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Volume No. 11 (59-65), 31. Januar 1880

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1880 (Public Domain)

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Fläche des Ritterguts Friedrichsfelde zur Anlage eines Friedhofs gelenkt 
worden. 
Der Besitzer, Rittergutsbesitzer v. Treskow, hat nach längeren Ver 
handlungen sich mit einem Preise von 460 Ai. pro Morgen, 
jedoch mit dem Zusatz einverstanden erklärt, daß er diesen 
Preis nicht ermäßigen und den Versuch einer Herabminderung 
als mit einer Aushebung des ganzen Kaufgeschäfts gleich 
bedeutend erachten werde. 
Da der geforderte Preis von 480 AL. pro Morgen bei der großen 
Nähe Berlins — das Terrain liegt vom Nachhause aus gerechnet un 
gefähr in derselben Entkernung, wie das Schloß in Charlotlenburg, wie 
Pankow, Reinickendorf, Wilmersdorf Tempelhos — nicht als übertrieben 
bezeichnet werden kann, so glaubten wir diese Offerte nicht ohne Weiteres 
von der Hand weisen zu können. Die von Professor Orth aus Grund 
der genauesten Bodenprüfungen angestellten Ermittelungen haben auch er 
geben, daß der fast vollständig aus Sand bestehende Boden ganz vorzüglich 
geeignet zur Anlegung eines Friedhofes ist. Eine Mappe nebst 4 Karten, 
aus Lenen die Höhenlage des angebotenen Terrains, sowie die verschiedenen 
Bodenbcstandtheile desselben hervorgehen, fügen wir nebst einem Abschnitt 
aus dem Gcneralstabsplan, Friedrichsfelde betreffend, in welchem die an 
gebotene Fläche mitabcdefga umschrieben ist, mit dem Ersuchen 
um Rückgabe und mit dem Bemerken bei, daß eine genauere Terrainunter 
suchung wie die Orth'sche von Friedrichsfelde von keinem Gutsbezirk in 
unserer Provinz existirt. 
Die angebotene Fläche wird begrenzt im Süden auf einer Strecke von 
250 na von dem Bahnkörper der Ostbahn, verläuft von da aus in fast 
nördlicher Richtung und ist von Friedrichsfelde aus durch den von der 
Chaussee über den Bahnkörper führenden Weg, dessen Länge bis zur Bahn 
ca. 400 na beträgt, zu erreichen. Das Terrain ist, wie der Plan eraiebt, 
von Wegen nicht durchschnitten. Auf der westlichen Grenze desselben be 
findet sich em Entwässerungsgraben, der zur Aufnahme des Niederschlag. 
wasserS von den lmks belegenen Lichtenberger Feldern und namentlich von 
den sogenannten Herzbergen dient. Dieser Graben, der nur eine gelegent 
liche locale Bedeutung hat, auch selten Wasser enthält, wird leicht durch 
ein Thonrohr ersetzt und dadurch vom Kirchhof völlig isolirt werden können. 
Auch die in Falkenberg belegenen Rieselfelder, welche eine eigene Ent- 
wäfferung haben und ihr natürliches Gesällc nach der Wühle haben, sind 
bei der Entfernung von ca. £ Meile ohne nachtheiligen Einfluß auf das 
Terrain. 
Die Vertreter der Ostbahn, mit denen wir in Unterhandlungen getreten 
sind, haben sich erboten, aus dem hiesigen Bahnhof der Stadtgemeinde einen 
Schuppen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen als Sammelstelle für die 
Leichen, und haben sich ferner bereit erklärt, die auf Lichtenberger Feld 
mark und zwar westlich der Berlin-Franksurter Chauffee projectirte Halte 
stelle östlich derselben fast an die Grenze der Friedrichsfelder Feldmark zu 
verlegen, wie dies auf dem in Kapsel beiliegenden Uebersichtsplan in Blei 
angedeutet ist. Die Vertreter der Ostbahn haben sich ferner erboten, 
gegen Erstattung der Selbstkosten einen Schienenstrang von der neuen Halte 
stelle aus nach dem FriedhofSterrain zu legen. Da die Stadtbahn im 
Frühjahr 188 l fertiggestellt und dem Betrieb übergeben sein wird, so wird 
von diesem Zeitpunkte an Friedrichsfeld« directe Verbindung mit allen 
Haltestellen der Stadtbahn haben und vermittelst der Verbindungsbahn auch 
von allen an dieselbe stoßenden äußeren Stadttheilen leicht zu erreichen 
sein. Die Kosten der Leichenbefördcrung werden sich nach dem vom Mini 
sterium gleichmäßig für alle Bahnen festgestellten Tarif aus höchstens ca. 
90—100 pro Leiche stellen. 
Für Friedrichsfelde spricht auch noch der Umstand, daß es selbst dann, 
wenn aus irgend einem Anlaß die Eisenbahnverbindung unterbrochen werden 
sollte, bei der nicht allzugroßen Entfernung leicht mittelst der Chaussee (für 
einen großen Theil Berlins selbst zu Fuß) zu erreichen ist. Außerdem 
steht eine Verlängerung der Pferdeeisenbahn, welche vom Alexanderplatz 
durch die Frankfurterstraße und die Franksnrler Linden bis zur Straße 61 
führt, bis nach Lichtenberg in Aussicht, nach deren Fertigstellung den Hin 
terbliebenen außer der Ostbahn auch die Pferdeeisenbahn für den Besuch 
des Friedhofs zur Verfügung steht. 
Die Siadtverordneten-Versammlung ersuchen wir demnach, falls das 
in erster Linie von uns in Aussicht genommene Hermsdorfer Terrain von 
derselben nicht gewählt werden sollte, in den Ankauf des Friedrichsfelder 
Terrains zu willigen und für diesen Fall folgenden Beschluß zu fasten: 
Die Versammlung erklärt sich mit der Anlegung eines Ge- 
meindefriedhofs in Friedrichsfelde und mit dem Ankauf des auf 
dem beiliegenden Abschnitt aus der Generalstabskarte mit a b c 
d e f g a umschriebenen Landstücks des Ritterguts FriedrichS- 
felde von ca. 100 Morgen gleich 25,5826 ha zu dem Preise von 
460 Ai. pro Morgen gleich 18,02 AL pro Ar einverstanden und 
genehmigt ferner, daß das zu zahlende Kaufgeld (bei genau 
100 Morgen 46 000 A€) in Anrechnung auf den Fonds für 
unvorhergesehene Ausgaben verausgabt werde. 
Berlin, den 26. Januar 1880. 
Magistrat hiesiger König!. Haupt- und Residenzstadt, 
gez. von Forckcnbeck. 
81. Vorlage (I -Nr. 42. A.B.) — zur Kenntnistnahme —, 
betreffend die der Haupt-Stiftungskaffe im 
2. Halbjahr 187» zugewendeten Vermächtnisse 
und Geschenke. 
Der Stablvclorüueieu-Verjammluug uberieudeu wir ui der Anlage 
die in unserem Auftrage aufgestellte Nachweisung der bei der Haupt- 
Sliftungskaste innerhalb des zweiten Halbjahrs 1879 ohne weitere Be 
dingungen eingegangenen Vermächtniste und Geschenke zur Kenntnißnahme. 
Bei den mit der Haupt-Stiftungskaste verbundenen Nebcnsonds der 
Arbeitshaus- und Wailenhausverwaltung sind in dem genannten Halb 
jahre solche Bermächiniste und Geschenke nicht eingegangen. 
Berlin, den 20. Januar 1880. 
Magistrat hiesiger König!. Haupt- und Residenzstadt, 
gez. von Forckcnbeck. 
Zu Nr. «I. 
Uebersicht 
der der Haupt-Stiftungskaste innerhalb des zweiten Halbjahres 1879 
ohne weitere Bedingungen zugewandten Vermächtniste und Geschenke. 
A. Vermächtnisse. 
1. Legat des verstorbenen Kaufmanns Karl Ernst Ferdinand Gott 
lieb Dittmar 300 AL 
2. Vermächtniß deS Rentiers Herrn David Karl 
Splitgerber nach Abzug von 6 000 Ai. 
Erbschaslsstempelsteuer 144 000 - 
3. Legat des Rentiers Herrn Wilhelm Ferdinand 
Schauß 1500 - 
4. Legat der verwittweten Frau Rentier Bier als 
Wilhelmine Bier'schc Stiftung 1 200 - 
5. Legat des in Warmbrunn verstorbenen Rentiers 
Franz Georg L u ck 150 - 
Summa A. 147 150 AL 
B. Gefchc nke. 
1. Geschenk der Nichten des am 4. August cr. vcrstorbencnen 
Fräuleins Luise Geiß für unbefcholtene Arme deS 199. Stadt 
bezirks 300 AL. 
2. Von einem Ungenannten mittelst Postanweisung 5 
3. Geschenk deS Herrn Or. P. Meyer . . . . 100 - 
4. Durch Herrn Stadtrath Walcker, Betrag der 
Verlosung eines Gewinnes aus der Gewerbe- 
Ausstellung eingezahlt mit 1,70 - 
5. Von Herrn Oewalo Nier, Inhaber der Wein- 
Handlung „Aux caves de France“, Jcrusale- 
merstraßc 4 100 • 
6. Von Malcke in Habsheim mittelst Post 
anweisung 15 « 
7. Von Herrn Altmann, Mohrenstr. 34 . . . 30 - 
8. Inhalt der in der Königlichen Polizei-Haupt- 
kafle aufgestellten Büchse zum Besten der Armen 
Berlins 41^i - 
9. Von dem Kaufmann Herrn Albert Philipp 
Meyer 160 - 
10. Von Frau Rosalie Gebert 300 
Summa B. 1 043,61 AL 
Summa A. 147 150 - 
Summa Summarum 148 193,51 AC 
62. Vorlage (J.-Nr. 115. St. I. A.), betreffend die Be- 
sichtigung der Irrenanstalt in Dalldorf. 
Der Siadtverordneten-Versammlung theilen wir hierdurch ergebenst 
mit, daß die städtische Irrenanstalt zu Dalldorf nunmehr im Bau voll 
ständig vollendet und mit sämmtlichem Inventar versehen ist. 
Die Belegung derselben soll am 5. k. M. erfolgen resp. beginnen. 
In Folge dessen laden wir Wohldieselbe zu einer Besichtigung der 
Anstalt am 4. k. M. ergebenst ein mit dxm Bemerken, daß die Abfahrt 
am genannten Tage um 12 Uhr vom Rathhrnse aus in Aussicht ge 
nommen ist. 
Berlin, den 26. Januar 1880. 
Magistrat hiesiger Königl. Haupt- und Residenzstadt, 
gez. von Forckcnb eck.
	        
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