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Volume No. 34 (638-663), 16. Juni 1900

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1900 (Public Domain)

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21 Kostenanschläge bezüglich dieser Ausführungen, 35 Blatt Zeich- 
Mmge» und 1 Heft Bemerkungen zu den Bauausführungen am 
Röhrensystem werden beigefügt. 
Hieran anschließend werden noch einige erst neuerdings ins Auge 
gefaßte Banansführiingen und Neueinrichtungen bezw. Verbesserungen 
in Aussicht genommen. 
Durch Beschluß der Stadiverordneten-Versammlung vom 20. April 
1899 — Prot. Nr. 23, Gem.-Bl. S. 189 — sind für die Aufstellung 
von Kokesbrechaulagen auf den 4 städtischen Gas-Anstalten die speziellen 
Zeichnungen und Kostenanschläge und mit diesen eine Ausgabe von 
206 200 JC genehmigt worden. In der Begründung dieser Vorlage 
ist bereits eingehend ausgeführt, daß die Nachfrage nach gebrochenem 
Kotes in letzter Zeit beträchtlich zugenommen habe, die im Betrieb 
befindlichen Anlagen jedoch durchaus unzureichend seien, um dem Be 
darf zu genügen. Durch das Zerkleinern des Kokes im Handbetrieb 
werden nur unzureichende Mengen gewonnen, auch kann der mit der 
Hand zerkleinerte Kokes nicht in gleichmäßiger Größe hergestellt werden. 
Die genehmigten Projekte konnten jedoch mit Rücksicht auf ihre Größe 
und ihre Konstruktion nachträglich nicht mehr als zweckmäßige erachtet 
werden, sodaß die Ausführung sisticrt werden mußte. 
I Es werden nunmehr neue Projekte derKokesaufbereitungen u. s. w. 
für die Anstalten H, III, IV und V, welche in jeder Hinsicht genügen 
werden, der Versammlung zur Genehmigung vorgelegt. 
Zur Erläuterung der neu projcktirten Anlagen sei bemerkt, daß 
die Bezeichnung Kokesbrechanlagen den Gegenstand der Vorlage nicht 
richtig bezeichnen würde, die projcktirten Anlagen dienen vielmehr in 
erster Linie znni Transport des Kokes ans Lager und vom Lager, dann 
zur Verladung des Kokes in die Waggons und in die Fuhrwerke, 
ferner zum Sieben des produzirten und gelagerten Kokes und schließlich 
zum Brechen des zu groß befundenen. 
Abgesehen davon, daß das jetzige Kokesverladeverfahrcn schwierig, 
nicht ungefährlich und in jeder Beziehung als unzeitgemäß bezeichnet 
werden muß, daß die Mannschaften zu den schwierigeren Arbeiten 
immer schwerer zu erhalten sind, ist das Verfahren außerdem kost 
spielig. Die umfangreichsten Lager befanden sich in den letzten Jahren 
auf der Gas-Anstalt IV und konnten hier die eingehendsten Er 
mittelungen über die einzelnen Kosten des Kokesbetriebes angestellt 
werden. Nach einem Bericht der Anstalt IV hat das auf Lagerkarren 
im Durchschnitt 4,4 ^ und im Maximum 6,3 ^ pro Hektoliter 
gekostet Der Transport des Kokes vom Lager zur Bahn hat je nach 
den benutzten Vorrichtungen 3,7 bis 8,8 ^ pro Hektoliter gekostet. 
Abgesehen von Zeitverlusten beim Lagern, vom Bruchverlust und von 
dem Verlust durch billigeren Verkauf, welcher durch große Lager ver 
ursacht wird, hat das Hektoliter des auf Lager genommenen Kokes bis 
zur Bahn 4,4 -j- 3,7 — 8,i bis 6,3 + 8,8 = 15,i ^ Unkosten ver 
ursacht. Die Kosten für das Verladen des Kokes vom Dämpferplatze 
oder vom Fuhrwerk haben rot,. 3 ^ pro Hektoliter betragen. Da die 
Kokesmengen, welche in Folge der Differenz zwischen Nachfrage und 
Produktion auf Lager und vom Lager genommen werden mußten, 
stets erheblich variiren, so können genaue Zahlen, welche znr Be 
rechnung der Rentabilität dienen können, nicht angegeben werden. Es 
ist indeß als sicher anzunehmen, daß die mit der Aufbereitung ver 
bundenen Verladungs- und Transport-Einrichtungen mindestens 1,5 ^ 
durchschnittlich pro Hektoliter Totalproduktion sparen müssen. Nun 
werden nach dem Etatsansatz im nächsten Jahre rot. 269 000 t Kokes- 
maffe produzirt werden. Dies entspricht mindestens einer Quantität 
von 5 400000 dl oder einer Ersparniß von mindestens 81 000 JC 
Transportkosten. Bei 15 pCt. Verzinsung und Amortisation 
könnten also die Anlagen 540000 JC kosten und es würde noch eine 
Ersparniß eintreten, weil die Ersparniß von 1,5 ^ gering geschätzt ist 
und sich nur auf eine einzige Bewegung der Kokesmasse bezieht. 
Nach den beigefügten Kostenanschlägen kosten die Anlagen aber nur 
407 500 ^ und zwar inklusive aller Aufbereitungsanlagen. 
Aus dieser Darlegung ergiebt sich ohne Weiteres die Rentabilität 
der Anlagen. Diese Rentabilität erhöht sich indeß wesentlich dadurch, 
daß durch das Aufbereiten dem Kokes ein weit größeres Absatzgebiet 
geschaffen wird als er jetzt hat, daß sich in Folge dessen bessere Preise 
erzielen lassen, und die kostspieligen Lager verringert werden. Bei 
eincni durchschnittlichen Werthe des Kokes von 80 ^ pro Hektoliter 
tritt bei einer Verzinsung des Lagerbestandes mit 4 pCt. an jedem 
Hektoliter des ein Jahr lagernden Kokes ein Verlust von 3,2 ^ ein. 
Nun sind ini Kalenderjahr 1898 930 000 dl, im Kalenderjahr 1899 
1126 OM dl Kokes durchschnittlich auf Lager gewesen, also 1898 
29 760 JC, 1899 36 032 JC Zinsverlust durch das Lagern entstanden, 
abgesehen von dem Brnchverlust, welcher bei großen Lagern ein un- 
verhältiiißmäßig größerer ist als bei kleineren Lagern. Diese Verluste 
sind indeß unwesentlich denjenigen gegenüber, welche große Lager 
indirekt zur Folge haben. Wenn die Läger zu groß werden und die 
Möglichkeit den Kokes zu lagern wegen Mange lau Platz aufhört, so 
muß derselbe zu jedem Preis zur Zeit der ungünstigsten Konjunktur 
verkauft iverden. Das ist in dem laufenden Jahre zum Theil der 
Fall gewesen. Welche Verluste dadurch entstanden sind, konnte zur 
Zeit noch nicht aktenmäßig festgestellt werden. Indeß sind schon die 
aus der nur im Nvlhfall als zweckmäßig anzusehenden Verwendung 
des Kokes für Kesselfeuerungen entstehenden Verluste erheblich. 
Die Nothwendigkeit, die jetzt bestehenden Kokesaufbereitungs-Anlagen 
wesentlich zu vergrößern, folgt allein aus den, Umstande, daß auch 
in deni laufenden Etatsjahr die vorhandene Anlage sich als völlig 
unzureichend erwiesen hat, den Nachfragen nach aufbereitetem Material 
zu genügen. Auch die genehmigten fahrbaren Anlagen niit einer 
Stuiidenleistung von 50 bl für die Anstalten II und III hätten den 
Bedarf dieser Anstalten nicht decken können, denn es würde die Er 
ledigung z. B. eines Auftrages ans Versand von 6 OM bl gebrochenen 
Kokes auf dem Wasserwege eine solche Anlage 12 Nächte in Anspruch 
genommen haben, da die Anlage am Tage den anderweitigen Bedarf 
hätte decken niüffen. 
Um ein Urtheil über die nothwendige Größe der zu errichtenden 
Aufbereitungsanlagen zu erhalten, ist unter den Kohlenhändlern eine 
Umfrage darüber angestellt worden, wie groß nach deren Meinung 
die Nachfrage nach gebrochenem Kokes sein wird, und es hat sich 
ergeben, daß in den Aufbereitungsanlagen mindestens 5 /io des 
produzirten Kokes aufbereitet werden müssen, wenn den jetzigen 
Ansprüchen mit einiger Sicherheit genügt werden soll. 
Auf Grund dieser Erwägungen berechnet sich die Größe der 
Kokesaufbereitungs-Anlagen wie folgt: 
Die Gas-Anstalt IV kann bis auf 4M OM obm Gasproduktion 
am Maximaltage, die Anstalt V bis auf 5M0M obm ausgebaut 
werden, die Anstalten II und III produziren je 165 OM obm am 
Maxinialtage. Denientsprechend sind die verkaufbaren Kokesmengen, 
3 b 
welche ani Marimaltage erzeugt werden für Anstalt IV -A- ■ 400 — 
3 5 ^ 
7001 = rund 14 OM hl, für Anstalt V ^ ' 500 — 875 t — 17 500 hl 
bei vollem Ausbau, und für II und III je 290 t — 5 800 hl. 
Da es wegen der entstehenden doppelten Transportkosten und 
des Verlustes durch Bruch unzweckmäßig ist, aufbereitetes Material in 
erheblichem Maße auf Lager zu nehmen, die Aufbereitung des Tages 
quantums längstens in 10 Stunden erfolgen muß, wenn nicht eine 
umfangreiche Siloanlage erbaut und ein bei den bestehenden Gas- 
Anstalten kostspieliger und unzweckmäßiger Nachtbetrieb in den Auf 
bereitungen durchgeführt werden soll, so stellt sich die Stunden 
leistung an gebrochenem Koke (50 pEt. des verkaufbaren) 
auf Anstalt IV auf -4r- — 700 hl pro Stunde, 
1 750 
auf Anstalt V auf 9 — 875 hl pro Stunde 
580 
2M hl pro Stunde. 
bei vollem Ausbau 
und für Anstalt II und III auf je 
Da Anstalt IV bereits auf mehr als halbe Leistung aus 
gebaut ist, bei Anstalt V dies bald der Fall sein wird, so ist die 
Größenbemessnng der Anlagen für IV und V mit je 4M hl pro 
Stunde durchaus gerechtfertigt. Für Anstalt II ist für die berechnete 
Leistung von 290 hl pro Stunde eine Kokesaufbereitungs-Anlage von 
200 hl Stundenleistung projektirt. Es entspricht diese Leistung der 
Produktion des Retortenhauses Nr. 1 (120 OM obm Gas Maximal- 
Produktion), in dessen unmittelbarer Nähe die Kokesaufbereitungs- 
Änlage aufgestellt werden soll. Kann der Bedarf an Brechgut durch 
diese Anlage von 2M hl stündlich nicht gedeckt werden, so soll für 
das kleinere Retortenhaus Nr. 2 (45 OM obm Gas Maximal-Pro 
duktion) noch eine Brechanlage mit einer stündlichen Leistung von 
zirka lM hl errichtet werden. Es soll indeß versucht werden, zunächst 
mit der erstgenannten Anlage auszukommen. 
Für Anstalt III ist keine neue Kokesaufbereitungs-Anlage projektirt, 
sondern nur die Umsetzung der in Schmargendorf disponibel werdenden 
IM hl pro Stunde leistenden Anlage unter Ausführung der nöthigen 
Reparaturen nnd Umänderungen für niöglichst zweckmäßigen Transport 
beantragt, weil ein baldiger Ersatz der Anstalt Müllerstraße durch 
das Nordwestwerk in Tegel, welches mit ausreichenden Aufbereitungs 
anlagen versehen sein wird, in Aussicht steht. 
In welchem Umfange später Vergrößerungen der hier projcktirten 
Anlagen nothwendig werden, muß die Erfahrung zeigen. Die obigen 
Berechnungen sollen nur dazu dienen, darzulegen, daß die beantragten 
Anlagen das Mindeste darstellen, was im Interesse einer vortheil- 
haften Entwickelung des Kokesgeschäftes gefordert werden muß, denn 
die Anlagen müßten nach den Berechnungen eine Gesammtleistung von 
7M 875 
- 2 + —ö—f- 290 -f 290 — 1 368 hl pro Stunde aufweisen, sie 
sind indeß nur mit 1 IM hl Leistungsfähigkeit projektirt. 
Die neu projcktirten Anlagen für die Anstalt II, IV und V sind 
in den Zeichnungen Blatt Nr. 38, 39, 42 und 43 dargestellt und 
durch die Kostenanschläge Nr. 24—26 und 29—30 erläutert. Die 
Kostenanschläge schließen mit den Beträgen ab: 
für Anstalt II Förderanlage (Nr. 25).... 52 5M JC, 
- - II Aufbereitungsanlage je. (Nr. 24) 73 000 - 
. III - (Nr. 26) 7 500 - 
. IV - (Nr. 29) 120000 • 
- V - (Nr. 30) 128 500 ■ 
zusammen 381 500 JC.
	        
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