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Volume No. 36 (273-274), 7. Mai 1883

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1883 (Public Domain)

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Ersetzung aller in Berlin vorhandenen Wochenmärkte durch 
gleichzeitig an deren Stelle tretende städtische Markthallen 
stattfinden zu lassen, der Erfüllung dieser Forderung gleich 
wohl schwere, die rasche Förderung der Markthallenfrage 
im Ganzen beeinträchtigende Hindernisse entgegen ständen. 
Es gewann die Ueberzeugung die Oberhand, daß es zunächst 
darauf ankomme, die beiden großen Wochenmärkte im 
Innern der Stadt: 
den Dönhofsplatz, 
den Gensdarmenmarkt, 
von welchen der Erstere 1 301 Marktständc, der Letztere 
1217 Marktstände aufweist, durch geeignet gelegene 
Markthallen zu ersetzen. Dabei ist in keinem Zeitpunkt 
der Verhandlungen außer Acht gelassen worden, daß die 
Versorgung der dichtbevölkerten Außenstadttheile mit ge 
eigneten Markthallen den vollkommen gleichberechtigten 
Anspruch auf Berücksichtigung hat, als die Innenstadt. 
Wir sind dieser Auffassung der gemischten Deputation 
unserer Seits durchweg beigetreten. 
Ehe wir jedoch auf dem eingeschlagenen Wege successiven Er- 
atzes der öffentlichen Wochcnmärkte durch Markthallen weiter gingen, 
haben wir uns mit dem Königlichen Polizei-Präsidium, als der zu 
ständigen Marktpolizeibehördc, in amtliche Verbindung gesetzt. 
Das Ergebniß dieser Verhandlungen, welche in Gegenwart des 
Königlichen Polizei-Präsidenten Herrn v. Madai und des unterzeich 
neten Oberbürgermeisters geführt worden sind, ist gewesen: 
daß das Königliche Polizei-Präsidium der allmäligen 
Ersetzung der öffentlichen Wochcnmärkte durch allmülig zu 
errichtende Markthallen, — wenngleich dasselbe den Wunsch 
mit uns hegt, die Schließung aller Wochcnmärkte Berlins 
durch gleichzeitige Eröffnung geeignet gelegener und dis- 
ponirter Markthallen eintreten zu lassen —, Angesichts 
der Schwierigkeiten, welche der Lösung dieser Art ent 
gegenstehen, kein Hinderniß entgegensetzen wird, sofern die 
zu errichtenden Markthallen eine genügende Anzahl von 
Ständen enthalten, um den Verkehr der bisherigen 
Wochenmärkte aufzunehmen und die Marktftandstarife 
durch ihre Höhe nicht eine Verthcuerung der ersten Lebens 
bedürfnisse nach sich ziehen. 
Was den ersteren Punkt angeht, so glauben wir das Königliche 
Polizei-Präsidium davon überzeugt zu haben, daß der Ersatz des von 
einem Markt zum anderen umherziehenden, nur auf die Vormittags 
stunden beschränkten Wochenmarktverkehrs durch den vollen Tagesverkehr 
in festen Ständen eine sehr erhebliche Ermäßigung der Marktständc — 
vielleicht bis zu V- der Wochenmarktstände — zur Folge haben würde. 
Was die Tarifsrage angeht, so haben wir dieselbe zu keiner 
Zeit aus dem Auge gelassen. Wir theilen die Anschauungen des 
Königlichen Polizei-Präsidii vollkommen, daß der Tarif nicht zu einer 
Verthcuerung des Konsums nothwendiger Lebensbedürfnisse führen 
darf und kann. Berücksichtigen wir indeß die sehr erheblichen Neben 
kosten, welche die jetzige Art des Marktverkehrs — ganz abgesehen von 
den nicht in Mark und Pfennigen auszudrückenden Schädigungen der 
Marklgegenstände durch deren unvollkommenen Transport, Aufbe 
wahrung und Rücktransport, und abgesehen von dem ebenso nicht 
meßbaren Zeitverlust der Marktbesucher — bereits verursacht, so 
glauben wir, daß die Aufstellung eines Markthallentarifs möglich ist: 
welcher einerseits Verzinsung und Amortisation der 
Gesammtheit der zu errichtenden Anlagen deckt, und 
andererseits nur eine Abgeltung des Interesses und 
des Nutzens enthält, welchen diejenigen Personen haben, 
welche die Markthalle beziehen. 
Zur Information der Stadtverordneten - Versammlung legen 
wir übrigens eine uns seitens des König!. Polizei-Präsidii unter 
dem 12. März a. er. gewordene Mittheilung unter Anlage B. bei. 
Dieselbe betrifft die Nebenkosten, welche unter den jetzigen Wochenmarkt- 
Verhältnissen den zu Markt ziehenden Verkäufern entstehen. 
Ein specielleres Eingehen auf diese Tariffrage — deren Wichtigkeit 
wir niemals verkannt haben — halten wir indeß für diese Vorlage 
weder für geboten noch für zweckmäßig, da wir der Meinung sind, 
daß es sich im städtischen Interesse dringend empfiehlt, zunächst den 
dringlichsten Punkt: 
die Erwerbung für Markthallenzwecke geeignet 
gelegener und preiswürdiger Grundstücke im 
Innern der Stadt 
zum Abschluß zu bringen. 
3. Nachdem das Königliche Polizei - Präsidium — wie vorstehend 
erwähnt ist — gegen den von der gemischten Deputation vorgeschlagenen 
Weg successiver Lösung der Frage des Ersatzes der bestehenden Wochen 
märkte durch Markthallen ein Bedenken nicht erhoben hat, ist dieselbe 
nunmehr der Frage des Ersatzes des Dönhofsplatz-, Gensdarmen-, 
Belle-Ällianceplatz- und Thor- und Potsdamer Platz- und Thor- 
Wochenmarktes näher getreten. 
Alle Terrain-Offerten, welche für diesen Zweck, wie auch seit 
länger denn Jahr und Tag für alle übrigen Stadttheile bei uns ein 
gegangen sind, hat eine auf Beschluß der gemischten Deputation ein 
gesetzte, aus 10 Mitgliedern der letzteren bestehende Kommission ein 
gehend und unter theilweiser Zurhandnahme von Projektzeichnungen, 
durch welche die Terrains ihrer event. Bebauung nach näher ver 
anschaulicht wurden, geprüft. 
Das Ergebniß dieser mehrmonatlichen Verhandlungen ist gewesen, 
daß, wenn auch eine Anzahl der uns in der Gegend des und am Haus 
voigteiplatz, am Spittelmarkt, der Niederwallstraße, Unterwasser-, 
Adler-, Wall-, Kommandanten-, Schützen-, Leipzigerstraße rc. ein 
gegangenen Offerten uns — was die Lage der in Betracht kom 
menden Grundstücke angeht — als besonders beachtenswerth erschienen, 
gleichwohl die an uns gestellten Preisforderungen es der gemischten 
Deputation und uns nicht angänglich erscheinen lassen, den Ankauf 
eines dieser Komplexe zu empfehlen. 
Vielmehr hat die gemischte Deputation nach nochmaliger allseitiger 
Erörterung aller in Betracht kommenden Fragen beschlossen: 
a) den Kommunalbehörden den Ankauf der Grundstücke 
Lindenstraße 97/98, Fricdrichstraße 18 und Zimmer- 
straße 89—91 und Maucrstraße 82 zu empfehlen, 
b) denselben fernerhin die Errichtung der Markthalle auf dem 
städtischen, s. g. Egcr'schen Holzplatz in der Holzmarkt 
straße 22/24 vorzuschlagen, 
c) mit den: Königlichen Polizei-Präsidio von Neuem in Ver 
handlungen — namentlich darüber — zu treten 
ob? nnd event, in welchem Umfange nach Errichtung je 
einer Markthalle 
in der Linden-Friedrichstraße 
sowie 
in der Mauer-Zimmerstraße 
für das Bedürfniß des Wochcnmarktverkehrs der beiden 
großen Märkte auf dem Gensdarmenmarkt und Dönhofs 
platz durch event. Erwerbung einer mehr central gelegenen 
Grundfläche zu entsprechen ist. 
Wir sind Angesichts der in Vorstehendem geschilderten Entwickelung, 
welche die gesammtc Angelegenheit genommen, den vorstehenden Be 
schlüssen der gemischten Deputation, welche dieselbe bezüglich der 
Terrainerwerbungen der Grundflächen Linden - Friedrichstrabe und 
Mauer-Zimmerstraße mit Stimmen-Einhelligkeit, bezüglich des 
Egcr'schen Holzplatzes nahezu einstimmig gefaßt hat, beigetreten 
Der Belle-AllianceThor-Wochenmarkt enthält nach der 
jüngsten polizeilichen Ermittelung . 545 Marktstände, 
der Potsdamer Thor-Wochenmarkt . 332 - 
der Dönhofsplatz-Wochcnmarkt . . 1301 - 
der Gensdarmenmarkt-Wochenmarkt . 1 217 - 
mithin befinden sich auf diesen vier 
Märkten zusammen 3 395 Marktstände. 
Auf dem erstgedachten der beiden Komplexe wird die Errichtung 
einer Markthalle von 350 Ständen erfolgen können, auf demjenigen in 
der Zimmerstraße werden sich 386 Stände herstellen lassen. 
Ist es hiernach unzweifelhaft, daß diese beiden Komplexe durch ihre 
Lage und Beschaffenheit wohl im Stande und geeignet sein werden, 
jene beiden zwar nicht sehr großen, doch den städtischen Verkehr an zwei 
Brennpunkten der Cirkulation sehr empfindlich beeinträchtigenden Lokal 
märkte in sich aufzunehmen, so glauben wir ebenso sicher zu sein, daß 
ein nicht unbeträchtlicher Theil des Verkehrs des Dönhofsplatzes und 
Gensdarmenmarktes nach diesen beiden südlicher gelegenen Punkten 
gezogen werden kann. Bei den überaus großen Schwierigkeiten, 
welche sich der gänzlichen Aufnahme jener beiden großen, an den 
selben Wochentagen stattfindenden und eigentlich fast einen großen 
Markt darstellenden Märkte in die entsprechende Markthalle entgegen 
stellen, hielt es die gemischte Deputation, und wir mit derselben, für 
gerathen, für jetzt eine partielle Lösung der hier vorliegenden Frage 
anzustreben und die Frage noch weiterer Terrainerwerbungen für 
den gleichen Zweck unter günstigeren Bedingungen, als solche sich 
bisher uns boten, der nächsten Zukunft zu überlassen. 
Für diese unsere Entscheidung ist aber auch schließlich nicht 
unbeachtet gelassen, daß die sämmtlichen Eigenthümer der hier für 
den Ankauf in Betracht kommenden Grundstücke uns bereits, zum 
Theil seit weit länger als Jahr und Tag, die in Rede stehenden 
Grundstücke zum Ankauf angeboten, und ihre Offerten wiederholt ver 
längert haben. Die letzte von den Eigenthümern bewilligte 
Prolongation läuft am 15. d. M. ab. 
Wir haben zwar deren Prolongation auf noch kurze Zeit angestrebt 
und nahezu auch erhalten, glauben aber nicht, daß irgend welche 
weitere Verlängerung der gestellten Fristen erwartet werden kann. 
Wir bemerken endlich noch, daß alle Vorbereitungen und Ver 
handlungen, welche auf die Fortführung des Projektes, betreffend die 
Errichtung einer mit der Stadteisenbahn verbundenen Markthalle in 
der Neuen Friedrichstraße Bezug haben, soweit gefördert sind, daß 
die Stadtverordneten-Versammlung in der Lage sein wird, sich über 
das diesfällige Bauprojeft, sowie die mit der Äönigl. Eisenbahndirektion 
zu Berlin abzuschließenden beiden Verträge über den Bau und den 
Betrieb des Gsenbahn-Anschlusses noch im Laufe dieses Monates 
schlüssig zu machen.
	        
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