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Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1885 (Public Domain)

welcher diese Durchfahrt nicht in die Mitte gelegt werden konnte, ist 
außerdem noch eine ebenso große Querstraße und zwei erhöhte, von 
Stützen ganz freie Räume von 25,»r m Länge und 19,02 m Breite, in 
den Umfassungen ca- 10 m, im Scheitel ca. 14 m hoch angeordnet. 
Dieselben höher zu machen, war nicht zulässig mit Rücksicht 
auf die Bedürfnisse der Königlichen Sternwarte, welchen die 
Stadt auch in anderen Punkten vollständig Rechnung getragen hat, 
wie dies in dem abschriftlich beigefügten Schreiben Sr. Excellenz 
des Herrn Kultusministers anerkannt worden ist. Die über die sonstige 
Dachfläche hinausragenden Seitenwände dieser Räume bieten eine fort 
laufende Folge von 2,7° m hohen Fenstern, welche höher wie die Fenster 
der Sägedächer und einander gegenüber belegen, einen kräftigen Luft 
wechsel erzeugen, der sich auch auf die unteren Luftschichten erstrecken 
wird. Um indessen dem Bedenken entgegenzutreten, daß die Luft über 
dem Fußboden ftagniren könnte, sollen noch von den Lichthöfen aus 
und durch die Keller, Kanäle angelegt werden, welche in den Winkeln 
zwischen Fußboden und Wand äußere Luft zuführen. 
Die Anordnung derselben wird sich in jedem einzelnen Falle nach 
der durch andere Rücksichten gebotenen Raumgestaltung richten müssen. 
Ein hoher Grad von Feuersicherheit der Markthallen wird durch 
ihre ganze Bauart in Stein und Eisen und dadurch gewährleistet, daß 
der gesammte Inhalt derselben sehr wenig Brennstoff enthält. Nur in 
den Aufbauten, in Sparren und Dachschalung kommt Holz vor. Das 
doppellagige Pappdach ist nicht nur an sich unverbrennlich, sondern 
schützt auch durch seinen dichten Abschluß das darunter liegende 
Holz, namentlich die Schalung gegen helles Brennen. Die Anwendung 
von Zinkwellblech ohne Schalung als Deckungsmaterial, welche sogar 
den Vortheil der Billigkeit gehabt hätte, ist durchaus unzweckmäßig, 
wie die Erfahrung an der Markthalle zu Frankfurt a/M. gelehrt hat, 
weil die Räume darunter im Winter zu kalt, namentlich aber im 
Sommer zu heiß werden, so daß das Publikum und die Waaren 
darunter leiden. — 
Aus den vorliegenden Projecten ist die Zugänglichkeit der Dächer 
nicht ersichtlich, doch wird beabsichtigt, in den Ecken der Hallen eiserne 
Treppen anzulegen, welche ohnehin nicht zu entbehren sind, um die 
Dächer von Schnee reinigen und beaufsichtigen zu können. 
Es wird ferner beabsichtigt, die Markthallen in der Hauptsache mit 
elektrischem Licht zu versehen; dieselben erhalten bis auf einige Neben 
räume (Restauration, Büreaus u. d. m.) keine Feuerungen. 
Sollte, wie gegenwärtig in Aussicht steht, ein Theil der Halle in 
der Lindenstraße für den Großhandel mit Blumen heizbar gemacht 
werden, so kann dies nur durch Dampf geschehen, welcher in dem zu 
nächst der Friedrichstraße belegenen, mit einer Einfahrt versehenen 
freien Hofraum erzeugt wird. — Die Hallen können ferner ihrer ganzen 
Länge nach durchfahren werden und die in der Lindenstraße enthält 
außerdem noch eine Querstraße und zwei größere Räume, in welche 
bequem eingefahren werden kann. Die Markthallen sind sonach über 
haupt nicht als Gebäude im gewöhnlichen Sinne und solche, auf welche 
die Bestimmungen der Bauordnung ohne Weiteres Anwendung finden 
könnten, anzusehen, sondern bilden in der Hauptsache nur bedeckte Höfe. 
Was schließlich die für die Verwaltung der Hallen erforderlichen 
Nebenräume, namentlich die Polizei-Büreaus anlangt, so liegt kein 
Bedenken vor, dieselben, ohne die allgemeinen Grundrißdispositionen 
umzustoßen, nach den vom Königlichen Polizei-Präsidium zu stellenden 
Anforderungen abzuändern. 
Berlin, den 8. October 1884. 
gez. Blankenstein, 
Stadt-Baurath.
	        
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