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Volume No. 40 (809-823), 8. September 1900

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1900 (Public Domain)

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generellen Planes für die Versorgung Berlins mit Volksbädern ein 
Zeitraum von sechs bis acht Jahren in Aussicht genominen war, und 
zunächst der Bau der drei Anstalten in der Bärwald-, Dennewitz- 
und Oderbergerslraße gefördert werden sollte. Diese drei Anstalten 
gehen nunmehr ihrer Vollendung entgegen. Inzwischen hat die Be 
völkerung des Wedding weiterhin eine erhebliche Zunahme erfahren. 
Andererseits haben die Verhältnisse bei den städtischen Bade-Anstalten 
im Nordhasen sich ungünstig gestaltet. Es ist deshalb jetzt die dringende 
Nothwendigkeit eingetreten, baldigst weitere Gelegenheit zur Befriedi 
gung des Badebedürfnisses der dortigen, sehr zahlreichen, weniger be 
mittelten Bevölkerung durch Errichtung einer Volks-Badeanstalt zu 
beschaffen. 
An die Erledigung dieser Aufgabe ist die Deputation für Turn- 
und Badewese» bereits im Juli v. Js. gegangen. 
Entsprechend dem Antrage der Stadtverordneten-Versammlung 
vom 14. Dezember 1893, das Volksbad innerhalb der Ring 
bahn in der Nähe des Bahnhofs Wedding zu errichten, war 
die Deputation bemüht, in dortiger Gegend ein Grundstück zu er 
mitteln. Von dem in städtischen Besitz befindlichen unbebauten Flächen 
innerhalb der Bahnlinie hat nur die an der Ecke der Ravens- und 
Kunkelstraße neben der 70./202. Gemeindeschule telegene die erforder 
liche Größe und passende Form. Von einer Verwendung dieser Fläche 
wird aber Abstand genommen werden müssen, weil das für die Volks- 
Badeanstalt nicht erforderliche Restgrundstück anderweit schwer zu ver 
werthen sein würde. Seitens der Bade-Deputation wurden dann Ver 
handlungen mit der Stistungs-Deputation wegen käuflicher Ueber- 
lassung eines Theils des am Courbiöreplatz gelegenen Kube'schen 
Stiftungsgrundstücks gepflogen, die aber in Rücksicht auf den hohen 
Preis von 150 M pro Quadratmeter nicht weiter geführt worden 
sind. 
In Folge der darauf von der Deputation für Turn- und Bade 
wesen veranlaßten öffentlichen Ausschreibung des Grundstücks ging 
eine Anzahl von Angeboten ein. 
Von den innerhalb der Ringbahn angestellten Privatgrundstücken 
konnten allein die der Dotti'schen Terrain-Gesellschaft bezw. den Ge 
brüdern Schickler gehörigen Parzellen zwischen Kunkel-. Dalldorfer 
und Schulzendorferstraße bezw. Kunkel-, Dalldorfer und Ravenöstraße 
als in Form und Größe nicht ungeeignet, in Betracht gezogen werden. 
Die Deputation hat aber von der Wahl eines dieser Grundstücke 
geglaubt Abstand nehmen zu sollen, weil die dem Admiralsgartenbade 
gehörige Filiale am Weddingplatze in unmittelbare Nähe liegt. 
Nachdem so die Bemühungen, innerhalb der Ringbahn ein ge 
eignetes Terrain zu finden, fruchtlos geblieben waren, so andererseits 
auch außerhalb der Bahnlinie in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes 
an passenden Angeboten fehlte, blieb nur übrig, unter den dort im 
städtischen Besitz befindlichen Grundstücken weitere Umschau zu halten. 
Die Wahl fiel hierbei auf das in der Pankstraße 11/12 und 
Wiesenftraße 49/64 neben dem Lessing-Gymnasium belegene Grund 
stück, dessen theilweise Verwendung für den vorliegenden Zweck schon 
vor Jahren ins Auge gefaßt worden war. Von dem 10 175 gm großen 
Grundstück wird die auf dem anliegenden Lageplane mit gelber Farbe um 
ränderte Fläche von rund 6 242 gm für die Errichtung des Volksbades 
von der Bau-Verwaltung beansprucht. Die Lage dieses Grundstücks 
erscheint für den beabsichtigten Zweck günstig. Dasselbe liegt ungefähr 
in der Mitte zwischen den beiden Volksbädern in der Thurm- und in 
der Oderbergerstraße, nicht weit vom Ringbahnhofe Wedding und an 
der Hauptverbindungsstraße zwischen Wedding und Gesundbrunnen. 
Von den nächsten Privat-Badeanstalten (der Filiale des Admirals 
gartenbades auf dem Wedding und dem Marienbade auf dem 
Gesundbrunnen) besteht eine angemessene Entfernung. Den benach- 
barten Schulen wird die unmittelbare Nähe des Volksbades besondere 
Vortheile bieten. In Folge der in dortiger Gegend außerhalb der 
Ringbahn herrschenden lebhaften Bauthätigkeit, die durch die Eröffnung 
des IV. städtischen Krankenhauses noch reger werden wird, wird 
fernerhin ein weiteres Anwachsen der bereits vorhandenen hohen 
Bevölkerungszahl veranlaßt, so daß eine außerordentlich starke Be 
nutzung der projektirten Volks-Badeanstalt gewärtigt werden muß. 
Abgesehen hiervon fällt für die Bemessung der Größe der Anstalt 
aber noch der besondere Umstand ins Gewicht, daß der Fortbestand 
der beiden alljährlich von mehr als 200000 Personen besuchten 
städtischen Bade-Anstalten im Nordhafen ernstlich in Frage gestellt ist. 
Die Strombehörden sind wegen des immer mehr zunehmenden Mangels 
an Schiffsliegestellen bereits mit der Forderung wegen der Verlegung 
der Frauen-Badeanstalt im Nordhasen an uns herangetreten. Für 
eine solche Verlegung wird schlechterdings nur der weit entfernte 
Plötzensee gewählt werden können. 
Bei dieser Sachlage ist nickt nur eine schleunige Förderung des 
Baues der Volks-Badeanstalt für den Wedding, sondern auch eine 
etwas größere Anlage als bei den übrigen Anstalten geboten. Mit 
der wahrscheinlich nicht mehr fernen Beseitigung der Frauen-Bade 
anstalt im Nordhafen wird die zahlreiche, weniger bemittelte weibliche 
Bevölkerung dort überhaupt jede Reinigung und Erfrischung des Körpers 
durch billige Bäder entbehren. Die neue Anstalt wird deshalb neben einer 
besonders großen Zahl von Wannen und Brausen mit zwei Schwimm 
becken ausgestattet werden müssen. Bei dem gänzlichen Fehlen von Fluß- 
badeanstalten kann, namentlich in der wärmeren Jahreszeit, mit 
einem Schwimmbecken zur abwechselnden Benutzung für beide Ge 
schlechter, dem Badebedürfnisse einer so zahlreichen Bevölkerung nicht 
genügt werden. Die Nothwendigkeit, zwei Bassins zu schaffen, läßt 
sich auch aus dem bedeutenden Verkehr der beiden Badeanstalten im 
Nordhafen im Sommer 1899 erkennen, in dem das Fraueubad täglich 
im Durchschnitt von mehr als 480, das Männerbad von mehr als 
1100 Personen besucht wurde. 
Wir haben deshalb dem Antrage der Deputation, die auf dem 
Wedding zu errichtende Volks-Badeanstalt größer als unsere bisherigen 
derartigen Anstalten anzulegen und dieselben insbesondere mit zwei 
Schwimmbecken auszustatten, zugestimmt. 
Die Stadtverordnetcn-Versammlung ersuchen wir hiernach, wie 
folgt zu beschließen: 
Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, daß 
für die im Stadttheil Wedding zu errichtende, mit zwei 
Schwimmbecken auszustattende Volls-Badeanstalt die auf dem 
anliegenden Lageplane mit gelber Farbe eingezeichnete Fläche 
von 6 242 gm des in der Pankstraße 11/12 und Wiesen 
straße 49/54 belegenen städtischen Grundstücks verwendet werde. 
Berlin, den 5. September 1900. 
Magistrat hiesiger König!. Haupt- und Residenzstadt. 
I. V.: Hübner. 
81«. -Vorlage (J.-Nr. 1522 F. B. 00) — zur «eschluh- 
faffung —, über den Umbau der Feuerwehr-Zugwache 
in der Thurmstrahe Nr. 22. 
Nachdem der Feuerwehr-Zugwache in der Thurmstraße Nr. 22 
zur Verbesierung der engen Raumverhältnisse in der Wache mit Ge 
nehmigung der Stadtverordneten-Versammlung vom 29. Juni o. Js. 
— Protokoll Nr. 21 — die auf dem Grundstück durch die Verlegung 
des Straßenreinigungsdepots frei gewordenen Räume überwiesen sind, 
auch die bisherige Oberfeuermanns-Dieustwohnnng mit Zustimmung 
der Stadtverordneten-Versammlung vom 14. Dezember v. Js. — Pro 
tokoll Nr. 19 — zu den Wachräumen hinzugenommen ist, sollen nach 
dem Antrage des Königlichen Polizei-Präsidiums auch in dieser Wache 
für die Mannschaften von einander getrennte Schlaf-, Wohn-, Koch-, 
Bade- und Waschräume geschaffen werden, wie sie bei allen Neu- und 
Umbauten von Feuerwachen in den letzten Jahren mit Genehmigung 
der städtischen Behörden hergestellt sind. Der deshalb nöthige Umbau 
der Zugwache bietet zugleich Gelegenheit, die engen Räume und die 
etwas veralteten baulichen Einrichtungen, die auf die Schlagfertigkeit 
des Zuges henimend einwirken, zu verbessern. Die Einzelheiten des 
geplanten Umbaues sind aus dem anliegenden, von unserer Bau-Ver 
waltung im Einverständniß mit der Abtheilung für Feuerwehr aus 
gearbeiteten und von der Bau-Deputation genehmigten Entwurf nebst 
Kostenanschlag und Erläuternngsbericht ersichtlich. Die Kosten von 
21 000 M werden in dem nächsten Etat einzustellen sein. 
Wir ersuchen daher zu beschließen: 
Die Versammlung genehmigt den Umbau der Feuerwehr- 
Zugwache in der Thurmstraße 22 nach dem vorgelegten 
Entwurf nebst Kostenanschlag und erklärt sich damit einver 
standen, daß die Baukosten von 21000 M in den Spezial- 
Etat Nr. 35 für das Etatsjahr 1901 eingestellt werden. 
Berlin, den 7. September 1900. 
Magistrat hiesiger Königl. Haupt- und Residenzstadt. 
I. V.: Hübner. 
Zu Nr. 81«. 
Erläuterungsbericht, 
betreffend den Umbau der Zugwache Nr. 15 Thurm-Straße 22. 
Die Verhältnisse der Feuerwache Nr. 15 Thurmstraße 22 be- 
dürfen dringend der Verbesserung, weil einestheils die vorhandenen 
Räume, namentlich seitdem die Mannschaft bei Zuteilung einer 
mechanischen Leiter um 6 Köpfe vermehrt ist, zu eng sind, anderseits 
die etwas veralteten baulichen Einrichtungen hemmend auf die Schlag 
fertigkeit des Zuges einwirken. 
Zur Zeit muß die, nach Abzug der Fahrer und des Telegraphisten, 
ungefähr 30 Mann starke Wache in den 3 zur Verfügung stehenden 
Räumen von zusammen 110 gm Grundfläche ununterbrochen — mit 
Ausnahme der Stunden des Außendienstes — sich aufhalten, darin 
schlafen, sich waschen und essen. Das Kochen geschieht in einem mit 
den Zimmern direkt verbundenen Nebenraum. Es kommt dazu, daß 
dieselben Räume als Werkstätten für Flickschneiderei, als Schreib- 
und Rechnenstube für die Oberfeuermänner dienen, sowie den Ver- 
kehr der das Mittagessen und die sonstige Verpflegung zutragenden 
Angehörigen aufnehmen müssen.
	        
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