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Volume No. 7 (137-163), 27. Januar 1900

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1900 (Public Domain)

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Mortagen 
für dir 
Ltadtverordncten-Bersammlung zu Berlin. 
137. Vorlage (J.-Nr. 2 949 B. II. 99) — zur Beschluhfaffung —, 
betreffend die Enteignung der von dem Grundstücke 
Siegmundshof Nr. 11 zum Bau einer Fahrbrücke über 
die Spree im Zuge der Strafte „Siegmundshof" 
erforderlichen Fläche. 
Bei der Ausführung einer eisernen Fahrbrücke über die Spree 
im Zuge der Straße „Siegmundshof" nach dem durch den Stadt- 
verordneten-Beschluß vom 15. Juni v. Js. — Protokoll Nr. 7II — 
genehmigten Entwurf wird die auf dem beigefügten Plane mit den 
Buchstaben a, b, c umschriebene Fläche von zirka 14 gm für das links 
seitige Widerlager in Anspruch genommen. 
Der ganze, aus dem Plane ersichtliche Uferstreifen von 264 gm 
(Kartenblatt 10 Abschnitt 1335/138) gehörte dem Königlichen Fiskus; 
dieser hat denselben, wie durch Einsicht des Grundbuchs festgestellt 
worden ist, an den Eigenthümer des Grundstücks Siegmundshof Nr. 11 
verkauft und ist die Zuschreibung zu diesem Grundstücke erst im Juni 
1891 erfolgt. Es erstreckt sich daher auch die unterm 15. März 1888 
zu Gunsten des Königlichen Polizei-Präsidiums und der Stadtgemeinde 
auf dem Grundstücke Siegmundshof Nr. 11 eingetragene Verpflichtung, 
im Falle einer im öffentlichen Interesse nothwendig werdenden Ver 
breiterung der Siegmundshof-Straße den vor der Baufluchtlinie seines 
Grundstücks belegenen 3,77 m breiten Vorgarten auf Verlangen jeder Zeit 
frei zu legen und unentgeltlich und pfandfrei an die Stadtgemeinde 
aufzulassen, nicht auch auf den gedachten Uferstreifen. Ueberhaupt ist 
die Baufluchtlinie auf der Westseite der Straße im Jahre 1861 nur 
bis zu dem Punkte a, d. h. bis zum Schnittpunkte der ursprünglichen 
Grundstücksgrenze mit dem Spreegelände festgesetzt und erst auf Grund 
Allerhöchsten Erlasses vom 15. November 1899 bis zum Spree-Ufer 
(Punkt b des Planes) verlängert worden. 
Nach dem vorstehend angegebenen Sachverhältnisse muß die Ein 
gangs erwähnte Fläche von zirka 14 gm von dem Eigenthümer des 
Grundstücks Siegmundshof Nr. 11 gegen Entgelt erworben werden. 
Wir sind deshalb mit demselben in Verhandlung getreten; er 
will jedoch auf eine Veräußerung des gedachten Landstreifens, selbst 
vorbehaltlich aller etwaigen Entschädigungsansprüche, nicht eingehen, 
sondern verlangt die Erwerbung seines ganzen Grundstücks für den 
Preis von 870 000 M, insbesondere mit Rücksicht darauf, daß nach 
seiner Ansicht in Folge der niit dem Brückenbau zusammenhängenden 
Straßenerhöhung der Werth seines ganzen Grundstücks erheblich 
beeinträchtigt werde. 
Da auf dieses Verlangen nicht einzugehen ist, wobei wir auf die 
ausführlichen Erörterungen Bezug nehmen, welche innerhalb der 
Stadtverordneten-Sitzung vom 16. Juni v. Js. stattgefunden haben, so 
muß die Erwerbung der gedachten Fläche im Wege der Enteignung erfolgen. 
Die Stadtverordneten - Versammlung ersuchen wir daher um 
folgende Beschlußfassung: 
Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, daß 
die von dem Grundstücke Siegmundshof Nr. 11 zum Bau 
einer Fahrbrücke über die Spree im Zuge der Straße „Sieg 
mundshof" erforderliche Fläche von zirka 14 gm enteignetwerde. 
Berlin, den 20. Januar 1900. 
Magistrat hiesiger Königl. Haupt- und Rsideuzstadt. 
Kirschner. 
138. Vorlage (I. Nr. 10417 B. II. 98) - zur Beschlnftfaffung - 
wegen Festsetzung von Fluchtlinien für zwei neue 
Straften 58 A und «Ä« in Abtheilung X2 des Be 
bauungsplanes. 
Auf dem zwischen der Bad- und Wiesen , sowie Hoch- und Pank 
straße liegenden Gelände befinden sich noch viele große zu Fabriken 
oder in anderer Weise wirthschaftlich genutzte Grundstücke, deren bessere 
Ausnutzung, namentlich durch Bebauung mit Wohnhäusern, von den 
Eigenthümern angestrebt wird. Es liegt jedoch im öffentlichen Interesse, 
daß das etwa 300000 qm große Terrain, welches sich in der Bad- 
straße zwischen Hoch- und Pankstraße etwa 350 m lang und zwischen 
der Bad- und Wiesenstraße über 700 m lang erstreckt, ohne von 
irgend einer Straße durchbrochen zu werden, in mehrere Baublocks 
zerlegt wird, bevor dort Wohnhäuser und dahinter noch ausgedehnte 
Fabrikanlagen errichtet werden. Es würde dadurch die Herstellung 
neuer Straßen erschwert und nur mit sehr bedeutenden Kosten zu 
erreichen sein. Auch von den Anwohnern jener Gegend sind Vor 
stellungen wegen Auftheilung jenes großen Baublocks und Anlage 
bequemer Verbindungsstraßen bei uns und auch bei der Stadt 
verordneten Versammlung erhoben worden, siehe Stadtverordneten- 
Beschluß vom 20. Oktober 1898 — Protokoll Nr. 30 0 2 —. Bei 
Auftheilung des Geländes, wie sie aus de» in Mappe überreichten 
Plänen, um deren Rückgabe wir bitten, ersichtlich ist, wird vornehmlich 
auf Herstellung bequemer Verkehrsstraßen Rücksicht genommen, und 
dennoch lassen die einzelnen Baublocks eine wirthschaftliche Ausnutzung 
im weitesten Maße zu. Für die geplante Straße 58A kan, in erster 
Linie der kassirte Schienenweg der Berlin Stettiner Bahn in Betracht, 
da er unbenutzt liegt und auch nur im geringen Maße nutzbar 
gemacht werden kann, er genügt jedoch bei seiner Einmündung in die 
Badstraße in seiner Breite nicht zur Anlegung einer Straße, und 
seine Verbreiterung hätte eine theilweise Beseitigung der zu beiden 
Seiten stehenden großen modernen Wohiwäuser nothwendig gemacht, 
so daß statt dessen eine Verlängerung d-r Stettinerstraße ins Auge 
gefaßt wurde. Das für die neue Straße 5fcA in Anspruch zu nehmende 
Grundstück Badstraße 60 (der sogenannte kleine Volksgarten) ist 
insofern für diesen Zweck günstig, als es nur mit einem kleinen alten 
Hause bebaut ist und in feinem übrigen Theils Vergnügungslokal 
genützt wird. Hinter dem Grundstück schift sich die projektirte 
Straße zum größten Theil dem alten Schienenweg der Berlin-Stettiner 
Bahn an und benutzt namentlich die vorhandene Ringbahn-Unterführung, 
deren Höhe zwar zur Anlegung einer Straße vollkommen genügt, deren 
Breite von etwa 7,7« m' aber noch entsprechend vergrößert werden 
müßte. Auch die gewählte Abschwenkung nach der Kolbergerstraße 
verdient unseres Erachtens den Vorzug vor der weiteren Verfolgung 
des Schienenweges nach der Ecke der Wiesen- und Hochstraße. Zwar 
führt die Straße 58A durch zwei mit Gebäude» bestandene Grund 
stücke, die Häuser sind jedoch alte einstöckige Landhäuschen aus der 
Zeit, als in jener Gegend noch Landwirthschaft getrieben wurde, und 
dann fällt vor Allem ins Gewicht, daß dieser Tlieil der Straße um 
etwa 3,5 m tiefer liegt als die Ecke an der Wiesen- und Hochstraße 
Die Sttaße 62B ist eine Fortsetzung der Thnrneysserstraße, ihre 
Herstellung verlangt ebenfalls nur die Beseitigung eines kleinen 
Gebäudes auf dem Fabrikgrundstück Pankstraße 24 und geht in ihrem 
übrigen Theil nur über unbebautes Gelände. Die nördliche Schwenkung 
vom Schnittpunkt mit der projektirten Straße 58a nach der Hochstraße
	        
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