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Ausschreibung

Full text: Ausschreibung

Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld - Columbiaquartier

Berlin
Bezirke Tempelhof-Schöneberg / Neukölln / Friedrichshain Kreuzberg

Offener städtebaulichlandschaftsplanerischer Ideenwettbewerb

Ausschreibung

Offener städtebaulich-landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld - Columbiaquartier Ausschreibung

Wettbewerbsdurchführung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin-Mitte

Titelbild Eckhard Lange

Inhaltsverzeichnis Anlass und Ziel Teil 1 Verfahren
1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 Auslober Art des Verfahrens Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe Teilnahmeberechtigung Preisgericht und Vorprüfung Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen Abgabe der Wettbewerbsarbeiten (1. Stufe) Informationsveranstaltung und Rückfragen (1. Stufe) Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen Geforderte Leistungen Beurteilungsverfahren und Vorprüfung Preise und Ankäufe Weitere Bearbeitung Eigentum und Urheberrecht Verfassererklärung Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten Haftung und Rückgabe Zusammenfassung der Termine

5 6
6 7 8 9 10 13 13 14 14 15 17 17 17 18 18 18 18 19

Teil 2 Wettbewerbsaufgabe
2.1 2.2 2.3 2.4 Übergeordnete Zielsetzung Einzelaspekte mit Bedeutung für das gesamte Wettbewerbsgebiet Teilbereiche Beurteilungskriterien der 1. Stufe

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20 27 32 45

Teil 3 Situation und Planungsvorgaben
3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8 3.9 Stadträumliche Einordnung Landschaftsräumliche Einordnung Historische Entwicklung Wettbewerbsgebiet / übergeordnete Aspekte Städtebauliche Planungsgrundlagen Landschaftsplanerische Planungsgrundlagen Das Wettbewerbsgebiet / Teilgebiete Planungsgeschichte und Planungsvorlauf Ansprüche von Nutzergruppen

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46 51 53 64 67 70 77 94 102

4 5 6

Anhang Web-Links Quellen und weiterführende Literatur

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Tempelhofer Feld – Columbiaquartier

Anlass und Ziel

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Anlass und Ziel
Mit der Einstellung des Flugbetriebes auf dem Flughafen Tempelhof am 31. Oktober 2008 gewinnt Berlin ein großes innerstädtisches Areal zurück, das der Stadtentwicklung über Jahrzehnte entzogen war und nunmehr schrittweise entwickelt bzw. wieder in den Stadtorganismus eingegliedert werden kann. Dieser erste städtebaulich-landschaftsplanerische Ideenwettbewerb für die Nachnutzung des ehemaligen Tempelhofer Flugfeldes befasst sich räumlich mit den im Norden am Columbiadamm gelegenen Teilflächen zwischen dem Platz der Luftbrücke im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, dem U-Bahnhof Südstern im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und der Fontanestraße im Bezirk Neukölln. Der Entwicklung von Zukunftsideen für das Tempelhofer Feld liegt das programmatische Leitbild der prozessualen Stadtentwicklung zu Grunde. Stadt wird nicht mehr als eine aus einem Guss entworfene Realität verstanden, sondern entwickelt sich schrittweise und ist in der Lage, sich veränderten Zukunftsbedingungen anzupassen. Prozessuale Stadtentwicklung wird so zu einer Strategie, die das Image eines vielfältigen und lebendigen Stadtund Landschaftsraums und seine Metamorphose von Beginn an prägt. Der Wettbewerb soll in diesem Sinne das Spektrum von kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungsszenarien aufzeigen, die auf ein nutzungsstrukturelles, städtebauliches und landschaftsräumliches Grundgerüst aufsetzen, das auch stadtökonomischen Gesichtspunkten Rechnung trägt. Vor diesem Hintergrund spielen auch Pionier- und Zwischennutzungen eine besondere Rolle. Ein weiteres stadtstrukturelles Ziel des Wettbewerbs ist die Entwicklung von Ideen für die heute noch fehlende Anbindung des Columbiaquartiers und des gesamten ehemaligen Flughafenareals an die nördlich angrenzenden Stadtquartiere. Der zweistufige Ideenwettbewerb dient auch der Überprüfung von bisher entwickelten Planungskonzepten. Denkbar sind sowohl freiraumplanerisch als auch städtebaulich orientierte Entwicklungsszenarien. Die Wettbewerbsaufgabe ist zu bearbeiten im Rahmen des für die Entwicklung des Tempelhofer Feldes maßgeblichen Leitbildes einer stadtökologischen, ressourceneffizienten, partnerschaftlich-sozialen und unternehmerischwirtschaftlichen Stadtentwicklung.

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Verfahren

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Teil 1 Verfahren 1.1 Auslober

Auslober Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. in Zusammenarbeit mit den Bezirksämtern Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin Wettbewerbsdurchführung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin-Mitte Patrick Weiss, II D 2 Tel.: +49 (0)30 / 9025-2016 Fax: +49 (0)30 / 9025-2533 e-mail: patrick.weiss@senstadt.berlin.de Mit der Erstellung der Auslobung beauftragt: ag.u Lange, Landschaftsarchitektur / Umweltplanung Eckhard Lange Köpenicker Straße 154a 10997 Berlin Tel.: +49 (0)30 / 4435 097-0 Fax: +49 (0)30 / 4435 097-19 e-mail: info@agu-berlin.de ContextPlan GmbH, Planung Beratung Forschung für Stadt & Region Dr. Reinhold Zemke Köpenicker Straße 154a 10997 Berlin Tel.: +49 (0)30 / 61 40 17-44 Fax: +49 (0)30 / 61 40 17-45 e-mail: mail@contextplan-gmbh.de Mit der Informationstechnischen Umsetzung des Wettbewerbs beauftragt: Competitionline GmbH Charlottenstraße 95 10969 Berlin Tel: +49 (0)30 / 53 007 94-6 Fax +49 (0)30 / 53 007 94-5 info@competitionline.de www.competitionline.de

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Verfahren

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1.2

Art des Verfahrens

Die Ausschreibung erfolgt als offener zweistufiger städtebaulich-landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb gemäß den Grundsätzen und Richtlinien für Wettbewerbe auf den Gebieten der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens (GRW 1995) in der Fassung vom 22.12.2003. Das gesamte Verfahren ist bis zum Abschluss anonym. Kommunikation Die Wettbewerbssprache ist Deutsch. Die Kommunikation mit den Teilnehmern wird ausschließlich über den Teilnehmerbereich des Wettbewerbs auf www.competitionline.de geführt. Die Teilnehmer sind aufgefordert, sich während des gesamten Wettbewerbs über den aktuellen Stand des Verfahrens eigenständig zu informieren. Im Teilnehmerbereich werden die Informationen zur Auslobung fortlaufend bereitgestellt und aktualisiert. Anmeldung 1. Die Teilnehmer sind aufgefordert, zunächst die Teilnahmegebühr in Höhe von 50,- EUR auf das unten genannte Konto einzuzahlen. Eine gültige E-Mail-Adresse und der Name des Büros müssen zwingend im Verwendungszweck bei der Überweisung angegeben werden. Anstelle des @-Zeichens sind die Buchstaben AT einzusetzen. 2. Nach Überweisung der Teilnahmegebühr ist eine E-Mail an christian. sammer@competitionline.de zu senden, in welcher der Name des Kontoinhabers und die vollständigen Kontaktdaten des Büros mit Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Ansprechpartner zu nennen sind, sowie der Vermerk, dass die Teilnahmegebühr überwiesen wurde. 3. Sobald die Teilnahmegebühr auf dem Konto eingegangen ist, erhalten die Teilnehmer an die im Verwendungszweck angegebene E-MailAdresse den Zugang zum Teilnehmerbereich des Wettbewerbs. Alle Informationen, die während des Verfahrens versendet werden, werden an diese von den Teilnehmern angegebene E-Mail-Adresse verschickt. Kontoinhaber: Bank: Kontonummer: Bankleitzahl (BLZ): Betrag: Verwendungszweck: competitionline GmbH Berliner Volksbank 7106459058 10090000 50,00 EUR E-Mail Adresse (@ = AT) des Teilnehmers und Name des Büros Für Auslandsüberweisungen: IBAN DE 1010090000 7106459058 BIC BEVODEBB Achtung: Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Ausland können keinen Verwendungszweck in der Überweisung angeben. Diese müssen unbedingt eine E-Mail an christian.sammer@competitionline.de senden, in welcher der Name des Kontoinhabers und die vollständigen Kontaktdaten des Büros mit Telefonnummer, E-Mail Adresse und Ansprechpartner zu nennen sind, mit dem Vermerk, dass die Teilnahmegebühr überweisen wurde. Ansonsten kann kein Zugang zum Teilnehmerbereich eingerichtet werden. Die Teilnahmegebühr wird nicht zurückerstattet.

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Verfahren

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Zugang zum Teilnehmerbereich Ab 29.09.2008 steht für alle Wettbewerbs-Teilnehmer, die die Teilnahmegebühr überwiesen haben, auf www.competitionline.de ein Teilnehmerbereich zur Verfügung. Den Teilnehmerbereich findet man durch Anklicken des Wettbewerbs auf der Startseite. Auf der Seite “Teilnehmerbereich” des Wettbewerbs befinden sich Login-Eingabemasken. Dort sind die Zugangsdaten (Nutzername und Passwort) einzutragen.

1.3

Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe

Dem Wettbewerb liegen die Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe auf den Gebieten der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens (GRW 1995) in der Fassung vom 22.12.2003 zugrunde, soweit nachstehend nichts anderes ausgeführt ist. Bei der Vorbereitung der Ausschreibung hat die Architektenkammer Berlin entsprechend den Regelungen der GRW beratend mitgewirkt. Der Wettbewerb wird bei der Architektenkammer Berlin unter der Registrier-Nr. B2008-16 geführt. Einverständnis Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer und Gast erklärt sich durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren mit den vorliegenden Teilnahmebedingungen und der Anwendung der GRW 1995 in der Fassung vom 22.12.2003 einverstanden. Verlautbarungen jeder Art über Inhalt und Ablauf vor und während der Laufzeit des Wettbewerbsverfahrens, einschließlich der Veröffentlichung der Wettbewerbsergebnisse, dürfen nur über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, - II D -, abgegeben werden. Datenschutz Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer, Gast und Auftragnehmer willigt durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren ein, dass seine personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit o.g. Wettbewerb bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Form einer automatisierten Datei geführt werden. Diese Einwilligung ist auf der Verfasser- bzw. auf der Zustimmungserklärung zu bestätigen. Eingetragen werden Name, Anschrift, Telefon, Bankverbindung, Beauftragung im Wettbewerb, Kammermitgliedschaft, Berufsbezeichnung. Nach Abschluss des Verfahrens können auf Wunsch diese Daten gelöscht werden (durch Vermerk auf der Verfassererklärung). Gemäß § 6 des novellierten Datenschutzgesetzes ist die Einwilligung der Betroffenen notwendig, da eine spezielle Rechtsgrundlage für die Führung dieser Datei fehlt.

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Verfahren

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1.4

Teilnahmeberechtigung

Berechtigt zur Teilnahme am Wettbewerb sind gemäß der Anzeige im Supplement des Amtsblatts der europäischen Gemeinschaft vom 27.09.2008 Arbeitsgemeinschaften aus Architekten und/oder Stadtplanern und Landschaftsarchitekten. Die Vertretung der Professionen Architekten und/oder Stadtplanern und der Profession Landschaftsarchitekt in der Arbeitsgemeinschaft ist verpflichtend. Es ist ein federführendes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft zu benennen. Teilnahmeberechtigte Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten sind: • Natürliche Personen, die am Tage der Auslobung gemäß den Rechtsvorschriften ihres Heimatstaates zur Führung der Berufsbezeichnung Architekt berechtigt sind. Ist in dem jeweiligen Heimatstaat die Berufsbezeichnung gesetzlich nicht geregelt, so erfüllt die fachliche Voraussetzung als Architekt / Stadtplaner / Landschaftsarchitekt, wer über ein Diplom, Prüfungszeugnis oder sonstige Befähigungsnachweise verfügt, dessen Anerkennung nach der Richtlinie 85/384/EWG des Rates vom 10. Juni 1985 (EG-Architektenrichtlinie) oder für Beratende Ingenieure, Ingenieure nach der Richtlinie 89/48/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 (EG Hochschuldiplomrichtlinie) gewährleistet ist,

• Juristische Personen, sofern deren satzungsmäßiger Geschäftszweck auf Planungsleistungen ausgerichtet ist und der Wettbewerbsaufgabe entspricht und einer der Gesellschafter oder einer der bevollmächtigten Vertreter und der Verfasser der Wettbewerbsarbeit die an natürliche Personen gestellten Anforderungen erfüllt. Bei Arbeitsgemeinschaften muss jedes Mitglied teilnahmeberechtigt sein. Teilnahmehindernisse sind nach 3.2.3 GRW 1995 in der Fassung vom 22.12.2003 geregelt. Eine Beteiligung auch einzelner Mitglieder von Arbeitsgemeinschaften an mehr als einer Arbeitsgemeinschaft ist unzulässig und führt zum Ausschluss aller davon betroffenen Arbeitsgemeinschaften. Die Zusammenarbeit mit Fachplanern für ressourceneffizienten, ökologischen Städtebau oder Umwelttechnik wird empfohlen. Ebenfalls empfohlen wird die Zusammenarbeit mit Fachleuten für Stadtwirtschaft und / oder Stadtökonomie. Hierbei entsteht kein Rechtsanspruch auf eine weitere Beauftragung. Fachberater unterliegen nicht den genannten Teilnahmebedingungen.

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Verfahren

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1.5

Preisgericht und Vorprüfung
Dr. Michael Koch Architekt / Stadtplaner, Hamburg / Zürich Sophie Wolfrum Stadtplanerin, München Heinz Tibbe Stadtplaner, Berlin Bart Brands Landschaftsarchitekt, Amsterdam Gabriele Pütz Landschaftsarchitektin, Berlin

Fachpreisrichter

Stellvertretende Fachpreisrichter

Peter Berner Architekt, Köln James Miller Stevens Stadtplaner, Berlin Joachim Schultz, Architekt, Berlin Dr. Carlo Becker Landschaftsarchitekt, Berlin Ulrike Böhm Landschaftsarchitektin, Berlin

Sachpreisrichter

Regula Lüscher Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Senatsbaudirektorin Reiner Nagel Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilungsleiter Stadt- und Freiraumplanung Bernd Krömer Bezirksamt Tempelhof - Schöneberg Bezirksstadtrat für Bauwesen Thomas Blesing Bezirksamt Neukölln Bezirksstadtrat für Bauwesen

Stellvertretende Sachpreisrichter

Manfred Kühne Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilungsleiter Städtebau und Projekte Dietmar Bartholome Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Projektleiter Tempelhof

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Verfahren

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Beate Profé Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Referatsleiterin Freiraumplanung und Stadtgrün Siegmund Kroll Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg Amtsleiter Planen, Genehmigen und Denkmalschutz Wolfgang Borowski Bezirksamt Neukölln, Amtsleiter Planen, Bauordnung und Vermessung, Sachverständige Peter Ostendorff / Almut Jirku Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Wettbewerbe und Auswahlverfahren Annalie Schoen / Helge Weiser Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Hauptstadtplanung Dr. Heike Stock Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Stadtentwicklungsplanung Michael Künzel Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Flächennutzungsplanung und stadtplanerische Konzepte Ursula Renker, Christine Kuhn Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Freiraumplanung und Stadtgrün Horst Wohlfarth von Alm Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Planung und Gestaltung von Straßen und Plätzen Wilhelm Fuchs Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Landesdenkmalamt Dr. Michael Gödde Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Naturschutz- und Landschaftsplanung Manfred Sperling / Gerrit Reitmeyer Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Stadtplanungsamt Babette Conradt / Gabriela Kausch Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Amt für Umwelt und Natur Andreas Wiesner Bezirksamt Neukölln, Stadtplanungsamt

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Verfahren

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Gerd Kittelmann Bezirksamt Neukölln, Amt für Umwelt und Natur Hans-Peter Pirch Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain, Stadtplanungsamt Elisabeth Simmon Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain, Amt für Natur und Grünflächen Christoph Schmidt Grün Berlin Park und Garten GmbH Bernd Holm Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Referat für Sportentwicklung und Standortmarketing Christine Hinkes Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung öffentliche Sicherheit und Ordnung Klaus Gendner BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH Rainer Knoke Wasserwirtschaft Dr. Stephanie Bock Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Frauenbeirat Bärbel Winkler-Kühlken Wirtschaftliche Tragfähigkeit Thomas Kretschmer Nachhaltigkeit / Energie Peter Trute Stadtklima Gäste Peter Kever Architektenkammer Berlin Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg, Neukölln, Friedrichshain – Kreuzberg je ein Vertreter der Fraktionen Vorprüfer Eckhard Lange (Leitung) Landschaftsarchitekt, Berlin Die Vorprüfung wird nach Bedarf verstärkt. Für die zweite Wettbewerbsstufe können bei Bedarf weitere Sachverständige hinzugezogen werden.

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Verfahren

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1.6

Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen

Im Teilnehmerbereich werden sämtliche Wettbewerbsunterlagen zum Download zur Verfügung gestellt. Wettbewerbsunterlagen können nur auf diesem Weg abgerufen werden. Eine Zusendung per Post erfolgt nicht. Die Unterlagen können ab dem 29.09.2008 heruntergeladen werden. Zur Anmeldung zum Wettbewerb siehe Kap. 1.2 der Auslobung!

1.7

Abgabe der Wettbewerbsarbeiten (1. Stufe)

Die Arbeiten (1. Stufe) sind am 24.11.2008 von 14.00 bis 17.00 Uhr bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung - II D -, Brückenstraße 6, Raum 4.026 in 10179 Berlin abzugeben oder am selben Tag oder davor liegend per Post- oder Kurierdienst einzureichen. Bei der Einreichung durch Postoder Kurierdienst ist eine Kopie des Aufgabebelegs in gleicher anonymisierter Weise wie die Arbeit selbst, mit der Kennziffer versehen, an den Auslober nachzusenden. Die Teilnehmer können überprüfen, ob ihre Wettbewerbsarbeiten beim Auslober eingegangen sind. Auf der Seite „Eingegangene Arbeiten“ werden die Kennzahlen der beim Auslober eingetroffenen Arbeiten veröffentlicht. Die Wettbewerbsarbeiten sind zur Wahrung der Anonymität in verschlossenem Zustand ohne Absender oder sonstigen Hinweis auf den Verfasser, aber mit der Kennzahl und dem Vermerk „Wettbewerb Columbiaquartier“ einzureichen. Bei Zustellung durch Post- oder Kurierdienst ist der Empfänger als Absender anzugeben. Bei Einlieferung durch Post- oder Kurierdienst (porto- und zustellungsfrei für den Empfänger) gilt die Einlieferungsfrist als erfüllt, wenn der Aufgabestempel das Datum des 24.11.2008 oder eines davor liegenden Tages trägt. Der Verfasser selbst ist für die Lesbarkeit des Aufgabestempels auf der Sendung verantwortlich. Verspätet eingegangene Arbeiten, deren Aufgabestempel/Aufgabebeleg fehlt, unleserlich oder unvollständig ist oder dessen Richtigkeit angezweifelt wird, werden vorbehaltlich des späteren Nachweises zeitgerechter Einlieferung, den der Teilnehmer zu erbringen hat, mitbeurteilt. Bei Einreichung durch Post- oder Kurierdienst ist eine Kopie des Aufgabebeleges in gleicher anonymisierter Weise wie die Arbeit selbst, mit der Kennziffer versehen, an den Auslober nachzusenden. Kennzeichnung der Arbeiten Die Wettbewerbsarbeiten sind in allen Stücken nur durch eine gleichlautende Kennzahl zu bezeichnen. Sie ist aus sechs arabischen Ziffern zu bilden und in einer Größe von 1 cm Höhe und 4 cm Breite auf jedem Blatt und Schriftstück in der rechten oberen Ecke anzubringen. Der Wettbewerbsverfasser hat die Verfassererklärung (siehe Kap. 1.15) mit seiner Anschrift in einem verschlossenen und undurchsichtigen Umschlag mit der gleichen Kennzahl abzugeben, mit der er seine Wettbewerbsarbeit gekennzeichnet hat. Dieser Umschlag ist gleichzeitig mit der Wettbewerbsarbeit abzugeben.

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Verfahren

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1.8

Informationsveranstaltung und Rückfragen (1. Stufe)

Informationsveranstaltung Am 17.10.2008 wird eine Informationsveranstaltung (1. Stufe) mit Begehung des Wettbewerbsgebiets für die Wettbewerbsteilnehmer durchgeführt. Die Informationsveranstaltung dient nicht der Beantwortung von Rückfragen zur Auslobung. Diese werden ausschließlich im Rückfrageforum (Internet) gestellt und beantwortet. Rückfragen Rückfragen (GRW 5.3) zur Auslobung können für die 1. Stufe bis zum 19.10.2008 nur im Rückfrageforum des Wettbewerbs im Internet gestellt werden. Alle gestellte Fragen werden dort direkt und anonym angezeigt. Dadurch ist es möglich, dass alle Teilnehmer bereits gestellte Fragen nachlesen können. Jeder Teilnehmer ist verpflichtet selbst zu überprüfen, ob seine gestellten Fragen im Rückfrageforum angezeigt werden. Bei den Rückfragen ist auf die entsprechenden Teilziffern der Ausschreibung, auf die sie sich beziehen, Bezug zu nehmen. Die Rückfragen werden ggf. mit dem Preisgericht erörtert. Das Rückfrage-Protokoll ist Bestandteil der Ausschreibung.

1.9

Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen

Unterlagen des Wettbewerbs sind: die vorliegende Ausschreibung und die im Folgenden aufgeführten Planunterlagen als Download im Internet: Informationspläne Lageplan als pdf-Datei Luftbild als jpg-Datei Arbeitspläne Umgebungsplan als jpg-Datei in zwei Ausschnitten (SW + Farbe) nach freier Wahl als Grundlage für die stadt- und landschaftsräumliche Einbindung (siehe Kap. 1.10). Lageplan als dwg-Datei als Grundlage für das städtebaulich - landschaftsplanerische Konzept (siehe Kap. 1.10). Anhang siehe Kap. 4 Hinweis Jeder Teilnehmer des Wettbewerbes verpflichtet sich, die vorliegenden digitalisierten Daten und Pläne nur für die Beteiligung am Wettbewerb zu nutzen. Daten, die im Rahmen der Bearbeitung als Zwischenprodukte anfallen und nicht an den Auslober abgegeben werden, sind nach Abschluss des Wettbewerbes zu löschen.

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Verfahren

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1.10

Geforderte Leistungen

Von den Teilnehmern werden folgende Leistungen erwartet: 1. Bearbeitungsstufe 1. Stadt- und landschaftsräumliche Einbindung (freier Maßstab) 2. Städtebaulich - landschaftsplanerisches Konzept M 1 : 2.000 mit Darstellung der Gesamtsituation, Baukörper, Freiflächen, Erschließung und der prozessualen Entwicklung 3. Nutzungskonzept in mindestens drei Zeitschichten (freier Maßstab) unter Berücksichtigung der prozessualen Entwurfskomponenten (Grundgerüst/Kernelemente, Szenarien/flexible Elemente, Zwischennutzung, Pioniernutzung, experimentelle Nutzung) 4. Freie Darstellungen zur Verdeutlichung des Konzepts (z.B. Schnitte, Perspektiven, Piktogramme im freien Maßstab) 5. Prüfpläne der Präsentationspläne (gefaltet) 6. Erläuterungsbericht mit Begründung des vorgeschlagenen Entwurfskonzepts und Erläuterung zum Thema „Ressourceneffizienz“ (gesondert) 7. Verzeichnis der eingereichten Unterlagen 8. Verfassererklärung (Formblatt siehe Anhang 4.1) 2. Bearbeitungsstufe 1. Stadt- und landschaftsräumliche Einbindung (freier Maßstab) 2. Städtebaulich - landschaftsplanerisches Konzept M 1 : 2.000 mit Darstellung der Gesamtsituation, Baukörper, Freiflächen, Erschließung und der prozessualen Entwicklung 3. Städtebaulich - landschaftsplanerisches Konzept M 1 : 500 für ausgewählte exemplarische Bereiche in den Teilgebieten Columbia-Quartier und Lilienthal-Quartier mit Darstellung der Gesamtsituation, Baukörper, Freiflächen, Erschließung und der prozessualen Entwicklung 4. Nutzungskonzept in mindestens drei Zeitschichten (freier Maßstab) unter Berücksichtigung der prozessualen Entwurfskomponenten (Grundgerüst/Kernelemente, Szenarien/flexible Elemente, Zwischennutzung, Pioniernutzung, experimentelle Nutzung) 5. Details, Ansichten, Schnitte Perspektiven für Teilbereiche des Columbia-Quartiers und des Lilienthal-Quartiers nach freier Wahl mit Aussagen zur prozessualen Entwicklung (freier Maßstab) 6. Darstellungen und Aussagen zu den Themen „Ressourceneffizienz“ und „innovatives Wohnen“ und nach freier Wahl (freier Maßstab) 7. Prüfpläne der Präsentationspläne (gefaltet) 8. Erläuterungsbericht mit Begründung des vorgeschlagenen Entwurfskonzepts und Erläuterung zum Thema „Ressourceneffizienz“ (gesondert) 9. Verzeichnis der eingereichten Unterlagen 10. Verfassererklärung (Formblatt siehe Anhang 4.1) Die oben genannten Leistungen sind in Papierform zu erbringen. Der Auslober behält sich vor, die Leistungen der 2. Stufe auf Grundlage der Ergebnisse der 1. Stufe anzupassen (z.B. Modell).

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Verfahren

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Zusätzlich geforderte Leistungen in digitaler Form auf CD-Rom (1. + 2. Stufe): • Präsentationspläne als Windows-kompatible tif-Dateien in einer Auflösung von max. 300dpi (ggf. LZW-komprimiert), max. Dateigröße 10 MB. Präsentationspläne als pdf-Dateien mit eingebundenen Pixeldarstellungen in einer Auflösung von max. 300dpi (ggf. LZW-komprimiert), max. Dateigröße 10 MB. Erläuterungsbericht als pdf-Datei.

•

•

Hinweise zu den geforderten digitalen Leistungen: „Offene“ Dateien aus Layout-Programmen (z.B. InDesign, Quark-Express, Illustrator) können nicht berücksichtigt werden. Bildmaterial, das nicht im genannten Windows-kompatiblen Format eingereicht wird, kann nicht berücksichtigt werden. Die Dokumenteneigenschaften dürfen keinen Hinweis auf den Verfasser enthalten. Die CD-Rom trägt als Titel nur die sechsstellige Kennzahl mit der auch die Pläne gekennzeichnet sind (z.B. 123456). Die Dateien einzelnen Dateien auf der CD-Rom müssen wie folgt benannt werden: Der erste Teil des Dateinamens ist die sechsstellige Kennzahl, danach folgt ein Unterstrich und anschließend der eigentliche Dateititel, gefolgt von den Formatangaben, z.B. „tif“. Beispiele: Lageplan Prüfplan 123456_lageplan.tif 123456_pruefplan.tif

In den Dateinamen dürfen keine Leer- und Sonderzeichen vorkommen. Auf die Verwendung von Umlauten im Dateinamen soll verzichtet werden. Die CD-Rom ist auf Windows-kompatiblen PC zu erstellen. Macintosh-Formate können grundsätzlich nicht berücksichtigt werden. Für die Präsentation der Wettbewerbsarbeiten für die 1. Stufe steht eine 2 m hohe Rolltafel mit einer Hängefläche von 1,96 m (Breite) x 1,46 m (Höhe) zur Verfügung. Für die Präsentation der Wettbewerbsarbeiten für die 2. Stufe stehen drei 2 m hohe Rolltafeln mit einer Hängefläche von 1,96 m (Breite) x 1,46 m (Höhe) zur Verfügung. Die vom Auslober zur Verfügung gestellten Arbeitspläne sind ein Angebot, den Wettbewerbsbeitrag darzustellen; sie müssen von den Verfassern nicht verwendet werden. Jeder Teilnehmer darf nur eine Arbeit ohne Variante einreichen. Gem. GRW 5.5 in der Fassung vom 22.12.2003 werden Darstellungen, die über die in der Auslobung geforderten Leistungen hinausgehen oder gegen bindende Vorgaben des Auslobers verstoßen, von der Vorprüfung ausgesondert. Farbige Darstellungen sowie erläuternde Skizzen sind zugelassen.

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Verfahren

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1.11

Beurteilungsverfahren und Vorprüfung

Das Beurteilungsverfahren ist unter den Punkten 5.5, 5.6 und 5.7 sowie in den Anlagen II und III der GRW 1995 in der Fassung vom 22.12.2003 dargestellt. Ergänzend gilt Folgendes: Die eingereichten Arbeiten werden mit Hilfe eines Kriterienkataloges (Beurteilungskriterien gem. GRW 5.1.5, siehe Kap. 2.4) vorgeprüft. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe können die Sachverständigen zur Unterstützung der Vorprüfer hinzugezogen werden. Dem Preisgericht werden die Ergebnisse der Vorprüfung als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt, die Beurteilung der Arbeiten bleibt dem Preisgericht vorbehalten.

1.12

Preise und Ankäufe

Die Wettbewerbssumme wurde gemäß Arbeitspapier Städtebaulicher Entwurf der Architektenkammer Baden Württemberg in Verbindung mit der GRW 4.1 ermittelt. Für Preise und Ankäufe stehen insgesamt 210.000,Euro netto zur Verfügung. 1. Wettbewerbsstufe 50% = 105.000 Euro netto. Die Summe wird zu gleichen Teilen auf die für die zweite Wettbewerbsstufe zugelassenen 10 bis 15 Arbeiten verteilt. Bei 10 ausgewählten Arbeiten erhält jeder Teilnehmer der 2. Wettbewerbsstufe 10.500,- € netto, bei 15 ausgewählten Arbeiten erhält jeder Teilnehmer der 2. Wettbewerbsstufe 7.000,- € netto. 2. Wettbewerbsstufe 50% = 105.000 Euro netto, davon: 1. Preis Euro 2. Preis Euro 3. Preis Euro 4. Preis Euro 5. Preis Euro Ankauf Euro Ankauf Euro 26.000,21.000,16.000,12.500,10.500,9.500,9.500,-

Über die Preise hinaus ist eine Kostenerstattung nicht vorgesehen. Die Preise und Ankäufe werden nach Entscheidung des Preisgerichts unter Ausschluss des Rechtsweges zugeteilt. Das Preisgericht kann einstimmig eine andere Verteilung beschließen oder Preisgruppen bilden. Die Mehrwertsteuer von derzeit 19 % ist in den genannten Beträgen nicht enthalten und wird den inländischen Teilnehmern zusätzlich ausgezahlt.

1.13

Weitere Bearbeitung

Das Preisgericht gibt eine schriftliche Empfehlung für die weitere Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe. Mit einem Preis ist kein Auftragsversprechen verbunden. Im Falle einer weiteren Bearbeitung werden durch den Wettbewerb bereits erbrachte Leistungen des Wettbewerbsteilnehmers bis zur Höhe des zuerkannten Preises oder Ankaufs nicht erneut vergütet, wenn der Wettbewerbsentwurf in seinen wesentlichen Teilen unverändert der weiteren Bearbeitung zugrunde gelegt wird (GRW 7.2). Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten, die nicht Mitglieder der Berliner Architektenkammer sind, werden gemäß § 6 Bau- und Archi-

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Verfahren

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tektenkammergesetz verpflichtet, sich bei Auftragserteilung im Verzeichnis auswärtiger Architekten der Architektenkammer Berlin eintragen zu lassen. Bei Bedarf wird die Hinzuziehung eines Kontaktbüros empfohlen.

1.14

Eigentum und Urheberrecht

Die eingereichten Unterlagen der mit Preisen ausgezeichneten und angekauften Wettbewerbsarbeiten werden Eigentum des Auslobers (GRW 6.4). Das Urheberrecht und das Recht der Veröffentlichung der Entwürfe bleiben dem Verfasser erhalten (GRW 7.3). Der Auslober ist berechtigt, die zu Beurteilung zugelassenen Arbeiten nach Abschluss des Wettbewerbs ohne weitere Vergütung zu dokumentieren, auszustellen und (auch über Dritte) zu veröffentlichen. Die Namen der Verfasser werden dabei genannt.

1.15

Verfassererklärung

Durch ihre Unterschrift in der Verfassererklärung (siehe Anhang 4.1) versichern die Wettbewerbsteilnehmer, dass sie die geistigen Urheber der Wettbewerbsarbeiten, gemäß den Wettbewerbsbedingungen teilnahmeberechtigt, mit einer Beauftragung zur weiteren Bearbeitung einverstanden und zur fach- und termingerechten Durchführung in der Lage sind.

1.16

Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten

Das Ergebnis des Wettbewerbs wird (unter Vorbehalt der Prüfung der Teilnahmeberechtigung) den Teilnehmern, deren Arbeit mit einem Preis oder Ankauf ausgezeichnet wird, unmittelbar nach der Entscheidung des Preisgerichts (2. Sitzung) mitgeteilt, allen anderen durch Übersendung des Preisgerichtsprotokolls mitgeteilt und der Öffentlichkeit über die Presse bekannt gegeben (GRW 6.1). Sobald das vollständige Ergebnisprotokoll vorliegt, wird dieses im Internet zum Herunterladen unter www.competitionline.de veröffentlicht (GRW 6.1). Die zur Beurteilung zugelassenen Wettbewerbsarbeiten werden mit den Namen der Verfasser, der Mitarbeiter und Sonderfachleute, den Preisen und Ankäufen, der Aufnahme in die engere Wahl und dem Preisgerichtsprotokoll öffentlich ausgestellt. Eröffnung, Ort und Dauer der Ausstellung werden den Wettbewerbsteilnehmern und der Presse bekannt gegeben (GRW 6.3).

1.17

Haftung und Rückgabe

Für die Beschädigung oder den Verlust der eingereichten Arbeiten haftet der Auslober nur im Fall nachweisbar schuldhaften Verhaltens (GRW 6.5). Die nicht prämierten Arbeiten von in Berlin ansässigen Teilnehmern können zu einem Zeitpunkt, der ihnen rechtzeitig mitgeteilt wird, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung - II D - abgeholt werden. Sind diese Arbeiten, trotz einer Erinnerung 10 Wochen nach dem genannten Termin nicht abgeholt worden, so geht der Auslober davon aus, dass die betreffenden Teilnehmer das Eigentum an ihren Arbeiten aufgegeben haben und wird dann mit diesen Arbeiten nach seinem Belieben verfahren. Im Übrigen erfolgt die Rücksendung der nicht prämierten Arbeiten von Teilnehmern, die nicht in Berlin ansässig sind, nur dann, wenn die Arbeiten in transportgerechter und wiederverwendbarer Verpackung eingereicht wurden.

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Verfahren

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1.18
1. Stufe

Zusammenfassung der Termine

Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen ....................... 29. September 2008 Informationsveranstaltung .............................................. 17. Oktober 2008 Rückfragen über Internet bis .......................................... 19. Oktober 2008 Rückfragenbeantwortung über Internet bis .................... 24. Oktober 2008 Abgabe der Arbeiten ................................................... 24. November 2008 1. Sitzung des Preisgerichts ................................. 18./19. Dezember 2008 Präsentation der Ergebnisse der 1. Stufe im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung ........................ Januar 2009 2. Stufe Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen .................................... Januar 2009 Rückfragekolloquium .............................................. Januar / Februar 2009 Rückfragen über Internet bis ................................................ Februar 2009 Rückfragenbeantwortung über Internet bis .......................... Februar 2009 Abgabe der Arbeiten 2. Stufe .................................................... März 2009 2. Sitzung des Preisgerichts .......................................................April 2009 Die genauen Termine der 2. Stufe werden nach Abschluss der 1. Stufe festgelegt.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 1

Verfahren

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Teil 2 Wettbewerbsaufgabe 2.1 Übergeordnete Zielsetzung
Nach der Einstellung des Flugbetriebes am 31. Oktober 2008 soll das Wettbewerbsgebiet schrittweise – prozessual – entwickelt und wieder in den Berliner Stadtorganismus eingegliedert werden. Der erste Ideenwettbewerb für die Nachnutzung des Tempelhofer Feldes befasst sich räumlich mit den im Norden am Columbiadamm gelegenen Teilflächen zwischen dem Platz der Luftbrücke im Bezirk Tempelhof-Schöneberg und der Fontanestraße im Bezirk Neukölln und ist überwiegend Bestandteil des insgesamt 386 ha großen ehemaligen Tempelhofer Flugfeldes (im Folgenden Tempelhofer Feld). Ziel des Wettbewerbs ist die Entwicklung von Ideen für die erste Erschließung und die mittel- bis langfristige Entwicklung des Columbia-Quartiers, das im Hinblick auf die Wettbewerbsaufgabe für das gesamte Tempelhofer Feld von großer Bedeutung ist. Das Wettbewerbsgebiet bezieht im Norden weitere Flächen mit ein. Sein Verflechtungsbereich reicht hier weit über den Columbiadamm hinaus.
„Zukunft Tempelhofer Feld“ - Planungsstand Frühjahr 2008 überlagert mit Wettbewerbsgebiet und Verflechtungsbereich

Tempelhofer Forum THF

Columbia-Quartier

Stadtquartier Neukölln Stadtquartier Tempelhof

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, März 2008 / eigene Darstellung

Der aktuelle Stand der Planungsüberlegungen für die landschaftsräumliche und städtebauliche Nachnutzung des Tempelhofer Feldes geht von fünf Bausteinen aus, die als übergeordnete Entwicklungsziele den Ausgangspunkt für die Entwicklung von Ideen für das Columbia-Quartier bilden (vgl. hierzu auch Kap. 3.8). Die im Zentrum des Tempelhofer Feldes gelegene Parklandschaft Tempelhof ist eine gesetzte Planungsvorgabe, auf die bei der Ideenfindung für das Wettbewerbsgebiet Bezug zu nehmen ist. Die Qualifizierung der

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

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Parklandschaft selbst erfolgt in einem anderen Verfahren (vgl. Kap. 2.1.2, IBA/IGA). Die Entwicklungsvorstellungen für die übrigen Bereiche gehen von einem gemischt genutzten Quartier im Westen und Süden des Flughafenareals (Stadtquartier Tempelhof) sowie einer eher kulturell und medienorientierten Nachnutzung für den Flughafengebäudekomplex (Tempelhofer Forum THF) aus. Im Norden (Columbia-Quartier) und Osten (Stadtquartier Neukölln) des Tempelhofer Feldes sollen sich eher dem Wohnen dienende Quartiere entwickeln. Im Columbia-Quartier sind nach dem aktuellen Planungsstand vor allem innovative Wohnformen möglich. Zu diesen innovativen Wohnformen gehören auch Modelle für Baugruppen und Baugemeinschaften, mit denen verstärkt verschiedenen und altersgemischten Bevölkerungsgruppen das Wohnen in der Innenstadt im Eigentum ermöglicht werden soll (siehe weiterführende Informationen im Anhang 4.15). Die bisherigen Vorstellungen gehen von einem gemischten Quartier mit etwa 1500 Wohneinheiten aus, in dem auch etwa 200 Arbeitsplätze angeboten werden sollen. Diese Ausgangsposition ist jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen zufriedenstellend umzusetzen. Der Blick muss sich von der bestehenden Stadt her auf das neue Quartier und das gesamte Tempelhofer Feld richten; ein isoliertes Wohnquartier ist nicht Ziel der Berliner Stadtentwicklung. Für die nachfolgenden Fragestellungen (siehe auch Punktauflistung) sind überzeugende Antworten zu finden: Die Berücksichtigung der hohen stadtklimatischen Bedeutung des Tempelhofer Feldes für die angrenzenden Bereiche, das Vernetzungserfordernis nach Norden zu den bestehenden Quartieren und die wirtschaftliche Tragfähigkeit der notwendigen Infrastruktur für die erwünschten Nutzungen. Deshalb dient der Ideen-Wettbewerb der Überprüfung der bisherigen Überlegungen – „vom Exerzierfeld zum Experimentierfeld“. Sie können verändert werden, sofern die Ausgangsannahmen als nicht umsetzbar erscheinen. Die zu entwickelnden Zukunftsszenarien können daher sowohl städtebaulich wie freiraumplanerisch orientiert sein. Die zentrale Bedeutung der genannten Aspekte lässt sich wie folgt umreißen: • Das Tempelhofer Feld hat als großer Freiraum und Kaltluftentstehungsgebiet einen besonderen stadtklimatischen Wert. Der Wahrung seiner stadtklimatischen Wirkung auf die Umgebung wird eine hohe Bedeutung zugemessen. Die Konzepte für das Columbiaquartier und die Vernetzungsbereiche sollen daher darauf abzielen, die stadtklimatische Ausgleichsfunktion möglichst wenig zu beeinträchtigen. Die Vernetzung des Columbia-Quartiers mit den angrenzenden Stadtquartieren und Landschaftsräumen ist auf Grund der stadtmorphologisch isolierten Lage als Thema auszufüllen und mit Ideen zu beleben. Die Anbindung an das über die Lilienthalstraße erreichbare Quartier um den Südstern mit dem fußläufig vom Columbiadamm in rd. 10 Minuten erreichbaren U-Bahnhof steht dabei im Mittelpunkt. Daneben sind weitere Verknüpfungen zum Stadtquartier um die Bergmannstraße und in die Hasenheide zu suchen. Weiterhin sind Überlegungen zur Verbesserung der Ost-West-Verbindungen anzustellen. Die Herstellung dieser Vernetzungen ist quasi die Voraussetzung zur Entwicklung eines erfolgreichen Columbiaquartiers und gleichermaßen erforderlich

•

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Wettbewerbsaufgabe

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für die Einbindung des gesamten ehemaligen Flughafenareals in die nördlich angrenzenden Innenstadtquartiere. Das Thema Vernetzung ist deshalb der wichtigste Aspekt der Aufgabenstellung in der ersten Wettbewerbsstufe. • Gleichfalls von herausgehobener Bedeutung ist, dass die vorgeschlagenen städtebaulichen und/oder freiraumorientierten Konzepte wirtschaftlich tragfähig sind. Das bedeutet, dass die Erträge aus der Vermarktung von Flächen des Landes Berlins – davon ist im Prinzip auszugehen – höher sein sollen als die damit verbundenen Kosten der Folgenutzung, z.B. für Freimachung, Erschließungssysteme und wohnungsnahe Infrastruktur. Ein weiterer Aspekt ist die Entlastung Berlins von dauerhaften Pflege- und Unterhaltskosten. Deshalb ist in der Regel von privatwirtschaftlichen Nutzungen und Trägerschaften auszugehen. Der Anteil an öffentlichen Einrichtungen sowie an Grünund Freiflächen ist so gering wie möglich zu halten.

Der Auslober möchte eine möglichst große Vielfalt von Ideen für die Lösung der anstehenden Aufgaben entwickelt haben, die Grundlage einer späteren schrittweisen Realisierung sein können. Denkbar sind sowohl freiraumplanerisch als auch städtebaulich orientierte Entwicklungsszenarien. Der Entwicklung von Zukunftsideen für das Tempelhofer Feld liegt das programmatische Leitbild der prozessualen Stadtentwicklung zu Grunde. Stadt wird nicht mehr als eine aus einem Guss entworfene Realität verstanden, sondern entwickelt sich schrittweise und ist in der Lage, sich veränderten Zukunftsbedingungen anzupassen. Prozessuale Stadtentwicklung wird so zu einer Strategie, die das Image eines vielfältigen und lebendigen Stadtund Landschaftsraums und seine Metamorphose von Beginn an prägt. Der Wettbewerb soll in diesem Sinne das Spektrum von kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungsszenarien aufzeigen, die auf ein nutzungsstrukturelles, städtebauliches und landschaftsräumliches Grundgerüst aufsetzen, das auch stadtökonomischen Gesichtspunkten Rechnung trägt. Vor diesem Hintergrund spielen auch Pionier- und Zwischennutzungen eine besondere Rolle. Von den Wettbewerbsteilnehmern wird erwartet, dass sie die genannten Aspekte in einem ausgewogenen Konzept miteinander in Einklang bringen und die Wettbewerbsaufgabe im Rahmen des für die Entwicklung des Tempelhofer Feldes maßgeblichen Leitbildes einer ressourceneffizienten, partnerschaftlich-sozialen und unternehmerisch-wirtschaftlichen Stadtentwicklung bearbeiten. Die Elastizität des vorhandenen Erschließungs-, Siedlungs- und landschaftsräumlichen Gefüges ist vor diesem Hintergrund in jedem Teilraum im Hinblick auf Bedürfnisse, Beziehungen und Anforderungen zu testen und anzupassen (siehe Aufgabenstellung zu den Teilbereichen, Kap. 2.3). Erwartet wird die Entwicklung eines nutzungsstrukturellen, städtebaulichen und landschaftsräumlichen Grundgerüstes, das prozessual weiterentwickelt werden kann, um damit offen und flexibel auf ggf. veränderte Zukunftsbedingungen und –anforderungen zu reagieren.

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Wettbewerbsaufgabe

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2.1.1

Zweistufiges Wettbewerbskonzept

Der Wettbewerb ist zweistufig angelegt. In der ersten Bearbeitungsstufe ist für das Columbia-Quartier auf Grund seiner stadtmorphologisch isolierten Lage insbesondere die Vernetzung mit den angrenzenden Stadtquartieren und Landschaftsräumen als zentrale Entwicklungsvoraussetzung mit Ideenvorschlägen zu beleben. In der ersten Stufe sollen vor allem die Anbindungsmöglichkeiten des Columbia-Quartiers über das Lilienthal-Quartier nach Norden (Teilbereiche 4 und 6) an das bestehende U-Bahnnetz und die vorhandenen Quartiere, wie dem Bergmannkiez und dem Gebiet rund um den Südstern untersucht werden. Weiterhin sind Überlegungen zur Aufwertung und Schaffung weitere Ost-West-Verbindungen anzustellen, wobei der Columbiadamm als verkehrliches Rückrat einen besonderen Stellenwert hat. Auch mit widersprüchlichen Erwartungen und Zielkonflikten wird umzugehen sein (vgl. hierzu auch Kap. 3.5.1). Nach Abschluss der ersten Stufe werden die Ergebnisse und zwischenzeitlich abgeschlossene ergänzende Untersuchungen ausgewertet und die Aufgabenstellung für die zweite Stufe durch die gewonnenen Erkenntnisse konkretisiert. In der zweiten Stufe steht dann die Entwicklung einer flexiblen Grundstruktur im Vordergrund, die einerseits Basisstrukturen festlegt und sich andererseits im Laufe der Zeit an veränderte Rahmenbedingungen und Nutzungsvorstellungen anpassen kann. Nutzungsfelder sollen exemplarisch dargestellt und ihre Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Der Detaillierungsschwerpunkt wird in den Teilbereichen Columbia-Quartier und Lilienthal-Quartier liegen. 2.1.2 Weitere übergeordnete Anforderungen

Stadtentwicklungspolitische Tendenzen und Vorgaben Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat die Zukunft der Stadt zu einem öffentlichen und gesellschaftlich relevanten Thema erklärt. Die Inhalte dieses Politikansatzes werden mit verschiedenen Bausteinen umrissen, von denen im Hinblick auf die Wettbewerbsaufgabe vor allem • • • • ein integrierter Planungsansatz die Identität Berlins als einer europäischen Metropole eine klimagerechte und ressourceneffiziente Planung und die Qualitätssicherung von Architektur und Städtebau

im Vordergrund stehen. Dieser Politikansatz knüpft auch an die Grundsätze und Strategien für eine nachhaltige europäische Stadtentwicklungspolitik an (Leipzig-Charta 2007). Bereits 1994 schrieb der Berliner Senat in seinem Bericht über ökologisches Planen und Bauen Grundsätze fest, die Nachhaltigkeit zur Regel und nicht zur Ausnahme machen sollten und „vom ökologischen Experiment zum Regelstandard, vom einzelnen Öko-Haus zum ökologischen, umweltgerechten Städtebau“ führen. Der im Bericht formulierte „Berliner Standard für ökologisches Bauen“ wurde bundesweit Vorbild für Verwaltungsvorschriften anderer Länder (wie die Bauvorhaben der IBA Emscherpark). Er gilt im Wesentlichen bis heute.

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Wettbewerbsaufgabe

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Berlin gehört darüber hinaus weltweit zu den wenigen Städten, denen es gelingen wird, das aus dem Jahr 1988 stammende Toronto-Ziel (25% CO2Reduktion bis 2010) zu erreichen. Auch die Ideenvorschläge der Wettbewerbsteilnehmer sollen diese Energiesparziele berücksichtigen und die Anforderungen des Klimaschutzes kreativ und integrativ mit denen des nachhaltigen Planens, Bauens und Wirtschaftens verbinden. Der Auslober erwartet, dass die Wettbewerbsteilnehmer diese Grundsätze, Bausteine und Tendenzen bei der Entwicklung ihrer Ideen berücksichtigen (siehe auch Anhang 4.7 „Nachhaltigkeit und Energie“). Historische Spurensicherung
Historische Bezüge

b c e a

a a
e

c

e

d

b

c

Wettbewerbsgebiet vorhandene historische Straßen nicht mehr vorhandene historisch Straßen und Wege

Quelle: eigene Darstellung

Von den historisch gewachsenen Verkehrsbezügen der angrenzenden Stadtquartiere zum Tempelhofer Feld bzw. über das Tempelhofer Feld hinweg in Richtung des Dorfkerns Tempelhof haben folgende Verbindungen eine besondere Bedeutung für die stadträumliche Vernetzung (siehe auch Kap. 3.3 „Historische Entwicklung“): a) Die Ost-West-Verbindung Schwiebusser Straße <-> Jüterboger Straße <-> Züllichauer Straße nördlich des erst mit dem Bau des ersten Flughafens angelegten Columbiadamms.

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Wettbewerbsaufgabe

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b) Der Straßenzug Adalbertstraße <-> Kottbusser Tor <-> Admiralstraße <-> Grimmstraße <-> Fichtestraße, der die Hasenheide bis zum Tempelhofer Feld durchquerte. Diese Verbindung setzte sich Anfang des 20. Jahrhundert am Ostrand des Flugfeldes in einem Sportband entlang der Oderstraße bis zur Ringbahn fort. c) Der Straßenzug Urbanhafen <-> Fontanepromenade <-> Südstern <-> Lilienthalstraße, der bereits im 19. Jahrhundert eine historische Verbindung zwischen dem Südstern und dem Tempelhofer Feld bis zum Dorfkern Tempelhof darstellte. d) Die Lilienthalstraße endete später in geradliniger Führung am ersten Flughafengebäude. e) Die Friesenstraße und die Golßener Straße, die eine wichtige Verbindung vom Marheinekeplatz und zum Flugfeld herstellen. Die Ideenvorschläge sollen diese historischen Bezüge beachten und ggf. weiterentwickeln und qualifizieren. Ressourceneffiziente Siedlungsflächen- und Freiraumentwicklung Die Konversion des Tempelhofer Feldes ist doppelstrategisch angelegt und befasst sich mit der Entwicklung von Siedlungsbereichen und/oder Freiräumen an den Rändern auf der einen sowie des weitaus überwiegenden Kernbereichs zu einem Freiraum (Parklandschaft) auf der anderen Seite. Bereits mit dieser generellen Aufgabenzuweisung will das Land Berlin vorhandene Ressourcen schonen, die Stadt als Wohn- und Arbeitsort fördern und die Auslastung vorhandener Infrastruktureinrichtungen verbessern. Mit der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes 2020 hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bereits im Sommer 2001 begonnen, integrierte Leitlinien für eine langfristige räumliche Entwicklung Berlins aufzuzeigen. Auch in diesem Kontext war der künftige Park auf dem Tempelhofer Feld bereits verankert. Nachhaltigkeit, das Erschließen von Synergien, um unterschiedliche Handlungsfelder zu verbinden sowie das Stiften von Identität sollen die Merkmale der zukünftigen Stadtentwicklung sein. Die Erdung stadtentwicklungsplanerischer Maßnahmen in der Bürgerschaft durch Aktionen, Ereignisse und Angebote zur Mitwirkung ist eine bedeutende Voraussetzung für die Aktivierung von bürgerschaftlichem Engagement, ohne das eine moderne Stadtgesellschaft vor allem angesichts immer weiter sinkender finanzieller Spielräume heute nicht mehr auskommt. Gleichzeitig benötigt eine immer stärker ausdifferenzierte Gesellschaft verstärkt diskursive Beteiligungsformen. Die Ideenvorschläge sollen diese Prinzipien berücksichtigen bzw. weiterentwickeln (siehe auch konkrete Aufgabenstellung zu den Teilbereichen). Zu berücksichtigen sind auch stadtwirtschaftliche Gesichtspunkte, die Entlastung des Landes Berlins von Kosten für Pflege und laufende Unterhaltung, die Betriebskosten der vorgeschlagenen Anlagen, sofern sie öffentlich sein sollen, sowie die investiven Kosten für die Erschließung von Nutzungsflächen. IBA 2010 – 2020 / IGA 2017 Das Land Berlin trifft gegenwärtig Vorbereitungen zur Durchführung einer Internationalen Bauausstellung (IBA), die im Zeitraum von 2010 bis 2020 auch auf dem Tempelhofer Feld stattfinden soll. Die IBA soll einen zeitlich begrenzten Experimentierraum für modellhafte Lösungen in der Stadt bieten.

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Wettbewerbsaufgabe

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Die städtebauliche Entwicklung des Tempelhofer Feldes und die angrenzenden Stadtquartiere (insbesondere Neukölln) könnten die Untersuchungsräume bilden. Mit der IBA sollen die notwendigen Prozesse und Strategien für das Tempelhofer Feld und für die Bestandsgebiete Neuköllns angeschoben werden. Das Tempelhofer Feld und das östlich angrenzende Schillerquartier (Neukölln) sollen mit sichtbaren Projekten zum Berliner Referenzort international bedeutsamer Zukunftsaufgaben der Stadt entwickelt werden. Weitere Untersuchungsräume werden zurzeit diskutiert. Die IBA auf dem Tempelhofer Feld belegt die Zukunftsthemen der Stadtentwicklung. Da Stadt heute bereits in weiten Teilen gebaut ist, wird die Zukunftsaufgabe „Stadtentwicklung“ vor allem in der Fortentwicklung des Bestandes liegen. Von der gründerzeitlichen Stadt mit den Einsprengseln der Moderne bis zur Modernisierung des Tempelhofer Forums sind die sich stellenden Herausforderungen enorm. Alt- und Neubau können gleichermaßen Gegenstand der IBA Berlin sein. Die IBA will unter dem Motto der „ressourceneffizienten Stadt“ aber auch einen Schritt weiter gehen und die additiven Strategien der ökologischen Stadtentwicklung mit Festsetzungen von Ökobausteinen in der Bebauungsplanung hinter sich lassen. Die Nachhaltigkeitsstrategie mit dem magischen Dreieck des Einklangs von Ökologie, Ökonomie und Sozialem der 1990er Jahre wird im 21. Jahrhundert überlagert durch die Entkoppelungsstrategie. Stadtentwicklung ist erlaubt und gewünscht, sie soll aber so weit wie möglich von negativen Umweltauswirkungen abgekoppelt werden. Stadt soll keinen oder zumindest einen möglichst geringen negativen Abdruck in der Umweltbilanz hinterlassen (Idealziel:„Zero-Footprint-Stadt“). Die IBA auf dem Tempelhofer Feld soll zeigen, wie man dieses Ziel erreicht oder ihm zumindest sehr nahe kommt. Die IBA will in den Zeiten der Parallelwelten von Wachstum und Schrumpfung Antworten auf die drängenden Fragen der Stadtentwicklung finden: Welche Strategien erfordert der Bestand der europäischen Stadt? Wie erfolgt Stadtentwicklung in Zeiten gedämpfter Nachfrage? Welche Strategien werden angesichts langer Entwicklungszeiten erforderlich? Klassische Familienstrukturen werden zunehmend durch neue Formen des Zusammenlebens abgelöst. In den Zeiten des demographischen Wandels bilden sich neue Strukturen der Gemeinschaften und des Zusammenlebens heraus. Welche neuen Formen des Wohnens und des gelebten öffentlichen Raumes muss die Stadt zukünftig aufweisen? Welche Anforderungen produzieren individualisierte Lebensformen? Wie sehen die Gemeinschaften von Morgen aus; wie das Zusammenleben der Generationen? Vor dem Hintergrund dieser Zukunftsthemen der Stadtentwicklung sind für die geplanten Quartiere auf dem Tempelhofer Feld Strategien und flexible Konzepte zu entwickeln. Im Präsentationsraum der IBA Berlin findet im Fall einer erfolgreichen Bewerbung die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) 2017 statt. Derzeit werden die entsprechenden Konzepte für eine Bewerbung Ende 2008 entwickelt. Denkbar ist, dass die Freiflächen am nördlichen Rand des Tempelhofer Feldes Teil der Gebietskulisse der IGA werden. Die IGA ist eingebettet in den langfristigen Entwicklungsprozess der IBA und hat das Ziel, die Freiraumentwicklung voran zu treiben. Die IGA soll in erster Linie Themenfelder wie „globale Umwelt“ und „Stadtgesellschaft/

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Wettbewerbsaufgabe

27

Stadtnatur“ besetzen und sich mit Klimawandel, Biodiversität, nachhaltigen Energieformen sowie Pionier- und Zwischennutzungen auseinandersetzen. Die Entwicklung von konkreten Entwürfen für die inhaltliche Ausgestaltung oder Durchführung einer IBA oder IGA auf dem Gelände des Tempelhofer Flugfeldes ist ausdrücklich nicht Bestandteil dieses städtebaulich-landschaftsplanerischen Ideenwettbewerbs für das Columbiaquartier.

2.2

Einzelaspekte mit Bedeutung für das gesamte Wettbewerbsgebiet

Die teilgebietsübergreifenden Aspekte für das gesamte Wettbewerbsgebiet bestehen in strategischen Entwicklungsansätzen und den Themen Zwischennutzung, Vernetzung, Städtebau und Stadtentwicklung sowie in stadtökologischen Aspekten („ressourceneffiziente Stadt“). Darüber hinaus wird auf die Ergebnisse des bisherigen fachpolitischen und des „Online-Dialoges“ hingewiesen (vgl. Kap. 3.9 und Anhang 4.16). 2.2.1 Strategische Entwicklungsansätze

Die Ergebnisse des Wettbewerbs sollen ein Beitrag zu einer dynamischen Masterplanung sein, die das Leitbild der prozessualen Stadtentwicklung aufnimmt, sich wandelnden Erfordernissen nachfrageorientiert anpasst und ständig weiterentwickelt werden kann. Nicht mehr das starre Gerüst einer einmal definierten städtebaulichen Ordnung ist die Planungsgrundlage, sondern das behutsame Entwickeln der vorhandenen Potenziale. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass mit dem Tempelhofer Feld Flächen zurückerobert werden, die der Stadt jahrzehntelang vorenthalten waren. Die Wettbewerbsbeiträge sollen zukunftweisende Strukturen und Perspektiven entwickeln, die in diese dynamische Masterplanung einbezogen werden können. Ein wichtiger Aspekt ist die Entlastung der Stadt von dauerhaften Pflegeund Unterhaltslasten. Deshalb ist zu prüfen, wieweit Freiflächen privatwirtschaftlich genutzt werden können, insbesondere wenn nur in geringem Umfang bauliche Nutzungen vorgeschlagen werden. Der Anteil öffentlich zu unterhaltender Grün- und Freiflächen ist so gering wie möglich zu halten. Bei den Überlegungen zu möglichen Nutzungen ist zudem zu bedenken, ob sie im Verhältnis zum erforderlichen Erschließungsaufwand wirtschaftlich sein können. Das programmatische Leitbild der prozessualen Stadtentwicklung ist mit Ideen zu beleben. Es soll exemplarisch gezeigt werden, wie die prozessuale Entwicklung von Stadtquartieren und/oder Freiräumen in ihrer räumlichen und zeitlichen Dimension erfolgen kann. Damit wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch erwartet, dass eine methodische Strategie für diesen neuen Ansatz der Stadt- und Freiraumentwicklung programmiert wird. Insofern stellt sich die Frage, wie durch eine prozessuale Entwicklung Image, Urbanität und/oder Freiraumqualitäten schrittweise initiiert und etabliert werden können. Welche städtebaulichen und freiraumgestalterischen Setzungen müssen als Anker oder Impuls der Entwicklung im Quartier oder Umfeld gesetzt werden? Welche Pioniernutzungen sind temporär (z.B. Zwischennutzungen) und welche langfristig geeignet, um ein gemischtes und lebendiges Stadtquartier zu entwickeln?

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Wettbewerbsaufgabe

28

Die Größe des Gebietes stellt bei einer gedämpften Baulandnachfrage in Berlin eine weitere Herausforderung dar. Es werden bestimmte Maßnahmen zur Herstellung eines öffentlichen Grundgerüstes von Straßen, Wegen, Freiräumen, Gemeinschaftseinrichtungen und besonderen Orten mit Ankerfunktion erforderlich, damit Stadtentwicklung modular an gesetzte Strukturen andocken kann. Vor dem Hintergrund begrenzter Investitionsmittel in der Startphase sind diese Schlüsselmaßnahmen mit hoher Präzision und ggf. weiteren Entwicklungsoptionen zu bestimmen. Welche Maßnahmen sind durch die öffentliche Hand frühzeitig vorzubereiten, planerisch zu sichern oder wo bedarf es einer Unterstützung privater Akteure, um partnerschaftliche Projekte zu ermöglichen? Wo bleibt das Konzept bewusst unbestimmt, um Spielräume für den weiteren Entwicklungsprozess offen zu halten? Sind in einem solchen offenen Prozess wiederum Regeln erforderlich, die den „Pionieren“ im Stadt- und Freiraumquartier eine gewisse Sicherheit geben (vgl. Kap. 1.10 und 2.2.2)? Prozessuale Stadtentwicklung wird so zu einer Strategie, die das Image für eine gemischte und lebendige Stadt vorbereitet und geht deutlich über modulare Etappenkonzepte hinaus, die lediglich Bauabschnitte in ihrer zeitlichen Entwicklung darstellen. Es fehlt noch an einem Gebietsimage, z. B. für das Wohnen. Wenn ggf. Wohnnutzungen vorgesehen werden, so stellt dies eine besondere Herausforderung dar, sowohl was Innovation in Bezug auf Wohnformen betrifft wie auch in Bezug auf die Anbindung an das Umfeld. Anknüpfungspunkte an vorhandene urbane Strukturen des gründerzeitlichen Berlins, wie in den benachbarten Stadtquartieren, sind bisher nicht existent. Der Wettbewerb soll in diesem Sinne einen Beitrag zum Aufzeigen des Spektrums von kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungsszenarien leisten. Diese Szenarien sollen auf ein nutzungsstrukturelles, städtebauliches und/oder landschaftsräumliches Grundgerüst aufsetzen, das die „Leitplanken eines Entwicklungskorridors“ abbildet und prozessual weiterentwickelt werden kann, um damit offen und flexibel auf ggf. veränderte Zukunftsbedingungen und –anforderungen zu reagieren. 2.2.2 Aspekte zum Thema „Zwischennutzung“

Die wichtige Rolle in einem prozessualen und offen angelegten Entwicklungsprozess werden Pionier- und Zwischennutzungen spielen, die der Wiederaneignung Raum und Zeit geben. Durch die temporäre Bespielung soll die Bedeutung des Wettbewerbsgebietes neu definiert und der Ort in das Bewusstsein der Stadt zurückgeholt werden. Als aktivierende Nutzungen können sie zeitlich befristet sein oder sich auch in permanent tragfähige Nutzungen transformieren. Wesentlich sind die Impulse, die sie dem mittel- bis langfristig angelegten Entwicklungsprozess geben können. Insofern wird die top-down- durch die bottom-up-Strategie ergänzt. Beide Handlungsansätze befinden sich im gegenseitigen Wechselspiel, sind abhängig voneinander und reagieren flexibel auf sich verändernde Rahmenbedingungen. Wie können temporäre und informelle Nutzungsprogramme und Aneignungsstrategien mit klassischen Planungsinstrumenten und erprobten Vorgehensweisen verbunden werden? – Wie sehen die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Einsatz von Zwischennutzungen aus? – lauten wesentliche Fragen, die durch Ideenvorschläge sowohl eine räumliche wie auch eine zeitliche Dimension erhalten sollen.

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Wettbewerbsaufgabe

29

2.2.3

Aspekte zum Thema „Vernetzung“

Unter der Überschrift Vernetzung werden von den Wettbewerbsteilnehmern sowohl Aussagen zur verkehrlichen Verknüpfung mit den umliegenden Stadtquartieren als auch die nutzungsstrukturelle und städtebaulich-landschaftsräumliche Einbindung in das umgebende Siedlungsgefüge erwartet. Überlegungen zur verkehrlichen Verknüpfung sollen die Erschließung für den Individualverkehr und übergeordnete Fuß- und Radwegebeziehungen berücksichtigen, in Abhängigkeit von den angedachten Nutzungen. Das verkehrliche Erschließungskonzept muss sich dabei an der fußläufigen Erreichbarkeit der verschiedenen Nutzungen für alle Altersgruppen orientieren. Anlagen und Anschlüsse des öffentlichen Personennahverkehrs sind zu beachten. Die Anknüpfungspunkte und Verbindungen sind in den Karten der Teilbereiche dargestellt (siehe Kap. 2.3). 2.2.4 Stadtentwicklungsplanerische, städtebauliche und landschaftsplanerische Aspekte

Bei der Entwicklung von freiraum- und/oder städtebaulich orientierten Ideen für das Columbia- und Lilienthal-Quartier (Teilbereiche 6 und 4) ist insbesondere ihre isolierte Lage aufzubrechen. Vor allem die Anbindung an den Südstern als Quartierszentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und U-Bahnhof bzw. auch als Grünverbindung ist von großer Bedeutung. Diese Lagebedingungen eröffnen einerseits einen großen Gestaltungsspielraum, erfordern aber andererseits auch eine verbesserte Verknüpfung des Columbia-Quartiers mit dem städtebaulichen und landschaftsräumlichen Kontext und stellt Anforderungen an die infrastrukturelle Versorgung des Gebietes in Abhängigkeit von Art und Umfang der vorgeschlagenen Nutzungen, wie z. B. Sportflächen oder Wohnen. Erforderliche Folgeeinrichtungen können z. B. Kindertagesstätten, Bildungs- und Versorgungseinrichtungen (Ladeneinzelhandel) für den täglichen Bedarf sein. Im Sinne des Ziels der kurzen Wege, die möglichst unmotorisiert zurückgelegt werden können, sind ggf. in sich tragfähige Lösungen für die neuen Quartiere anzustreben (siehe hierzu auch die Informationen im Anhang 4.14).
Kindertagesstätten und Grundschulen im Umfeld
G K K K

K K K K K K
1

K

K K

K K

K K

K
3

4 2 5

K G

6 7 11

K

8 9

10

K

K G

Kindertagesstätte Grundschule Verflechtungsbereich
K G K

Quelle: Eigene Darstellung

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Wettbewerbsaufgabe

30

2.2.5

Stadtökologische Aspekte

Die Entwurfsideen sollen einen möglichst geringen Energiebedarf und eine höchstmögliche Gesamtenergieeffizienz aufweisen. Unter diesem Gesichtspunkt sind Standorte und Ausrichtung von vorgeschlagenen Gebäuden und Anlagen zu optimieren. Der Einsatz erneuerbarer Energien ist grundsätzlich gewünscht. Zur passiven und aktiven Nutzung der Sonnenenergie sind solargeometrische Zusammenhänge (Gebäudeausrichtung) zu beachten. Unter der Überschrift „energieeffizienter Städtebau“ soll im Rahmen des Wettbewerbs ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, der Energieeffizienz gleichermaßen über städtebauliche Einflussfaktoren, die Gebäudekonzeption, die Versorgungskonzepte und Anlagentechnik, die Gebrauchstüchtigkeit und Nutzeraktivierung sowie die Qualität der Entwurfsideen erreicht. Die Lösung der Wettbewerbsaufgabe soll dem Grundsatz folgen, dass • • • die Umwelt und natürliche Ressourcen geschont und letztere möglichst effizient genutzt werden, ein Höchstmaß an Umwelt- und Sozialverträglichkeit erzielt wird, dauerhaft gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen realisiert bzw. gesichert werden, - energieeffiziente Gebäude entstehen.

Der Grundsatz der Nachhaltigkeit, d. h. die gleichrangige Behandlung ökologischer, ökonomischer und sozialer Ziele, ist bei der Entwicklung der Planungskonzeption, bei der Auswahl der einzelnen Maßnahmen und der Materialwahl zu beachten. Im Sinne dieser Ziele sind die nachfolgenden ökologischen Anforderungen einzuhalten: • Von den Wettbewerbsteilnehmern wird ein integriertes ökologisches Gesamtkonzept erwartet, keine Additionen von ökologischen Einzelmaßnahmen (siehe auch Anhang 4.7 „Nachhaltigkeit und Energie“). Das bedeutet, dass die für ein Bauvorhaben vorgesehenen ökologischen Maßnahmen im Rahmen der Gesamtplanung schlüssig und in ihrem Zusammenhang untereinander ökologisch sinnvoll und wirksam sind, sowie im Einklang mit einem städtebaulich, landschaftsplanerisch und architektonisch überzeugenden Konzept stehen müssen. Das ökologische Gesamtkonzept soll insbesondere Aussagen beinhalten über den Umgang mit Energie und Wasser, die Gestaltung der Freiflächen und Gebäudeaußenflächen, die Materialwahl sowie den Umgang mit Reststoffen bzw. Abfall und dabei räumlich das vorhandene und ggf. zu entwickelnde Biotopverbund- und Freiraumsystem berücksichtigen. Bei einer Bebauungs- und Erschließungskonzeption ist ein möglichst geringer Grad von Grundstücküberbauung bzw. Flächenversiegelung anzustreben. Ein hoher Motorisierungsgrad ist nicht zur Entwurfsgrundlage zu machen. Vorschläge für eine städtebauliche Entwicklung des Columbia- und Lilienthal-Quartiers sollen die klimatischen Austauschverhältnisse, hier insbesondere die stadtklimatische Bedeutung des Tempelhofer Flugfeldes in Bezug zu den angrenzenden Quartieren berücksichtigen (siehe Kap. 3.6.4).

•

•

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Wettbewerbsaufgabe

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Die Gestaltung und Nutzungsorganisation der Freiflächen sollen ausgerichtet sein auf: Möglichkeiten dauerhaft konfliktfreier Nutzung und Offenheit für sich wandelnde Nutzungsgewohnheiten, Möglichkeiten ruhiger Erholung bzw. die Trennung von ruhiger Erholung und Zonen für Spiel, Sport und Bewegung, eine hohe Aufenthaltsqualität (z. B. geschützte und besonnte Teilflächen), vielfältige, zusammenhängende Vegetationsflächen, einen möglichst geringen Pflegeaufwand, die Auswahl standortgerechter Pflanzen, Berücksichtigung der ökologisch wertvollen Bereiche (insbesondere der Avifauna) und geeignete Maßnahmen des Biotop- und Artenschutzes, Aufnahme von Ver- und Entsorgungsinfrastruktur.

•

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

32

2.3

Teilbereiche

Das Wettbewerbsgebiet gliedert sich in elf Teilflächen, wobei das rd. 39 ha große Teilgebiet Columbia-Quartier zusammen mit dem Lilienthal-Quartier den Entwurfsschwerpunkt im Wettbewerbsgebiet bildet.1 Insbesondere vor dem Hintergrund der genannten Anforderungen an die Vernetzung soll für das Columbia-Quartier ein nutzungsstrukturelles, städtebauliches und landschaftsräumliches Grundgerüst entwickelt werden, das die „Leitplanken eines Entwicklungskorridors“ abbildet und prozessual weiterentwickelt werden kann, um damit offen und flexibel auf ggf. veränderte Zukunftsbedingungen und –anforderungen zu reagieren. Die Hauptaufgabe für das rd. 9 ha große Lilienthal-Quartier besteht dagegen in der Qualifizierung der Lilienthalstraße als wichtige Verbindungsachse (U-Bahnhof Südstern – Columbia-Quartier – Flugfeld) und die Entwicklung von entsprechenden Neuordnungsmaßnahmen. Die übrigen angrenzenden Teilbereiche sind vor allem auf Grund der Verknüpfung der genannten Kernflächen mit dem Stadtgebiet von Bedeutung.
Wettbewerbsgebiet mit Teilbereichen, Verflechtungsbereich und Masterplan

Quelle: Eigene Darstellung

1 Die Bezeichnung für das Teilgebiet 6 lautet Columbia-Quartier und wird Synonym für den gleichnahmigen Baustein aus der Veröffentlichung „Zukunft Tempelhofer Feld“ vom März 2008 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verwendet. Für das gesamte Wettbewerbsgebiet wird die Bezeichnung Columbiaquartier (ohne Bindestrich) verwendet.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

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2.3.1

Columbiahalle (1)

Columbiadam

m

Für das rd. 4 ha große Teilgebiet sollen Ideen für eine städtebaulich-landschaftsräumliche und nutzungsstrukturelle Neuordnung unter Erhalt der beiden denkmalgeschützten Veranstaltungshallen (ehemaliges ColumbiaKino, Columbiahalle) entwickelt werden. Hierbei sind mögliche nutzungsimmanente Störwirkungen zu berücksichtigen, die aus der mit den Veranstaltungen (v.a. Konzerte) verbundenen Lärmbelastung vor allem in den Abend- und Nachtstunden auch durch An- und Abreiseverkehr resultieren. Der städtebauliche Maßstab für das neue Stadtquartier soll aus der Eigenart der näheren Umgebung heraus entwickelt werden. Es sind aber auch Konzepte denkbar, die eher auf die Qualifizierung bzw. Schaffung öffentlicher Freiräume setzen. Die Raumkanten werden durch das zum Flughafenkomplex gehörende, westlich angrenzende Gebäude des Hauptzollamtes und durch den heute von der Polizei genutzten, östlich angrenzenden ehemaligen Kasernenstandort gebildet. Beide Gebäudekomplexe stehen unter Denkmalschutz. Nördlich grenzt die gründerzeitliche Wohnbebauung der Schwiebusser Straße an. Zudem ist die Verknüpfung zwischen dem Ortsteil Kreuzberg mit dem Bergmannkiez im Norden und dem Flughafengelände zu verbessern bzw. attraktiv zu gestalten. Zu beachten ist, dass das Gelände vom Columbiadamm nach Norden entlang der Friesenstraße um rd. 3 m auf 48,3 m ü.NN ansteigt, während der Columbiadamm vom Platz der Luftbrücke (50,0 m ü.NN) bis zur Friesenstraße (45,4 m ü.NN) um rd. 5 m abfällt. Für den Teilbereich 1 wie für das gesamte Wettbewerbsgebiet gilt, dass in der Schutzzone C des Radarturms bauliche Anlagen ab einer Höhe von 91,52 m ü.NN genehmigungspflichtig sind (siehe auch Teilbereich 6).

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

34

2.3.2

Gebäude-Vorfeld Columbiadamm (2)

Das ca. 7 ha große Vorfeld des Flughafengebäudes am Columbiadamm soll vor allem eine wichtige Verbindungsfunktion für die Vernetzung des Tempelhofer Feldes mit dem nördlich angrenzenden Ortsteil Kreuzberg übernehmen. Auch hier haben sich gegenüber der Columbiahalle mit dem Hangar 2 und weiterer „Locations“ schon einige Veranstaltungsorte etabliert. Für das Teilgebiet sollen Ideen für seine attraktive Gestaltung zwischen den großmaßstäblichen Gebäudekomplexen des Polizeistandorts am Columbiadamm und dem Flughafengebäude selbst mit den markanten Treppentürmen sowie seine Verknüpfung mit den angrenzenden Stadtteilen, hier insbesondere der Friesenstraße und dem Tempelhofer Feld, entwickelt werden. Zu berücksichtigen sind auch die Wegebeziehungen entlang des Hauptgebäudes zum Vorplatz des Flughafens und zum Platz der Luftbrücke sowie der Anschluss an den Bahntunnel unter dem Flughafengebäude hindurch. Nicht auszuschließen ist, dass sich nach der Öffnung des Flugfeldes und einer Umnutzung der Hangars z.B. zu einem Museum oder zu einem Veranstaltungsort auch direkte Durchwegungen zum Flugfeld ergeben, die aber dann voraussichtlich nicht öffentlich nutzbar sind. Hinzuweisen ist an dieser Stelle auf die bereits bestehende Durchfahrt zum Hangar 4 (gestrichelter Pfleil, siehe oben). Bei dem Gebäudevorfeld besteht die Aufgabe nicht in einer völligen Umgestaltung, sondern in erster Linie in der Entwicklung behutsamer Interventionen, dem Herausarbeiten der vorhandenen Qualitäten und dem Umgang mit den verschiedenen Höhenniveaus. Ein besonderes Augemerk ist auf den Straßenraum des Columbiadamms zu richten, dem derzeit ein Gehweg auf der südlichen Seite gegenüber der Polizeikaserne fehlt.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

35

2.3.3

Polizeikaserne (3)

Columbiadamm

Bezüglich des rd. 12 ha großen denkmalgeschützten Areals, das stadtstrukturell ein Schlüsselposition für die Gebietsentwicklung zwischen dem Bergmannkietz und dem Tempelhofer Feld einnimmt, geht es um langfristige Entwicklungsperspektiven, die zu einer verbesserten stadträumlichen Integration des derzeit fast vollständig eingezäunten Geländes im Hinblick auf die Öffnung des Tempelhofer Flugfeldes beitragen. Insbesondere eine verbesserte Vernetzung der Quartiere um den Marheinecke Platz und Chamissoplatz (Bergmannkiez) mit dem Columbia-Quartier (Teilbereich 6) ist wünschenswert. 2.3.4 Lilienthal-Quartier (4)

Colum

biada

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Die Hauptaufgabe für dieses rd. 9 ha große Teilgebiet besteht in der Qualifizierung der Lilienthalstraße als wichtige Verbindungsachse (U-Bahnhof Südstern – Columbia-Quartier – Flugfeld). Die historische Lilienthalstraße wird neben der Golßener Straße eine von zwei Erschließungsachsen sein, die sich auf dem Tempelhofer Feld fortsetzen kann. Es werden Ideen für die Neuordnung dieses rd. 9 ha großen Teilgebietes vor dem Hintergrund der genannten Anforderungen an die Erschließung und Vernetzung des Columbia-Quartiers über die Lilienthalstraße mit dem nördlich gelegenen Ortsteil Kreuzberg erwartet. Der Schwerpunkt liegt auf

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

36

der Fläche des jetzigen Regenrückhaltebeckens (das auf das Flugfeld verlagert werden kann, siehe auch Kap. 3.7.4 und Anhang 4.5 „Wasserwirtschaftliches Gutachten), aber auch die angrenzenden Flächen innerhalb des Teilgebiets können einbezogen werden. Die künftige Nutzung soll eine Brückenfunktion zum neuen Quartier auf dem Tempelhofer Feld (Columbia-Quartier) entwickeln und ist stadträumlich mit diesem im Zusammenhang zu sehen. Als städtebaulicher und nutzungsstruktureller Maßstab kann die straßenbegleitende Bebauung im weiteren Verlauf der Lilienthalstraße in Richtung Südstern herangezogenen werden, die angesichts der solitären Lage des Teilgebiets jedoch auch interpretiert und weiterentwickelt werden kann. Das mögliche Entwurfsspektrum reicht von Lösungen, die einer freiräumlichen Entwicklung des Lilienthal-Quartiers den Vorzug geben, oder Lösungen mit hohem Freiflächenanteil bis hin zur Entwicklung eines kompakten, gemischt genutzten Stadtquartiers entlang der Lilienthalstraße, das neben Raumkanten an der Züllichauer und Golßener Straße vor allem auch eine Adresse am Columbiadamm bildet. Städtebaulich könnte am Columbiadamm in Verbindung mit der Bebauung des Columbia-Quartiers z. B. ein kontinuierlich bebauter Straßenund (neuer) Stadtraum entstehen, der ein Signal für die Entwicklung des gesamten Tempelhofer Feldes setzen kann. Eine städtebauliche Herausforderung stellt auch die spitze Ecke am „Dreiländereck“ Kreuzberg-Neukölln-Tempelhof (Züllichauer Straße / Lilienthalstraße) dar, die aus Richtung U-Bahnhof Südstern den markanten Auftakt des neuen Stadtquartiers bilden könnte. Zu bewältigen sind auch in diesem Zusammenhang die topographischen Besonderheiten an der Hangkante des Berliner Urstromtals. Die Lilienthalstraße überwindet vom „Dreiländereck“, dem Berührungsunkt der drei Berliner Bezirke Kreuzberg-Friedrichshain / Tempelhof-Schöneberg / Neukölln, bis zum Columbiadamm einen Höhenunterschied von rd. 5 m („Aufstieg zum Tempelhofer Feld“). Als weiterer Bezugspunkt ist die reaktivierte Grünverbindung zur Hasenheide am Nordrand des gegenüberliegenden Sportgeländes einzubeziehen (siehe Teilgebiet 5). Bei der Entwicklung von Ideen sind die Immissionsschutzanforderungen (Lärm / Licht) zu berücksichtigen, die sich aus der Nachbarschaft von vorhandenen und ggf. geplanten Sportstätten und ggf. geplanten sensiblen Nutzungen (z.B. Wohnen) ergeben. Bei einer Verlagerung des vorhandenen Sportplatzes ist ein Ersatzstandort nachzuweisen. Zu berücksichtigen sind auch die klimatischen Austauschverhältnisse vom Tempelhofer Feld nach Norden, hier insbesondere in Richtung der Wohnquartiere am Südstern und im Bergmannkiez (siehe auch Kap. 3.6.4). Für das Lilienthal-Quartier gilt ebenso wie für das gesamt Wettbewerbsgebiet im Schutzbereich C um den Radarturm, dass bauliche Anlagen ab einer Höhe von 91,52 m ü.NN genehmigungspflichtig sind (siehe auch Teilbereich 6). Hinzuweisen ist zudem auf den sensiblen Umgang mit dem Denkmal Golßener Straße Ecke Columbiadamm, das an das Konzentrationslager Columbia-Haus (1935 bis 1936) erinnert (siehe Kap. 3.7.4). Bei der Wahl der Nutzungsideen ist auch das östlich angrenzende Gelände des TiB 1848 e.V. (Teilgebiet 5) zu berücksichtigen bzw. im Zusammenhang mitzudenken, um eine aufeinander abgestimmte Gestaltung beider Seiten der neuen Verbindungsachse zu entwickeln.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

37

2.3.5

TiB-Sportgelände (5)

Lilienthalstraße

Colu

mbia

dam

m

Das Gelände des TiB 1848 e.V. befindet sich im Eigentum des ältesten Berliner Sportvereins und weist eine Größe von rd. 7 ha auf. Die Entwurfsideen können und sollen hier eine Neuinterpretation der Lilienthalstraße im Kontext mit den Ideen für das benachbarte LilienthalQuartier (Teilgebiet 4) und für das Columbia-Quartier (Teilgebiet 6) vornehmen. Erwünscht ist vor allem eine Belebung der Lilienthalstraße in den Abendstunden. Die Aufgabe besteht in der städtebaulichen und/oder landschaftsräumlichen Qualifizierung der Lilienthalstraße als Verbindungsachse zwischen dem Ortsteil Kreuzberg und dem geplanten Columbia-Quartier. Dabei geben die planungsrechtlich bereits gesicherten Baufenster an der Lilienthalstraße, die gegenwärtig eine Bebauung entsprechend der Berliner Traufhöhe von 22 m – jedoch nur für sportliche Zwecke – ermöglichen, einen Hinweis auf eine mögliche städtebauliche Konfiguration für diese Teilfläche. Eine gegenwärtig nicht genutzte Wegeverbindung am nördlichen Rand des Sportgeländes kann reaktiviert werden und für das benachbarte Lilienthal-Quartier einen direkten Zugang zum Volkspark Hasenheide herstellen. Öffentliche Durchwegungen über das Sportgelände hinweg sind nicht gewünscht. Bei der Entwicklung der Ideen soll der vorhandene Engpass des TiB 1848 e.V. im Bedarfssegment der Sportfreiflächen berücksichtigt und in die Entwicklungsüberlegungen einbezogen werden. Denkbar sind in diesem

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

38

Zusammenhang z. B. Ersatzflächen an anderer Stelle, ggf. auch als Zwischennutzungen im gegenüberliegenden Columbia-Quartier. Der TiB 1848 e.V. bemüht sich z.B. seit 1993 darum, die beiden Softballfelder auf dem Flugfeld am Columbiadamm zu übernehmen, was bislang jedoch am fehlenden Einvernehmen der Flughafengesellschaft scheiterte. Auch an einer Zwischennutzungsperspektive von zehn Jahren – bis zu einer möglichen Gartenschau – wäre der Verein aktuell interessiert. Der Verein als Nutzer der Softballfelder und auch der Tennisfelder müsste keine Umkleidekabinen, Abstellräume etc. errichten, da diese Infrastruktur auf dem gegenüberliegenden Stammgelände bereits vorhanden ist. 2.3.6 Columbia-Quartier (6)

Colu

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Das rd. 39 ha große Teilgebiet Columbia-Quartier bildet zusammen mit dem Lilienthal-Quartier (Teilgebiet 4) den Entwurfsschwerpunkt im Wettbewerbsgebiet.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

39

Das Teilgebiet erstreckt sich in Ost-West-Richtung vom Ende des östlichen Flughafengebäudeflügels mit dem Radarturm bis zur Flughafenrandbebauung in Neukölln. Im Süden endet das Wettbewerbsgebiet an dem geplanten, 5,2 km langen Ring-Boulevard, der die geplanten Baufelder am Rand des Tempelhofer Feldes von der freizuhaltenden zentralen Mitte abgrenzt. Hinzuweisen ist hier insbesondere auf das angrenzende geplante Stadtquartier Neukölln (siehe Kap. 3.8). Nach dem vorliegenden Konzept der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung könnten im Columbia-Quartier z. B. einmal rd. 3.000 Menschen leben. Hier sollen innovative Wohnformen wie Baugruppen, neue Genossenschaftsmodelle oder Mehrgenerationenhäuser verwirklicht werden. An den Rändern im Osten und Westen können Sport- und Freizeitnutzungen untergebracht werden. Den Wettbewerbsteilnehmern wird jedoch freigestellt, abweichende Entwicklungsoptionen bis hin zu einer weitgehenden freiräumlichen Nutzung aufzuzeigen. Dabei wird auch die Entwicklung neuer bzw. komplementärer Nutzungsvorschläge begrüßt. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch auf die in der Online-Bürgerbefragung 2007 entwickelten Nutzungsideen (siehe Kap. 3.9). Der Auslober geht davon aus, dass das Thema Zwischennutzungen für die schrittweise Belebung und Öffnung des Tempelhofer Feldes eine besondere Rolle spielt und die vorhandenen Gebäude und Freiflächennutzungen in diesem Zusammenhang ein besonderes Potenzial darstellen. Es geht mehr um die schrittweise Belebung des Columbia-Quartiers, die in eine prozesshafte Entwicklung eingebettet ist, als um das „Trugbild“ eines von vornherein zu Ende gedachten Stadtquartiers. Das Konzept für das Columbia-Quartier soll deshalb auf ein nutzungsstrukturelles, städtebauliches und landschaftsräumliches Grundgerüst aufsetzen, das die „Leitplanken eines Entwicklungskorridors“ abbildet und prozessual weiterentwickelt werden kann, um damit offen und flexibel auf ggf. veränderte Zukunftsbedingungen und –anforderungen zu reagieren. Diese Flexibilität, die (schon heute denkbaren) Entwicklungsoptionen und die zeitliche Programmierung von Flächen sind genauso darzustellen wie ein innovatives, zukunftweisendes Verkehrskonzept. Das Columbia-Quartier hat zusammen mit dem Lilienthal-Quartier eine besondere Bedeutung für die (erstmalige) Erschließung des Tempelhofer Feldes. Die Entwicklung beider Stadtquartiere ist nicht voneinander zu trennen. Insofern ist auf Gestaltung der Nahtstelle beider Quartiere am Columbiadamm in Fortsetzung der Lilienthalstraße ein besonderes Augenmerk zu richten. In Abhängigkeit von der langfristig angelegten Entwicklungskonzeption sind hier Entwurfslösungen denkbar, die am Columbiadamm einen städtebaulichen Akzent setzen und zur Adressbildung beitragen oder aber einen besonderen öffentlichen Platz/Freiraum definieren. Die Querungsbereiche am Columbiadamm (Lilienthalstraße / Golßener Straße) sind besonders zu qualifizieren. Dies gilt auch für den Bereich des südlich angrenzenden Ring-Boulevards, der in diesem Abschnitt in die Ideenfindung einbezogen werden soll. Mitzudenken im Sinne eines Stufenkonzeptes, das mögliche Entwicklungen aufzeigt, sind zudem „Initialzündungen“ durch Pioniernutzungen. Die zu erhaltenden Bauten im Columbia-Quartier sind der weithin sichtbare und denkmalgeschützte 72 m hohe Radarturm und das Heizkraftwerk, das

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

40

auch künftig für die Energieversorgung des Flughafengebäudes benötigt wird und ggf. auch zur Wärmeversorgung der neuen Stadtquartiere beitragen kann. Beide Gebäude werden vom Columbiadamm erschlossen. Um den Radarturm wird nach Öffnung des Flughafengeländes eine 80 x 80 m große Sicherheitszone eingerichtet, die von einem 2 m hohen Zaun mit Übersteigschutz und Video-Überwachung eingegrenzt wird. Auf dem eingezäunten Grundstück wird von der Bundeswehr ein Wachgebäude sowie ein Dienstleistungs- und Versorgungsgebäude errichtet. Die Bundeswehr plant, eine ca. 80 x 80 m große Fläche um den Radarturm herum zu nutzen. Die Fläche wird von einem Sicherheitszaun umgrenzt und erhält eine eigene Zufahrt vom Columbiadamm. Die Umbaumaßnahmen sollen im November 2008 beginnen. Zur Kontrolle des Sicherheitsbereichs ist eine ca. 6 m breite, sichtfreie Zone um die Anlage einzuhalten. Über die Möglichkeit, die Zufahrt vom Columbiadamm öffentlich zu nutzen, ist noch nicht abschließend entschieden worden. Solange der Radarturm in seiner Funktion erhalten bleibt, ist im 100 mSchutzbereich A für die Errichtung, Änderung oder Beseitigung baulicher Anlagen die Genehmigung der Wehrbereichsverwaltung Ost erforderlich. Für das Columbia-Quartier wie für das gesamte Wettbewerbsgebiet gilt zudem, dass in der Schutzzone C bauliche Anlagen ab einer Höhe von 91,52 m ü.NN genehmigungspflichtig sind. Dies bedeutet, dass im Columbia-Quartier bei einer Ausgangshöhe von 45 m ü.NN für Neubebauungen ab einer Höhe von rd. 46,50 m die Genehmigung der Wehrbereichsverwaltung Ost eingeholt werden muss. Das vom Deutschen Wetterdienst östlich des Picnic-Areals genutzte Verwaltungsgebäude 101 der Berliner Flughafengesellschaft (RadioaktivitätsMessstelle) soll bis spätestens 2010 nach Potsdam ausgelagert werden. Die ebenfalls dort untergebrachten Einrichtungen der Flugsicherung bleiben bis zur Schließung des Flughafens Tegel in Betrieb. Das Gebäude steht damit für Umnutzungsmöglichkeiten esrt danach vollständig zur Verfügung. Die übrigen Gebäude wie Wachhäuser, Tankstellen, Technikschuppen, Mülltonnenwaschanlage, Werkstatt- und Lagergebäude bis zum Ballonhaus sowie die vorhandenen Freiflächennutzungen, insbesondere die beiden Softballfelder am Columbiadamm, für die konkrete Nutzungsabsichten des TiB-Sportvereins bestehen, und das Picnic-Areal südlich des Friedhofsgeländes, können je nach Schwerpunktsetzung in das gewünschte Szenario einbezogen oder zur Disposition gestellt werden (siehe auch Anhang 4.11 „Gebäudeatlas“). Im Hinblick auf den Bau unterirdischer Gebäudeteile muss der in 5m Tiefe vorhandene Regenwasserkanal berücksichtigt werden. Dieser Kanal würde bei einer Aufgabe des Rückhaltebeckens nördlich des Columbiadamms nicht mehr benötigt und könnte dann im Boden verbleiben (siehe Anhang 4.6 „Regenwasserkanalnetz“ und Anhang 4.5 “wasserwirtschaftliches Gutachten) . Bei der Entwicklung der Ideen für ein neues Stadtquartier sind grundsätzlich die genannten Aspekte der Nachhaltigkeit, der Tendenzen und Vorgaben der Stadtentwicklungspolitik und der „ressourceneffiziente Stadt“ zu berücksichtigen. Dabei sollen die Themen Klimaschutz und Ressourcen schonendes Bauen eine besondere Rolle spielen. Besonderes Augen-

Sicherheitszone Radarturm mit geplanter Erschließung

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

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merk ist auf ein Regenwassermanagement zu richten (siehe Anhang 4.5 wasserwirtschaftliches Gutachten - Zwischenbericht). Ziel sollte es sein, das anfallende Regenwasser im Quartier oder auf den südlich angrenzen Flächen zu versickern. Zu berücksichtigen sind auch die klimatischen Austauschverhältnisse vom Tempelhofer Feld nach Norden, hier insbesondere in Richtung der Wohnquartiere am Südstern und im Bergmannkiez (siehe auch Kap. 3.6.4). Neben den Anknüpfungspunkten in Fortsetzung der Lilienthalstraße und der Golßener Straße sind die fußläufigen Verbindungen nach Westen im Bereich des Gebäudevorfeldes (Teilbereich 2), nach Osten in Richtung Herrfurthstraße, zum Columbiadamm / Hasenheide entlang des bestehenden Fuß- und Radweges in Fortsetzung der Oderstraße und die neu zu schaffende Grünverbindung zwischen dem Friedhof und dem Columbiabad (Teilbereich 7) zu berücksichtigen. 2.3.7 Friedhof (7)

Colu

mbia

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m

Dieser Teilbereich wird nur „nachrichtlich“ in das Wettbewerbsgebiet aufgenommen. Planungsvorschläge für den landeseigenen Friedhof Columbiadamm und den islamischen Friedhof mit der markanten Sehitlik-Moschee werden nicht erwartet; neue Zugänge zum Tempelhofer Feld nach Süden sind nicht gewünscht. Der im Friedhofsentwicklungsplan dargestellte Bereich einer zentralen öffentlichen Grünfläche soll als langfristige Option gewertet werden (siehe auch Kap. 3.7.7). Markant und von räumlicher Signifikanz für das Columbia-Quartier ist die hohe Klinkermauer, die den Friedhof zum Flugfeld abgrenzt.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

42

2.3.8

Sommerbad Neukölln (8)

Colu

mbia

dam

m

Die Wettbewerbsaufgabe in diesem Abschnitt besteht neben der Einbindung in ein neues Entwicklungskonzept vor allem in der Entwicklung von Ideen für eine verbesserte Vernetzung des Tempelhofer Feldes mit dem nördlich an das Sommerbad Neukölln heranreichenden Volkspark Hasenheide. Von den Bäderbetrieben wurde bereits die Bereitschaft signalisiert, einen Grundstücksstreifen entlang der westlichen Grundstücksgrenze für eine öffentliche Durchwegung zur Verfügung zu stellen. Dieser Grundstücksstreifen liegt in einem Böschungsbereich und ist derzeit dicht von Bäumen bestanden. Ein dort befindliches Werkstattgebäude kann aufgegeben werden. Die vorhandene öffentliche fußläufige Verbindung entlang der östlichen Grundstücksgrenze zwischen dem Columbiadamm und dem Schillerquartier kann zulasten der Flächen des Columbiabades erweitert werden. Diese Verbindung ist Teil eines wiederherstellbaren Promenadenbandes vom Landwehrkanal über die Fichtestraße und die Hasenheide zum Flugfeld, wo noch Terrassenreste des angesenkten, parallel zu Oderstraße verlaufenden ehemaligen Sportgeländes vorhanden sind. Als langfristige Option sollen auch Vorschläge für eine dort verlaufende Straßenanbindung des geplanten Stadtquartiers „Neukölln“ (vgl. Kap. 3.8) erarbeitet werden, die in die Oderstraße münden würde. In diesem Fall muss der Umgang mit einer Gasregelstation der GASAG in der Nähe des Columbiadamms geklärt werden.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

43

2.3.9

Zwischenpumpwerk (9)

Das südlich an das Sommerbad Neukölln anschließenden Gelände des Zwischenpumpwerks der Berliner Wasserbetriebe soll erhalten bleiben. Zum Zwischenpumpwerk gehört ein unterirdischer Reinwasserbehälter an der westlichen Grundstückgrenze und ein unterirdisches Maschinenhaus. Ggf. kann ein Grundstücksstreifen in die Überlegungen zur Verbreiterung der vorhandenen Wegeverbindung einbezogen werden (siehe Teilbereich 8). 2.3.10 Jahn-Sporthalle / Jahn-Sportplatz (10)

Columbiadamm

Die Wettbewerbsaufgabe besteht neben der Einbettung des Teilgebietes in ein neues Entwicklungskonzept vor allem in der Entwicklung neuer Nutzungs- und Gestaltungsideen für das Gelände der Kleingartenkolonie Odertal vor allem im Hinblick auf eine perspektivisch zur öffentlichen Straße ausgebauten Wegeverbindung zwischen dem Columbiadamm und der Oderstraße (siehe Teilbereich 8).

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

44

Als besonderer Bezugspunkt ist auch der Eingangsbereich in Fortsetzung der Herrfurthstraße zu betrachten unter Berücksichtung des geplanten Neuköllner Stadtquartiers auf dem Tempelhofer Feld. 2.3.11 Columbiadamm / Hasenheide (11)

Für den Columbiadamm sollen teilgebietsübergreifend Gestaltungsvorschläge entwickelt werden, die auf die unterschiedlichen angrenzenden räumlichen Situationen reagieren. Ziel sollte es sein, dem Straßenraum in seiner Funktion als verkehrliches Rückrat des Wettbewerbsgebiets einen eigenständigen, unverwechselbaren Charakter (Leitbild) zu geben, der den Columbiadamm nicht nur als Transitraum für Kraftfahrzeuge begreift. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei auch auf die Gestaltung der Querungsbereiche zu legen. Der südliche Rand des Volksparks Hasenheide wird vor allem deshalb in die Wettbewerbsaufgabe einbezogen, weil er abgesehen von der Spielund Skateranlage gegenüber dem Sommerbad Neukölln einen eher ungeordneten und abweisenden Eindruck mit Gestaltungsdefiziten aufweist. Von den Wettbewerbsteilnehmern werden hier vor allem Ideen zur verbesserten Vernetzung des Volksparks mit dem Tempelhofer Feld über den Columbiadamm hinweg erwartet. Wegebeziehungen sind auf neue Verbindungen zum Tempelhofer Feld (z.B. neue Verbindung entlang der Grundstücksgrenze zwischen Columbiabad und Friedhof) auszurichten.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 2

Wettbewerbsaufgabe

45

2.4
• •

Beurteilungskriterien der 1. Stufe
Leitidee, Grundstruktur, Raumbildung Städtebauliche und landschaftsräumliche Einbindung (Erschließung / Vernetzung unter Beachtung stadträumlicher und historischer Bezüge) Prozessuale Stadtentwicklung (Pionier- und Zwischennutzungen, experimentelle Nutzungen, schrittweise Stadtentwicklung) Ressourceneffizienz (nachhaltiges und integriertes ökologisches Gesamtkonzept unter besonderer Berücksichtigung der klimatischen Austauschbeziehungen) Tragfähigkeit und Entwicklungsfähigkeit der Nutzungsvorschläge (Wirtschaftlichkeit, Unterhaltung)

• •

•

Der Auslober behält sich vor, die Beurteilungskriterien auf Grundlage der Ergebnisse der 1. Stufe für die 2. Stufe noch anzupassen oder zu ergänzen.

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

46

Teil 3 Situation und Planungsvorgaben 3.1 Stadträumliche Einordnung
Das Wettbewerbsgebiet befindet sich innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings, ist Bestandteil der südlichen Berliner Innenstadt und weist eine Größe von rd. 105 ha auf.
Stadträumliche Lage des Wettbewerbsgebiets

Quelle: D-Sat und eigene Darstellung

Die stadtzentrale Lage des (ehemaligen) Tempelhofer Flugfeldes (im Folgenden „Tempelhofer Feld“) wird durch seine Nähe zu den Berliner Zentren am Breitscheidtplatz / Bahnhof Zoo, der Friedrichstraße und am Alexanderplatz unterstrichen. Die innerstädtischen Fernbahnhöfe und das Parlaments- und Regierungsviertel sind ca. 4 km entfernt. Der neue Fernbahnhof Südkreuz am Hildegard-Knef-Platz / Ecke Sachsendamm ist nur ca. 1,8 km vom zentralen Flughafengebäude entfernt (Luftlinie). Zum im Bau befindlichen Großflughafen Berlin-Brandenburg-International (BBI) beträgt die Distanz etwa 12 km.
Großräumliche Lagedeterminanten und Entfernungen
Hauptbahnhof 4,5 km Bahnhof Zoo 4,5 km Ostbahnhof 4,0 km Alexanderplatz 4,5 km

Südkreuz 1,8 km

Lage des Wettbewerbsgebietes in Berlin (freie Darstellung)

Flughafen BBI 12 km

Quelle: D-Sat und eigene Darstellung

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

47

Der überwiegende Teil des rd. 105 ha großen Wettbewerbsgebietes befindet sich in den Berliner Bezirken Tempelhof-Schöneberg und Neukölln. Zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gehört der Polizeistandort zwischen Jüterboger Straße und Columbiadamm. Die östlich der Lilienthalstraße (und der verlängerten Lilienthalstraße) befindlichen Teile des Wettbewerbsgebiets gehören überwiegend zum Bezirk Neukölln. An der Einmündung der Lilienthal- in die Züllichauer Straße stoßen die Grenzen der drei Berliner Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln aneinander.
Wettbewerbsgebiet mit Teilgebieten und Verflechtungsbereich

Friedrichshain - Kreuzberg

1

3

Neukölln

4 2 5

Tempelhof - Schöneberg

6 7 11

1 2 3 4 5 6

Columbiahalle Gebäude Vorfeld (Columbiadamm) Polizeikaserne Lilienthal-Quartier TIB-Sportgelände Columbia-Quartier 7 8 9 10 11 Friedhof Sommerbad Neukölln Sondernutzung Wasserwerk Jahn-Sporthalle Columbiadamm / Hasenheide 8 9 10

Verflechtungsbereich Bezirksgrenze

Quelle: Eigene Darstellung

Beschreibung der angrenzenden Quartiere In stadtstruktureller Hinsicht ist vor allem die Grenze zwischen den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln im Norden und Osten des Flughafengeländes nicht spürbar: In beiden Bezirken herrscht die Blockbebauung der Gründerzeit vor, die zum Teil durch flächendeckende Sanierungsmaßnahmen, z. B. im Bereich der Graefe- und Jahnstraße in Kreuzberg oder im Rollbergviertel beiderseits der Werbellinstraße in Neukölln, überformt wurde. In sozio-kultureller Hinsicht stellt der Flughafen jedoch sehr wohl eine Zäsur zwischen den diesbezüglich sehr unterschiedlich geprägten Milieus der Quartiere dar. Während das Quartier um den Chamissoplatz und die Bergmannstraße sozialstrukturell als durchschnittlich bewertet werden und eine hohe touristische Anziehungskraft aufweisen, sind die angrenzenden Neuköllner Wohnquartiere durch einen sehr hohen Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund, hohe Arbeitslosigkeit und geringe Einkommen

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

48

bzw. hohe Armutsanteile gekennzeichnet. Der Prozentsatz der dominierenden türkischen Migrationsgruppe nimmt dabei kontinuierlich ab, d. h. die Gruppe der Migranten wird zunehmend heterogener.
Stadtstruktur

Legende (Auszug)

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Die Stadtteile sind dicht besiedelt und zeichnen sich durch einen geringen Freiflächenanteil aus.
Einwohnerdichte

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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Situation und Planungsvorgaben

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An das Wettbewerbsgebiet angrenzende Stadtbezirke und Quartiere

Quelle: D-Sat und eigene Darstellung

Der Platz der Luftbrücke im Nordwesten des Flughafens Tempelhof wird begrenzt durch verschiedene Verwaltungsgebäude, insbesondere das Polizeipräsidium, das Abfertigungsgebäude des Flughafens und, im Südwesten des Platzes, durch Wohn- und Geschäftshäuser aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Im weiteren Verlauf der Dudenstraße erreicht man den Viktoriapark, dessen östliche Ausdehnung (Methfesselstraße) fast bis an den Platz der Luftbrücke reicht. Der zwischen Gneisenaustraße, Südstern, Platz der Luftbrücke und Mehringdamm gelegene Bergmannkiez ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem touristischen Anziehungspunkt geworden. Die Bergmannstraße ist eine beliebte Flaniermeile mit zahlreichen Cafés, Restaurants und kleinen Läden sowie der Marheineke-Markthalle als jüngst renoviertes Nahversorgungszentrum für den umwelt- und gesundheitsbewussten Verbraucher. Der südlich davon liegende Chamissoplatz stellt durch die einheitliche und sanierte Gründerzeitbebauung einen der schönsten Plätze Berlins dar. Die Friedhöfe an der Bergmannstraße reichen bis zur Züllichauer, Golßener und Jüterboger Straße und stellen eine stadträumliche Barriere in diesem Bereich dar. Im Nordwesten befindet sich der Südstern mit U-Bahnhof und einem kleinen Nahversorgungszentrum. Das Quartier wird sozialstrukturell als durchschnittlich bewertet. Das Einkommensniveau und der Erwerbstätigenanteil liegen nur unwesentlich unter dem Berliner Durchschnitt. Aufgrund der multinationalen Bevölkerungsstruktur, der damit verbundenen kulturellen und gastronomischen Vielfalt und der deutlich spürbaren grün-alternativ-liberalen Prägung des Quartiers ist es nicht mehr nur ein beliebter Wohnstandort sondern wird auch mehr und mehr von internationalen Touristen besucht. Der alljährlich das Quartier streifende Karneval der Kulturen mit mehr als einer Million Besuchern steht beispielhaft für die Toleranz und Lebensfreude, die der Bergmannkiez ausstrahlt. Im Norden des Flughafengeländes befinden sich östlich der Lilienthalstraße zunächst ein größeres Sportgelände und ein rd. 10 ha großer Friedhof, an den sich der Volkspark Hasenheide anschließt. Der Park ist etwa

Verwaltungsgebäude am Platz der Luftbrücke

Marheineke-Markthalle an der Bergmannstraße / Ecke Marheinekeplatz

Blick in den Volkspark Hasenheide vom Columbiadamm

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Situation und Planungsvorgaben

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50 ha groß und bietet den Anwohnern vielfältige Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Gleichwohl ist er auch bekannt als Drogenkriminalitätsschwerpunkt. Die Lilienthalstraße stellt als historische Allee eine wichtige Grünverbindung zum Südstern dar, einem Platz, der durch die in der Platzmitte stehende, weithin sichtbare neugotische Kirche geprägt wird. An der Lilienthalstraße, in unmittelbarer Nähe zum Südstern, liegt neben der St.Johannes-Basilika, der größten katholischen Kirche in Berlin, der Neubau der 2001 eingeweihten Apostolischen (päpstlichen) Nuntiatur. Westlich der Lilienthalstraße schließt sich zwischen Bergmannstraße und Züllichauer Straße ein weiteres rd. 20 ha großes Friedhofsgelände an. Die angrenzenden Neuköllner Wohnquartiere weisen hohe Anteile an Kindern und Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen auf, während der Anteil alter Menschen sehr gering ist. Sie sind außerdem durch einen sehr hohen Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund, hohe Arbeitslosigkeit und geringe Einkommen bzw. hohe Armutsanteile gekennzeichnet. Der Prozentsatz der dominierenden türkischen Migrationsgruppe nimmt kontinuierlich ab, d. h. die Gruppe der Migranten wird zunehmend heterogener. Im Stadtmonitoring 2006 werden die Gebiete auf Neuköllner Seite in der Gebietskategorie A1 geführt, welche in soziostruktureller Hinsicht als besonders problematisch gilt und sich durch hohe Fluktuation sowie sehr hohe Arbeitslosigkeit und daraus folgend eine große Zahl von Arbeitslosengeld-II-Empfängern auszeichnen. Der Hermannstraßenkiez um Wissmannstraße und Karlsgartenstraße am Volkspark Hasenheide ist in der Gründerzeit als Vergnügungsviertel mit Biergärten, Theatern und Tanzsälen entstanden. Heute wird der Kiez überwiegend von Wohnnutzungen mit einigen kleineren Gartenlokalen geprägt. Die Hermannstraße mündet im Norden in den Hermannplatz, der aufgrund seiner guten Verkehrsanbindung und seines hohen Einzelhandelsbesatzes ein wichtiger Versorgungsstandort für die Bezirke Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg ist. Die in südöstliche Richtung den Platz verlassenden Sonnenallee und insbesondere die Karl-Marx-Straße haben ebenfalls eine wichtige Versorgungsfunktion im unteren Preissegment. In beiden Straßen ist der hohe Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund deutlich spürbar. Das Quartier Schillerpromenade ist ein traditionsreiches Stadtquartier östlich des Flughafengeländes, das durch eine homogene, aus der Jahrhundertwende stammende Bausubstanz (entstanden als „Wohnquartier für Besserverdienende“) und den zentralen repräsentativen Grünzug auf der 50 m breiten Schillerpromenade geprägt wird. Eine weitere historische Grünachse verläuft in Ost-West-Richtung entlang der Herrfurthstraße vom Flugfeld über den zentralen Herrfurthplatz mit der Genezarethkirche (1906) zur Hermannstraße. 1990 wurde das Quartier zum Schwerpunkt der Stadterneuerung und zwei Jahre später als Sanierungsuntersuchungsgebiet ausgewiesen. Zudem existiert eine Erhaltungssatzung gemäß § 172 Baugesetzbuch (BauGB) für das Quartier. Seit 1999 wird der Kiez darüber hinaus von einem Quartiersmanagement betreut. Dieses in Berlin seit 1999 erprobte Instrument der Stadtentwicklung wird in Quartieren mit besonderen Problemlagen eingesetzt. Wesentliches Ziel ist es, die endogenen Potenziale durch Aktivierung der Bewohner und Gewerbetreibenden zu wecken und langfristig zu nutzen, um das Quartier lebenswerter zu gestalten. Im Quartier Schillerpromenade wird ein starker Widerspruch zwiHermannplatz mit dem dominanten Karstadt-Kaufhaus

Schillerpromenade

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

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schen der teilweise hervorragenden baulichen Qualität der Wohngebäude und der problematischen sozialen Situation augenfällig. Eine Ursache für die sozialen Probleme ist sicherlich die durch den Flughafen begründete Randlage des Quartiers. Hier erhofft man sich von der Öffnung des Flughafengeländes einen Aufwertungsimpuls.

3.2

Landschaftsräumliche Einordnung

Bei dem heutigen Tempelhofer Flugfeld handelt es sich um den letzten Rest einer mittelalterlichen Kulturlandschaft gegliedert in (Exerzier-)Feld und Heide, wobei unter Heide ein lichter, intensiv genutzter Wald auf Sandboden zu verstehen ist. Die markante Aufteilung in Wald und Heide hatte bis zum Bau des ersten Flughafens 1923 Bestand (siehe auch Kap. 3.3 „Historische Entwicklung“). Das Flughafengelände Tempelhof liegt auf dem sogenannten „Inneren Parkring“ des Berliner Freiraumsystems, der die dicht bebaute gründerzeitliche Innenstadt mit zahlreichen Kleingärten, Friedhöfen und Volksparks umschließt. Nach Einstellung des Flugbetriebes soll auch das Tempelhofer Feld als neue große innerstädtische Grünanlage in den Parkring integriert werden. Das Berliner Freiraumsystem hat die Grundstruktur von zwei konzentrischen Ringen und einem „Grünen Achsenkreuz“.
Berliner Freiraumsystem / Übergeordnete Freiraumverknüpfung

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Im engeren Umfeld des Wettbewerbsgebiets befindet sich der Viktoriapark im Nordwesten, die Friedhöfe an der Bergmannstraße im Norden, der Volkspark Hasenheide im Nordosten, am Columbiadamm der Garnisonsfriedhof, der Mohammed-Friedhof (einziger islamischer Friedhof der Stadt), das TiB-Sportgelände, das Columbiabad und der Jahnsportplatz sowie das Sportgelände an der Züllichauer Straße. Hinzuweisen ist auch auf den Grünzug „Bäumerplan“ in der westlich angrenzenden sog. Fliegersiedlung (westlich des Tempelhofer Damms), auf den Grünzug Schillerpromenade und die Neuköllner Friedhöfe im östlich angrenzenden Schillerquartier und auf den Sportpark Neukölln, der im Südosten an das Flugfeld angrenzt.

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Situation und Planungsvorgaben

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Als potenzielle Grünverbindungen mit Anschluss an das Wettbewerbsgebiet sind zu nennen: • im Nord-Westen: Verbindung vom im Bau befindlichen Park auf dem Gleisdreieck über den Viktoriapark zum Platz der Luftbrücke • im Norden: Verbindung vom Landwehrkanal (Urbanhafen) über das historische Klinikgeländes des Urbankrankenhauses (Umgestaltungsabsichten zu einem Wohngebiet) und die Fontanepromenade zum Südstern und weiter über die Lilienthalstraße zum Columbiadamm. von der Bergmannstraße über die Friedhöfe zur Jüteboger Straße / Golßener Straße und Züllichauerstraße zum Columbiadamm von der Grimmstraße / Fontanestraße bzw. von der Graefestraße und Jahnstraße über die Hasenheide zum Columbiadamm • im Osten: Verbindung östlich des Columbiabades zur Oderstraße (in Fortsetzung der Hasenheide) Verlängerung der Grünachse Herrfurthstraße über den Herrfurthplatz zum Flugfeld

Quelle: TOPOS 2008 (verändert)

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Situation und Planungsvorgaben

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3.3 Historische Entwicklung
Entwicklung bis 1923 (Eröffnung des Flughafens auf dem Tempelhofer Feld) Das 1351 erstmals urkundlich erwähnte und bis ins 19. Jahrhundert als Weide-, Brach- und Ackerland genutzte Tempelhofer Feld entstand um 1200 durch die Umwandlung von Waldland in Acker, das mit „modernen Pflügen“ der damaligen Siedler bewirtschaftet werden konnte. Das Tempelhofer Feld befand sich im Besitz des Templerordens und erstreckte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vor den Toren der Stadt auf der Hochfläche des Teltows. Feld und (Hasen-)Heide dienten der Nahversorgung der neu gegründeten Städte Cölln und Berlin. König Friedrich-Wilhelm I. hielt hier 1722 seine erste Truppenparade der Berliner Garnison ab. Das Feld wurde damit für 200 Jahre zum wichtigsten Repräsentationsstandort des preußischen Militärs. Zur Anbindung an die Residenzstadt wurden die Wege vom Halleschen Tor zum Tempelhofer Feld und zur Hasenheide als Chausseen ausgebaut und in der neu angelegten Südlichen Friedrichstadt durch Paradestraßen ergänzt (Wilhelm-, Friedrich-, Lindenstraße, siehe Abbildung „Tempelhofer Feld 1857“). Das Tempelhofer Feld war im 19. Jahrhundert begrenzt im Norden und Osten durch die heranrückende Mietskasernenbebauung. Im Süden bildeten die Verbindungsbahn (1871) und später der S-Bahnring, im Westen die Berlin-Anhalter Eisenbahn die Grenzen. Die 1836 bis 1838 Chaussee nach Tempelhof teilte das unbebaute Tempelhofer Feld in zwei Teile. Nach dem Erwerb durch den preußischen Staat, der das Land den Tempelhofer Bauern abkaufte, diente es von 1828 bis 1918 den Berliner Garnisonen als Exerzier- und Paradeplatz.
Tempelhofer Feld 1802 Picknick auf dem Tempelhofer Feld:

Schafsherde

Truppenübungen

Kaiserparade

Quelle: Karte Berlin 1802 /

heutiger Verlauf der Lilienthalstraße / Columbiadamm

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Situation und Planungsvorgaben

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Tempelhofer Feld 1857

Hallesches Tor im Westen / Kottbusser Tor im Osten heutiger Verlauf der Lilienthalstraße / Columbiadamm

Quelle: Karte Berlin & Charlottenburg 1857

Seit 1850 entstanden an den Rändern des Geländes Kasernenbauten, die heute noch teilweise erhalten sind, z.B. die Bauten des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments (siehe auch Kap. 3.7.3). Gleichzeitig entwickelte sich das militärische Gebiet zu einem beliebten Ausflugsziel für die Berliner, vor allem für die Bewohner der dicht bebauten Stadtquartiere in Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof. Hier traf man sich zu Picknicks, Spaziergängen, Turn- und Sportfesten, Versammlungen oder Demonstrationen. Pferderennen waren bis 1867 (Gründung der Rennbahn Hoppegarten) zu bestaunen, später Radrennen.

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Situation und Planungsvorgaben

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Tempelhofer Feld 1900

Quelle: Pharus-Plan Berlin um 1900 /

heutiger Verlauf der Lilienthalstraße / Columbiadamm

Trotz des einsetzenden rasanten Stadt- und Bevölkerungswachstums blieb das Tempelhofer Feld nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wegen seiner Unverzichtbarkeit für das Militär als weitläufige Grünfläche erhalten, die der Bevölkerung außerhalb der militärischen Übungen allgemein zugänglich war. Der Badesee Schlangenpfuhl diente als Erholungsort. Das offene Feld nutzte man u. a. für Fußball und Drachenfliegen. Die Hasenheide (Heidegebiet und Hasengehege), die bis ins heutige Tempelhofer Feld hineinragte, wurde ab 1876 als Schießplatz genutzt (siehe auch Kap. 3.7.11). Während des Ersten Weltkrieges wurde, wie schon während des DeutschFranzösischen Krieges 1870/71, auf dem Tempelhofer Feld ein Lazarett errichtet. Am Anfang der 20. Jahrhunderts gehörten dann Ballonfahrten zu den Attraktionen. Die ersten Flüge der Zeppelin-Luftschiffe lösten eine „nationale Euphorie“ aus. Nach einigen Flugexperimenten von Arnold Böcklin und Otto Lilienthal fanden 1909 auf dem Gelände spektakuläre Flugshows mit Motorflugzeugen statt. Zu erwähnen ist auch der amerikanische Flugpionier Orville Wright, der hier zwei Weltrekorde aufstellte. Weder das Militär noch die Gemeinde Tempelhof hatte jedoch Interesse an der Errichtung eines Flugplatzes. Erst als das westlich von Berlin liegenden Truppenübungsgelände auf dem Döberitzer Feld durch die Heerstraße erschlossen wurde, verlor das Militär das Interesse am Tempelhofer Feld. Stattdessen wurde das Gebiet durch neue Bauplanungen als Bauland für Wohnsiedlungen ausgewiesen. So wurde 1910 ein 145 ha großes Areal westlich der Tempelhofer Chaussee an die Gemeinde Tempelhof verkauft. Die von der Gemeinde Tempelhof gegründete „Tempelhofer Feld AG für Grundstücksverwertung“ schloss einen ersten Bauabschnitt 1912/13 ab. Die „Gartenstadt Tempelhofer Feld“ wurde nach dem 1. Weltkrieg in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts vollendet.

Tempelhofer Feld 1907

Flugschau um 1910

Gartenstadt Tempelhofer Feld um 1911

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Situation und Planungsvorgaben

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Entwicklung 1923 bis 1933 (Eröffnung des Flughafens auf dem Tempelhofer Feld) Da die provisorischen Flugplätze in Johannisthal und Staaken den Anforderungen nicht mehr gewachsen waren, entschied man sich einen innerstädtischen Flughafen auf dem Tempelhofer Feld zu realisieren. 1922 wurde das brachliegende Exerzierfeld eingeebnet und der Bau der ersten Flughafenanlage begonnen. Das Gelände wies teilweise Höhenunterschiede von bis zu 10 Metern auf, ebenfalls musste die leichte Neigung des gesamtem Areals ausgeglichen werden. Als Füllmaterial diente auch Hausmüll. Anschließend wurde die Fläche mit Gras bepflanzt und gedüngt, da die Grassamen auf dem sandigen Boden nicht keimten. Zur Pflege des Rasens wurde eine Schafherde angesiedelt, die das Mähen und Düngen ersparte und den Boden festigte. Am 8. Oktober 1923 wurde der „Flughafen Berlin“ nach einjähriger Bautätigkeit mit zunächst bescheidenen Baulichkeiten als erster Verkehrsflughafen der Welt auf dem Tempelhofer Feld eröffnet. Die nicht vom Flugbetrieb beanspruchten Flächen im östlichen Bereich des Tempelhofer Feldes südlich des Columbiadamms wurden weiterhin als Volks- und Sportpark genutzt. Am Tempelhofer Damm sind im Plan von 1928 noch der in Kleingartenanlagen liegende Preußen-Sportplatz, Heimstatt des ältesten Fußballvereins Berlins, zu erkennen In den folgenden Jahren wurde der von der Lilienthalstraße, erschlossene Flughafen weiter ausgebaut. Ab 1926 wurde der Bau eines neuen Empfangsgebäudes nach den Plänen von Klaus und Paul Engler realisiert. Trotz der rasanten Passagierzahlenentwicklung wurden Erweiterungen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nach 1929 nicht mehr umgesetzt.
Linienflugnetz 1935

Wartehäuschen Flughafen 1923

Großflugtag auf dem Zentralflughafen Tempelhof

Quelle: Hrsgb. Bezirksamt Tempelhof. Landing on Berlin

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Situation und Planungsvorgaben

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Überreste des alten Flughafengebäudes sind heute noch auf dem Flughafengelände südlich der Picnic-Area erkennbar (sog. alter Flughafen).
Stadtplan Berlin 1928 mit Lage der Flughafenbauten und Sportflächen am Rand des Flugfeldes

Quelle: Schmitz (1997) (verändert), Hauptgebäude um 1929

heutiger Verlauf der Lilienthalstraße / Columbiadamm Flughafen Berlin (Tempelhof) 1935

Zeppelin am Flughafen Berlin (30er Jahre)

Hanna Reitsch bei einem Rekordflug mit einem Focke-Wulf

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Situation und Planungsvorgaben

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Ausschnitt aus dem Stadtplan von Berlin 1930

Luftbild 1928

Stadtplan Berlin 1932

heutiger Verlauf der Lilienthalstraße / Columbiadamm

Stadtplan 1936

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Situation und Planungsvorgaben

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Planungen und Bauten 1933 bis 1944 Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden neue Planungen für die Umgestaltung Berlins entwickelt. Diese sahen u.a. einen Neubau des Flughafengebäudes vor. Die Luftfahrt sollte als Mittel der Staatsrepräsentation dienen. Der vergrößerte Flughafen Tempelhof sollte mit seinen neuen Bauwerken den Abschluss einer Querachse der von Albert Speer geplanten Nord-Süd-Achse bilden und durch seine Größe und Gestaltung beeindrucken. Ernst Sagebiel entwarf eine riesige Anlage, die mit einer Kapazität von 6 Millionen Passagieren für einen dreißigfach höheren Bedarf ausgelegt war, als er zur Bauzeit bestand. Der Flughafen Berlin-Tempelhof sollte als zentrales europäisches Luftkreuz den Mittelpunkt des Weltflugverkehrs bilden. Die gesamte Flughafenbebauung ist axial auf das Kreuzbergdenkmal ausgerichtet, zu dem eine architektonisch gestaltete Allee führen sollte. Um den halbrunden Platz sind viergeschossige Verwaltungsgebäude angeordnet, die für die Büros der Fluggesellschaften bestimmt waren. Die Planungen Sagebiels für einen repräsentativ gestalteten, runden Vorplatz an der Kreuzung der Straßenachsen, der sich zum Vorhof der Empfangs- und Abfertigungshalle des Flughafens öffnet, kamen nicht zur Ausführung. Das Empfangsgebäude leitet zum 1,3 km langen Flugsteig- und Wartungstrakt über, der als Bogensegment das elliptische Flugfeld begrenzt. In der Mitte befindet sich der zum Flugfeld geöffnete Flugsteig; daran schließen sich auf beiden Seiten Flugzeughangars an. Alles wird von einer weit auskragenden Stahlkonstruktion überdacht. Die Konstruktion mit 40 Meter langen Kragarmen gilt als technische Meisterleistung. Unter dem Dach des Flugsteigs steigen die Passagiere in die bereitstehenden Flugzeuge. Die seitlich anschließenden Hangars bestehen aus einem hinteren Büro- und Werkstattflügel und dem vorgelagerten Wartungsbereich. Die zum Flugfeld gerichteten Fronten können durch elektrisch betriebene Tore verschlossen werden. Die mit Muschelkalkplatten verkleidete Stadtseite wird durch massige, im Abstand von 70 Meter angeordnete Treppentürme gegliedert. Auf dem Dach der Flugzeughallen sollten Tribünen für bis zu 65.000 Besucher errichtet werden, denn man beabsichtigte, das Flughafengelände u.a. für spektakuläre Flugschauen zu nutzen. Die Dachtribünen wurden jedoch nie fertig gestellt. Die Nationalsozialisten nutzen das Flugfeld jedoch schon für ihre Zwecke. Zwei Millionen Menschen versammelten sich am 1. Mai 1934 beim Festakt der NSDAP auf dem Flugfeld Tempelhof. Hinsichtlich der Erschließung und inneren Organisation sollte der Flughafen Berlin-Tempelhof der modernste in ganz Europa werden. Vom Tempelhofer Damm und vom Columbiadamm führen Zufahrtstraßen und Rampen zu den abgesenkten Wirtschaftshöfen beiderseits der Empfangshalle. Der Flughafen besaß einen Eisenbahnanschluss. Das Gleis zweigt von der Ringbahn ab und führt durch einen Tunnel unmittelbar bis zur Frachtebene unter der Empfangshalle. Durch Treppen und Rampen sind die unterschiedlichen Ebenen mit dem Flugsteig verbunden. Die Architektur des Flughafens Tempelhof vereint zwei architektonische Strömungen der 1930er Jahre: Die zur Stadt ausgerichtete Seite ist eher traditionalistisch und repräsentativ gestaltet. Hier bediente sich Ernst Sagebiel eines sachlich vereinfachten Klassizismus mit scharfkantigen Linien und glatten, ornamentlosen Wandflächen. Einen anderen Eindruck erSpeer - Plan

Überlagerung Karte 1888 mit dem Flughafen 1939, Quelle: TOPOS (2007)

Überlagerung des geplanten und des alten Flughafens, Modellfoto, Stand 1936

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Situation und Planungsvorgaben

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weckt die zum Flugfeld gerichtete Seite. Hier ist eine der eindrucksvollsten zeitgenössischen Ingenieurkonstruktionen verwirklicht worden. 1937 wurde der Rohbau des neuen Flughafengebäudes fertiggestellt und ein Richtfest veranstaltet. Das Bauende des neuen Flughafens und der Abriss des alten Flughafens waren auf 1939 angesetzt. Das Stahlbetonskelett wurde mit einer Fassade aus Natursteinplatten verkleidet. Das Adlermotiv diente als Fassadenschmuck. Vom Vorplatz mit einem Durchmesser von 250 Metern sollte man als Fluggast in den rechteckigen Ehrenhof, von dort aus in die Empfangshalle, Abfertigungshalle und zum überdachten Flugsteig gelangen. Die Abfertigung von Passagieren, Gepäck und Post war auf verschiedenen Ebenen geplant. Im Keller gäbe es Tunnelsysteme und Luftschutzräume. Die Treppentürme waren nicht nur für die Erschließung der Büroräume angedacht, sondern auch für die der Tribünen auf dem Dach. Hier sollten bis zu 100.000 Zuschauern die Flugschauen und Paraden der Luftwaffe beobachten können. Die Dachtribünen sollten sich in Form des geplanten Oval als abgetreppte Wälle fortsetzen, die ebenfalls als Zuschauertribünen für Großveranstaltungen dienen sollten Der Zweite Weltkrieg verzögerte die Fertigstellung des „Weltflughafens Tempelhof“. Die Bauarbeiten wurden endgültig 1943 eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt war der Innenausbau so gut wie abgeschlossen, der runde Vorplatz war zur Hälfte mit den gebogenen Bauten umgeben. Die westliche Fortsetzung davon wurde nicht mehr begonnen. Ebenso konnten die Zuschauertribünen sowie die von Sagebiel geplante Start- und Landebahn nicht realisiert werden. Trotzdem entstand die heute noch prägende Form des ovalen Flugfeldes mit den raumbegrenzenden Großbauten. Anzumerken ist, dass der Flughafen Tempelhof von den Nationalsozialisten selbst nur als Übergangslösung gedacht war, Planungen für eine größeren Flughafen südlich Berlins lagen bereits vor. Dem Pharus-Plan von 1944 ist die Erweiterung des Flughafengeländes in der zweiten Hälfte der 30er Jahre von 100 auf 400 Hektar zu erkennen. Die südliche Verbindungsstraße in Fortsetzung der Thomasstraße zum Bahnhof Tempelhof sowie die südlich angrenzenden Kleingartenanlagen sind verschwunden. Anstelle der Sportanlagen und Laubenkolonie am Tempelhofer Damm wurde das Flughafengebäude errichtet. Die Verbindungsstraße vom alten Flughafengebäude zum Tempelhofer Damm wurde gekappt und der Volkspark südlich des Columbiadamms mit Rodelbahn und Freilichtbühne der Flughaferweiterung geopfert. Einzig die Friedhöfe am Columbiadamm konnten sich behaupten. Der Flugverkehr blieb bis Kriegsende auf dem alten Flughafen in Betrieb, schrumpfte aber auf ein Minimum. Während des Krieges wurde die Produktion von Kampfflugzeugen in die neuen unterirdischen Flughafenanlagen verlagert, die Verwaltungsbauten wurden militärisch genutzt. Der alte Flughafen wurde durch Bombenangriffe im Gegensatz zum neuen Flughafen weitgehend zerstört, nur wenige Gebäudeteile des neuen Flughafens wurden stark beschädigt. Zunächst übernahmen 1945 sowjetische Truppen das Flughafengelände, mit der Aufteilung Berlins in Sektoren durch die Alliierten wurde das Gebiet von den Amerikanern besetzt. Diese beseitigten die Kriegsschäden und nutzten den Flughafen vorerst militärisch.
Pharus-Plan 1944, ohne Darstellung des Flughafens Tempelhof Flughafengebäude mit Platz der Luftbrücke (Planung)

Flughafenplanung mit axialer Ausrichtung auf das Kreuzbergdenkmal (Überlagerung mit dem alten Flughafen)

Modellfoto (Blick aus Richtung Kreuzberg-Denkmal)

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Situation und Planungsvorgaben

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Blockade und Luftbrücke 1945 bis 1949 Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde Deutschland durch die Alliierten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Berlin, das als Vier-Sektoren-Stadt einen Sonderstatus hatte, lag mitten in der sowjetischen Besatzungszone und galt nach sowjetischer Auffassung als Bestandteil ihrer Besatzungszone. Im November 1945 wurden drei Luftkorridore vereinbart worden, die weitgehend reibungslos funktionierten: je einer von Hamburg, Hannover und Frankfurt am Main nach Berlin. Am 24. Juni 1948, dem Tag der Währungsreform in den Westsektoren Berlins, kam es zur Blockade der Wasser- und Landwege des westlichen Berlins durch die sowjetische Besatzungsmacht. Diese wollte so die Güterund Personentransporte kontrollieren und die West-Alliierten (Frankreich, Großbritannien, USA) zum Abzug zwingen, um die Bildung eines westlich orientierten Staates zu verhindern. Die West-Sektoren Berlins waren damit von jeglicher Versorgung aus den damaligen Westzonen Deutschlands abgeschnitten. Die Westalliierten reagierten ab dem 26. Juni 1948 mit der Luftbrücke nach Berlin. Die Berliner wurden über die Luftbrücke mit Lebensmitteln, Medikamenten, Kohle, Zeitungen und Rohstoffen versorgt. Im kurzen Abstand landeten die Transportflugzeuge der West-Alliierten, auch Rosinenbomber genannt, in Tempelhof. Zwei 1.600 m lange Start- und Landebahnen wurden betoniert, der zivile Luftverkehr unterbrochen. Auch die Flughäfen Gatow und Tegel wurden in die Luftbrücke einbezogen. In Tegel wurde eine neue Landebahn angelegt, mit 2.400 Metern die längste Europas und gleichzeitig die Basis für den späteren Verkehrsflughafen. Während der Luftbrücke wurden in über 277.000 Flügen etwa 2,3 Millionen Tonnen Versorgungsgüter nach Berlin gebracht, ein Großteil davon über den Flughafen Tempelhof. Die West-Berliner Bevölkerung empfing die Rosinenbomber mit Begeisterung, der Flughafen Tempelhof wird in der westlichen Welt zum Symbol der Freiheit, es entsteht der Mythos der Berliner Luftbrücke. Im Mai 1949 wurde die Blockade von der Sowjetunion beendet, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland trat am 24. Mai 1949 in Kraft. Die Luftbrücke blieb allerdings bis Oktober 1949 bestehen, um die Unabhängigkeit weiterhin zu sichern. Der Flughafen Tempelhof wird seit dieser Zeit, zumindest in West-Berlin, mit dem Widerstandswillen der West-Berliner Bevölkerung und der Unterstützung durch die Westalliierten in Verbindung gebracht. Der Vorplatz am Tempelhofer Damm wurde zum Platz der Luftbrücke unbenannt, das dort 1951 errichtete Denkmal, die sog. „Hungerharke“, erinnert noch heute an das Ereignis. Jährlich wird dort am 12. Mai mit einer Feier an die Berliner Luftbrücke erinnert. Die Blockade war ein erster Höhepunkt des Kalten Krieges. Das Verhalten der Sowjetunion verstärkte im Westen den Kampf gegen den Kommunismus. Das Erscheinungsbild der Westmächte erfuhr in der westdeutschen Gesellschaft durch die Luftbrücke einen entscheidenden Wandel von Besatzungsmächten zu populären Schutzmächten. Die Aktion der Luftbrücke wurde so zum Wendepunkt der Beziehungen zwischen den besiegten (West-)Deutschen und den Westalliierten.
Landeanflug eines Rosinenbombers des Typs Douglas C-54 Skymaster in Tempelhof Luftkorridore

Bau der südlichen Start- und Landebahn

Luftbrückendenkmal

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Situation und Planungsvorgaben

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Entwicklung seit 1950 1950 wurde ein Teil des Flughafens für die zivile Luftfahrt wieder freigegeben und von der US-Air Force an die BFG übergeben. Dafür errichtete man, da die zentrale Abfertigungshalle beschädigt war, eine neue kleinere Abfertigungshalle an der gebogenen Hallenfront. Sie wurde 1951 eröffnet. Die Gebäudeteile waren bald mit der steigenden Passagierzahl überlastet. Der Mauerbau 1961 zementierte die Teilung Berlins. Im gleichen Jahr wird mit „eins zwei drei“ von Billy Wilder der wohl berühmteste Film gedreht, für den der Flughafen Tempelhof die Kulisse bildet. Der Flughafen Tempelhof war das Eingangstor für Politiker, Film- und Rockstars wie die Rolling Stones, die hier 1965 vor ihrem legendären Konzert in der Berliner Waldbühne landeten. Die Erreichbarkeit West-Berlins auf dem Landweg über die wenigen Transitstrecken war nach wie vor erheblichen Behinderungen unterworfen. Ein Reise von der Bundesrepublik durch die am 7. Oktober 1949 gegründete Deutsche Demokratische Republik (DDR) nach West-Berlin war mit umfangreichen Kontrollen verbunden und zeitlich kaum kalkulierbar. Vielen erschien die Reise per Auto oder mit der Bahn als unbequem und risikoreich. Bis zur Einrichtung des Transitverkehrs durch die DDR bot der Flugverkehr die einzig sichere Verbindung zwischen West-Berlin und der BRD. Den West-Berlinern galt der Flughafen in diesen Jahren als „Tor zur Welt“. Durch die rasch ansteigenden Fluggastzahlen stieß der Flughafen BerlinTempelhof in den 1960er Jahren an seine Kapazitätsgrenzen. Der Flughafen Tempelhof wurde weiter saniert und ausgebaut. 1962 konnte die große Abfertigungshalle nach einigen Umbauten in Betrieb genommen werden. Schon vor den neuen Abfertigungsanlagen wurden zwei der drei Landebahnen auf rd. 2.100 m verlängert (die mittlere wurde 1957/1958 entfernt). Weil das Flugfeld für die neu entwickelten Düsenmaschinen ungeeignet war, entschied man sich, Tegel zum internationalen Flughafen auszubauen. 1975 wurde der Flughafen Berlin-Tempelhof für den zivilen Flugverkehr geschlossen, allerdings blieb er Militärflughafen der US Air Force, die bis 1993 auf dem Gelände stationiert war. 1982 wurde in Tempelhof der nationale zivile Flugverkehr mit kleinen Flugzeugen, vor allem für Geschäftsreisen, wieder aufgenommen. Zur 750Jahrfeier Berlins im Jahr 1987 lockte am 8. August ein spektakuläres Feuerwerk über eine Millionen Menschen auf das Gelände des Flughafens Tempelhof. Nach der Wiedervereinigung 1990 kam es zu einer Neubelebung des innenstadtnahen Flughafens. 1992 übergaben die Amerikaner den Flughafen der Berliner Flughafengesellschaft (BFG) und zogen 1993 ab. Seitdem stehen viele Gebäudeflächen leer. Der Flughafen Tempelhof war nicht mehr ausgelastet. Zudem wurde die Bahn schneller und kostengünstiger. Die Nutzung des Flughafens mit Kurz- und Mittelstreckenflügen durch diverse Fluggesellschaften brachte nur einen kleinen Aufschwung. Die Bundesländer Berlin, Brandenburg und der Bund (Bundesrepublik Deutschland) legten 1996 im sog. „Konsensbeschluss“ fest, den südlich an der Stadtgrenze gelegenen Flughafen Schönefeld als Single-Airport BBI
Rolling Stones 1965

Tag der offenen Tür 1979

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Situation und Planungsvorgaben

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auszubauen, da das System aus drei Flughäfen in der Stadt unwirtschaftlich ist. Die innerstädtische Belästigung durch Fluglärm wird zudem reduziert. Die Inbetriebnahme des BBI ist nunmehr für Herbst 2011 geplant. Mit einem Volksentscheid wollte die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ICAT) im Frühjahr 2008 eine Offenhaltung des innerstädtischen Flughafens Tempelhof erreichen. Eine Vorlage ist beim Volksentscheid angenommen, wenn sie eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen bekommt, die mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Das Plebiszit ist für den Berliner Senat juristisch nicht bindend. Da weniger als 25 % der wahlberechtigten Bevölkerung Berlins ihre Stimme zum Volksentscheid am 27.04.2008 abgaben, scheiterte der Volksentscheid. Deutlich wurde bei der Abstimmung, dass die Zustimmung für einen Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof im Ostteil der Stadt deutlich geringer ausfiel als im Westteil. Der Flughafen Tempelhof wird wie vorgesehen zum 31. Oktober 2008 endgültig für den Flugverkehr geschlossen.

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Situation und Planungsvorgaben

64

3.4
3.4.1

Wettbewerbsgebiet / übergeordnete Aspekte
Eigentumsverhältnisse

Das Flughafengelände befindet sich im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Berlin. Die im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland befindlichen Grundstücke sollen vollständig an das Land Berlin übertragen werden, ebenso das Flughafengebäude. Nördlich des Columbiadamms befindet sich der Polizeistandort an der Jüteboger Straße und der Grundstücksstreifen am nördlichen Rand des TiP-Geländes im Eigentum des Landes Berlin. Der unbefestigte Abschnitt der Lilienthalstraße zwischen Züllichauer Straße und Columbiadamm befindet sich ebenso im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland wie der an die Lilienthalstraße westlich angrenzende Block mit dem Regenrückhaltebecken, dem Sportplatz und den Kleingärten. Das TiB-Sportgelände am Columbiadamm gehört dem gleichnamigen Verein, der muslimische Friedhof befindet sich im Besitz der Türkei.
Eigentumsverhältnisse im Wettbewerbsgebiet

1

3

4 2 5

6 7 11

Land Berlin Bund Sonstige

8 9

10

Quelle: SenStadt, Liegenschaftsämter der Bezirke

3.4.2

Verkehr / Erschließung / Lärm

ÖPNV-Erschließung • S- und U-Bahn Im Wettbewerbsgebiet selbst befinden sich keine S- oder U-Bahnstationen. Die U-Bahnlinie 7 verkehrt nördlich des Flughafengeländes entlang des Straßenzuges Gneisenaustraße – Hasenheide. Die Bahnhöfe Südstern und Gneisenaustraße liegen rd. 750 m bis 850 m vom Columbiadamm entfernt. Die U-Bahnlinie 6 verläuft westlich des Gebietes entlang des Tempelhofer Damms. Die nächste Station befindet sich am Platz der Luftbrücke. Die U-Bahnlinie 8 verläuft entlang der Hermannstraße in einem Abstand von rd. 550 m östlich des Wettbewerbsgebietes. Von Bedeutung für das Gebiet ist hier vor allem der U-Bahnhof Boddinstraße.

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Situation und Planungsvorgaben

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ÖPNV-Erschließung

Quelle: BVG 2008

• Bus Von besonderer Bedeutung für das Plangebiet ist die auf dem Columbiadamm verkehrende Buslinie 104. Eine Erschließungsfunktion übernimmt auch die Buslinie 248, die vom U-Bahnhof Gneisenaustraße kommend über die Friesenstraße zum U-Bahnhof Platz der Luftbrücke und weiter zum ca. 1,8 km von hier entfernten S-, Regional- und Fernbahnhof Südkreuz verkehrt. Kfz-Erschließung Das Wettbewerbsgebiet ist über den Columbiadamm an das übergeordnete Hauptverkehrsstraßennetz und über die Anschlussstellen Tempelhofer Damm und Oberlandstraße im Süden an die BAB 100 angebunden. Im Mai 2008 wurde der Autobahnring (A 100) über die A 113 (neu) direkt an die Autobahn Richtung Dresden und somit auch an den im Bau befindlichen Flughafen BBI (Berlin-Brandenburg-International) angeschlossen. Nördlich und westlich verlaufen mit dem Columbiadamm und dem Tempelhofer Damm leistungsfähige mehrstreifige Straßen, über die man zügig die zentralen Bereiche der Stadt erreicht. Nördlich und östlich des Gebietes verlaufen direkt angrenzend weniger leistungsfähige Wohngebietsstraßen. Der Straßenzug Lilienthalstraße – Züllichauer Straße – Golßener Straße wird als „Schleichweg“ zwischen Columbiadamm und Südstern benutzt und verfügt durchgängig über einen Kopfsteinpflasterbelag. Die Verbindung der Lilienthalstraße zwischen Züllichauer Straße und Columbiadamm ist dagegen nur provisorisch befestigt und gegenwärtig nicht durchgängig befahrbar. Das Wettbewerbsgebiet befindet sich ferner in der seit dem 1. Januar 2008 geltenden Umweltzone Berlin, die die gesamte Berliner Innenstadt innerhalb des S-Bahnringes umfasst und bis zur S-Bahntrasse an der südlichen Peripherie des Flughafengeländes reicht. Die Umweltzone ist ein Gebiet, in dem nur Fahrzeuge fahren dürfen, die festgelegte Abgasstandards einhalten.

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Situation und Planungsvorgaben

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Die innere Erschließung des Flughafengeländes besteht in der Hauptsache aus den beiden 2,2 km bzw. 2,1 km langen und ca. 40 m breiten Start- und Landebahnen sowie einem kreisförmigen System von so genannten Taxiways, die die beiden Start- und Landebahnen auf der Ost- und Westseite anbinden. Das Wettbewerbsgebiet grenzt mit dem Teilgebiet 6 im Süden an den nördlichen Taxiway. Dieses vorhandene innere Erschließungssystem soll auch in Zukunft Erschließungsfunktionen übernehmen (Parkring). Verkehrs- und Lärmbelastung Mit der Verkehrserhebung von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aus dem Jahr 2005 wurden für den Columbiadamm auf dem Straßenabschnitt westlich der Golßener Straße eine durchschnittliche Verkehrsbelastung (werktags) von 33.400 Kfz/24h und von 23.600 Kfz/24 h östlich der Golßener Straße ermittelt. Es wurde eingeschätzt, dass der Columbiadamm aufgrund der vorhandenen Verkehrsräume noch über Kapazitätsreserven verfügt. Die Verkehrsbelastung auf dem Tempelhofer Damm und der Hermannstraße liegt mit 50.000-60.000 bzw. 40.000-50.000 Kfz/24 h (werktags) deutlich über der des Columbiadamms. Nach der Strategischen Lärmkarte 07.05.01 des Berliner Umweltatlasses werden entlang des Columbiadamms in einem ca. 20 m tiefen Streifen Pegelwerte von 60 – 65 dB(A) erreicht. In einem dahinter liegenden ca. 100 m tiefen Streifen liegen die Pegelwerte noch in einem Bereich von 55 – 60 dB(A), womit der Orientierungswert für Grün- und Freiflächen von 55 dB(A) gemäß DIN 18005 überschritten wird. Für Wohngebiete liegt der Orientierungswert der DIN 18005 zwischen 50 – 55 dB(A) am Tag und 40/35 – 45/40 dB(A) in der Nacht (Werte für Reine und Allgemeine Wohngebiete nach Baunutzungsverordnung – BauNVO). Es handelt sich nicht um Grenzwerte. Sie sind als sachverständige Konkretisierung der Anforderung an den Schallschutz im Städtebau aufzufassen. Ihre Einhaltung oder Unterschreitung ist anzustreben.
Lärmbelastung

Grenze des derzeit abgezäunten Flugfeldes Quelle: TOPOS + Ökologie & Planung (2007)

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Situation und Planungsvorgaben

67

3.5
3.5.1

Städtebauliche Planungsgrundlagen
Flächennutzungsplanung

Vorbemerkungen Der Flächennutzungsplan (FNP) ist der gesamtstädtische vorbereitende Bauleitplan, in dem die Kommune die beabsichtigte städtebauliche Entwicklung und die sich daraus ergebende Art der Bodennutzung in ihren Grundzügen darstellt. Er ist die integrale, strategische Grundlage für Nutzungsentscheidungen und die räumliche Investitionssteuerung. Der FNP ist für die Kommune und die bei seiner Aufstellung beteiligten öffentlichen Planungsträger bindend. Er ist die planerische Grundlage für die Entwicklung der verbindlichen Bauleitplanung. Er ist gegenüber Bürgerinnen und Bürgern nicht direkt bindend, verdeutlicht jedoch der Öffentlichkeit die strukturellen, gesamtstädtischen Planungsziele der Kommune. Der Berliner FNP ist vom Senat beschlossen und hat die Zustimmung des Abgeordnetenhauses. Der Flächennutzungsplan wird für den Bereich des Tempelhofer Feldes zurzeit überarbeitet. Der Einleitungsbeschluss des FNP wurde am 21.04.2008 bekannt gemacht. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit findet in der Zeit vom 1.09. bis 6.10.2008 statt. Der weitere Verfahrensschritt ist die Öffentliche Auslegung. Danach wird die Änderung mit einem Bericht über die Beteiligung und das Abwägungsergebnis Senat und Abgeordnetenhaus vorgelegt. Die Änderungsmappe ist dem Anhang 4.9 zu entnehmen: Entwurf zur FNP-Änderung Schon seit 1994 bildet der Berliner Flächennutzungsplan das Ziel der Schließung des Flughafens Tempelhof durch die Darstellung von Bauund Grünflächen ab. Die Änderung des Flächennutzungsplans parallel zur Vertiefung der Planungskonzeption durch Wettbewerbe und andere Planungsinstrumente bildet die stadtplanerische Grundlage für eine schrittweise Entwicklung des Areals in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Im Kern der Darstellung liegt die zentrale Grünfläche der Parklandschaft Tempelhof und deren Anbindung an die umgebenden Stadtquartiere. Im Bereich des denkmalgeschützten Flughafenensembles am Platz der Luftbrücke, entlang des Tempelhofer Dammes und nördlich des S-BahnRinges wird gemischte Baufläche (M2) dargestellt. Damit bieten sich breite Entwicklungsmöglichkeiten für unterschiedliche Nutzungen. Die Symbole für übergeordnete Gemeinbedarfsnutzungen werden generalisiert dargestellt. Mit der Arrondierung des Stadtquartiers Neukölln soll der Bereich Oderstraße / Schillerpromenade aufgewertet werden. Die Wohnbaufläche (W2) wird hier bis zum vorhandenen Kontrollweg zurückgenommen und stattdessen das Stadtgefüge am Columbiadamm ergänzt und als Wohnbaufläche (W3) dargestellt. Die künftige Darstellung der Bauflächen orientiert sich an einer Zuordnung zu den bestehenden bebauten Gebieten und der Nutzung der vorhandenen Erschließungen durch Straßen und den Schienen gebundenen Nahverkehr.

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Situation und Planungsvorgaben

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Entwurf zur FNP-Änderung

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Legende siehe Anhang 4.9)

Unterschiedliche Auffassungen gibt es hinsichtlich der zukünftigen Flächennutzung im Wettbewerbsgebiet. Dies betrifft insbesondere die Darstellungen für das Teilgebiet ColumbiaQuartier (Teilgebiet 6). Der Entwurf des Flächennutzungsplans stellt hier Wohnbaufläche W3, die informelle bezirkliche Bereichsentwicklungsplanung (siehe nachfolgendes Kapitel) dagegen Freiflächennutzungen dar. Es wird vermutet, dass eine Bebauung im Bereich des Columbia-Quartiers die Kaltluftströme vom Tempelhofer Feld nach Norden beeinträchtigen werde. Deswegen wird zurzeit eine klimatologische Untersuchung über die Auswirkungen verschiedener Szenarien auf das Stadtklima erarbeitet. Das Ergebnis wird zur zweiten Stufe des Wettbewerbs vorliegen. 3.5.2 Räumliche Bereichsentwicklungsplanung

Die Bereichsentwicklungsplanung (BEP) stellt eine informelle Planung dar, die die Lücke zwischen der gesamtstädtischen (Flächennutzungsplanung) und der örtlichen Planung (Bebauungsplanung) ausfüllt. Darin treffen die Bezirke für ihr gesamtes Gebiet oder für ausgewählte Bereiche Aussagen zur angestrebten Grundstücksnutzung, in der Regel verbunden mit der Festlegung von Prioritäten für Planungen und Maßnahmen. Damit ist die behördenverbindliche Bereichsentwicklungsplanung nicht nur ein Instrument der vorausschauenden Nutzungsplanung, sondern zugleich ein Koordinationsinstrument zur Abstimmung der verschiedenen Fachplanungen.

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Situation und Planungsvorgaben

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BEP Innenstadt Berlin, Stand März 2002, teilweise überarbeitet 2005

Quelle: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin (Hrsg.) und eigene Darstellung unter Einbeziehung der BEP Friedrichshain-Kreuzberg, Stand 2005 (Legende siehe Anhang 4.10)

Der Bereichsentwicklungsplan Innenstadt (2002) stellt eine Zusammenschau der bezirklichen Entwicklungsplanungen innerhalb des S-Bahnringes dar.1 Der Flughafengebäudekomplex mit Vorfeld wird übernommen und als Gemeinbedarfsfläche mit der Zweckbestimmung „Verwaltung“ dargestellt. Das Flugfeld ist als öffentliche Grünfläche mit der Zweckbestimmung Grünfläche (Parkanlage) und im Süden westlich des Bereichs des Neuköllner Stadions mit einer weiteren Gemeinbedarfsfläche vorgesehen. Als wichtige überregionale Fußgänger- und Radwegeverbindungen im unmittelbaren Umfeld und auf dem Tempelhofer Feld wird die Oderstraße als Verbindung zwischen Tempelhof über Neukölln zur Hasenheide und Kreuzberg sowie die Thomasstraße als Verbindung zum Richardplatz dargestellt. Eine weitere Verbindung direkt auf das Gelände führt über die Friesenstraße durch den Gebäudekomplex auf das Tempelhofer Feld. Am Südrand des Flugfeldes ist ein in Ost-West-Richtung verlaufender Grünzug dargestellt. In den Erläuterungen zur 2005 beschlossenen BEP Friedrichshain-Kreuzberg wird auf das hohe Defizit an Frei- und Grünflächen hingewiesen, das auch durch die neu geplanten Parks, wie z. B. dem Gleisdreieck nicht wesentlich verringert wird. Darüber hinaus wird eine Freiraumverbindung vom Südstern über die Lilienthalstraße zum Flugfeld dargestellt.
1 Die BEP für den Teilbereich Kreuzberg wurde 2005 von der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg beschlossen. Im Bezirk TempelhofSchöneberg wurden alle BEP´s von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen. Der Bereich des Flughafens Tempelhof wurde jedoch von der Beschlussfassung ausgenommen. Die Darstellungen für das Flughafengelände stellen einen verwaltungsintern abgestimmten Stand dar. Die BEP für den Teilbereich Neukölln wurde noch nicht vom Bezirksparlament beschlossen.

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Situation und Planungsvorgaben

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3.6
3.6.1

Landschaftsplanerische Planungsgrundlagen
Landschaftsprogramm

Das Landschaftsprogramm von 1994 stellt in Karten, Text und Begründung die Erfordernisse und Maßnahmen zur Verwirklichung der Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege in den Grundzügen für das Land Berlin dar. Aufgabe des Landschaftsprogramms innerhalb des Planungssystems Berlins ist, die in § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes formulierten allgemeinen Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu konkretisieren und die zu ihrer Umsetzung erforderlichen Maßnahmen festzulegen. Das Landschaftsprogramm (LaPro) wird zusammen mit dem Flächennutzungsplan für den Bereich des Flughafens Tempelhof zur Zeit überarbeitet. Der Einleitungsbeschluss zur Änderung des FNP / LaPro wurde am 21.04.2008 bekannt gemacht. Nachfolgend wird Bezug genommen auf die vier aufeinander abgestimmten Teilpläne des Berliner Landschaftsprogramms (Stand: 04.08.2008, frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und Behörden). Die komplette Änderungsmappe mit den vier Programmplänen und den entsprechenden Legenden ist dem Anhang 4.8 zu entnehmen: Im Programmplan Biotop- und Artenschutz werden die Friedhöfe am Columbiadamm und die zentralen Freiflächen des Flugfeldes als „Artenreservoir / Verbindungsbiotop“ für die vorrangige Entwicklung von Arten der Feldfluren und Wiesen dargestellt. Die Friedhöfe an der Bergmannstraße und die Hasenheide sind als „Artenreservoir / Verbindungsbiotop“ für die vorrangige Entwicklung von Arten Grünlandbiotope gekennzeichnet. Die Friedhöfe an der Bergmannstraße gelten zudem als bedeutendes Einzelbiotop. Die mit einer grünen Linie gekennzeichneten zentrale Freifläche des Flugfeldes wird als landschaftsschutzwürdig ausgewiesen. In der Gesamtstädtische Ausgleichskonzeption (Ergänzung der Programmpläne des Landschaftsprogramms / Artenschutzprogramms) liegt der Flughafen Tempelhof im Ausgleichsraum Innenstadt, der vom Berliner S-Bahn-Ring gebildet wird. Die östlichen Bereiche des Wettbewerbsgebiets (zentrale Freiflächen des Flugfeldes, Friedhöfe am Columbiadamm, Hasenheide) liegen im Vorranggebiet Klimaschutz gemäß dem Programmplan Naturhaushalt / Umweltschutz. Als Entwicklungsziele werden genannt: • Der Erhalt klimatisch wirksamer Freiräume. • Die Sicherung und Verbesserung des Luftaustausches. • Die Vermeidung bzw. der Ausgleich von Bodenversiegelung. Das Wettbewerbsgebiet liegt zudem im Vorranggebiet Luftreinhaltung, das den Innenstadtbereich umfasst. Hier werden folgende Entwicklungsziele benannt: • Emissionsminderung. • Erhalt von Freiflächen / Erhöhung des Vegetationsanteils. • Immissionsschutz empfindlicher Nutzungen. Im Programmplan Erholung und Freiraumnutzung ist das Flugfeld zum Teil verbunden mit dem Volkspark Hasenheide und den östlich angrenzenden Freiflächen als Grünfläche / Parkanlage dargestellt. Die Friedhöfe sollen als ruhiger Erholungsformen entwickelt werden. Für die nach FNP
Beabsichtigte Änderung des Programmplans Naturhaushalt / Umweltschutz

Beabsichtigte Änderung des Programmplans Biotop- und Artenschutz

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Situation und Planungsvorgaben

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geplanten Baugebiete wir in bezug auf Wohnquartiere u.a. die Anbindung / Verknüpfung mit übergeordneten Grünzügen und die Anlage nutzbarer privater und halböffentlicher Freiräume gefordert. Die nördlich und östlich angrenzenden Wohnquartiere sind der höchsten Dringlichkeitsstufe zur Verbesserung der Freiraumversorgung zugeordnet. Hier sollen umfangreiche Sofortmaßnahmen für öffentliche, halböffentliche und privaten Freiräume ergriffen werden. Dazu zählen u.a. die Erhöhung der Nutzungsmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität sowie die Erschließung vorhandener Freiflächen und Blockkonzepte. Im Programmplan Landschaftsbild ist das Wettbewerbsgebiet als städtischer Übergangsbereich mit Mischnutzungen dargestellt. Als Ziele und Maßnahmen werden u.a. die Einbeziehung in den Volkspark-, Kleingartenund Friedhofringes als Element der Stadtstruktur und Ergänzung durch neue Parkanlagen genannt. Als Maßnahmenschwerpunkte werden für die große Freifläche des Flugfeldes der Erhalt und die Entwicklung typischer Elemente des Landschaftsbildes und die Beseitigung von Landschaftsbildschäden genannt. Der Platz der Luftbrücke gilt als Stadtplatz mit übergeordneter Bedeutung für die Stadtgliederung. Der Südstern soll als Stadtplatz aufgewertet werden. Die nördlich und östlich angrenzenden Friedhöfe sowie der Volkspark Hasenheide werden im Zusammenhang mit übergeordneten Strukturelemente als landschafts- oder siedlungsraumtypische Grün- und Freiflächen / Vegetationsbestände dargestellt. Für die kultur- und naturlandschaftlich geprägten Strukturelemente werden auf der großen Freifläche Wiese, Weide und Grünlandbrache benannt. Das Flugfeld Tempelhof vermittelt ein in dieser innerstädtischen Lage einzigartiges Erlebnis von Weite und Raumtiefe. Dieser Raumeindruck ist heute insbesondere aus südlicher Richtung (S-Bahnring / Autobahn), von der östlich angrenzenden Oderstraße und partiell vom Columbiadamm aus wahrnehmbar. Dem Betrachter eröffnet sich vom Tempelhofer Flugfeld aus ein beeindruckender Panoramablick in alle Richtungen. Aus der näheren Berliner Stadtsilhouette ragen markante Gebäude und weithin sichtbare Anlagen, wie z. B. Kirchtürme heraus wie z.B.: • Die Kirche am Südstern und die St.-Johannes-Basilika in der Lilienthal straße • Der Radarturm und die diversen Einrichtungen der Flugsicherheit • Der Wasserturm an der Fidicinstraße • Die Sehitlik-Moschee mit ihrer Kuppel und ihren 34 m hohen Minaretten am Columbiadamm • Das Ullsteinhaus am Tempelhofer Damm / Ecke Ullsteinstraße in Tempelhof • Der Gasometer an der Torgauer Straße in Schöneberg • Der Fernsehturm am Alexanderplatz

Beabsichtigte Änderung des Programmplans Erholung und Freiraumnutzung

Beabsichtigte Änderung des Programmplans Landschaftsbild

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Situation und Planungsvorgaben

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3.6.2

Topographie, Boden, Altlasten

Das Gebiet befindet sich im nördlichen Randbereich der Teltow-Hochfläche, im Übergangsbereich zum Urstromtal der Spree und liegt 7-10 Meter höher als die nördlich / angrenzende Stadtlandschaft. Zu den Straßen Columbiadamm und Tempelhofer Damm fällt das Gelände um ca. 1,5 bis 2,0 Meter ab. Auch am östlichen Rand des Flugfeldes entlang der Oderstraße ist ein markanter Geländesprung festzustellen, der durch aus der abgesenkten Lage der dort ehemals vorhandenen Sportflächen resultiert. Die Böden des Tempelhofer Feldes sind nutzungsbedingt anthropogen überformt. Es dominieren Böden, die sich aus kalkhaltigen Schuttauffüllungen und Überschüttungen entwickelt haben (Pararendzinen) bzw. solche aus sandigen, kalkfreien Aufschüttungen (Regosole). Im Bereich des ehemaligen Flughafens lassen sich Rohböden über versiegelten und teilversiegelten Flächen (Ranker) als am stärksten anthropogen beeinflusst einstufen. Zwischen den Start- und Landebahnen finden sich relativ „naturnahe“, d.h. weniger überformte Böden (Parabraunerden). Als typisch für die Böden des Flughafens Tempelhof wird der hohe bis mäßig hohe Verdichtungsgrad genannt. Nahezu alle Bodeneinheiten sind mit Bauschutt durchsetzt. Altlasten Bezüglich der Altlasten liegt erste Einschätzung des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg vor, die jedoch nicht auf einer flächendeckenden Untersuchung basiert. Die gesamte Fläche des Flughafens ist jedoch als Altlastenverdachtsfläche aufgrund von Aufschüttungen und Verfüllungen im Kataster aufgenommen worden. Zu den konkreten Altlastenverdachtsflächen im Wettbewerbsgebiet zählen das Heizkraftwerk mit unterirdischem Tanklager, die Betriebstankstelle am Columbiadamm und die Flugzeugaufstellfläche vor dem Hauptgebäude mit den östlich angrenzenden Flächen. Ob für alle Flächen Handlungsbedarf besteht, wird noch geprüft. Im Umfeld des alten Flughafens (südlich des Wettbewerbsgebietes) wurde 2003 ein Grundwasserschaden (Benzol) nachgewiesen. Zur Eingrenzung des Grundwasserschadens laufen derzeit Detailuntersuchungen (Messrohre im Bereich des nordöstlichen Teils des alten Flughafens). Die Grundwassermessrohre werden voraussichtlich noch einige Jahre am Standort verbleiben und müssen nach Auskunft des Umweltamtes Tempelhof-Schöneberg gegen Beschädigung und unsachgemäße Benutzung gesichert werden. Andere Boden- und Grundwasserverunreinigungen wurden durch verschiedene Maßnahmen behoben bzw. entsorgt. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass aufgrund der vielfältigen Nutzung als Militärflughafen noch Tankbehälter und –leitungen sowie Kriegsgerät oder Munition zu finden sind. Bei Pflanzmaßnahmen können aufgrund des stark überformten und stellenweise verdichteten Bodens intensive bodenverbessernde Maßnahmen erforderlich werden. 3.6.3 Grundwasser
Ausschnitt aus Umweltatlaskarte 01.01 „Bodengesellschaften, siehe acuh WebLink im Anhang“

Der Grundwasserflurabstand beträgt 10-20 Meter, in kleineren Bereichen nördlich und östlich sogar 20-40 Meter. Die Verschmutzungsempfindlichkeit wird im Umweltatlas als mittel eingestuft, d.h. das Grundwasser ist gegenüber Schadstoffeinträgen relativ geschützt. Die Versickerungsfähigkeit des Untergrundes ist sehr gering.

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Situation und Planungsvorgaben

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3.6.4

Klima, Luft

Die Freiflächen des Tempelhofer Flughafens werden im Umweltatlas als Kaltluftentstehungsgebiet mit einem hohen Potenzial eingestuft. Sie haben eine Ausgleichsfunktion für die klimatisch stärker belasteten und dicht bebauten Siedlungsräume aufgrund der zentralen Lage im Innenstadtbereich, der Ausdehnung und der fehlenden Bau- und Vegetationsstruktur. Der Luftaustausch mit den Randgebieten, d.h. das Eindringen kühlerer Luftmassen in die bebauten Quartiere, ist dabei abhängig von der Geschlossenheit der Randbebauung. Die unversiegelten Bereiche des Flughafens bilden mit den umliegenden Grünflächen im Norden (Friedhöfe, Sommerbad und Volkspark Hasenheide) und Osten (Friedhöfe und Sportpark Neukölln) eine zusammengehörige Einheit (Vorranggebiet Klimaschutz gemäß Landschaftsprogramm). Aus diesem größeren Gefüge ergibt sich ein besonders hoher stadtklimatischer Einfluss und eine sehr hohe Empfindlichkeit gegenüber Nutzungsintensivierung. Das Gelände wirkt als eine Kälteinsel, wie auch der Volkspark Hasenheide, gegenüber den überwärmten Bereichen Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln. Tagsüber kommt es zu einer relativ starken Erwärmung und nachts zu einer erheblichen Abkühlung mit Temperaturen wie im Berliner Umland, was auch den bereits genannten intensiven Luftaustausch zur Folge hat. Die hohe Tagesamplitude verringert sich in Richtung der dichten Bebauung.
Kälteinsel - Oberflächentemperaturen in der Nacht

Quelle: Umweltatlas Berlin (Karte 04.06.1, siehe acuh WebLink im Anhang)

In der nachfolgenden Umweltatlaskarte 04.11.2 „Planungshinweise Stadtklima“ wird die sehr hohe stadtklimatische Bedeutung des Tempelhofer Flugfeldes im Zusammenspiel mit den nördlich angrenzenden Parkanlagen (Hasenheide), Friedhöfen und sonstigen Freiflächen (Columbiabad, Kleingartenanlagen) für die angrenzenden Stadtquartiere verdeutlicht. Im Einwirkungsbereich des Kaltluftentstehungsgebiets auf dem Tempelhofer Flugfeld befinden sich vor allem die nördlich angrenzenden Wohngebiete des Bergmannkiezes, die zudem noch positiv von den östlich angrenzenden Friedhöfen beeinflusst werden. Austauschbarrieren und eine weitere Verdichtung sollten hier vermieden werden. Demgegenüber zählt das östlich angrenzende Schillerquartier zu den

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Situation und Planungsvorgaben

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Siedlungsräumen mit geringer bis mäßiger bioklimatischer Belastung. Hier wird die Verbesserung der Durchlüftung, die Erhöhung des Vegetationsflächenanteils und der Erhalt aller Freiflächen empfohlen.
Planungshinweise Stadtklima

Quelle: Umweltatlas Berlin (Karte 04.11.2, siehe acuh WebLink im Anhang)

Im Zusammenhang mit dem o.g. FNP-Änderungsverfahren wurde ein klimatisches Gutachten beauftragt, dass u.a. die Auswirkungen einer Bebauung am Rand des Flugfeldes im Hinblick auf die klimatische Bedeutung des Kaltluftentstehungsgebiets für die angrenzenden Stadtquartiere aufzeigen soll. Die Ergebnisse werden in die 2. Bearbeitungsstufe des Wettbewerbs eingespeist. 3.6.5 Biotope

Zur Bedeutung des Flugfeldes für den Biotop- und Artenschutz wird auf den Anhang 4.4 verwiesen. Gesetzlich geschützte Biotope wurden im Teilbereich „Columbia-Quartier“ des Wettbewerbsgebiets nicht kartiert. Der nachfolgenden Karte ist zu entnehmen, dass die zum Wettbewerbsgebiet gehörenden Vegetationsflächen am nördlichen Rand des Flugfeldes nur einen geringen Wert aufweisen (Zierrasen und Sportrasen, artenarme Bra-

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Situation und Planungsvorgaben

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chen). Hinzuweisen ist auf den Baumbestand der sog. Picnic-Area südlich des Garnisonfriedhofs. Der weitere Baumbestand im Wettbewerbsgebiet ist dem Luftbild (siehe Kap. 1.9) zu entnehmen, ein Baumbestandsplan liegt nicht vor.
Biotoptypen und Lebensräume

Quelle: TOPOS + Ökologie & Planung (2007), Karte mit Legende im Anhang 4.3

Die südlich an das Wettbewerbsgebiet anschließende Freifläche des Flugfeldes weist allerdings eine hohe Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz auf. Von Bedeutung für die Avifauna (Vogelwelt) ist die südlich an das Wettbewerbsgebiet angrenzende Fläche des alten Flughafens einschließlich eines kleinen zum Wettbewerbsgebiet gehörenden Bereichs westlich der Picnic-Area. Hier brütet z.B. die nach der Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten) besonders geschützte Feldlerche.
Avifauna

Quelle: Seebauer et al. 2005, (besonders wertvolle Lebensräume = dunkelblau)

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Konzepte für den Biotop- und Artenschutz Seebauer et al. (2005) definieren für das Flugfeld Tempelhof in schematischer Darstellung eine rd. 200 ha große Kernzonen für den Biotop- und Artenschutz, in die Schwerpunktareale besonders herausragende Biotopstrukturen und Lebensräume eingebettet sind. Demgegenüber können die artenarmen Zierrasen an den Rändern und die befestigten Erschließungsflächen intensiveren Nutzungen zur Verfügung gestellt werden (siehe auch ausführliche Darstellung im Anhang 4.4).
Kernzonen für den Biotop- und Artenschutz

Quelle: Seebauer et al. 2005

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Situation und Planungsvorgaben

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3.7

Das Wettbewerbsgebiet / Teilgebiete

Der überwiegende Teil des rd. 105 ha großen Wettbewerbsgebietes befindet sich in den Berliner Bezirken Tempelhof-Schöneberg und Neukölln. Zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gehört der Polizeistandort zwischen Jüterboger Straße und Columbiadamm. Die östlich der Lilienthalstraße (und der verlängerten Lilienthalstraße) befindlichen Teile des Wettbewerbsgebiets gehören überwiegend zum Bezirk Neukölln. An der Einmündung der Lilienthal- in die Züllichauer Straße stoßen die Grenzen der drei Berliner Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln aneinander.
Wettbewerbsgebiet mit Teilgebieten und Verflechtungsbereich

Friedrichshain - Kreuzberg

1

3

Neukölln

4 2 5

Tempelhof - Schöneberg

6 7 11

1 2 3 4 5 6

Columbiahalle Gebäude Vorfeld (Columbiadamm) Polizeikaserne Lilienthal-Quartier TIB-Sportgelände Columbia-Quartier 7 8 9 10 11 Friedhof Sommerbad Neukölln Sondernutzung Wasserwerk Jahn-Sporthalle Columbiadamm / Hasenheide 8 9 10

Verflechtungsbereich Bezirksgrenze

Quelle: eigene Darstellung

Die Größe des Wettbewerbsgebietes beträgt rd. 105 ha. Der Kernbereich des Wettbewerbsgebietes mit dem Columbia- und Lilienthal-Quartier nimmt davon rd. 45 % bzw. rd. 48 ha ein. Kernbereich Nr. Gebiet 1 2 3 4 5 Columbiahalle Gebäude-Vorfeld (Columbiadamm) Polizeikaserne Lilienthal-Quartier TiB-Sportgelände m² 40.000 72.000 118.000 89.000 67.000 %-Anteil 4% 7% 11% 8% 6% 89.000 19% m² %-Anteil

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Situation und Planungsvorgaben

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Kernbereich Nr. Gebiet 6 7 8 9 Columbia-Quartier Friedhof Sommerbad Neukölln Wasserbetriebe m² 390.000 107.000 65.000 6.000 43.000 55.000 %-Anteil 37% 10% 6% 1% 4% 5% 100% 479.000 100% m² 390.000 %-Anteil 81%

10 Jahn-Sporthalle 11 Columbiadamm / Hasenheide Wettbewerbsgebiet

Das Wettbewerbsgebiet gliedert sich in elf Teilflächen, zu denen nachfolgend weitere Erläuterungen gegeben werden: 3.7.1 Columbiahalle (1)

Das ca. 4 ha große Teilgebiet grenzt an die Schwiebusser Straße mit Wohnnutzungen im Norden, der Friesenstraße mit dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex der Polizei im Osten und dem Columbiadamm im Süden. Westlich erstreckt sich der zusammenhängende denkmalgeschützte Gebäudekomplex am Platz der Luftbrücke mit dem Hauptzollamt, das eine eigene Zufahrt zwischen Schwiebusser Straße und Columbiadamm mit Stellplätzen aufweist. Eine öffentliche Durchwegung ist an dieser Stelle zurzeit nicht möglich. Der Block wird z.Z. insgesamt nicht standortgerecht genutzt und macht einen ungeordneten Eindruck. Nebeneinander existieren einige KfzReparaturwerkstätten, Kleingärten an der Schwiebusser Straße sowie die städtebaulich prägenden Gebäude der Columbiahalle (Veranstaltungsort für Konzerte etc.), die sich am Columbiadamm befinden. Die amerikanischen Alliierten errichteten 1951 die Columbia-Sporthalle, die seit 1998 als Veranstaltungs- und Konzerthalle genutzt wird. Bei der Eröffnung schloss die Columbiahalle mit ihrer Kapazität von 3.500 bis 4.000 Personen eine Marktlücke. Die Columbiahalle sieht sich nicht ausschließlich als Konzerthalle, sondern als Forum für jede Art von Veranstaltung: Tanzveranstaltungen, Sport-Events, Conventions, Messen, Industrieveranstaltungen und Festivals. Die Columbiahalle gehört zum DenkmalbeKleingewerbe nördlich Columbiahalle

Parkplatz am Hauptzollamt

Eingangsbereich der Columbiahalle

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reich des ehemaligen Columbia-Kinos. Das neben der Columbiahalle befindliche denkmalgeschütze ehemalige Kino „Columbia“ erinnert an die amerikanische Schutzmacht in West-Berlin. Das freistehende Kinogebäude wurde um 1950 für die Angehörigen der US Air Force errichtet, die auf dem Flughafen Tempelhof stationiert waren. Heute wird das Gebäude für kleinere Veranstaltungen genutzt. Die Kleingartenanlage „Columbia“ mit ihren 19 Parzellen zählt gemäß dem Berliner Kleingartenentwicklungsplan zu den nicht gesicherten Anlagen, d. h. es gibt keinen Bestandsschutz. Ein großes ungenutztes Grundstück befindet sich an der Ecke Columbiadamm / Friesenstraße, das zwischenzeitlich als öffentlicher Spielplatz genutzt wurde. Der im Bezirk Tempelhof-Schöneberg liegende Spielplatz wurde zur Deckung der Spielplatzdefizite im Bergmannkiez (Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain) angelegt und konnte nicht längerfristig erhalten werden. Weitere Brachflächen liegen an der Schwiebusser Straße.
Denkmalkarte Landesdenkmalamt Ehemaliges Kino „Columbia“

3.7.2

Gebäude-Vorfeld Columbiadamm (2)

Das ca. 7 ha große Vorfeld des Flughafengebäudes ist räumlich begrenzt durch das Flughafengebäude, welches das Flugfeld wie eine Mauer abgrenzt, und den Columbiadamm, der sich hier auf vier Fahrspuren mit einem breiten Mittelstreifen aufweitet. Das Flughafengebäude steht mit dem Platz der Luftbrücke (Gartendenkmal) und den an den Platz der Luftbrücke grenzenden Gebäuden sowie mit seinem Umfeld (Gebäudevorfeld und Rollfeld) unter Denkmalschutz. Vom Columbiadamm gibt es zwei Zufahrten, die das interne Wegenetz und den großen Parkplatz erschließen. Eine Straße führt unter dem Flughafengebäude hindurch zum Innenhof, der einen Anschluss hat an einen weiteren Tunnel, der unter dem Hauptgebäude hindurchgeführt. In diesem Tunnel werden Gleise geführt, die von der Ringbahn am südlichen Ende des Flugfeldes kommen und bis zum Heizwerk am Columbiadamm führen (Teilbereich 5). Die Gleise werden nicht mehr genutzt. Im Tunnel unter der Haupthalle wurden während des 2. Weltkrieges Flugzeuge montiert. Parallel zum Columbiadamm verläuft eine asphaltierte interne Verbindungsstraße, die von einer Pappelreihe begleitet wird. Der Columbiadamm weist im Abschnitt vor dem Polizeistandort auf der Flughafenseite keinen Gehweg auf. Parallel zum Gebäudekomplex verläuft ein weiterer asphaltierter Weg auf erhöhtem Niveau, der einen boulevardartigen Charakter aufweist. Unter der Geländeaufschüttung befinden sich Garagen (Gebäudeatlas, G 01c). Vor allem von hier aus besteht eine attraktive Blickbeziehung auf das denkmalgeschützte Gebäudeensemble der ehemaligen Kaserne (Teilbereich
Gebäudeatlas, Quelle: mbup, Studio uc, raumlabor, siehe auch Anhang Nr. 4.11 Denkmalkarte Landesdenkmalamt

Bereich zwischen Columbiadamm und Flughafengebäude mit Blick Richtung Heizwerk

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3), die heute vollständig von der Berliner Polizei genutzt wird. Von dem „Boulevard“ werden über Brücken die acht Treppentürme des Flughafengebäudes erschlossen. Die Treppentürme waren nicht nur für die hausinterne Erschließung vorgesehen, sondern auch für die geplanten Tribünen auf dem Dach. Gegenüber der Columbiahalle haben sich mit dem Hangar 2 und weiteren Clubs im westlich angrenzenden Gebäudeteil schon einige Veranstaltungsorte etabliert. Der Hangar 2 mit einer maximalen Kapazität für 5.000 Personen bietet Raum für Musikveranstaltungen, Produktpräsentationen, Messen und Ausstellungen.
Columbiadamm zwischen Golßener Straße und Friesenstraße

Durchfahrt von der rückwärtigen Erschließungsstraße zum Columbiadamm

Rückwärtige Erschließung der nördlichen Hangars mit Garagen

3.7.3

Polizeikaserne (3)

gelb markiert Fläche der Kraftfahrzeugzulassungsstelle

Die Gesamtanlage und die einzelnen Gebäude der ehemaligen Kaserne des Garde-Cürassier-Regiments (südlich der verlängerten Züllichauer Straße) und der Kaserne des Kaiserin-Augusta-Garde-Grenadier-Regiments (nördlich der verlängerte Züllichauer Straße) stehen heute unter Denkmalschutz. Gebaut wurden die Kasernen zwischen 1895-1897 auf einem Pionier- und Übungsplatz vor der Stadt am Rande der großen, weiter südlich anschließenden Exerzierplätze. Umbauten erfolgten 1935 und nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig entstanden eine Sporthalle, das Wachgebäude Golßener Straße 6 und Kraftfahrzeughallen. Nach dem Ersten Weltkrieg diente der Komplex der berittenen Schutzpolizei und nach
Ausschnitt aus Karte Berlin + Charlottenburg 1857

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1935 dem Wachregiment der Luftwaffe. Eine Gedenktafel am Columbiadamm erinnert an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Garde-Cürassier-Regiments. Auf dem rd. 12 ha großen Teilgebiet ist derzeit die für Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln zuständige Polizeidirektion 5 mit rd. 2.000 Mitarbeitern und dem entsprechenden Fuhrpark ansässig. Hinzu kommen weitere Dienststellen, eine Digitalfunkeinrichtung und die Kraftfahrzeugzulassungsstelle. Für KFZ erschlossen wird der Polizeistandort von der Golßener Straße aus. Die Liegenschaft wird von der BIM (Berliner Immobilienmanagement GmbH) verwaltet, die eine 100prozentige Tochtergesellschaft des Landes Berlin ist. Die Kraftfahrzeugzulassungsstelle an der Jüterboger Straße gehört zum Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO). Die Lage am Rand des Bergmannkietzes ist wegen der unzureichenden Erschließung und der damit verbundenen Belastung der angrenzenden Wohngebiete problematisch. Die Verkaufsbuden der Versicherungen und Schilderhersteller entlang der Friedhofsmauer des Dreifaltigkeitsfriedhofs verunstalten den Straßenraum der Jüterboger Straße. Wegen der Unverträglichkeit des Standorts der KFZ-Zulassungsstelle in Bezug auf das unmittelbar angrenzende Wohngebiet soll die Zulassungsstelle mittelfristig verlagert werden.

Ausschnitt aus Straube-Plan 1895

Ansicht vom Columbiadamm

Innere Erschließung

Denkmalkarte Landesdenkmalamt

Polizeikaserne Friesenstraße/Ecke Jüterboger Straße

Jüterboger Straße mit Versicherungs-Verkaufsbuden

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Situation und Planungsvorgaben

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3.7.4

Lilienthal-Quartier (4)

Das ca. 9 ha große Gelände befindet sich zwischen der Golßener Straße im Westen und der Lilienthalstraße im Osten und grenzt unmittelbar an den Columbiadamm. Im Westen grenzt das Gelände an den denkmalgeschützten Gebäudekomplex der ehemaligen Kaserne. Im Norden befinden sich im Anschluss an die Züllichauer Straße verschiedene Friedhöfe, die von einer mit vielen Graffitis bemalten, ca. zwei bis drei Meter hohen Mauer eingefriedet werden. Das Gelände der Turngemeinde in Berlin (TiB 1848 e.V.) schließt im Osten an die das Teilgebiet 4 begrenzende Lilienthalstraße an. In den 1920er Jahren erhielt die Lilienthalstraße ihren heutigen Namen und führte geradlinig zum ersten Flughafengebäude. Heute ist sie eine unbefestigte Straße an der Nahtstelle der Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln. Das Teilgebiet ist überwiegend unbebaut und wird von einer Kleingartenkolonie, einem Sportplatz mit Vereinsheim an der Züllichauer Straße sowie einem Regenrückhaltebecken eingenommen, das die Entwässerung des Flughafengeländes und auch des Columbiadamms sichergestellt hat. Das Regenrückhaltebecken kann auf das Flugfeld Tempelhof verlagert werden, um Entwicklungsmöglichkeiten entlang der Lilienthalsstraße zu erhalten. Die Rahmenbedingungen hierfür werden zur Zeit wasserwirtschaftlich untersucht. Die Kosten für eine Verlagerung werden auf 5 (3,7) Mio. Euro geschätzt. Die Ergebnisse der wasserwirtschaftlichen Untersuchung werden in den Unterlagen zur 2. Bearbeitungsstufe nachgereicht, eine Kurzfassung des 1. Zwischenberichts ist als Anlage beigefügt. Die Kleingartenanlage „Am Flughafen“ mit ihren 99 Parzellen auf bundeseigenem Grund gehört gemäß dem Berliner Kleingartenentwicklungsplan zu den nicht gesicherten Anlagen. Die Kleingartenanlage wurde 1946 in Verbindung mit der Anlage des Regenwasserrückhaltebeckens auf dem Bodenaushub angelegt. Die Sportanlage an der Züllichauer Straße besteht aus einem KunstrasenGroßspielfeld mit Beleuchtung und 50 Sitzplätzen / 2.000 Stehplätzen, die von den Vereinen SC Berliner Amateure und BFC Eintracht / Südring Berlin genutzt wird. Hinzu kommen südlich angrenzend zwei Tennisfelder. An der Ecke Columbiadamm / Golßener Straße erinnert seit Dezember 1994 ein Mahnmal an das Konzentrationslager Columbia-Haus. Das vom

Sportplatz an der Züllichauer Straße

Kleingartenanlage „Am Flughafen“

Kleingartenanlage „Am Flughafen“

Übersichtsplan Regenwasser, Quelle: Berliner Flughafengesellschaft

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Situation und Planungsvorgaben

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Bildhauer Georg Seibert konzipierte stählerne Mahnmal bildet ein Haus mit Gefängniszellen nach. Das KZ Columbia, auch bekannt als KZ Columbia-Haus, wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Militärgefängnis südlich dem Kasernengelände der Garde-Cürassier-Regiments des Kaiserin-Augusta-Garde-Grenadier-Regiments errichtet und später als Gefängnis der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) benutzt. Der ehemalige Gefängnisstandort befindet sich also im Teilgebiet 2 „Gebäude-Vorfeld Columbiadamm“ (siehe Teilbereich 3, Abbildung Straube-Plan). Das eigentliche Konzentrationslager wurde am 8. Januar 1935 eröffnet und bestand offiziell bis zum 5. Dezember 1936. Im Columbia-Haus waren viele prominente Persönlichkeiten des politischen Lebens inhaftiert, wie Leo Baeck, Hermann Duncker und Erich Honecker. Anlässlich des Neubaus des Flughafens Tempelhof wurde das ColumbiaHaus 1938 abgerissen.

Denkmal KZ-Columbia

3.7.5

TiB-Sportgelände (5)

Der 2.000 Mitglieder starke TiB 1848 e.V. (Turngemeinde in Berlin) ist der älteste Berliner Sportverein und nutzt auf seinem Stammgelände am Columbiadamm insgesamt ca. 6,5 ha. Eine früher vorhandene zweite Sporthalle musste der Verlegung des Columbiadamms (1937) weichen. Ein weiterer Teil des Geländes wurde 1865 als Schenkung an die Türkei abgegeben (islamischer Friedhof).

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Situation und Planungsvorgaben

84

Das Gelände des TiB 1848 e.V. befindet sich im Eigentum des Vereins. In den letzten 6-8 Jahren wurden ca. 4 Mio. Euro in die Sportanlagen investiert. Im Norden befindet sich zwischen dem Grundstück des Sportgeländes und dem nördlich angrenzenden Friedhof der Lilienthalstraße ein ca. 13 m breites Flurstück im Besitz des Bezirkes Neukölln, das für eine öffentliche Wegeverbindung zwischen dem Volkspark Hasenheide und der Lilienthalstraße vorgesehen war. Diese Verbindung wurde jedoch nicht realisiert. Das Gelände wurde stattdessen eingezäunt und liegt brach. Die Randflächen am Columbiadamm (Lagerflächen) befinden sich im Fachvermögen des Tiefbauamtes Neukölln. Im Osten grenzt der Volkspark Hasenheide an das Vereinsgelände. Südlich des Columbiadamms befindet sich der landeseigene Friedhof Columbiadamm und der islamische Friedhof mit der markanten und vom Vereinsgelände gut sichtbaren Sehitlik-Moschee (Teilgebiet 7). Nach dem aktuellen Baurecht (Bebauungsplan XIV-294 vom 24.05.2005) befindet sich auf der Fläche der heutigen sechs Tennisplätze an der Lilienthalstraße ein Baufenster, für das der Verein im Gegenzug die planungsrechtliche Sicherung des alten Vereinsheims am Sportplatz Columbiadamm aufgegeben hat. Zusammen mit dem erweiterten Baufenster an der Lilientalstraße (Sporthalle) wäre damit auf dem Vereinsgelände eine nahezu durchgehende Bebauung entlang der Lilienthalstraße schon heute planungsrechtlich möglich, allerdings nur für sportliche Zwecke. Eine zusätzliche Bebauung des Stammgeländes wurde bislang jedoch nie ernsthaft erwogen, da sich daraus ein Bedarf für zusätzliche Sportfreiflächen ergäbe und eine weitere Bebauung zu Einschränkungen führen würde. Der Bebauungsplan XIV-294 für das Vereinsgelände der Turngemeinde in Berlin e.V. sichert die Sportanlagen in diesem Bereich. Innerhalb des Geltungsbereichs wird ein Grundstückstausch bzw. Erwerb zwischen dem Land Berlin und dem Sportverein angestrebt, um eine städtebauliche und bodenrechtliche Ordnung herzustellen und eine gesicherte Erschließung des Grundstücks an eine öffentliche Verkehrsfläche zu sichern. Der Abschnitt des Columbiadamms wird im Bebauungsplan in einer Breite von 40,0 m unter Festlegung der Straßenbegrenzungslinien als Öffentliche Straßenverkehrsfläche festgesetzt. Eine Verbreiterung des derzeit 32,0 m breiten Columbiadamms ist auch in Anbetracht der im Sommer 2008 erfolgten Neuanlage der Fuß- und Radwege derzeit nicht vorgesehen.

Bogenschießanlage

Sportplatz. Im Hintergrund die SehitlikMoschee am Columbiadamm

große Gymnastikwiese

Bebauungsplan XIV-294

Tennisplatz auf dem TiB-Sportgelände

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Situation und Planungsvorgaben

85

3.7.6

Columbia-Quartier (6)

Zaun entlang des Columbiadamms

Blick auf das Flughafengebäude

Das Teilgebiet Columbia-Quartier weist eine Größe von ca. 39 ha auf und nimmt damit knapp 40 % des Wettbewerbsgebiet ein. Das Teilgebiet erstreckt sich in Ost-West-Richtung über rd. 1,5 km vom Ende des östlichen Flughafengebäudeflügels bis zur Flughafenrandbebauung in Berlin Neukölln. Im Süden endet das Teilgebiet an dem Taxiway des Flugfeldes, während im Norden zunächst der Columbiadamm und im weiteren Verlauf der Garnisonsfriedhof, das Sommerbad Neukölln und das Zwischenpumpwerk an das Teilgebiet grenzen. Das Flughafengelände ist derzeit noch eingezäunt. In der nachfolgenden Abbildung ist der Gebäudebestand im Teilgebiet 6 mit dem südlich angrenzenden Bereich außerhalb des Wettbwerbsgebiets lokalisiert. Eine Dokumentation des Gebäudebestands ist dem Anhang 4.11 zu entnehmen.

Friedhofsmauer als Abgrenzung zum Flugfeld

Blick vom Columbia-Quartier zu den Hangars

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

86

Gebäudebestand Teilgebiet 6

Der Radarturm (G 09) an der westlichen Grenze des Teilbereichs

Quelle: mbup, Studio uc, raumlabor (2008), siehe auch Anhang Nr. 4.11

Der 72 m hohe Radarturm am östlichen Ende des Flughafengebäudes (G 09) wurde 1984 in Betrieb genommen. Der Turm besteht aus einer von vier Stützen getragenen runden Plattform mit einer geodätischen Kuppel und gehört zum Denkmalbereich des Flughafengebäudes (siehe Teilbereich 2). Der Radarturm dient der Luftraumüberwachung. Als Weitbereichsradaranlage arbeitet er im Verbund mit anderen Anlagen. Die Daten werden zivil und militärisch genutzt. Die Radaranlage ist militärischer Sicherheitsbereich. Das Heizkraftwerk mit Nebenanlagen am Columbiadamm (G 11) dient der Energieversorgung des Flughafengebäudes. Der Deutsche Wetterdienst betreibt eine Messstelle für Radioaktivität (G 27) im östlichen Bereich, der bis spätestens 2010 nach Potsdam ausgelagert wird. Im Teilgebiet verlaufen einige Regenwasserkanäle, wobei insbesondere auf den Hauptsammler (DN 500 / DN 450) hinzuweisen ist, der in in 5 m Tiefe zum Regenwasserückhaltebecken südlich des Columbiadamms verläuft. (Übersichtsplan Regenwasser und Kurzfassung des 1. Zwischenberichts der wasserwirtschaftlichen Untersuchung siehe Anhang 4.5). Hinter dem Flughafenzaun am Columbiadamm steht als Erinnerung an die Berliner Luftbrücke der sog. „Rosinenbomber“. Rosinenbomber nannten die Berliner die Flugzeuge, die sie während der Blockade der Stadt 1948/49 mit Nahrungsmitteln und Kohle aus der Luft versorgten. Der Name nimmt Bezug auf die freiwilligen Hilfspakete, die die amerikanischen Flugzeugbesatzungen vor der Landung und vor der eigentlichen Verteilung an kleinen selbstgebastelten Fallschirmen aus dem Flugzeug warfen, um den wartenden Kindern eine Freude zu machen. Die abgeworfenen Päckchen enthielten meistens Schokolade, Kaugummi und vermutlich auch Rosinen.

Heizkraftwerk am Columbiadamm (G11)

Picnic-Area (G 23)

Softball-Feld (G17)

„Rosinenbomber“ am Columbiadamm

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Situation und Planungsvorgaben

87

Übersichtsplan Regenwasser, Quelle: Berliner Flughafengesellschaft (Siehe Anhang 4.6.)

3.7.7

Friedhof (7)

Das rd. 11 ha große gartendenkmalgeschützte Friedhofsgelände schließt sich an den Standort des „Rosinenbombers“ auf dem Flugfeld am Columbiadamm an und reicht bis zum Sommerbad Neukölln. Das Gelände beherbergt den landeseigenen Garnisionsfriedhof und den islamischen Mohammed-Friedhof. Der Mohammed-Friedhof wurde bereits 1866 als Friedhof für osmanische Gesandte und Angehörige des Militärs errichtet und ist bis heute der einzige ausschließlich islamische Friedhof in Deutschland. Auf seinem Gelände befindet sich der Neubau der nach ihm benannten Sehitlik-Moschee, die seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2005 als die bedeutendste Berliner Moschee gilt. Mit ihren beiden 34 m hohen Minaretten im Anschluss an das Flughafengelände am Columbiadamm stellt die Moschee einen markanten Blickpunkt in diesem Bereich dar.
Sehitlik-Moschee am Columbiadamm

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Situation und Planungsvorgaben

88

Der schon vorhandene kleine Friedhof „hinter der Hasenheide“ wurde ab 1861 zum Neuen Garnisonfriedhof erweitert. Die gefallenen Soldaten der Kriege von 1866, 1870/71 und insbesondere von 1914/18 sorgten für eine kontinuierliche Belegung. In Friedenszeiten ließen sich Offiziere – dem Stil der Zeit entsprechend – aufwändige Erbbegräbnisse bauen. Angehörige verschiedener Regimenter hatten auf dem weitläufigen Gelände Denkmäler aufgestellt, um ihren gefallenen Kameraden zu gedenken. Sie stammen überwiegend aus den 1920er Jahren und wurden teilweise um Gedenktafeln für die Toten des Zweiten Weltkrieges ergänzt. Auf weiten Teilen des Areals wurden nach 1945 Gräber eingeebnet und durch kleine Gedenksteine ersetzt. Etliche kultur- und kunsthistorisch interessante Gräber haben sich jedoch erhalten. Einige Grabfelder wurden für die Neuköllner Bevölkerung freigegeben, auf anderen liegen die zivil und militärisch Verstorbenen Seite an Seite. Der Friedhof wurde in seiner Geschichte mehrfach erweitert. Der gravierendste Eingriff fand im Zusammenhang mit dem Bau des Flughafens Tempelhof statt. Der Friedhof verlor 1937 im Süden rd. 5,8 ha an den Flughafen und erhielt als Ausgleich neue, östlich gelegene Flächen am Columbiadamm. Damit einher ging die Umbettung von rd. 5.500 Kriegsgräbern. Da auch die Columbiastraße nach Norden verlegt wurde („Neuen Flughafenstraße“, heute Columbiadamm), wurde der vormals südlich der Columbiastraße liegende türkische Friedhof Bestandteil des Friedhofareals. Dem Bestandsplan des Friedhofsentwicklungsplans ist seine heutige Nutzung zu entnehmen. Ursprünglich war daran gedacht, das gesamte Areal in einen „Friedhofspark“ umzuwandeln. Nach den derzeitigen Planungen soll jedoch der überwiegende Teil des Friedhofs für Bestattungszwecke offen gehalten werden, um ggf. auch den wachsenden Bedarf des islamischen Friedhofs mit zu decken. Nur ein kleiner Teil soll langfristig zu einer Grünfläche umgenutzt werden.
Legenden Friedhofsentwicklungsplan Luftbild 1928

Lageplan Garnisonsfriedhof 1930

Lageplan Bestand (Friedhofsentwicklungsplan)

Quelle: (SenStadt I C)

Lageplan Planung

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Situation und Planungsvorgaben

89

3.7.8

Sommerbad Neukölln (8)

Zwischen dem Friedhofsgelände und der Jahnsporthalle befindet sich am Columbiadamm das in den 50er Jahren gebaute Sommerbad Neukölln (Columbiabad) mit einer Größe von ca. 6,5 ha. Das Bad ist mit Schwimm-, Mehrzweck-, und Babybecken, mehreren Sprunganlagen und Rutschen, ausgedehnten Liegewiesen, einem Spielplatz und einem Restaurant ausgestattet und auch für Menschen mit Behinderung geeignet. Das von der BBB (Berliner Bäderbetriebe) verwaltete Bad ist von Mai bis September geöffnet. An Spitzentagen kommen rd. 6.000 Besucher. In der Saison liegen die Besucherzahlen je nach Witterung zwischen 60.000 und 100.000. Das Columbiabad ist in seinem Bestand gesichert. Das Grundstück gehört z.T. dem Land Berlin, z.T. dem Bund (siehe Eigentumskarte, Kap. 3.4.1). Auf dem Grundstück des Columbiabades befindet sich außerdem der zentrale Gärtnerstützpunkt (Betriebshof) der Berliner Bäderbetriebe. Außerhalb des Columbiabads befindet sich an der östlichen Grundstücksgrenze in der Nähe des Columbiadamms eine Reglerstation der GASAG, die den Druck der Gasleitungen für das Columbiabad regelt.
Terrassen als Abschirmung zum Columbiadamm

Blick über das Schwimmbad

mit Stacheldraht gesicherte Friedhofsmauer

Liegewiesen an der östlichen Grundstückgrenze

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Situation und Planungsvorgaben

90

3.7.9

Zwischenpumpwerk (9)

Gelände des Zwischenpumpwerks

Das südlich an das Sommerbad Neukölln anschließende Gelände (ca. 0,6 ha) scheint nahezu unbebaut. Es handelt sich hierbei jedoch um das Zwischenpumpwerk „Columbiadamm“, das zum Wasserwerk Beelitzhof gehört und den Berliner Südosten mit Trinkwasser versorgt. Zum Zwischenpumpwerk gehört ein unterirdischer Reinwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 11.300 m³ und ein unterirdisches Maschinenhaus, beide an der westlichen Grundstücksgrenze gelegen. Die dem Bund gehörende Fläche ist zur Zeit nur gepachtet, soll aber von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) erworben werden. 3.7.10 Jahn-Sporthalle / Jahn-Sportplatz (10)
Wasserwerksgelände (technischer Plan, Berliner Wasserbetriebe)

Das Teilgebiet Jahn-Sporthalle (ca. 4,3 ha) weist neben der Sporthalle am Columbiadamm einen Sportplatz, die Kleingartenkolonie Odertal, Wohnnutzungen, einen Spielplatz an der Herrfuhrtstraße und eine Kindertagesstätte an der Lichtenrader Straße auf. Zwischen Sportplatz und Kleingar-

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Situation und Planungsvorgaben

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tenkolonie wird gegenwärtig ein Erweiterungsbau für die Karl-Weise-Grundschule errichtet, deren Stammgelände sich in der Weisestraße 19-20 außerhalb des Wettbewerbsgebietes befindet. Die Jahn-Sporthalle wurde benannt nach dem „Turnvater Jahn“, der 1811 im nördlich an den Columbiadamm anschließenden Volkspark Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz Deutschlands gründete. In der JahnSpothalle trägt der Basketballverein Galatasaray Berlin seine Heimspiele aus. Das angrenzenden Kunstrasen-Großspielfeld mit Beleuchtung (6 Masten), zusätzlichen Leichtathletikanlagen mit 400 Zuschauer-Stehplätzen wird von den Fußballvereinen FC Hürtürkel und FC Ginga genutzt. Erschlossen wird der Sportplatz von der Lichtenrader Straße. Die westlichen 14 Parzellen der Kleingartenanlage Odertal auf landeseigenem Grundstück gelten gemäß Kleingartenentwicklungsplan als „hoch gesichert“, für die östlichen 12 Parzellen auf privatem Grund besteht eine Schutzfrist bis 2014 (siehe auch Eigentumsplan). Zur Sicherung der Kleingärten als Dauerkleingartenkolonie wurde am 24.02.1987 der Aufstellungsbeschluss für den B-Plan XIV-225 gefasst. Seit der Frühzeitigen Bürgerbeteiligung vom 20.11.1989 bis 20.12.1989 ruht das Verfahren. Strukturell bedeutsam ist der Fuß- und Radweg (Straße 635) zwischen den Teilgebieten 8, 9 und 10, der sich vom Columbiadamm bis zur Oderstraße erstreckt und eine bedeutende übergeordnete Erschließungsfunktion auch als übergeordnete Fahrradroute zwischen dem Schillerquartier und der Hasenheide wahrnimmt.
Eingang zur Kleingartenkolonie an der Herrfurthstraße

Jahn-Sporthalle Neukölln

Jahn-Sportplatz

Fuß- und Radweg zwischen Oderstraße und Columbiadamm

Fuß- und Radweg zwischen Oderstraße und Columbiadamm

Kleingartenanlage Odertal

Fuß- und Radweg zwischen Oderstraße und Columbiadamm

Gasregelstation am Fuß- und Radweg zwischen Oderstraße und Columbiadamm

B-Plan XIV-225

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Situation und Planungsvorgaben

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3.7.11 Columbiadamm / Hasenheide (11)

Der Columbiadamm bildet als übergeordnete Ost-West-Verkehrsachse für den Kfz- und Radverkehr das Rückrat des Wettbewerbsgebiets und weist ganz unterschiedliche Charaktere auf: Aus Richtung Platz der Luftbrücke verjüngt er sich von vier Fahrspuren mit breiten Mittelstreifen auf zwei Fahrspuren östlich der Friesenstraße (siehe Teilgebiet 2). In dem Abschnitt zwischen Friesenstraße und Golßener Straße fehlt flughafenseitig ein Bürgersteig, nördlich liegt der eingezäunte Polizeistandort (siehe Teilgebiet 3). An der Kreuzung Golßener Straße befindet sich das KZ-Denkmal Columbia auf dem Gehweg (siehe Teilbereich 4). Zwischen Golßener Straße und Lilienthalstraße öffnet sich der Blick nach Norden zum Flugfeld (siehe Teilgebiet 6), südlich begleiten Kleingartenparzellen den Columbiadamm. Im weiteren Verlauf grenzen beidseitig der Garnisonsfriedhof (Teilgebiet 7), das TiB-Sportgelände (Teilgebiet 5) und das Columbiabad (Teilgebiet 8) an. In diesem Abschnitt wurden die Fuß- und Radwege im Sommer 2008 erneuert. Der Umbau wird im westlichen Abschnittes des Columbiadamms fortgesetzt. Die Verkehrsentwicklungsplanung für Berlin sieht für den Columbiadamm als übergeordnete Straßenverbindung der Stufe II eine Ausbaubreite von 40,0 m vor. Die momentane Ausbaubreite des Columbiadamms beträgt 32,0 m. Seine Verbreiterung nicht vorgesehen. Der südliche Rand des Volksparks Hasenheide (ca. 5,5 ha) wird vor allem deshalb in die Wettbewerbsaufgabe einbezogen, weil er abgesehen von der Spiel- und Skateranlage gegenüber dem Sommerbad Neukölln einen eher ungeordneten Eindruck mit Gestaltungsdefiziten aufweist. Der Columbiadamm bildet mit seinen angrenzenden südlichen Nutzungen (Friedhof / Columbiabad) derzeit eine Barriere für Verbindungen in den
Columbiadamm Höhe Columbiabad

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Situation und Planungsvorgaben

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Süden, abgesehen von dem Fuß- und Radweg zur Oderstraße östlich des Flugfeldes (siehe Teilbereich 10). Der rd. 50 ha große Volkspark Hasenheide liegt an der Hangkante des Teltow. Von der Straße Hasenheide am Rande des Berliner Urstromtals bis zum Columbiadamm steigt das Gelände um 10 bis 15 m an. Deutlich spürbar ist dies z.B. im Verlauf der östlich angrenzenden Wissmannstraße zu erleben. Der Name des Parks geht auf die Nutzung des Geländes als Hasengehege ab 1678 zurück. Der Große Kurfürst ging hier zur Jagd. Am 19. Juni 1811 eröffnete Friedrich Ludwig Jahn hier den ersten Turnplatz Deutschlands. Noch heute erinnert ein Denkmal am nördlichen Eingang des Parks an den sogenannten „Turnvater“ und daran, dass die deutsche Turnbewegung hier ihren Anfang nahm. Ab 1876 wurde die vor der Stadt liegende Hasenheide als Schießplatz für die zahlreichen Garnisonen im Umfeld genutzt. Der militärisch für diesen Zweck genutzte Bereich reichte bis weit auf das Tempelhofer Feld. Einzelne vom Halleschen und Kottbusser Tor kommende Straßen, zu denen auch die Lilienthalstraße gehörte, durchquerten die Schiessplätze in NordSüd-Richtung und führten auf das heutige Tempelhofer Feld. Der Badesee Schlangenpfuhl diente dort als Erholungsort. Das offene Feld nutzte man u.a. für Fußball und Drachenfliegen. Der Park wurde zu den Olympischen Spielen 1936 zu einem Volkspark umgebaut. Während des Umbaus wurde die alte Schießbahn z.T. in den Park integriert. Ein wichtiger Zugang zur Hasenheide befindet sich heute im Norden an der Straßenkreuzung Fichtestraße / Graefestraße / Hasenheide. In Fortsetzung der Fichtestraße verlaufen in Nord-Süd-Richtung zwei Hauptwege zum Columbiadamm (Columbiabad), die eine landschaftliche Talsituation einrahmen. Ein weiterer Haupteingang liegt neben der „Neuen Welt“ (historischer Vergnügungsstandort) auf Höhe der Jahnstraße. Die höchste Erhebung ist ein 69 Meter hoher Trümmerberg namens Rixdorfer Höhe, bestehend aus etwa 700.000 m³ Trümmerschutt des Zweiten Weltkrieges. Das Denkmal für die Trümmerfrauen von Katharina Szelinski-Singer aus dem Jahr 1955 erinnert am Eingang Graefestraße an die Aufräumarbeiten, die überwiegend von Frauen geleistet wurden. Im Park befinden sich ein Freiluftkino, ein Tiergehege, eine Minigolfanlage, ein Rosengarten, mehrere Spielplätze und eine Hundewiese. Im Jahr 2006 wurde gegenüber dem Sommerbad Columbiadamm eine Sportfläche eingeweiht, die einen Parcours mit verschiedenen Hindernissen für Skateboarder, einen Platz für Rollhockey und Übungskörbe für Basketball enthält. Beliebt ist die Hasenheide auch wegen der großen Freiflächen bei Freizeitkickern. Zudem wird der Park in großem Umfang von Joggern genutzt. Die Hasenheide ist außerdem Veranstaltungsort des Volksfests Neuköllner Maientage. Trotz seiner Größe ist der Volkspark Hasenheide wegen der angrenzenden hoch verdichteten Wohngebiete übernutzt. Die Hasenheide ist zusammen mit dem benachbarten Hermannplatz auch ein Schwerpunkt der Berliner Drogenszene. Eine Lösung des Problems ist derzeit nicht in Sicht.
Columbiadamm Richtung Osten

Columbiadamm Richtung Westen Höhe Columbiabad

Plan von Berlin 1802

Berlin + Charlottenburg 1857

Pharus-Plan 1902

Tempelhofer Feld – Columbiaquartier / Teil 3

Situation und Planungsvorgaben

94

3.8
3.8.1

Planungsgeschichte und Planungsvorlauf
Informelle Planungen und Fachkonferenzen

Noch vor der endgültigen Entscheidung für die Errichtung eines neuen Großflughafens außerhalb des Berliner Stadtgebiets wurden bereits Überlegungen für die Nachnutzung des Tempelhofer Flughafens entwickelt, die bis in die frühen 1990er Jahre zurück reichen. Im Jahr 1994 beauftragte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz die Düsseldorfer Architekten Hentrich Petschnigg & Partner HPP sowie die Berliner Landschaftsplaner Seebauer, Wefers und Partner mit der Erarbeitung eines ersten Rahmengutachtens. Dieses Gutachten definierte die wesentlichen Rahmenbedingungen für eine zukünftige Nachnutzung und schlug hierfür auch städtebauliche Konzepte vor. Neben der unbestrittenen stadt- und bauhistorischen Bedeutung der Anlage bestätigte das Gutachten auch die positiven Auswirkungen des riesigen Freiraums auf das Stadtklima, vor allem für die umliegenden Stadtteile Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof. Betont wurde in diesem Zusammenhang außerdem die potenzielle Erholungsfunktion, von der die dicht bebauten, mit Freiräumen unterversorgten Quartiere profitieren würden. Die städtebauliche Gestaltung des Geländes setzte auf eine ellipsenförmige, kompakte Randbebauung, die sich um einen zentralen Freiraum organisiert und gleichzeitig die Figur des Flughafengebäudes fortsetzt.
Weiterentwicklung des städtebaulichen Entwurfs von 1994

Hentrich-Petschnigg & Partner / Seebauer, Wefers und Partner

Bereits im darauf folgenden Jahr 1995 wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine international besetzte Konzeptwerkstadt durchgeführt, die vor allem die städtebauliche Grundhaltung des Gutachtens aus dem Jahr 1994 überprüfen sollte. Das Expertengremium gelangte zu der Überzeugung, dass die elipsenförmige Fortführung der monumentalen Figur des Flughafengebäudes und

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Situation und Planungsvorgaben

95

die hiermit verbundene Herrschaftsgeste „gebrochen“ werden müsse und den neu zu entwickelnden Stadt- und Landschaftsraum formal und atmosphärisch keinesfalls dominieren dürfe.
Konzepte aus der Werkstatt von 1995

Quellen: Inge Voigt

Alsop&Störmer

Dieter Hofmann-Axthelm

In der „Zukunftswerkstatt Tempelhof 2020“ werden die Planungsziele 1998 weiter konkretisiert. Die Ergebnisse dienen auch als Grundlage für den 1999 vorgelegten Masterplan, den die Schweizer Landschaftsarchitekten Dieter Kienast und Günter Vogt gemeinsam mit dem Berliner Architekten Bernd Albers erarbeiteten. Ausgangspunkt des Masterplans war das so genannte „Wiesenmeer“, ein zentraler Park, der durch unterschiedliche städtebauliche Formationen gefasst wurde. Ein „Ringboulevard“ zeichnete das bisherige Flugfeld nach und diente nicht nur der Erschließung der unterschiedlichen Baufelder, sondern setzte sie auch zueinander in Beziehung. Dieser Masterplan war zunächst auch die Grundlage für die Darstellungen des Flächennutzungsplans. Die wesentlichen, das Wiesenmeer umrahmenden Entwurfskomponenten sind: • Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex des Flughafens mit rd. 300.000 m² Geschossfläche, dessen künftige Nutzungsoptionen z. B. in den Bereichen Freizeit, Technologieentwicklung und Wissensvermittlung liegen, der „Themenpark Fliegen“, mit Solitären für Büronutzungen am Tempelhofer Damm, kommerziellen Unterhaltungs- und Erlebnispavillons in den verschiedenen Hallenbauten und einem Wohnanteil, das die Stadtautobahn begleitende Quartier, das durch gewerbliche Nutzungen geprägt werden soll, der sich im Südosten des Ringboulevards anschließende Sportpark, der aus überdachten Sportanlagen und Freiflächen besteht und die vorhandenen Sporteinrichtungen in seine Konzeption integriert, das sich westlich an das Quartier Schillerpromenade in Neukölln anschließende urbane Wohnquartier sowie das zwischen dem neu entstehenden Park und der Hasenheide konzipierte Wohnquartier, das optional auch für Sport- und Freizeitnutzungen in Betracht kommt.

•

• •

• •

Die den Park strukturierenden Elemente sind die Start- und Landebahnen, die als Baumhain ausgebildete „Insel im Wiesenmeer“ (alter Flughafen) sowie der „Fliegerberg“ und „Himmelsgarten“.

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Situation und Planungsvorgaben

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Städtebauliches Konzept Kienast Vogt Partner / Prof. Bernd Albers

Städtebauliches Konzept mit Freizeitpark im Westen Quelle: Kienast Vogt Partner / Prof. Bernd Albers

Entwurfsvariante

Städtebauliches Konzept 2005, überarbeitete Fassung

Quelle: Kienast Vogt Partner / Prof. Bernd Albers (Überarbeitung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2005)

Die Fachkonferenz („Standortkonferenz“) am 22. November 2004 sollte auf Grund der in wenigen Jahren anstehenden Schließung des Flughafens Tempelhof frühzeitig Klarheit über die vordringlichen Themen und die Struktur der weiteren Planung sowie des Zwischen- und Nachnutzungsmanagements für den Flughafen Tempelhof herstellen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass alle bisherigen Nachnutzungsüberlegungen von einer Bebauung der Ränder ausgehen würden. Der Gebäudebestand müsse mit erheblichem Aufwand umgebaut werden, wenn er für eine zivile Nachnutzung in Betracht kommen soll. Der Freiraum sollte unabhängig von den baulichen Konzepten zur Randbebauung entwickelt und qualifiziert werden. Das Konzept von Kienast/Vogt und Albers (1999) wurde 2005 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung überarbeitet. Die bevorstehende Beendigung des Flugbetriebes führte in den Jahren 2006, 2007 und 2008 zu weiteren Standort- und Expertenkonferenzen, deren Auftrag vor allem in der weiteren Suche und Qualifizierung von Nutzungsideen für das Tempelhofer Flugfeld bestand. Die aktuelle Machbarkeitsstudie vom Dezember 2007 sollte die ermittelten

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Situation und Planungsvorgaben

97

Potenziale dagegen vor allem im Hinblick auf ihre Eignung für eine Freizeit- und Erholungsnutzung auf dem Gelände des Flughafens vor dem Hintergrund der Öffnung des Flugfeldes im Frühjahr 2009 bewerten. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass sich das Tempelhofer Feld insbesondere im Norden, Westen und Osten bereits mit geringen Interventionen für erste Freiflächennutzungen nutzbar machen lässt (siehe Gutachten im Anhang 4.2). Mit dem Informationsblatt „Zukunft Tempelhofer Feld“ hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Frühjahr 2008 den aktuellen Planungsstand zusammengefasst und der Öffentlichkeit präsentiert.
„Zukunft Tempelhofer Feld“ - Planungsstand Frühjahr 2008

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, März 2008

Geplant sind demzufolge fünf Bausteine für das Tempelhofer Feld: Neben der Parklandschaft Tempelhof sind dies zwei von Mischnutzungen geprägte Quartiere im Westen und Süden des Flughafenareals (Dienstleistungen und Wohnen am Tempelhofer Damm, Gewerbe im Süden) und zwei eher dem Wohnen dienende Quartiere im Norden und Osten. Zu den letztgenannten zählt auch das Columbia-Quartier, in dem die Verwirklichung innovativer Wohnformen ermöglicht werden soll. Zu diesen innovativen Wohnformen gehören auch Modelle für Baugruppen und Baugemeinschaften, mit denen verstärkt verschiedenen und altersgemischten Bevölkerungsgruppen das Wohnen in der Innenstadt im Eigentum ermöglicht werden soll (siehe weiterführende Informationen im Anhang 4.15). Die Vorstellungen gehen u.a. von einem Quartier mit über 1.500 Wohneinheiten aus, in dem etwa 3.000 Menschen leben könnten. In den Jahren 2007 und 2008 wurden die Aktivitäten für die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung der Nachnutzung des Flughafens Tempelhof von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiter verstärkt. In diesem Rahmen hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter dem Motto „Tempelhofer Freiheit“ einen Planungsprozess eingeleitet, bei dem Ziele und Wege der Entwicklung auf breiter Basis öffentlich diskutiert und bestimmt werden.

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Situation und Planungsvorgaben

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Übersicht der durchgeführten Veranstaltungen und Aktivitäten (2007/2008)

Zeit / Datum

Veranstaltung / Aktivität „Freiheiten“ Freiheit 1, „Blick von außen” Auftaktveranstaltung Freiheit 2, „Blick von innen“ Der Bevölkerung wurde der Zugang zum Flughafengelände und -gebäude ermöglicht Freiheit 3, Bürgerversammlung Diskussion der Ergebnisse aus dem Internetdialog „Foren“ Forum 1, „Freizeit und Erholung“ (Protokoll siehe Anhang 4.13) Diskussion der Potenziale für mögliche Freizeitnutzungen und Naherholung. Betrachtung der ökologischen und stadtklimatischen Bedeutung der Freifläche Forum 2, „Flughafengebäude” Darstellung der historischen Entwicklung, der Denkmalschutzsituation und der Chancen für das Gebäude. Diskussion der Marktsituation und der Potenziale für die Immobilienentwicklung Konferenzen Expertenkonferenz 1 „Zwischennutzung“ Expertenkonferenz 2 „Öffnung” 1. Sitzung des Expertenbeirates 2. Sitzung des Expertenbeirates 3. Sitzung des Expertenbeirates Weitere Aktivitäten Ausstellung Prozessbegleitende Ausstellung mit fortlaufenden Ergänzungen Online-Dialog im Internet Beteiligung interessierter Bürger/Ideenfindung Machbarkeitsstudie Erholungsnutzung Ermittlung der Potenziale für die Freizeit- und Erholungsnutzung

18.05.2007

06.10.2007 21.11.2007

11./12.02.2008

18.04.2008

29./30.11.2007 29./30.05.2008 13.02.2008 24.04.2008 23.06.2008

Seit Mai 2007 November 2007

Dezember 2007

Quelle: Eigene Zusammenstellung nach Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Neben der Durchführung von „Freiheiten“2, „Foren“ und Konferenzen/ Workshops wird seit Dezember 2007 an Leitbildern für Wettbewerbe und für die Durchführung einer Internationalen Bauausstellung (IBA) auf dem Tempelhofer Feld gearbeitet (astoc / bgmr). Außerdem werden typologische Studien zum Charakter des Parkrings entwickelt. Zudem werden verschiedene Fachgutachten erstellt. Der Expertenbeirat ist ein mit hochrangigen Fachleuten aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft besetztes Gremium, das den Gesamtprozess „Tempelhofer Freiheit“ begleitet.
2

Freiheiten sind öffentliche Veranstaltungen, Foren sind Veranstaltungen der Fachöffentlichkeit.

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Situation und Planungsvorgaben

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Eine bedeutende Planungsgrundlage stellt die Machbarkeitsstudie Erholungsnutzung vom Dezember 2007 dar (siehe Anhang 4.2). Für den Untersuchungsraum wurden in diesem Rahmen unterschiedliche Themenkomplexe wie Zugänglichkeit, Erschließung (verkehrliche und technische Infrastruktur), Freiraumstruktur (einschließlich bestehender Erholungseinrichtungen), Nutzungsmöglichkeiten vorhandener baulicher Einrichtungen und sonstiger Infrastrukturen, das Landschaftsbild und der Biotop- und Artenschutz analysiert. Darüber hinaus wurden alle Beeinträchtigungen und Konflikte, die eine Erholungsnutzung einschränken, wie Lärmimmissionen, Altlasten, Elemente der Flugsicherung sowie potenzielle Gefahrenstellen erfasst. Diese Bestandserfassung bildet die Grundlage für den anschließenden Entwicklungsprozess. Der erste offene städtebaulich-landschaftsplanerische Ideenwettbewerb „Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld – Columbiaquartier“ ist in ein Bausteinsystem für die schrittweise Durchführung von Wettbewerben zu allen Quartieren und Themen zur Zukunft des Tempelhofer Feldes eingebettet. 3.8.2 Vorbereitungsarbeiten für eine Internationale Bauausstellung (IBA) und eine internationale Gartenausstellung (IGA)

Für das Tempelhofer Feld und die angrenzenden Stadtquartiere (insbesondere Neukölln) werden gegenwärtig die Entwicklungsmöglichkeiten und Optionen für die Durchführung einer IBA und einer IGA geprüft. Das Tempelhofer Feld und das östlich angrenzende Schillerquartier (Neukölln) sollen mit sichtbaren Projekten zum Berliner Referenzort international bedeutsamer Zukunftsaufgaben der Stadt entwickelt werden. Weitere Untersuchungsräume werden zurzeit diskutiert. Im Präsentationsraum der IBA Berlin findet im Fall einer erfolgreichen Bewerbung auch die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) 2017 statt. Derzeit werden die entsprechenden Konzepte für eine Bewerbung Ende 2008 entwickelt. Denkbar ist, dass die Freiflächen am nördlichen Rand des Tempelhofer Feldes Teil der Gebietskulisse der IGA werden. Die IGA soll in erster Linie Themenfelder wie „globale Umwelt“ und „Stadtgesellschaft/Stadtnatur“ besetzen und sich mit Klimawandel, Biodiversität, nachhaltigen Energieformen sowie Pionier- und Zwischennutzungen auseinandersetzen (vgl. hierzu ausführlich Kap. 3.1.2). 3.8.3 Ideenwerkstatt Tempelhof3

Die Kernaufgabe der Ideenwerkstatt liegt in der Entwicklung eines strategischen Handlungskonzeptes zur Zwischen- und Nachnutzung des Tempelhofer Feldes. Sie wurde aufbauend auf ein kooperatives Gutachterverfahren 2007 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung initiiert. Neben der inhaltlichen und steuernden Arbeit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung besteht die Ideenwerkstatt aus Vertretern verschiedener Planungsbüros der Bereiche Architektur, Stadtentwicklung und Landschaftsarchitektur. Darüber hinaus befassen sich Kommunikationsexperten mit der Einbindung und Aktivierung der Berlinerinnen und Berliner im Rahmen eines öffentlichen Dialogs. Alle Bereiche des Planungs- und Kommunikationsprozesses zum „Tempelhofer Feld“ werden durch die Ideenwerkstatt vernetzt. Inputs und Ergebnisse aus den jeweiligen Teilprozessen werden ausgetauscht und aufeinander abgestimmt.
3

Die Ausführungen zur Ideenwerkstatt Tempelhof basieren auf einem Textbeitrag von studio uc für das Team Ideenwerkstatt (studio uc, mbup, raumlaborberlin).

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„Team Ideenwerkstatt Tempelhof“ Das „Team Ideenwerkstatt Tempelhof“ ist ein Ideengenerator des Transformationsprozesses und bereitet diesen inhaltlich vor. Orientiert an der Masterplankonzeption von Albers / Kienast Vogt und Partner werden die gegenwärtigen Entwicklungsmöglichkeiten des Areals hinsichtlich der thematischen Schwerpunkte Organisation, Pionier- und Zwischennutzung, Parkentwicklung und Erkundung synchron untersucht und in ein strategisches Handlungskonzept eingebunden. Im Ergebnis entsteht ein integriertes Stadtentwicklungskonzept, das den Entwicklungsprozess Tempelhofs in seinen wesentlichen Prozessen und Projektphasen vordenkt. Öffentlicher Dialog Der Arbeitsprozess der Ideenwerkstatt wird durch die Projektgruppe „Tempelhofer Feld“ unter Leitung der Abteilung II der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gesteuert. Verschiedene Veranstaltungsreihen werden in Begleitung der Ideenwerkstatt durchgeführt. Dazu zählen öffentliche Informationsveranstaltungen, so genannte Freiheiten, Begehungen des Flughafengeländes, Ausstellungen, Vorträge und Bürgerveranstaltungen, sowie Foren, die sich an das Fachpublikum richten. Zur Vertiefung der Themenfelder „Pionier- und Zwischennutzung“ und „Öffnung und Erkundung“ wurden zwei Expertenkonferenzen durchgeführt. Integrierte Stadtentwicklung durch Pionier- und Zwischennutzung Angesichts der moderaten Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen auf dem Berliner Immobilienmarkt und der Flächengröße des zu entwickelnden Areals hat die Ideenwerkstatt Tempelhof ein Konzept zur integrierten Stadtentwicklung erarbeitet, welches Pionier- und Zwischennutzungen als Generatoren und Initiatoren städtebaulicher Aktivität erkennt und diese als Werkzeug für die Entwicklung des Standortes einsetzt.
Pionierfelder

Quelle: mbup, Studio UC, raumlaborberlin

Die Aktivierung des Standorts durch Pioniernutzungen und kulturelle Initi-

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Situation und Planungsvorgaben

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ativen wird mit langfristigen, städtebaulich - landschaftsplanerischen Entwicklungskonzepten verknüpft. Integrierte Stadtentwicklung in Tempelhof steht für intelligentes Wachstum, welches Stadtentwicklung nicht als städtebaulich strukturierte Akkumulation von Baumassen versteht, sondern als sukzessive Verdichtung von Aktivitäten, Programmen und Netzwerken, die sich nach und nach auch baulich manifestieren. Im Rahmen der Standortentwicklung durch Pionier- und Zwischennutzungen wurden vier 12 bis 19 ha große Pionierfelder sowie mehrere Einzelstandorte festgelegt. Zu diesen Pionierfeldern werden Standortpässe entwickelt, die wichtige Rahmenbedingungen für die Entwicklung festlegen. Sie bilden die Grundlage für die weitere Aktivierung wie zum Beispiel ein Interessensbekundungsverfahren zu Pionier- und Zwischennutzungen (s. Anhang 4.12). Für das Teilgebiet „Columbia-Quartier“ sind publikumsnahe oder soziale Pioniernutzungen im Bereich Kultur und Sport (z.B. Softball, Beachball, Café, Club, Theater, Jugendprojekte, Werkstatt, mobile Geschäfte, Zirkus, Kunstprojekte) angedacht. Dynamischer Masterplan Der dynamische Masterplan ist ein offenes und flexibles Planungsinstrument, dass Aktivierungsstrategien durch Pioniernutzungen, Freiraumimpulsen und kulturelle Initiativen mit etablierten städtebaulichen und landschaftsplanerischen Entwicklungskonzepten verknüpft.

Quelle: mbup, Studio UC, raumlaborberlin

Er ist in mehrere Zeithorizonte (2009, 2010, 2017 und 2030) gegliedert und beschreibt so sukzessiv die Entwicklung des Gebietes. Kriterien der Vermarktung und Aktivierung sowie die Ergebnisse von Wettbewerben, die Analyse der Bestandsgebäude oder sektorale Fachplanungen fließen in den dynamischen Masterplan ein. Durch die laufende Fortschreibung der Pläne, ist es möglich ein umfassendes und aktuelles Planwerk zu erhalten.

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Situation und Planungsvorgaben

102

3.9

Ansprüche von Nutzergruppen

Bürgerbeteiligung: Online-Dialog Flughafen Tempelhof Die nachstehenden Nutzungskategorien basieren auf der Auswertung der Leitideen, die rund 1.000 Teilnehmer in der ersten Phase des OnlineDialogs im Sommer 2007 abgegeben haben (siehe hierzu auch Anhang 4.16). Am häufigsten wurde in der Online-Bürgerbefragung im Sommer 2007 die zukünftige Nutzung als Grün-, Sport-, Freifläche oder Bürger-, Volks-, Stadt-, Erholungs-, Natur-, Landschaftspark, Naturschutzgebiet, Erholungsgebiet oder landwirtschaftliche Nutzflächen genannt. Als Beispiel wurde oft der Central Park genannt. Dabei wurde auch die mikroklimatische Bedeutung des Tempelhofer Feldes hervorgehoben. Neue Wohnformen, familienfreundliche Siedlungen oder ein neuer autofreier, ökologischer Stadtteil - vieles ist denkbar auf dem großen Gelände mitten in der Stadt. Für die Menschen aus der Nachbarschaft könnten Gemeinschafts- oder Schrebergärten angelegt werden. Insbesondere im vorhandenen Gebäude könnten innovative Firmen oder Behörden, Hotels und Gastronomie angesiedelt werden. Einige Vorschläge der Online-Bürgerbefragung verbinden einen solchen Ansatz mit einem Experimentierfeld für alternative Arten der Energieerzeugung auf der Freifläche. Ob Fußball auf der grünen Wiese oder auf einem Platz, Golf, Tennis, Inline-Skating oder Radfahren auf den Rollbahnen, Schlittschuhlaufen in einer Halle oder auf einer Spritzeisbahn - die Bandbreite der möglichen Freizeit- und Sportarten auf dem Tempelhofer Feld scheint nach den Ergebnissen des Online-Dialoges unbegrenzt. Der Flughafen Tempelhof ist ein Symbol der Luftfahrt und der wechselhaften Geschichte Berlins. Entsprechend haben die Dialogteilnehmer auch schon die Errichtung von Luftfahrtmuseen mit Sonderflügen alter Maschinen, Museen zur Geschichte Berlins oder eine umfangreichere Gedenkstätte zur Luftbrücke vorgeschlagen. Im Gebäude, aber auch auf dem Gelände könnten bildende Künstler/innen, Schauspielgruppen, Modeschöpfer/innen oder Musiker/innen Räume für die Produktion und Präsentation ihrer Künste erhalten. Platz wäre auch für soziale Projekte mit Jugendlichen und Senioren, für ein Bürgerzentrum, für einen Ort der West-Ost-Verständigung oder für einen zentralen demokratischen Versammlungsort. Um die Fläche für Feste und öffentliche Großveranstaltungen zu nutzen, werden Rasenflächen (z. B. Konzertwiese), verdichtete Flächen oder größere Bauwerke (z.B. Amphitheater, Autokino) benötigt. Diejenigen, die in der ersten Online-Phase dieses Bürger-Dialogs einen solchen Vorschlag machten, dachten dabei beispielsweise an Sportevents, Konzerte, Christopher Street Day oder Volksfeste. Auch eine Kombination aus Festplatz und Freizeitpark wie beim Tivoli in Kopenhagen scheint denkbar. Die Historie des Areals legt Forschungen im Bereich der Raum- und Luftfahrt nahe, auch energie- und umweltbezogene Arbeitsfelder sind hochaktuell für die Ideengeber der ersten Online-Bürgerbefragung. Neben einer Campus-Universität oder einer zentralen Volkshochschule wurde bereits ein Bildungsluftkreuz für Kinder und Jungendliche angedacht. Auch die öffentlichen Zentralbibliotheken Berlins könnten hier zusammengelegt werden.

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Durch die Entscheidung für den Großflughafen Berlin-Brandenburg-International muss der innerstädtische Flughafen Tempelhof geschlossen werden. Diese Maßnahme hat auch Kritiker. In der ersten Dialogphase wurde der Weiterbetrieb als Geschäfts-, Privat- oder Linienflughafen vorgeschlagen. Alternative Flugarten wie Zeppeline, Ballons oder Segelflug waren ebenso ein Thema. Von den im Rahmen des Online-Dialogs genannten konkreten Vorschlägen vereinigten die nachstehenden beiden Ideen die meisten Zustimmungen auf sich. Der Erhalt der vorhandenen Baseball- und Softballflächen erhielt per Saldo die meisten Zustimmungen. In der Ideenerläuterung wurde darauf hingewiesen, dass dies schon allein als Erinnerung an die einst stationierten GIs, die im Schatten des Rosinenbombers ihrem Nationalsport nachgingen, geboten sei. Eine Nutzung könnte sofort beginnen. Dann dürften die vorbeifahrenden Autofahrer auf dem Columbiadamm eine erste Ahnung davon bekommen, dass hier eine Fläche bald wieder mit Leben erfüllt werden soll. Auf Platz 2 kam der „erlebnisorientierte Jugendspielplatz“: Diese Idee soll eine Gestaltung für eine Teilfläche im Kultur- und Sportbereich des Flughafengeländes Tempelhof darstellen und scheint sich in umfassende Gesamtkonzepte anderer Vorschläge integrieren zu lassen. Gender Mainstreaming Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung legt besonderen Wert darauf, alle Tätigkeiten der Verwaltung auch unter dem Gesichtspunkt der Geschlechtergerechtigkeit zu betrachten. „Gender“ bedeutet „soziales Geschlecht“, wie es durch die jeweilige Gesellschaft und ihre Kultur geprägt wird. Der Forschungsstand bezüglich der Berücksichtigung genderspezifischer Belange im Bereich der Gestaltung ist jedoch noch sehr lückenhaft. Daher werden einige Projekte als Pilotprojekte durchgeführt, in denen der Kenntnisstand erweitert und Erfahrungen gesammelt werden können, die dann in das alltägliche Verwaltungshandeln eingehen können (mainstreaming). Als allgemeine Anforderungen an eine gendergerechte Planung sind die Gleichstellung der Geschlechter, Chancengleichheit und eine angemessene Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensbedingungen und Zwänge, unter denen die Geschlechter leben, anzusehen. Es ist insbesondere sicherzustellen, dass Orte für alle Geschlechter geschaffen werden, der Stellenwert der Reproduktion berücksichtigt ist, Sicherheit vor Gewalt und Unfällen gewährt ist, die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienarbeit unterstützt wird und Raumrepräsentationen sowie durch die Gestaltung transportierte Werte und Normen alle Geschlechter, Ethnien, Altersgruppen und Klassen einbezogen werden. Die Umsetzung dieser Anforderungen in der städtebaulichen Planung und der Freiraumplanung bedeutet Planinhalte, die eine Aneignung des Freiraums für Frauen und Männer bzw. Mädchen und Jungen gleichermaßen sicherstellen und die Attraktivität der Nutzung durch geeignete Gestaltung für beide Geschlechter gleichermaßen fördern. Anzuführen sind hier die unterschiedliche Raumaneignung der Geschlechter und spezifischen Nutzungsansprüche unterschiedlicher Nutzergruppen (Anwohner, Arbeitsbevölkerung, Senioren, Kinder, etc.) hinsichtlich der Aufenthaltsqualität und Gestaltung von Kommunikationsorten.

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In städtebaulicher und nutzungsstruktureller Hinsicht kommen im Einzelnen folgende Entwurfsprinzipien und Maßnahmen in Betracht: Funktionsmischung und räumliche Zuordnung • Horizontale und vertikale Zuordnung von Wohnen, Dienstleistungen, Einzelhandel, Gastronomie und Gemeinbedarfseinrichtungen unter Berücksichtigung der Verträglichkeit/Störempfindlichkeit der unterschiedlichen Nutzungsarten, belebende Nutzungsmöglichkeiten im EG, ggf. auch in der Hofbebauung (Versorgung, Sicherheit), keine monofunktionalen Strukturen, Sicherung sozialer Mischung. Mischung unterschiedlicher Wohnungsgrößen, Wohnformen, Vermarktungsformen (Miete, Eigentum, Angebote für Baugruppen),

• • •

Wohnen

• Integration spezieller Wohnungsangebote (z. B. betreutes, generationsübergreifendes Wohnen), • ausreichende Besonnung und Belichtung, insbesondere in den Wohnräumen und Kinderzimmern, • Gemeinschaftsräume und ausreichende Flächen für Gemeinschaftsanlagen (Fahrräder, Kinderwagen) und Kommunikation.

Freiräume • Aufenthaltsflächen mit hoher Nutzungsqualität und –vielfalt, • Kleinkinderspielplätze mit Sichtbeziehung und in Rufnähe der Wohnungen.

Mobilität und Erschließung • Gute Orientierbarkeit sichern: Direkte, sichere und attraktive Wegenetze für Fußgänger und Radfahrer, • Optimierung der Anbindungen an das übergeordnete Erschließungsnetz (Querungshilfen, Durchwegungen etc.),

• Transparente, offene und sichere Anordnung von ggf. vorgeschlagenen Tiefgarageneinfahrten und Stellplatzanlagen. Sicherheit • Bevorzugung raumbildender Bauweisen, optimale Orientierung durch klare, raumbildende Gebäudestellung, • • • • • Orientierung der belebten Gebäudeteile zur Straße bzw. zu den internen Hauptwegen (Eingänge, Hauptwohnräume, Gemeinschaftsräume), Vermeidung von Sichtbarrieren (bauliche Anlagen, Eingänge und Einfahrten, Bepflanzung, Einfriedungen), übersichtliche Erschließung, erkennbare Zuordnung wohnungsbezogener Freiflächen (privat, halböffentlich, öffentlich), Sicherstellung der Barrierefreiheit.

Des Weiteren ist auf die geschlechtsspezifisch und ethnisch unterschiedliche Wirkung von Raumrepräsentation (Symbolik der Gleichberechtigung, Nutzungsoffenheit zur Vermeidung heteronormativer Zuschreibungen durch die Gestaltung) zu achten. Mit der Einführung des Europarechtsanpassungsgesetzes Bau (EAG Bau) im Jahr 2004 hat das „Gender Mainstreaming“ Eingang in das Baugesetz-

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Situation und Planungsvorgaben

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buch der Bundesrepublik Deutschland gefunden. Durch die Aufnahme in den Katalog der bei der Aufstellung der Bauleitpläne besonders zu berücksichtigenden Belange (§ 1 Abs. 6 Nr. 3 BauGB) wurde die Bedeutung des Gender Mainstreaming damit auch auf der Ebene der Gesetzgebung gestärkt.

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Anhang

106

4
4.1 4.2

Anhang
Verfassererklärung Machbarkeitsstudie für eine öffentliche Erholungsnutzung des Tempelhofer Flughafens, Berlin 12/2007 (TOPOS / Ökologie & Planung) Karte „Biotope und Lebensräume“ aus: Machbarkeitsstudie für eine öffentliche Erholungsnutzung des Tempelhofer Flughafens, Berlin 12/2007 ( TOPOS / Ökologie & Planung) Ergebnisse naturschutzfachlicher Gutachten der Jahre 2004 / 2005 (Seebauer et al. 2005) Wasserwirtschaftliche Beratung zur Nachnutzung des Tempelhofer Feldes, Kurzfassung des Zwischenberichtes vom 31.08.2008 (Müller-Kalchreuth) Übersichtsplan Regenwasser Nachhaltigkeit und Energie (Thomas Kretschmer, TFH Berlin) Landschaftsprogramm / Artenschutzprogramm Änderungsverfahren 2008, Informelle Beteiligung der Öffentlichkeit, 08/2008 Flächennutzungsplan Änderungsverfahren 2008, Informelle Beteiligung der Öffentlichkeit, 08/2008 Legende zur Bereichsentwicklungsplanung Gebäudeatlas Tempelhofer Flugfeld, Ideenwerkstatt Tempelhof 05/2008 Geländepass Tempelhofer Flugfeld, Ideenwerkstatt Tempelhof 05/2008 Forum Erholung und Freizeit (Protokoll) Richtwerte und Berechnungsbeispiele für die Versorgung mit Wohnfolgeeinrichtungen Informationen zu Baugruppen und Baugemeinschaften in Berlin (Broschüre Wohnen in der Berliner Innenstadt) Ergebnisse Online-Dialog

4.3

4.4 4.5

4.6 4.7 4.8

4.9 4.10 4.11 4.12 4.13 4.14 4.15 4.16

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Weblinks / Quellen und weiterführende Literatur

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5

Web-Links

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/ tempelhof/index.shtml Senatsverwaltung Stadtentwicklung: Städtebauliche Projekte - Tempelhofer Freiheit – umfangreiche Informationen zum Planungsprozess http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/ Digitaler Umweltatlas Berlin. Karten mit Texten und Abbildungen für alle Umweltmedien und -bereiche Boden, Wasser, Luft, Klima, Flächennutzung, Verkehr, Lärm und Energie http://www.berlin.de/sen/sport/sportpolitik/umfrage.html Senatsverwaltung für Inneres und Sport: Sport in Berlin – Untersuchung zum Freizeitverhalten, 01/2008 8

6

Quellen und weiterführende Literatur

Bezirksamt Tempelhof (HG.): Landing on Tempelhof. 75 Jahre Zentralflughafen. 50 Jahre Luftbrücke, Ausstellungskatalog Berlin 1998 Dittrich, Elke: Der Flughafen Tempelhof in Entwurfszeichnungen und Modellen 1935-1944, Berlin 2005 / 2006 Landesarchiv Berlin: Von Berlin nach Germania, über die Zerstörungen der Reichshauptstadt durch Albert Speers Neugestaltungsplanungen, Ausstellungskatalog, Berlin 1985 Lothar Uebel: Viel Vergnügen / Die Geschichte der Vergnügungsstätten rund um den Kreuzberg und die Hasenheide. Kreuzberger Hefte VIII, Berlin 1985. Meuser, Philipp: Vom Fliegerfeld zum Wiesenmeer- Geschichte und Zukunft des Flughafens Tempelhof, Berlin, 2000 Schmitz, Frank: Flughafen Tempelhof. Berlins Tor zur Welt. Berlin 1997 Schütze, Karl-Robert: von den Befreiungskriegen bis zum Ende der Wehrmacht – Der Garnisonsfriedhof, Neuköllner Beiträge zur Bezirksgeschichte, Berlin1986 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz des Landes Berlin, Gutachten zur Denkmaleigenschaft Flughafen Tempelhof, Platz der Luftbrücke 4-6 in Berlin-Tempelhof, Hecker Manfred, Berlin, 1994 Voss, Berliner Zeitbilder, Welcome back to Tempelhof. Berlin 2004
        
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