Zentren am Breitscheidtplatz / Bahnhof Zoo, der Friedrichstraße und am Alexanderplatz unterstrichen.

Lage des Tempelhofer Feldes in Berlin (eigene Darstellung)

Abbildung 5: Großräumige Lage und EntfernungenQuelle: D-Sat und eigene Darstellung

Die innerstädtischen Fernbahnhöfe und das Parlaments- und Regierungsviertel sind ca. 4 km entfernt. Der neue Fernbahnhof Südkreuz am Hildegard-Knef-Platz / Ecke Sachsendamm ist nur ca. 1,8 km vom zentralen Flughafengebäude	entfernt	(Luftlinie).	Zum	im	Bau	befindlichen	Großflughafen Berlin-Brandenburg-International (BBI) beträgt die Distanz etwa zwölf km.

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

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Das	 ehemalige	 Flughafengelände	 befindet	 sich	 überwiegend	 im	 Bezirk	 Tempelhof-Schöneberg. Im Nord-Osten (Garnisonsfriedhof, Columbiabad am Columbiadamm) und Osten (Oderstraße, Werner-SeelenbinderSportpark) nimmt der Bezirk Neukölln nur noch einen geringen Teil des Flughafengeländes ein. Nördlich des Columbiadamms an der Polizeikaserne grenzt zudem der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg an das ehemalige Flughafengelände.

Abbildung 6: Luftbild, Quelle: ???

Beschreibung der angrenzenden Quartiere In stadtstruktureller Hinsicht ist vor allem die Grenze zwischen den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln im Norden und Osten des Flughafengeländes nicht spürbar: In beiden Bezirken überwiegt die Blockbebauung	der	Gründerzeit	vor,	die	zum	Teil	durch	flächendeckende	 Sanierungsmaßnahmen, z. B. im Bereich der Graefe- und Jahnstraße in Kreuzberg oder im Rollbergviertel beiderseits der Werbellinstraße in Neukölln, überformt wurde. Deutlich von den nördlich und östlich angrenzenden Gründerzeitquartieren unterscheidet sich die westlich angrenzende sog. Fliegersiedlung mit einer grün-geprägten Reihenhausbebauung und auch die südlich angrenzenden Quartiere Tempelhofs, die z.T. gewerblich und z.T. durch eine weniger verdichtete Blockrandbebauung geprägt sind (siehe auch Abbildung 10). Hinzuweisen ist auch auf die zwischen den Quartieren	 befindlichen	 großzügigen	 Freiräume	 wie	 die	 Hasenheide	 im	 Norden, die Friedhöfe am Columbiadamm und in Neukölln, sowie auf die Kleingarten- und Sportanlagen. In sozio-kultureller Hinsicht stellt der Flughafen eine Zäsur zwischen den sehr unterschiedlich geprägten Milieus der Quartiere dar. Während das Quartier um den Chamissoplatz und die Bergmannstraße sozialstrukturell als durchschnittlich bewertet werden und eine hohe touristische Anziehungskraft aufweisen, sind die angrenzenden Neuköllner Wohnquartiere durch einen sehr hohen Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund, hohe Arbeitslosigkeit und geringe Einkommen bzw. hohe Armutsanteile gekennzeichnet. Der Prozentsatz der noch überwiegenden türkischen Migrationsgruppe nimmt dabei kontinuierlich ab, d. h. die Gruppe der Migranten wird zunehmend heterogener.

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Situation und Planungsvorgaben

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Legende (Auszug)

Abbildung 7: Stadtstruktur, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Abbildung 8: Einwohnerdichten im Umfeld , Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Deutlich werden sozio-strukturelle Unterschiede der angrenzenden Quartiere auch in der Fortschreibung des „Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2009“, in der Daten für den Beobachtungszeitraum 31.12.2007 bis 31.12.2008 auf Ebene von der 447 Planungsräume ausgewertet wurden. Aus 12 Indikatoren wie „Arbeitslosigkeit“, „Migrationshintergrund“ und „Mobilität“ wird in der Karte Entwicklungsindex 2009 ein Gesamt-Entwicklungsindex gebildet. Der Entwicklungsindex bildet die soziale Problematik im Gebiet als Wert ab: je niedriger die Kategorie, desto höher die soziale Problematik (siehe Abbildung 9).

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Situation und Planungsvorgaben

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Gesamt-Index Soziale Stadtentwicklung

Abbildung 9: Sozial-Monitoring 2009

Abbildung 10: Umgebende Quartiere

Der Platz der Luftbrücke im Nordwesten des Flughafens Tempelhof wird begrenzt durch verschiedene Verwaltungsgebäude, insbesondere das Polizeipräsidium, das Abfertigungsgebäude des Flughafens und, im Südwesten des Platzes, durch Wohn- und Geschäftshäuser aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Im weiteren Verlauf der Dudenstraße erreicht man den Viktoriapark, dessen östliche Ausdehnung (Methfesselstraße) fast bis an den Platz der Luftbrücke reicht. Der zwischen Gneisenaustraße, Südstern, Platz der Luftbrücke und Mehringdamm gelegene Bergmannkiez ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem touristischen Anziehungspunkt geworden. Die Bergmannstraße ist eine beliebte Flaniermeile mit zahlreichen Cafés, Restaurants und kleinen Läden sowie der Marheineke-Markthalle als jüngst renoviertes Nahversorgungszentrum. Der südlich davon liegende Chamissoplatz stellt durch die einheitliche und sanierte Gründerzeitbebauung einen

Verwaltungsgebäude am Platz der Luftbrücke

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

55

der schönsten Plätze Berlins dar. Die Friedhöfe an der Bergmannstraße reichen bis zur Züllichauer, Golßener und Jüterboger Straße und stellen eine stadträumliche Barriere in diesem Bereich dar. Eine stadträumliche Barrierewirkung übt auch der Polizei-Standort im Block zwischen der Friesenstraße, Jüterboger Straße und dem Columbiadamm aus. Im Nordwesten	befindet	sich	der	Südstern	mit	U-Bahnhof	und	einem	kleinen	Nahversorgungszentrum. An der Ecke Columbiadamm / Golßener Straße erinnert seit Dezember 1994 ein Mahnmal an das Konzentrationslager Columbia-Haus. Das vom Bildhauer Georg Seibert konzipierte stählerne Mahnmal bildet ein Haus mit Gefängniszellen nach. Das KZ Columbia-Haus wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Militärgefängnis südlich des heutigen Polizeitstandortes errichtet und später als Gestapo-Gefängnis benutzt. Das Konzentrationslager bestand vom 8. Januar 1935 bis zum 5. Dezember 1936. Anlässlich des Neubaus des Flughafens Tempelhof wurde das Columbia-Haus 1938 abgerissen. Im Columbia-Haus waren viele Persönlichkeiten des politischen Lebens inhaftiert wie Leo Baeck, Hermann Duncker und Erich Honecker. Das Einkommensniveau und der Erwerbstätigenanteil liegen nur unwesentlich unter dem Berliner Durchschnitt. Aufgrund der multinationalen Bevölkerungsstruktur, der damit verbundenen kulturellen und gastronomischen Vielfalt und der deutlich spürbaren grün-alternativ-liberalen Prägung des Quartiers ist es nicht mehr nur ein beliebter Wohnstandort sondern wird auch mehr und mehr von internationalen Touristen besucht. Der alljährlich das Quartier streifende Karneval der Kulturen mit mehr als einer Million Besuchern steht beispielhaft für die Toleranz und Lebensfreude, die der Bergmannkiez ausstrahlt. Im	Norden	des	Flughafengeländes	befinden	sich	östlich	der	Lilienthalstraße zunächst ein größeres Sportgelände und ein rd. 10 ha großer Friedhof, an den sich der Volkspark Hasenheide anschließt. Der Park ist etwa 50 ha groß und bietet den Anwohnern vielfältige Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Gleichwohl ist er auch bekannt als Drogenkriminalitätsschwerpunkt. Die Lilienthalstraße stellt als historische Allee eine wichtige Grünverbindung zum Südstern dar, einem Platz, der durch die in der Platzmitte stehende, weithin sichtbare neugotische Kirche geprägt wird. An der Lilienthalstraße, in unmittelbarer Nähe zum Südstern, liegt neben der St.-Johannes-Basilika, der größten katholischen Kirche in Berlin, der Neubau der 2001 eingeweihten Apostolischen (päpstlichen) Nuntiatur. Westlich der Lilienthalstraße schließt sich zwischen Bergmannstraße und Züllichauer Straße das oben erwähnte, rd. 20 ha große Friedhofsgelände an der Bergmannstraße an. In	 direkter	 Nachbarschaft	 am	 Columbiadamm	 befinden	 sich	 der	 Garnisonsfriedhof, das Sommerbad und die Jahn-Sporthalle und der JahnSportplatz. Letztere wurde benannt nach dem „Turnvater Jahn“, der 1811 im nördlich an den Columbiadamm anschließenden Volkspark Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz in Deutschland gründete. Die angrenzenden Neuköllner Wohnquartiere weisen hohe Anteile an Kindern und Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen auf, während der Anteil alter Menschen sehr gering ist. Sie sind außerdem durch einen sehr hohen Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund, hohe Arbeitslosigkeit und geringe Einkommen bzw. hohe Armutsanteile. Im Stadtmonitoring 2009 werden die Gebiete auf Neuköllner Seite in der niedrigsten Gebietskategorie geführt, welche in soziostruktureller Hinsicht als besonders problematisch gilt und sich durch hohe Fluktuation sowie sehr hohe Arbeitslosigkeit und daraus folgend eine große Zahl von ArbeitslosengeldII-Empfängern auszeichnen (siehe Abbildung 9).

Marheineke-Markthalle an der Bergmannstraße / Ecke Markeinekeplatz

Denkmal KZ-Columbiahaus

Blick in den Volkspark Hasenheide vom Columbiadamm

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Situation und Planungsvorgaben

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Abbildung 11: Umgebende Stadtquartiere, Quelle: IGA-Bewerbung, SenStadt 2009

Der Hermannstraßenkiez um Wissmannstraße und Karlsgartenstraße am Volkspark Hasenheide ist in der Gründerzeit als Vergnügungsviertel mit Biergärten, Theatern und Tanzsälen entstanden. Heute wird der Kiez überwiegend von Wohnnutzungen und Einrichtungen der sozialen Infrastruktur (Karlsgartenschule, Kitas) geprägt. Die Hermannstraße mündet im Norden in den Hermannplatz, der aufgrund seiner guten Verkehrsanbindung und seines hohen Einzelhandelsbesatzes ein wichtiger Versorgungsstandort für die Bezirke Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg ist. Die in südöstliche Richtung den Platz verlassenden Sonnenallee und insbesondere die Karl-Marx-Straße haben ebenfalls eine wichtige Versorgungsfunktion im unteren Preissegment. In beiden Straßen ist der hohe Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund deutlich spürbar. Das Quartier Schillerpromenade ist ein traditionsreiches Stadtquartier östlich des Flughafengeländes, das durch eine homogene, aus der Jahrhundertwende stammende Bausubstanz (entstanden als „Wohnquartier für Besserverdienende“) und den zentralen repräsentativen Grünzug auf der 50 m breiten Schillerpromenade geprägt wird. Eine weitere historische Achse verläuft in Ost-West-Richtung entlang der Herrfurthstraße vom Flugfeld über den zentralen Herrfurthplatz mit der Genezarethkirche (1906) zur Hermannstraße. 1990 wurde das Quartier zum Schwerpunkt der Stadterneuerung und zwei Jahre später als Sanierungsuntersuchungsgebiet ausgewiesen. Zudem existiert eine Erhaltungssatzung gemäß § 172 BauGB für das Quartier. Seit 1999 wird der Kiez darüber hinaus von einem Quartiersmanagement betreut. Dieses in Berlin seit 1999 erprobte Instrument der Stadtentwicklung wird in Quartieren mit besonderen Problemlagen eingesetzt. Wesentliches Ziel ist es, die endogenen Potenziale durch Aktivierung der Bewohner und Gewerbetreibenden zu wecken und langfristig zu nutzen, um das Quartier lebenswerter zu gestalten. Im Quartier Schil-

Hermannplatz mit Karstadt-Kaufhaus

Schillerpromenade in Neukölln

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Situation und Planungsvorgaben

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lerpromenade wird ein starker Widerspruch zwischen der teilweise hervorragenden baulichen Qualität der Wohngebäude und der problematischen sozialen Situation augenfällig. Eine Ursache für die sozialen Probleme ist auch die durch den Flughafen begründete Randlage des Quartiers. Hier erwartet man sich von der Öffnung des Flughafengeländes einen Aufwertungsimpuls. Im	Anschluss	an	das	Flugfeld	befinden	sich	mehrere	historische	Friedhöfe,	 die im 19. Jahrhundert vor dem Bau der umliegenden gründerzeitlichen Wohngebiete entstanden sind. Die an das Flughafengelände grenzende Wohnbebauung stammt überwiegend aus den 1920er und 1930er Jahren. Zwischen den Kirchhöfen liegt in einer Insellage der Warthekiez. Südlich des Warthekiez, zwischen dem Flugfeld und der Oderstraße am Rand der Gleisanlagen liegt die Sportanlage des Werner-Seelenbinder-Sportparks mit mehreren Sportplätzen, einer Sporthalle und einer Eisbahn. Im ehemaligen	Stadionrund	finden	heute	ein	Rasen-	und	zwei	Kunstrasenfelder Platz. Das kleinere Stadion an der Oderstraße wird nur noch zu Trainingszwecken genutzt. Zwischen dem Sportpark und den Gleisanlagen befinden	sich	ein	Gewerbegebiet	mit	Zufahrt	von	der	Oderstraße	und	eine	 Kleingartenanlage.
 Südlich der stadträumlichen Zäsur der S-Bahn-Trasse und der Stadtauto-
 bahn liegt stadträumlich isoliert das Wohnensemble der Bärensiedlung, das um den Oberland- und den Germaniagarten zwischen 1929 und 1931 
 entstanden. 
 Der Westteil der Oberlandstraße ist durch Industriedenkmale wie die 
 Fabrikgebäude von Gillette oder die UfA-Filmstudios charakterisiert. Die 
 1922 gebauten UfA-Studios werden heute vom Fernsehen und anderen 
 Produktionsfirmen	genutzt.	Die	historischen	Fabrik	 ebäude	sind	Teil	eines	 g großflächigen Gewerbegebietes, das sich südlich der Bahnanlagen und der Autobahn entlang der Oberlandstraße und nach Süden bis über den Teltowkanal erstreckt. Der Tempelhofer Damm führt südlich der S-Bahn-Trasse nach Alt-Tempelhof, wo inmitten der gründerzeitlichen Bebauung rings um das Rathaus Tempelhof noch Spuren des alten Dorfkerns Tempelhof erkennbar sind. An der	 Schnittstelle	 von	 Tempelhofer	 Damm	 und	 Teltowkanal	 befinden	 sich	 mit dem Ullsteinhaus und dem Hafen Tempelhof zwei architektonisch prägende Landmarken. Der Hafen ist seit 2009 zum modernen Kultur-, Einzelhandels- und Gastronomiestandort ausgebaut worden. Direkt angrenzend befindet	sich	das	1979	gegründete	„Internationale	Kulturcentrum	ufaFabrik	 Berlin“. Mit der „Gartenstadt Neu-Tempelhof“ (Fliegersiedlung) südlich des Wolffrings grenzen westlich des Flugfeldes geringer verdichtete Wohngebiete in Zeilen- und vor allem in Reihenhausbauweise aus den 1920er und 1930er Jahren an die hoch verdichteten Innenstadtbereiche. Mit privaten Gärten und eingestreuten Parkanlagen weist diese Lage eine besonders hohe Wohnqualität auf. Noch immer ist Neu-Tempelhof ein gefragter Wohnort in grüner und zentraler Lage. Die Paradestraße führt als grüne Hauptachse in Ost-Westrichtung vom zentralen Adolf-Scheidt-Platz zum Tempelhofer Damm (U-Bahnhof Paradestraße) und Flughafengelände. Ein Parkgürtel (Bäumerplan, Rumeyplan, Wolfring) umschließt den inneren Bereich der Siedlung und führt über den Bundesring zum Tempelhofer Damm.

Warthekiez in Neukölln

Eingang zum Gelände der Berliner
 Union-Film in der Oberlandstraße


Fabrikgebäude von Gillette an der Oberlandstraße

Kaufhaus am Tempelhofer Damm

Reihenhausbebauung in der „Gartenstadt Neu-Tempelhof“

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben	

58

3.2

Landschaftsräumliche Einordnung

Das Berliner Freiraumsystem besteht aus dem „Inneren Parkring“ und dem „Äußeren Parkring“ und einem „Grünen Achsenkreuz“. Das Tempelhofer Feld liegt auf dem „Inneren Parkring“, der die dicht bebaute gründerzeitliche Innenstadt mit zahlreichen Kleingärten, Friedhöfen und Volksparks umschließt. Nach Einstellung des Flugbetriebes soll das Tempelhofer Feld als neue große innerstädtische Grünanlage in den Parkring integriert werden.

Abbildung 12: Berliner Freiraumsystem / Übergeordnete Freiraumverknüpfung, Quelle:

Im	 engeren	 Umfeld	 des	 Wettbewerbsgebiets	 befindet	 sich	 der	 Viktoriapark im Nordwesten, das Sportgelände an der Züllichauer Straße, am Columbiadamm der Garnisonsfriedhof, der Mohammed-Friedhof (älteste islamische Begräbnisstätte in Mitteleuropa und das einzige eigenständige Gräberfeld für Muslime in Berlin), das TiB-Sportgelände, das Columbiabad und der Jahnsportplatz mit der Jahnsporthalle. Hinzuweisen ist auch auf den Grünzug „Bäumerplan“ in der westlich angrenzenden sog. Fliegersiedlung (westlich des Tempelhofer Damms), auf den Grünzug Schillerpromenade und die Neuköllner Friedhöfe im östlich angrenzenden Schillerquartier sowie auf den Werner-Seelenbinder-Sportpark, der im Südosten an das Flugfeld angrenzt. Als potenzielle Grünverbindungen mit Anschluss an das Wettbewerbsgebiet sind zu nennen: im Nord-Westen: •	 Verbindung	vom	im	Bau	befindlichen	Park	auf	dem	Gleisdreieck	über	 den Viktoriapark zum Platz der Luftbrücke im Norden: •	 Verbindung vom Landwehrkanal (Urbanhafen) über das historische Klinikgeländes des Urbankrankenhauses (Umgestaltung zu einem Wohngebiet) und die Fontanepromenade zum Südstern und weiter über die Lilienthalstraße zum Columbiadamm. •	 von der Bergmannstraße über die Friedhöfe zur Jüterboger Straße/ Golßener Straße und Züllichauerstraße zum Columbiadamm •	 von der Grimmstraße / Fontanestraße bzw. von der Graefestraße und Jahnstraße über die Hasenheide zum Columbiadamm im Osten: •	 Verbindung östlich des Columbiabades zur Oderstraße (in Fortsetzung der Hasenheide) •	 Verlängerung der Grünachse Herrfurthstraße über den Herrfurthplatz zum Flugfeld

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Situation und Planungsvorgaben

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•	 Verbindung	in	Fortsetzung	der	Thomasstraße	mit	den	flankierenden	 Friedhöfen als Teil des historischen Verlaufs des Grünen Wegs

weiße Pfeile: langfristig vorgesehene Anbindungen Abbildung 13: Freiraumverbindungen (eigene Darstellung)

im Westen: •	 Verlängerung der Grünachse aus der Gartenstadt „Neu-Tempelhof“, Wolfring, Bäumerplan und Rumeyplan (Parkring Neu-Tempelhof) im Süd-Westen: •	 Verbindung vom Francke-Park / Alter Park (Tempelhof) über den Dorfanger Tempelhof zum geplanten Parkeingang am S/U-Bahnhof Tempelhof im Süden (langfristig realisierbar): •	 Anbindung in Fortsetzung der Bärensiedlung und der Komturstraße, eine mögliche Anbindung ist derzeit unterbrochen durch den S-Bahnring und die Autobahn, ein Durchstich ist ggf. mit dem geplantem Neubau des S-Bahnhöfe „Oderstraße“ und „Komturstraße“ oder mit einem einzelnen, mittig zwischen den beiden genannten Bahnhöfen liegenden S- Bahnhof zu realisieren Über das Flugfeld soll im südlichen Bereich der Grüne Hauptweg Nr. 18 „Innerer Parkring“ geführt werden, der die Berliner Innenstadt auf einer Länge von ca. 44 km entlang des S-Bahnrings umrundet.

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

60

3.3

Historische Entwicklung

Entwicklung bis 1923 (Eröffnung des Flughafens auf dem Tempelhofer Feld)
Das 1351 erstmals urkundlich erwähnte und bis ins 19. Jahrhundert als Weide-, Brach- und Ackerland genutzte Tempelhofer Feld entstand um 1200 durch die Umwandlung von Waldland in Acker, das mit „modernen Pflügen“	der	damaligen	Siedler	bewirtschaftet	werden	konnte.	 Das Tempelhofer Feld befand sich im Besitz des Templerordens und erstreckte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vor den Toren der Stadt auf	der	Hochfläche	des	Teltows.	Feld	und	(Hasen-)Heide	dienten	der	Nahversorgung der neu gegründeten Städte Cölln und Berlin. König Friedrich-Wilhelm I. hielt hier 1722 seine erste Truppenparade der Berliner Garnison ab. Das Feld wurde damit für 200 Jahre zum wichtigsten Repräsentationsstandort des preußischen Militärs. Zur Anbindung an die Residenzstadt wurden die Wege vom Halleschen Tor zum Tempelhofer Feld und zur Hasenheide als Chausseen ausgebaut und in der neu angelegten Südlichen Friedrichstadt durch Paradestraßen ergänzt (Wilhelm-, Friedrich-, Lindenstraße, siehe Abbildung 14 „Tempelhofer Feld 1857“). Das Tempelhofer Feld war im 19. Jahrhundert begrenzt im Norden und Osten durch die heranrückende Mietskasernenbebauung. Im Süden bildeten die Verbindungsbahn (1871) und später der S-Bahnring, im Westen die Berlin-Anhalter Eisenbahn die Grenzen. Die 1836 bis 1838 gebaute Chaussee nach Tempelhof teilte das unbebaute Tempelhofer Feld in zwei Teile. Nach dem Erwerb durch den preußischen Staat, der das Land den Tempelhofer Bauern abkaufte, diente es von 1828 bis 1918 den Berliner Garnisonen als Exerzier- und Paradeplatz.

Schafsherde und Truppenübungen auf dem Tempelhofer Feld

Picknick auf dem Tempelhofer Feld

Kaiserparade auf dem Tempelhofer Feld

Abbildung 14: Tempelhofer Feld 1802, Quelle: Karte Berlin 1802 heutiger Verlauf des Columbiadamms grüner Weg

/

Situation und Planungsvorgaben

61

Schlangenpfuhl

Abbildung 15: Tempelhofer Feld 1857 heutiger Verlauf des Columbiadamms

Seit 1850 entstanden an den Rändern des Geländes Kasernenbauten, die heute noch teilweise erhalten sind, z.B. die Bauten des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments. Gleichzeitig entwickelte sich das militärische Gebiet	 zu	 einem	 beliebten	Ausflugsziel	 für	 die	 Berliner,	 vor	 allem	 für	 die	 Bewohner der dicht bebauten Stadtquartiere in Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof. Hier traf man sich zu Picknicks, Spaziergängen, Turn- und Sportfesten, Versammlungen oder Demonstrationen. Pferderennen waren bis 1867 (Gründung der Rennbahn Hoppegarten) zu bestaunen, später

, Quelle: Karte Berlin & Charlottenburg 1857

Radrennen.

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Situation und Planungsvorgaben

62

Schlangenpfuhl

Abbildung 16: Tempelhofer Feld 1900, Quelle: Pharus-Plan Berlin 1902 heutiger Verlauf des Columbiadamms

Trotz des einsetzenden rasanten Stadt- und Bevölkerungswachstums blieb das Tempelhofer Feld nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871	wegen	seiner	Unverzichtbarkeit	für	das	Militär	als	weitläufige	Grünfläche	erhalten,	die	der	Bevölkerung	außerhalb	der	militärischen	Übungen	 allgemein zugänglich war. Der Badesee Schlangenpfuhl diente als Erholungsort.	Das	offene	Feld	nutzte	man	u.	a.	für	Fußball	und	Drachenfliegen.	 Die Hasenheide (Heidegebiet und Hasengehege), die bis ins heutige Tempelhofer Feld hineinragte, wurde ab 1876 als Schießplatz genutzt. Während des Ersten Weltkrieges wurde, wie schon während des DeutschFranzösischen Krieges 1870/71, auf dem Tempelhofer Feld ein Lazarett errichtet. Am Anfang der 20. Jahrhunderts gehörten dann Ballonfahrten zu den Attraktionen. Die ersten Flüge der Zeppelin-Luftschiffe lösten eine „nationale Euphorie“ aus. Nach einigen Flugexperimenten von Arnold Böcklin und Otto Lilienthal fanden 1909 auf dem Gelände spektakuläre Flugshows mit Motorflugzeugen	statt.	Zu	erwähnen	ist	auch	der	amerikanische	Flugpionier Orville Wright, der hier zwei Weltrekorde aufstellte. Weder das Militär noch die Gemeinde Tempelhof hatte jedoch Interesse an der Errichtung eines Flugplatzes. Erst als das westlich von Berlin liegende Truppenübungsgelände auf dem Döberitzer Feld durch die Heerstraße erschlossen wurde, verlor das Militär das Interesse am Tempelhofer Feld. Stattdessen wurde das Gebiet durch neue Bauplanungen als Bauland für Wohnsiedlungen ausgewiesen. So wurde 1910 ein 145 ha großes Areal westlich der Tempelhofer Chaussee an die Gemeinde Tempelhof verkauft. Die von der Gemeinde Tempelhof gegründete „Tempelhofer Feld AG für Grundstücksverwertung“ schloss einen ersten Bauabschnitt 1912/13 ab. Die „Gartenstadt Tempelhofer Feld“ wurde nach dem 1. Weltkrieg in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts vollendet.

Tempelhofer Feld 1907

Flugschau um 1910

Gartenstadt Tempelhofer Feld um 1911

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

63

Entwicklung 1923 bis 1933 (Eröffnung des Flughafens auf dem Tempelhofer Feld)
Da die provisorischen Flugplätze in Johannisthal und Staaken den Anforderungen nicht mehr gewachsen waren, entschied man sich einen innerstädtischen Flughafen auf dem Tempelhofer Feld zu realisieren. 1922 wurde das brachliegende Exerzierfeld eingeebnet und der Bau der ersten Flughafenanlage begonnen. Das Gelände wies teilweise Höhenunterschiede von bis zu 10 Metern auf, ebenfalls musste die leichte Neigung des gesamten Areals ausgeglichen werden. Als Füllmaterial diente auch Hausmüll.	Anschließend	wurde	die	Fläche	mit	Gras	bepflanzt	und	gedüngt,	 da	die	Grassamen	auf	dem	sandigen	Boden	nicht	keimten.	Zur	Pflege	des	 Rasens wurde eine Schafherde angesiedelt, die das Mähen und Düngen ersparte und den Boden festigte. Am 8. Oktober 1923 wurde der „Flughafen Berlin“ nach einjähriger Bautätigkeit	 mit	 zunächst	 bescheidenen	 Baulichkeiten	 als	 erster	 Verkehrsflughafen der Welt auf dem Tempelhofer Feld eröffnet. Die nicht vom Flugbetrieb beanspruchten Flächen im östlichen Bereich des Tempelhofer Feldes südlich des Columbiadamms wurden weiterhin als Volks- und Sportpark genutzt. Am Tempelhofer Damm sind im Plan von 1928 noch der in Kleingartenanlagen liegende Preußen-Sportplatz, Heimstatt des ältesten Fußballvereins Berlins, zu erkennen. In den folgenden Jahren wurde der von der Lilienthalstraße erschlossene Flughafen weiter ausgebaut. 1924 wurden die ersten drei soliden Flugzeughallen nach den Plänen der Berliner Architekten Heinrich Kosina und Paul Mahlberg errichtet. 1925 wurden zwei weitere Hallen ausgebaut. Ab 1926 wurde der Bau eines neuen Empfangsgebäudes nach den Plänen von Klaus und Paul Engler realisiert. Trotz der rasanten Passagierzahlenentwicklung wurden Erweiterungen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nach 1929 nicht mehr umgesetzt.

Wartehäuschen Flughafen 1923

Großflugtag	auf	dem	Zentralflughafen	 Tempelhof

Abbildung 17: Linienflugnetz 1935, Quelle: ???

Überreste des alten Flughafengebäudes sind heute noch auf dem Flughafengelände südlich der Picnic-Area erkennbar (sog. alter Flughafen).

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

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Abbildung 18: Stadtplan Berlin 1928 mit Lage der Flughafenbauten und Sportflächen am Rand des Fugfeldes, Quelle: Schmitz (1997) (verändert) heutiger Verlauf des Columbiadamms

Abbildung 19: Hauptgebäude um 1929, Quelle: ???

Abbildung 20: Flughafen Berlin (Tempelhof) 1935, Quelle: ???

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

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Abbildung 21: Stadtpläne Berlin 1932 und 1936, Quelle: ???? heutiger Verlauf des Columbiadamms

Den Stadtplänen von 1932 und 1936 sind auch die in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts nach den Plänen des Neuköllner Gartenamtsleiters Ottokar Wagler angelegten Sportanlagen entlang der Oderstraße zu entnehmen. Das Sportband erstreckte sich von den Gleisanlagen im Süden bis zum Columbiadamm im Norden. Nördlich	 der	 ehemaligen	 Grunerstraße	 wurden	 die	 Sportflächen	 im	 Zusammenhang mit der Verlängerung der Landebahnen im Jahr 1948 zur Berlin-Blockade wieder aufgegeben. Reste der Einfriedungen und Treppenanlagen	 befinden	 sich	 am	 Rand	 des	 ehemaligen	 Flughafengeländes	 und sind heute noch gut zu erkennen. Der heutige Werner-SeelenbinderSportpark im Südosten des Flugfeldes geht auf den Bau dieses Sportbandes im letzten Jahrhundert zurück.

Pharus-Plan 1944

Parklandschaft Tempelhof Planungsvorgaben / Situation und Teil 3

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Planungen und Bauten 1933 bis 1944

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden neue Planungen für die Umgestaltung Berlins entwickelt. Diese sahen u.a. einen Neubau des Flughafengebäudes vor. Die Luftfahrt sollte als Mittel der Staatsrepräsentation dienen. Der vergrößerte Flughafen Tempelhof sollte mit seinen neuen Bauwerken den Abschluss einer Querachse der von Albert Speer geplanten Nord-Süd-Achse bilden und durch seine Größe und Gestaltung beeindrucken. Ernst Sagebie entwarf im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums eine l monumentale Anlage, die mit einer Kapazität von 6 Millionen Passagieren für einen dreißigfach höheren Bedarf ausgelegt war, als er zur Bauzeit bestand. Der Flughafen Berlin-Tempelhof sollte als zentrales europäisches	Luftkreuz	den	Mittel	 unkt	des	Weltflugverkehrs	bilden.	Die	gesamte	 p Flughafenbebauung ist axial auf das Kreuzbergdenkmal ausgerichtet, zu dem eine architektonisch gestaltete Allee führen sollte. Um den halbrunden Platz sind viergeschossige Verwaltungsgebäude angeordnet, die für die Büros der Fluggesellschaften bestimmt waren. Die Planungen Sagebiels für einen repräsentativ gestalteten, runden Vorplatz an der Kreuzung der Straßenachsen, der sich zum Vorhof der Empfangs- und Abfertigungshalle des Flughafens öffnet, kamen nicht zur Ausführung. Das Empfangsgebäude leitet zum 1,3 km langen Flugsteig- und Wartungstrakt über, der als Bogensegment das elliptische Flugfeld begrenzt. In der Mitte	befindet	sich	der	zum	Flugfeld	geöffnete	Flugsteig;	daran	schließen	 sich auf beiden Seiten Flugzeughangars an. Alles wird von einer weit auskragenden Stahlkonstruktion überdacht. Die Konstruktion mit 40 Meter langen Kragarmen gilt als technische Meisterleistung. Unter dem Dach des Flugsteigs steigen die Passagiere in die bereitstehenden Flugzeuge. Die seitlich anschließenden Hangars bestehen aus einem hinteren Büro- und Werkstattflügel	und	dem	vorgelagerten	Wartungsbereich.	Die	zum	Flugfeld	 gerichteten Fronten können durch elektrisch betriebene Tore verschlossen werden. Die mit Muschelkalkplatten verkleidete Stadtseite wird durch masSpeer-Plan sige, im Abstand von 70 Meter angeordnete Treppentürme gegliedert. Die Treppentürme waren nicht nur für die Erschließung der Büroräume angedacht, sondern auch für die der Tribünen auf dem Dach. Hier sollten bis zu 100.000 Zuschauern die Flugschauen und Paraden der Luftwaffe beobachten können. Die Dachtribünen, die nie fertig gestellt wurden, sollten sich in Form des geplanten Ovals als abgetreppte Wälle fortsetzen, die ebenfalls als Zuschauertribünen für Großveranstaltungen dienen sollten. Die Nationalsozialisten nutzen das Flugfeld schon für ihre Zwecke. Zwei Millionen Menschen versammelten sich am 1. Mai 1934 beim Festakt der Überlagerung Karte 1888 mit dem NSDAP auf dem Flugfeld Tempelhof. Flughafen 1939 Hinsichtlich der Erschließung und inneren Organisation sollte der Flughafen Berlin-Tempelhof der modernste in ganz Europa werden. Vom Tempelhofer Damm und vom Columbiadamm führen Zufahrtstraßen und Rampen zu den abgesenkten Wirtschaftshöfen beiderseits der Empfangshalle. Der Flughafen besaß einen Eisenbahnanschluss. Das Gleis zweigt von der Ringbahn ab und führt durch einen Tunnel unmittelbar bis zur Frachtebene unter der Empfangshalle. Durch Treppen und Rampen sind die unterschiedlichen Ebenen mit dem Flugsteig verbunden. Die Architektur des Flughafens Tempelhof vereint zwei architektonische Strömungen der 1930er Jahre: Die zur Stadt ausgerichtete Seite ist eher traditionalistisch und repräsentativ gestaltet. Hier bediente sich Ernst Sagebiel eines sachlich vereinfachten Klassizismus mit scharfkantigen Linien	und	glatten,	ornamentlosen	Wandflächen.	Einen	anderen	Eindruck	er geplantenÜberlagerung des gepla Überlagerung des und des alten Flughafens, Mo alten Flughafen Modellfoto, Stand 1936 weckt die zum Flugfeld gerichtete Seite. Hier ist eine der eindrucksvollsten zeitgenössischen Ingenieurkonstruktionen verwirklicht worden.

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Situation und Planungsvorgaben

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1937 wurde der Rohbau des neuen Flughafengebäudes fertiggestellt und ein Richtfest veranstaltet. Das Bauende des neuen Flughafens und der Abriss des alten Flughafens waren auf 1939 angesetzt. Das Stahlbetonskelett wurde mit einer Fassade aus Natursteinplatten verkleidet. Das Adlermotiv diente als Fassadenschmuck. Vom Vorplatz mit einem Durchmesser von 250 Metern sollte der Fluggast über den rechteckigen Ehrenhof in die Empfangshalle und Abfertigungshalle und schließlich zum überdachten Flugsteig gelangen. Die Abfertigung von Passagieren, Gepäck und Post war auf verschiedenen Ebenen geplant. Im Keller gibt es Tunnelsysteme und Luftschutzräume. Der	 Zweite	 Weltkrieg	 verzögerte	 die	 Fertigstellung	 des	 „Weltflughafens	 Tempelhof“. Die Bauarbeiten wurden endgültig 1943 eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt war der Innenausbau so gut wie abgeschlossen, der runde Vorplatz war zur Hälfte mit den gebogenen Bauten umgeben. Die westliche Fortsetzung davon wurde nicht mehr begonnen. Ebenso konnten die Zuschauertribünen sowie die von Sagebiel geplante Start- und Landebahn nicht realisiert werden. Trotzdem entstand die heute noch prägende Form des ovalen Flugfeldes mit den raumbegrenzenden Großbauten. Anzumerken ist, dass der Flughafen Tempelhof von den Nationalsozialisten selbst nur als Übergangslösung gedacht war, Planungen für einen größeren Flughafen südlich Berlins lagen bereits vor. Dem Pharus-Plan von 1944 ist die Erweiterung des Flughafengeländes in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre von 100 auf 400 Hektar zu erkennen. Die südliche Verbindungsstraße in Fortsetzung der Thomasstraße zum Bahnhof Tempelhof sowie die südlich angrenzenden Kleingartenanlagen sind verschwunden. Anstelle der Sportanlagen und Laubenkolonie am Tempelhofer Damm wurde das Flughafengebäude errichtet. Die Verbindungsstraße vom alten Flughafengebäude zum Tempelhofer Damm wurde gekappt und der Volkspark südlich des Columbiadamms mit Rodelbahn und Freilichtbühne der Flughaferweiterung geopfert. Einzig die Friedhöfe am Columbiadamm konnten sich behaupten. Der Flugverkehr blieb bis Kriegsende auf dem alten Flughafen in Betrieb, schrumpfte aber auf ein Minimum. Während des Krieges wurde die Produktion	von	Kampfflugzeugen	in	die	neuen	unterirdischen	Flughafenanlagen verlagert, die Verwaltungsbauten wurden militärisch genutzt. Der alte Flughafen wurde durch Bombenangriffe im Gegensatz zum neuen Flughafen weitgehend zerstört, nur wenige Gebäudeteile des neuen Flughafens wurden stark beschädigt. Zunächst übernahmen 1945 sowjetische Truppen das Flughafengelände, mit der Aufteilung Berlins in Sektoren durch die Alliierten wurde das Gebiet von den Amerikanern besetzt. Diese beseitigten die Kriegsschäden und nutzten den Flughafen vorerst militärisch.

Flughafenplanung mit axialer Ausrichtung auf das Kreuzbergdenkmal (Überlagerung mit dem alten Flughafen)

Flughafengebäude mit Platz der Luftbrücke (Planung)

Modellfoto (Blick aus Richtung Kreuzberg-Denkmal)

Pharus-Plan 1944, ohne Darstellung des Flughafens Tempelhof

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Situation und Planungsvorgaben

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Blockade und Luftbrücke 1945 bis 1949
Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde Deutschland durch die Alliierten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Berlin, das als Vier-Sektoren-Stadt einen Sonderstatus hatte, lag mitten in der sowjetischen Besatzungszone und galt nach sowjetischer Auffassung als Bestandteil ihrer Besatzungszone. Im November 1945 wurden drei Luftkorridore vereinbart, die weitgehend reibungslos funktionierten: je einer von Hamburg, Hannover und Frankfurt am Main nach Berlin. Am 24. Juni 1948, dem Tag der Währungsreform in den Westsektoren Berlins, kam es zur Blockade der Wasser- und Landwege des westlichen Berlins durch die sowjetische Besatzungsmacht. Diese wollte so die Güterund Personentransporte kontrollieren und die West-Alliierten (Frankreich, Großbritannien, USA) zum Abzug zwingen, um die Bildung eines westlich orientierten Staates zu verhindern. Die West-Sektoren Berlins waren damit von jeglicher Versorgung aus den damaligen Westzonen Deutschlands abgeschnitten. Die Westalliierten reagierten ab dem 26. Juni 1948 mit der Luftbrücke nach Berlin. Die Berliner wurden über die Luftbrücke mit Lebensmitteln, Medikamenten, Kohle, Zeitungen und Rohstoffen versorgt. Im kurzen Abstand landeten	 die	 Transportflugzeuge	 der	 West-Alliierten,	 auch	 Rosinenbomber genannt, in Tempelhof. Zwei 1.600 m lange Start- und Landebahnen wurden betoniert, der zivile Luftverkehr unterbrochen. Auch die Flughäfen Gatow und Tegel wurden in die Luftbrücke einbezogen. In Tegel wurde eine neue Landebahn angelegt, mit 2.400 Metern die längste Europas und gleichzeitig	 die	 Basis	 für	 den	 späteren	 Verkehrsflughafen.	 Während	 der	 Luftbrücke wurden in über 277.000 Flügen etwa 2,3 Millionen Tonnen Versorgungsgüter nach Berlin gebracht, ein Großteil davon über den Flughafen	Tempelhof.	Die	West-Berliner	Bevölkerung	empfing	die	Rosinenbomber mit Begeisterung, der Flughafen Tempelhof wird in der westlichen Welt zum Symbol der Freiheit, es entsteht der Mythos der Berliner Luftbrücke. Im Mai 1949 wurde die Blockade von der Sowjetunion beendet, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland trat am 24. Mai 1949 in Kraft. Die Luftbrücke blieb allerdings bis Oktober 1949 bestehen, um die Unabhängigkeit weiterhin zu sichern. Der Flughafen Tempelhof wird seit dieser Zeit, zumindest in West-Berlin, mit dem Widerstandswillen der West-Berliner Bevölkerung und der Unterstützung durch die Westalliierten in Verbindung gebracht. Der Vorplatz am Tempelhofer Damm wurde zum Platz der Luftbrücke unbenannt, das dort 1951 errichtete Denkmal, die sog. „Hungerharke“, erinnert noch heute an das Ereignis. Jährlich wird dort am 12. Mai mit einer Feier an die Berliner Luftbrücke erinnert. Die Blockade war ein erster Höhepunkt des Kalten Krieges. Das Verhalten der Sowjetunion verstärkte im Westen den Kampf gegen den Kommunismus. Das Erscheinungsbild der Westmächte erfuhr in der westdeutschen Gesellschaft durch die Luftbrücke einen entscheidenden Wandel von Besatzungsmächten zu populären Schutzmächten. Die Aktion der Luftbrücke wurde so zum Wendepunkt der Beziehungen zwischen den besiegten (West-)Deutschen und den Westalliierten.

Luftkorridore

Bau der südlichen Start- und Landebahn

	Landeanflug	eines	Rosinenbombers	 des Typs Douglas C-54 Skymaster in Tempelhof

Luftbrückendenkmal

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Situation und Planungsvorgaben

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Entwicklung seit 1950
1950 wurde ein Teil des Flughafens für die zivile Luftfahrt wieder freigegeben und von der US-Air Force an die Berliner Flughafengesellschaft (BFG) übergeben. Dafür errichtete man, da die zentrale Abfertigungshalle beschädigt war, eine neue kleinere Abfertigungshalle an der gebogenen Hallenfront. Sie wurde 1951 eröffnet. Die Gebäudeteile waren bald mit der steigenden Passagierzahl überlastet. Der Mauerbau 1961 zementierte die Teilung Berlins. Im gleichen Jahr wird mit „eins zwei drei“ von Billy Wilder der wohl berühmteste Film gedreht, für den der Flughafen Tempelhof die Kulisse bildet. Der Flughafen Tempelhof war das Eingangstor für Politiker, Film- und Rockstars wie die Rolling Stones, die hier 1965 vor ihrem legendären Konzert in der Berliner Waldbühne landeten. Die Erreichbarkeit West-Berlins auf dem Landweg über die wenigen Transitstrecken war nach wie vor erheblichen Behinderungen unterworfen. Eine Reise von der Bundesrepublik durch die am 7. Oktober 1949 gegründete Deutsche Demokratische Republik (DDR) nach West-Berlin war mit umfangreichen Kontrollen verbunden und zeitlich kaum kalkulierbar. Vielen erschien die Reise per Auto oder mit der Bahn als unbequem und risikoreich. Bis zur Einrichtung des Transitverkehrs durch die DDR bot der Flugverkehr die einzig sichere Verbindung zwischen West-Berlin und der BRD. Den West-Berlinern galt der Flughafen in diesen Jahren als „Tor zur Welt“. Durch die rasch ansteigenden Fluggastzahlen stieß der Flughafen BerlinTempelhof in den 1960er Jahren an seine Kapazitätsgrenzen. Der Flughafen Tempelhof wurde weiter saniert und ausgebaut. 1962 konnte die große Abfertigungshalle nach einigen Umbauten in Betrieb genommen werden. Schon vor den neuen Abfertigungsanlagen wurden zwei der drei Landebahnen auf rd. 2.100 m verlängert (die mittlere wurde 1957/1958 entfernt). Weil das Flugfeld für die neu entwickelten Düsenmaschinen ungeeignet war, entschied man sich, Tegel zum internationalen Flughafen auszubauen. 1975 wurde der Flughafen Berlin-Tempelhof für den zivilen Flugverkehr	geschlossen,	allerdings	blieb	er	Militärflughafen	der	US	Air	Force,	die	 bis 1993 auf dem Gelände stationiert war. 1982 wurde in Tempelhof der nationale zivile Flugverkehr mit kleinen Flugzeugen, vor allem für Geschäftsreisen, wieder aufgenommen. Zur 750-Jahrfeier Berlins im Jahr 1987 lockt am 8. August ein spektakuläres Feuerwerk über eine Millionen Menschen auf das Gelände des Flughafens Tempelhof. Nach der Wiedervereinigung 1990 kam es zu einer Neubelebung des innenstadtnahen Flughafens. 1992 übergaben die Amerikaner den Flughafen	 der	BFG	und	zogen	 1993	ab.	Seitdem	stehen	viele	Gebäudeflächen	 leer. Der Flughafen Tempelhof war nicht mehr ausgelastet. Zudem wurde die Bahn schneller und kostengünstiger. Die Nutzung des Flughafens mit Kurz-	 und	 Mittelstreckenflügen	 durch	 diverse	 Fluggesellschaften	 brachte	 nur einen kleinen Aufschwung. Die Bundesländer Berlin, Brandenburg und der Bund (Bundesrepublik Deutschland) legten 1996 im sog. „Konsensbeschluss“ fest, den südlich an der Stadtgrenze gelegenen Flughafen Schönefeld als Single-Airport auszubauen, da das System aus drei Flughäfen in der Stadt unwirtschaftlich ist. Die innerstädtische Belästigung durch Fluglärm wird zudem reduziert.

Dreharbeiten für „eins zwei drei“

Rolling Stones 1965

Tag der offenen Tür 1979

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Situation und Planungsvorgaben

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Die Inbetriebnahme des Berlin-Brandenburg-International BBI ist nunmehr für Herbst 2011 geplant.2 Mit einem Volksentscheid wollte die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ICAT) im Frühjahr 2008 eine Offenhaltung des innerstädtischen Flughafens Tempelhof erreichen. Eine Vorlage ist beim Volksentscheid angenommen, wenn sie eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen bekommt, die mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Das Plebiszit ist für den Berliner Senat juristisch nicht bindend. Da weniger als 25 % der wahlberechtigten Bevölkerung Berlins ihre Stimme zum Volksentscheid am 27.04.2008 abgaben, scheiterte der Volksentscheid. Deutlich wurde bei der Abstimmung, dass die Zustimmung für einen Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof im Ostteil der Stadt deutlich geringer	ausfiel	als	im	Westteil,	was	die	unterschiedliche	emotionale	Bindung der Bevölkerung in den ehemals getrennten Stadthälften widerspiegelt. Der Flughafen Tempelhof wurde wie vorgesehen zum 31. Oktober 2008 endgültig für den Flugverkehr geschlossen. Historische Spurensicherung Von den historisch gewachsenen Verkehrsbezügen der angrenzenden Stadtquartiere zum Tempelhofer Feld bzw. über das Tempelhofer Feld hinweg in Richtung des Dorfkerns Tempelhof haben folgende Verbindungen eine besondere Bedeutung für die stadträumliche Vernetzung (siehe auch Abb. 22): a.	 Die Ost-West-Verbindung Schwiebusser Straße <-> Jüterboger Straße <-> Züllichauer Straße nördlich des erst mit dem Bau des ersten Flughafens angelegten Columbiadamms. b. Der Straßenzug Adalbertstraße <-> Kottbusser Tor <-> Admiralstraße <-> Grimmstraße <-> Fichtestraße, der die Hasenheide bis zum Tempelhofer Feld durchquerte. Diese Verbindung setzte sich Anfang des 20. Jahrhundert am Ostrand des Flugfeldes in einem Sportband entlang der Oderstraße bis zur Ringbahn fort. c.	 Der Straßenzug Urbanhafen <-> Fontanepromenade <-> Südstern <-> Lilienthalstraße, der bereits im 19. Jahrhundert eine historische Verbindung zwischen dem Südstern und dem Tempelhofer Feld bis zum Dorfkern Tempelhof darstellte. d. Die Lilienthalstraße endete später in geradliniger Führung am ersten Flughafengebäude. e.	 Die Friesenstraße, die eine wichtige Verbindung vom Marheinekeplatz und zum Flugfeld herstellt. f.	 Der Grüne Weg, der eine historische Verbindung von Alt Rixdorf über die Friedhöfe an der Hermannstraße und über das Tempelhofer Feld zum Dorfanger Tempelhof herstellte (siehe Abbildung 14). Diese Verbindung wurde mit dem Bau des ersten Flughafens auf dem Tempelhofer Feld unterbrochen. Die Ideenvorschläge sollen diese historischen Bezüge beachten und ggf. weiterentwickeln	und	qualifizieren.

2 Der Flughafen soll 2011 Willy-Brandt-Airport heißen, benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt Berlin und späterem Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger.

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Situation und Planungsvorgaben

71

Abbildung 22: Historische Bezüge, Quelle: Yade Rasterdaten 2008 und eigene Darstellung

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

72

3.4
3.4.1

Wettbewerbsgebiet / übergeordnete Aspekte
Eigentumsverhältnisse

Die Fläche des ehemaligen Flughafens einschließlich des Flughafengebäudes	befindet	sich	seit	dem	01.09.2009	im	Eigentum	des	Landes	Berlin.	 Ausgenommen davon ist ein 80 x 80 m großer Bereich des Radarturms mit eigener Zufahrt vom Columbiadamm, der im Besitz des Bundes verbleibt. Die Flächen zwischen dem Werner-Seelenbinder-Sportpark und den südlich verlaufenden Gleisanalgen sowie die Kleingartenanlagen am südlichen	Rand	des	Flugfeldes	befinden	sich	im	Privatbesitz.
Radarturm am Columbiadamm

Abbildung 23: Eigentumsverhältnisse, Quelle: eigene Darstellung / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

3.4.2

Verkehr / Erschließung / Lärm

ÖPNV-Erschließung S- und U-Bahn Auf Grund der Ausdehnung des Wettbewerbsgebietes werden selbst bei tangentialer Lage der U- und S-Bahntrassen immer nur Teile des Flughafengeländes gut erschlossen. Die U-Bahnlinie 7 verkehrt nördlich des Flugfeldes entlang des Straßenzuges Gneisenaustraße – Hasenheide. Die Bahnhöfe Südstern und Gneisenaustraße liegen rd. 750 m bis 850 m vom Columbiadamm entfernt. Das Flugfeld ist zudem entlang des Tempelhofer Damms an die U-Bahnlinie 6 (Nord-Süd-Linie Alt-Tegel – Alt-Mariendorf) sowie am Tempelhofer Damm und an der Hermannstraße an die Ring-S-Bahn angebunden, die die Berliner Innenstadt innerhalb von weniger als einer Stunde umfährt. Die U-Bahnhöfe „Platz der Luftbrücke“ und „Paradestraße“ sowie der U+SBahnhof „Tempelhof“ grenzen westlich unmittelbar an das Flughafengelände. Vom S-Bahnhof „Tempelhof“ ist der Fernbahnhof „Südkreuz“ nur eine Station entfernt.

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Situation und Planungsvorgaben

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Der S-Bahnring grenzt südlich an das ehemalige Flughafengelände. Im Flächennutzungsplan sind auf der Ringbahn zwischen U+S-Bahnhof „Tempelhof“ und U+S-Bahnhof „Hermannstraße“ direkt am Flughafenrand als langfristige Planung zwei weitere Bahnhöfe vorgesehen, einer auf Höhe Komturstraße und einer an der Eschersheimer Straße (siehe auch Abbildung 30 „FNP“). Alternativ wird gegenwärtig erwogen, wie auch im Planwerk Südostraum dargestellt, nur einen neuen Bahnhof in der Mitte zwischen den beiden oben genannten zu bauen (siehe auch Abbildung 32).

Abbildung 24: ÖPNV-Erschließung, Quelle: BVG 2008

Die U-Bahnlinie 8 verläuft entlang der Hermannstraße in einem Abstand 
 von rd. 550 m östlich des Wettbewerbsgebietes. Von Bedeutung für das 
 Wettbewerbsgebiet sind die U-Bahnhöfe Boddinstraße, Leinestraße und 
 der o.g. S+U-Bahnhof Hermannstraße.
 Bus
 Auf dem Columbiadamm verkehrt die Buslinie 104. Eine Erschließungs-
 funktion übernimmt auch die Buslinie 248, die vom U-Bahnhof Gneisen-
 austraße kommend über die Friesenstraße zum U-Bahnhof Platz der Luft-
 brücke und weiter zum ca. 1,8 km von hier entfernten S-, Regional- und 
 Fernbahnhof Südkreuz verkehrt. 
 Südlich der Ringbahn und der Bundesautobahn verkehrt die Buslinie 246, 
 parallel zur U-Bahnlinie 8 auf der Hermannstraße die Buslinie 344.
 Kfz-Erschließung An das Flugfeld grenzen nördlich mit dem Columbiadamm, westlich mit dem Tempelhofer Damm und südlich mit dem Stadtautobahnring und der Silbersteinstraße unmittelbar Hauptverkehrsstraßen an. Eine weitere Hauptverkehrsstraße (Hermannstraße) verläuft in Nord-Süd-Richtung östlich des Flugfeldes in einem Abstand von ca. 550 Metern. Über die Anschlussstellen Tempelhofer Damm und Oberlandstraße ist das Wettbewerbsgebiet im Süden an die BAB A 100 (Stadtring) ange-bunden. Im Mai 2008 wurde der Autobahnring (BAB A 100) über die BAB A 113 (neu) direkt an die Autobahn Richtung Dresden und somit auch an den im Bau	 befindlichen	 Flughafen	 BBI	 (Berlin-Brandenburg-Inter¬national)	 angeschlossen. Die Verlängerung der Stadtautobahn nach Nord-Osten zur Elsenbrücke am Treptower Park soll bis 2017 realisiert werden und später über das Ostkreuz bis zur Frankfurter Allee verlängert werden.

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Situation und Planungsvorgaben

74

Das	Wettbewerbsgebiet	befindet	sich	in	der	seit	dem	1.	Januar	2008	gel-
 tenden Umweltzone Berlin, die die gesamte Berliner Innenstadt innerhalb 
 des S-Bahnringes umfasst und bis zur S-Bahntrasse an der südlichen Pe-
 ripherie des Flughafengeländes reicht. Die Umweltzone ist ein Gebiet, in 
 dem nur Fahrzeuge fahren dürfen, die festgelegte Abgasstandards einhal-
 ten.
 Die innere Erschließung des Flughafengeländes besteht derzeit im We-
 sentlichen aus den beiden 2,2 km bzw. 2,1 km langen Start- und Lande-
 bahnen sowie einem kreisförmigen System von so genannten Taxiwegen, 
 die die beiden ehemaligen Start- und Landebahnen auf der Ost- und West-
 seite anbinden. Zufahrtsmöglichkeiten zum Flugfeld bestehen über derzeit 
 noch geschlossene Tore am Tempelhofer Damm, am Columbiadamm und 
 an der Oderstraße.
 Gemäß der Überarbeitung des Masterplans 2010 ist das nachfolgend dar-
 gestellte Haupterschließungssystem für den Kfz-Verkehr vorgesehen.
 Unter Berücksichtigung der äußeren Rahmenbedingungen und der aus 
 der Entwicklung der Quartiere des Masterplans entstehenden zusätz-
 lichen Verkehre wird eine Anbindung der einzelnen Teilbereiche an das 
 umgebende Hauptverkehrsstraßennetz mit jeweils zwei Knotenpunkten 
 als ausreichend erachtet. Die Lage der neuen Anbindungspunkte sowie 
 die Abstände der Knotenpunkte untereinander entsprechen den überge-
 ordneten verkehrlichen Anforderungen aus der Betrachtung des umge-
 benden Gesamtnetzes.
 Columbiaquartier
 Mit der Verlängerung der Lilienthalstraße in ihrem historischen Verlauf bis 
 zum Columbiadamm und weiter in das Quartier wird die Hauptverknüp-
 fung geschaffen. Darüber hinaus ist westlich davon eine weitere Anbin-
 dung an den Columbiadamm vorgesehen.
 Stadtquartier Neukölln
 Über die „Durchbindung“ der Oderstraße zwischen Columbiadamm und 
 Silbersteinstraße kann neben der bestehenden Verknüpfung in Richtung 
 Süden eine gute verkehrliche Erschließungsqualität auch in nördliche 
 Richtung erreicht werden. dies wird zur Zeit noch diskutiert.
 Stadtquartier Tempelhof Süd
 Für das gewerblich geprägte Stadtquartier Tempelhof Süd wird die Her-
 stellung einer neuen leistungsfähigen Verkehrsanbindung an die Ober-
 landstraße und damit mit einer kurzen Wegebeziehung zur BAB 100 über 
 die Anschlussstelle Oberlandstraße vorgesehen. 
 Die Verbindung zum nordwestlich angrenzenden Stadtquartier Tempelhof 
 West dient der inneren Verknüpfung. Die dadurch entstehende Verbin-
 dung zum Tempelhofer Damm hat allenfalls eine nachgeordnete Er-schlie-
 ßungsfunktion für das Stadtquartier THF Süd. 
 Weiterhin ist eine Verbindung parallel zur Ringbahntrasse in Richtung 
 Osten bis zur Oderstraße zur Erschließung / Verknüpfung der Bestands- 
 und	Potentialflächen	eine	sinnvolle	Netzergänzung. Stadtquartier Tempelhof West Unter Berücksichtigung der verkehrlichen Belastung des Tempelhofer Damms ist die Erschließung des geplanter Stadtquartiers über maximal zwei signalisierte Vollknoten zu gewährleisten. Bei der Lage der Kreuzungspunkte ist die notwendige signaltechnische Einbindung in die abhängige Koordinierung angrenzender Knotenpunkte im Verlauf des Tempelhofer Damms zu berücksichtigen.

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Situation und Planungsvorgaben

75

Abbildung 25: Kfz-Erschließung gemäß Masterplan

Verkehrs- und Lärmbelastung Mit der Verkehrserhebung von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aus dem Jahr 2005 wurden auf für den Columbiadamm auf dem Straßenabschnitt westlich der Golßener Straße eine durchschnittliche Verkehrsbelastung (werktags) von 33.400 Kfz/24h und von 23.600 Kfz/24 h östlich der Golßener Straße ermittelt. Es wurde eingeschätzt, dass der Columbiadamm aufgrund der vorhandenen Verkehrsräume noch über Kapazitätsreserven verfügt. Die Verkehrsbelastung auf dem Tempelhofer Damm und der Hermannstraße liegt mit 50.000-60.000 bzw. 40.000-50.000 Kfz/24 h (werktags) deutlich über der des Columbiadamms mit 20.000-30.000 Kfz/24 h (werktags). Der südlich angrenzen Autobahnabschnitt der A 100 hat eine Verkehrsbelastung von bis zu 170.000 Kfz/24 h. Nach der Strategischen Lärmkarte 07.05.1 ist das Flughafengelände im Südwesten (Tempelhofer Damm) und im Süden (Bereich der A 100) besonders beeinträchtigt. Direkt an den Straßen sind Pegelwerte über 75 dB(A) zu erwarten. Die Lärmbelastung durch den Schienenverkehr wird in Karte 07.04.01 (Ausgabe 2005) des Umweltatlas mit > 55 dB(A) bzw. 55 - 60 dB(A) angegeben. Nach der Strategischen Lärmkarte 07.05.1 werden entlang des Columbiadamms in einem ca. 20 m tiefen Streifen Pegelwerte von 60 – 65 dB(A) erreicht. In einem dahinter liegenden ca. 100 m tiefen Streifen liegen die Pegelwerte noch in einem Bereich von 55 - 60 dB(A), womit der Orientierungswert	 für	 Grün-	 und	 Freiflächen	 von	 55	 dB(A)	 gemäß	 DIN	 18005	 überschritten wird.

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Situation und Planungsvorgaben

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Abbildung 26: Durchschnittliche tägliche Verkehrsmenge (Bezugsjahr 2005), Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Zur Mitte des Flugfeldes hin nimmt die Lärmbelastung (naturgemäß) ab. Für den Tempelhofer Damm ist – wegen des etwas abgesenkten Straßenniveaus – eine stärkere Pegelabnahme in geringerer Entfernung zur Lärmquelle erkennbar. Die stärkste Lärmbeeinträchtigung ist im Einflussbereich	 der	A	 100	 festzustellen.	 Hier	 reicht	 die	 wahrnehmbare	 Verlärmung etwa bis in das Zentrum des Flugfeldes, wo laut Karte 07.05.1 Lärmwerte von 55 - 60 dB(A) zu verzeichnen sind. Der Orientierungswert für	Grün-	und	Freiflächen	von	55	dB(A)	gemäß	DIN	18005	wird	somit	im	 gesamten Südwestteil des Untersuchungsgebiets überschritten.

Abbildung 27: Lärmbelastung, Quelle: TOPOS, Ökologie & Planung

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Situation und Planungsvorgaben

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Fahrrad-Verkehr Die folgenden Ausführungen sind der verkehrlichen Voruntersuchung zur 
 Masterplankonzeption Tempelhofer Feld entnommen. 
 Die bestehenden Radwegeverbindungen im Umkreis des Tempelhofer Fel-
 des	sind	gut	mit	dem	innerstädtischen	Radwegenetz	Berlins	verfloch-ten.	 Der nördlich gelegene Columbiadamm und der westlich verlaufende Tem-
 pelhofer Damm sind mit beidseitigen Radwegen ausgestattet. Auch die 
 südlich des Tempelhofer Feldes verlaufende Oberlandstraße verfügt über 
 eigenständige Radverkehrsanlagen. 
 Aufgrund der verkehrsberuhigten Lage und der Ausweisung als Zone 30 
 wird die Oderstraße am Ostrand des Tempelhofer Feldes als Fahrrad-stra-
 ße genutzt.
 Verknüpfung mit bestehenden Radwegerouten
 In Berlin gibt es derzeit neben zwei internationalen und drei überregio-
 na-len auch zwölf regionale Radrouten (RR), welche am Schlossplatz in 
 Berlin-Mitte beginnen und sternförmig an verschiedene Ortsteile und in 
 Ortschaften entlang der Stadtgrenze Berlins führen. Zwei dieser gekenn-
 zeichneten Radrouten verlaufen unweit des Tempelhofer Feldes in Nord-
 Süd-Richtung.
 Die Oderstraße an der Nahtstelle zwischen dem Tempelhofer Feld und 
 dem Bestandsquartier Neukölln-Schillerpromenade ist Bestandteil der Re-
 gionalroute RR10, die vom am südlichen Berliner Stadtrand gelegenen 
 Eichwalde aus in Richtung Schlossplatz in Berlin-Mitte verläuft.
 TR 4

RR 10

RR 11

Abbildung 28: Ausbau des Radroutennetzes, Stand April 2009, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Die westlich des Tempelhofer Feldes verlaufende Radroute RR11 (Mahlow bei Berlin - Schlossplatz) führt durch das sich westlich an den Tempelhofer Damm anschließende Wohngebiet und bietet eine ver-kehrsberuhigte Alternative zu den Radwegen am Tempelhofer Damm. Die vom Schlossplatz aus sternförmig geführten Radrouten (RR1 bis RR12) werden durch Tangentialrouten (TR1-TR8) miteinander verbunden.

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Situation und Planungsvorgaben

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Die bezüglich des Tempelhofer Feldes in nördlicher Richtung nächstgelegene Tangentialroute TR4, verläuft auf der ca. 600 m entfernten Bergmannstraße im Stadtbezirk Berlin-Kreuzberg. In südlicher Richtung befindet	 sich	 mehr	 als	 2	 km	 vom	 Tempelhofer	 Feld	 entfernt	 die	 über	 den	 Westphalweg verlaufende Tangentialroute TR3.
 Äußere Anbindung der geplanten Stadtquartiere
 Die geplanten Stadtquartiere sind als Randbebauung auf dem bestehen-
 den Tempelhofer Feld um den mittig geplanten Stadtpark vorgesehen. 
 Da die das Planungsgebiet tangierenden Bestandstraßen Tempelhofer 
 Damm, Columbiadamm, Oberlandstraße und Oderstraße gut mit dem 
 bestehenden übergeordneten Radwegenetz verknüpft sind, ist auch von 
 einer hinreichend guten äußeren Anbindung der geplanten Stadtquartiere 
 auszugehen.
 Neben der Radroute RR10, die aus nördlicher Richtung durch den Volks-
 park Hasenheide verlaufend, den Columbiadamm überquert und dann auf 
 die Oderstraße geführt wird, sind weitere auf den Columbiadamm füh-
 renden Radwege geplant. Dadurch sollen schnelle und verkehrssichere 
 Verbindungen zwischen dem Tempelhofer Feld mit dem auf der Nordseite 
 geplanten Columbiaquartier einerseits und den sich in nördlicher Richtung 
 anschließenden Bestandsquartieren des Stadtbezirkes Berlin-Kreuzberg 
 geschaffen werden. 


Abbildung 29: Fuß- und Radwegeverbindungen, gemäß Masterplan (Stand 02/2010) Quelle: FPB / Büro up, Arbeitsstand 01/2010.

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Situation und Planungsvorgaben

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Zwei dieser zusätzlich geplanten Radwegeverbindungen sollen durch die Lilienthalstraße und die Golßener Straße verlaufen und eine weitere von der Friesenstraße herangeführt werden. Um eine verkehrssichere Querung zu ermöglichen, werden zwei aus westlicher Richtung von der Radroute RR11 auf das Tempelhofer Feld führende Querverbindungen auf die beiden geplanten Knotenpunkte auf dem Tempelhofer Damm geführt. Durch diese beiden Zuwegungen für Radfahrer wird das geplante Stadtquartier Tempelhofer Damm mit den westlich des Tempelhofer Damms gelegenen Wohngebieten verknüpft. Eine weitere Anbindung ist vom U- und S-Bahnhof Tempelhof aus in östlicher Richtung vorgesehen. Von Süden her ist die Anbindung von der Oberlandstraße aus vorgesehen. Die Überquerung des bestehenden S-Bahngrabens der Ringbahn erfolgt in Höhe des geplanten S-Bahnhofs. Eine weitere Anbindung in diesem Bereich entlang des bestehenden Industriegleises mit der Überquerung entlang einer bestehenden Eisenbahn¬brücke	wird	derzeit	noch	geprüft	 Die momentan über die Oderstraße geführte Radroute RR10 soll in diesem Teilabschnitt an die Parkseite des geplanten Stadtquartiers Neukölln versetzt werden. Dadurch wird dem Radfahrer der Ausblick auf den geplanten Stadtpark und die dahinter gelegene Silhouette des ehemaligen Flughafengebäudes zuteil. Innere Verknüpfung der geplanten Stadtquartiere Mit	 der	 Planung	 der	 Innenfläche	 des	 Tempelhofer	 Feldes	 als	 Stadtpark	 eröffnen sich hervorragende Möglichkeiten für gebietsinterne Radwegeführungen. Diesen kommen verschiedene Funktionen zu: Die geplanten Stadtquartiere als auch die angrenzenden Bestandsquartiere der Bezirke Tempelhof, Neukölln und Kreuzberg werden miteinander verknüpft und die im Umfeld des Tempelhofer Feldes vorhandenen Radwege bekommen zusätzliche Querverbindungen. Ebenso	 wird	 aufgrund	 der	 Weitläufigkeit	 des	 Tempelhofer	 Feldes	 eine	 vereinfachte Erreichbarkeit der umgebenden ÖPNV-Haltepunkte Stationen ermöglicht. Beispielsweise werden somit die S-Bahnhöfe der Ringbahn vom geplanten Columbiaquartier aus schnell erreicht oder auch die U-Bahnlinie 6 vom Stadtquartier Neukölln aus. Hinzu kommt, begünstigt durch die Parklage, der freizeitsportliche Erholungseffekt. Der Außenring des mittig auf dem Tempelhofer Feld geplanten Stadtparks soll in gesamter Länge mit eigenständigen Radwegen ausgestattet werden. Der Ringweg übt eine Verteilerfunktion innerhalb des Radwegenetzes aus. Die beiden in Ost-West-Richtung verlaufenden Radwege-Querungen durch den geplanten Stadtpark entsprechen den beiden in Parallellage verlaufenden ehemaligen Start- und Landebahnen. Die südliche dieser beiden Querungen führt in der westlichen Verlängerung in gerader Linie auf den U- und S-Bahnhof „Tempelhof“ zu, die nördliche verbindet das geplante Stadtquartier Tempelhofer Damm mit dem Stadtquartier Neukölln. In Nord-Südrichtung durchquert eine oder mehrere Radwegeverbindung(en) den geplanten Stadtpark, deren genaue Lage im Rahmen des Wettbewerbs festgelegt werden soll. Weitere geplante Radwegeverbindungen, innerhalb des bestehenden Tempelhofer Feldes, außerhalb des geplanten Stadtparks dienen der besseren Erschließung und Anbindung der geplanten Stadtquartiere.

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

80

3.5
3.5.1

Städtebauliche Planungsgrundlagen
Flächennutzungsplanung

Vorbemerkungen Der Flächennutzungsplan (FNP) ist der gesamtstädtische vorbereitende Bauleitplan, in dem die Kommune die beabsichtigte städtebauliche Entwicklung und die sich daraus ergebende Art der Bodennutzung in ihren Grundzügen darstellt. Er ist die integrale, strategische Grundlage für Nutzungsentscheidungen und die räumliche Investitionssteuerung. Der FNP ist für die Kommune und die bei seiner Aufstellung beteiligten öffentlichen Planungsträger bindend. Er ist die planerische Grundlage für die Entwicklung der verbindlichen Bauleitplanung. Er ist gegenüber Bürgerinnen und Bürgern nicht direkt bindend, verdeutlicht jedoch der Öffentlichkeit die strukturellen, gesamtstädtischen Planungsziele der Kommune. Der Berliner FNP ist vom Senat beschlossen und hat die Zustimmung des Abgeordnetenhauses. Der Flächennutzungsplan wird für den Bereich des Tempelhofer Feldes zurzeit überarbeitet. Der Einleitungsbeschluss des FNP wurde am 21.04.2008 bekannt gemacht. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit wurde in der Zeit vom 01.09. bis 06.10.2008, die Öffentliche Auslegung vom 15.06.2009 bis 16.07.2009 durchgeführt. Im Anschluss an die Öffentliche Auslegung wird die Änderung mit einem Bericht über die Beteiligung und das Abwägungsergebnis dem Senat und dem Abgeordnetenhaus vorgelegt. Die Änderungsmappe ist dem Anhang 4.09b zu entnehmen. Entwurf zur FNP-Änderung Schon seit 1994 bildet der Berliner Flächennutzungsplan das Ziel der Schließung des Flughafens Tempelhof durch die Darstellung von Bauund	Grünflächen	ab.	Die	Änderung	des	Flächennutzungsplans	parallel	zur	 Vertiefung der Planungskonzeption durch Wettbewerbe und andere Planungsinstrumente bildet die stadtplanerische Grundlage für eine schrittweise Entwicklung des Areals in den nächsten Jahren. Im	Kern	der	Darstellung	liegt	die	zentrale	Grünfläche	der	Parklandschaft	 Tempelhof und deren Anbindung an die umgebenden Stadtquartiere.
 Im Bereich des denkmalgeschützten Flughafenensembles am Platz der 
 Luftbrücke, entlang des Tempelhofer Damms und nördlich des S-Bahn-
 Ringes	werden	gemischte	Bauflächen	(M2)	dargestellt.	Damit	bieten	sich	 breite Entwicklungsmöglichkeiten für unterschiedliche Nutzungen. Mit der Arrondierung des Stadtquartiers Neukölln soll der Bereich Oderstraße	/	Schillerpromenade	aufgewertet	werden.	Die	Wohnbaufläche	(W2)	 wird hier bis zum vorhandenen Kontrollweg zurückgenommen und stattdessen das Stadtgefüge am Columbiadamm und an der Lilienthalstraße ergänzt	und	als	Wohnbaufläche	(W2)	dargestellt. Ausgehend	 von	der	zentralen	Freifläche	werden	die	 bisher	dargestellten	 Wohnbauflächen	W2	neu	zuge	 rdnet.	Ziel	ist	die	stadtstrukturelle	Verbino dung zwischen den Stadtquartieren an der Bergmannstraße, am Südstern und an der Oderstraße / Schillerpromenade unter Berücksichtigung der landschaftlichen und klimatischen Bezüge. Am	südlichen	Rand	wird	die	gewerbliche	Baufläche	in	veränderter	Abgrenzung beibehalten. Diese Darstellungen ermöglichen breite Entwicklungsmöglichkeiten für unterschiedliche Nutzungen wie Dienstleistungen, Wirtschaft, Forschung, Kultur oder Verwaltung. Die	 Symbole	 für	 übergeordnete	 Gemeinbedarfs-	 und	 Freiflächennutzungen werden generalisiert dargestellt. Belange des Denkmalschutzes sind

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Situation und Planungsvorgaben

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auf den nachfolgenden Planungsebenen zu berücksichtigen (siehe auch Anhang 4.09c). Die	künftige	Darstellung	der	Bauflächen	orientiert	sich	an	einer	Zuordnung	 zu den bestehenden bebauten Gebieten und der Nutzung der vorhandenen Erschließungen durch Straßen und den Schienen gebundenen Nahverkehr.

Legende siehe Anhang 4.09c Abbildung 30: Entwurf zur FNP-Änderung (Stand Öffentliche Auslegung Juni 2009)

Unterschiedliche Auffassungen gibt es hinsichtlich der zukünftigen Flächennutzung beidseitig des Columbiadamms. Dies betrifft insbesondere die Darstellungen für das sog. Columbia- und Lilienthalquartier. Der Entwurf des Flächennutzungsplans stellt hier Wohnbaufläche	 W2,	 die	 informelle	 bezirkliche	 Bereichsentwicklungsplanung	 (siehe	nachfolgendes	Kapitel)	dagegen	Freiflächennutzungen	dar. Die angrenzenden Stadtbezirke Tempelhof-Schöneberg, FriedrichshainKreuzberg und Neukölln lehnen die neuen Wohnquartiere ab. Aus bezirklicher Sicht wird die isolierte Lage am Columbiadamm kritisch gesehen. Zudem wird befürchtet, dass eine Bebauung im Bereich des geplanten Columbiaquartiers die Kaltluftströme vom Tempelhofer Feld nach Norden beeinträchtigen werde. Aus diesem Grund wurde eine klimatologische Untersuchung über die Auswirkungen verschiedener Szenarien auf das Stadtklima erarbeitet (siehe Anhang 4.08a). Der FNP mit Stand „Öffentliche Auslegung“ berücksichtigt die klimatischen Anforderungen, indem ein grüner Korridor entlang und in Fortsetzung der Golßener Straße und im Bereich des Columbiabades von einer Bebauung freigehalten wird. Eine Bebauung von Randbereichen des Tempelhofer Feldes und eine bauliche Verdichtung über den Columbiadamm hinaus wird in angrenzenden Stadtquartieren wird zwar zu einer Abnahme des Kaltluftvolumenstroms führen, die Lufttemperatursituation wird sich hingegen nicht nennenswert verändern. Das genaue Ausmaß der Auswirkungen ist abhängig von den konkreten Festsetzungen der nachfolgenden Bebauungsplanung und kann bei Berücksichtigung einer ressourcen- und flächenschonenden	Bauweise	in	Verbindung	mit	der	Freihaltung	von	Kaltluftleitbahnen minimiert werden.

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Situation und Planungsvorgaben

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3.5.2

Planwerk Südostraum

Der Südostraum ist einer der für die Entwicklung Berlins wesentlichen Strategieräume. Bereits seit den 1990er Jahren hat sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit dem Berliner Südostraum befasst und im Jahr 2000 mit dem ersten Planwerk Südostraum ein Konzept, das über Verwaltungsgrenzen hinweg reicht, veröffentlicht. Ausgehend von dem neuen Flughafen BBI ist der Betrachtungsraum in der Fortschreibung des Planwerks Südostraum erweitert worden, um die Nähe und die Anbindung des Flughafens und seines Umfeldes im Zusammenhang mit den südöstlichen Berliner Bezirken und der Berliner Innenstadt zu verdeutlichen. So werden in der Fortschreibung auch die Achse der Dresdner Bahn und das für die Stadt zurück gewonnene Tempelhofer Feld dargestellt. In dem gesamten Betrachtungsraum leben rd. 800.000 Menschen, er bietet über 250.000 Arbeitsplätze.

Abbildung 31: Planwerk Südostraum Quelle: SenStadt, Stand 2009)

Der Südostraum wird auch zukünftig mit dem Cluster aus dem Flughafen BBI, den Wirtschafts- und Technologieparks und den großen bestehenden Gewerbearealen ein wichtiger Ort der Arbeit sein. Seit der Bestätigung der Flughafenentscheidung im Jahr 2007 und dem Baubeginn ist bereits eine stärkere	Nachfrage	nach	Gewerbeflächen	spürbar.	

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Zugleich bietet der Südostraum vielfältige Möglichkeiten für attraktives Wohnen, für Freizeit und Erholung. Es gilt daher, die wirtschaftlichen Chancen für die Stadtentwicklung zu nutzen und die urbanen wie landschaftlichen Qualitäten weiter zu entwickeln sowie die städtischen Siedlungsräume besser mit den Gewässern, Parks und Wäldern zu vernetzen. Im Leitbildplan werden die bereits vorliegenden Planungen in den Zusammenhang gestellt und durch strukturelle Planungsvorschläge ergänzt. Mit dem Planwerk ist gemeinsam mit den beteiligten Bezirken und Gemeinden zum Teil über Ländergrenzen hinweg eine Grundlage erarbeitet worden, um die Chancen zu nutzen, die sich mit der Entwicklung des Südostraumes bieten.

Abbildung 32: Planwerk Südostraum (Ausschnitt)Quelle: SenStadt, Stand 2009)

3.5.3

Räumliche Bereichsentwicklungsplanung

Die Bereichsentwicklungsplanung (BEP) stellt eine informelle Planung dar, die die Lücke zwischen der gesamtstädtischen (Flächennutzungsplanung) und der örtlichen Planung (Bebauungsplanung) ausfüllt. Darin treffen die Bezirke für ihr gesamtes Gebiet oder für ausgewählte Bereiche Aussagen zur angestrebten Grundstücksnutzung, in der Regel verbunden mit der Festlegung von Prioritäten für Planungen und Maßnahmen. Damit ist die behördenverbindliche Bereichsentwicklungsplanung nicht nur ein Instrument der vorausschauenden Nutzungsplanung, sondern zugleich ein Koordinationsinstrument zur Abstimmung der verschiedenen Fachplanungen. Der Bereichsentwicklungsplan Innenstadt (2002) stellt eine Zusammenschau der bezirklichen Entwicklungsplanungen innerhalb des S-Bahnringes dar.3 Der Flughafengebäudekomplex mit Vorfeld wird übernommen und	als	Gemeinbedarfsfläche	mit	der	Zweckbestimmung	„Verwaltung“	dargestellt.	Das	Flugfeld	ist	als	öffentliche	Grünfläche	mit	der	Zweckbestimmung	Grünfläche	(Parkanlage)	und	im	Süden	westlich	des	Bereichs	des	 Werner	Seelenbinder	Sportparks	mit	einer	weiteren	Gemeinbedarfsfläche	 vorgesehen.
3	 Die BEP für den Teilbereich Kreuzberg wurde 2005 von der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg beschlossen. Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg wurden alle BEP´s von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen. Der Bereich des Flughafens Tempelhof wurde jedoch von der Beschlussfassung ausgenommen. Die Darstellungen für das Flughafengelände stellen einen verwaltungsintern abgestimmten Stand dar. Die BEP für den Teilbereich Neukölln wurde noch nicht vom Bezirksparlament beschlossen.

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Als wichtige übergeordnete Fußgänger- und Radwegeverbindungen im unmittelbaren Umfeld wird die Oderstraße als Verbindung zwischen Tempelhof über Neukölln zur Hasenheide und Kreuzberg sowie die Thomasstraße als Verbindung zum Richardplatz dargestellt. Eine weitere Verbindung direkt auf das Flugfeld führt vom Columbiadamm durch den Gebäudekomplex auf das Tempelhofer Feld. Am Südrand des Flugfeldes ist ein in Ost-West-Richtung verlaufender Grünzug dargestellt.

Legende siehe Anhang 4.09c Abbildung 33: BEP Innenstadt Berlin, Stand März 2002, teilweise überarbeitet 2005, Quelle: Bezirksamt
Tempelhof-Schöneberg von Berlin (Hrsg.) und eigene Darstellung (unter Einbeziehung der BEP Friedrichshain-Kreuzberg, Stand 2005)

In den Erläuterungen zur 2005 beschlossenen BEP Friedrichshain-Kreuzberg	wird	auf	das	hohe	Defizit	an	Frei-	und	Grünflächen	hingewiesen,	das	 auch durch die neu geplanten Parks, wie z. B. dem Gleisdreieck nicht wesentlich verringert wird. Darüber hinaus wird eine Freiraumverbindung vom Südstern über die Lilienthalstraße zum Flugfeld dargestellt.

3.5.4

Denkmale

Der ehemalige Flughafen Tempelhof ist ein Baudenkmal von sehr hohem gesellschaftlichem Rang. Die Flughafengebäude und Bürobauten nebst ihrer Außenanlagen sowie das befestigte Hallenvorfeld sind in ihrer Gesamtheit als ein Denkmalbereich (Gesamtanlage) in die Denkmalliste Berlin aufgenommen worden. Neben dem Erhalt des Baudenkmals besteht ein	 hohes	 denkmalpflegerisches	 Interesse	 an	 der	 weiteren	 Erleb	 arkeit	 b der Weite des Flugfeldes, die wichtige Sichtbeziehungen ermöglicht. Entlang des sogenannten Taxiwegs (Rollweg) sind im Süden und Westen die halbkreisförmigen, befestigten Flächen der sogenannten Warmlaufplätze (Startköpfe) erkennbar. Die Start- und Landebahnen bildeten später das funktionale	Gerüst	des	Flugfeldes.	Von	denkmalpflegerischem	Belang	ist	 auch die Berücksichtigung dieser baulichen Anlagen. Im mittleren Bereich des Flugfeldes, zwischen Taxiweg und nördlicher Start- und Landebahn, ist der Standort des „Alten“ Tempelhofer Flughafens heute nur noch rudimentär erkennbar. Zu diesem zwischen 1923 und

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Situation und Planungsvorgaben

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1929 erbauten Flughafen (siehe auch 3.3 „historische Entwicklung“ und Abbildung 19 bis Abbildung 21) gehörten neben einem Hauptgebäude und fünf Flugzeughallen diverse kleinere Gebäude. Sie sind als eine archäologische	Verdachtsfläche	ausgewiesen.	Eine	Eintragung	als	Bodendenkmal	 wird derzeit vom Landesdenkmalamt Berlin vorbereitet. Bei Umgestaltungen des Geländes müssen entsprechende archäologische Grabungen eingeplant werden. Am Nordrand des Flughafens Tempelhof befanden sich während des Zweiten Weltkrieges Barackenlager der Deutschen Lufthansa AG und der Weser Flugzeugbau Bremen GmbH (siehe Seite 55 zum Konzentrationslager Columbia-Haus). Das Gebiet zwischen Golßener Straße und Lilienthalstraße südlich des Columbiadamms ist daher als eine archäologische Verdachtsfläche	ausgewiesen. Der Flughafen Tempelhof bildet zusammen mit dem Radarturm sowie dem Platz der Luftbrücke mit dem Luftbrückendenkmal vor dem Gebäudeensemble, dem Kino Columbia und der ehemaligen Sporthalle am Columbiadamm einen Denkmalbereich (Ensemble). In der unmittelbaren Umgebung des Flughafengeländes sind weitere wichtige Denkmalbereiche oder Gartendenkmale zu nennen: Auf das Kreuzbergdenkmal (Nationaldenkmal von Carl Friedrich Schinkel zur Erinnerung an die Befreiungskriege 1813-1815) im Viktoriapark wurde das Flughafengebäude ausgerichtet. Nördlich des Columbiadamms sind der 1830 angelegte Luisenstädtische Friedhof und eine 1895-1897 erbaute und heute von der Polizei genutzte Kasernenanlage denkmalgeschützt. Der Garnisonfriedhof im Norden, die städtebauliche Anlage des Parkrings Neu-Tempelhof von 1911-13 und 1924-31 im Westen, und im Süden die Kleinwohnungssiedlung östlich der Oberlandstraße von 1929-31, die ehemaligen Ufa-Filmstudios in der Oberlandstraße sowie ein Fabrikgebäude an der Ringbahnstraße können als Denkmale benannt werden.

Abbildung 34: Denkmalkarte, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Hinweis: Die ehemaligen Start- und Landebahnen gehören zum Denkmalbereich, 	 bei	dem	Bodendenkmal	handelt	es	sich	um	eine	Verdachtsfläche

Nach dem Gesetz zum Schutz von Denkmalen in Berlin (DSchG Bln, § 10) darf auch die unmittelbare Umgebung eines Denkmals, soweit sie

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für dessen Erscheinung von prägender Bedeutung ist, durch Errichtung oder Änderung baulicher Anlagen, durch die Gestaltung der unbebauten öffentlichen und privaten Flächen oder in anderer Weise nicht so verändert werden, dass die Eigenart und das Erscheinungsbild des Denkmals wesentlich beeinträchtigt werden.

3.6
3.6.1

Landschaftsplanerische Planungsgrundlagen
Landschaftsprogramm

Das Landschaftsprogramm von 1994 stellt in Karten, Text und Begründung die Erfordernisse und Maßnahmen zur Verwirklichung der Ziele und	 Grundsätze	 des	 Naturschutzes	 und	 der	 Landschaftspflege	 in	 den	 Grundzügen für das Land Berlin dar. Aufgabe des Landschaftsprogramms innerhalb des Planungssystems Berlins ist, die in § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes formulierten allgemeinen Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege	zu	konkretisieren	und	die	zu	ihrer	Umsetzung	erforderlichen Maßnahmen festzulegen. Das Landschaftsprogramm (LaPro) wird zusammen mit dem Flächennutzungsplan für den Bereich des Flughafens Tempelhof überarbeitet. Der Einleitungsbeschluss zur Änderung des FNP / LaPro wurde am 21.04.2008 bekannt gemacht. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit wurde in der Zeit vom 01.09. bis 06.10.2008, die Öffentliche Auslegung vom 15.06.2009 bis 16.07.2009 durchgeführt. Im Anschluss an die Öffentliche Auslegung wird die Änderung mit einem Bericht über die Beteiligung und das Abwägungsergebnis dem Senat und dem Abgeordnetenhaus vorgelegt. Die Änderungsmappe ist dem Anhang 4.09b zu entnehmen. Nachfolgend werden die Inhalte der auf die vier aufeinander abgestimmten Programmpläne des Berliner Landschaftsprogramms (Stand: Öffentliche Auslegung vom 15.06. bis 16.07.2009, siehe auch Anhang 4.09a). Im Programmplan Biotop- und Artenschutz werden die Friedhöfe am Columbiadamm	und	die	zentralen	Freiflächen	des	Flugfeldes	als	„Artenreservoir / Verbindungsbiotop“ für die vorrangige Entwicklung von Arten der Feldfluren	und	Wiesen	dargestellt.	Die	Friedhöfe	an	der	Bergmannstraße	 und an der Hermannstraße sowie die Hasenheide sind als „Artenreservoir / Verbindungsbiotop“ für die vorrangige Entwicklung von Arten Grünlandbiotope gekennzeichnet. Die Friedhöfe an der Bergmannstraße gelten zudem als bedeutendes Einzelbiotop. Die mit einer grünen Linie gekennzeichnete zentrale	Freifläche	des	Flugfeldes	wird	als	landschaftsschutzwürdig	ausgewiesen. Entlang der Bahntrasse wird die vorrangige Entwicklung der Verbindungsfunktion für sonstige Arten zwischen Neukölln und Tempelhof aufgenommen (orangene Linie). Die	 östlichen	 Bereiche	 (zentrale	 Freiflächen	 des	 Flugfeldes,	 Friedhöfe	 am Columbiadamm und an der Hermannstraße, Hasenheide) liegen im Vorranggebiet Klimaschutz gemäß dem Programmplan Naturhaushalt / Umweltschutz. Als Entwicklungsziele werden genannt: •	 Der Erhalt klimatisch wirksamer Freiräume. •	 Die Sicherung und Verbesserung des Luftaustausches. •	 Die Vermeidung bzw. der Ausgleich von Bodenversiegelung. Das Flugfeld liegt zudem im Vorranggebiet Luftreinhaltung, das den Innenstadtbereich umfasst. Hier werden folgende Entwicklungsziele benannt: •	 Emissionsminderung. •	 Erhalt	von	Freiflächen	/	Erhöhung	des	Vegetationsanteils.	 •	 Immissionsschutz	empfindlicher	Nutzungen.	

Entwurf zur Änderung des Programmplans Biotop- und Artenschutz (Stand: Öffentliche Auslegung Juni 2009)

Entwurf zur Änderung des Programmplans Naturhaushalt / Umweltschutz (Stand: Öffentliche Auslegung Juni 2009)

Entwurf zur Änderung des Programmplans Erholung und Freiraumnutzung (Stand: Öffentliche Auslegung Juni 2009)

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Im Programmplan Erholung und Freiraumnutzung ist das Flugfeld zum Teil verbunden mit dem Volkspark Hasenheide und den östlich angrenzenden	Freiflächen	als	Grünfläche	/	Parkanlage	dargestellt.	Für	die	nach	FNP	 geplanten Baugebiete wird in Bezug auf Wohnquartiere u.a. die Anbindung / Verknüpfung mit übergeordneten Grünzügen und die Anlage nutzbarer privater und halböffentlicher Freiräume gefordert. Die nördlich und östlich angrenzenden Wohnquartiere sind der höchsten Dringlichkeitsstufe zur Verbesserung der Freiraumversorgung zugeordnet. Hier sollen umfangreiche Sofortmaßnahmen für öffentliche, halböffentliche und private Freiräume ergriffen werden. Dazu zählen u.a. die Erhöhung der Nutzungsmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität sowie die Erschließung vorhandener	Freiflächen	und	Blockkonzepte.

Abbildung 35: Versorgung mit wohnungsnahen öffentlichen Grünanlagen, Quelle: Umweltatlaskarte 06.05,Juni 2009

Im Betrachtungsgebiet um den ehemaligen Flughafen mit den angrenzenden Flächen der Ortsteile Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln wurde ein Bestand von rd. 113 ha wohnungs- und siedlungsnahen Grünanlagen ermittelt .. Als siedlungsnahe Grünanlagen fungieren der Viktoriapark im Nordwesten und der Volkspark Hasenheide im Norden des ehemaligen Flughafens. Als Bedarf wurden insgesamt rd. 295 ha wohnungs- und siedlungsnahe	 Grünflächen	 ermittelt.	 Es	 ergibt	 sich	 also	 ein	 Fehlbedarf	 von	 rd. 182 ha im Umfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Nicht versorgt sind die nördlich angrenzenden Wohnquartiere des Bergmannkiezes, schlecht versorgt sind die östlich angrenzenden Wohnquartiere des Schillerkiezes.

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Abbildung 36: Versorgung mit wohnungs- und siedlungsnahen öffentlichen Grünanlagen, Quelle: Senstadt IE1, Febr. 2008

Im Programmplan Landschaftsbild ist das Flugfeld als städtischer Übergangsbereich mit Mischnutzungen dargestellt. Als Ziele und Maßnahmen werden u.a. die Einbeziehung in den Volkspark-, Kleingarten- und Friedhofrings als Element der Stadtstruktur und Ergänzung durch neue Parkanlagen genannt. Als	Maßnahmenschwerpunkte	werden	für	die	große	Freifläche	des	Flugfeldes der Erhalt und die Entwicklung typischer Elemente des Landschaftsbildes und die Beseitigung von Landschaftsbildschäden genannt. Der Platz der Luftbrücke gilt als Stadtplatz mit übergeordneter Bedeutung für die Stadtgliederung. Der Südstern soll als Stadtplatz aufgewertet werden. Die nördlich und östlich angrenzenden Friedhöfe sowie der Volkspark Hasenheide werden im Zusammenhang mit übergeordneten Strukturelementen als landschafts- oder siedlungsraumtypische Grün- und Freiflächen	 /	 Vegetationsbestände	 dargestellt.	 Für	 die	 kultur-	 und	 naturlandschaftlich geprägten Strukturelemente werden auf der großen Freifläche	Wiese,	Weide	und	Grünlandbrache	benannt.	 Das Flugfeld Tempelhof vermittelt ein in dieser innerstädtischen Lage einzigartiges Erlebnis von Weite und Raumtiefe. Dieser Raumeindruck ist heute insbesondere aus südlicher Richtung (S-Bahnring / Autobahn), von der östlich angrenzenden Oderstraße und partiell vom Columbiadamm aus wahrnehmbar. Dem Betrachter eröffnet sich vom Tempelhofer Flugfeld aus ein beeindruckender Panoramablick in alle Richtungen. Aus der näheren Berliner Stadtsilhouette ragen markante Gebäude und weithin sichtbare Anlagen, heraus wie z.B.: •	 Die Kirche am Südstern und die St.-Johannes-Basilika in der Lilienthalstraße •	 Der Radarturm und die diversen Einrichtungen der Flugsicherheit •	 Der Wasserturm an der Fidicinstraße •	 Die Sehitlik-Moschee mit ihrer Kuppel und ihren 34 m hohen Minaretten am Columbiadamm •	 Das Ullsteinhaus am Tempelhofer Damm / Ecke Ullsteinstraße in Tempelhof

Entwurf zur Änderung des Programmplans Landschaftsbild, (Stand: Öffentliche Auslegung Juni 2009)

Blick von Süden (Ringbahn) über das Flugfeld Richtung Innenstadt

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•	 Der Gasometer an der Torgauer Straße in Schöneberg •	 Der Fernsehturm am Alexanderplatz In der Gesamtstädtische Ausgleichskonzeption (Ergänzung des Landschaftsprogramms / Artenschutzprogramms) liegt der Flughafen Tempelhof im Ausgleichsraum Innenstadt, der vom Berliner S-Bahn-Ring gebildet wird.	Im	Ausgleichsraum	Innenstadt	liegende	Maßnahmeflächen	sind	prioritär umzusetzen.

3.6.2

Kleingärten
Zwischenpächter ohne ohne Bahn-Landwirtschaft Bahn-Landwirtschaft Bezirksverband Süden (Neukölln) Fläche in ha 2,1 0,5 1,3 0,7 Parzellen 99 19 33 23

An das Flugfeld grenzen folgenden Kleingartenanlagen an:
Nr 1 2 3 4 Name Am Flughafen Columbia Am Tempelhofer Berg Am Neuköllner Berg Odertal Eigentümer BIMA/Bund BIMA/Bund VIVICO Bundeseisenbahnvermögen landeseigen/privat Status nach KEP* ungesichert ungesichert ungesichert ungesichert

5

0,8

26

Schutz bis 2020 / ungesichert

*KEP = Kleingartenentwicklungsplan

Abbildung 37: Kleingartenanlagen im Umfeld des Flugfeldes, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwickl

Die Kleingartenanlage „Am Flughafen“ (Nr.1) mit ihren 99 Parzellen auf bundeseigenem Grund gehört gemäß dem Berliner Kleingartenentwicklungsplan (Stand: Januar 2010) zu den nicht gesicherten Anlagen. Die Kleingartenanlage wurde 1946 in Verbindung mit der Anlage des Regenwasserrückhaltebeckens auf dem Bodenaushub angelegt. Die Kleingartenanlage „Columbia“ (Nr.2) mit ihren 19 Parzellen zählt ebenfalls gemäß dem Berliner Kleingartenentwicklungsplan zu den nicht gesicherten Anlagen, d. h. es gibt keinen Bestandsschutz.

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Im	 Süden	 zwischen	 dem	 Flugfeld	 und	 der	 Bahntrasse	 befinden	 sich	 zudem Kleingärten der Eisenbahnlandwirtschaft (Nr. 3 und 4) mit insgesamt 56 Parzellen. Vom Tempelhofer Damm aus ist die Kolonie „Am Tempelhofer Berg“, von der Oderstraße aus ist die Kolonie „Am Neuköllner Berg“ erreichbar. Diese Kleingärten sind nicht gesichert und können kurzfristig gekündigt werden. Die westlichen 14 Parzellen der Kleingartenanlage Odertal (Nr. 5) auf privatem Grund gelten gemäß Kleingartenentwicklungsplan als „hoch gesichert“, für die östlichen 12 Parzellen auf landeseigenem Grundstück besteht eine Schutzfrist bis 2020 (Kleingartenentwicklungsplan, Stand: Januar 2010). Zur Sicherung der Kleingärten als Dauerkleingartenkolonie wurde am 24.02.1987 der Aufstellungsbeschluss für den B-Plan XIV225 gefasst. Seit der Frühzeitigen Bürgerbeteiligung vom 20.11.1989 bis 20.12.1989 ruht das Verfahren.

3.6.3

Friedhöfe

Das Berliner Friedhofsgesetz bestimmt, dass ein Friedhofsentwicklungsplan (FEP) aufzustellen ist, der die vorhandene Versorgung mit Friedhofsflächen	feststellt	sowie	die	angestrebte	wohngebietsnahe	Versorgung	 und die notwendigen Entwicklungsmaßnahmen festlegt. Durch eine bezirksübergreifende, sowohl landeseigene als auch konfessionelle Friedhöfe berücksichtigende Planung, soll eine abgestimmte bedarfsorientierte Reduzierung	der	Bestattungsfläche	erreicht	werden,	ohne	jedoch	die	einzigartige Friedhofslandschaft Berlins in ihren wesentlichen Elementen zu beeinträchtigen. Der nachfolgenden Abbildung sind die Entwicklungsperspektiven für die genannten Friedhöfe zu entnehmen.

Abbildung 38: Friedhofsentwicklungsplan, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Von besonderer Bedeutung für das Flugfeld sind der unmittelbar angrenzenden Garnisonsfriedhof am Columbiadamm (Nr. 5029) sowie die östlich liegenden St. Thomas Friedhof (5157), Neuer St. Jacobi-Friedhof (5155) und Jerusalems- und Neue Kirche Friedhof (5163).

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Für den westlichen, an das Flugfeld grenzenden Teil des St. Thomas Friedhof (5157) ist eine Umnutzung in eine naturnahe Parkanlage als Ersatzmaßnahme im Zusammenhang mit dem Bau der BAB 100 geplant. Der Garnisonsfriedhof am Columbiadamm (Nr. 5029) soll entgegen der Darstellung des Friedhofentwicklungsplans nicht in einen Friedhofspark umgewandelt sondern überwiegend weiter zu Bestattungszwecken genutzt werden.

Die weiß ausgesparte Fläche am Columbiadamm markiert den Bereich des muslimischen Friedhofs an der Sehitlik-Moschee. Abbildung 39: Garnisonsfriedhof Columbiadamm / Konzept 2008, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Friedhofsentwicklungsplan

3.6.4

Topographie, Boden, Altlasten

Das	 Gebiet	 befindet	 sich	 im	 nördlichen	 Randbereich	 der	 Teltow-Hochfläche,	 im	 Übergangsbereich	 zum	 Urstromtal	 der	 Spree	 und	 liegt	 7-10 Meter höher als die nördlich / angrenzende Stadtlandschaft. Zu den Straßen Columbiadamm und Tempelhofer Damm fällt das Gelände um ca. 1,5 bis 2,0 Meter ab. Auch am östlichen Rand des Flugfeldes entlang der Oderstraße ist ein markanter Geländesprung festzustellen, der aus der abgesenkten	Lage	der	dort	ehemals	vorhandenen	Sportflächen	resultiert	 (siehe auch Höhenkarte im Anhang 4.08k).
Urstromtal

Teltow-Hochfläche

Abbildung 40: Geologische Karte, Quelle: ???

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Die Böden des Tempelhofer Feldes sind nutzungsbedingt anthropogen überformt. Es dominieren Böden, die sich aus kalkhaltigen Schuttauffüllungen und Überschüttungen entwickelt haben (Pararendzinen) bzw. solche aus sandigen, kalkfreien Aufschüttungen (Regosole). Im Bereich des ehemaligen Flughafens lassen sich Rohböden über versiegelten und teilversiegelten	 Flächen	 (Ranker)	 als	 am	 stärksten	 anthropogen	 beeinflusst	 einstufen.	Zwischen	den	Start-	und	Landebahnen	finden	sich	relativ	„naturnahe“, d.h. weniger überformte Böden (Parabraunerden).

Abbildung 41: Ausschnitt aus Umweltatlaskarte 01.01 „Bodengesellschaften“

Als typisch für die Böden des Flughafens Tempelhof wird der hohe bis mäßig hohe Verdichtungsgrad genannt. Nahezu alle Bodeneinheiten sind mit Bauschutt durchsetzt.

Abbildung 42: Ausschnitt aus Umweltatlaskarte 01.13 „Planungshinweise zum Bodenschutz“

In der Umweltatlaskarte 01.13 „Planungshinweise zum Bodenschutz“ wurden	die	innenliegenden	Wiesenflächen	aus	Sicht	des	Bodenschutzes	als	

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Situation und Planungsvorgaben

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sehr	schutzwürdig	eingestuft	(Vorrang	2).	Im	südöstlichen	Bereich	finden	 sich besonders schutzwürdige Böden (Vorrang 1). Altlasten Die gesamte Fläche des Flughafens Tempelhofs wird im Bodenbelastungskataster Berlin als altlastenverdächtig geführt. Insbesondere im Bereich des Rollfeld und der Landebahnen werden Ablagerungen anthropogener Materialien vermutet. Zum Niveauausgleich musste außerdem am südöstlichen Rand verstärkt Material aufgebracht werden. Dies führte dort zu einer ca. 20 m hohen Hangkante zwischen Flughafen und dem anschließenden Gelände. Als weitere Altablagerung wird die Verfüllung des Franzosenpfuhls (Schlangenpfuhls) am östlichen Rand genannt. Zu den Altstandorten zählen das Heizkraftwerk mit unterirdischem Tanklager und die Betriebstankstelle am Columbiadamm, die Flugzeugaufstellfläche	 vor	 dem	 Hauptgebäude	 mit	 den	 östlich	 angrenzenden	 Flächen, das Tanklager für Flugbenzin am Tempelhofer Damm, der ehemalige Schießstand, eine KFZ-Werkstatt, ein Schrottplatz, eine Müllverbrennungsanlage im Süd-Osten und der Standort des alten Flughafens. Bezüglich der Altlasten liegt bisher keine abschließende Gefährdungsabschätzung vor. Eine orientierende Altlastenerkundung erfolgt derzeit für die im	Eigentum	 des	 Landes	 Berlin	befindlichen	 Flächen	 (ohne	die	ehemals	 bundeseigenen Flächen). Ergebnisse sollen im Laufe des Jahres 2010 vorliegen. Auch	 bezüglich	 der	 durchgeführten	 flächendeckenden	 Kampfmitteluntersuchung liegen noch keine Ergebnisse vor, hier wird jedoch kein relevantes Gefährdungspotential gesehen.

Abbildung 43: Altlasten, Quelle: Topos

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Situation und Planungsvorgaben

94

Im Umfeld des alten Flughafens wurde 2003 ein Grundwasserschaden (Benzol) nachgewiesen. Zur Eingrenzung des Grundwasserschadens laufen derzeit Detailuntersuchungen (Messrohre im Bereich des nordöstlichen Teils des Alten Flughafens). Weitere Detailuntersuchungen werden derzeit vorbereitet, Ergebnisse sollen Ende 2010 vorliegen. Die Grundwassermessrohre werden voraussichtlich noch einige Jahre am Standort verbleiben und müssen nach Auskunft des Umweltamtes Tempelhof-Schöneberg gegen Beschädigung und unsachgemäße Benutzung gesichert werden. Da bei dem alten Flughafenstandort (siehe auch Abbildung 16, Seite 20) nicht bekannt ist, wie die damalige Räumung durchgeführt wurde, wird vermutet, dass sich im Boden weiterhin Gebäudereste bzw. -fundamente befinden.	Es	kann	auch	davon	ausgegangen	werden,	dass	Tankbehälter	 nicht entsorgt, sondern lediglich überschüttet wurden. Bei	Pflanzmaßnahmen	können	aufgrund	des	stark	überformten	und	stellenweise verdichteten Bodens intensive bodenverbessernde Maßnahmen erforderlich werden.

3.6.5

Grundwasser

Der	Grundwasserflurabstand	beträgt	10-20	Meter,	in	kleineren	Bereichen	 nördlich	und	östlich	sogar	20-40	Meter.	Die	Verschmutzungsempfindlichkeit wird im Umweltatlas als „mittel“ eingestuft, d.h. das Grundwasser ist gegenüber Schadstoffeinträgen relativ geschützt. Die Versickerungsfähigkeit des Untergrundes ist sehr gering.

3.6.6

Klima

Die	 Freiflächen	 des	Tempelhofer	 Flughafens	 werden	 im	 Umweltatlas	 als	 Kaltluftentstehungsgebiet mit einem hohen Potenzial eingestuft. Sie haben eine Ausgleichsfunktion für die klimatisch stärker belasteten und dicht bebauten Siedlungsräume aufgrund der zentralen Lage im Innenstadtbereich, der Ausdehnung und der fehlenden Bau- und Vegetationsstruktur. Der Luftaustausch mit den Randgebieten, d.h. das Eindringen kühlerer Luftmassen in die bebauten Quartiere, ist dabei abhängig von der Geschlossenheit der Randbebauung. Die unversiegelten Bereiche des Flughafens bilden mit den umliegenden Grünflächen	 im	 Norden	 (Friedhöfe,	 Sommerbad	 und	 Volkspark	 Hasenheide) und Osten (Friedhöfe und Werner-Seelenbinder-Sportpark) eine zusammengehörige Einheit (Vorranggebiet Klimaschutz gemäß Landschaftsprogramm). Aus diesem größeren Gefüge ergeben sich ein besonders	hoher	stadtklimatischer	Einfluss	und	eine	sehr	hohe	Empfindlichkeit	 gegenüber Nutzungsintensivierung.

Abbildung 44: Kälteinsel - Oberflächentemperaturen in der Nacht, Quelle: Umweltatlas Berlin (Karte 04.06.1)

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Situation und Planungsvorgaben

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Das Gelände wirkt als eine Kälteinsel, wie auch der Volkspark Hasenheide, gegenüber den überwärmten Bereichen Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln. Tagsüber kommt es zu einer relativ starken Erwärmung und nachts zu einer erheblichen Abkühlung mit Temperaturen wie im Berliner Umland, was auch den bereits genannten intensiven Luftaustausch zur Folge hat. Die hohe Tagesamplitude verringert sich in Richtung der dichten Bebauung. In der nachfolgenden Umweltatlaskarte 04.11.2 „Planungshinweise Stadtklima“ wird die sehr hohe stadtklimatische Bedeutung des Tempelhofer Flugfeldes im Zusammenspiel mit den nördlich angrenzenden Parkanlagen	 (Hasenheide),	 Friedhöfen	 und	 sonstigen	 Freiflächen	 (Columbiabad,	 Kleingartenanlagen) für die angrenzenden Stadtquartiere verdeutlicht. Im Einwirkungsbereich des Kaltluftentstehungsgebiets auf dem Tempelhofer Flugfeld	befinden	sich	vor	allem	die	nördlich	angrenzenden	Wohngebiete	 des Bergmannkiezes, die zudem noch positiv von den östlich angrenzenden	Friedhöfen	beeinflusst	werden.	Austauschbarrieren	und	eine	weitere	 Verdichtung sollten hier vermieden werden.

Abbildung 45: Planungshinweise Stadtklima, Quelle: Umweltatlas Berlin (Karte 04.11.2)

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Situation und Planungsvorgaben

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Die sog. Fliegersiedlung westlich des Flugfeldes wird wegen ihrer offenen Siedlungsstruktur mit hohem Durchgrünungsgrad als klimatisch günstiger Siedlungsraum eingestuft, der die Kaltluftströmung unterstützt. Demgegenüber zählt das östlich angrenzende Schillerquartier zu den Siedlungsräumen mit geringer bis mäßiger bioklimatischer Belastung. Hier werden die Verbesserung der Durchlüftung, die Erhöhung des Vegetationsflächenanteils	und	der	Erhalt	aller	Freiflächen	empfohlen.	 Im Zusammenhang mit dem FNP-Änderungsverfahren (siehe 3.5.1) wurde ein klimaökologisches Gutachten beauftragt, dass u.a. die Auswirkungen einer Bebauung am Rand des Flugfeldes im Hinblick auf die klimatische Bedeutung des Kaltluftentstehungsgebiets für die angrenzenden Stadtquartiere in drei Szenarien aufzeigt (siehe Anhang 4.08b). Als ein Ergebnis der Untersuchung wurde festgestellt, dass die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes im Vergleich zum Ist-Zustand zu einer verminderten klimaökologischen Ausgleichsleistung führt. Diese Effekte weisen in den untersuchten Szenarien aber nur eine lokale und kleinräumige Wirksamkeit auf. Gegenüber dem geltenden Flächennutzungsplan ist die Intensität der Beeinträchtigung in den Szenarien „FNP Änderung“ und Konzept „Zukunft Tempelhofer Feld“ deutlich geringer, was vor	allem	auf	die	Bauflächenrücknahme	dieser	Szenarien	zurück	zu	führen	 ist. Hervorgehoben wird zudem die Leitbahnfunktion im Bereich Hasenheide. Zudem wurde speziell für das Flugfeld ein weiteres klimatologisches Gutachten erstellt, dessen Ergebnisse nachfolgend zusammenfassend dargestellt werden (siehe auch Anhang 4.08a). Aufgabenstellung des Fachbeitrags „Stadtklima zum landschaftsplanerischen Wettbewerb „Parklandschaft Tempelhof“ war es, klimaökologische Rahmendaten zu liefern, um eine Beurteilung Schutzgüter Klima/Luft innerhalb des Planungsprozesses zu gewährleisten. Dabei wurde das Hauptaugenmerk	auf	die	Beeinflussung	des	Kaltlufthaushaltes	durch	eine	 Modifizierung	der	Freiflächenstrukturen	–	insbesondere	durch	Wald-	und	 Gehölzflächen	–	gelegt.	Ziel	sollte	es	sein,	die	klimaökologischen	Rahmenbedingungen auf der Fläche selbst zu optimieren und eine Kalt-/ Frischluftversorgung in den angrenzenden Quartieren aufrecht zu erhalten. Für die Ermittlung dieser Zusammenhänge wurde als meteorologische Rahmenbedingung eine austauscharme, sommerliche Hochdruckwetterlage	angenommen,	die	häufig	mit	einer	überdurchschnittlich	hohen	Wärmebelastung in den Siedlungsräumen sowie lufthygienischen Belastungen einhergeht. In dem Gutachten wurden die Ergebnisse der Klimamodellierung für die im	Verfahren	befindliche	FNP-Änderung	als	Ausgangsszenario	sowie	vier	 weiteren Szenarien dargestellt. Das Basisszenario stellt die im Verfahren befindliche	 FNP-Änderung	 dar,	 welche	 sich	 hinsichtlich	 der	 Bebauungsstruktur am Konzept „Zukunft Tempelhofer Feld“ orientiert. Die Planungsszenarien wurden hinsichtlich des Waldanteils auf dem zentralen Tempelhofer Feld in eine Minimal- und Maximalvariante untergliedert, welche jeweils noch durch unterschiedliche Gehölzanteile in den Kaltluftschneisen differenziert werden. Für die Beurteilung der klimatischen Auswirkungen der Planungen wurden die Varianten hinsichtlich ihrer regionalen Wirkung auf benachbarte Wohnquartiere als auch die lokale Wirkung	auf	der	Vorhabenfläche	selbst	beurteilt.	

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Situation und Planungsvorgaben

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Abbildung 46: Untersuchungsablauf und Szenarien des Fachbeitrags Stadtklima, Quelle: GeoNet 2009

Die Szenarien wurden hinsichtlich der Kriterien „Bodennahes Temperaturfeld“, „Autochthones Windfeld“ und „Kaltluftvolumenstrom“ bewertet. Regionale Wirkung Insgesamt zeigt die regionale Bilanzierung für die betrachteten Stadtquartiere ein heterogenes Ergebnis, was auf die komplexen Strömungsverhältnisse in der Umgebung des Tempelhofer Feldes zurückzuführen ist. Das Minimalszenario mit 30 % Gehölzanteil stellt sich aber durchgängig als die Variante mit der niedrigsten Einwirkintensität dar. Hinsichtlich der marginalen Spannweiten der Abnahmen in den jeweiligen Szenarien können die klimaökologischen Auswirkungen auf die drei benachbarten Stadtquartiere als gering bewertet werden. Lokale Wirkung Die Aussagen zu den lokalen Wirkungen der drei Planungsszenarien beziehen sich auf die für das Basisszenario vorgesehenen Baufelder einerseits sowie den unbebauten Bereich des Tempelhofer Feldes andererseits. Die Bilanzierung macht deutlich, dass die einzelnen Baufelder in unterschiedlicher Weise von den Planungen betroffen sind. Für den Kaltluftvolumenstrom treten in allen Szenarien sowohl Zu- als auch Abnahmen auf, wobei für das Columbiaquartier sowie die Baufelder Tempelhof durchgängig Abnahmen von bis zu minus 24,4 Prozentpunkten ermittelt wurden. Die Schwankungsbreite des Volumenstroms innerhalb der anderen Baufelder liegt in einer Größenordnung von minus 8,1 bis plus 9,7 Prozentpunkten. Für	 die	 oberflächennahen	 Lufttemperaturen	 zeigen	 sich	 dagegen	 durchgängig geringe Abweichungen in einer Schwankungsbreite von minus 0,5 bis plus 2 Prozentpunkten, welche in den Maximalszenarien etwas höher sind als in den Minimalszenarien. Legt man die bioklimatischen Verhältnisse in den geplanten Baufeldern zugrunde, weisen von den untersuchten Szenarien tendenziell die Minimalvarianten	erwartungsgemäß	den	geringsten	Grad	an	Beeinflussung	auf. Am Parameter Kaltluftvolumenstrom wird sichtbar, dass die klimaökologischen Auswirkungen des Maximalszenarios 60 % für den unbebauten Bereich des Tempelhofer Feldes am stärksten sind. Der im Vergleich zu den anderen Szenarien höhere Anteil an Baumgruppen in Verbindung mit einem Gehölzanteil von 60 % in den Kaltluftschneisen führt zu einer Abnahme des Kaltluftvolumenstroms über dem Tempelhofer Feld um bis zu minus 22,8 Prozentpunkte gegenüber dem Basisszenario. Davon aus-

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Situation und Planungsvorgaben

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gehend, geht die Abweichung des Volumenstroms stufenweise auf minus 16,1 Prozentpunkte im Minimalszenario 30 % zurück. Die	 Strömungsgeschwindigkeit	 wird	 hingegen	 weniger	 stark	 beeinflusst	 als der Volumenstrom. Dabei ist im Minimalszenario 60 % mit minus 4,1 Prozentpunkten die höchste Abnahme zu verzeichnen. Die Zunahme der Lufttemperatur beträgt etwa 2 Prozentpunkte im Minimalszenario und ca. 4 Prozentpunkte im Maximalszenario. Die angenommene Ausgestaltung des Tempelhofer Feldes mit Waldflächen	und	Gehölzen	in	den	Kaltluftschneisen	führt	im	Vergleich	zum	Basisszenario zu einer verminderten klimaökologischen Ausgleichsleistung im unmittelbaren lokalen Umfeld. Diese Effekte weisen in den untersuchten Szenarien somit eine lokale und kleinräumige Wirksamkeit auf. Es kann weiterhin festgehalten werden, dass die Intensität der Beeinträchtigung der Klimaparameter in den Minimalszenarien geringer ist. Die Untersuchungen machen deutlich, dass die für das Basisszenario ausgewiesenen Leitbahnen eine wichtige Funktion im lokalen Kaltlufthaushalt ausüben und eine Verbindung zwischen dem Tempelhofer Feld und den angrenzenden	Siedlungs-	und	Grünflächen	herstellen.	

3.6.7

Biotop- und Artenschutz

Die	Freifläche	des	Flugfeldes	weist	eine	hohe	Bedeutung	für	den	Biotop-	 und Artenschutz auf. Das Tempelhofer Feld hat vor allem aufgrund seiner Größe sowie des Vorkommens von offenen, trockenwarmen Lebensräumen eine für Berlin herausgehobene Stellung für den Erhalt der daran gebundenen	 Tier-	 und	 Pflanzenarten.	 Außer	 gefährdeten	 Wiesen-	 und	 Trockenrasenpflanzen	beherbergt	das	Gebiet	eine	reiche	Fauna	mit	(Brut)	 Vögeln der Offenlandschaft sowie licht- und wärmeliebenden wirbellosen Tierarten. Somit hat das Areal die Funktion eines Refugialgebietes für diese Lebensgemeinschaften. Bestimmte Biotope und die hier lebenden Tierarten unterliegen dem unmittelbaren Schutz des Bundes- bzw. des Berliner Naturschutzgesetzes. Auf dem Areal des Tempelhofer Feldes wurden Vorkommen besonders bzw. streng geschützter Arten (§ 10 II Nr.10, 11 BNatSchG) nachgewiesen. Besonders geschützt sind dabei nach EU-Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 79/409/EWG) alle vorgefundenen heimischen Vogelarten. Nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) oder EU-Verordnung (Nr. 338/97) zusätzlich streng geschützt sind Grauammer und Brachpieper sowie einige Gastvogelarten (Mäusebussard, Turmfalke, Ortolan, Habicht, Waldohreule, Sumpfohreule). Einen besonderen Schutzstatus tragen außerdem alle kartierten heimischen Hummel- und Bienenarten. Die besonders oder streng geschützten Arten müssen bei der Ausgestaltung	der	Freiflächen	bzw.	bei	zukünftigen	Nutzungskonzepten	berücksichtigt werden. Die geplante Parkanlage auf dem Tempelhofer kann sich auf die	geschützten	Arten	nachteilig	auswirken	(Nutzungsdruck,	Bepflanzung,	 Modellierung).	 Konfliktpotenziale	 bestehen	 z.B.	 im	 Hinblick	 auf	 die	 lokalen, nach der Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten) besonders geschützten Feldlerchenreviere, da deren Vorkommen im Bereich des ehemaligen Flughafenareals ca. 25% der Berliner Gesamtpopulation ausmachen. Die Darstellungen im Programmplan Biotop- und Artenschutz des Landschaftsprogramms zielen auf den Erhalt und die Entwicklung der Vorkommen	 und	 Lebensräume	 wertvoller	 Tier-	 und	 Pflanzenarten	 der	 Wiesen-	und	Feldfluren	ab	(siehe	3.6.1).	Die	Anbindung	an	den	Biotopverbund	 entlang der Bahntrasse ermöglicht eine Grünraumvernetzung mit angren-

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Situation und Planungsvorgaben

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zenden	Freiflächen	und	gewährleistet	einen	Artenaustausch	mit	anderen	 Populationen. Die vorhandenen Biotopstrukturen tragen zur Sicherung der biologischen	Vielfalt	bei.	Durch	eine	Ausweisung	der	zentralen	Freifläche	 als landschaftsschutzwürdiger Bereich können wertvolle Magerrasenbiotope und Glatthaferwiesen erhalten und Störungen dort lebender Tier- und Pflanzenarten	vermieden	werden.	Die	Darstellungen	des	Programmplanes	 Biotop- und Artenschutz und die darin formulierten Entwicklungsziele und Maßnahmen	wirken	sich	daher	positiv	auf	die	Schutzgüter	Tiere	und	Pflanzen sowie die biologische Vielfalt aus.

dunkelgrün = geschützte Biotope der Glatthaferwiesen hellgrün = geschützte Biotope der Sandtrockenrasen Abbildung 47: Geschütze Biotope, Quelle: Seebauer et al. 2005

Für Offenland-Vogelarten ist das Gebiet ein für Berliner Verhältnisse herausragendes Brutgebiet. Hervorzuheben ist hier besonders die Feldlerche, die mit einem Bestand von 95 Brutpaaren (im Jahr 2005) eine lokale Population in gutem Erhaltungszustand hat, während in der Agrarlandschaft Europas	die	Bestände	großflächig	abnehmen	(siehe	blaue	Punkte	in	der	 folgenden Abbildung). Auf die Bedürfnisse der Feldlerchen-Population ist in besonderer Weise Rücksicht zu nehmen, da dieser Bestand europarechtlich geschützt ist.

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Situation und Planungsvorgaben

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besonders wertvolle Lebensräume = dunkelblau Abbildung 48: Avifauna, Quelle: Seebauer et al. 2005

Eine weitere stark gefährdete Art ist der Brachpieper, der im westlichen Bereich in der Nähe des Tempelhofer Damms vorkommt (siehe auch Abbildung 46, rote Raute). Der wertvollste Bereich für die gefährdeten Arten, insbesondere für Grauammer, Braunkehlchen und Steinschmätzer ist der Südabschnitt des ersten Flughafengebäudes (siehe Abbildung 46, dunkelblaue Fläche im Norden des Flugfeldes). Der Vegetationsbestand im Bereich des alten Flughafens, der auch Bäume und Sträucher enthält, sollte erhalten bleiben, um auch weiterhin als Lebensraum für diese Arten dienen zu können. Für die Feldlerchen werden folgende Lebensraumansprüche formuliert: •	 offen, keine Gehölze (außer wenigen niederliegenden Sträuchern), keine Störungen durch Menschen und Hunde, extensiv genutztes Grünland. •	 •	 •	 Abstand zu Baumreihen und ähnlichen vertikalen Strukturen: mindestens 60-120 m. Abstand zu Bebauung: mindestens 120 m.

geschätzter Abstand zu Maschendrahtzaun mit Menschen/Hunden dahinter: mindestens 25 m. Die Feldlerche gilt als Zielart, mit einem Erhalt der Population können auch Reviere von Brachpieper, Schafstelze, Braunkehlchen, Grauammer und Steinschmätzer gesichert werden. Zur Erhaltung und Entwicklung ihrer Artengemeinschaften bedürfen die wertvollen	 Biotope	 einer	 qualifizierten	 und	 dauerhaften	 Pflege.	 So	 kann	 z.B. eine Verbesserung der Lebensraumqualität für Vögel erreicht werden, wenn	 nicht	 alle	 Flächen	 gleichzeitig	 gemäht	 werden.	 Ein	 kleinflächiger	 Umbruch und die Schaffung von offenen Bereichen würde die Strukturvielfalt erhöhen. Zur Bedeutung des Flugfeldes für den Biotop- und Artenschutz wird zudem auf den Anhang 4.08g-j verwiesen.

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Situation und Planungsvorgaben

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Konzepte für den Biotop- und Artenschutz Seebauer et	al.	(2005)	definieren	für	das	Flugfeld	Tempelhof	in	schematischer Darstellung eine rd. 200 ha große Kernzonen für den Biotop- und Artenschutz, in die Schwerpunktareale besonders herausragende Biotopstrukturen und Lebensräume eingebettet sind.

Abbildung 49: Kernzonen für den Biotop- und Artenschutz, Quelle: Seebauer et al. 2005

Demgegenüber können die artenarmen Zierrasen an den Rändern und die befestigten	 Erschließungsflächen	 intensiveren	 Nutzungen	 zur	 Verfügung	 gestellt werden.

3.6.8

Befestigte Flächen und Gebäude

Bedingt durch die ehemalige Flughafennutzung bestehen die versiegelten Flächen	überwiegend	aus	Ortbeton,	Asphalt,	Betonplatten	und	Betonpflaster. Die einzelnen Bereiche werden im Folgenden beschrieben (überwiegend zitiert aus der Machbarkeitsstudie von TOPOS / Ökologie & Planung, Stand 2007, siehe Anhang 4.06a).

Abbildung 50: Oberflächen, Quelle: TOPOS / Ökologie & Planung, 2007

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Situation und Planungsvorgaben

102

Rundweg Um das gesamte Gelände führt am Rand, entlang des Zauns, der ehemalige Patroullienweg. Der Rundweg diente zur Kontrolle und Absicherung des	Geländes.	Er	besteht	überwiegend	aus	Asphalt.	Die	Oberfläche	weist	 bis	auf	einige	Teilflächen	(Überquerung	Bahngleis	im	Südwesten,	Bereich	 mit ehemaligen Einbauten/Barrieren an der Picnic-Area im Norden), einen guten Zustand auf. Nur auf der Südseite besteht ein Abschnitt aus Ortbeton (im Bereich der ehemaligen Müllverbrennungsanlage). In diesem Abschnitt	ist	die	Oberfläche	stark	verwittert	und	weist	größere	Schadstellen	 auf.
 Vorfeld vor dem Flughafengebäude
 Der östlich an das Flughafengebäude angrenzende Bereich besteht aus 
 einer großen Fläche aus Ortbeton. Die Fläche setzt sich aus einzelnen 
 Feldern	einer	Größe	von	5	x	5	Metern	zusammen.	Die	Fläche	befindet	sich	 in einem relativ guten Zustand. Start- und Landebahnen Die	Oberfläche	der	Rollfelder	besteht	aus	Asphalt.	Anfangs-	und	Endbereiche (Stand- bzw. Ausrollbereiche) sind aus Ortbeton. Die Länge der Bahnen beträgt ca. 2,2 km (südliche Rollbahn) und 2,1 km (nördliche Rollbahn), die Breite liegt bei rd. 43 m (nördlich Rollbahn) bzw. rd. 55 m (südliche Rollbahn). Die	südliche	Flugbahn	weist	einen	besseren	Zustand	der	Oberfläche	auf,	 da sie 1996 saniert wurde. Am Beginn der Rollbahn sind jeweils Leuchten in	 die	 Oberfläche	eingelassen,	 seitlich	befinden	 sich	 Orientierungsleuchten. Taxiweg Zu den Start- und Landebahnen gelangten die Flugzeuge mittels der sog. „Taxiwege“. Diese bestehen aus breiten Trassen aus Ortbeton, in einem Teilbereich auch aus Betonplatten. Die Taxiwege bilden eine kreisförmige, umlaufende Bewegungsbahn um den Flugplatz und binden die beiden Flugbahnen auf der Ost- und Westseite an. Die	Oberfläche	aus	Ortbeton	befindet	sich	auf	der	Nord-	und	Südseite	in	 einem überwiegend guten Zustand. Bei einem älteren Streckenabschnitt auf	 der	 Ostseite	 ist	 die	 Oberfläche	 stark	 zersetzt	 und	 weist	 einen	 sehr	 schlechten Zustand auf. Flugzeugabstellflächen Auf	 der	 Südseite	 des	 Geländes	 befinden	 sich	 am	 Taxiweg	 ehemalige	 Flugzeugabstellflächen	 (ehemalige	 Warmlaufplätze).	 Die	 Oberfläche	 besteht aus kleinformatigen Betonplatten (40 x 40 cm). Die Betonplatten sind stark zersetzt bzw. gesprungen. Stellenweise sind die Flächen intensiv mit Krautwuchs überwuchert und kaum noch als befestigte Flächen erkennbar. Sonstige Wege und Straßen Zwischen den beiden Landebahnen verläuft eine Straße, die die Anlagen der	 Flugsicherung	 anbindet.	 Sie	 besteht	 aus	 Betonpflaster	 und	 befindet	 sich in gutem Zustand. Der Bereich des ehemaligen Flughafengebäudes und der Schießplatz sind durch eine Asphaltstraße erschlossen, die sich einem gutem Zustand befindet.	Der	Erschließungsweg	auf	der	Ostseite	des	ehemaligen	Flughafengebäudes besteht aus einer verwitterten Deckschicht aus Asphalt, im östlichen und nordöstlichen Teil ist der Weg in sehr schlechtem Zustand. Die Straße vom ehemaligen Flughafengebäude nach Norden, als Verbindung zur Lilienthalstraße ist nur noch als Relikt erkennbar (Bereich zwischen

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Situation und Planungsvorgaben

103

Schießplatz und Taxiweg). Der nördlich anschließende Teil an der PicnicArea ist stark verwittert und kaum noch begehbar. Die einzige Nord-Südverbindung erfolgt durch einen ca. 4 m breiten Weg, der vom Flughafengebäude zu den beiden Flugbahnen und einem angrenzenden Gebäude der Flugsicherung verläuft. Er besteht im nördlichen Teil aus Asphalt. Zwischen den beiden Flugbahnen wechselt der Belag in Betonpflaster.	Alle	 Oberflächen	 befinden	 sich	 in	 gutem	 Zustand.	 Das	 letzte	 Teilstück des Weges, als Verbindung zum südlich angrenzenden Taxiweg, besteht aus einer verdichteten Rasenpiste ohne Unterbau.

Abbildung 51: Zustand der Oberflächen, Quelle: TOPOS / Ökologie & Planung, 2007

Sportflächen Am nördlichen Rand des Flugfeldes liegt im Übergang zum Columbiadamm	ein	großes	Rasenspielfeld	für	Baseball.	Die	Rasenflächen	befinden	 sich	 in	 einem	 relativ	 guten	 Zustand.	 Die	 übrigen	 vorhandenen	 Sportflächen bestehen überwiegend aus Gummigranulat. Der Basketballplatz am westlichen Rand der Picnic-Area könnte wieder nutzbar gemacht werden. Der westlich angrenzende Tennisplatz müsste grundlegend saniert werden. Der nördlich angrenzende Tennisplatz im Übergang zum Columbiadamm ist so stark verwittert, dass er abgerissen werden muss. Ab dem 4. Oktober 2009 hat TIB (Turngemeinde in Berlin 1884), Berlins ältester Sportverein am Columbiadamm, die o.g. Freiluft-Sportanlagen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens in Berlin-Tempelhof übernommen. Gebäude und bauliche Anlagen Der folgenden Abbildung sind die Gebäude und sonstigen baulichen Anlagen auf dem Flugfeld zu entnehmen: Darunter sind einige bauliche Ein-

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Situation und Planungsvorgaben

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richtungen, die auch nach der Aufgabe der Flughafennutzung erhalten bleiben. Hierzu zählen die Anlagen des Deutschen Wetterdienstes, der Radarturm der Bundeswehr sowie Einrichtungen für die DFS (Deutsche Flugsicherung) und Berlin-Radio.

Abbildung 52: Gebäudeatlas, Quelle: TOPOS / Ökologie & Planung, 2007 zur Legende siehe Gebäudeatlas im Anhang 4.06f

Eine detaillierte Beschreibung des Gebäudebestandes (Stand 08/2008) ist dem Anhang 4.06f zu entnehmen.

3.6.9

Technische Infrastruktur

Das ehemalige Flughafengelände verfügt über ein eigenes Infrastrukturnetz - Wasser, Wärme, Kraft - und ist zudem eingebunden in das Netz der städtischen technischer Infrastruktur. Die Wärmeversorgung für die Gebäude auf dem Flughafengelände wird zurzeit von einem Heizwerk sichergestellt. Investiert wurde in eine neue Kesselanlage, die Leitungen dagegen sind unterhaltungsbedürftig. Das Heizwerk dient ausschließlich der Wärmeproduktion und wird mit Gas betrieben, insgesamt vier Heizkessel sorgen für eine Gesamtleistung von 28 Megawatt (MW). Die Stromversorgung des Flughafens ist an das Netz von Vattenfall angeschlossen. Eine 110 kV-Leitung wird im Norden vom Columbiadamm kommend in das Flughafennetz eingespeist. Gas-Mitteldruckleitungen verlaufen über die Friesenstraße bis zum Columbiadamm (à Versorgung des Heizkraftwerks). Zum anderen verläuft eine weitere Mitteldruckleitung durch die Hasenheide zum Sommerbad Neukölln. Das Regenwasser wird über ein Ringleitungssystem in ein nördlich des Columbiadamms gelegenes Regenrückhaltebecken eingeleitet, das ca. 10.000 m³ Niederschlagswasser zwischenspeichern kann. Das Regenrückhaltebecken kann auf das Flugfeld Tempelhof verlagert werden, auch um Entwicklungsmöglichkeiten entlang der Lilienthalstraße zu erhalten. Die Rahmenbedingungen hierfür wurden wasserwirtschaftlich untersucht (siehe Anhang 4.08e). Als Standort für ein neues Versickerungsbecken bietet sich das nördliche Parkgelände unmittelbar am Ring zwischen Flughafenvorfeld und dem zukünftigen Columbiaquartier auch

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Situation und Planungsvorgaben

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wegen der günstigen Leitungsverhältnisse an. Als Flächenbedarf wurden ca. 10.400 m² ermittelt. Zur Einpassung in die Parklandschaft sind eine beliebige Form und unterschiedliche Böschungsneigungen denkbar. Außerdem kann das Becken in unterschiedliche Höhenzonen unterteilt werden, die unterschiedlich oft eingestaut werden. Die seltener eingestauten Bereiche können dann z.B. als Spiel- / Liegewiese o.ä. genutzt werden. Unter Berücksichtigung, dass sich das Regenwasser von den zukünftig relativ	sauberen	Dach-	und	Vorfeldflächen	des	ehemaligen	Flughafens	in	 seiner Qualität von dem Straßenabwasser des Columbiadamms und der anderen öffentlichen Straßen unterscheidet, käme als Alternative auch die Anlage von zwei getrennten Becken in Betracht: Becken 1: Versickerungsbecken zur Aufnahme des Straßenabwassers Becken 2:	 Kombination aus Speicher- und Versickerungsbecken zur Aufnahme des Regenwassers von den Dach- und Vorfeldflächen	des	Flughafens	als	offener,	gedichteter	Beckenabschnitt oder als großformatiges Kammerbauwerk Über das Volumen der beiden Becken kann zurzeit noch keine genauen Angaben gemacht werden. Die Ergebnisse der wasserwirtschaftlichen Untersuchung, die auch Aussagen zum Umgang mit dem Regenwasser enthält, sind als Anlage 4.08e beigefügt.

3.6.10 Energie
Eines der Leitthemen für die Entwicklung des ehemaligen Flugfeldes ist Ressourceneffizienz,	die	Abkopplung	der	Stadtentwicklung	von	negativen	 Umweltauswirkungen und die Verringerung des ökologischen Fußabdrukkes. Angestrebt wird eine energieneutrale, möglichst sogar eine Energie plus - Bilanz der zukünftigen Stadtquartiere und des vorhandenen Bestandsgebäudes. Es wird davon ausgegangen, dass die nötige Infrastruktur im Wesentlichen in den Bauquartieren untergebracht wird. Im Zusammenhang mit dem Wettbewerb für die Parklandschaft stellt sich dennoch die Frage, ob und wenn ja, inwieweit der Freiraum etwas beitragen kann, oder auch Energieinfrastruktur aus den benachbarten Quartieren aufnehmen muss, um diesem Ziel näher zu kommen. Zudem besteht die Frage, was die 280 ha große Parklandschaft Tempelhof (und	ggf.	angrenzende	Grünflächen)	zur	Energieproduktion	beitragen	können.	 Dabei	 sollen	 Nutzungskonflikte	 zur	 Erholung	 und	 zum	Artenschutz	 berücksichtigt werden. Durch ein Gutachten wurde ermittelt, welcher Formen innovativen Energiegewinnung auf dem Flugfeld Tempelhof möglich sind. Die Ergebnisse werden nachfolgend zusammenfassend dargestellt: Erste Überlegungen zur energetischen Entwicklung des Tempelhofer Feldes Das Energiegutachten, das von Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Auftrag gegeben und von der ARUP GmbH im Jahr 2009 ausgearbeitet wurde (siehe Anhang 4.08c), prüft die Umsetzbarkeit einer integrierten Energiestrategie für den Masterplan des Tempelhofer Feldes, um eine CO2–neutrale und energiepositive Versorgung des Tempelhofer Feldes zu gewährleisten. Dabei wird aufgezeigt, welchen Beitrag die große zentrale Fläche mit der geplanten Nutzung als Park und Erholungsgebiet dazu leisten könnte. Herausforderung ist insbesondere die gestalterische Integration von Energiebausteinen (Anlagen zur Energieerzeugung und Speicherung) und ihren	 spezifischen	Anforderungen	 mit	 den	Ansprüchen	 der	 anderen	 Nut-

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Situation und Planungsvorgaben

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zungen (z.B. wirtschaftlicher Biomasseanbau und Freizeitnutzung). Ausgehend von der Anforderung, dass der geplante Park primär zur Erholung genutzt werden soll, müssen etwaige energietechnische Funktionen anderen Nutzungen gegenüber untergeordnet werden. Dies ist bei einer Einbindung des Parks in das Gesamt-Energiekonzept zu berücksichtigen. Die erfolgreiche Umsetzung eines integrierten Energiekonzepts ist auch von Faktoren abhängig, die außerhalb des Tempelhofer Feldes liegen. So ist zum Beispiel vorstellbar, dass Bioabfälle aus der Umgebung zusammen mit dem abgemähten Parkgrün auf dem Tempelhofer Feld in Biogas umgewandelt werden, um direkt im Anschluss in einem Blockheizkraftwerk verfeuert zu werden. Ein integriertes Energiekonzept würde sich z.B. aus folgenden Komponenten zusammensetzen: •	 Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Spitzenkessel (umgebautes Heizwerk) •	 Nahwärmenetz •	 Nahkältenetz •	 Wärmespeicher •	 Kältespeicher mit Rückkühleinrichtungen •	 Photovoltaik-Anlagen	auf	(allen)	Dachflächen Aufgrund	 seiner	 Bruttogeschossfläche	 von	 knapp	 unter	 300.000	 m²	 und	 seinen alle Bezugsmaßstäbe übertreffenden Abmessungen kommt dem denkmalgeschützten Flughafengebäude, seiner zukünftigen Nutzung und seinem zu erwartenden Energiebedarf eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung einer integrierten Energiestrategie zu. Es wird derzeit von einem zentralen Heizwerk im Norden des Geländes mit Wärme versorgt. Es bietet sich an, diese vorhandene Infrastruktur in ein Nachrüstungs- und Umnutzungskonzept mit einzubeziehen. Dabei könnte das Heizwerk zu einem mit Biogas betriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW) ausgebaut werden. Die Auslegung des BHKW könnte zunächst nur für das bestehende Flughafengebäude erfolgen. Der weitere modulare Aufbau könnte dann entsprechend der Entwicklung des Geländes schrittweise angepasst werden. Für den Aufbau des Nahwärme- und Nahkältenetzes sollte nur eine Haupttrasse entsprechend der Entwicklung des Geländes ausgebaut werden. Stichleitungen können dann vorgesehen werden, wenn konkrete Bebauungen vorgesehen sind. Unter	 dem	 Gelände	 befindet	 sich	 in	 ca.	 50	 m	 Tiefe	 eine	 wasserführende Schicht, die sich als Temperaturspeicher für die Gebäudekühlung eignet.	In	ca.	300	m	Tiefe	befindet	sich	ein	weiterer	sogenannter	Aquifer,	der	 als Wärmespeicher genutzt werden könnte und in dem überschüssige, weil nicht zeitnah benötigte Wärmeenergie aus dem BHKW zwischengespeichert werden könnte. Solarmodule	 können	 auf	 bestehenden	 als	 auch	 auf	 neuen	 Dachflächen	 installiert werden. Allein auf dem Flughafengebäude stehen dafür ca. 65.000 m² zur Verfügung. Darüber hinaus wären dezentrale Photovoltaikmodule als Verschattungselemente im Park denkbar, wenn sie wirtschaftlich mit dem Netz oder mit Endabnehmer verknüpft werden. Ausgehend von den Eckdaten der Energiebausteine wurde zudem eine mögliche räumliche Integration von Energienutzungen und den anderen Nutzungen unter der Prämisse untersucht, dass der Park öffentlichen Raum für Erholung und soziale Aktivitäten schaffen und die Vernetzung von bestehenden Biotopen unterstützen soll.

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Situation und Planungsvorgaben

107

3.7
3.7.1

Planungsgeschichte und Planungsvorlauf
Informelle Planungen und Fachkonferenzen

Noch vor der endgültigen Entscheidung für die Errichtung eines neuen Airports außerhalb des Berliner Stadtgebiets wurden bereits Überlegungen für die Nachnutzung des Tempelhofer Flughafens entwickelt, die bis in die frühen 1990er Jahre zurück reichen. Im Jahr 1994 beauftragte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz die Düsseldorfer Architekten Hentrich Petschnigg & Partner HPP sowie die Berliner Landschaftsplaner Seebauer, Wefers und Partner mit der Erarbeitung eines ersten Rahmengutachtens. Dieses Gutachten	 definierte	 die	 wesentlichen	 Rahmenbedingungen	 für	 eine	 zukünftige	 Nachnutzung und schlug hierfür auch städtebauliche Konzepte vor. Neben der unbestrittenen stadt- und bauhistorischen Bedeutung der Anlage bestätigte das Gutachten auch die positiven Auswirkungen des riesigen Freiraums auf das Stadtklima, vor allem für die umliegenden Stadtteile Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof. Betont wurde in diesem Zusammenhang außerdem die potenzielle Erholungsfunktion, von der die dicht bebauten,	mit	Freiräumen	unterversorgten	Quartiere	profitieren	würden.	Die	 städtebauliche Gestaltung des Geländes setzte auf eine ellipsenförmige, kompakte Randbebauung, die sich um einen zentralen Freiraum organisiert und gleichzeitig die Figur des Flughafengebäudes fortsetzt.

Abbildung 53: Weiterentwicklung des städtebaulichen Entwurfs von 1994, Quelle HentrichPetschnigg & Partner / Seebauer, Wefers und Partner

Bereits im darauf folgenden Jahr 1995 wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine international besetzte Konzeptwerkstadt durchgeführt, die vor allem die städtebauliche Grundhaltung des Gutachtens aus dem Jahr 1994 überprüfen sollte. Das Expertengremium gelangte zu der Überzeugung, dass die elipsenförmige Fortführung der monumentalen Figur des Flughafengebäudes und die hiermit verbundene Herrschaftsgeste „gebrochen“ werden müsse und den neu zu entwickelnden Stadt- und Landschaftsraum formal und atmosphärisch keinesfalls dominieren dürfe.

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Situation und Planungsvorgaben

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Abbildung 54: Konzepte aus der Werkstatt von 1995, Quellen: Inge Voigt; Alsop&Strömer; Dieter Hofmann-Axthelm (vlnr.)

In der „Zukunftswerkstatt Tempelhof 2020“ werden die Planungsziele von 1998 weiter konkretisiert. Die Ergebnisse dienen auch als Grundlage für den 1999 vorgelegten Masterplan, den die Schweizer Landschaftsarchitekten Dieter Kienast und Günter Vogt gemeinsam mit dem Berliner Architekten Bernd Albers erarbeiteten. Ausgangspunkt des Masterplans war das so genannte „Wiesenmeer“, ein zentraler Park, der durch unterschiedliche städtebauliche Formationen gefasst wurde. Ein „Ringboulevard“ zeichnete das bisherige Flugfeld nach und diente nicht nur der Erschließung der unterschiedlichen Baufelder, sondern setzte sie auch zueinander in Beziehung. Dieser Masterplan war zunächst auch die Grundlage für die Darstellungen des Flächennutzungsplans. Die wesentlichen, das Wiesenmeer umrahmenden Entwurfskomponenten sind: •	 Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex des Flughafens mit rd. 300.000	m²	Geschossfläche,	dessen	künftige	Nutzungsoptionen	 z.B. in den Bereichen Freizeit, Technologieentwicklung und 
 Wissensvermittlung liegen,
 •	 der „Themenpark Fliegen“, mit Solitären für Büronutzungen am Tempelhofer Damm, kommerziellen Unterhaltungs- und Erlebnispavillons in den verschiedenen Hallenbauten und einem Wohnanteil, •	 das die Stadtautobahn begleitende Quartier, das durch gewerbliche Nutzungen geprägt werden soll, •	 der sich im Südosten des Ringboulevards anschließende Sportpark, der	aus	überdachten	Sportanlagen	und	Freiflächen	besteht	und	die	 vorhandenen Sporteinrichtungen in seine Konzeption integriert, •	 das sich westlich an das Quartier Schillerpromenade in Neukölln anschließende urbane Wohnquartier sowie •	 das zwischen dem neu entstehenden Park und der Hasenheide konzipierte Wohnquartier, das optional auch für Sport- und Freizeitnutzungen in Betracht kommt. Die den Park strukturierenden Elemente sind die Start- und Landebahnen, die als Baumhain ausgebildete „Insel im Wiesenmeer“ (alter Flughafen) sowie der „Fliegerberg“ und „Himmelsgarten“.

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Situation und Planungsvorgaben

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Städtebauliches Konzept mit Freizeitpark im Westen

Entwurfsvariante

Abbildung 55: Städtebauliches Konzept Kienast Vogt Partner / Prof. Bernd Albers, Quelle: Kienast Vogt Partner Prof. Bernd Albers

/ Prof. Bernd Albers (Überarbeitung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2005)

Abbildung 56: Städtebauliches Konzept 2005, überarbeitete Fassung, Quelle: Kienast Vogt Partner

Die Fachkonferenz („Standortkonferenz“) am 22. November 2004 sollte auf Grund der in wenigen Jahren anstehenden Schließung des Flughafens Tempelhof frühzeitig Klarheit über die vordringlichen Themen und die Struktur der weiteren Planung sowie des Zwischen- und Nachnutzungsmanagements für den Flughafen Tempelhof herstellen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass alle bisherigen Nachnutzungsüberlegungen von einer Bebauung der Ränder ausgehen würden. Der Gebäudebestand müsse mit erheblichem Aufwand umgebaut werden, wenn er für eine zivile Nachnutzung in Betracht kommen soll. Der Freiraum sollte unabhängig von den baulichen Konzepten zur Randbebauung entwickelt und	qualifiziert	werden.	Das	Konzept	von	Kienast/Vogt	und	Albers	(1999)	 wurde 2005 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung überarbeitet. Die bevorstehende Beendigung des Flugbetriebes führte in den Jahren 2006, 2007 und 2008 zu weiteren Standort- und Expertenkonferenzen, deren	Auftrag	vor	allem	in	der	weiteren	Suche	und	Qualifizierung	von	Nutzungsideen für das Tempelhofer Flugfeld bestand. Die Machbarkeitsstudie vom Dezember 2007 sollte die ermittelten Potenziale dagegen vor allem im Hinblick auf ihre Eignung für eine Freizeit- und Erholungsnutzung auf dem Gelände des Flughafens vor dem Hintergrund der Öffnung des Flugfeldes im Frühjahr 2010 bewerten. Im Ergebnis wur-

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Situation und Planungsvorgaben

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de festgestellt, dass sich das Tempelhofer Feld insbesondere im Norden, Westen	 und	 Osten	 bereits	 mit	 geringen	 Interventionen	 für	 erste	 Freiflächennutzungen nutzbar machen lässt (siehe Gutachten im Anhang 4.06a). Für den Untersuchungsraum wurden in diesem Rahmen unterschiedliche Themenkomplexe wie Zugänglichkeit, Erschließung (verkehrliche und technische Infrastruktur), Freiraumstruktur (einschließlich bestehender Erholungseinrichtungen), Nutzungsmöglichkeiten vorhandener baulicher Einrichtungen und sonstiger Infrastrukturen, das Landschaftsbild und der Biotop- und Artenschutz analysiert. Darüber hinaus wurden alle Beeinträchtigungen	 und	 Konflikte,	 die	 eine	 Erholungsnutzung	 einschränken, wie Lärmimmissionen, Altlasten, Elemente der Flugsicherung sowie potenzielle Gefahrenstellen erfasst. Diese Bestandserfassung bildet die Grundlage für den anschließenden Entwicklungsprozess. Mit dem Informationsblatt „Zukunft Tempelhofer Feld“ hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Frühjahr 2008 den aktuellen Planungsstand zusammengefasst und der Öffentlichkeit präsentiert.

Abbildung 57: „Zukunft Tempelhofer Feld“ - Planungsstand Frühjahr 2008, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, März 2008

Geplant sind demzufolge fünf Bausteine für das Tempelhofer Feld: Neben der Parklandschaft Tempelhof sind dies zwei von Mischnutzungen geprägte Quartiere im Westen und Süden des Flughafenareals (Dienstleistungen und Wohnen am Tempelhofer Damm, Gewerbe im Süden) und zwei eher dem Wohnen dienenden Quartiere im Norden und Osten. Zu den letztgenannten zählt auch das Columbiaquartier, in dem die Verwirklichung innovativer Wohnformen ermöglicht werden soll. Zu diesen innovativen Wohnformen gehören auch Modelle für Baugruppen und Baugemeinschaften, mit denen verstärkt verschiedenen und altersgemischten Bevölkerungsgruppen das Wohnen in der Innenstadt im Eigentum ermöglicht werden soll. Die Vorstellungen gehen u.a. von einem Quartier mit über 1.500 Wohneinheiten aus, in dem etwa 3.000 Menschen leben könnten. In den Jahren 2007 und 2008 wurden die Aktivitäten für die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung der Nachnutzung des Flughafens Tempelhof von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiter verstärkt. In diesem Rahmen hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter dem Motto „Tempelhofer Freiheit“ einen Planungsprozess eingeleitet, bei dem Ziele und Wege der Entwicklung auf breiter Basis öffentlich diskutiert und bestimmt werden.

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Übersicht der durchgeführten Veranstaltungen und Aktivitäten

Zeit / Datum 18.05.2007 06.10.2007

Veranstaltung / Aktivität „Freiheiten“ Freiheit 1, „Blick von außen” Auftaktveranstaltung Freiheit 2, „Blick von innen“ Der Bevölkerung wurde der Zugang zum Flughafengelände und -gebäude ermöglicht Freiheit 3, Bürgerversammlung Diskussion der Ergebnisse aus dem Internetdialog „Foren“ Forum 1, „Freizeit und Erholung“ (Protokoll siehe Anhang 4.04b) Diskussion der Potenziale für mögliche Freizeitnutzungen und Naherholung. Betrachtung der ökologischen und stadtklimatischen	Bedeutung	der	Freifläche	 Forum 2, „Flughafengebäude” Darstellung der historischen Entwicklung, der Denkmalschutzsituation und der Chancen für das Gebäude. Diskussion der Marktsituation und der Potenziale für die Immobilienentwicklung Konferenzen Expertenkonferenz 1 „Zwischennutzung“ Expertenkonferenz 2 „Öffnung” 1. Sitzung des Expertenbeirates 2. Sitzung des Expertenbeirates 3. Sitzung des Expertenbeirates 4. Sitzung des Expertenbeirates Weitere Aktivitäten Ausstellung Prozessbegleitende Ausstellung mit fortlaufenden Ergänzungen Online-Dialog im Internet Beteiligung	interessierter	Bürger/Ideenfindung	 (siehe Anhang 4.04c) Machbarkeitsstudie Erholungsnutzung Ermittlung der Potenziale für die Freizeit- und Erholungsnutzung (siehe Anhang 4.06a) Bürgerbefragung zur Ermittlung der Nutzungsanforderungen und Vorstellungen zur künftigen Parklandschaft (siehe auch 3.8 und Anhang 4.07b) Bürgerbeteiligung mit Befragung, Führungen und Info-Ausstellung Vor-Ort. (siehe auch 3.8 und Anhang 4.07a) IGA-Bewerbungsprozess (siehe auch 3.7.3 und Anhang 4.05a+b)

21.11.2007

11./12.02.2008

18.04.2008

29./30.11.2007 29./30.05.2008 13.02.2008 24.04.2008 23.06.2008 28.10.2008 Seit Mai 2007

November 2007

Dezember 2007

Juni / Juli 2009

Oktober 2009

Juli 2009 bis November 2009

Quelle: Eigene Zusammenstellung nach Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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Situation und Planungsvorgaben	

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Neben der Durchführung von „Freiheiten“, „Foren“ und Konferenzen/ Workshops wird seit Dezember 2007 an Leitbildern für Wettbewerbe und für die Durchführung einer Internationalen Bauausstellung (IBA) auf dem Tempelhofer Feld gearbeitet. Außerdem wurden typologische Studien zum Charakter des Parkrings entwickelt. Zudem wurden verschiedene Fachgutachten erstellt. Der Expertenbeirat ist ein mit hochrangigen Fachleuten aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft besetztes Gremium, das den Gesamtprozess „Tempelhofer Freiheit“ begleitet.

3.7.2

Wettbewerb Columbiaquartier

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat am 29. September 2008 den	 offenen	 zweistufigen	 Ideenwettbewerb	 „Prozessuale	 Stadtentwicklung Tempelhofer Feld - Columbiaquartier“ ausgeschrieben. Der erste offene städtebaulich-landschaftsplanerische Ideenwettbewerb „Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld – Columbiaquartier“ ist in ein Bausteinsystem für die schrittweise Durchführung von Wettbewerben zu allen Quartieren und Themen zur Zukunft des Tempelhofer Feldes eingebettet. Ziel war, Ideen für die städtebaulich-landschaftsplanerische Entwicklung des nördlichen ehemaligen Flughafengeländes entlang des Columbiadammes zu erhalten. Dabei sollten sich Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten vor allem zunächst Gedanken darüber machen, wie die Flächen des ehemaligen Flughafens Tempelhof mit der benachbarten südlichen Innenstadt auf Kreuzberger und Neuköllner Seite vernetzt werden können. Neben der Formulierung eines langfristigen städtebaulichen Endzustands sollten die Wettbewerbsteilnehmer auch Strategien vorschlagen, wie dieses Ziel in Entwicklungsschritten erreicht werden kann. Nachdem im Dezember 2008 aus 80 eingereichten Vorschlägen eine Auswahl	von	12	Entwürfen	getroffen	wurde,	fiel	am	12.	Mai	2009	die	Entscheidung in der 2. Wettbewerbsstufe. Das Preisgericht entschied sich für drei gleichrangige Arbeiten: •	 Graft Architekten / Büro Kiefer Landschaftsarchitektur (Berlin) •	 Urban Essences Architektur / Lützow 7 Landschaftsarchitektur (Berlin) •	 chora architecture (London) / gross.max Landschaftsarchitektur (Edinburgh)

Abbildung 58: Wettbewerbsergebnis Columbiaquartier: Graft/Kiefer, Urban Essences/ Lützow 7, chora/Gross.Max, Quelle: SenStadt 2009

Das Ergebnis des Ideenwettbewerbs bildet die Grundlage, die verschiedenen Aspekte der Wettbewerbsaufgabe weiterzubearbeiten. Die Arbeiten der Preisgruppe bieten dabei das Spektrum, um Antworten zur prozessualen Entwicklung, zur Nachhaltigkeit sowie zum Städtebau und Freiraum zu geben. Von besonderer Bedeutung im weiteren Planungsprozess werden die Anbindung an die Kreuzberger und Neuköllner Quartiere sein. Hier sind vor allem der Südstern und der Bergmannkiez in Kreuzberg und das Schil-

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lerquartier in Neukölln gemeint. Eine wichtige Rollen spielt auch das Offenhalten der Kaltluftaustauschen zu den angrenzen Wohngebieten. Das Wettbewerbsergebnis soll auch dazu beitragen, erste (Zwischen-) Nutzungen am Rand des Flugfeldes zu ermöglichen.

3.7.3	 Überarbeitung Masterplan 2009 / 2010
Der Masterplan wird zurzeit überarbeitet. Die für das Wettbewerbsverfahren maßgeblichen Inhalte sind der Abbildung 25 und der Abbildung 29 zu entnehmen (siehe 3.4.2).

3.7.4	 Internationale Bauausstellung (IBA) / Internationale Gartenbauausstellung (IGA)
Für das Tempelhofer Feld und die angrenzenden Stadtquartiere (insbesondere Neukölln) werden gegenwärtig die Entwicklungsmöglichkeiten und Optionen für die Durchführung einer IBA geprüft. Das Tempelhofer Feld und das östlich angrenzende Schillerquartier (Neukölln) sollen mit sichtbaren Projekten zum Berliner Referenzort international bedeutsamer Zukunftsaufgaben der Stadt entwickelt werden. Weitere Untersuchungsräume werden zurzeit diskutiert. Die Bauausstellung kann das Land Berlin in eigener Regie veranstalten. Im	 Präsentationsraum	 der	 IBA	 Berlin	 findet	 nach	 der	 positiven	 Entscheidung der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft vom November 2009 die IGA im Jahr 2017 statt. Als Grundlage der Bewerbung des Landes Berlin zur Ausrichtung der IGA 2017 wurde eine Machbarkeitsstudie erarbeitet (siehe Anhang 4.05 a+b). In den Flächenuntersuchungen wurde dabei der Nordbereich des Tempelhofer Feldes als am besten geeignet für die Durchführung einer Gartenbauausstellung analysiert. Der Nordbereich ist	demnach	als	Kernfläche	der	IGA	Berlin	2017	definiert.	 Darüber hinaus soll aber die gesamte Parklandschaft des Tempelhofer Feldes als Kulisse und Bestandteil der IGA Berlin 2017 betrachtet und entwickelt werden. In einem Flächenkonzept wurde szenarisch das Zusammenspiel und die Flächeninanspruchnahme verschiedener Akteure während der IGA Berlin 2017 dargestellt. Die Nutzungen vernetzen und durchdringen dabei einander; ganz wesentlich sind dabei das Entstehen von verschiedensten Nachbarschaften und die Bildung von Synergien zwischen den unterschiedlichen Akteuren.

Abbildung 59: IGA-Konzept zur Machbarkeitsstudie 2009, Quelle: sinai

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Situation und Planungsvorgaben

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In	der	Machbarkeitsstudie	wurden	weiter	Teilflächen	auf	ihre	dauerhaften	 und temporären Funktionen untersucht und ein möglicher Maßnahmenumfang mit Kosten unterlegt. Für die Durchführung der Gartenbauausstellung ist es wesentlich, dass den Besuchern ein atmosphärisch dichtes und abwechslungsreiches Schaugelände geboten wird. Insofern wird der Entwicklung und Inszenierung der Abfolge Eingang / Flughafengebäude – Vorfeld mit temporären Ausstellungen und Blumenschau im Hangar – Spange Columbia Quartier mit Recreation Area – Alter Hafen in der Wiesenlandschaft eine hohe Bedeutung zukommen. In der Besetzung von Themenfeldern ist die IGA eingebunden in die übergeordneten	 Themen	 der	 IBA;	 diese	 sind	 „Ressourceneffiziente	 Stadt“,	 „Unternehmerische und eigeninitiative Stadt“ und „Partnerschaftlich, integrative Stadt“. Diese Themenfelder soll die IGA aufgreifen und dem breiten IGA-Publikum spannend präsentieren. Daneben soll die IGA das Thema „Internationalität“ in dessen kulturellen, globalen und nicht zuletzt auch pflanzlichen	Aspekten	aufgreifen	und	inszenieren.	Gewünscht	ist,	dass	in	 Vorbereitung und Durchführung der IGA auch nachhaltige Impulse für das Tempelhofer Feld, die Nachbarschaften und ganz Berlin ausgehen werden. Diese Inhalte und die Inszenierung der gärtnerischen Ausstellungen sollen in eine spannende erzählerische Gesamthandlung eingebunden werden (Storyline). Durch direkte Anschauung von Projekten, Möglichkeiten zum eigenen Ausprobieren und Experimentieren sollen Themen und Wissen unmittelbar vom Besucher erlebt werden.

3.7.5

Ideenwerkstatt Tempelhof

Die Kernaufgabe der Ideenwerkstatt liegt in der Entwicklung eines strategischen Handlungskonzeptes zur Zwischen- und Nachnutzung des Tempelhofer Feldes. Sie wurde aufbauend auf ein kooperatives Gutachterverfahren 2007 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung initiiert. Neben der inhaltlichen und steuernden Arbeit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung besteht die Ideenwerkstatt aus verschiedenen Planungsbüros aus den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung und Landschaftsarchitektur. Darüber hinaus befassen sich Kommunikationsexperten mit der Einbindung und Aktivierung der Berlinerinnen und Berliner im Rahmen eines öffentlichen Dialogs. Alle Bereiche des Planungs- und Kommunikationsprozesses zum „Tempelhofer Feld“ werden durch die Ideenwerkstatt vernetzt. Inputs und Ergebnisse aus den jeweiligen Teilprozessen werden ausgetauscht und aufeinander abgestimmt. „Team Ideenwerkstatt Tempelhof“ Das „Team Ideenwerkstatt Tempelhof“ war als Ideengenerator des Transformationsprozesses gedacht und hat diesen inhaltlich vorbereitet. Orientiert an der Masterplankonzeption von Albers / Kienast Vogt und Partner wurden die gegenwärtigen Entwicklungsmöglichkeiten des Areals hinsichtlich der thematischen Schwerpunkte Organisation, Pionier- und Zwischennutzung, Parkentwicklung und Erkundung synchron untersucht und in ein strategisches Handlungskonzept eingebunden. Im Ergebnis entstand ein integriertes Stadtentwicklungskonzept, das den Entwicklungsprozess Tempelhofs in seinen wesentlichen Prozessen und Projektphasen vorgedacht hat. Öffentlicher Dialog Der Arbeitsprozess der Ideenwerkstatt wurde durch die Projektgruppe „Tempelhofer Feld“ unter Leitung der Abteilung II der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gesteuert. Verschiedene Veranstaltungsreihen wurden

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Situation und Planungsvorgaben

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in Begleitung der Ideenwerkstatt durchgeführt. Dazu zählen öffentliche Informationsveranstaltungen, so genannte Freiheiten, Begehungen des Flughafengeländes, Ausstellungen, Vorträge und Bürgerveranstaltungen, sowie Foren, die sich an das Fachpublikum richten. Zur Vertiefung der Themenfelder „Pionier- und Zwischennutzung“ und „Öffnung und Erkundung“ wurden zwei Expertenkonferenzen durchgeführt. Integrierte Stadtentwicklung durch Pionier- und Zwischennutzung Angesichts	 der	 moderaten	 Nachfrage	 nach	 Wohn-	 und	 Gewerbeflächen	 auf dem Berliner Immobilienmarkt und der Flächengröße des zu entwickelnden Areals hat die Ideenwerkstatt Tempelhof ein Konzept zur integrierten Stadtentwicklung erarbeitet, welches Pionier- und Zwischennutzungen als Generatoren und Initiatoren städtebaulicher Aktivität erkennt und diese als Werkzeug für die Entwicklung des Standortes einsetzt. Die Aktivierung des Standorts durch Pioniernutzungen und kulturelle Initiativen wird mit langfristigen, städtebaulich - landschaftsplanerischen Entwicklungskonzepten verknüpft. Integrierte Stadtentwicklung in Tempelhof steht für intelligentes Wachstum, welches Stadtentwicklung nicht als städtebaulich strukturierte Akkumulation von Baumassen versteht, sondern als sukzessive Verdichtung von Aktivitäten, Programmen und Netzwerken, die sich nach und nach auch baulich manifestieren. Im Rahmen der Standortentwicklung durch Pionier- und Zwischennutzungen wurden vier 12 bis 19 ha große Pionierfelder sowie mehrere Einzelstandorte festgelegt. Zu diesen Pionierfeldern wurden Standortpässe entwickelt, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung festlegen sollen.

Abbildung 60: Pionierfelder, Quelle: mbup, Studio UC, raumlaborberlin

Für das Columbiaquartier wurden z.B. publikumsnahe oder soziale Pioniernutzungen im Bereich Kultur und Sport (z.B. Softball, Beachball, Café, Club, Theater, Jugendprojekte, Werkstatt, mobile Geschäfte, Zirkus, Kunstprojekte) angedacht. Dynamischer Masterplan Der	dynamische	Masterplan	ist	ein	offenes	und	flexibles	Planungsinstrument, dass Aktivierungsstrategien durch Pioniernutzungen, Freiraumim-

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pulsen und kulturelle Initiativen mit etablierten städtebaulichen und landschaftsplanerischen Entwicklungskonzepten verknüpft.

Abbildung 61: Planungsinstrument „dynamischer Masterplan“, Quelle: mbup, Studio UC, raumlaborberlin

Er ist in mehrere Zeithorizonte (2009, 2010, 2017 und 2030) gegliedert und beschreibt so sukzessiv die Entwicklung des Gebietes. Kriterien der Vermarktung und Aktivierung sowie die Ergebnisse von Wettbewerben, die Analyse	 der	 Bestandsgebäude	 oder	 sektorale	 Fachplanungen	 fließen	 in	 den dynamischen Masterplan ein, der regelmäßig fortgeschrieben werden soll.

3.8

Ansprüche von Nutzergruppen

Bürgerbeteiligung: Online-Dialog Flughafen Tempelhof 2007
Begonnen wurde der Prozess der Bürgerbeteiligung bereits 2007 mit dem Internetdialog (siehe Anhang 4.07c). Mehr als 68.000 Bürgerinnen und Bürger informierten sich via Internet und davon übermittelten rd. 2.500 ihre Vorstellungen, Meinungen und Vorschläge der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bereits in dieser frühen Phase war das Interesse an der Zukunft des Tempelhofer Feldes größer, als bei anderen Bürgerbeteiligungsverfahren. Die nachstehenden Nutzungskategorien basieren auf der Auswertung der Leitideen, die die Teilnehmer in der ersten Phase des Online-Dialogs im Sommer 2007 abgegeben haben. Am	häufigsten	wurde	in	der	Online-Bürgerbefragung	im	Sommer	2007	die	 zukünftige Nutzung als Grün-, Sport-, Freifläche oder Bürger-, Volks-, Stadt-, Erholungs-, Natur-, Landschaftspark, Naturschutzgebiet, Erholungsgebiet oder landwirtschaftliche Nutzflächen genannt. Als Beispiel wurde oft der Central Park genannt. Dabei wurde auch die mikroklimatische Bedeutung des Tempelhofer Feldes hervorgehoben. Neue Wohnformen, familienfreundliche Siedlungen oder ein neuer autofreier, ökologischer Stadtteil - vieles ist denkbar auf dem großen Gelände mitten in der Stadt. Für die Menschen aus der Nachbarschaft könnten Gemeinschafts- oder Schrebergärten angelegt werden. Insbesondere im vorhandenen Gebäude könnten innovative Firmen oder Behörden, Hotels und Gastronomie angesiedelt werden. Einige Vorschläge der Online-Bürgerbefragung verbinden einen solchen Ansatz mit

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Situation und Planungsvorgaben

117

einem Experimentierfeld für alternative Arten der Energieerzeugung auf der	Freifläche. Ob Fußball auf der grünen Wiese oder auf einem Platz, Golf, Tennis, Inline-Skating oder Radfahren auf den Rollbahnen, Schlittschuhlaufen in einer Halle oder auf einer Spritzeisbahn - die Bandbreite der möglichen Freizeit- und Sportarten auf dem Tempelhofer Feld scheint nach den Ergebnissen des Online-Dialoges unbegrenzt. Der Flughafen Tempelhof ist ein Symbol der Luftfahrt und der wechselhaften Geschichte Berlins. Entsprechend haben die Dialogteilnehmer auch	 schon	 die	 Errichtung	 von	 Luftfahrtmuseen	 mit	 Sonderflügen	 alter	 Maschinen, Museen zur Geschichte Berlins oder eine umfangreichere Ge-
 denkstätte zur Luftbrücke vorgeschlagen.
 Im Gebäude, aber auch auf dem Gelände könnten bildende Künstler/
 innen, Schauspielgruppen, Modeschöpfer/innen oder Musiker/innen
 Räume für die Produktion und Präsentation ihrer Künste erhalten. Platz 
 wäre auch für soziale Projekte mit Jugendlichen und Senioren, für ein 
 Bürgerzentrum, für einen Ort der West-Ost-Verständigung oder für einen 
 zentralen demokratischen Versammlungsort.
 Um die Fläche für Feste und öffentliche Großveranstaltungen zu nut-
 zen,	werden	Rasenflächen	(z.	B.	Konzertwiese),	verdichtete	Flächen	oder	 größere Bauwerke (z.B. Amphitheater, Autokino) benötigt. Diejenigen, 
 die in der ersten Online-Phase dieses Bürger-Dialogs einen solchen Vor-
 schlag machten, dachten dabei beispielsweise an Sportevents, Konzerte, 
 Christopher Street Day oder Volksfeste. Auch eine Kombination aus Fest-
 platz und Freizeitpark wie beim Tivoli in Kopenhagen scheint denkbar.
 Die Historie des Areals legt Forschungen im Bereich der Raum- und 
 Luftfahrt nahe, auch energie- und umweltbezogene Arbeitsfelder sind 
 hochaktuell für die Ideengeber der ersten Online-Bürgerbefragung. Neben 
 einer Campus-Universität oder einer zentralen Volkshochschule wurde be-
 reits ein Bildungsluftkreuz für Kinder und Jungendliche angedacht. Auch 
 die öffentlichen Zentralbibliotheken Berlins könnten hier zusammengelegt 
 werden.
 Durch	die	Entscheidung	für	den	Großflughafen	Berlin-Brandenburg-Inter-
 national muss der innerstädtische Flughafen Tempelhof geschlossen
 werden. Diese Maßnahme hat auch Kritiker. In der ersten Dialogphase 
 wurde	der	Weiterbetrieb	als	Geschäfts-,	Privat-	oder	Linienflughafen	vor-
 geschlagen.	Alternative	 Flugarten	 wie	 Zeppeline,	 Ballons	 oder	 Segelflug	
 waren ebenso ein Thema.
 Von den im Rahmen des Online-Dialogs genannten konkreten Vorschlä-
 gen vereinigten die nachstehenden beiden Ideen die meisten Zustimmun-
 gen	 auf	 sich.	 Der	 Erhalt	 der	 vorhandenen	 Baseball-	 und	 Softball	 ächen	 fl erhielt per Saldo die meisten Zustimmungen. In der Ideenerläuterung wurde darauf hingewiesen, dass dies schon allein als Erinnerung an die einst stationierten GIs, die im Schatten des Rosinenbombers ihrem Nationalsport nachgingen, geboten sei. Eine Nutzung könnte sofort beginnen. Dann dürften die vorbeifahrenden Autofahrer auf dem Columbiadamm eine erste Ahnung davon bekommen, dass hier eine Fläche bald wieder mit Leben erfüllt werden soll. Auf Platz 2 kam der „erlebnisorientierte Jugendspielplatz“: Diese Idee soll eine	Gestaltung	für	eine	Teilfläche	im	Kultur-	und	Sportbereich	des	Flughafengeländes Tempelhof darstellen und scheint sich in umfassende Gesamtkonzepte anderer Vorschläge integrieren zu lassen.

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Situation und Planungsvorgaben

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Bürgerbefragung: Flugfeld Tempelhof 2009
Aufbauend auf der Bürgerbefragung 2007 wurde im Jahr 2009 eine repräsentative Bürgerbefragung durchgeführt (siehe Anhang 4.07b). Um eine möglichst breite Bürgerschicht zu erreichen, wurde die Form der schriftlichen Bürgerbefragung gewählt. Hierfür wurden 6.000 Fragebögen an Haushalte im Einzugsbereich von etwa 1,5 km Abstand zum Tempelhofer Feld und 1.000 Fragebögen Berlin-weit verschickt. Um auch die Personen mit Migrationshintergrund zu erreichen, welche sich erfahrungsgemäß an solchen Aktionen selten beteiligen, wurden ergänzend 17 moderierte Gruppendiskussionen (sogenannter Fokusgruppen mit 138 Teilnehmer/innen, davon ca. 60% mit Migrationshintergrund) anhand der Fragebögen durchgeführt. Die Teilnehmer wurden über Vereine, religiöse Gemeinschaften oder mit Hilfe des Quartiersmanagements angesprochen. Zusätzlich wurden im Rahmen der Bürgerbeteiligungen vor Ort, Führungen über das Feld, per Bus oder zu Fuß, eine Info-Ausstellung, Fragebögen, Diskussionstische mit Plänen zum Bemalen, Kinderbetreuung sowie eine TED-Umfrage angeboten. Sozialstruktur der befragten Haushalte Das Einzugsgebiet des Planungsgebietes ist durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an ausländischen Anwohnern, besonders in Kreuzberg und Neukölln, geprägt. Entsprechend hoch ist auch der Anteil der Befragten nicht-deutscher Herkunft im Einzugsbereich (16,4 %; Berlin insgesamt:14,0 %) gegenüber der Berlin-weit Befragten (1,5 %). Bei knapp ¼ der befragten Haushalte im Einzugsbereich handelt es sich um Familien mit Kindern unter 18 Jahren. Im Vergleich zu den Berlin-weit Befragten mit 14,5 % (Berlin insgesamt: 17,0 %), liegen diese somit weit über dem Durchschnitt. Auch die Altersstruktur der Befragten im Einzugsbereich mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren ist deutlich jünger als die der Berlin-weit Befragten mit 60 Jahren. Insgesamt ist das Bildungsniveau der Befragten sehr hoch. Über einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss verfügen 44,7 % der Befragten im Einzugsbereich und 47,8 % der Berlin-weit Befragten (Berlin insgesamt: 18,3 %). Auch die Quartiersbindung der Befragten im Einzugsbereich ist vergleichsweise hoch. Die durchschnittliche Wohndauer der Befragten variiert innerhalb der drei Teilräume nur wenig und liegt bei 12 bis 17 Jahren. Die befragten Fokusgruppen setzen sich vorwiegend zusammen aus Migranten (überwiegend arabischer und türkischer Herkunft) sowie Familien, Anwohnern, Quartiersbeiräten „Soziale Stadt“, Freizeitsportlern (altersund ethnisch gemischt) sowie Senioren. Nutzungsverhalten der Befragten von Park- und Grünanlagen Mehr als die Hälfte der Befragten des Einzugsbereichs nutzen laut Umfrage täglich oder mehrmals wöchentlich Park- oder Grünanlagen in ihrer unmittelbaren Umgebung (Erreichbarkeit > 10 min). Nach dem Typus der Park- und Grünanlagen differenziert, präferieren die Berlin- weit Befragten ganz eindeutig wohnungsnahe Stadtparks. Bei den Befragten des Einzugsbereichs dominieren vier Gründe, Park oder Grünanlagen aufzusuchen: „Spazieren gehen“ (69,5 %), „Entspannen, Sonnen, Lesen, auf dem Rasen liegen“ (50,9 %), „Natur beobachten/ erleben“ (48,9 %) und „Treffen mit Freunden/ Bekannten“ (40,9 %). Bei den Berlin-weit Befragten ist das „Motivationsprofil“	 noch	 klarer	 ausgebildet	 und	 wird	 wesentlich	 bestimmt	 von „Spazieren gehen“ (73,6 %) und „Natur beobachten/ erleben“ (49,6 %). Aufgrund der dicht bebauten Wohnquartiere im unmittelbar angrenzenden Nahbereich ist das Tempelhofer Feld für die Naherholung eminent wichtig.

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Insgesamt 84 % der Befragten im Einzugsbereich stufen die künftige Parklandschaft als bedeutsam für ihre Freizeit und Erholung ein. Eine besondere Bedeutung kommt daher einer guten Erreichbarkeit des zukünftigen Stadtparks zu. Vorschläge für Wegebeziehungen Von den befragten 13 Fokusgruppen werden von 9 Fokusgruppen folgende Wegebeziehungen gewünscht: •	 Eine direkte Verbindung (Fahrrad) von Neukölln zum S- und U-Bahnhof Tempelhof •	 O-W-Verbindungen zum U-Bahnhof Paradestraße (Landebahnen dafür erhalten) •	 Schillerpromenade – S- und U-Bahnhof Tempelhof •	 Schillerpromenade – Flughafengebäude •	 Lilienthalstraße – S- und U Bahnhof Tempelhof •	 S- und U-Bahnhof Tempelhof – Columbiabad •	 Bergmannkiez – Schillerpromenade •	 Bergmannkiez – S- und U-Bahnhof Tempelhof •	 Bergmannkiez – Werner-Seelenbinder-Sportpark •	 Grundsätzlich soll es nur einen Weg um einen unangetasteten Kernbereich geben, aber keinen mitten hindurch. Die kreisrunde Rollbahn soll durch Fußgänger, Skater und Fahrradfahrer/innen genutzt werden, die Lande- und Startbahnen sind für die Nutzung als Wege tabu. •	 Statt der geplanten Randbebauung sollen ein Grünstreifen und ein Radweg entstehen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die südliche Landebahn als Ost-West- Transitstrecke zu nutzen oder von der Mitte der südlichen Landebahn aus zwei Diagonalen in NW- und NO-Richtung anzulegen. •	 Es sollen keine festen Wege vorgegeben, sondern aus nach und nach entstehenden Trampelpfaden entwickelt werden. Innerhalb des Feldes ist eine Nord-Süd-Verbindung sinnvoll, ebenso eine NW-SOVerbindung (Viktoriapark – Werner-Seelenbinder-Sportpark). Die Rollbahn soll als Ringstraße für Fußgänger, Skater und Radfahrer ausgebaut werden und als Allee gestaltet werden. •	 Um die ganze Fläche herum soll ein Radweg gebaut werden. Eine Rad- und Fußwegverbindung auf einer der Start-/ Landebahnen kann als Ost-West- Verbindung funktionieren; außerdem ist eine NW-SODiagonalverbindung (Rad- und Fußweg) sinnvoll. Zugänge zum Feld sollen von allen Seiten geschaffen werden. Vorstellungen und Wünsche an die Ausstattung und Gestaltung der künftigen Parklandschaft - präferierter Parktyp Das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung steht im Vordergrund der Erwartungen an die Parklandschaft. Es folgen nach dem Kriterium „wichtig“ die „ästhetische Gestaltung“ (42,9 %), sich dort „zu bewegen und Sport zu treiben“ (39,4 %) und dass dort „viel Leben ist“ (27,3 %). Bei den Befragten ergibt sich ein sehr differenziertes Spektrum an konkreten Vorstellungen und Wünschen an die Ausstattung und Gestaltung der künftigen Parklandschaft Tempelhofer Feld, entsprechend der Vielfalt der individuell verschiedenen Lebenslagen, Interessen und Bedürfnissen. Dabei sind die Vorstellungen und Wünsche der Berlin-weit Befragten und Befragten im Einzugsbereich zur Ausstattung und Gestaltung der Parklandschaft weitgehend identisch.

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Sie konzentrieren sich auf einzelne Elemente, die sich nahezu alle Befragten wünschen und reichen bis zu Angeboten, die sich nur eine Minderheit wünscht. Die wesentlichen Forderungen reichen von Elementen „klassischer“ Parkausstattung, über besondere Gestaltungselemente (z.B. Wasserelemente und Grillplätze), innovativen, ökologischen Angeboten, Spiel- und Sportbereichen (z.B. Sportanlagen ohne Vereinszwang) bis hin zu gastronomischen Angeboten und „kommerziellen Veranstaltungen“. Immer wieder gefordert wird auch, dass die Spuren der Flughafennutzung sichtbar bleiben. Bei einer differenzierten Betrachtung der Befragten lassen sich unterschiedliche Präferenzen und Unterschiede erkennen. So werden von deutschen Familien, teilweise auch von deutschen kinderlosen Haushalten prioritär	 „Flächen	 zum	 selber	 gestalten	 und	 nutzen	 (wie	 z.B.	 Spielflächen,	 Gärten,	 Kunstprojekte)“,	 Rasenflächen	 zum	 Liegen	 und	 Spielen“,	 “bewegtes	 Gelände	 mit	 Hügeln	 und	 Senken“,	 „Spielflächen	 für	 unterschiedliche Altersgruppen“ benannt. Für Befragte in Familien und ältere Befragte bzw. Befragte in nichterwerbstätigen Haushalten nicht-deutscher Herkunft stehen dagegen „Treffpunkte, Kommunikationsbereiche, auch zum Picknicken“ sowie „Grillplätze“ vorrangig auf der Wunschliste. Weiterhin werden ein „natürlich gestalteter Badesee mit Liegewiese“ bzw. die „Erweiterung des Columbia-Sommerbades“ sowie der „Verleih von Sportgeräten für den Freizeitsport“ zu überdurchschnittlichen Anteilen von ihnen sowie Jüngeren unter 25 Jahren gewünscht. Bei der Bewertung der ihnen vorgelegten vier Parktypen schneidet der „Park	mit	Baumgruppen“	signifikant	 besser	 ab	 als	die	drei	übrigen	 Parktypen („weiter, offener Park“, „Akteurspark“, und „Sportpark“). Die Ergebnisse aus der schriftlichen Befragung als auch der Fokusgruppen-Diskussionen sind facettenreich und unterschiedlich bis widersprüchlich. Um den Anforderungen der Bewohnerinnen und Bewohner an den geforderten „Park für alle“ zu entsprechen, müssen im Grundsatz Angebote für alle bereitgehalten werden, um nicht Teilgruppen faktisch von der Nutzung auszuschließen. Es sollten dementsprechend Voraussetzungen und Angebote für gegensätzliche Bedürfnisse wie „Ruhe – Lebendigkeit“, „naturnah – Buga- ähnlich“, sowie für das breite Spektrum an Aktivitäten in die Gestaltung integriert werden. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Flugfeld		als	Projektionsfläche	der	vielfältigen	Bedürfnisse	zur	Freizeitgestaltung der modernen Gesellschaft angesehen werden kann.

Bürgerbeteiligung: Flugfeld Tempelhof 2009 / 2010
Als Bestandteil des ersten Öffnungsschritts wurde am 3./4. Oktober und 10./11. Oktober 2009 eine Bürgerbeteiligung vor Ort durchgeführt. Über 3.500 Bürgerinnen und Bürger nahmen teil. Angeboten wurden Führungen über das Feld, per Bus oder zu Fuß, eine Info-Ausstellung, Fragebögen, Diskussionstische mit Plänen zum Bemalen, Kinderbetreuung sowie eine TED-Umfrage. Es wurden 1.319 Fragebögen abgegeben, davon waren ca. 1.200 auswertbar. 833 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an der TED-Umfrage. Über eine TED-Befragung waren bereits unmittelbar vor Ort erste Tendenzen sichtbar: Es bestand allgemeiner Konsens, dass ein Park vor allem Ruhe und Entspannung bieten soll. Auch die Bereitschaft zur Rücksichtnahme auf Naturschutzziele und die Erhaltung historischer Flugfeldelemente teilte die große Mehrheit. Gespalten war das Verhältnis der Teilnehmer hingegen zu anderen Themenpunkten wie großen Events. So sieht trotz des Besucherandrangs bei Festivals, wie zum Beispiel der Pyro-Musikale nur jeder Dritte der Befragten die Notwendigkeit weiterer Festivals und Konzerte auf dem Flugfeld.

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Situation und Planungsvorgaben

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Neben	 dem	 Naturschutz	 und	 dem	 Erholungsprofil	 stand	 auch	 die	 Geschichte des Ortes zur Debatte. 80 % der befragten Personen stimmten der Aussage zu, dass ihnen die Geschichte des Ortes so wichtig ist, dass sie im Park daran erinnert werden möchten. Der hohe Stellenwert, den sowohl der Naturschutz als auch die Historie bei den Befragten einnahmen, zeigt deutlich, dass es in der Debatte um die Nachnutzung des Flughafengeländes um mehr als um die Gestaltung einer konventionellen Parklandschaft geht. Besonders unter den Bewohnern der umliegenden Stadtquartiere orientieren sich die Wünsche an einer starken Nachhaltigkeit in der Planung. Im Anhang 4.07a sind die Ergebnisse der Workshops zur Bürgerbeteiligung „Parklandschaft Tempelhof“ an den ersten beiden Oktoberwochenenden des Jahres 2009 detailliert dokumentiert. Im	 Frühsommer	 2010	 wird	 ein	 Dialog-Wochenende	 stattfinden.	 Vor	 Ort	 können BürgerInnen mit Landschaftsarchitekten, dem Preisgericht und der Verwaltung über die Entwürfe des Ideenwettbewerbs diskutieren.

Teilöffentlichkeiten
Im Januar 2010 wurde im Rahmen der Entwicklungsstrategie Tempelhofer Feld eine Studie zu den „Teilöffentlichkeiten in der Parklandschaft“ vorgelegt (siehe Anhang 4.06b). Unter dem Begriff der „Teilöffentlichkeiten“ werden freizeitorientierte Nutzungen verstanden, die überwiegend privatwirtschaftlich bzw. gemeinnützig organisiert werden. Damit sollen regionale Angebote geschaffen werden, die von der öffentlichen Hand z.B. wegen zu hoher	Pflege-		und	Unterhaltungskosten	nicht	angeboten	werden	können.	 Sie sind teilöffentlich, weil sie auf öffentlichen Grundstücken von privaten Gruppen und Organisationen angelegt und unterhalten werden, und der Allgemeinheit nur unter bestimmten Bedingungen zur Verfügung stehen. Im Folgenden wird aus der o.g. Studie zitiert: Im Rahmen der Studie wird der Frage nachgegangen, in welchem gesellschaftlichen Kontext die Gestaltung einer Parklandschaft des 21. Jahrhunderts erfolgt. Offen ist z.B., wie sich der Trend zur vermehrten Teilhabe der	diversifizierten	Stadtgesellschaft	im	öffentlichen	Raum	zukünftig	abbilden wird. Wenn sich die Stadtgesellschaft in die Stadtwerdung und Freiraumproduktion	 einmischt,	 wird	 dies	 Einfluss	 auf	 die	 Planungs	 rozesse	 p und Nutzungskonstellationen haben. Aktuelle Beispiele in Berlin zeigen, welche Interessen bei der Mitgestaltung am öffentlichen Freiraum bestehen. Die heutigen Anwohner der künftigen Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld aus Neukölln, Tempelhof, Schöneberg und Kreuzberg sind z.B. hinsichtlich Bildung, Einkommen und den Lebensstilen weit ausdifferenziert. Durch die geplante Neubebauung mit Dienstleistung, Gewerbe und Wohnnutzungen werden weitere neue soziale Gruppen Nachbarn der Parklandschaft des Tempelhofer Feldes. Die Interessen in Bezug auf Grün sind vielfältig, differenzieren sich weiter aus und werden gleichzeitig individueller. Vielfältige Interessen bedeuten vielfältige Ansprüche von Einzelnen und Akteursgruppen. Durch den Trend zur verstärkten Teilhabe der Stadtgesellschaft mit ihren unterschiedlichen Akteursgruppen an der Nutzung öffentlicher Räume wird ein neues Selbstverständnis sichtbar. Bürgerschaftliches Engagement erzeugt eine Nachfrage nach Möglichkeiten, selber Handeln zu können und Verantwortung zu übernehmen. Solche Initiativen der Teilhabe benötigen Möglichkeitsräume für ihre „Do-It-Yourself“-Projekte. Ein öffentlicher Park könnte hierbei eine Plattform darstellen, um das aktive In-Kultur-Nehmen zu ermöglichen.

Parklandschaft Tempelhof / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

122

Die Parklandschaft des Tempelhofer Feldes ist bereits ein Jahr nach der Einstellung des Flugbetriebes als Veranstaltungsort und Bühne der Stadtgesellschaft eingeführt. Veranstaltungen und Events wie z.B. das BerlinFestival, Pyromusicale, Free Style-Shows, Bread & Butter und zahlreiche Sportveranstaltungen erzeugen temporär neue Teilöffentlichkeiten, die die Attraktivität und Nutzungsvielfalt anreichern (siehe auch Teil 2 „Aufgabenstellung“ der Auslobung).

Gender Mainstreaming
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung legt besonderen Wert darauf, alle Tätigkeiten der Verwaltung auch unter dem Gesichtspunkt der Geschlechtergerechtigkeit zu betrachten. „Gender“ bedeutet „soziales Geschlecht“, wie es durch die jeweilige Gesellschaft und ihre Kultur geprägt wird. Der Forschungsstand bezüglich der Berücksichtigung genderspezifischer	Belange	im	Bereich	der	Gestaltung	noch	jedoch	noch	sehr	lückenhaft. Daher werden einige Projekte als Pilotprojekte durchgeführt, in denen der Kenntnisstand erweitert und Erfahrungen gesammelt werden können, die dann in das alltägliche Verwaltungshandeln eingehen können (mainstreaming). Als allgemeine Anforderungen an eine gendergerechte Planung sind die Gleichstellung der Geschlechter, Chancengleichheit und eine angemessene Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensbedingungen und Zwänge, unter denen die Geschlechter leben, anzusehen. Es ist insbesondere sicherzustellen, dass Orte für alle Geschlechter geschaffen werden, der Stellenwert der Reproduktion berücksichtigt ist, Sicherheit vor Gewalt und Unfällen gewährt ist, die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienarbeit unterstützt wird und Raumrepräsentationen sowie durch die Gestaltung transportierte Werte und Normen aller Geschlechter, Ethnien, Altersgruppen und Klassen einbezogen werden. Die Umsetzung dieser Anforderungen in der städtebaulichen Planung und der Freiraumplanung bedeutet Planinhalte, die eine Aneignung des Freiraums für Frauen und Männer bzw. Mädchen und Jungen gleichermaßen sicherstellen und die Attraktivität der Nutzung durch geeignete Gestaltung für beide Geschlechter gleichermaßen fördern. Anzuführen sind hier die unterschiedliche	Raumaneignung	der	Geschlechter	und	spezifischen	Nutzungsansprüche unterschiedlicher Nutzergruppen (Anwohner, Arbeitsbevölkerung, Senioren, Kinder, etc.) hinsichtlich der Aufenthaltsqualität und Gestaltung von Kommunikationsorten. In städtebaulicher und nutzungsstruktureller Hinsicht kommen im Einzelnen folgende Entwurfsprinzipien und Maßnahmen in Betracht: Funktionsmischung und räumliche Zuordnung •	 Horizontale und vertikale Zuordnung von Wohnen, Dienstleistungen, Einzelhandel, Gastronomie und Gemeinbedarfseinrichtungen unter	Berücksichtigung	der	Verträglichkeit/Störempfindlichkeit	der	 unterschiedlichen Nutzungsarten, •	 belebende Nutzungsmöglichkeiten im EG, ggf. auch in der Hofbebauung (Versorgung, Sicherheit), •	 keine monofunktionalen Strukturen, Sicherung sozialer Mischung. Wohnen •	 Mischung unterschiedlicher Wohnungsgrößen, Wohnformen, Vermarktungsformen (Miete, Eigentum, Angebote für Baugruppen), •	 Integration spezieller Wohnungsangebote (z. B. betreutes, generationsübergreifendes Wohnen), •	 ausreichende Besonnung und Belichtung, insbesondere in den

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Situation und Planungsvorgaben

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Wohnräumen und Kinderzimmern, •	 Gemeinschaftsräume und ausreichende Flächen für Gemeinschaftsanlagen (Fahrräder, Kinderwagen) und Kommunikation. Freiräume •	 Aufenthaltsflächen	mit	hoher	Nutzungsqualität	und	–vielfalt, •	 Kleinkinderspielplätze mit Sichtbeziehung und in Rufnähe der Wohnungen. Mobilität und Erschließung •	 Gute Orientierbarkeit sichern: Direkte, sichere und attraktive Wegenetze für Fußgänger und Radfahrer, •	 Optimierung der Anbindungen an das übergeordnete Erschließungsnetz (Querungshilfen, Durchwegungen etc.), •	 Transparente, offene und sichere Anordnung von ggf. vorgeschlagenen Tiefgarageneinfahrten und Stellplatzanlagen. Sicherheit •	 Bevorzugung raumbildender Bauweisen, optimale Orientierung durch klare, raumbildende Gebäudestellung, •	 Orientierung der belebten Gebäudeteile zur Straße bzw. zu den internen Hauptwegen (Eingänge, Hauptwohnräume, Gemeinschaftsräume), •	 Vermeidung von Sichtbarrieren (bauliche Anlagen, Eingänge und Einfahrten,	Bepflanzung,	Einfriedungen), •	 übersichtliche Erschließung, •	 erkennbare	Zuordnung	wohnungsbezogener	Freiflächen	(privat,	 halböffentlich, öffentlich), •	 Sicherstellung der Barrierefreiheit. Des	Weiteren	ist	auf	die	geschlechtsspezifisch	und	ethnisch	unterschiedliche Wirkung von Raumrepräsentation (Symbolik der Gleichberechtigung, Nutzungsoffenheit zur Vermeidung heteronormativer Zuschreibungen 
 durch die Gestaltung) zu achten.
 Mit der Einführung des Europarechtsanpassungsgesetzes Bau (EAG Bau) 
 im Jahr 2004 hat das „Gender Mainstreaming“ Eingang in das Baugesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland gefunden. Durch die Aufnahme in den Katalog der bei der Aufstellung der Bauleitpläne besonders zu berücksichtigenden Belange (§ 1 Abs. 6 Nr. 3 BauGB) wurde die Bedeutung des Gender Mainstreaming damit auch auf der Ebene der Gesetzgebung gestärkt.

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Anhang, Weblinks, Quellen und Literatur	

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4	
4.01 4.01a 4.01b

Anhang (Teilnehmerbereich competitionline)
Auslobung
 Auslobung
 Verfassererklärung


4.02 Informationspläne
 4.02a Lageplan
 4.02b + 4.02c Luftbild 2007 + 2009
 4.02d - 4.02g Schrägluftbilder 2007
 4.02h Infrarotluftbild 2005
 4.03 Arbeitspläne
 4.03a Lageplan (CAD-Datei)
 4.03b - 4.03e Umgebungsplan 1:5.000 (Farbe / SW)
 4.03f Umgebungsplan 1:10.000 (Farbe)
 4.04 4.04a Grundlagen Freiraum und Erholung
 Entwicklungsstrategie Tempelhofer Feld, bgmr / ASTOC / KCAP, 
 02/2009
 4.04b Reader „Fachforum Erholung und Freizeit“, Senatsverwaltung für 
 Stadtentwicklung, 02/2008
 4.04c	 Beschreibung der Parkanlagen in der Umgebung des Flugfeldes 
 Tempelhof, ag.u / Senstadt 02/2010)
 4.05 4.05a 4.05b 4.06 4.06a Grundlagen IGA
 IGA-Bewerbung, sinai, 03/2009
 IGA-Machbarkeitsstudie, Kurzfassung, sinai, 11/2008


Weitere Aspekte der Freiraumplanung
 Machbarkeitsstudie für eine öffentliche Erholungsnutzung des 
 Tempelhofer Flughafens, TOPOS / Ökologie & Planung, 12/2007
 4.06b Neue Teilöffentlichkeiten in der Parklandschaft, Entwicklungs-
 strategie Tempelhofer Feld, bgmr, 01/2010
 4.06c	 Sport in Berlin, Untersuchung zum Sportverhalten, Broschüre 
 Gutachten informeller Sport, Senatsverwaltung für Inneres und 
 Sport, Heft 1 2008
 4.06d	 Informeller Sport - Recherche zu Freizeitaktivitäten und –trends 
 in städtischen Freiräumen, Gruppe F, 12/2007 
 4.06e	 Machbarkeitsstudie zur Vorbereitung der Projektrealisierung von 
 Naturerfahrungsräumen in Berlin, Technische Universität 
 Berlin, 04/2009
 4.06f	 Gebäudeatlas Tempelhofer Flugfeld, Ideenwerkstatt Tempelhof, 
 mbup, raumlabor, Studio uc, 05/2008
 4.07 4.07a Bürgerbeteiligung
 Bürgerbeteiligung „Parklandschaft Tempelhof“, Workshop-
 Bereich“, ts | pk thies schröder planungskommunikation, 01/2010
 4.07b	 Tempelhofer Feld, Nutzungsanforderungen und Vorstellungen 
 der Bevölkerung zur künftigen Parklandschaft - Empirische 
 Studie zur Vorbereitung des landschaftsplanerischen Wettbe-
 werbs, argus, 10/2009
 4.07c	 Ergebnisse Online-Dialog 2007, zebralog, 2007


Parkslandschaft Tempelhof / Teil 4

Anhang, Weblinks, Quellen und Literatur	

125

4.08	 Naturwissenschaftliche Grundlagen 4.08a	 Fachbeitrag Stadtklima zum landschaftsplanerischen Wettbewerb „Parklandschaft Tempelhof“ in Berlin, GEO-NET Umweltconsulting, 12/2010 4.08b	 Fachbeitrag Stadtklima im Rahmen der Änderung des Flächennutzungsplans und des Landschafts-/Artenschutzprogramm, GEO-NET Umweltconsulting, 01/2009 4.08c	 Strategie zur energetischen Entwicklung desTempelhofer Feldes Flugfeld Tempelhof, ARUP, 01/2010 4.08d		 Energiepflanzen	 Tempelhof,	 Pflanzensteckbriefe	 für	 die	 energetische Verwertung, Informationssammlung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 02/2010 4.08e	 Wasserwirtschaftliche Beratung zur Nachnutzung des Tempelhofer Feldes, Müller-Kalchreuth / bioplan / ifs, 06/2009 / Anmerkungen zur Trennung und Nutzung von Regenwasser unterschiedlicher Qualität auf dem Tempelhofer Feld, MüllerKalchreuth, 11/2009 4.08f	 Bodenkundliche Untersuchung des Flughafens Tempelhof, Humboldt-Universität zu Berlin, Geographisches Institut, 12/2009 4.08g - 4.08j	 Ergebnisse naturschutzfachlicher Gutachten der Jahre 2004/2005, Seebauer et al., 2005 (Gutachten, Karten, Broschüre) 4.08k	 Geländehöhen, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltatlaskarte 01.08 (Ausgabe 2004) Planungsrechtliche Grundlagen 4.09a	 Landschaftsprogramm / Artenschutzprogramm, Änderungsverfahren 2008, Öffentliche Auslegung, 06/07 2009 4.09b	 Flächennutzungsplan Änderungsverfahren 2008, Öffentliche Auslegung, 06/07 2009, mit Legende 4.09c	 Legende zur Bereichsentwicklungsplanung

Parkslandschaft Tempelhof / Teil 4

Anhang, Weblinks, Quellen und Literatur	

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5	

Quellen, weiterführende Literatur und Web-Links

•	 Bezirksamt Tempelhof (HG.): Landing on Tempelhof. 75 Jahre Zentralflughafen.	50	Jahre	Luftbrücke,	Ausstellungskatalog	Berlin	1998 •	 Dittrich, Elke: Der Flughafen Tempelhof in Entwurfszeichnungen und Modellen 1935-1944, Berlin 2005 / 2006 •	 Demps, Laurenz ; Peaschke, Carl-Ludwig: Flughafen Tempelhof. Die Geschichte einer Legende, Berlin, Ullstein-Verlag, 1998. •	 Kubatzki, Rainer: Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager. Standorte und Topographie in Berlin und im brandenburgischen Umland 1939 bis 1945. Berlin – Forschungen der Historischen Kommission zu Ber-lin Band 1; 2001, S.185, unter 699, 700, 701 •	 Landesarchiv Berlin: Von Berlin nach Germania, über die Zerstörungen der Reichshauptstadt durch Albert Speers Neugestaltungsplanungen, Ausstellungskatalog, Berlin 1985 •	 Lothar Uebel: Viel Vergnügen / Die Geschichte der Vergnügungsstätten rund um den Kreuzberg und die Hasenheide. Kreuzberger Hefte VIII, Berlin 1985. •	 Meuser, Philipp: Vom Fliegerfeld zum Wiesenmeer- Geschichte und Zukunft des Flughafens Tempelhof, Berlin, 2000 •	 Schmitz, Frank: Flughafen Tempelhof. Berlins Tor zur Welt. Berlin 1997 •	 Schütze, Karl-Robert: von den Befreiungskriegen bis zum Ende der Wehrmacht – Der Garnisonsfriedhof, Neuköllner Beiträge zur Bezirksgeschichte, Berlin1986 •	 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz des Landes Berlin, Gutachten zur Denkmaleigenschaft Flughafen Tempelhof, Platz der Luftbrücke 4-6 in Berlin-Tempelhof, Hecker Manfred, Berlin, 1994 •	 Voss, Berliner Zeitbilder, Welcome back to Tempelhof. Berlin 2004 •	 http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/ tempelhof/index.shtml Senatsverwaltung Stadtentwicklung: Städtebauliche Projekte 
 Tempelhofer Freiheit – umfangreiche Informationen zum 
 Planungsprozess
 •	 http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/iga_ berlin_2017/ Senatsverwaltung Stadtentwicklung: Internationale 
 Gartenbauausstellung (IGA) 2017 – umfangreiche Informationen zum 
 Planungsprozess
 •	 http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/ Digitaler Umweltatlas Berlin. Karten mit Texten und Abbildungen für alle Umweltmedien und -bereiche Boden, Wasser, Luft, Klima, Flächennutzung, Verkehr, Lärm und Energie

Parkslandschaft Tempelhof / Teil 4

Anhang, Weblinks, Quellen und Literatur

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7

Abbildungsverzeichnis
Schematische Darstellung der Nutzungsüberlagerung und Mehrfachcodierung eines integrierten Konzeptansatzes für die Parklandschaft, Quelle; bgmr Wettbewerbsgebiet Großräumige Lage und Entfernungen, Quelle: D-Sat und eigene Darstellung Luftbild Stadtstruktur, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Einwohnerdichten im Umfeld , Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Sozial-Monitoring 2009, Quelle SenStadt 2010 , Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Abbildung	1:	 Stadträumliche	Verflechtungen	und	Anbindungen,	Quelle:	ag.u Abbildung 2: Abbildung 3: Abbildung 5: Abbildung 6: Abbildung 7: Abbildung 8: Abbildung 9:

Abbildung	4:		 Verflechtungsraum	(Stand:	Sommer	2009),	Quelle:	bgmr	Sommer	2009

Abbildung 10: Umgebende Quartiere, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und eigene Darstellung Abbildung 11: Umgebende Stadtquartiere, Quelle: IGA-Bewerbung, SenStadt 2009 Abbildung 12: Berliner Freiraumsystem / Übergeordnete Freiraumverknüpfung, Quelle: Abbildung 13: Freiraumverbindungen (eigene Darstellung) Abbildung 14: Tempelhofer Feld 1802, Quelle: Karte Berlin 1802 Abbildung 15: Tempelhofer Feld 1857, Quelle: Karte Berlin & Charlottenburg 1857 Abbildung 16: Tempelhofer Feld 1900, Quelle: Pharus-Plan Berlin 1902 Abbildung	17:		Linienflugnetz	1935 Abbildung	18:		Stadtplan	Berlin	1928	mit	Lage	der	Flughafenbauten	und	Sportflächen	am	Rand	des	Fugfeldes,	 Quelle: Schmitz (1997) (verändert) Abbildung 19: Hauptgebäude um 1929 Abbildung 20: Flughafen Berlin (Tempelhof) 1935 Abbildung 21: Stadtpläne Berlin 1932 und 1936 Abbildung 22: Historische Bezüge, Quelle: Yade Rasterdaten 2008 und eigene Darstellung Abbildung 23: Eigentumsverhältnisse, Quelle: eigene Darstellung / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abbildung 24: ÖPNV-Erschließung, Quelle: BVG 2008 Abbildung 25: Kfz-Erschließung gemäß Masterplan Abbildung 26: Durchschnittliche tägliche Verkehrsmenge (Bezugsjahr 2005), Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abbildung 27: Lärmbelastung, Quelle: TOPOS, Ökologie & Planung Abbildung 28: Ausbau des Radroutennetzes, Stand April 2009, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abbildung 29: Fuß- und Radwegeverbindungen, gemäß Masterplan (Stand 02/2010) Quelle: FPB / Büro up, Arbeitsstand 01/2010. Abbildung 30: Entwurf zur FNP-Änderung (Stand Öffentliche Auslegung Juni 2009) Abbildung 31: Planwerk Südostraum Quelle: SenStadt, Stand 2009) Abbildung 32: Planwerk Südostraum (Ausschnitt)Quelle: SenStadt, Stand 2009) Abbildung 33: BEP Innenstadt Berlin, Stand März 2002, teilweise überarbeitet 2005, Quelle: Bezirksamt TempelhofSchöneberg von Berlin (Hrsg.) und eigene Darstellung (unter Einbeziehung der BEP FriedrichshainKreuzberg, Stand 2005) Abbildung 34: Denkmalkarte, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abbildung 35: Versorgung mit wohnungsnahen öffentlichen Grünanlagen, Quelle: Umweltatlaskarte 06.05,Juni 2009 Abbildung 36: Versorgung mit wohnungs- und siedlungsnahen öffentlichen Grünanlagen, Quelle: Senstadt IE1, Febr. 2008 Abbildung 37: Kleingartenanlagen im Umfeld des Flugfeldes, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwickl Abbildung 38: Friedhofsentwicklungsplan, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abbildung 39: Garnisonsfriedhof Columbiadamm / Konzept 2008, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Friedhofsentwicklungsplan Abbildung 40: Geologische Karte Abbildung 41: Ausschnitt aus Umweltatlaskarte 01.01 „Bodengesellschaften“ Abbildung 42: Ausschnitt aus Umweltatlaskarte 01.13 „Planungshinweise zum Bodenschutz“ Abbildung 43: Altlasten, Quelle: Topos Abbildung	44:		Kälteinsel	-	Oberflächentemperaturen	in	der	Nacht,	Quelle:	Umweltatlas	Berlin	(Karte	04.06.1)

Parkslandschaft Tempelhof / Teil 4

Anhang, Weblinks, Quellen und Literatur

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Abbildung 45: Planungshinweise Stadtklima, Quelle: Umweltatlas Berlin (Karte 04.11.2) Abbildung 46: Untersuchungsablauf und Szenarien des Fachbeitrags Stadtklima, Quelle: GeoNet 2009 Abbildung 47: Geschütze Biotope, Quelle: Seebauer et al. 2005 Abbildung 48: Avifauna, Quelle: Seebauer et al. 2005 Abbildung 49: Kernzonen für den Biotop- und Artenschutz, Quelle: Seebauer et al. 2005 Abbildung	50:		Oberflächen,	Quelle:	TOPOS	/	Ökologie	&	Planung,	2007 Abbildung	51:		Zustand	der	Oberflächen,	Quelle:	TOPOS	/	Ökologie	&	Planung,	2007 Abbildung 52: Gebäudeatlas, Quelle: TOPOS / Ökologie & Planung, 2007 Abbildung 53: Weiterentwicklung des städtebaulichen Entwurfs von 1994, Quelle Hentrich-Petschnigg & Partner / Seebauer, Wefers und Partner Abbildung 54: Konzepte aus der Werkstatt von 1995, Quellen: Inge Voigt; Alsop&Strömer; Dieter Hofmann-Axthelm (vlnr.) Abbildung 55: Städtebauliches Konzept Kienast Vogt Partner / Prof. Bernd Albers, Quelle: Kienast Vogt Partner / Prof. Bernd Albers Abbildung 56: Städtebauliches Konzept 2005, überarbeitete Fassung, Quelle: Kienast Vogt Partner / Prof. Bernd Albers (Überarbeitung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2005) Abbildung 57: „Zukunft Tempelhofer Feld“ - Planungsstand Frühjahr 2008, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, März 2008 Abbildung 58: Wettbewerbsergebnis Columbiaquartier: Graft/Kiefer, Urban Essences/Lützow 7, chora/Gross.Max, Quelle: SenStadt 2009 Abbildung 59: IGA-Konzept zur Machbarkeitsstudie 2009, Quelle: sinai Abbildung 60: Pionierfelder, Quelle: mbup, Studio UC, raumlaborberlin Abbildung 61: Planungsinstrument „dynamischer Masterplan“, Quelle: mbup, Studio UC, raumlaborberlin
        
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