3 Berlinisch⸗markische Forderungen. 215
Arnim im Einverständniß mit Kleist die Berücksichtigung und
Pflege des Berlinerthums wie des preußischen Provinzialismus
auf der Nationalbühne verlangte. Man versteht nun leichter,
weshalb Kleist fur Drama und Novelle märkische Stoffe auf—
suchte; weshalb Arnim in seiner Schaubühne denselben Weg
ging und sogar den Stralauer Fischzug als Lustspiel behandelte.
Hier liegen die Anfänge der Berlinisch-märkischen Roman- und
Schauspieldichtung, die, im besten Sinne conservativ und
patriotisch, von Wilibald Alexis, Theodor Fontane, Ernst von
Wildenbruch weiter gepflegt und entfaltet worden ist.
7. Der Verein des Tanzes mit der Musik.
Die gereizte Stimmung eines Theiles der Theaterbesucher
fing nun aber an sich in die Praxis umzusetzen. In für
Schauspieler und Director beängstigender Weise wurden die
Vorstellungen durch lautes Pochen unterbrochen. Namentlich
der Abend des 11. November 1810 gestaltete sich für Iffland
zu einem wahren Leidensabend. Es wurde Kotzebue's Belage⸗
sur g von Saragossa oder Pachter Feldkümmels Hochzeit ge—
wielt worauf das Ballet Der Verein des Tanzes mit der
Musik nachfolgte.
Es war wirklich ein starkes Stück, daß Iffland nach
dem elenden Pachter Feldkümmel nun auch noch Kotzebue's
uen estes erbärmliches Machwerk auf die Bühne des Schau—
spielhauses brachte. Die erste Winter-Aufführung am 30. Oc⸗
ober fiel gänzlich durch. Trotzdem wiederholte sie Iffland am
November, wo nun aber die Ruhe derartig gestört wurde,
ein allgemeines Pochen das Spiel übertäubte. Es bezeugt
* der amtliche Rapport des Polizeipräsidenten Gruner an
König, vom Tage nach der Vorstellung; auf dem Geh.
aats-Archive noch vorhanden.