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Volume No. 37 (624-655), 21. Juni 1902

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1902 (Public Domain)

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fräste — 6 für 56 Knaben — sind zur Zeit nicht genügend beschäftigt, 
während umgekehrt die Zahl der Erziehungsaufseher — jetzt 4 — bei 
weitem nicht ausreicht, die oben erwähnten 164 Zöglinge ausreichend 
zu beaufsichtigen. 
Neben diesem Mangel an Aufsicht fällt noch besonders erschwerend 
ins Gewicht, daß die Werkstätten aus demselben Grunde nur eine 
beschränkte Zahl von Zöglingen beschäftigen können. Es befinden 
sich zur Zeit täglich etwa 50 große Burschen in der Erziehungs 
anstalt, für welche keine Arbeitsgelegenheit vorhanden ist. 
Zur schleunigen Abhilfe der vorstehend geschilderten Uebelstände 
erscheint es uns angebracht, in dem der Erziehungs-Anstalt über 
wiesenen Lehr- und Arbeitspersonal eine Veränderung vorzunehmen, 
und zwar beabsichtigen wir die Stellen zweier Lehrer und eines 
Werkmeisters, der als Korbmacher bisher nur vormittags beschäftigt 
ist, mit dem 1. Oktober 1902 abzusetzen und an deren Stelle zu dem 
gleichen Termin drei weitere Erziehungsaufsehcr zu engagiren, so 
daß dann im Ganzen 4 Lehrer und 7 Erziehungsaufseher am 
Erzichungshaus thätig sein werden. 
Die drei neuen Stellen der Erziehungsaufseher wären zweck 
mäßig zu besetzen mit 
1 Schneider, 
1 Schuhmacher, 
1 Korbmacher. 
Die beiden ersten Stellen wären neu zu besetzen, während der 
bisher als Korbmacher nur Vormittags beschäftigte Werkmeister als 
Erziehungsaufseher den ganzen Tag zur Verfügung steht. 
Finanziell würde sich die Umwandlung beim Spezial-Etat 22A, 
wie folgt, gestalten: 
I. Es wären abzusetzen beim Abschnitt IA. 
1. Titel III, Position 5 1 560,oo JC, 
2. - III, - 6 1500,oo - 
3. - I, - Id 1067,50 - 
4 127,50 JC, 
also vom 1. Oktober 1902 ab —= 2 063,75 JC. 
II. In Zugang zu bringen wären beim Abschnitt IA, Titel 1, 
Position Ib, die Bezüge für drei weitere Erziehungsaufseher 
mit je 1 200 JC, zusammen 3 600 Jt, 
also vom 1. Oktober 1902 ab 3( f° = 1800 JC. 
Dem Abgang von 4 127,50 JC 
würde ein Zugang von 3 600,oo 
gegenüberstehen, so daß pro Etatsjahr 527,so JC, 
mithin für das lausende vom 1. Oktober 1902 ab 263,75 JC weniger 
gebraucht würden. 
Die Stadtverordneten-Versammlung ersuchen wir uni folgende 
Beschlußfassung: 
Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, daß 
die am Erziehungshaus in Lichtenberg vorhandenen 4 Stellen 
für Erziehungsaufseher um weitere 3 vermehrt werden und 
genehmigt, daß die Mittel hierzu durch Herabsetzung der 
Zahl der am Erziehungshaus beschäftigten Lehrer von 6'auf 4 
und Aufhebung einer Werkmeisterstelle aus den hierdurch 
disponiblen Etatstitel bereit gestellt werden. 
Berlin, den 12. Juni 1902. 
Magistrat hiesiger König!. Haupt- und Residenzstadt. 
Kirschner. 
«86. Protokolle des Ausschusses zur Borberathung der 
Vorlage (Drucksache 429), betreffend den Abschluß eines 
Vertrages zwischen der Stadtgemeinde Berlin und 
der Aktien-Gesellschaft Verein zur Verbesserung der 
kleinen Wohnungen in Berlin. 
I. 
Verhandelt Berlin, den 22. Mai 1902. 
Anwesend: 
Smdtverordncter Kaemps, Vorsitzender, 
- Wallach, 
- Barth, 
- Borgmann, 
Cassel, 
- Esmann, 
• Haberland, 
- Hcimann, 
- Iden, 
- Körte, 
- vr. Nathan, 
Ullstein, 
Stadtrath Fisch deck, als Vertreter des Magistrats. 
Entschuldigt: 
Stadtverordneter Nelke, 
. Singer, 
. Georg Wolfs (I). 
Die Stadtverordneten-Versammlung hat mit der Vorberathung 
der vorbezeichneteu Vorlage einen Ausschuß beauftragt, welcher sich 
in seiner heutigen Sitzung diesem Auftrage unterzogen hat. 
In der nach einigen einleitenden Worten seitens des Vorsitzenden 
stattfindenden generellen Berathung wurde empfohlen, in erster Linie 
eine Prüfung dahin vorzunehmen, ob die bisherigen Leistungen der 
hier in Betracht kommenden Aktien-Gesellschaft auch derartige seien, 
daß sie eine Gewähr bieten, daß der mit dem Vertrage verbundene 
Zweck seitens der Gesellschaft erfüllt werden könne. 
Es möchte daher zweckmäßig sein, zunächst eine Besichtigung der 
von der Aktien-Gesellschaft an der Weisbach- und der Ebelingstraße 
errichteten Wohnhäuser seitens der Ausschußmitglieder vorzunehmen. 
Ergäbe die Besichtigung, daß die Gesellschaft thatsächlich etwas Besseres 
an billigeren Wohnungen als in anderen Wohngebäuden biete, dann 
wäre man erst in der Lage, über einen Vertrag mit derselben zu 
berathen. 
Der Vornahme einer Besichtigung der vorbezeichneten Wohnhäuser 
stimmten auch andere Redner zu. Es wurde aber weiter ausgeführt, 
daß man auf Grund dessen, was man aus den vorliegenden Zeichnungen 
und auch an Ort und Stelle bei privater Besichtigung ersehen hatte, 
sehr wohl zu der Ansicht gelangen könnte, unbedenklich mit der Gesell 
schaft ein Abkommen auf der vom Magistrate gegebenen Grundlage 
zu treffen. Daß die Gesellschaft bemüht sei, gute, gesunde und auch 
verhältnißmäßig billige Wohnungen einzurichten, möchte daraus schon 
zu schließen sein, daß die in den bereits seit 3 Jahren vorhandenen 
Wohnhäusern der Gesellschaft befindlichen Wohnungen sammt und sonders 
vermiethet seien. Die Wohngebäude böten den ganz besonderen hygienischen 
Vortheil, daß bei diesen große Höfe mit Rasenflächen, sowie Turn- 
und Spielplätze vorgesehen seien. Ferner stände den Miethern die 
unentgeltliche Benutzung einer auf dem Hofe befindlichen Bade-Anstalt 
zur Verfügung. Vor Allem sei feststehend, daß die Gesellschaft bei 
allen diesen Wohnungen für Licht und Luft in weitgehendstem Maße 
Sorge getragen habe. Hervorgehoben werde, daß Hinterhäuser über 
haupt nicht errichtet werden sollen. Außerdem sei die Einrichtung zu 
großer Wohnräume vermieden und seien dafür mehrere kleinere Räume 
geschaffen, damit eine Trennung älterer und junger Personen, sowie 
der Geschlechter sich ermöglichen lasse. 
Wenn nun von anderer Seite gesagt worden sei, daß die in 
diesen Häusern vorgesehenen Wohnungen nicht billiger seien als in 
anderen, so sei zu erwidern, daß der Beschluß der Versammlung vom 
22. März v. Js. nicht dahin gehe, billigere, sondern kleine, gute, 
gesunde und^möglichst billige Wohnungen zu schaffen. Dem Sinne 
dieses Beschlusses dürfte es daher entsprechen, >venn der Gesellschaft 
die beantragte Unterstützung gewährt werde. Es möchte jedenfalls 
schwer halten, noch billigere und in gesundheitlicher Beziehung ähnliche, 
wie die hier vorgesehenen Wohnungen, sei es durch Erbbaurecht, sei 
es durch Unterstützung von Genossenschaften, zu erhalten. 
Hinsichtlich der hohen Verwaltungskosten, welche seitens der 
Gesellschaft in Rechnung gestellt würden, sei zu bemerken, daß sich 
diese Kosten hauptsächlich durch das Baubüreau. welches auch die für 
die Zukunft noch auszuführenden Projekte zu bearbeiten habe, etwas 
hoch stellten. 
Bei dem Fortschreiten der Bebauung des übrigen Terrains der 
Gesellschaft dürften sich diese Kosten wesentlich ermäßigen. 
Sodann sei hierbei zu berücksichtigen, daß die Aktionäre keinen 
Unternehmergcwinn. sondern nur 4 °/ 0 Dividende erhielten und auch 
bei Liquidation nach § 26 des Statuts nur das aus dem Unter- 
nehmen herausnehmen dürften, was sie als Aktionäre hineingesteckt hätten. 
Weiter wurde ausgeführt, daß bei Gewährung der beantragten 
Unterstützung an die Gesellschaft die Stadt durchaus kein Risiko über- 
nehme, da die Grundstücke nach den oberflächlichen Berechnungen doch 
immer noch einen höheren Werth darstellten, als der Feuerkassenwerth 
der Gebäude betrage. 
Zur besseren Beurtheilung des Grundstückswerthes und um einen 
Anhalt zur Prüfung der Sicherheit des Darlehns zu erhalten, er- 
scheine es nothwendig, von der Gesellschaft Informationen über die 
für das Quadratmeter bebauter Fläche gezahlten Baukosten einziehen zu 
lassen. Im Wesentlichen handle es sich in der vorliegenden Au 
Gelegenheit nicht um ein auf Unternchmergewinn abzielendes Unter 
nehmen, sondern um die Zuwendung eines Benefiziums an die 
Bevölkerung, welche auf kleine Wohnungen angewiesen sei. Da nun 
die Gesellschaft sowohl bei den bereits vorhandenen als auch bei den 
noch zu errichtenden Wohnhäusern für Luft und Licht Sorge getragen 
hätte, also in gesundheitlicher Beziehung wohl das Möglichste leiste, 
so müsse doch das allein die Stadtgemeinde veranlassen, derselben in 
ihren Bestrebungen behilflich zu sein. Die gebotenen Vortheile seien 
so groß, daß die kleinen Nachtheile die städtische Verwaltung nicht 
abhalten dürften, der Gesellschaft die beantragte Unterstützung zu 
gewähren. 
Auf diese Ausführungen wurde von anderen Rednern entgegnet.
	        
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