Path:
Volume No. 43 (927-940), 11. Oktober 1902

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1902 (Public Domain)

658 
von den Umgebungen im Niederbarnimschcn Kreise Band 4, Blatt 
Nr. 209. verzeichnet; einen Ucbersichtsplan haben wir bereits unserer 
auf den Verkauf des Hausgrundstücks Müllerstraße 14 bezüglichen 
Vorlage vom 20. August 1900 beigefügt. 
In einem bei der Uebernahme der Kube'schen Nachlassenschaft 
im Jahre 1893 von dem inzwischen verstorbenen Gerichtsschöppen 
S. Levy und dem Rath-Maurermeister a. D. Metzing erforderten 
Gutachten über den Werth des oben angegebenen Gesammtgrundstücks 
war der Werth eines Quadratmeter bebaubarer Grundfläche — unter 
Annahme, daß von derselben 3 200 gm nach der Müllerstraße und 
12 IW gm nach dem Courbiöreplatz und der Gerichtstratze liegen — 
auf durchschnittlich 80 M geschätzt worden. Nachdem uns jetzt der 
Eigenthümer des Grundstücks Gerichtstraße 53 Bäckermeister Adolf 
Pritzkow, Dieffenbachstraßc 27, für eine 16 gm große auf dem 
anliegenden Situationsplan mit dem Buchstaben a, b, c bezeichnete 
Parzelle des Grundstücks Gerichtstraße 52 ein Gebot von 300 M pro 
Quadratmeter gemacht hat, haben wir beschloffen, dieses Gebot, das 
auch eineni neuerdings eingeholten Gutachten der Grundeigenthums- 
Deputation über den Werth der als Baumaske zu erachtenden Parzelle 
entspricht, anzunehmen. Pritzkow hat eine Bietungskaution in Höhe 
von 10 pCt. seines Gebots bei uns hinterlegt und das Gebot selbst 
in einer den gesetzlichen Bestimmungen entsprechenden Form abgegeben. 
Wir ersuchen die Stadtverordneten-Versammlung hiernach unserem 
Beschlusse beizutreten und, wie folgt, zu beschließen: 
Die Versammlung erklärt sich mit dem Verkauf einer 
15 gm großen auf dem Situationsplan des städtischen Ver 
messungsamts vom 29. Juli 1902 mit den Buchstaben a, b, o, a 
umschriebenen Parzelle des Grundstücks Gerichtstraße 62 für 
4 500 J6 an den Bäckermeister Pritzkow einverstanden. 
Berlin, den 3. Oktober 1902. 
Magistrat hiesiger König!. Haupt- und Residenzstadt. 
Kirschner. 
929. Protokoll des Ausschusses zur Vorberathung der Vor 
lage (Drucksache 773), betreffend die Regelung des ärzt 
lichen Dienstes am Waisenhause und am Arbeitshause 
zu Rummelsburg. 
Verhandelt Berlin, den 6. Oktober 1902. 
Anwesend: 
Stadtverordneten-Vorsteher-Stellvertreter Mich eiet, Vorsitzender, 
Stadtverordneter Wallach, Stellvertreter des Vorsitzenden, 
. Dr. Bernstein, 
- Dr. Freudenberg, 
- Iden, 
- Dr. Landau, 
Nelke, 
- Dr. Rüge, 
- Witkowski. 
Als Vertreter des Magistrats: 
Stadtrath Dr. Straßmann, 
. Fischbeck, 
- von Friedberg. 
Entschuldigt: 
Stadtverordneter Lemcke. 
Der Magistrat ersucht in der oben bezeichneten Vorlage die Ver 
sammlung um folgende Beschlußfassung: 
Die Versammlung ist mit der in der Vorlage vom 
5. September 1902 vorgeschlagenen Regelung des ärztlichen 
Dienstes am Waiscnhause und am Arbeitshause zu Rummels 
burg und mit der Zahlung der für 1. Oktober 1902 bis 
31. März 1903 entstehenden Mehr-Ausgabe bei Spezial- 
Verwaltung 22 ungeachtet der eintretenden Etatsüber- 
schreitung einverstanden. 
Seitens der Versammlung ist diese Vorlage durch Beschluß vom 
18. v. Mts. — Protokoll Nr. 15 — einem Ausschuffe zur Vor 
berathung überwiesen worden. Die heutige Berathung des Aus- 
schusses leitete der Vorsitzende mit einem Rückblick auf die Gründe 
der Veranlassung zu dieser Vorlage ein. Derselbe bemerkte, daß auf 
die andererseits angeregte Einladung eines ärztlichen Sachverständigen 
zu der Ausschußberathung wohl verzichtet werden könnte, weil auch 
im Ausschüsse Aerzte seien. Weiter wurde bemerkt, daß, wie bekannt, 
das Waisenhaus und Arbeitshaus zu Rummelsburg nachbarlich ge 
legen seien. Für jede Anstalt sei eine Krankenstation vorhanden und 
die Behandlung der Kranken derselben bisher durch einen gemein 
schaftlichen Arzt erfolgt. Nach der Vorlage befänden sich durchschnittlich 
pro Tag ini Lazareth des Waisenhauses 140 Kinder und in dem 
jenigen des Arbeitshauses 80 kranke Korrigenden. Außerdem würden 
im Arbeitshause noch täglich über 300 Hospitaliten, arbeitsunfähige, 
sieche und unheilbare Personen verpflegt. Durch das am 1. d. Mts. 
erfolgte Ausscheiden des bisherigen Arztes aus dieser Stellung wären 
nun die betreffenden Verwaltungen veranlaßt worden, eine ander- 
weitige Regelung des ärztlichen Dienstes vorzusehen und hätten dem 
zu Folge dem Magistrate, da nur ein Arzt keinenfalls mehr genüge, 
die Annahme eines Oberarztes und eines Assistenzarztes für jede 
Krankenstation beantragt. Der Magistrat habe es jedoch für aus 
reichend gehalten, wenn vorläufig ein gemeinsamer dirigirender Arzt 
mit dem Titel Oberarzt und für jede Anstalt ein Assistenzarzt bestellt 
werde. Nach den bei der Plenarberathung über die Vorlage ge 
machten Ausführungen dürfte es sich bei der heutigen Berathung 
fragen, ob auf den Magistratsantrag einzugehen sei, oder ob darüber 
hinausgegangen und auf die Beschlüsse der Waisen- und Arbeitshaus- 
Verwaltung zurückgegriffen werden solle. 
Im Ausschuffe wurde, unter Hinweis auf die bei den städtischen 
Kranken-Anstalten geltenden Grundsätze, wonach für je 50 Kranke ein 
Assistenzarzt und für je 150 Kranke ein Oberarzt für nothwendig be 
funden werde, die Forderung der beiden Verwaltungen auf 2 Ober 
ärzte und 2 Assistenzärzte für durchaus berechtigt gehalten. 
Ferner wurde hervorgehoben, daß man nicht nur auf die Zahl 
der in den beiden Anstalten zu behandelnden Kranken Gewicht legen 
dürfte. Es handele sich hier doch auch um ein ganz verschiedenes 
Material von Kranken, und zwar auf der einen Seite um kranke 
Kinder aus dem Waisenhause und auf der anderen um sieche Per 
sonen, sowie um eine von jenen gänzlich abweichende Klaffe von 
Kranken aus der Zahl der Arbeitshäuslinge. Aehnlich, wie bei den 
Siechen-Anstalten, empfehle es sich daher auch hier, die beiden Kranken- 
stationen von einander zu trennen und für jede Anstalt einen Ober 
arzt und einen Assistenzarzt zu bestellen. Eine Vereinigung der ärzt 
lichen Ueberwachung für beide Anstalten erscheine durchaus unzweckmäßig. 
Andere Redner stimmten dem Vorhergesagten ebenfalls zu. Hier 
bei wurde weiter ausgeführt, daß die angegebene Zahl der ärztlich zu 
behandelnden Personen noch eine erheblich höhere sei, indem nicht nur 
die wirklich Kranken, sondern auch die im Siechenhause befindlichen 
Personen, deren Zahl zur Zeit nicht unwesentlich gestiegen sei, einer 
ärztlichen Ueberwachung bedürften. Auch möchte darauf Bedacht ge 
nommen werden, die Ausgaben des Arztes dahin zu erweitern, daß 
nicht nur eine Musterung der neu aufgenommenen Korrigenden statt 
zufinden habe, sondern letztere auch auf ihren Geisteszustand unter 
sucht würden, da nach den Berichten der Arbeitshaus-Verwaltung 
eine ganze Anzahl solcher Personen nicht in das Arbeitshaus, sondern 
in eine Irren-Anstalt gehörten. 
Sodann dürfte besonders darauf hinzuwirken sein, daß außer der 
stattfindenden ärztlichen Behandlung der Kranken aus dem Waisen 
hause auch die übrigen Zöglinge der Anstalt einer ärztlichen Kontrolle 
in ähnlicher Weise, wie solche bei den Gemeindeschulkindern durch 
Schulärzte erfolgen, unterstellt würden. Weiter sei es wünschenswerth, 
für etwa plötzlich eintretende schwere Erkrankungen einen ärztlichen 
(hi four-Dienst einzurichten, damit ein Arzt für solche Fälle sogleich 
zur Stelle sei. 
Seitens der Herren Magistrats-Vertreter wurde hierauf die 
Magistratsvorlage näher begründet und im Wesentlichen bemerkt, daß 
der Magistrat auf die Anträge der betheiligten Verwaltungen deshalb 
nicht glaubte eingehen zu können, weil es ihm nicht nothwendig er 
schienen sei, eine ärztliche Kraft sogleich durch 4 Aerzte zu ersetzen. 
Derselbe habe es vielmehr für ausreichend gehalten, auch weiterhin 
die beiden Anstalten gemeinsam ärztlich überwachen zu lassen und 
dazu vorläufig 1 Oberarzt und 2 Assistenzärzte anzunehmen. Zu 
dieser Ansicht sei hauptsächlich der Umstand maßgebend gewesen, daß 
nur für einen Oberarzt eine Wohnung in den Anstaltsgebäuden zur 
Verfügung stände. 
Im weiteren Verlaufe der Berathung erachtete man es für zweck 
mäßig, falls auf die Vorschläge der betreffenden Verwaltungen zurück 
gegriffen werden sollte, einen derartigen Beschluß der Versammlung 
herbeizuführen, welcher es dem Magistrate ermögliche, das seit dem 
1. d. Mts. bestehende Provisorium ohne eine weitere Vorlage in 
Bezug auf etwa entstehende Mehrkosten baldmöglichst zu beseitigen. 
Demnächst wurde noch in einer eingehenden Besprechung ausgeführt, 
daß das Wohnen der dirigirenden Aerzte (Oberärzte) in den Anstalts 
gebäuden nicht für nothwendig gehalten werde. Jedoch, so wurde 
weiter ausgeführt, müsse es den Aerzten zur Pflicht gemacht werden, 
daß sie möglichst nahe der Anstalt ihre Wohnungen zu nehmen hätten, 
um in dringenden Krankheitsfällen sogleich erreichbar zu sein. Falls 
den Aerzten eine Dienstwohnung nicht gewährt würde, dürfte den 
selben eine Wohnungsentschädigung zu gewähren sein. 
Betreffs der für die Aerzte festzusetzenden Gehälter werde vor 
geschlagen, diese nach den bei den städtischen Kranken-Anstalten be 
stehenden Grundsätzen zu regeln. 
Von anderen Rednern wurde die Ansicht vertreten, daß auch von 
dem Wohnen der Aerzte in möglichster Nähe der Anstalten Abstand 
zu nehmen sei, da es den Aerzten bei den jetzt vorhandenen Verkehrs 
verhältnissen sehr leicht sein dürfte, bei dringenden Konsultafionen die 
Anstalten schnell zu erreichen. Auch möchte es angezeigt sein, dem 
Magistrat für die Gewinnung geeigneter ärztlicher Kräfte freiere
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.