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Ausschreibung

Full text: Ausschreibung

Probebühnenzentrum Deutsches Theater Berlin Mitte
Begrenzt offener Realisierungswettbewerb

Ausschreibung

Begrenzt offener Realisierungswettbewerb Probebühnenzentrum Deutsches Theater Berlin Mitte Ausschreibung

Berlin, Dezember 2009

Herausgeber und Wettbewerbsdurchführung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin Wettbewerbsausschreibung Inge Schmidt-Rathert, SenStadt II D 1 Norbert Giebels, Architekt Digitale Bearbeitung Norbert Giebels Ulrike Lickert Titelbild Luftbild 2009 Druck A&W Berlin

Inhaltsverzeichnis
Anlass und Ziel ........................................................................................7
 Teil 1 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 Teil 2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 Teil 3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8 3.9 3.10 Teil 4 4.1 4.2 4.3 4.4
Verfahren .....................................................................................9
 Auslober, Bauherr, Nutzer.............................................................9
 Art des Verfahrens ........................................................................9
 Richtlinien für Wettbewerbe........................................................10
 Wettbewerbsteilnehmer ..............................................................10
 Preisgericht und Vorprüfung ....................................................... 11
 Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen ........................................ 13
 Abgabe der Wettbewerbsarbeiten .............................................. 13
 Ortsbesichtigung, Rückfragen .................................................... 14
 Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen .................................... 14
 Geforderte Leistungen ................................................................15
 Beurteilungsverfahren und Vorprüfung ....................................... 17
 Preise und Anerkennungen ........................................................ 17
 Weitere Bearbeitung ...................................................................17
 Eigentum und Urheberrecht........................................................18
 Verfassererklärung......................................................................18
 Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten ......... 18
 Haftung und Rückgabe ...............................................................19
 Zusammenfassung der Termine ................................................. 19
 Situation und Planungsvorgaben ........................................... 21
 Städtebauliche Rahmenbedingungen......................................... 21
 Historische Entwicklung ..............................................................25
 Deutsches Theater und Kammerspiele ...................................... 34
 Probebühnenräume ....................................................................36
 Das Wettbewerbsgrundstück...................................................... 37
 Technische Infrastruktur..............................................................39
 Erschließung / Außenanlagen..................................................... 40
 Planungsrecht und Bauordnungsrecht ....................................... 42
 Denkmalschutz ...........................................................................42
 Wettbewerbsaufgabe................................................................45
 Planungsziele .............................................................................45
 Städtebaulich-architektonische Zielsetzung ............................... 47
 Raumprogramm ..........................................................................48
 Funktionale Anforderungen.........................................................50
 Außenanlagen ............................................................................52
 Nachhaltigkeit / Energieeffizienz / Ökologie ............................... 54
 Baukosten / Wirtschaftlichkeit ..................................................... 54
 Barrierefreies Bauen ...................................................................55
 Baurechtliche Vorschriften, Normen, Richtlinien......................... 55
 Beurteilungskriterien des Preisgerichts ...................................... 56
 Anhang ......................................................................................57
 Digitale Anlagen auf DVD-ROM.................................................. 57
 Baugeschichte des DT - Chronik ................................................ 61
 Geschichte des Deutschen Theaters - Kurzer Abriss ................. 65
 Quellenangaben .........................................................................71


Probebühnenzentrum Deutsches Theater

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Anlass und Ziel
Mit dem neuen Probebühnenzentrum für das Deutsche Theater Berlin sollen die Produktionsbedingungen des Theaters in räumlicher, technischer, organisatorischer und ökonomischer Hinsicht nachhaltig verbessert werden. Im Wettbewerbsverfahren soll ein Neubau mit drei Probebühnen sowie Ersatzräumen für die durch Abriss des Hofmagazins entfallenden Werk­ stätten und Lager entworfen werden. Es handelt sich um eine Nutzfläche von ca. 2.900m². Baubeginn soll 2012 sein. Als Grundstück steht die rückwärtige, ca. 3.500m² große Teilfläche des Theatergrundstücks Schumannstraße 13a in Berlin-Mitte zur Verfügung. Die unmittelbare Nachbarschaft der Baudenkmale und Denkmalbereiche des Campus Nord der Humboldt-Universität und das sehr enge Baufeld erfordern eine besonders sorgfältige und kreative Entwicklung der Gebäu­ defigur. Der Gesamtkostenrahmen für die Baumaßnahme beträgt 9,9 Millionen Euro, davon entfallen 6,6 Millionen Euro auf die Kostengruppen 300 und 400.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater

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Teil 1 Verfahren 1.1
Auslober, Bauherr, Nutzer

Auslober, Bauherr Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Hochbau Referat V O Fehrbelliner Platz 2 10707 Berlin Birgitt Kalthöner V O Tel.: +49 (0)30 9012 3081 Fax: +49 (0)30 9012 3159 E-Mail: birgitt.kalthöner@senstadt.berlin.de Bedarfsträger Der Regierende Bürgermeister von Berlin Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten Referat V A Brunnenstraße 188 10119 Berlin Nutzer Deutsches Theater und Kammerspiele Schumannstraße 13a 10117 Berlin Wettbewerbsdurchführung, Ausschreibung und Koordination Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin Inge Schmidt-Rathert II D 1 Tel.: +49 (0)30 9025 2032 Fax: +49 (0)30 9025 2535 E-Mail: inge.schmidt-rathert@senstadt.berlin.de mit Norbert Giebels, Dipl.-Ing. Architekt Mommsenstraße 52 10629 Berlin Tel.: +49 (0)30 3759 1914 Fax: +49 (0)30 3759 1915 E-Mail: norbertgiebels@gmx.de

1.2

Art des Verfahrens

Die Auslobung erfolgt als begrenzt offener einstufiger Realisierungswett­ bewerb für Architekten in Arbeitsgemeinschaft mit Tragwerksplanern. Das gesamte Verfahren ist bis zum Abschluss anonym.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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Kommunikation Die Wettbewerbssprache ist Deutsch. Die Kommunikation mit den Teil­ nehmern erfolgt über E-Mail.

1.3

Richtlinien für Wettbewerbe

Dem Wettbewerb liegen die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2008) sowie das Rundschreiben SenStadt VI A Nr. 06 / 2009 (Einführung der RPW) zugrunde, soweit nachstehend nichts anderes ausgeführt ist. Bei der Vorbereitung der Ausschreibung hat die Architektenkammer Berlin entsprechend den Regelungen der RPW beratend mitgewirkt. Der Wettbe­ werb wird in Abstimmung mit der Architektenkammer Berlin durchgeführt. Einverständnis Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer und Gast er­ klärt sich durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren mit den vorliegenden Teilnahmebedingungen und der Anwendung der RPW 2008 einverstanden. Verlautbarungen jeder Art über Inhalt und Ablauf vor und während der Laufzeit des Wettbewerbsverfahrens, einschließlich der Ver­ öffentlichung der Wettbewerbsergebnisse, dürfen nur über die Senatsver­ waltung für Stadtentwicklung, Referat II D, abgegeben werden. Datenschutz Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer, Gast und Auf­ tragnehmer willigt durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren ein, dass seine personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit o.g. Wettbewerb bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Form einer automatisierten Datei geführt werden. Diese Einwilligung ist auf der Ver­ fasser- bzw. auf der Zustimmungserklärung zu bestätigen. Eingetragen werden Name, Anschrift, Telefon, Beauftragung im Wettbewerb, Kammer­ mitgliedschaft, Berufsbezeichnung. Nach Abschluss des Verfahrens kön­ nen auf Wunsch diese Daten gelöscht werden (durch Vermerk auf der Verfassererklärung). Gemäß § 6 des novellierten Datenschutzgesetzes ist die Einwilligung der Betroffenen notwendig, da eine spezielle Rechtsgrundlage für die Führung dieser Datei fehlt.

1.4

Wettbewerbsteilnehmer

Zur Teilnahme am Wettbewerb wurden entsprechend der Ankündigung im EU-Amtsblatt vom 05.10.2009 in einem vorgeschalteten Bewerbungs­ verfahren (Teilnahmewettbewerb gemäß RPW und VOF) durch ein vom Preisgericht unabhängiges Auswahlgremium 15 Architekten in Arbeitsge­ meinschaft mit Tragwerksplanern ausgewählt.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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1.5

Preisgericht und Vorprüfung

Peter Brückner Architekt, Tirschenreuth Jórunn Ragnarsdóttir Architektin, Stuttgart Bruno Vennes Architekt, Berlin Hilde Léon Architektin, Berlin Karen Eisenloffel Beratende Ingenieurin, Berlin

Fachpreisrichter

Stellvertretende Fachpreisrichter

Paul Grundei Architekt, Berlin Wilfried Kuehn Architekt, Berlin

Sachpreisrichter

Helge Rehders Referatsleiter Grundsatzangelegenheiten, Kunst im Stadtraum und am Bau, Bau- und Grundstücksangelegenheiten Der Regierende Bürgermeister von Berlin Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten Regula Lüscher Senatsbaudirektorin Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Ulrich Khuon Intendant Deutsches Theater und Kammerspiele Dr. Christoph Markschies Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin

Stellvertretende Sachpreisrichter

Barbara Esser Referatsleiterin Einrichtungsförderung für Bühnen, Orchester, Tanz, Literatur und Interdisziplinäre Einrichtungen Der Regierende Bürgermeister von Berlin Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten Konrad Zander Abteilungsleiter Ministerielle Angelegenheiten des Bauwesens Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Olaf Grambow Technischer Direktor Deutsches Theater und Kammerspiele

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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Ewald-Joachim Schwalgin Leiter der Technischen Abteilung Humboldt-Universität zu Berlin Sachverständige	 Peter Keune Technischer Inspektor Deutsches Theater und Kammerspiele Karl-Heinz zur Weihen Bau- und Grundstücksangelegenheiten Der Regierende Bürgermeister von Berlin Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten Kristina Laduch Stadtplanungsamt Bezirksamt Mitte von Berlin Eva-Maria Eichler Fachbereich Denkmalschutz Bezirksamt Mitte von Berlin Norbert Heuler Landesdenkmalamt Berlin Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Birgitt Kalthöner Objektmanagement Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Ralf-Burkhard Hammelbeck Objektmanagement Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Andreas Schemm Objektmanagement Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Uwe Dechène Projektvorbereitung und -prüfung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Anne-Katrin Kuhlmey Projektvorbereitung und -prüfung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Marianne Bohn-Decker Baugenehmigungsverfahren, Zustimmungs­ verfahren, Widerspruchsverfahren Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Peter Ostendorff Wettbewerbe und Auswahlverfahren Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin Inge Schmidt-Rathert Wettbewerbe und Auswahlverfahren Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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Vorprüfung Kostenprüfung Energieeffizienz / Nachhaltigkeit Gäste

Norbert Giebels Architekt, Berlin Jörg Zimmermann sgi strempel & große ingenieurgesellschaft mbH N.N.

Peter Kever Architektenkammer Berlin Norbert Pfeiler Baukammer Berlin Mitglieder der BVV Mitte

1.6

Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen

Die Wettbewerbsunterlagen werden den Teilnehmern am 02. Dezember 2009 per Post zugesandt. Der Ausschreibungstext wird am gleichen Tage zusätzlich per E-Mail verschickt.

1.7

Abgabe der Wettbewerbsarbeiten

Die Arbeiten müssen bis zum 02. Februar 2010, 14.00 Uhr in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Referat Wettbewerbe und Auswahlverfahren Brückenstraße 6 - Jannowitzcenter 10179 Berlin-Wilmersdorf Raum Nr. 4.026 eingereicht werden. Die Wettbewerbspläne sind in einer eckigen Versand­ box abzuliefern. Das Modell ist bis zum 09. Februar 2010, 14.00 Uhr an gleicher Stelle ein­ zureichen. Das Modell ist in transportgerechter und wiederverwendbarer Verpackung abzuliefern. Der Verfasser trägt die Verantwortung, dass die geforderten Leistun­ gen am 02. Februar 2010 bzw. am 09. Februar 2010 (Modell) vorlie­ gen. Die Wettbewerbsarbeiten sind zur Wahrung der Anonymität in verschlos­ senem Zustand ohne Absender oder sonstigen Hinweis auf den Verfasser, aber mit der Kennzahl und dem Vermerk „Probebühnenzentrum Deut­ sches Theater“ einzureichen. Bei Zustellung durch Kurierdienst ist der Empfänger als Absender anzugeben. Kennzeichnung der Arbeiten Die Wettbewerbsarbeiten sind in allen Stücken nur durch eine gleichlau­ tende Kennzahl zu bezeichnen. Sie ist aus sechs arabischen Ziffern zu bilden und in einer Größe von 1 cm Höhe und 4 cm Breite auf jedem Blatt und Schriftstück in der rechten oberen Ecke anzubringen.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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Der Wettbewerbsverfasser hat die Verfassererklärung mit seiner Anschrift in einem verschlossenen und undurchsichtigen Umschlag mit der gleichen Kennzahl abzugeben, mit der er seine Wettbewerbsarbeit gekennzeichnet hat. Dieser Umschlag ist gleichzeitig mit der Wettbewerbsarbeit abzuge­ ben.

1.8

Ortsbesichtigung, Rückfragen

Die Ortsbesichtigung mit den Wettbewerbsteilnehmern findet am 08. Dezember 2009 um 12.00 Uhr statt. Treffpunkt ist der Vorplatz des Deutschen Theaters, Schumannstraße 13a, 10117 Berlin-Mitte. Die Ortsbesichtigung durch das Preisgerichts findet zu Beginn der Preis­ gerichtssitzung am 24. Februar 2010 um 9.00 Uhr statt. Treffpunkt ist der Vorplatz des Deutschen Theaters, Schumannstraße 13a, 10117 Berlin-Mitte. Rückfragen können schriftlich gestellt werden. Sie müssen bis Dienstag, den 14. Dezember 2009, 12.00 Uhr bei folgender E-Mail-Adresse einge­ gangen sein: norbertgiebels@gmx.de (s. 1.1). Bei den Rückfragen sind jeweils die Teilziffern der Ausschreibung, auf die sie sich beziehen, zu nennen. Ein Rückfragenkolloquium mit den Teilnehmern findet nicht statt. Die Be­ antwortung der Rückfragen erfolgt in Abstimmung mit dem Preisgericht. Die Zusammenstellung aller eingereichten Fragen und deren Beantwor­ tung wird allen am Verfahren Beteiligten am 18. Dezember 2009 per EMail zugesandt und ist Bestandteil der Ausschreibung.

1.9

Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen

Unterlagen des Wettbewerbs sind: -	 -	 -	 -	
die vorliegende Ausschreibung die Zusammenstellung der Rückfragen und deren Beantwortung Modell-Einsatzplatte M 1:500 DVD-ROM mit digitalen Daten (vollständiges Verzeichnis siehe 4.1 Digitale Anlagen), u.a. die im Folgenden aufgeführten Planunterlagen und Dokumente: -	 Übersichts- und Arbeitsplan -	 Lageplan / Vermessungsplan -	 Ansichten: Anatomisches Theater, Institut für Tieranatomie -	 Bestandspläne der Theatergebäude -	 Luftbilder, Fotos

Hinweis Jeder Teilnehmer des Verfahrens verpflichtet sich, die vorliegenden digita­ lisierten Daten und Pläne nur für die Beteiligung am Verfahren zu nutzen. Daten, die im Rahmen der Bearbeitung als Zwischenprodukte anfallen und nicht an den Auslober abgegeben werden, sind nach Abschluss des Wett­ bewerbes zu löschen.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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1.10 Geforderte Leistungen
Von den Teilnehmern werden folgende Leistungen erwartet: Geforderte Leistungen in Papierform 01. Städtebauliches Konzept M 1:500 mit Darstellung der Gesamtsituation, der Baukörper, der äußeren Erschließung und der Außenanlagen 02. Grundrisse aller Geschosse M 1:200 mit Eintragung der Raumbezeichnungen gem. Raumprogramm 03. Ansichten M 1:200 04. Zum Verständnis des Entwurfs erforderliche Schnitte M 1:200 05. Fassaden- bzw. Systemausschnitt mit Teilansicht M 1:20 Der Informationsgehalt soll annähernd dem eines Schnittes M 1:50 entsprechen, beispielhaft zur Vermittelbarkeit von Materialität, Gestaltqualität und zur Ermittlung der Kosten. 06. Prüfpläne (gefaltet): ein Satz der verlangten Grundrisse und Schnitte mit Eintragung -	 der Raumbezeichnungen gem. Raumprogramm -	 der für die Berechnung notwendigen Maße -	 der Raumgrößen 07. Berechnungsergebnisse auf Formblättern (Formblatt_Berechnungen _NF_TF und Formblatt_Gebäudedaten in Digitale Anlagen 4.1.7 Formblätter). Der Rechenweg ist nachvollziehbar auf den Prüfplänen darzustellen. -	 Nutzflächen NF in der Aufschlüsselung gem. Raumprogramm -	 Technische Funktionsflächen TF -	 Bruttogrundfläche BGFa -	 Bruttorauminhalt BRIa (V) -	 Gebäudehüllfläche (A) -	 Verhältnis Bruttogrundfläche a / Nutzfläche (BGFa / NF) -	 Verhältnis A / V -	 Überbaute Fläche 08. Erläuterungsbericht (getrennt von den Plänen, max. 4 DIN A 4 Seiten): -	 Erläuterung und Begründung des Entwurfskonzepts -	 Aussagen zu Konstruktion und Materialien -	 Aussagen zur Wirtschaftlichkeit -	 AussagenzumBauablaufunterVoraussetzungderAufrechterhaltung des Theaterbetriebs 09. Beschreibung des ökologischen Gesamtkonzepts 10. Baubeschreibung in Anlehnung an DIN 276 zu den KG 300 und 400 11. 	 Verzeichnis der eingereichten Unterlagen 12. Verfassererklärung (in Digitale Anlagen 4.1.7 Formblätter) 13. Libero-Plan (freiwillige Leistung): ein Blatt (Blattgröße max. DIN A 0) mit perspektivischen Darstellungen, erläuternden Skizzen etc. 14. Modell 	 M 1:500 unter Verwendung der beigegebenen ModellGrundplatte Zusätzlich geforderte Leistungen in digitaler Form Zusätzlich sind folgende Leistungen in digitaler Form auf CD-Rom zu er­ bringen (für Vorprüfung, Ergebnisprotokoll und Veröffentlichung): -	 die Präsentationspläne als Windows-kompatible .tif-Datei(en) in einer Auflösung von bevorzugt 300 dpi (ggf. LZW-komprimiert)

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-	 die Präsentationspläne als pdf-Datei(en) mit eingebundenen Pixeldar­ stellungen in einer Auflösung von bevorzugt 300 dpi -	 die Unterlagen Nr. 07 bis 10 als pdf-Dateien Als verbindliche Form der Arbeit gilt der Papierausdruck. Hinweise zu den geforderten digitalen Leistungen „Offene“ Dateien aus Layout-Programmen (z.B. InDesign, QuarkExpress, Illustrator etc.) können nicht berücksichtigt werden. Bildmaterial, das nicht im genannten Windows-kompatiblen .tif-Format vorliegt, kann nicht be­ rücksichtigt werden. Die CD-ROM selbst trägt als Titel nur die sechsstellige Kennzahl, mit der auch die schriftlichen Pläne gekennzeichnet werden (z.B. 123456). Die einzelnen Dateien auf der CD-ROM müssen wie folgt benannt werden: Der erste Teil des Dateinamens ist die sechsstellige Kennzahl, danach folgt ein Unterstrich und anschließend der eigentliche Dateititel, gefolgt von der Formatangabe, z.B. „tif“. Beispiele: -	 Lageplan: -	 Grundrisszeichnung Erdgeschoss: -	 Ansichten:

123456_lageplan.tif 123456_grundriss_eg.pdf 123456_ansicht_01.pdf

In den Dateinamen dürfen keine Leer- und Sonderzeichen vorkommen. Die CD-ROM ist für Windows-kompatiblen PC zu erstellen. Macintosh-Formate können grundsätzlich nicht verwendet werden. Allgemeine Hinweise Jeder Teilnehmer darf nur eine Arbeit ohne Variante einreichen. Gemäß RPW § 5 Abs. 2 werden Darstellungen, die über die in der Auslobung ge­ forderten Leistungen hinausgehen oder gegen bindende Vorgaben des Auslobers verstoßen, von der Vorprüfung ausgesondert. Farbige Darstel­ lungen sowie erläuternde Skizzen sind zugelassen. Für die Präsentation der Wettbewerbsarbeiten stehen pro Wettbewerbs­ teilnehmer max. drei 2 m hohe Rolltafeln mit einer Hängefläche von 1,96m (Breite) x 1,46m (Höhe) zur Verfügung. Die vom Auslober zur Verfügung gestellten Arbeitspläne sind ein Angebot, den Wettbewerbsbeitrag darzustellen, sie müssen nicht verwendet wer­ den. Ausschlusskriterien / Verstoß gegen bindende Vorgaben Die für die Wettbewerbsaufgabe verbindlichen Vorgaben werden im Sinne der Innovation und des Wettbewerbgedankens auf folgende grundsätzli­ che Anforderungen begrenzt: -	 Erhalt der Platane an der Grundstücksgrenze (s. Teil 2 Situation und Planungsvorgaben, 2.5 Das Wettbewerbsgrundstück, Baumbestand) -	 Einhaltung des vorgegebenen Grundstücks Wettbewerbsbeiträge, die während der Laufzeit des Wettbewerbes ver­

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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öffentlicht werden, verstoßen gegen die in § 1 Absatz 4 und § 6 Absatz 2 RPW 2008 geforderte Anonymität und sind von der Beurteilung auszu­ schließen.

1.11

Beurteilungsverfahren und Vorprüfung

Das Beurteilungsverfahren ist unter § 6 Absatz 2 der RPW 2008 darge­ stellt. Ergänzend gilt Folgendes: Die eingereichten Arbeiten werden mit Hilfe eines Kriterienkataloges vorgeprüft. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe können die Sachverständigen zur Unterstützung der Vorprüfer hinzuge­ zogen werden. Dem Preisgericht werden die Ergebnisse der Vorprüfung als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt, die Beurteilung der Arbeiten bleibt dem Preisgericht vorbehalten.

1.12 Preise und Ankäufe
Die Wettbewerbssumme (RPW 2008 § 7 Absatz 2) ist auf der Basis des § 34 HOAI ermittelt. Für Preise und Anerkennungen stehen insgesamt 32.000 Euro zur Verfügung. Vorgesehen ist folgende Aufteilung: 1. Preis 2. Preis 3. Preis 2 Anerkennungen
12.800,00 € 8.000,00 € 4.800,00 € à 3.200,00 €

Über die Preise hinaus ist eine Kostenerstattung nicht vorgesehen. Die Preise werden nach Entscheidung des Preisgerichts unter Ausschluss des Rechtsweges zugeteilt. Das Preisgericht kann einstimmig eine andere Verteilung beschließen oder Preisgruppen bilden. Die Mehrwertsteuer von derzeit 19% ist in den genannten Beträgen nicht enthalten und wird den inländischen Teilnehmern zusätzlich ausgezahlt.

1.13 Weitere Bearbeitung
Das Preisgericht gibt eine schriftliche Empfehlung für die weitere Bearbei­ tung der Wettbewerbsaufgabe. Der Bauherr wird unter Würdigung der Empfehlungen des Preisgerichts einem oder mehreren Preisträgern die weitere Bearbeitung der Aufgabe mindestens mit den Leistungsphasen 2 - 5 nach § 33 und § 49 HOAI über­ tragen, sofern kein wichtiger Grund einer Beauftragung entgegensteht, insbesondere soweit und sobald die dem Wettbewerb zugrunde liegende Aufgabe realisiert werden soll (RPW 2008 § 8 Absatz 2), unter der Voraus­ setzung, dass die Ausführung der ausgewählten Arbeit im Kostenrahmen möglich ist. Im Falle einer weiteren Bearbeitung werden durch den Wettbewerb bereits erbrachte Leistungen des Wettbewerbsteilnehmers bis zur Höhe des zu­ erkannten Preises nicht erneut vergütet, wenn der Wettbewerbsentwurf in seinen wesentlichen Teilen unverändert der weiteren Bearbeitung zugrun­ de gelegt wird (RPW 2008 § 8 Absatz 2).

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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Wenn vom Auftraggeber in begründeten Einzelfällen vom Votum des Preis­ gerichts hinsichtlich der weiteren Beauftragung abgewichen wird, sind mit allen Preisträgern Verhandlungen über die Auftragsvergabe durchzufüh­ ren. Architekten, die nicht Mitglieder der Berliner Architektenkammer sind, wer­ den gemäß § 6 Bau- und Architektenkammergesetz verpflichtet, sich bei Auftragserteilung im Verzeichnis auswärtiger Architekten der Architekten­ kammer Berlin eintragen zu lassen. Bei Bedarf wird die Hinzuziehung ei­ nes Kontaktbüros empfohlen. Kunst am Bau Gemäß den Ausführungen in der Allgemeinen Anweisung für die Vorbe­ reitung und Durchführung von Bauaufgaben Berlins (Anweisung Bau) ist beabsichtigt, für diese Baumaßnahme Mittel für „Kunst am Bau“-Maßnahmen bereitzustellen.

1.14 	 Eigentum und Urheberrecht
Die eingereichten Unterlagen der mit Preisen ausgezeichneten und ange­ kauften Wettbewerbsarbeiten werden Eigentum des Auslobers. Das Ur­ heberrecht und das Recht der Veröffentlichung der Entwürfe bleiben dem Verfasser erhalten (RPW 2008 § 8 Absatz 3). Der Auslober ist berechtigt, die zu Beurteilung zugelassenen Arbeiten nach Abschluss des Wettbewerbs ohne weitere Vergütung zu dokumentie­ ren, auszustellen und (auch über Dritte) zu veröffentlichen. Die Namen der Verfasser werden dabei genannt.

1.15 	 Verfassererklärung
Durch ihre Unterschrift in der Verfassererklärung versichern die Wettbe­ werbsteilnehmer, dass sie die geistigen Urheber der Wettbewerbsarbei­ ten, gemäß den Wettbewerbsbedingungen teilnahmeberechtigt, mit einer Beauftragung zur weiteren Bearbeitung einverstanden und zur fach- und termingerechten Durchführung in der Lage sind. Die Verfassererklärung befindet sich als Formblatt auf beiliegender DVD­ ROM im Ordner: 4.1.7 Formblätter.

1.16 	 Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten
Das Ergebnis des Wettbewerbs wird (unter Vorbehalt der Prüfung der Teil­ nahmeberechtigung) den Teilnehmern, deren Arbeit mit einem Preis oder einer Anerkennung ausgezeichnet wird, unmittelbar nach der Entschei­ dung des Preisgerichts mitgeteilt, allen anderen durch Übersendung des Preisgerichtsprotokolls mitgeteilt und der Öffentlichkeit über die Presse bekanntgegeben sowie unter www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/ausstellungen angekündigt.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 1 Verfahren

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Die zur Beurteilung zugelassenen Wettbewerbsarbeiten werden mit den Namen der Verfasser, der Mitarbeiter und Sonderfachleute, den Preisen und Anerkennungen, der Aufnahme in die engere Wahl und dem Preisge­ richtsprotokoll öffentlich ausgestellt. Eröffnung, Ort und Dauer der Ausstel­ lung werden den Wettbewerbsteilnehmern und der Presse bekannt gege­ ben (RPW 2008 § 8 Absatz 1).

1.17 Haftung und Rückgabe
Für die Beschädigung oder den Verlust der eingereichten Arbeiten haftet der Auslober nur im Fall nachweisbar schuldhaften Verhaltens. Die nicht prämierten Arbeiten von in Berlin ansässigen Teilnehmern können zu ei­ nem Zeitpunkt, der ihnen rechtzeitig mitgeteilt wird, bei der Senatsverwal­ tung für Stadtentwicklung - II D - abgeholt werden. Sind diese Arbeiten, trotz einer Erinnerung sechs Wochen nach dem genannten Termin nicht abgeholt worden, so geht der Auslober davon aus, dass die betreffenden Teilnehmer das Eigentum an ihren Arbeiten aufgegeben haben und wird dann mit diesen Arbeiten nach seinem Belieben verfahren. Im Übrigen erfolgt die Rücksendung der nicht prämierten Arbeiten von Teil­ nehmern, die nicht in Berlin ansässig sind, nur dann, wenn die Arbeiten in transportgerechter und wieder verwendbarer Verpackung eingereicht wurden.

1.18 Zusammenfassung der Termine
Versand der Ausschreibungsunterlagen 02. Dezember 2009 Ortsbesichtigung 08. Dezember 2009 Treffpunkt: Vorplatz Deutsches Theater Schumannstraße 13a, 10117 Berlin Rückfragen Rückfragenbeantwortung Abgabe der Arbeiten Abgabe des Modells Preisgerichtssitzung
bis 14. Dezember 2009 - 12.00 Uhr 18. Dezember 2009 bis 02. Februar 2010 - 14.00 Uhr bis 09. Februar 2010 - 14.00 Uhr 24. Februar 2010 - 9.00 Uhr Treffpunkt: Vorplatz Deutsches Theater Schumannstraße 13a, 10117 Berlin

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Teil 2 Situation und Planungsvorgaben 2.1
Städtebauliche Rahmenbedingungen

Lage im Stadtgebiet Das Probebühnenzentrum soll auf dem Grundstück des Deutschen Thea­ ters, Schumannstraße 13a, Bezirk Mitte errichtet werden. Für den Neubau steht die derzeit als Betriebshof genutzte keilförmige Teilfläche des Grund­ stücks im Blockinnenraum nördlich der Theatergebäude zu Verfügung.

Abb. 1. Automatisierte Liegenschaftskarte ALK mit Kennzeichnung der für das Probebüh­ nenzentrum vorgesehenen Baufläche. Das dort bestehende dreigeschossige HofmagazinGebäude und seine Anbauten werden abgerissen.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Abb. 2. Luftbild 2009.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Stadträumliche Situation Das Areal liegt im Kernbereich der historischen Friedrich-Wilhelm-Stadt. Der nahezu unveränderte Stadtgrundriss mit seiner kleinteiligen Parzel­ lenstruktur und die noch in weiten Teilen erhaltene Erstbebauung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägen den Stadtraum. Nach Jahren der Vernachlässigung wurde der Altbaubestand unter den gewandelten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen nach der Wiederver­ einigung erfolgreich saniert und restauriert. Neubauten, überwiegend aus der Zeit nach 1990, sind in der Regel maßstäblich angepasst in die Block­ bebauung des Gebietes eingefügt und füllen die durch Kriegszerstörungen aufgerissenen Lücken. Die Nähe zum Regierungsviertel beförderte eine Stadtentwicklung, die die charakteristische urbane Mischung aus attrakti­ vem Wohnen, Einzelhandel, Gastronomie, Bürogewerbe sowie bedeuten­ den universitären, wissenschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Institutionen intensivierte.

Abb. 3. Schwarzplan. Situation 2009.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Die für das Probebühnenzentrum vorgesehene Baufläche grenzt nach Norden hin unmittelbar an die zur Humboldt-Universität gehörende ehe­ malige Königliche Tierarzneischule an. Die zu diesem herausragenden Denkmalensemble gehörenden Bauten, unter anderen bedeutenden Häu­ sern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert das von Carl Gotthard Lang­ hans 1790 erbaute Anatomische Theater, werden seit einigen Jahren mit hohem Anspruch restauriert. Im Zusammenhang damit soll auch der von außen schwer wahrnehmbare und derzeit ungepflegt wirkende Park als Natur- und Gartenraum aufgewertet werden. Genutzt wird das Gelände heute von Bereichen der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität, der Charité sowie von Teilen der Veterinärmedizin der Freien Universität. Die Situation des Blockinnenraums hinter dem Deutschen Theater ist ge­ kennzeichnet durch die ungeordnete Gebäudekonstellation sowie durch die Überlagerung von Eigentums- und Nutzungsverhältnissen, resultie­ rend vor allem aus der Veränderung der Erschließung im Zuge der umfas­ senden Rekonstruktionen der Theatergebäude in den Jahren 1979-83. Die Zufahrt zum Gelände ist ausschließlich über mit entsprechender Baulast versehene Fremdgrundstücke von der Luisenstraße her gegeben, Teile der als Betriebshof genutzten Flächen gehören zur Humboldt-Universität. Das Erscheinungsbild der Theatergebäude zum Hof hin steht in funda­ mentalem Kontrast zur neoklassizistischen Charakteristik der Südfassa­ den zur Schumannstraße und der Innenräume der Zuschauerbereiche. Abschnittsweise verdeutlichen sie hier unterschiedliche (Um-) Bauphasen der Nachkriegszeit. Dabei dominiert das Ergebnis der Maßnahmen von 1979-83.

Abb.4. Betriebshof des DT von Osten. Rechts das Hofmagazingebäude. Foto 2009.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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2.2

Historische Entwicklung

Friedrich-Wilhelm-Stadt Die Friedrich-Wilhelm-Stadt ist eine der Vorstädte, die im 18. Jahrhundert außerhalb der unter Kurfürst Friedrich Wilhelm zwischen 1650 und 1683 erbauten Befestigungsanlagen entstanden. Sie schließt in westlicher Richtung an die Spandauer Vorstadt und in nördlicher Richtung an die Dorotheenstadt an, reicht im Norden bis an die heutige Hannoversche Straße, deren Führung dem einstmaligen Verlauf der Akzisemauer folgt, im Osten bis an die Friedrichstraße, im Süden und Südwesten bis an die Spree und im Westen bis zum Humboldt-Hafen beziehungsweise zum Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal. Mit der Gründung eines Pesthauses, dem Vorläufer der ab 1726 so ge­ nannten Charité, im Jahre 1710 und der benachbarten Königlichen Tier­ arzneischule achtzig Jahre später entstanden schon früh zwei für die städ­ tebauliche Entwicklung maßgebliche öffentliche Einrichtungen.

Abb. 5. Situationsplan von der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, bearbeitet von Wilhelm Liebenow, 1867.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Im südlichen Teil der neuen Vorstadt, am Damm der Spree westlich der Weidendammer Brücke, ließen sich ab 1738 mit Erlaubnis Friedrich-Wilhelms I. einige Schiffbauer nieder, die dort ihre Werkstätten und Holzplätze und bald auch Wohnhäuser errichteten. Hinzu kamen im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts noch einige andere Gewerbe. Die wachsenden Bedeutung und der damit einhergehende Ausbau der Charité, insbesondere seit der Umwandlung in das Universitätsklinikum der 1810 gegründeten Friedrich-Wilhelms-Universität, beförderten die Er­ schließung des ansonsten noch in weiten Teilen landwirtschaftlich und gärt­ nerisch genutzten Terrains. Ab 1825, in der Regierungszeit König Friedrich Wilhelms III. (1797-1840), nach dem die Friedrich-Wilhelm-Stadt benannt ist, erfolgte der planmäßige und zügige Ausbau des Stadtgebietes.

Abb. 6. Übersichtsplan von Berlin, bearbeitet von Julius Straube, berichtigt 1906 / 08.

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Als Hauptstraßenzug und ordnende Achse wurde die Luisenstraße zwi­ schen den offenen räumlichen Strukturen der Charité auf der westlichen und der Tierarzneischule auf der östlichen Seite angelegt. Nach Norden endete die Luisenstraße mit dem quadratischen Luisenplatz, dem heuti­ gen Robert-Koch-Platz. Zwischen Charité und Tierarzneischule und dem Schiffbauerdamm an der Spree entstanden drei Querstraßen: Marienstra­ ße, Karlstraße und Schumannstraße, von denen die mittlere, die frühere Karlstraße, seit 1947 (Max) Reinhardtstraße, als durchgängige Querachse zur Luisenstraße die Anbindung an Friedrichstraße und Unterbaumbrücke herstellte. Die Anlage dieser drei Straßen bildete die Basis für kleinteilig parzellierte Blockquartiere mit einer dichten Wohnbebauung. Darin eingefügt waren mit der Kaserne und dem Exerzierhaus des 2. Garderegiments zu Fuß an Schumannstraße und Karlstraße größere militärische Anlagen. In der Nähe von Schiffbauerdamm und Friedrichstraße entstand 1865-68 nach Plänen von Friedrich Hitzig eine der ersten Berliner Markthallen. Eine einschneidende Veränderung des Stadtgefüges erfolgte durch den 1883 fertiggestellten Viadukt der Stadtbahn, auch wenn der südliche ge­ legene spreenahe und der größere nördlich gelegene Teil durch mehrerer Unterführungen im Verlauf der Straßen verbunden wurden. Mit der Ansiedlung einer Vielzahl naturwissenschaftlicher Institute der Ber­ liner Universität sowie weiterer staatlicher bzw. militärischer Forschungsund Lehrinstitutionen entwickelte sich in der Friedrich-Wilhelm-Stadt und dem unmittelbar nördlich angrenzenden Bereich an Invalidenstraße, Scharnhorststraße und Hessischer Straße ein herausragender Standort für wissenschaftliche und soziale Einrichtungen. Vor allem während der Kaiserzeit stand das Gebiet ganz im Zeichen des enormen Ausbaus und der baulichen Erneuerung dieser Institutionen. Private Kliniken siedelten sich im Umfeld der Charité an, zum Beispiel die Augenheilanstalt des Au­ genarztes Wilhelm Mühsam in der Reinhardtstraße 34 und die berühmte Geburtsklinik von Professor Straßmann in der Schumannstraße 18. Ab Mitte des 19. Jahrhundert etablierten sich im südlichen Teil der Friedrich-Wilhelm-Stadt eine Reihe bedeutender, teilweise heute noch existen­ ter Theater. An der Schumannstraße entstand 1849-50 das Friedrich-Wilhelmstädtische Theater als Vorläufer des Deutschen Theaters, das 1906 unter Max Reinhardt durch die Kammerspiele ergänzt wurde. 1891-92 kam das von Heinrich Seeling erbaute Theater am Schiffbauerdamm, seit 1954 Spielstätte des von Bertold Brecht und Helene Weigel gegründe­ ten Berliner Ensembles, hinzu. Ein weiteres stattliches Privattheater, das Lessing Theater wurde 1887-88 gegenüber der Kronprinzenbrücke an der Unterbaumstraße errichtet. 1919 erfolgte durch Hans Poelzig der Umbau der von Hitzig erbauten und seit 1873 als Zirkus genutzten Markthalle zum „Großen Schauspielhaus“, dessen Geschichte untrennbar mit der legen­ dären Theaterfigur von Max Reinhardt verknüpft ist. Schwerwiegende Eingriffe in die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen abgeschlossene Überbauung und räumliche Ausformung erfuhr die Friedrich-Wilhelm-Stadt erst mit den Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs.

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Den erheblichen Kriegszerstörungen folgten Jahre notdürftiger Instand­ setzungen und bemühter Improvisationen. Durch die Teilung der Stadt in grenznahe Randlage geraten, wurde der noch vergleichsweise in ge­ schlossenen Zusammenhängen erhalten gebliebene Altbaubestand ohne ausreichende Bauunterhaltung faktisch sich selbst überlassen und damit dem Verfall preisgegeben. Andererseits wurden mit hohem Aufwand einige bedeutende öffentliche Bauten wiederhergestellt. Ein schwerer Verlust für die Friedrich-Wilhelm-Stadt war die Abtragung des „Großen Schauspielhauses“, das nach vereinfachter Wiederherstellung nach dem Kriege unter dem Namen „Friedrichstadtpalast“ von 1945 bis 1980 als Varietétheater gedient hatte.

Abb. 7. Stadtplan von Berlin, Hauptvermessungsamt, Zustand 1936.

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Auf dem freigeräumten Kasernengelände an der Schumannstraße erbaute die Humboldt-Universität 1975 ihre Mensa-Nord, die bis 2009 die Essens­ versorgung auf dem Campus-Nord leistete. Nach dem anstehenden Abriss wird dort zukünftig eine Wohn- und Geschäftshausbebauung entstehen. Die Reste der im Krieg schwer beschädigten Exerzierhalle des 2. Gar­ deregiments in der Reinhardtstraße wurden bis Mitte der 90er Jahre vom Deutschen Theater und vom Berliner Ensemble als Probebühne und als Werkstätten genutzt, dann aber für eine Neubebauung bis auf den Mittelri­ salit der Straßenfront abgebrochen. Den brutalsten städtebaulichen Eingriff stellt das zwischen 1976 und 1982 an der Luisenstraße errichtete Hochhaus der Chirurgischen Klinik der Cha­ rité dar. Als „Dominante der Berliner Stadtsilhouette“ eingesetzt, ignorierte es die überkommene stadträumliche Identität und Maßstäblichkeit. Nach der Wiedervereinigung vollzog sich, nicht zuletzt wegen der Nähe zu den neu entstandenen Regierungsstandorten, ein erheblicher Nutzungs­ zuwachs in weiten Teilen der Friedrich-Wilhelm-Stadt. Dabei sind in der Regel keine spektakulären Neubauvorhaben entstanden, sondern eher blockbezogene Ergänzungen und Komplettierungen des vergleichsweise intakten, aber lückenhaften Stadtraumes. Der jetzt als besonders attraktiv erachtete Altbaubestand wurde in großem Umfang und vielfach mit be­ trächtlichem Aufwand instandgesetzt und modernisiert bzw. restauriert. In dem 1942 erbauten Hochbunker an der Reinhardtstraße / Ecke Alb­ rechtstraße wurden 2005-06 Ausstellungsflächen zur Aufnahme und öf­ fentlichen Präsentation einer umfangreichen privaten Kunstsammlung ge­ schaffen. 2008-09 entstand als freistehender sechsgeschossiger Neubau an der Schumannstraße 8 / Ecke Albrechtstraße auf einer Teilfläche des einstmaligen Kasernenareals die neue Zentrale der Heinrich-Böll-Stiftung. Deutsches Theater und Kammerspiele Mit der Bebauung der Schumannstraße um 1830 hatte der Ausbau der Friedrich-Wilhelm-Stadt in nördlicher Richtung vorerst seinen Abschluss gefunden. Hinter den Vorderhäusern in der Schumannstraße erhielt 1848 ein als Kasino genutzter Saalbau eine Theaterkonzession. 1850 entstand an dieser Stelle der heute noch im Kern erhaltene Bau des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters nach dem Entwurf von Eduard Titz. Von dem ursprünglichen Bau von 1850 existieren noch die Kellergewölbe, Umfas­ sungswände, zwei Treppenhäuser und das hölzerne Sprengwerk des Da­ ches, welches bis heute die Saaldecke trägt. Erste innere Umbauten be­ gannen bereits 1872 mit dem Einbau des Rangfoyers. 1883 folgten der Gründung des „Deutschen Theaters“ durch eine Sozietät von Schauspielern der Ausbau und die Erneuerung der Dekoration durch Hermann Richter. Ein Jahr nach der Übernahme des Theaters durch Max Reinhardt im Jahre 1905 wurden die Kammerspiele nach dem Plan von William Müller ausgebaut. Die neoklassizistischen Fassaden beider Häu­ ser, die Eingangshalle, einige Deckenspiegel und -vouten in der östlichen Garderobe, das Bühnenhaus mit Drehbühne und Rundhorizont stammen vom Umbau 1906. Die damalige Fassung des Zuschauerraumes der Kam­ merspiele ist nicht überliefert.

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Nach Kriegsschäden 1946 wieder bespielbar gemacht, wurde die Anlage 1954 / 55 durch den östlichen Neubau des Garderobenhauses am Vor­ platz und den Umbau des Magazingebäudes erweitert. Schließlich erfolgte 1979-83 eine durchgreifende konstruktive und bühnentechnische Erneu­ erung: im Deutschen Theater die Restaurierung der Fassaden und der Raumfassungen, in den Kammerspielen der weitgehende Neubau und die Gestaltung des Zuschauerraumes. Die authentische Gestaltung ist vor al­ lem im Zuschauerraum (1883) und dem - stark überarbeiteten - Rangfoyer des Deutschen Theaters noch erhalten. Auf dem Vorplatz stehen unter anderem die Bronzebüsten von Otto Brahm, der das Deutsche Theater von 1894-1904 leitete, und von Max Reinhardt, Intendant von 1905-1932. Siehe dazu 4.2 Anhang: Baugeschichte des DT - Chronik

Abb. 8. Luftbild 1979. Situation des Deutschen Theaters vor den umfassenden Rekonstruk­ tionen 1979-83.

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Die Königliche Tierarzneischule Ensemble Tierärztliche Hochschule Auf dem ausgedehnten Parkgelände östlich der Luisenstraße 56 zwischen Hannoverscher Straße und Philippstraße sowie den rückwärtigen Grund­ stücksgrenzen der Friedrich-, Reinhardt- und Schumannstraße bestehen seit über zweihundert Jahren die Königliche Tierarzneischule Berlin bzw. ihre Nachfolgeorganisationen mit ihrem im Laufe der Jahre gewachsenen Bestand an Forschungs-, Unterrichts- und Stallgebäuden. Bereits seit 1767 bestand der Plan, in Berlin eine École vétérinaire zu gründen. Erst im Jahre 1787, als König Friedrich Wilhelm II. den Ober­ stallmeister Graf von Lindenau mit der Einrichtung einer Tierarzneischule für die preußische Kavallerie beauftragte, konnte das Vorhaben verwirk­ licht werden. Für die Anlage wurde der Gräflich-Reußsche Garten ange­ kauft, der damals als einer der schönsten Gärten in Berlin galt. Hier ließ Friedrich Wilhelm II. nach den Plänen des Oberbaudirektors Carl Gotthard Langhans die notwendigen Bauten für die „Vieh Arzney Schule“ errichten. Auf dem westlichen Gartengelände erbaute Langhans 1790 das noch be­ stehende Anatomiegebäude, auf der östlichen Pankeseite, dem späteren Klinikhof zwischen Panke, Hannoverscher und Philippstraße, entstanden die Wirtschafts- und Stallgebäude sowie das Wohn- und Lehrgebäude. Die Schule wurde am 1. Juni 1790 eröffnet. In der Gründungsperiode hatte man die von der Panke durchzogene, ba­ rocke Gartenanlage mit ihrem regelmäßigen Wegesystem weitgehend be­ lassen und die notwendigen Koppeln anstelle der Parterres und Boskett­ zonen angelegt. Mit dem Bau des neuen Lehr- und Wohngebäudes von Ludwig Ferdinand Hesse zwischen 1838 und 1840 an der Luisenstraße wurde auch der Park im Sinne neuerer ästhetischer Vorstellungen in einen Landschaftspark umgewandelt. Die Entwicklung von Lehre und Forschung, besonders die Aufwertung der Schule zur Tierärztlichen Hochschule im Jahre 1887 erforderten den Bau weiterer Klinik-, Forschungs- und Wirtschaftsbauten. Die neuen Instituts­ bauten haben den ursprünglich weiträumigen Charakter der Gartenanlage immer weiter eingeengt und beeinträchtigt. Um 1900 war die städtebauli­ che Entwicklung in diesem Bereich jedoch abgeschlossen.

Abb. 9. Lehrgebäude der Tierarzneischule, Luisenstraße 56. Foto 1997.

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Nach den zum Teil erheblichen Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges begann 1946 der Wiederaufbau. Die Bebauungsstruktur sowie der Gar­ tengrundriss blieben jedoch weitgehend bestehen. Entscheidende Auswir­ kungen auf die Grünanlage hatte die Umleitung der Panke. Sie wurde vom Bezirk Wedding kommend durch Rohre direkt in die Spree geleitet, wo­ durch der gesamte Südabschnitt trocken fiel. Im Bereich der Veterinärme­ dizinischen Fakultät ist das Flussbett noch erhalten geblieben und wieder revitalisiert worden. Das Anatomische Theater Carl Gotthard Langhans bestimmte als Bauplatz für das 1789-90 erbau­ te Anatomiegebäude der Tierarzneischule, das so genannte Anatomische Theater, eine kleine Anhöhe auf dem größeren westlichen Teil des Grund­ stückes zwischen Panke und Charitégelände. Er berücksichtigte bei seiner Gestaltung die Lage in der freien Landschaft und schuf ein an Palladios Villa Rotonda erinnerndes Gebäude, das sich nach allen Seiten dem um­ gebenden Garten öffnete. Höhenniveau und Modellierung des Geländes haben sich im Laufe der Zeit durch Aufschüttungen, die Verlegung der Panke und neue Wegebeziehungen derart verändert, dass das Anatomi­ sche Theater heute tiefer als die umgebende Bebauung in einer Senke steht und damit seine ursprüngliche Wirkung verloren hat. Der streng gegliederte zweigeschossige Putzbau über quadratischem Grundriss mit dreiachsigen Mittelrisaliten, übergiebeltem Portalbau mit ein­ gestellten toskanischen Säulen ist mit seinem runden Mittelsaal und Licht­ tambour als Zentralbau angelegt. Besondere Beachtung fand unter den Zeitgenossen die Verwendung der Bohlendachkonstruktion für die Kuppel. David Gilly hat diese damals wohl in Deutschland erstmalig angewandte, sehr ökonomische und relativ leicht zu bauende Konstruktion 1797 in sei­ nem Lehrbuch über die Konstruktion von Bohlendächern publiziert.

Abb. 10. Anatomisches Theater von Nordosten. Foto 1997.

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Im Innern ist noch die ursprünglich symmetrische Raumanordnung um den zentralen Kuppelsaal ablesbar. Von der originalen Ausstattung zeugen der große Hörsaal und die Haupttreppe mit Foyer. Der Hauptraum des Anato­ mischen Theaters hat durch die Anordnung der ansteigenden Sitzreihen die Form eines überdeckten Amphitheaters. Die Weiterentwicklung der pathologisch-anatomischen Forschungen und die Vergrößerung der Präparatesammlung erforderten 1873 den Neubau einer „Obductionshalle“, die Medizinalrat Andreas Christian Gerlach, der 1870 Direktor der Tierarzneischule geworden war, in Auftrag gab. Im Mi­ nisterium der öffentlichen Arbeiten wurde der Baumeister Julius Emmerich mit dem Entwurf des Anbaues beauftragt, den Walther Wolff 1935 noch um eine neue Schlachthalle und eine Wohnung erweiterte. Der Architekt Carl Gotthard Langhans hatte mit seinem Brandenburger Tor von 1788-91 den entscheidenden Übergang vom Barock zum Frühklas­ sizismus vollzogen. Die Tieranatomie, zeitgleich mit diesem Meisterwerk entstanden, hat ebenfalls am Ende des 18. Jahrhunderts den klassizisti­ schen Formenkanon dieser Zeit in Berlin mit beeinflusst. Das Gebäude wird seit 2005 restauriert. Die Außensanierung soll bis Mitte 2009 abgeschlossen sein. Nach Abschluss der Restaurierungsmaßnah­ men wird das Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik (HZK), eine interdiszipli­ näre Forschungseinrichtung der Humboldt-Universität, die sich u.a. der Er­ schließung und Präsentation der einzigartigen Wissenschaftssammlungen der HU widmet, das Gebäude nutzen. Das HZK und die Universität wollen das Anatomische Theater und die umliegenden Räume als öffentliche Vor­ trags- und Veranstaltungsstätte sowie für Ausstellungen der universitären Sammlungen nutzen. Im Anbau von 1873 (Gerlach-Bau) und dem Annex aus den 1930er Jahren sollen Seminarräume, weitere Ausstellungsräume und Büros entstehen.

Abb. 11. Institut für Tieranatomie von Nordwesten. Foto 1997.

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Institut für Tieranatomie Die Anordnung des 1899 bis 1902 errichteten Instituts für Tieranatomie auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei an der westlichen Grundstücks­ grenze ist mit dem winkelförmigen Grundriss, der einen Binnenhof entste­ hen lässt, gut an den Zuschnitt des Grundstücks angepasst. Otto Poetsch hat wie für das geforderte Raumprogramm - Laboratorien, Lehrräume und ein Museum - eine Architektur entworfen, die die Zweckmäßigkeit von Fab­ rikgebäuden mit malerischen Elementen aus dem Landhausbau verbindet. Zum wirkungsvollen Erscheinungsbild des Bauwerks tragen besonders das hohe Dach und der gestaffelte Nordgiebel bei.

2.3

Deutsches Theater und Kammerspiele

Das Deutsche Theater in Berlin ist eine Sprechtheaterbühne mit einem festen und viel gerühmten Ensemble. Mitten im historischen Zentrum Ber­ lins gelegen, gilt das Haus vielen als schönstes Theater der Stadt. Hinter seiner eleganten neoklassizistischen Fassade beherbergt das Deut­ sche Theater heute drei Bühnen: das Große Haus mit ca. 600 Plätzen in einem atmosphärisch intimen Saal von 1850, die Kammerspiele - 1906 von Max Reinhardt eingerichtet - mit ca. 230 Plätzen und die 2006 eröffnete Box - eine kompakte Blackbox im Foyer der Kammerspiele mit 80 Plätzen für hautnahes Theater, neue Texte und aktuelle Themen. Im Deutschen Theater werden weiterhin überwiegend klassische Stücke aufgeführt. Das Programm der Kammerspiele widmet sich vor allem moderner und zeitge­ nössischer Dramatik. Das Repertoire umfasst etwa 25 Produktionen, die täglich wechselnd oder in Blöcken gespielt werden. Pro Spielzeit werden ca. 12 neue Premieren auf der Großen Bühne gefeiert, dazu kommen etwa 8 Premieren in den Kammerspielen. Entschiedene Regie-Handschriften, die kontinuierliche Zusammenarbeit mit wichtigen und jungen Dramatikern und das Vertrauen auf die Kraft ei­ nes lebendigen und starken Ensembles bilden die Grundlagen des künst­ lerischen Konzeptes.

Abb. 12. Fassaden zum Vorplatz an der Schumannstraße. Foto November 2009.

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Seit es 1883 seinen Namen erhielt, hat das Deutsche Theater Geschichte geschrieben. Otto Brahm machte es zu einer Hochburg des Naturalismus und setzte Autoren wie Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Arthur Schnitzler durch. Unter der Leitung von Max Reinhardt bestach das DT ab 1905 durch mitreißende Klassikerinszenierungen und galt forthin als »Theater-Olymp«. Heinz Hilpert brachte das Haus mit einem klassisch­ humanistischen Programm durch die Nazidiktatur. In der DDR begründe­ te Wolfgang Langhoff eine neue Ära, Benno Besson machte mit seinen Inszenierungen Schule. 1989 beteiligten sich DT-Schauspieler zentral an den Protesten, die zum Fall der Mauer führten. Auf Thomas Langhoff in den 90er Jahren und Thomas Ostermeier an der DT-Baracke folgte 2001 Bernd Wilms als Intendant. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Haus erneut zu einer der führenden Bühnen des Landes. In der Spielzeit 2008/09 leitet Oliver Reese nach sieben Jahren als Chefdramaturg für ein Jahr das Deutsche Theater. Seit Sommer 2009 ist Ulrich Khuon neuer Intendant des Deutschen Theaters. Das Deutsche Theater ist jedes Jahr mit seinen Produktionen auf zahl­ reichen Gastspielreisen und folgt Einladungen zu Festivals. Fernsehauf­ zeichnungen und regelmäßige Einladungen zum renommierten Berliner Theatertreffen belegen den Erfolg des Theaters über viele Jahre hinweg. Durch die Offenheit und Vielfalt seines Programms und das Bekenntnis zu großen Schauspielern, Regisseuren und Dramatikern wahrt das DT bis heute seinen historischen Anspruch. Das Deutsche Theater verfügt über keine eigenen künstlerischen Werk­ stätten. Kulissen, Bühnenplastiken, Kostüme etc. werden in externen Werkstätten hergestellt. Die derzeit im Hofmagazingebäude befindlichen Werkstätten dienen in erster Linie der Instandhaltung der Gebäude und der Betriebstechnik. Siehe dazu Teil 4 Anhang: 4.3 Geschichte des Deutschen Theaters.

Abb. 13. Zuschauersaal Deutsches Theater. Foto 2008.

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2.4

Probebühnenräume

Situation Derzeit verfügt das Deutsche Theater über 3 Probebühnen auf der eige­ nen Liegenschaft sowie über einen angemieteten Probebühnenraum in der Reinhardtstraße 29. Die Probebühne der Kammerspiele im 1983 fertiggestellten westlichen Neubauteil hat bei einer Höhe von 8,80m annähernd Bühnenmaße und entspricht damit dem Bedarf. Zwei Probebühnen befinden sich im Hofmagazingebäude. Der soge­ nannte Probenraum „Tischlerei“ wird vornehmlich für die Proben der In­ szenierungen des Deutschen Theaters (DT) genutzt. Im Gegensatz zur Bühnengrundfläche des DTs mit ca. 500m², beträgt die Grundfläche dieser Probebühne lediglich 265m² und ist demnach für angemessene Proben deutlich zu klein. Die Raumhöhe von ca. 4,50m entspricht nicht im Min­ desten der Bühnenhöhe und wirkt sich im Probenprozess oft hinderlich aus. Die Grundfläche des Probenraumes „Graphik“ beträgt 92m², wo­ gegen, entsprechend der Bühnengrundfläche der Kammerspiele (KSP), 220m² benötigt werden. Mit einer Höhe von 3,50m treten hier adäquate Probleme auf. Vorplanung / Bauabschnitte Im Rahmen einer Kosten- und Nutzwertanalyse wurden mehrere Varian­ ten zur Lösung der Probebühnenprobleme untersucht. Die Variante: Abriss des Hofmagazingebäudes plus Neubau eines Probebühnenzentrums ein­ schließlich der durch den Abriss entfallenden Hauswerkstätten und Lager erwies sich als die günstigste und wurde der weiteren Planung zugrunde gelegt. Externe Probebühnenräume sind damit zukünftig nicht mehr er­ forderlich.

Abb. 14. Geplante Aufstockung des Hinterbühnenmagazins. Klaus Roth Architekten, Berlin.

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Die Umsetzung soll in zwei Bauabschnitten erfolgen: Erster Bauabschnitt: Errichtung einer Probebühne auf dem Hinterbühnen­ magazin / Ostanbau (Aufstockung) mit einer Größe von 368,50m² Netto­ grundfläche sowie zugehörigen Nebenräumen. Nach Umsetzung der ge­ samten Maßnahme wird diese Probebühne vorwiegend für Produktionen der Box und des „Jungen DT“ genutzt. Der erste Bauabschnitt soll ab 2010 errichtet werden. Das Projekt befindet sich in der Genehmigungsphase. Planverfasser ist das Büro Klaus Roth architekten bda, Berlin. Planunter­ lagen und Baubeschreibung sind den Wettbewerbsunterlagen beigefügt (Digitale Anlagen 4.1.2.05). Zweiter Bauabschnitt: Abriss des Hofmagazin nach Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts, Neubau eines Probebühnenzentrums mit drei Pro­ bebühnen sowie Werkstätten und Lager. Die Neubauplanung ist Gegen­ stand dieses Wettbewerbsverfahrens.

2.5

Das Wettbewerbsgrundstück

Grundstück Für den Bau des Probebühnenzentrums steht nach Abriss des bestehen­ den Hofmagazingebäudes der gesamte Bereich des derzeitigen Betriebs­ hofes zwischen den Theatergebäuden und den nördlichen und östlichen Grundstücksgrenzen mit einer Fläche von ca. 3.500m² zur Verfügung. Sie­ he dazu unten: Baumbestand und Löschwasserzentrale (2.6). Eigentum Das Grundstück ist Eigentum des Landes Berlin in Zuordnung zum Fach­ vermögen des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten.

Abb. 15. Das Wettbewerbsgrundstück. Verkleinerung des Arbeitsplans M 1:200.

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Topographie Die Baufläche ist als eben anzunehmen bei einer Höhenlage von ca. 33,65m ü. NHN. Verortete Höhenordinaten enthält der Lageplan / Vermes­ sungsplan (Digitale Anlagen 4.1.1.10 bzw. 4.1.1.11). Baugrund Das Wettbewerbsgrundstück liegt im Berliner Urstromtal und ist insbe­ sondere durch Bildungen der Weichseleiszeit geprägt. Entsprechend den Angaben in der Geologischen Karte von Berlin stehen hier bis in größere Tiefen pleistozäne Talsande an. Oberhalb, insbesondere im Bereich der Panke, sind holozäne sandige Bildungen zu erwarten. Im östlichen Hofbereich stehen unterhalb der bis max. 2,50m unter Ge­ lände reichenden, zum Teil mit Bauschutt durchmengten Auffüllung bis ca. 6 m unter Gelände Mittelsande an. Es folgen bis ca. 8,0m unter Gelände Feinsande und darunter kiesige Grobsande. Die Auffüllung bis ca. 2 m ist sehr locker gelagert. Unterhalb dieser Tiefe ist sowohl der Auffüllboden als auch der anstehende gewachsene rollige Boden mitteldicht gelagert. Im westlichen Hofbereich stehen unterhalb der bis max. 3,60m unter Ge­ lände anstehenden sandigen bauschuttdurchsetzten Auffüllung zunächst bis ca. 8,50m unter Gelände ebenfalls Mittelsande und darunter Mittel- bis Grobsande an. Die sandige Auffüllung ist locker, zum Teil gerade mittel­ dicht gelagert. Der darunter anstehende grobkörnige Boden ist bis ca. 11 m mitteldicht, darunter dicht gelagert. Unterhalb der Auffüllungen steht somit tragfähiger Baugrund an. Bei Grün­ dungstiefen im Bereich der Auffüllungen ist ggf. eine Nachverdichtung ge­ boten. Bei der Festlegung des Gründungsniveaus sollte sowohl die Grün­ dungsordinate der bestehenden Bebauung als auch die Sohle der an der Grundstücksgrenze verlaufenden Panke berücksichtigt werden. Siehe dazu Baugrundgutachten (Digitale Anlagen 4.1.4). Grundwasser Der Grundwasserstand des bedeckten Grundwasserleiters steht im Be­ reich der Wettbewerbsgrundstückes in ungespanntem Zustand an. Der maßgebliche höchste Grundwasserstand HGW wird mit 31,80m ü. NHN angegeben. Altlasten Über Altlasten auf dem Wettbewerbsgrundstück gibt es bisher keine Er­ kenntnisse. Das Hofmagazingebäude ist erheblich schadstoffbelastet. Freiflächen / Panke Der Betriebshof ist nahezu vollständig mit einer ca. 0,20m dicken, in wei­ ten Teilen schadhaften Betondecke belegt. Der Betonbelag soll im Zuge der Neubebauung ersetzt werden. An der östliche Grundstücksgrenze verläuft die Panke, ein Nebenfluss der Spree. Wegen einer schon seit Jahrzehnten bestehenden Umleitung ist der im Bereich des DT durch Ausmauerung mit großformatigem Kopfstein­ pflaster kanalisierte Graben derzeit nicht wasserführend. Die Renaturie­ rung der Panke als Fließgewässer soll bis 2015 erreicht werden.

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Baumbestand Auf dem Wettbewerbsgrundstück selbst befindet sich keine nennenswerte Vegetation. Unmittelbar hinter der nördlichen Grundstücksgrenze auf dem Grundstück der Humboldt-Universität steht eine vitale, ca. 150 Jahre alte Platane (Acer platanoides) mit einem Stammumfang von 4,55m und einem Kro­ nendurchmesser von ca. 14,0m. Der Erhalt dieser Platane ist unbedingt zu gewährleisten. Der Erhalt der Platane ist aus Gründen des Naturschutzes geboten, dar­ über hinaus prägt der Baum entscheidend den parkartigen Charakter des Standortes des Anatomischen Theaters. Die auf dem Grundstück des DT betonierte Fläche über dem Wurzelteller ist möglichst zu entsiegeln. Derzeit befindet sich im natürlichen Wurzelbereich der Platane die unterir­ dische Löschwasserzentrale des DT (sieh 2.6 Technische Infrastruktur). Im Falle des Abrisses dieser Löschwasserzentrale darf der dadurch freiwer­ dende Wurzelbereich nicht erneut bebaut werden.

2.6

Technische Infrastruktur

Leitungen Der Betriebshof ist frei von überbereichlichen Leitungen. Die dort verlau­ fenden Theater-internen Leitungstrassen sollen im Zuge der Neubaumaß­ nahmen, die auch die Erneuerung der Hofdecke einschließen, angepasst bzw. erneuert werden.

Abb. 16. Standort der Platane. Ausschnitt aus dem Lageplan / Vermessungsplan.

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Die Ver- und Entsorgung des Neubaus mit allen üblichen Medien ein­ schließlich Fernwärme ist durch direkten Anschluss an die bestehenden Leitungssysteme möglich. Zur Lage der Leitungen und zu Anschlussmöglichkeiten siehe Leitungsplä­ ne (Digitale Anlagen 4.1.2.09). Löschwasserzentrale Im UG des östlichen eingeschossigen Hofmagazin-Anbaus befindet sich die Löschwasserzentrale mit Tank (Volumen 108m³) und technischen Ag­ gregaten zur Versorgung der Sprinkleranlage des Theaters. Siehe dazu Bestandspläne des Hofmagazin-Gebäudes (Digitale Anlagen 4.1.2.01 / Ordner) und Leitungsplan (Digitale Anlagen 4.1.2.09). Die Löschwasserzentrale ist zu erhalten und in die Neubauplanung zu in­ tegrieren oder durch einen Neubau zu ersetzen. Im Falle des Neubaus ist unbedingt sicherzustellen, dass die bestehende Löschwasserzentrale bis zur Inbetriebnahme der neuen Anlage genutzt werden kann.

2.7

Erschließung / Außenanlagen

Siehe dazu Bilddokumentation (Digitale Anlagen 4.1.8). Fahrerschließung des Betriebshofes Die Erschließung des Betriebshofes mit Fahrzeugen erfolgt seit 1983 aus­ schließlich von der Luisenstraße über die Grundstücke Luisenstraße 48­ 52. Wegerechte sind über Baulasteinträge gesichert, Tordurchfahrt und Fahrwege sind für LKW bzw. Feuerwehrfahrzeuge ausgelegt. Wendemög­ lichkeiten auf dem Betriebshof bestehen derzeit südwestlich und südöstlich des Hofmagazin-Gebäudes. Die noch bestehende Ausfahrt / Zufahrt im nordöstlichen Hofbereich über das Gelände der Humboldt-Universität ist rechtlich und hinsichtlich der erforderlichen Belastbarkeit nicht gesichert. Personenwege / Ausgänge / Rettungswege Die Wege der im Probebühnenzentrum tätigen technischen und künstle­ rischen Mitarbeiter führen in der Regel vom Vorhof über den Eingang im Garderobenflügel (Bühnenpförtner / Anmeldung), die internen Flure und eines der hofseitigen Treppenhäuser auf den Hof, wobei das mittige (Trep­ penhaus C), an der Schnittstelle von Kammerspielen und Deutschem The­ ater sowie direkt am Casino gelegene Treppenhaus den hauptsächlichen Ausgang bzw. Eingang darstellt. Aus den Theatergebäuden führen insgesamt 9 Ausgänge auf den Be­ triebshof, davon sind 4 die Ausgänge notwendiger Treppen. Siehe dazu Lageplan / Vermessungsplan (Digitale Anlagen 4.1.1.10 bzw. 4.1.1.11). Die Nutzbarkeit aller Ausgänge bzw. Zugänge ist auch zukünftig zu ge­ währleisten. Anlieferungszonen Da das DT auf seiner Liegenschaft nicht über ausreichende Lagerflächen verfügt, sind im Zusammenhang mit dem Wechsel von Bühnenbildern täg­ lich umfangreiche Transportleistungen mit LKW zu erbringen.

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Anlieferungszonen mit Hebebühnen und Laderampen bzw. Podesten lie­ gen dafür am Gebäudeteil der Kammerspiele (2 Anlieferungszonen) sowie am Nordanbau des Deutschen Theaters im östlichen Hofbereich (siehe Lageplan / Vermessungsplan, Digitale Anlagen 4.1.1.10 bzw. 4.1.1.11). Folgenden Anlieferungs- / Transportsituationen stehen regelmäßig an: Anlieferungen / Transporte (extern): -	 Dekorationstransport zwischen Außenlager und Bühne DT durch eigene Fahrzeuge / täglich / 12t LKW mit Koffer oder BDF-Wechselbrücke -	 Dekorationstransport von externen Werkstätten zur Bühne DT und KSP durch eigene Fahrzeuge / ca. 2 x im Monat / 12t LKW mit Koffer BDFWechselbrücke -	 Dekorationstransport von externen Werkstätten zu den Probebühnen durch eigene Fahrzeuge / ca. 1 x im Monat / 12t LKW mit Koffer oder BDF-Wechselbrücke -	 Anlieferung verschiedener Gebrauchsgüter von Herstellern und Liefe­ ranten zur Warenannahme und ins Lager / täglich / LKW bis 24t -	 Belieferung der Kantine und des Restaurants (Fleisch, Obst, Gemüse, Getränke etc.) / täglich / LKW bis 24t -	 Müllabfuhr (Wertstoffe, Restdeko, Entsorgung Fettabscheider) / täglich / LKW bis 24t -	 Transporte für Gastspiele (sowohl im DT als auch anderswo) / ca. 15 x im Jahr / Sattelzug bis 40t -	 Feuerwehr / Feuerwehrzufahrt / nach Bedarf / LKW bis 12t Innerbetrieblicher Verkehr: -	 Dekorationstransport von den Hofmagazinen zu den Bühnen DT und KSP und BOX / täglich / Dekorationswagen bis ca. 6m Länge -	 Dekorationstransport zwischen den Probebühnen und den Bühnen ca. 2 x im Monat / Dekorationswagen bis ca. 6m Länge -	 Innerbetriebliche Transporte von diversen Gütern / täglich / Gabelstap­ ler, Hubwagen, Kleintransporter Für den bei Transporten für Gastspiele eingesetzten Sattelzug besteht kei­ ne Wendemöglichkeit. Die Einfahrt erfolgt durch Rückwärtsrangieren. Zur Aufrechterhaltung des Theaterbetriebs ist die Nutzbarkeit der oben ge­ nannten Anlieferungszonen auch während der Bauzeit geboten. Über den ca. 6-wöchigen Zeitraum der Theaterferien in den Monaten Juli und August sind Einschränkungen hinnehmbar. Feuerwehrflächen Die aktuellen Feuerwehrflächen sind auf dem Feuerwehrplan (Digitale An­ lagen 4.1.2.08) dargestellt. Die Fläche im östlichen Grundstücksbereich ist als Bewegungsfläche nach Muster-Richtlinie für die Feuerwehr / Fassung Juli 1998 mit der notwendigen Wendefläche kombiniert. Aufgrund der Flä­ chenknappheit ist das Rangieren der Feuerwehrfahrzeuge („Wenden in 3 Zügen“) zugelassen. Am östlichen Rande des Grundstücks führt von der Bewegungs- / Wende­ fläche ein 1,25m breiter Weg an der Panke bzw. an den Gebäuden entlang zum südöstlichen Treppenhaus des Hinterbühnenmagazins (Ostanbau) an der Grenze zum Oberstufenzentrum.

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Stellplätze Auf dem Betriebshofgelände befinden sich Stellplätze für 4 PKW, 2 Klein­ transporter, 2 LKW (2,50m x 8,50m), 1 LKW-Anhänger (2,50m x 8,50m) und 1 Container (BDF-Wechselbrücke, 2,50m x 6,50m). Die Höhen der LKW und des Containers betragen ca. 3,50m.

2.8

Planungsrecht und Bauordnungsrecht

Flächennutzungsplan Der Flächennutzungsplan von Berlin in der Fassung der Neubekanntma­ chung vom 08. Januar 2004, zuletzt geändert am 23. und 25. September 2008, stellt das Gebiet als Wohnbaufläche W1 (GFZ über 1,5) und den Theaterstandort als Gemeinbedarfsfläche mit der Zweckbestimmung Kul­ tur dar. Bebauungsplan Für das Gebiet existiert kein Bebauungsplan. Die Zulässigkeit des Vorha­ bens wird nach § 34 BauGB entschieden. Bauordnungsrecht Der Planung ist die Bauordnung des Landes Berlin BauOBln, (www.stadtentwicklung.berlin.de/service/gesetzestexte/de/bauen.shtml) in der aktuel­ len Fassung zugrunde zu legen. Die Genehmigung des Bauvorhabens erfolgt im Baugenehmigungsverfah­ rens bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Grenzbebauung In Analogie zur bestehenden Situation ist gem. Absprache mit der Humboldt-Universität eine Grenzbebauung an der nördlichen Grundstücks­ grenze zulässig. Voraussetzung ist eine Baukörpergestaltung, die den Be­ langen des Denkmalensembles ‚Tierärztliche Hochschule‘, insbesondere denen der anliegenden Baudenkmale Rechnung trägt und die Erhaltung der Platane (s. 2.5 Baumbestand) gewährleistet. Fenster in den auf das HU-Grundstück gerichteten Außenwänden sind zu­ lässig. Nicht zulässig sind Gebäudezugänge / -ausgänge.

2.9

Denkmalschutz

Das Wettbewerbsgrundstück grenzt an einen komplexen weiträumigen Denkmalbereich. Denkmale sind u.a.: -	 Der Bereich Friedrich-Wilhelm-Stadt, Denkmalart: Ensemble -	 Gebäude (teilweise) Deutsches Theater und Kammerspiele, Denkmalart: Baudenkmal -	 Die Büsten von Otto Brahm und Max Reinhardt auf dem Vorplatz des Deutschen Theaters, Denkmalart: Baudenkmale

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

43

-	 Die Mietshäuser Schumannstraße 14a, 14b, 16, 17, 18 und Luisenstraße 53, Denkmalart: Baudenkmale -	 Die ehemalige Friedrich-Realschule (heute Oberstufenzentrum Bekleidung und Mode), Albrechtstraße 27, Denkmalart: Baudenkmal -	 Das Ensemble Tierärztliche Hochschule, Denkmalart: Ensemble -	 Das Institut für Tieranatomie, Denkmalart: Baudenkmal -	 Das Anatomische Theater, Denkmalart: Baudenkmal -	 Das Hygienische Institut, Denkmalart: Baudenkmal.

Abb. 17. Denkmalbereiche und Baudenkmale.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater

45

Teil 3 Wettbewerbsaufgabe 3.1
Planungsziel

Das Deutsche Theater verfügt derzeit für die 3 Spielstätten Deutsches Theater, Kammerspiele, BOX über 3 eigene und eine angemietete Pro­ bebühne. Eine ausführliche Bedarfsanalyse hat ergeben, dass Anzahl, Di­ mension und technische Ausstattung der Probebühnen für ein Haus dieser Größenordnung mehr als ungenügend sind und die Produktionsabläufe innerhalb des Theaters immer wieder durch Engpässe in der Planung und Vorbereitung von Inszenierungen für alle drei Bühnen behindert werden. Die Entwicklungsprozesse des letzten Jahrzehnts haben die Art, wie Thea­ terhäuser heute bespielt werden, stark verändert und treffen im Deutschen Theater an ihre räumlichen und technischen Grenzen. War es noch vor 15 Jahren möglich, dass Inszenierungen über viele Jahre im Repertoire blieben und wie z. B. „Nathan der Weise“ ihre 500. Vorstel­ lung erlebten, so werden heute viel mehr Stücke innerhalb eines Jahres produziert und „nur“ für durchschnittlich 25 Vorstellungen angesetzt. Die Theater reagieren mit dieser erhöhten Produktionsdichte auf den zuneh­ menden Konkurrenzdruck anderer Unterhaltungsmedien, wie Kino, Inter­ net etc. Parallel zu diesem Prozess haben sich auch die Sehgewohnheiten des Publikums stark verändert. Sie verlangen den komplexen Einsatz technischer Medien wie Licht, Ton­ technik und Videotechnik in den einzelnen Inszenierungen. So werden z.B. heute Filmsequenzen vorproduziert, Kompositionen oder Geräusch­ kollagen auf die Szenen abgestimmt, Lichtstimmungen werden zum Teil taktgenau in zeitintensiven Beleuchtungsproben erarbeitet. Hieraus definiert sich der Soll-Stand über die Notwendigkeit, dass für jede Bühne DT und KSP ein Bedarf von jeweils zwei Probebühnen in den Ab­ maßen der jeweiligen Bühnengrundfläche als Ausgangspunkt und Aufga­ benstellung besteht. Er resultiert aus der fortwährenden Erarbeitung eines Repertoires. Die Betrachtung der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit schließt die Fra­ ge ein, warum es für das Deutsche Theater so wichtig ist, dass die Probe­ bühnen in unmittelbarer Nähe des Theaters liegen und welche funktiona­ len Auswirkungen das auf das Theater hat. Durch eine ausreichende Menge an Probebühnen auf der Liegenschaft des Theaters und somit in unmittelbarere Nähe zu den jeweiligen Bühnen, werden heute notwendige, stundengenau geplante aufwendige Dispositi­ onen vermieden, deren Ziel es ist, jedem Regisseur für seine Probentä­ tigkeit möglichst lange, möglichst gute Arbeitsbedingungen zu geben, die einem optimalen künstlerischen Arbeitsergebnis nicht entgegenstehen. Durch die Vergrößerung der Probebühnenflächen und -höhen werden den jeweiligen Bühnen gegenüber äquivalente Räume geschaffen, die vom Beginn des schöpferischen Probenprozesses an die räumlichen Bühnen­ situationen widerspiegeln und den Möglichkeiten und Chancen ihrer Di­ mensionen gerecht werden. Ein zeitlich aufwendiger Umsetzungsprozess

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

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auf „Bühnenverhältnisse“, das Umbauen ganzer Szenen auf die größeren Ausdehnungen, kann vermieden werden. Das „Spiel“ bzw. Arbeiten mit der Raumhöhe ist neben der Fläche nicht zu unterschätzen. Hier ist durch die Verbesserung der Ausstattung der Probebühnen die Möglichkeit gegeben schon innerhalb der ersten Pro­ benphasen die dritte Dimension mit einzubeziehen. Hohe Bühnenbildele­ mente können in nahezu realer Größe angedeutet oder auch im Original gestellt werden. Gleiches gilt auch für in den Werkstätten fertig gestellte Bühnenbildelemente, aus denen nach und nach das komplette Bühnenbild auf der Probebühne zusammenwachsen kann. Passgenauigkeit, mecha­ nische und visuelle Komponenten können geprüft werden. Verschiedenste Effekte der Beleuchtung, der Requisite und auch aus den Bereichen Ton und Video können angedeutet und ausprobiert und später eins zu eins auf die Bühne umgesetzt werden. Durch die direkte infrastrukturelle Anbindung an die Bühnen ist es möglich, z. B. auch technisch aufwendige Effektgeräte, hochwertige Scheinwerfer, Ton- oder Videotechnik, so diese nicht taggenau auf der Bühne benötigt werden, kurzfristig auf einer der Probebühnen zu installieren und temporär parallel personell zu betreuen. Auf Fußwege verkürzte Transport- und Verkehrswege optimieren die In­ tegrierung aller probenrelevanten Prozesse. Durch die Schaffung von quantitativ und qualitativ adäquaten Nebenflächen, wie Sanitärräumen, Schauspielergarderoben, Aufenthaltsräumen und Lagerflächen innerhalb des Probebühnenzentrums, erfährt die gesamte Liegenschaft eine ihrem Zweck entsprechend bestmögliche Aufwertung und homogene, autarke Geschlossenheit. Das Anlagevermögen der Stadt wird somit nachhaltig erhöht. Sowohl beim Bau in der vorhandenen Gebäudesubstanz im 1. Bauab­ schnitt als auch bei einem Neubau auf der Liegenschaft des DT im 2. Bau­ abschnitt kommt es zur dauerhaften Verbesserung hinsichtlich Struktur, Konstruktion, des Brand- und Arbeitsschutzes und der sicherheitstechni­ schen Einrichtungen gegenüber dem derzeitigen Zustand. Sicherheitstechnisch risikobehaftete Situationen, die heute zum täglichen Arbeitsalltag gehören, wie z. B. das Heraufziehen oder Ablassen von gro­ ßen Dekorationsteilen an der Gebäudeaußenfassade des Hofmagazins, wird es dann nicht mehr geben. Bezüglich Ökologie und nachhaltiger Nutzung von Energien soll der Neu­ bau durch die Berücksichtigung moderner Methoden der Wärmedämmung und Medienleitung (Heizung, Wasser), eine deutlich verbesserte EnergieEffizienz aufweisen.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

47

3.2

Städtebaulich-architektonische Zielsetzung

Mit dem Probebühnenzentrum soll die Gesamtanlage des Theaterstand­ ortes nach der bereits durch Sanierung und Modernisierung der Bestands­ bauten erreichten Aufwertung vor allem funktional, aber auch architekto­ nisch weiterentwickelt werden. Die hauptsächliche städtebauliche Rele­ vanz des Neubaus ergibt sich jedoch weniger aus der räumlichen Bezie­ hung zu den rückwärtigen Bauteilen der Theatergebäude als vielmehr aus dem Kontext mit dem angrenzenden Ensemble der ehemaligen Königli­ chen Tierarzneischule. Mit dem Abriss des Hofmagazins eröffnet sich die Chance, dem Anatomischen Theater und dem Institut für Tieranatomie ein architektonisch hochwertiges Gebäude zuzuordnen. Gefordert wird eine architektonische Lösung, die mit typologischer Iden­ tität und gestalterischer Eigenständigkeit auf den historischen Gebäude­ bestand und die vorgegebenen räumlichen Verhältnisse reagiert. Voraus­ gesetzt werden hohe betriebliche Funktionalität sowie ökonomische und ökologische Rationalität. Eine besondere Herausforderung stellen die au­ ßerordentlich beengten Grundstücksverhältnisse und die unbedingte Auf­ rechterhaltung des Theaterbetriebs während der Bauzeit dar.

Abb. 18. Blick auf das Institut für Tieranatomie von Osten. Links das Hofmagazingebäude des DT. Davor die 150 Jahre alte Platane. Rechts der Anbau des Anatomischen Theaters aus den 1930er Jahren. Foto November 2009.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

48

3.3

Raumprogramm

Flächenart / Raumbezeichnung Nutzflächen NF Probebühnen Fläche [m²] Anzahl Gesamt­ fläche [m²] 2.869,0 1.459,0 507,0 507,0 220,0 30,0 12,5 20,0 1 1 1 3 4 2 507,0 507,0 220,0 90,0 50,0 40,0 45,0 495,0 150,0 150,0 50,0 20,0 40,0 20,0 15,0 30,0 20,0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 150,0 150,0 50,0 20,0 40,0 20,0 15,0 30,0 20,0 66,0 6,0 20,0 30,0 10,0 1 1 1 1 6,0 20,0 30,0 10,0

Raumnr.

01 02 03 04.1 - 04.3 05.1 - 05.4 06.1 - 06.2 07

Probebühne DT1 Deutsches Theater Probebühne DT2 Deutsches Theater Probebühne KSP2 Kammerspiele Aufenthaltsräume / Besprechungsräume Einzelgarderoben mit 4 Plätzen Komparsengarderoben mit 6 Plätzen Sanitärräume für Schauspieler D / H Werkstätten

08 09 10 11 12 13 14 15 16

Tischlerei Schlosserei Werkstatt Dekoration Malerwerkstatt mit Lagerzone Elektrowerkstatt KFZ-Werkstatt Aufenthaltsraum / Pausenraum Umkleiden Duschen / WC Poststelle

17 18 19 20

Vorraum Poststelle / Briefkasten Büroraum Poststelle Betriebsraum Poststelle Aufenthaltsraum / Pausenraum Poststelle

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

49

Raumnr.

Flächenart / Raumbezeichnung Büroräume

Fläche [m²]

Anzahl

Gesamt­ fläche [m²] 30,0

21 22

Büroraum Leitung Betriebstechnik Büroraum Leitung Einkauf Lagerräume

15,0 15,0

1 1

15,0 15,0 769,0

23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34

Lager Ton / Beleuchtung Lager Beleuchtung / Bühne Zentrales Materiallager Lager Öffentlichkeitsarbeit Lager Tischler Elektrolager Lager Hausinspektion / Möbellager Technisches Archiv Hofmagazin Lager Warenumschlag Lager Reinigungsmittel Lager Hofreinigungsgeräte WC

20,0 80,0 90,0 40,0 44,0 30,0 80,0 60,0 275,0 30,0 5,0 15,0

1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

20,0 80,0 90,0 40,0 44,0 30,0 80,0 60,0 275,0 30,0 5,0 15,0 50,0 50,0

35

Personal-WC D / H Technische Funktionsflächen TF

36 37

Löschwasserzentrale Technikraum / Hausanschlussraum Verkehrsflächen VF

150,0

1

150,0

38 39

Lastenaufzug für Kulissen / Bühnenausstattung Aufzug / Aufzüge für Personen und Lasten

Anmerkung: Sofern im Kostenrahmen möglich, sollen weitere Lagerflächen angeboten werden.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

50

3.4

Funktionale Anforderungen

01 - 03 Probebühnen DT1 und DT2 Deutsches Theater Probebühne KSP2 Kammerspiele Für die Probebühnen DT1 und DT2 sind die Grundflächen mit 19,5m x 26,0m zu dimensionieren. Diese Abmessungen entsprechen den Maßen der Bühne des Deutschen Theaters. Die lichten Höhen der Probebühnen DT1 und DT2 werden mit 7,0m vorgegeben. Die Maßvorgaben sind unbe­ dingt einzuhalten. Eine der beiden Probebühnen DT1 oder DT2 ist mit einer Drehscheibe auszustatten. Der Einbau der Drehscheibe erfordert eine um ca. 0,2m hö­ here Geschosshöhe. Für die Probebühne KSP 2 ist die Grundfläche mit ca. 12,50m x 18,0m zu dimensionieren. Die lichte Höhe der Probebühne KSP2 wird mit 4,0m vorgegeben. In den drei Probebühnenräumen ist mit dem Aufenthalt von jeweils maxi­ mal 40 Personen zu rechnen. Die Verkehrslasten sind mit 5 kN/m² anzunehmen. In dieser Planungsphase ist der Nachweis des Raumvolumens ausrei­ chend. Die Ausstattung mit bühnentechnischen Einrichtungen ist erst Gegenstand der weiteren Bearbeitung. Die Kosten hierfür werden mit ca. 900.000 Euro einschl. Mehrwertsteuer prognostiziert. Diese sind in den Gesamtkosten von 9,9 Millionen Euro enthalten (siehe dazu 3.7 Baukos­ ten / Wirtschaftlichkeit). 04.1 - 04.3 Aufenthaltsräume / Besprechungsräume Die Räume werden für den Aufenthalt in individuellen oder allgemeinen Probepausen genutzt sowie für Besprechungen von Schauspielern und Regie. Die drei Räume sind daher jeweils in möglichst direkter Zuordnung zu den Probebühnen anzuordnen. 05.1 - 05.4 Einzelgarderoben Die Einzelgarderoben sind in der Nähe der Probebühnen anzuordnen. 06.1 - 06.2 Komparsengarderoben Die Komparsengarderoben können zentral für alle Probebühnen genutzt werden. 07 Sanitärräume für Schauspieler D / H Ausstattung mit Duschen, Waschbecken, WC. Zuordnung zu den Garde­ roben. Anzahl und Größe sind entwurfsabhängig. Die Flächenangabe ist als Schätzwert zu verstehen. 08 - 16 Werkstätten Die Werkstätten dienen der Instandhaltung der Gebäude und der Betriebs­ technik. Leistungen im Rahmen von Bühnenproduktionen werden gele­ gentlich in sehr begrenztem Umfang ausgeführt. In den Werkstätten sind insgesamt ca. 10 Personen tätig.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

51

17 - 20 Poststelle In der Poststelle sind max. 10 Personen tätig. Der Betriebsraum (Raum­ nummer 21) ist mit Großkopierer, Falzkuvertierer und anderen Maschinen ausgestattet und dient als Papierlager. 23 Lager Ton / Beleuchtung Das Lager soll für kurzfristig wegzuschließende Geräte und Anlagenteile im Bereich der Probebühnen liegen. 24 Lager Beleuchtung / Bühne Gelagert werden auf Hauptbühnen und Probebühnen eingesetzte Objekte. Die Nutzung orientiert sich in erster Linie auf die Hauptbühnen. 25 Zentrales Materiallager 26 Lager Öffentlichkeitsarbeit Das Zentrale Materiallager für im gesamten Theaterbetrieb verwendete Verbrauchsmaterialien aller Art und das Lager Öffentlichkeitsarbeit sollten gekoppelt sein, da sie von den gleichen Mitarbeitern betreut werden. 30 Technisches Archiv Das Technische Archiv enthält in Form von Schriftstücken und Plänen technische Gebäudeunterlagen sowie das Archiv der Produktionsleitung. 31 Hofmagazin Im Hofmagazin werden vornehmlich Kulissen und Bühnenausstattungen gelagert. Die Nutzung orientiert sich in erster Linie auf die Hauptbühnen. 32 Lager Warenumschlag Das Lager Warenumschlag dient als Zwischenlager für eingehende Gü­ ter. 35 Personal-WC D / H Anzahl und Größe sind entwurfsabhängig. Mindestens 1 Einheit pro Ge­ schoss ist vorzusehen. Die Flächenangabe ist als Schätzwert zu verste­ hen. 36 Löschwasserzentrale Die Löschwasserzentrale enthält einen Tank mit einem Volumen von 108m³ sowie Aggregate zur Versorgung der Sprinkleranlage des Theaters. Der Neubau wird erforderlich, wenn der bestehende Tankraum einschließ­ lich seiner technischen Anlagen nicht erhalten werden kann. (Siehe dazu Digitale Anlagen 4.1.2.01 / Ordner Bestandspläne Hofmagazin und 2.6 Technische Infrastruktur). Im Falle eines Neubaus ist unbedingt sicherzu­ stellen, das die bestehende Löschwasserzentrale bis zur Inbetriebnahme der neuen Anlage genutzt werden kann. 37 Technikraum Technikflächen (Gebäudetechnik) sind in ausreichender Dimensionierung und funktionsgerechter Anordnung zu berücksichtigen.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

52

38 Lastenaufzug für Kulissen / Bühnenausstattung B 2,5m x H 2,5m x T 6,5 m (lichte Maße) Mit dem großen Lastenaufzug sind in jedem Falle die Probebühnen und das Hofmagazin (Raumnummer 31), nach Möglichkeit auch die Werkstät­ ten und Lager zu erschließen. Siehe dazu auch 3.5 Außenanlagen / An­ lieferung. 39 Aufzug / Aufzüge für Personen und Lasten Sofern Werkstätten oder Lager nicht mit dem großen Lastenaufzug (Raumprogramm Nr. 38) erschlossen werden, ist ein StandardLastenaufzug der Größe B 2,0m x H 2,0m x T 3,0 m erforderlich. Äußere Erschließung Der Zugang in das Probebühnenzentrum kann unabhängig von den Theatergebäuden vom Hof her erfolgen. Eine bauliche Anbindung an die Theatergebäude bzw. an das interne Wegesystem des Bestandes ist nicht gefordert, wäre aber wegen des Angebots eines witterungsgeschützten Übergangs von Vorteil (s. dazu 2.7 Erschließung / Außenanlagen).

3.5

Außenanlagen

Der Hofbereich wird auch zukünftig als Betriebshof des gesamten Theaterstandortes benötigt. Dies umfasst die im Folgenden näher bezeichneten Funktionen. Anlieferung Die unter 2.7 Erschließung / Außenanlagen beschriebenen Anlieferungsfunktionen für die Theatergebäude sind zu berücksichtigen. Zur Aufrechterhaltung des Theaterbetriebs ist die Nutzbarkeit der bestehenden Anlieferungszonen auch während der Bauzeit geboten. Über den ca. 6-wöchigen Zeitraum der Theaterferien in den Monaten Juli und August sind Einschränkungen hinnehmbar. Die Anlieferungszonen an den Kammerspielen sind bei der Neubauplanung in der bestehenden Form als Festpunkte aufzunehmen. Die Anlieferungssituation am Nordanbau ist grundsätzlich ebenfalls aufzunehmen, kann jedoch umgeplant werden, da die Hebebühne in absehbarer Zeit ersetzt werden muss bzw. sich eine Kombination mit der Anlieferung der Neubaus als sinnvoll erweisen könnte. Eine Drehung der tief in das Gelände hineinreichenden Hebebühne um 90 Grad ist beispielweise möglich; es ist dann baulich sicherzustellen, dass die bis zu 6,0m langen Kulissenteile so gedreht werden können, dass sie wie jetzt durch die Seitenbühne in das Theatergebäude eingebracht werden können. Maßgeblich sind die unter Punkt 2.7 (Anlieferungszonen) genannten LKW­ Größen. Die Zufahrt für den Sattelzug kann entsprechend der heutigen Situation (Rückwärtsrangieren) berücksichtigt werden.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

53

Beim Neubau sind Anlieferungsmöglichkeiten und entsprechende ge­ bäudeinterne Transportwege für die drei Probebühnen sowie für alle Werk­ stätten und Lager herzustellen. Der im Raumprogramm aufgeführte große Lastenaufzug für Kulissen und Bühnenausstattung muss mindestens an die Probebühnenräume sowie an das Hofmagazin anbinden. Alle übrigen Bereiche können auch mit einem Standard-Lastenaufzug erschlossen werden. Zu beachten ist, dass LKW mit unterschiedlich hohen Ladeflächen (ca. 0,40m bis 1,30m) zu be- und entladen sind. Eine einfache feste Laderam­ pe ist nicht ausreichend. Interne Transporte von Kulissenteilen oder sonstigen größeren Objekten zwischen Hauptbühnen DT und KSP und Probebühnenzentrum (Probe­ bühnen / Lager) sind zu berücksichtigen. Die internen Transporte werden überwiegend mit handbetriebenen Transportwagen durchgeführt. Eine bauliche Verbindung Probebühnenzentrum - Theatergebäude wird nicht gefordert, wäre jedoch bei schlechtem Wetter vorteilhaft. Stellplätze Nachzuweisen sind Stellplätze für folgenden Betriebsfahrzeuge: 4 PKW
 2 Kleintransporter
 2 LKW (2,50m x 8,50m)
 1 LKW-Anhänger (2,50m x 8,50m)
 1 Container (BDF-Wechselbrücke 2,50m x 6,50m). 
 Die Höhen der LKW und des Containers betragen ca. 3,50m. Die Stellplät­ ze können im Freien oder in einem Luftgeschoss liegen. Garagenräume sind nicht erforderlich. Feuerwehrflächen Siehe dazu 2.7 Erschließung / Außenanlagen, Feuerwehrflächen. Die Kombination der Feuerwehrflächen für die Theatergebäude mit denen für das Probebühnenzentrum ist anzustreben. Die bestehenden Feuer­ wehrflächen können dazu bei Bedarf umgeplant werden. Maßgeblich ist die Einhaltung der Regelungen der Muster-Richtlinie für die Feuerwehr / Fassung Juli 1998. Wendeflächen für Feuerwehrwagen können auch in Luftgeschossen liegen, die erforderliche lichte Höhe beträgt 3,50m. Zur Aufrechterhaltung des Theaterbetriebs ist die Verfügbarkeit über Be­ wegungsflächen und Wendemöglichkeiten sowie die Zugänglichkeit der Treppenräume für die Feuerwehr auch während der Bauzeit geboten. Dies müssen nicht die bestehenden Flächen sein.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

54

3.6 	 Nachhaltigkeit / Energieeffizienz / Ökologische Zielsetzung
Das Probebühnenzentrum ist besonders unter dem Aspekt der Energie­ effizienz so zu planen, dass die Anforderungen der EnEV 2009 um 30% unterschritten werden. Bei der Entwurfsbearbeitung sind die Planungsprin­ zipien der Nachhaltigkeit anzuwenden, die eine ausgewogene Beachtung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte erfordern. Prinzipien des ökologischen Bauens sind in den „Ökologischen Kriterien für Bauwettbewerbe“ beschrieben (Digitale Anlagen 4.1.6.06).

3.7 	 Baukosten / Wirtschaftlichkeit
Nach der Landeshaushaltsordnung ist der Bauherr verpflichtet, seine Mit­ tel sparsam und wirtschaftlich zu verwenden. Die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes ist daher ein entscheidendes Kriterium bei der Beurteilung der Wettbewerbsarbeiten. Dies bezieht sich auf: - Baukosten - Instandhaltungskosten - Kosten des laufenden Betriebs Es wird vorausgesetzt, dass bei der Planung umweltfreundliche Baustof­ fe verwendet und technische Systeme auf ein Minimum reduziert werden (die Verwendungsverbote und -beschränkungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sind zu beachten, s. Digitale Anlagen 4.1.5). Die Planung hat sich am Prinzip des kostensparenden Bauens zu orien­ tieren. Eine wesentliche Fragestellung des Wettbewerbes ist es, welche architek­ tonische und konstruktive Konzeption die Teilnehmer vorschlagen, um das von ihnen dargestellte Entwurfskonzept unter den genannten Kosten- und Qualitätsanforderungen zu realisieren. Um eine Beurteilung der Wettbewerbsbeiträge diesbezüglich zu ermögli­ chen, werden konkrete Aussagen zur Konstruktion und zum Ausbau erwar­ tet. Um die Vergleichbarkeit der Wettbewerbsbeiträge zu gewährleisten, ist dabei – neben der Darstellung des Entwurfsansatzes in Skizzen und Textform – eine Beschreibung der Konstruktion und Materialien (Baube­ schreibung in Anlehnung an DIN 276, Kostengruppen 300 und 400, s. 1.10 Geforderte Leistungen) gefordert. Dabei soll auch die baukonstruktive und gebäudetechnische Grundkonzeption dargestellt werden. Hierzu sind kon­ krete Aussagen zu folgenden Bauteilen zu machen: -	 Konstruktion (Tragsystem, Ausbaustruktur) -	 Gebäudehülle (Fassade, Dach) -	 Technische Gebäudeausrüstung (Heizen u. Lüften, Wärmerückgewin­ nung, Tageslichtnutzung, Beleuchtung) Für die Baumaßnahme liegt ein Bedarfsprogramm vor. Für die Umsetzung ist der Gesamtkostenrahmen in den Kostengruppen 200, 300, 400, 500

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

55

und 700 auf insgesamt 9.900.000 € begrenzt. Dieser Kostenrahmen ist zwingend einzuhalten. In der Kostengruppe 200 sind für Abbrucharbeiten und Schadstoffbeseiti­ gung (Hofmagazingebäude) 480.000 € kalkuliert. In der Kostengruppe 500 sind pauschal 100.000 € für Baum- und Gewäs­ serschutz kalkuliert. Die Erneuerung der Hofdecke einschließlich der im Terrain liegenden Leitungen ist nicht Gegenstand der Baumaßnahme Pro­ bebühnenzentrum. Nach Abzug der Kosten der Kostengruppe 700 einschließlich der Wettbe­ werbskosten und der mit 900.000 € kalkulierten bühnentechnischen Aus­ stattung verbleiben für die Kostengruppen 300 und 400 somit ca. 6.600.000 € einschließlich 10% für Unvorhergesehenes. Alle genannten Beträge enthalten die Mehrwertsteuer (19%).

3.8 	 Barrierefreies Bauen
Barrierefreies Bauen ist als selbstverständliche Qualitätsanforderung gemäß den Grundsätzen des Handbuches „Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin“ im Wettbewerb umzusetzen (www.senstadt.berlin.de/ bauen/barrierefreies_bauen/de/handbuch) Dabei sollen die unterschiedlichen Nutzeranforderungen hinsichtlich motorischer, sensorischer oder kognitiver Art Berücksichtigung finden. Auch auf dem Grundstück sind die Prinzipien des barrierefreien Bauens konsequent anzuwenden.

3.9 	 Baurechtliche Vorschriften, Normen, Richtlinien
Der Planung sind insbesondere zugrunde zu legen: -	 Bauordnung Berlin und ergänzende Vorschriften BauOBerlin -	 Verordnung über Bauvorlagen, bautechnische Nachweise und das Verfahren im Einzelnen (Bauverfahrensverordnung - BauVerfVO) vom 19. Oktober 2006 -	 Erneuerbare-Energien-Wärmegestz (EEWärmeG) vom 08. August 2008 -	 Gesetz zum Schutz von Denkmalen in Berlin (Denkmalschutzgesetz Berlin – DSchG Bln) vom 24. April 1995, zuletzt geändert am 14.12.2005 -	 Verordnung über Arbeitsstätten (ArbStättVO) vom 12. August 2004 -	 DIN 18024-2 Barrierefreies Bauen Die im Anhang aufgeführten Richtlinien sind zu beachten.

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

56

3.10 Beurteilungskriterien des Preisgerichts
Gestaltung -	 Städtebau / Denkmalschutz -	 Baukörpergestaltung -	 Innenraumqualität Funktion -	 Erschließung, Anlieferung -	 Funktionale Zuordnung -	 Raumzuschnitte -	 Belichtung, Belüftung Konstruktion Realisierbarkeit -	 Programmerfüllung -	 Nachhaltigkeit und Energieeffizienz -	 Wirtschaftlichkeit von Bau und Betrieb, Einhaltung des Kostenrahmens -	 Barrierefreiheit -	 Genehmigungsfähigkeit

Probebühnenzentrum Deutsches Theater

57

Teil 4 Anhang 4.1
4.1.0

Digitale Anlagen auf DVD-ROM
Ausschreibung Vorliegende Ausschreibung als .pdf-Datei

00_ausschreibung_dt.pdf


4.1.1

Arbeitspläne CAD-Dateien
 01_probe_dt.dwg

02_probe_dt.dxf


Übersichtspläne / Lagepläne

03_arbeitsplan_200.pdf


04_arbeitsplan_200.pdf
 05_uebersichtsplan_500.pdf
 06_uebersichtsplan_500.pdf
 07_lageplan_mit_3000.pdf
 08_lageplan_ohne_3000.pdf
 09_schwarzplan_5000.pdf


Lageplan / Vermessungsplan

10_lageplan_vermessungsplan.dxf
 11_lageplan_vermessungsplan.pdf


4.1.2

Informationspläne Bestandspläne Theatergebäude: Grundrisse, Ansichten
Ordner 01_dt_hofmagazin Ordner 02_dt_kammerspiele Ordner 03_dt_zuschauerhaus_bühnenhaus Ordner 04_dt_ostanbau

Probebühnenzentrum 1. Bauabschnitt

Ordner 05_dt_pbz_1.ba


Ehem. Königliche Tierarzneischule: Ansichten, Schnitte
Ordner 06_anatomisches_theater Ordner 07_ institut_fuer_tieranatomie

Feuerwehrplan

08_feuerwehrplan


Leitungsplan

09_leitungsplan


4.1.3

Baugrundgutachten 4_1_3_baugrundgutachten.pdf Vorschriften Internet Bauordnung Berlin und ergänzende Vorschriften BauOBerlin (BauOBln) v. 29. September 2005), in Kraft getreten am 1.Februar 2006, zuletzt geändert am 7. Juni 2007
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/service/gesetzestexte/de/bauen.shtml

4.1.4

Probebühnenzentrum Deutsches Theater / Teil 4 Anhang

58

Verordnung über Bauvorlagen, bautechnische Nachweise und dasVerfahren im Einzelnen (Bauverfahrensverordnung BauVerfVO) vom 19. Oktober 2006
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/service/gesetzestexte/de/bauen.shtml

Gesetz zum Schutz von Denkmalen in Berlin (Denkmalschutzgesetz Berlin – DSchG Bln) vom 24. April 1995, zuletzt geändert am 14.12.2005
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/service/gesetzestexte/de/denkmal.shtml

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) v. 12. August 2004, zul. geändert am 20. Juli 2007
http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/arbst_ttv_2004/gesamt.pdf

Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) v. 07. August 2008
http://www.bmu.de/erneuerbare_energien/downloads/doc/20095.de

4.1.5

Richtlinien Internet Muster-Richtlinie über den Bau und den Betrieb von Hochhäusern (Muster-Hochhaus-Richtlinie MHHR) in der Fassung vom April 2008
http://www.bauministerkonferenz.de/?rid=986&n=3DAO

Rundschreiben im Bereich Bauen, Projektvorbereitung und – prüfung Bereich Hochbau, Richtwerte und Standards
h ttp://www.stadtentwicklung.berlin.de/service/rundschreiben/de/projekte_ hochbau.shtml

Rundschreiben im Bereich Bauen, Verwendungsverbote und – beschränkungen im Bereich von Baustoffen; Schadstoffen
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/service/rundschreiben/de/schadstoffe.shtml

Grundlagen für Wettbewerbe, ökologisches Bauen
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/wettbewerbe/grundlagen

Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin – öffentlich zugängliche Gebäude, Grundlagen und Beispiele, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – Kommunikation, Juni 2007
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/bauen/barrierefreies_bauen/de/handbuch

4.1.6

Richtlinien als pdf_Dateien Wirtschaftliche Standards des öffentlichen Bauens, Rundschreiben SenBauWohn 1/2002
01_WiSt_rundschreiben.pdf 02_WiSt_allgemein.pdf 03a_WiSt_hochbau.pdf 03b_WiSt_hochbau_matrix.pdf 04_WiSt_techn_geb_ausr.pdf 05_WiST_literaturhinweise.pdf

Ökologische Kriterien für Bauwettbewerbe, Arbeitspapier SenStadt 2007
06_Oekolog_Planungskriterien.pdf

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59

Grundsätze für die Betriebswassernutzung, Rundschreiben 
 SenStadt VI C Nr. 1/2003

07_grundsaetze_betriebswassernutzung.pdf


Richtlinie über die Flächen für die Feuerwehr auf Grundstücken

08_richtlinie_ffwg_bbg.pdf


Ökologisches Bauen, Anforderungen an Baumaßnahmen, 
 Leitfaden SenStadt 2007

09_ oekoLeitfadenBlnE_bf_2007.pdf


Planungshilfe für energiesparendes Bauen, Landesinstitut für 
 Bauwesen des Landes Nordrhein-Westfalen, Aachen 2003

10_planungshilfe_energiesparendes_bauen.pdf


4.1.7

Formblätter
01_formblatt_berechnungen NF_TF_DT 02_formblatt_gebäudedaten_DT

03_verfassererklärung_dt.pdf (pdf-Formular, d.h. Text kann direkt in das Formblatt eingeben und danach ausgedruckt werden. Das .pdf-Formular kann mit dem Acrobat-Reader aber nicht gespeichert werden)

4.1.8

Bilddokumentation
01 Luftbild 2009
 02 Ordner Situation und Umgebung
 03 Ordner Historische Fotos


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4.2

Baugeschichte des DT - Chronik

1848-1850 Vorstufe: 1847 Einrichtung eines Tanzlokals „Friedrich-Wilhelmstädtisches Casino“. 25.06.1848: Konzession für ein „Sommertheater“ (Podium mit Zeltbespan­ nung) unter der Direktion Deichmann. 25.10.1848 Umbau, Schaffung eines „Wintertheaters“ (Fachwerkbau mit Parkett / Parterre / Rang). 10. 09.1849 Baubeginn eines festen Theaters. 17.5. 1850 Eröffnung des „Friedrich–Wilhelmstädtischen Theaters“ unter der Direktion Friedrich Wilhelm Deichmann jun. (Entwurf des Theaterge­ bäudes: Eduard Titz, Grundbau des heutigen DTs ).

Abb. 19. Deutsches Theater vor 1906.

Abb. 20. Deutsches Theater und Kammerspiele nach dem Umbau von 1906.

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1872 Umfassender Umbau durch Hermann Richter nach Verkauf des Theaters an ein Konsortium (Albert Hoffmann), Ausbau der Foyers, Rangfoyer. 1883 Umbau und Renovierung nach dem Kauf des Theaters durch A. L’Arronge (Architekt: Hermann Richter), Veränderung des Zuschauerraums und der dazu gehörigen Nebenräume. Unter dem Namen „Deutsches Theater“ wiedereröffnet am 29.9.1883. 1887 Installation einer vollständigen elektrischen Beleuchtung. 1905 Übernahme des Theaters durch Max Reinhardt. Wiedereröffnung am 19.10.1905. 1906 Neuausstattung des Zuschauerraumes und des Foyers durch den Büh­ nenbildner / Ausstatter Karl Walser. Technische Neuerungen: Erweiterung des Bühnentraktes, Einbau einer Drehbühne und eines Rundhorizonts, Erweiterung des Orchesterraums, etc. Ersetzung der Gründerzeitfassade durch eine Fassade im neoklassischen Stil durch den Architekten William Müller; Beseitigung des gesamten Hol­ zaufbaus von Schnürboden / Dach durch eine moderne Stahlkonstrukti­ on. 1906 Umbau, eigentlich praktisch Neubau des erworbenen Tanz-Casinos (Em­ bergs Säle) zu den Kammerspielen (projektiert von William Müller). Neu Innengestaltung, Einbau einer Drehbühne, Absenkung des Bühnen­ bodens, Eröffnung am 8. November 1906.

Abb. 21. Kammerspiele 1930.

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Bauantrag für den Bau des Hofmagazingebäudes. Der tatsächliche Zeit­ punkt der Errichtung ist nicht gesichert. 1937 Veränderung des 1. Ranges des DT. Einbau einer Mittel-Loge, Beseitigung der Seiten-Logen; völliger Umbau der Kammerspiele mit neuem Zuschau­ erraum (Entwurf durch den Haus – Bühnenbildner Ernst Schütte), Einbau einer sogenannte „Führerloge“. 1946 Beseitigung der Kriegsschäden, teilweiser Wiederaufbau der Kammer­ spiele. 1954 / 55 Neubau des Garderobenflügels. Fassung des Vorplatzes. 1959-1962 Maßnahmen zur Erhaltung der denkmalpflegerischen Baussubstanz / Ver­ besserung der Technik.

Abb. 22. Deutsches Theater 1951.

Abb. 23. Deutsches Theater 1969. Foto: Rainer Mittelstädt.

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1971 (?)
 Einrichtung der kleinen Komödie.
 1979-1983
 Komplett-Rekonstruktion beider Häuser. Bei den Kammerspielen: Abriss 
 und Neubau bis auf den Zuschauersaal, Abriss der kleinen Komödie. 
 Veränderung, teilweise Rekonstruktion der Fassaden. Schließung der 
 Tordurchfahrt zum Hof, neue Zufahrt von der Luisenstraße. Neugestaltung 
 des Vorplatzes.
 1999 
 Modernisierung der Kammerspiele zum einem multifunktionalem Raum 
 (Varianten: Guckkasten / Große - Kleine Arena / Werkraum).
 2004 / 05
 Kammerspiele: Anpassung der Tribüne, Neue Arbeitsplätze Ton / Video in 
 der Loge, Neustrukturierung der Garderobensituation der Kammerspiele, 
 Erneuerung der Lüftungskanäle.
 2005 / 2006
 Deutsches Theater:
 Erneuerung des Schnürbodens, Asbestsanierung des Dachs, 
 Strangsanierung im Seitengebäude (Garderoben / Verwaltung etc.).
 Abnahme des Bühnenturms und Neuaufbau / Neustrukturierung des 
 Magazins / Einrichtung computergesteuerter Zugachsen, Oberlichter etc.
 2006
 Einbau der dritten Spielstätte „Box“, Umbau der Bar.
 2008
 Deutsches Theater:
 Erneuerung der Lüftungsanlage, Errichtung eines unterirdischen Lagers 
 unterhalb des Zuschauerraums; Einrichtung eines Druckbodens, 
 Neuaufbau der Ränge, neue Z-Bühne mit 3 neuen Zugachsen.
 Erneuerung der Licht-, Ton- und Video-Einrichtungen im DT, neuer Ton- / 
 Videoplatz unterhalb des Rangs.
 Neue Wandbespannungen, neue Stühle und neues Parkett, Überarbeitung 
 des historischen Deckenspiegels.
 Zusammenstellung: Karl Sand, Archiv Deutsches Theater, 2009


Abb. 24. Fassaden und Vorplatz zur Schumannstraße. Foto 1999.

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4.3

Geschichte des Deutschen Theaters
- Kurzer Abriss ­

Text: Hans Rübesame, Archiv Deutsches Theater, 2009 Hier an diesem Ort wird seit dem Revolutionsjahr 1848 Theater gespielt. 
 Unmittelbar nach der Revolution erhielt der Besitzer des „Friedrich-Wil-
 helmstädtischen Casinos“ (Gartenlokal mit einigen Sälen) die Erlaubnis, 
 ein Sommertheater mit einer Freiluftbühne zu errichten. 
 Eröffnet wurde das Spektakel im Juni 1848 mit dem rührseligen Lustspiel 
 „Die Nacht der Barrikaden, oder der Engel im Dachstübchen“.
 1850 wurde ein erster fester Theaterbau errichtet. Seit damals bis heu­ te ist der Zuschauerraum des DT in seiner Grundstruktur unverändert geblieben. Sehr gut ist das auf einem Holzstich von 1850 zu sehen, der die noch heutige Deckengestaltung mit den vier Porträts der im 19. Jh. berühmtesten Schauspieler zeigt: Ludwig Devrient, Friedrich Haase, Heinrich Anschütz und Theodor Döring sind es, die nun schon an die 160 Jahre auf uns herabschauen. Friedrich Haase gehörte als Sozietär zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Theaters 1883. Die drei anderen Herren lebten bei Gründung des Deutschen Theaters nicht mehr, sie gal­ ten damals als Repräsentanten deutscher Schauspielkunst. Besonders der dämonische Ludwig Devrient ist bis heute als Freund E.T.A.Hoffmanns in Erinnerung geblieben, die Zechgelage der beiden bei „Lutter & Weg­ ner“ wurden legendär. Devrient und Theodor Döring wirkten ausschließlich am Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, Heinrich Anschütz ausschließlich am Burgtheater. Bis 1883 hieß das Haus „Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater“ (da wir uns hier nach alter Benennung in der Friedrich-Wilhelmstadt befinden), gespielt wurden vorwiegend Berliner Possen von den Autoren Kahlisch und Weyrauch (nach dem Vorbild der Wiener Possen von Nestroy und Raimund), dann sehr viel Operetten und sogar auch Opern, z.B. von Lort­ zing, der in seinen letzten zwei Lebensjahren Kapellmeister an diesem Haus war. Was wenige wissen: vor 1871 fanden hier im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater serienmäßig die deutschen Erstaufführungen der Offenbach-Operetten statt. Nach der jeweiligen Uraufführung in Paris folgte eine Woche später die Übernahme in Wien, dann einige Tage danach hier im Haus. Es gab auch etliche Gastspiele der Pariser Offenbachtruppe „Les Bouffes parisiens“. Jacques Offenbach selbst dirigierte hier jeweils die erste Gast­ vorstellung von Orpheus in der Unterwelt, Blaubart, Pariser Leben usw. Elf Jahre nach Reichsgründung sammelte sich 1882 eine Gruppe nam­ hafter Schauspieler um den damaligen Besitzer des Hauses Adolph L’Arronge, um ein Theaterinstitut von nationalem Rang ins Leben zu ru­ fen. Ihr Vorbild war das „Théatre Français“ in Paris, folglich nannten sie ihre Unternehmung „Deutsches Theater“. Die künstlerische Ausrichtung, darin waren sich die Initiatoren einig, sollte die Errungenschaften des be­ rühmten Meininger Ensemblespiels weiterentwickeln und mit gesteigerter

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psychologischer Wahrheit der schauspielerischen Einzelleistungen verbin­ den. Dazu mussten natürlich die besten schauspielerischen Kräfte gewon­ nen werden. Neben den Gründungsmatadoren Friedrich Haase, Ludwig Barnay und Siegwart Friedmann traten in das neue Ensemble ein: Josef Kainz, Otto Sommerstorff, Georg Engels, Theresina Gessner, Hedwig Niemann-Raabe und die junge, noch unbekannte Agnes Sorma. Als drama­ turgischer Kopf wurde der ehemalige Burgschauspieler, dann Leipziger Schauspieldirektor und Regisseur Dr. August Förster gewonnen. Am 29. September 1883 war es dann soweit: Mit einer Serie von Klassi­ keraufführungen, wie es sie als Ensembleleistungen vorher in Deutsch­ land noch nicht gegeben hatte, wurde die Spielzeit in der ersten Woche eröffnet: mit „Kabale und Liebe“ (dem deutschen Trauerspiel), „Minna von Barnhelm“ (dem deutschen Lustspiel) und „Iphigenie auf Tauris“ (dem zen­ tralen Werk der Weimarer Klassik). Es folgten darauf „Don Carlos“, „Die Räuber“, „Wilhelm Tell“ und mehrere Shakespeare-Dramen. Elf Jahre später übertrug Adolph L’Arronge 1894 Otto Brahm die Leitung des DT. Brahm war einer der führenden Köpfe des Naturalismus, Mit­ begründer und Herausgeber der Zeitschrift „Freie Bühne für modernes Leben“. Der Literat, Kritiker und Dramaturg von hohen Graden förderte besonders einen jungen Autor: Gerhart Hauptmann („Die Weber“!). Mit Brahm zog die Moderne ins DT ein. Neben Hauptmanns Dramen standen in der Folgezeit am häufigsten auf dem Spielplan Stücke der Autoren Ib­ sen, Strindberg, Wedekind und Schnitzler. Nach der Jahrhundertwende verebbte die naturalistische Strömung. L’Arronge suchte nach Wandel und Erneuerung. Er fand diese in der Per­ son Max Reinhardts. Reinhardt war seit 1895 als Schauspieler am DT en­ gagiert und hatte mit eigenen Regieleistungen ab 1903 von sich reden gemacht. Seine Inszenierungen „Nachtasyl“ (Gorki), „Salome“ (Wilde) und vor allem „Der Sommernachtstraum“ (Shakespeare) erzielten Sensations­ erfolge. 1905 übertrug L’Arronge Max Reinhardt die Leitung des DT. Schon 1906 konnte Reinhardt mit Hilfe einer Gesellschaftergruppe die finanziellen Mit­ tel aufbringen, um das DT von L’Arronge als eigenen Besitz zu überneh­ men. Dieser Gesellschaftergruppe gehörten z.B. Walter Rathenau, der Verleger Paul Cassirer und der Pressemagnat August Huck an. Innovativ war Max Reinhardts Wirken auf allen Theatergebieten. Die Er­ richtung einer zweiten kleineren Spielstätte 1906, der „Kammerspiele“ ne­ benan, war in Begriff und Sache seine Erfindung, die sofort europaweit nachgeahmt wurde. Nicht nur gilt Reinhardt als der erste moderne Re­ gisseur, durch ihn wurde ebenso die gesamte Theaterentwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf den Gebieten des Bühnenbildes, der Bühnenmusik, der Bühnentechnik und des Theaterbaues wesentlich mitbestimmt. Auch dass z.B. Shakespeare auf den Bühnen der Gegen­ wart derart präsent ist, geht vor allem auf seinen Shakespeare-Zyklus von 1913/14 zurück. Er war außerdem Unternehmer und Gründer von Fest­ spielen (Salzburger Festspiele ab 1920), er gastierte mit seinem Ensemble in vielen europäischen Ländern und den USA, und ist damit der eigentliche Begründer des modernen internationalen Künstleraustausches. Fast alle namhaften Schauspieler gehören zeitweilig seinem Ensemble an.

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Im März 1933 letzte Inszenierung Reinhardts am DT: „Das Große Weltthe­ ater“ von Hugo von Hofmannsthal. Reinhardt verlässt Deutschland. Aus Oxford, wo er wieder einen „Sommernachtstraum“ inszeniert, schreibt er den sein Leben und Wirken resümierenden Brief an die nationalsozialisti­ sche Regierung und erklärt den materiellen und ideellen Wert seiner Ber­ liner Bühnen „zum Nationalvermögen Deutschlands“ gehörig. Max Rein­ hardt emigriert zunächst nach Österreich, 1938 in die USA und stirbt dort 1943. 1934 wird Heinz Hilpert von Goebbels als Intendant eingesetzt. Hilpert, Urberliner, Prinzipal und Nicht-Nazi, gelingt es, das DT–Repertoire von na­ zistischen Bühnenstücken weitgehend freizuhalten. Gerhart Hauptmann bleibt während Hilperts Direktionszeit der meistgespielte deutsche Autor. Erich Engel, der Regisseur, und Caspar Neher, der Bühnenbildner, kön­ nen am Haus „überwintern“. Zum Ensemble gehören u. a.: Käthe Dorsch, Elisabeth Flickenschildt, Brigitte Horney, Ewald Balser, Paul Dahlke, Hans Moser, Heinz Rühmann. 1. 9. 1944: alle Theater in Deutschland werden geschlossen. 7. 9. 1945: offizielle Wiedereröffnung des DT mit Lessings „Nathan der Weise“, in der Titelrolle Paul Wegener. Davor schon, unmittelbar nach der Kapitulation im Mai, Aufnahme des Spielbetriebs eines Restensembles des „Schauspielhauses am Gendarmenmarkt“ unter der Leitung von Bru­ no Hübner am 26. Juni 1945 mit „Der Parasit“ von Friedrich Schiller und im August mit „Unsere kleine Stadt“ von Thornton Wilder. Da der gesamte städtische Nahverkehr lahmgelegt ist, kommen auch aus fernen Stadttei­ len wie Steglitz oder Pankow die Besucher zu Fuß ins Deutsche Theater. Das liegt nun im russischen Sektor. Der sowjetischen Militäradministration ist es wichtig, dass in ihrem Herrschaftsbereich das Theaterleben rasch Aufschwung nimmt. Sie setzen den bekennenden Kommunisten Wolfgang Langhoff als Intendanten ein, der in der Emigration lange am Zürcher Schauspielhaus tätig war. Mit herausragenden Klassikerinszenierungen und mit Stücken der jungen Autoren Peter Hacks und Heinar Kipphardt bringt er das Haus wieder auf volle Fahrt, wenn auch unter dem widrigen Umstand der steten Einreden seitens der SED-Parteiideologen. Von 1949 bis 1953 hat das DT einen „Untermieter“: Durch Kriegsschäden bedingt, arbeitet auch das „Berliner Ensemble“ Bertolt Brechts und Helene Weigels im Haus, denn das ausgebombte Volksbühnenensemble bespielt in diesen Jahren das Theater am Schiffbauerdamm. Das Rollen des Plan­ wagens der „Courage“ auf der Bühne des DT wird zu einem weithin beach­ teten Sinnbild fehlgeleiteten menschlichen Handelns in Kriegszeiten. Die Konkurrenz beider Ensembles, Brechts und Langhoffs, im gleichen Haus, ist zwar produktiv, aber nicht problemlos: Probenräume und Bühne können nur alternierend genutzt werden. Auch in den 60er Jahren zeigt das Deutsche Theater maßstabsetzende Arbeiten. Benno Besson inszeniert mit „Der Frieden“ (Aristophanes / Hacks) , „Der Drache“ (Märchenspiel von Jewgenij Schwarz) und „Ödipus Tyrann“ (So­ phokles / Heiner Müller) großes „entfesseltes“ Theater und überwindet

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schon 1964 und 1966 mit Gastspielreisen nach Wien, Florenz, Paris und sogar Bonn die „Mauer“. Mit seiner „Faust 1“ – Inszenierung schreibt Adolf Dresen ebenfalls Thea­ tergeschichte. Die Premiere gerät zu einem der größten Theaterskandale der DDR und zu einem Problemfall auf höchster Regierungsebene. In ZK- und Staats­ ratssitzungen wird über diese Inszenierung heftig debattiert, weil sie in ih­ rer ebenso spaßig-respektlosen wie grüblerischen und poetischen Weise in den Augen der SED-Führung ein Sakrileg an der „vorbildlichen Mensch­ heitsdichtung“ begangen hat. Aber einfach absetzen kann man einen „Faust“ am Deutschen Theater im Jahr 1968 nicht mehr. Die Vorstellungen werden zu einem Publikumsrenner, veranlassen zahlreiche Versammlun­ gen sowie einen Theaterkongress und führen zu einer Neubewertung der Klassikerrezeption in der DDR. Fred Düren war damals ein von Selbst­ zweifeln getriebener Faust, ein Zerrissener, Dieter Franke ein kleiner „Teu­ fel auf Erden“, gemütlich und hochgefährlich, das Gretchen von Bärbel Bolle erschütterte durch geradlinige Einfachheit. Die Zuschauer, die aus der Aufführung dieses „Faust 1“ kamen, hatten eine vom Geist des Prager Frühlings inspirierte, höchst kunstvolle Inszenierung gesehen. Und sie wa­ ren in den Stand einer freien, heiteren Partnerschaft zum vielfarbigen und tiefgründigen Goethe-Werk gesetzt worden. Die permanent einengenden kulturpolitischen Vorgaben der SED-Ideologen treiben in zunehmendem Maß die originellsten künstlerischen Kräfte aus dem Land. Nach dem Weggang von Benno Besson und Adolf Dresen aus der DDR, (es ist die Zeit nach der „Biermann-Austreibung“), bestim­ men in den 80er Jahren die Regisseure Alexander Lang, Friedo Solter, Thomas Langhoff und Rolf Winkelgrund die Theaterarbeit. Im Vorfeld der „Friedlichen Revolution“ des Jahres 1989 antizipiert das Ensemble unter der Regie von Frank Castorf in dem Stück „Paris, Paris“ von Michail Bulgakow schon im Dezember 1988 die kommende Unruhe, das Aufbrechen und Umwälzen der bestehenden Verhältnisse in der DDR. Die Heiner-Müller-Trilogie „Der Lohndrücker“ (Januar 1988), „Hamlet/Maschine“ (März 1990) und „Mauser“ (September 1991), die Müller selber in Szene setzt, begleitet den widerspruchsvollen Vereinigungsprozess bei­ der deutschen Länder auf dem Hintergrund der rasanten Veränderungen in Osteuropa. Besonders die Inszenierung von „Hamlet / Hamletmaschi­ ne“ wird zur Metapher des Zeitenbruchs. Grandios in der Titelrolle: Ulrich Mühe. Im Oktober 1989 bricht sich bei den Mitarbeitern des Deutschen Theaters selbst die Unduldsamkeit mit den versteinerten gesellschaftlichen Verhält­ nissen Bahn. Die Schauspielerin Jutta Wachowiak, der Dramaturg Maik Hamburger sammeln als Abgesandte des „Neuen Forums“ Unterschrif­ ten im Haus. Die Proteststimmen mehren sich lawinenartig und mahnen grundsätzliche Veränderungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen an. Auf einer Versammlung von 700 Theaterleuten aus der ganzen DDR werden von der Bühne des Deutschen Theaters herab konkrete Forderungen an die Regierenden gestellt sowie die große Demonstration vom 4. November auf dem Alexanderplatz vorgeschlagen und vorbereitet. Auf der improvisierten Tribüne des 4. November auf dem Alexanderplatz

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erheben aus dem DT-Ensemble ihre Stimme: Johanna Schall, Jan Josef Liefers, Ulrich Mühe, Tobias Langhoff und Heiner Müller. Nach Dieter Mann, der das Deutsche Theater mutig und umsichtig durch „die Wende“ führt, übernimmt 1991 Thomas Langhoff, ein Sohn des frühe­ ren Intendanten Wolfgang Langhoff, die Leitung. Seine Inszenierungen von „Der zerbrochene Krug“ (1990), die „Wiederentdeckung“ des Hofmannsthal-Dramas „Der Turm“ (1992) und „Der Biberpelz“ (1993) stabilisieren den Kurs des Hauses in der schwierigen Übergangszeit mit Zuschauerpro­ blemen und sozialen Verunsicherungen. In einer ersten Phase ab 1993 bis 1999 beginnt Jürgen Gosch am Haus zu inszenieren. Ab 1996 nimmt eine junge Mannschaft von Regisseuren und Schauspielern unter der Leitung von Thomas Ostermeier in der „Baracke“ des Deutschen Theaters ihre Arbeit auf. Die entwickelt sich so ungewöhnlich erfolgreich, dass das Baracken-Team nicht, wie geplant, ins große Haus hinüber wächst, sondern dem Team 1999 gleich die Übernahme der berühmten „Schaubühne am Lehniner Platz“ angeboten wird. Für eine neue Theatralität stehen die Baracken-Inszenierungen der Stü­ cke „Messer in Hennen“ von David Harrower und „Shoppen & Ficken“ von Mark Ravenhill. Den eigentlichen Bruch nach „der Wende“ erfährt das Ensemble des Deut­ schen Theaters mit zwölfjähriger Verzögerung. Eine neue Mannschaft übernimmt 2001 die Leitung. Bernd Wilms, der Intendant und der Chefdra­ maturg Oliver Reese engagieren auf einen Schlag zwanzig junge Schau­ spielerinnen und Schauspieler ans Haus. Eine solch abrupte Verjüngung des Ensembles hat es kaum jemals zuvor in der Schumannstraße gege­ ben. Die Kräfte mischen sich neu. Als feste Regisseure werden ans Haus gebunden: Dimiter Gotscheff, Jürgen Gosch, Barbara Frey und Michael Thalheimer. Wieder gestalten sich die Bedingungen so, dass stilbilden­ de Modellinszenierungen entstehen können. Dimiter Gotscheff, quasi ein Schüler Benno Bessons, treibt die Arbeit an den Heiner-Müller-Dramen innovativ voran. In „Die Perser“ des Aischylos (Übersetzung von Heiner Müller) gelingt Gotscheff eine überzeugende zeitgemäße Verlebendigung des frühesten antiken Dramas. Michael Thalheimer produziert mit „Emilia Galotti“ nicht nur eine „Kultinszenierung“, er inszeniert erfolgreich unter an­ derem auch beide Teile des „Faust“, wohl wissend, das dies am Deutschen Theater ein besonderes Wagnis ist: „Faust Zweiter Teil“ war hier zuletzt im Jahr 1911 von Max Reinhardt auf die Bühne gebracht worden. In einer zweiten Phase seines Wirkens am Deutschen Theater kann Jürgen Gosch mit Inszenierungen von Roland-Schimmelpfennig-Dramen überzeugen. Meisterhaft ist seine Umsetzung und quasi „Wiederentdeckung“ des Edward-Albee-Kammerspiels „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ mit Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Katharina Schmalenberg und Alexander Khuon. Kurz vor seinem zu frühen Tod, finden seine Tschechow-Inszenierungen „Onkel Wanja“ und „Die Möwe“ in ihrer Wirkung zu einer großen Glaub­ würdigkeit. Die Intendanten des DT 1883 - 1894 Adolph L’Arronge 1894 - 1903 Otto Brahm 1904 Paul Lindau

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1905 - 1932 1932 - 1933 1933 - 1934 1934 - 1944 1945 - 1946 1946 - 1963 1963 - 1969 1970 - 1972 1972 - 1982 1982 - 1984 1984 - 1991 1991 - 2001 2001 - 2008 2008 / 2009 ab 2009

Max Reinhardt (mit Unterbrechung 1920 – 1924: das DT wird von Felix Hollaender geleitet) Karl Heinz Martin und Rudolf Beer Carl Ludwig Achaz-Duisberg und Heinrich Neft Heinz Hilpert Gustav von Wangenheim Wolfgang Langhoff Wolfgang Heinz Hans Anselm Perten Gerhard Wolfram Rolf Rohmer Dieter Mann Thomas Langhoff Bernd Wilms Oliver Reese Ulrich Khuon

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4.4

Quellenangaben

Abbildungsnachweis adb Ewerien und Obermann, Architekten: Abb. 13 Bundesarchiv: Abb. 22, 23 Deutsches Theater, Archiv und Bibliothek: Abb. 19, 20, 21 Klaus Roth Architekten : Abb. 14 Landesarchiv Berlin, Kartenabteilung: Abb. 5, 6, 7 Landesdenkmalamt Berlin: Abb. 9, 10, 11, 24 Giebels: Abb. 4, 12, 18 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: Titelbild, Abb. 1, 2, 3, 8, 15, 16, 17 (teilweise bearbeitet) Literatur (Auswahl) Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin (Hrsg.), Deutsches Theater Kammerspiele. Rekonstruktion anlässlich des 100jährigen Bestehens des Deutschen Theaters, 1981-1983, Berlin 1983 Berlin und seine Bauten, hrsg. vom Architektenverein zu Berlin, Berlin 1877 Berlin und seine Bauten, hrsg. vom Architektenverein zu Berlin, Berlin 1896 Berlin und seine Bauten. Teil V Band A, hrsg. vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin, Berlin 1983 Denkmaltopographie in Deutschland. Denkmale in Berlin. Bezirk Mitte - Ortsteil Mitte, hrsg. vom Landesdenkmalamt Berlin, Petersberg 2003 Kempf, Jens-Oliver: Die königliche Tierarzneischule in Berlin, von Carl Gotthard Langhans. Eine baugeschichtliche Gebäudemonographie, Berlin 2008 Schäche, Wolfgang: Die Friedrich-Wilhelm-Stadt. Zu Geschichte und Bestand, in: Architektur in Berlin, Jahrbuch 1996, hrsg. von der Architektenkammer Berlin, Hamburg 1996 Weigel, Alexander: Das Deutsche Theater. Eine Geschichte in Bildern, hrsg. vom Deutschen Theater, Berlin 1999 Gutachten: Bestandsdokumentation des Zuschauerraums und der Umgänge, adb Ewerien und Obermann Architekten, 2008 Zur Geschichte des Gebäudes Reinhardtstraße 7 in Berlin-Mitte. Eine baugeschichtliche Expertise mit Plan- und Abbildungsdokumentation, Wolfgang Schäche und Norbert Szymanski mit David Pessier, 2009
        
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