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Volume No. 22, 1926/05/28

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1926 (Public Domain)

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XII. 
Verhandelt: Berlin, den 7. Mai 1926 (vorm.). 
Kap. XX Abt. 1 Ziffer 5 — Straßenbahn —. 
Ter Berichterstatter führte in seinem Bericht etwa folgendes aus. 
Tie Straßenbahn habe sich weiter günstig entwickelt, wenn auck) nicht 
in dem stürmischen Tempo wie in dem Jahre 1924. Während im 
Jahre 1923 etwa 286 Millionen Personen befördert Nwrden seien, ist 
diese Zahl im Jahre 1924 auf 530 Millionen und int Jahre 
1925 auf 772 Millionen gestiegen. Entsprechend der ver 
schlechterten Wirtschaftslage sei seit der Höchstleistung im Okto 
ber v. Js. während der beiden letzten Monate ein Abstieg zu verzeichnen. 
Gegen 50 Linien im Jahre 1923 sei im Jahre 1924 die Zahl der 
Linien uin 34, also auf 84, gestiegen. Im Jahre 1925 sind inertere fünf 
Linien hinzugekommen, außerdem sei der Abstand verdichtet und eine 
Vermehrung des Einsetzbctricbcs erfolgt. Im Jahre 1923 sei an 
Wagenkilometern 23 Millionen, im Jahre 1924 110 Millionen und im 
Jahre 1925 rund 150 Millionen gefahren worden. Das Jahr 1924 
sei ein besonders starkes Unfalljahr gewesen, die Unfallverhütungs 
propaganda habe sich erfolgreich erwiesen und dürfte energisch fort 
zusetzen sein, die Unfallvcrhältniszahl sei inzwischen auf 38 zurückge 
gangen. An Wagenbestand seien vorhanden geivesen ini Jahre 1924, 
au Triebwagen 1926, an Auhäugewagen 1406; im Jahre 1925 standen 
zur Verfügung 2136 Triebwagen und 1700 Anhängewagen. Es be 
fand sich aber viel veraltetes Material darunter, das ausrangiert werden 
mußte. Im Jahre 1924 sind Gleisneuarbeiteii 21 Kilometer, Umbauten 
33 Kilometer und Erneueruiigsarbeiten 31 Kilometer, im ganzen 85 Kilo 
meter, vorgenouimen worden, dem stehen gegenüber im Jahre 1925 
25,5 Gleisneuarbeiteii, 27 km Umbauten und 65 km Erneuerungsarbeiten, 
im ganzen 118 km. Tie befahrene Gesamtlänge betrug am 31. De 
zember 1925 — 1200 km und der Stromverbrauch ist von 69 auf 
96 Kilowattstunden gestiegen. Tie sozialeil Leistungen der Straßenbahn 
tzabcil im allgculeiuen mit der Gefaulte»twicklung Schritt gehalten. Eine 
starke Belastung des Unternehmens sei durch die Versorgung von 3615 
Personen des früherm Unternehmens mit Ruhegeld bedingt. 
So günstig diese Zahlen, so meinte der Berichterstatter, im allgeineinen 
sind, so muß dock) darauf hingewiesen werden, daß die Betriebskosten 
mit 50 pEt. stärker gestiegen sind, als die Einnahmen mit 43 pCt. 
Teü Weiteren kam der Berichterstatter auf die Gemeinnützige Heim- 
stnlten-Gcjellschast der Straßenbahn zu sprechen und betonte, daß diese 
bisher 7 Häusergruppen mit 800 Wohnungen, die dem Personal zur 
Verfügung gestellt lvordeu sind, errichtet habe. Im Weiterbau sei leider 
eine Stockung lvegen Mangel an Mitteln eingetreten, da der Gesell 
ichlift die Zuschüsse aus der Hailszinssteuer entzogen lverdeu sollen. 
Es lagen folgende Anträge vor: 
a) Ter Magistrat wird ersucht, zu veranlassen, daß zur Durchführung 
des gemeinnützigen Wohuungsprogramms der Straßeubahn-Betriebs- 
G. in. b. H. die erforderlichen Bauzuschüsse dilrch die Wohnungsfür- 
sorgegesellschaft zur Verfügung gestellt werden. 
I») Es wird beantragt, den Ansatz der Abgabe für die Straßenbahn 
von 9 Millionen auf 11 Millionen zrr erhöhen. 
Zu dem Antrage zu a) wurde von einer Seite des Ausschusses.aus 
geführt, daß die Bezuschussung des Wohnungsbauprogramms der Straßen- 
bahn-BetricbS-G. ni. b. H. insofern seine Bedenken erhoben lyabe, als die unter 
Zuhilfenahme der Hauszinssteuer errichteten Wohnungen vielleicht als 
Werkswohnuitgen angesehen lverdeu können. Es sei nämlich in dem Miet 
verträge eine Bestimmung enthalten, ivoiurch denjenigen Straßenbahnern, 
die aus dem Betriebe ausscheiden, als Mieter solcher Wohnungen alsdann 
der volle Mietpreis. der Wohnung auferlegt tvird. Weiter ivurde von 
dem Ausschußmitgliede ausgeführt, daß die günstige Entwicklung der 
Straßenbahn zum Teil durch eine übermäßige Ausnutzung des Personalis 
der Straßenbahn erfolgt sei. Der Personalbestand an Betriebspersonal 
sei gegen früher um 20 pEt. und das Haudwerkerpersonal um 10 pCt. 
verringert lvordeu, und ivenn trotzdem ein verhältnismäßig günstiges Er 
gebnis erzielt worden sei, so lasse dies unbedingt auf eine allzugroße 
Ausnutzung der Kräfte des Straßenbahnpcrsouals schließen. 
Von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Straßenbahn-Betricbs- 
G. m. b. H. wurde dem entgegengehalten, daß es unzutreffend sei, wenn 
angenommen mürbe, die Inhaber von Wohnungen der Straßenbahn- 
Gesellschaft müssen eine höhere Miete bei ihrem Ausscheiden aus der 
Gesellschaft zahlen. Diese Bestimmung sei in Fortfall gekommen. Die 
tariflichen Verhältnisse mit dem Straßenbahnpcrsonal seien durch das 
Tarifvertragsamt geregelt und hätten allgemeine Billigung gefunden. 
Jedenfalls sei die Gesellschaft bemüht, Beschwerden und Ungerechtigkeiten,
	        
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