Path:
Volume No. 12 (85-97), 10. Februar 1883

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1883 (Public Domain)

114 
88. Vorlage (J.-Nr. 5 Grd. D. 83) — zur Beschlußfassung —, 
betreffend die Genehmigung des Rezesses über die 
Ablösung der auf dem Lehnschulzengute zu Rüders 
dorf haftenden Verpflichtung zur unentgeltlichen 
Durchfütterung des Gemeindebullen. 
Auf dem früher Band in, Blatt Nr. 105 von Rüdersdorf ver 
zeichneten Lehnschulzengute, welches jetzt dem der fiscalisch-städtischen 
Societät gehörigen Grundstücke Band VI, Blatt Nr. 197 desselben 
Grundbuchs zugeschrieben ist, haftet die Verpflichtung, den bäuerlichen 
Grundbesitzern zu Rüdersdorf für die aus deren Wirthschaften gehaltenen 
Kühe den Bullen unentgeltlich vorzuhalten. 
Diese Verpflichtung ist durch den Rezeß vom 17. November 1882, 
den wir in beglaubigter Abschrift s. x. r hier beifügen, abgelöst 
worden. 
Im Einverständniß mit unserer Grundeigenthums-Deputation 
beanttagen wir zu beschließen: 
die Versammlung ertheilt dem über die Ablösung der auf 
dem Lehnschulzengute zu Rüdersdorf hastenden Verpflichtung 
zur unentgeltlichen Durchfütterung des Gemeindebulleu ge 
schlossenen Rezeß vom 17. November 1882 ihre Zusttmmung. 
Berlin, den 31. Januar 1883. 
Magisttat hiesiger König!. Haupt- und Residenzstadt, 
gez. von Forckenbeck. 
88. Vorlage (J.-Nr. 763 F. B. 83) — zur Beschlußfassung —, 
betreffend ein Normal-Bau-Programm für die Haupt- 
und Neben-Depots der Feuerwehr. 
Durch Beschluß vom 25. März 1882 (Prot.-Nr. 13) hat sich die 
Stadtverordneten-Versammlung damit einverstanden erklärt, daß über 
die generelle Festsetzung her bei Einrichtung von Feuerwehr-Haupt- 
und Neben-Depots einzuhaltenden Bau-Programme eine gemischte 
Deputation in Vorberathung trete, und sind Seitens Wohlderselben 
durch Beschluß vom 1. Juni 1882 (Protocoll Nr. 3) zehn Mitglieder 
der Versammlung in diese Deputation gewählt worden. 
Die gemischte Deputation ist demnächst zusammengetreten und hat 
in ihren am 3. Juli und 29. November 1882, sowie am 17. Januar 
und 5. Februar d. I. abgehaltenen Sitzungen die in den abschriftlich 
hier beigefügten Protokollen zum Ausdruck gelangten Beschlüsse gefaßt 
und sich über die Ansätze für ein Normal-Bau-Programm in der an 
liegenden Zusammenstellung geeinigt, nachdem auch unter Führung des 
Branddirectors am 2. Januar d. I. eine Besichttgung zweier Feuer- 
wachtgebäude stattgefunden, deren Ergebniß in der Registratur von 
demselben Tage Aufnahme gefunden hat. 
Wir haben diesem Programm zwar zugestimmt, erachten dasselbe 
jedoch nur insoweit für feststehend, als es sich um die Anlegung der 
lediglich für Feuerwehrzwecke herzustellenden Baulichkeiten handelt, und 
behalten uns vor, in Bezug auf die in diese Gebäude sonst noch etwa 
unterzubringenden polizeilichen oder städttschen Bureaus und Depots 
in jedem einzelnen Falle besondere Anträge zu stellen, resp. der Stadt- 
verordnelen-Bersammlung zur Genehmigung vorzulegen. 
Indem wir noch bemerken, daß wir die speciellen Skizzen für 
zunächst 3 Feuerwachtgebäude, und zwar für die beiden Nebendepots 
in der Memeler- und Oderbergerftraße, sowie für ein Hauptdepot in 
der Schönebergerslraße mittelst besonderer Vorlagen an die geehrte 
Versammlung werden gelangen lassen, ersuchen wir ergebenst, wie 
folgt, beschlichen zu wollen: 
Die Stadtverordneten-Versammlung erklärt sich mit den 
Ansätzen des dieser Vorlage beigefügten Normal-Bau-Pro- 
gramms für die Haupt- und Neben-Depots der Feuerwehr 
einverstanden, behält sich jedoch in jedem einzelnen Falle die 
Beschlußfassung darüber vor, für welche sonstige Polizei 
oder städtische Bureaus und Depots in den neu zu errich 
tenden Feuerwachtgebäude» Räumlichkeiten herzustellen sind. 
Berlin, den 9. Februar 1883. 
Magistrat hiesiger Königl. Haupt- und Residenzstadt, 
v. Forckenbeck. 
Verhandelt Berlin, den 3. Juli 1882. 
Anwesend: 
1. Herr Oberbürgermeister I>r. vonForckenbeck als Vorsitzender, 
2. - Kämmerer Stadttath Runge, 
3. - Stadt-Baurath Blankenstein, 
4. - Stadtrath Marggraff, 
5. - - Romstaedt, 
6. - Stadtverordneter Mattern, 
7. - 
- 
Fritze, 
Herrmann, 
8. - 
- 
9. - 
- 
Stoltz, 
10. - 
- 
Geiler, 
11. - 
- 
Moses, 
12. - 
- 
Ripbergcr, 
13. - 
- 
Brock. 
In der Angelegenheit, betreffend die Fertigstellung eines Bau 
programms für die Feuerwehr-Haupt- und Neben-Depots fand heute 
im Amtszimmer des Oberbürgermeisters eine Sitzung der eingesetzten 
gemischten Deputation statt, an welcher die obengenannten Herren 
Theil nahmen. 
Nachdem Seitens des Oberbürgermeisters einleitend hervorgehoben 
war, daß es sich zuvörderst um die Errichtung eines Haupt-Depots in 
der Schönebergerstraße, sowie je eines ^Neben-Depots in der Memeler- 
und Oderbergerstraße handle, bezüglich deren vom Polizeipräsidium 
ein Bauprogramm entworfen sei, macht Herr Stadtverordneter Mattern 
darauf aufmerksam, daß in der Stadtverordneten-Versammlung wenig 
Sympathien für die Herstellung von Dienstwohnungen herrschten und 
er deshalb empfehle, bei der Berathung des Bauprogramms auf eine 
möglichste Beschränkung derartiger Wohnungen Bedacht zu nehmen. 
Speciell spricht sich Herr Stadtverordneter Brock gegen die Her 
stellung der Amtswohnung für einen Polizei-Wachtmeister aus, welche 
er für überflüssig erachtet, ist auch der Ansicht, daß es selbst im dienst 
lichen Interesse der Feuerwehr nicht unbedingt erforderlich sei, die 
Wachtlocalitäten für sämmtliche Mannschaften in Parterreräume unter 
zubringen. 
Herr Stadtverordneter Moses sucht an der Hand des in voriger 
Woche veröffentlichten Verwaltungsbcrichtes der Feuerwehr pro 1881 
den Nachweis zu führen, daß die Thätigkeit der Feuerwehrmannschaften 
überhaupt keine erheblich anstrengende sei, da auf jede Compagnie im 
Jahre 1881 monatlich im Durchschnitt nur ein Mittelfeuer und noch 
nicht einmal durchweg ein großes Feuer enffallen sei, die kleinen 
Feuersbrünste aber noch nicht einmal die Anwendung einer Spritze er 
forderlich machten, und überdies die Feuerwehrmannschasten vom Depot 
nach der Brandstätte und zurück gefahren würden. 
Ein Badezimmer sei ganz überflüssig, da für die Reinigung des 
Gesichts und der Hände, welche doch nur beschmutzt würden, ein Wasch 
becken genüge, ebenso erscheint eine Flickstube überflüssig; auch kann er 
den Zweck eines Bureauzimmers für den Brandmeister nicht einsehen, 
da letzterer doch verhältnißmäßig nur wenig zu schreiben habe, be 
streitet auch die Nothwendigkeit eines Zinimers für die Ordonnanz des 
Brandmeisters. 
Die Erfahrung habe gelehrt, daß je mehr Seitens der Commune 
den Wünschen der Polizei in Bezug auf die Errichtung von Dienst 
gebäuden entsprochen sei, desto größere Anforderungen Seitens der 
Polizei in der Folge gestellt seien. Er empfehle deshalb eine recht 
umfassende Reducirung des vom Branddirector entworfenen Bau 
programms. 
Der Herr Ober-Bürgermeister schlägt vor, einmal, um Verzöge 
rungen in der anerkanntermaßen dringenden Angelegenheit vorzubeugen, 
andrerseits aber auch, um billigen Anforderungen gerecht werden zu 
können, den Branddirector Witte zu einer Sitzung heranzuziehen, indem 
er die Ueberzeugung ausspricht, daß derselbe nach stattgehabter Er 
örterung vielleicht manche Forderung werde fallen lassen, während auch 
andrerseits die Commission sich ein klareres Bild von der Nothwendig 
keit mancher Einrichtungen machen werde, die für jetzt vielleicht noch 
als unnöthig erscheinen möchten. 
Herr Stadtverordneter Moses glaubt von der Zuziehung des 
Branddirectors zu den Verhandlungen der Commission abrathen zu 
müssen, da die Deputation selbstständig und vollständig unbeeinflußt 
berathen und beschließen müsse. 
Demgegenüber macht Herr Stadttath Runge darauf aufmerksam, 
daß der Branddirector in jeder Beziehung sich der Commune entgegen 
kommend gezeigt habe, ein großes Interesse für das Gemeindewcsen 
habe und berechtigten Bedenken gegenüber auch zweifellos Forderungen 
werde fallen lassen, von deren Zweckmäßigkeit er die Commission nicht 
werde überzeugen können. Wenn man in der Commission von vorn 
herein dem Bauprogramm Widerstand entgegensetze, so laufe man 
Gefahr, die entscheidende Intervention des Herrn Ministers des Innern 
durch die Polizei herbeigeführt zu sehen; diese aber müssen vermieden 
werden. Es sei nicht zu verkennen, daß gerade in Folge der durch die 
vorzügliche Organisation der Feuerwehr hervorgerufene Zeitersparniß 
bei der Hülssbereitschast derselben große und mittlere Brände überhaupt 
nur in geringer Zahl vorgekommen seien, so daß ini Jahre 1681 nicht 
einmal der Vorschuß bei der Feuersocietät ganz absorbirt worden sei; 
es sei deshalb großes Gewicht darauf zu legen, daß die Wachtzimmer 
der Feuerwehr-Mannschaften möglichst so angelegt würden, daß die 
Mannschaften ohne den geringsten Zeitverlust bei Feucrsgefahr auf der 
Straße sein könnten. Uebrigens habe der Branddirector ihm persönlich 
mitgetheilt, daß, wenn die Amtswohnungen für die Oberfeucrmänner 
nicht in dem vorgeschlagenen Umfange bewilligt würden, er sofort auf 
eine Vermehrung der Oberfeuermänner selbst dringen müßte.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.